Vollständige Version anzeigen : Mulholland Drive-Thru Service
Kathrin Passig
19.12.2001, 03:45
Alle Verständnisfragen zu diesem herausragenden Film von David Lynch beantwortet Ihnen gern unter der Nummer 0179 - 591 29 95 (EUR 12,-/Minute)
Institut "Kathrin"
Divination und Exegese zum Pauschaltarif
Schwarzes Schaaf
19.12.2001, 18:48
Etwas happig ihre Tarife!
Ich versuche mir bei diesem Film vorzustellen, was fuer eine grandiose Fernsehserie es haette werden koennen. So viele Geschichtenstraenge, Charaktere, Schauplaetze... so aber musste am Ende alles ganz schnell aufgewickelt werden. Schade.
Die Frage ist fuer mich jetzt nur: Was war Illusion/Traum, all das VOR der blauen Schachtel oder alles DANACH?
Manchmal vermute ich, das Lynch selber nicht weiss was das alles soll, sondern einfach nur seinen Spass daran hat, den Zuschauer komplett zu verwirren und zu bezaubern.
Kathrin Passig
19.12.2001, 18:58
Das davor natürlich. Wer würde denn, wenn er sich schon die Realität neu zurechtlegt, eine so unangenehme Version wie den zweiten Teil ersinnen? Dazu die hübschen Klischees aus dem ersten Teil, die Bilderbuch-Mafiaverschwörung etc. Die Rechnung geht Ihnen auf dem Postweg zu.
Walter Schmidtchen
19.12.2001, 19:29
Ich hasse Euch!
in der Atacama Wueste, der trockensten Wueste der Welt kann man den neuen Lynch natuerlich nicht sehen, sicher auch nicht in Antofagasta, der Stadt mit dem schicksten Namen, in der ich weihnachten rumzubringen gedenke. Aber wartet nur, Clausens und mein Film, fuer den ich bereits fleissig Plankton fische, wird alles bisher Dagewesene volle Kanne ablynchen
DonDahlmann
19.12.2001, 23:53
Kein Wasser hat er, aber einen Internetanschluss. Wie macht Schmidtchen das?
James Dean Brown
20.12.2001, 03:44
In San Pedro gibt's nur von 02.00 bis 08.00 Uhr morgens keinen Strom. Still ist es dann, totenstill, angsteinflössend. Man hört das Plankton trapsen.
gehaessiges Kind
06.01.2002, 16:10
um was gehts denn in den Film?
gehaessiges Kind
06.01.2002, 20:23
Originally posted by Spleen
Guuute Frage!
ey, verarschen kann ich mich alleine, ja?
Larry Erbs
06.01.2002, 20:33
Betty und Diane werden von der gleichen Schauspielerin (Naomi Watts) gespielt, soviel ist klar. Was ist aber mit der Frau mit der sich der Killer auf der Strasse trifft. ( Sie gehen dann zu einem Kleintransporter). Und der Kellnerin die dann das "Betty" - Schild trägt. Und dann noch diejenige die bei dem Dinner bei Adam Camilla küsst? Ist das auch die gleiche Schaupielerin???
Bei dem Dinner sah man auch noch kurz einen Mann der so ähnlich aussah wie der Mann der hinter dem Mann im Rollstuhl in dem abgedunkelten Raum stand. Sind das dieselben? Ausserdem: Bei Diane klopft es, sie öffnet, eine Frau mit halblangen dunklen Haaren holt noch ein paar Sachen ab, es war aber nicht die Nachbarin aus dem ersten Teil, die die Wohnung getauscht hat. Wer war das dann? Camilla kann es auch nicht sein, denn mit ihr fuhr Diane ja kurz darauf zum Filmset.
Ach Larry, ich weiß es doch auch nicht! Ruf mal Kathrin an...
Und stell' endlich die Schurrbart-Fotos von Goodwills Sylvester-Fondue ins Netz, oder waren die nichts geworden?
Kathrin Passig
07.01.2002, 00:53
Die, die Adam bei dem Dinner küsst, ist eine ganz andere Schauspielerin. Das musste ich aber auch mangels Blondinenunterscheidungsfähigkeiten ergoogeln. Und die Kellnerin und die Frau auf der Straße sind auch nochmal andere.
gehaessiges Kind
07.01.2002, 00:58
der eine kleine Gnom war wohl voll der chefmaessige typ, sone art gott, oder was? ey, kein Arsch nimmt mich jetzte hier ernst, oder was? katrin passig, du alte hippe, ich dachte du wärst jetz die volle durchblickerin?
gehaessiges Kind
07.01.2002, 01:02
wieso heisst die eine kellnerin zweimal anders?
wer ist der komische waldschraat mit den verkollten gesicht? der eine, der hinten am mülleimer abhängt
Counsellor Troy
07.01.2002, 01:36
Originally posted by gehaessiges Kind
katrin passig, du alte hippe, ich dachte du wärst jetz die volle durchblickerin?
lächelt das gehässige Kind verständnisvoll an
Ich habe das Gefühl, du möchtest mal von Kathrin Passig verdroschen werden. Mach Dir nicht draus, das wollen hier viele. Allerdings ein ungewöhnlicher Wunsch in deinem Alter. Ich mach mir ein bißchen Sorgen um Dich...schlagen Deine Eltern Dich nicht genug?
haut dem gehässigen Kind theraupeutisch eins in die Fresse
gehaessiges Kind
07.01.2002, 02:02
pariert den schwachen schlag mit kalter gleichgültigkeit
holt mit hassfunkelnden augen zum brutalstmöglichen gegenschlag aus
Unter dieser (http://www.concorde-film.de) Adresse gibt es ein Gewinnspiel, um das Geheimnis von Mulholland Drive. David Lynch gibt selbst 10 Hinweise zu dem Film. Sie lauten:
1. Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Eröffnungstitel.
2. Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.
3. Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den sich Adam Kesher Schauspielerinnen anhört und ansieht. Wird dieser Titel an anderer Stelle wiederholt?
4. Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis .. Beachten Sie genau den Ort des Unfalls..
5. Wer gibt wem einen Schlüssel – und warum?
6. Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher, die Tasse Kaffee.
7. Wer macht sich im Club „Silencio“ bemerkbar? Was ist dort zu fühlen, zu beobachten und zu gewinnen?
8. Hilft Camilla allein ihre Begabung?
9. Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter „Winkies“
10 Wo ist Tante Ruth?
Obwohl ich den Film zweimal gesehen habe, kann ich höchstens Frage Nummer 8 direkt beantworten. Die Antwort lautet selbstverständlich nein, aber die übrigen Hinweise, mysteriös, mysteriös.
Ich habe das service personal unter obiger hotline leider nicht erreicht. Deswegen hier meine laienhafte nicht überprüfte Exegese:
In der Chronologie der Ereignisse beginnt der Film in der Mitte. Nachdem "Betty" und "Rita" aus dem Club/Theater "Silencio" nach Hause gekommen sind.
Was eigentlich passiert ist: Diane Selwyn und Camilla Rhodes hatten eine Liebesbeziehung. Camilla hat aber erstens die besseren Rollen bekommen und zweitens mit dem Regisseur gevögelt und mit Diane schlussgemacht. Dann ging es Diane so dreckig, dass sie nach der Party bei dem Regisseur beschlossen hat, von dem Auftragskiller mit dem schmutzigen T-Shirt Killer anheuern zu lassen. Die Camilla umbringen sollen.
Danach hält sies es zu Hause nicht mehr aus und das geisterhafte alte Ehepaar in ihrer Welt der Verzweiflung treibt sie in den Selbstmord. Danach begleitet das gleiche Ehepaar sie aber wieder zurück nach Hollywood, sie bekommt (inihrem Kopf ?) eine zweite chance. Vielleicht eine Art Todesfilm im Moment des Selbstmordes.
Wobei ich mir nicht ganz sicher bin. Ich glaube auch das David Lynch das nicht vollends entschieden hat: Ob die erste Hälfte des Films tatsächlich nur von Diane geträumt wird, dass hieße, dass Camilla bei dem Autounfall gestorben ist. Oder ob Camilla überlebt und der wieder zurückgekommenen Diane aka. "Betty" (diesen Namen hat sie gewählt, weil sie im Moment des Mord-in-Auftraggebens das Namensschild der Bedienung "Betty" gelesen hat) begenet und sie nicht erkennt.
Tatsächlich ist es aber so, dass die schönste Szene des Films, nämlich die aussergewöhnlich zarte und suggestive Bettszene zwischen "Betty" und "Rita" das eigentliche Ziel der halluzinierebnden Kräfte in diesem Film ist. Um diesen Moment des Glücks zu halten muss aber Ruhe ("Silencio") einkehren, der ganze Hollywoodzirkus muss aufhören. Die Intrigen, Castings, Machtspiele müssen verschwinden, sonst bleibt diese Liebe nicht.
"No hay banda!" Kein orchester mehr. Das Glück der Tonspur, sie abdrehen zu können, das Bild nachbrennen zu lassen. Der Tod.
Silencio. Diane kann sterben.
Kathrin Passig
28.01.2002, 02:13
1. Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Eröffnungstitel.
Dort sieht man erstens Betty-Diane, wie sie den Jitterbug-Contest gewinnt, und ich glaube, rechts und links von ihr auch die beiden alten Menschen. Ihre Eltern? Zweitens hört man jemanden, vermutlich wiederum Diane, schluchzen und sieht dazu das Bett, auf dem sie später tot gefunden wird.
2. Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.
Eins der Telefone in der Telefonkette der fiesen Mafiosi (roter Lampenschirm, Mosaik-Aschenbecher) ist das Telefon in Dianes Wohnung.
3. Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den sich Adam Kesher Schauspielerinnen anhört und ansieht. Wird dieser Titel an anderer Stelle wiederholt?
"The hmhm North Story". Im zweiten Teil ist das der Film, bei dem sich Diane und Camilla kennengelernt haben.
4. Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis .. Beachten Sie genau den Ort des Unfalls..
Keine Ahnung.
5. Wer gibt wem einen Schlüssel – und warum?
Trivial.
6. Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher, die Tasse Kaffee.
Das hilft einem im zweiten Teil, die Reihenfolge der Erinnerungen Dianes zu erkennen, und die Szene, in der sie den Bademantel trägt, als diejenige, in der sie das alles erinnert.
7. Wer macht sich im Club „Silencio“ bemerkbar? Was ist dort zu fühlen, zu beobachten und zu gewinnen?
Keine Ahnung.
8. Hilft Camilla allein ihre Begabung?
Was mag er meinen? "Nein, sie hat sich hochgevögelt"?
9. Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter „Winkies“
Da sind keine Vorkommnisse im Umfeld. Keine Ahnung.
10 Wo ist Tante Ruth?
Sie dreht einen Film in Kanada, also da, wo Betty-Diane herkommt.
Neue Erkenntnisse? Ich glaube nicht.
James Dean Brown
28.01.2002, 18:33
Gestern hatte ich endlich auch das Vergnügen, "Mulholland Drive" zu erleben; ich hörte David Lynch aus dem Off lachen.
"Twin Peaks - Der Film" war ohne Kenntnis der Serie nicht zu entwirren - mit Kenntnis auch nur schwerlich. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Werk, nur dass man hier die in Kinofilmen seltene Gelegenheit bekommt, Szenen und Gesichter verschwenderisch lange beobachten zu dürfen, in sie hineinzutauchen, um sich vom emotionalen Strudel der Protagonistinnen mitreissen zu lassen (ähnlich wie in "Lost Highway"). Ambiente, Set- und Sound-Design generieren, wie üblich bei Lynch, Atmosphäre und tragen glücklicherweise nicht zur Verwirrung bei, sondern fördern auf angenehme Weise die Konzentration. Das sollte die Enthüllung des Geheimnisses - sofern es denn wirklich eines gibt - prinzipiell vereinfachen.
zu 3) The Sylvia North Story.
zu 4) Der Unfall ereignete sich direkt vor Kesher's Villa: identisches nächtliches Panorama auf Downtown L.A. bei Unfall und Party.
zu 5) Niemand gibt niemandem einen Schlüssel - im ersten Teil finden die Frauen den blauen Schlüssel in Rita's Handtasche; im zweiten Teil liegt der Schlüssel bereits auf dem Tisch in Diane's Apartment bzw. - in der Szene, wo sie sich mit dem Killer trifft - auf dem des Diner's. Ist es nicht so?
zu 6) Der geliehene Aschenbecher, den die Besitzerin - Diane's Nachbarin - im zweiten Teil an sich nimmt, steht in der darauffolgenden Szene wieder auf dem Tisch in Diane's Wohnung. Und schon verblasst die Erinnerung: welche Szene war das nochmal - die zweite Liebesszene zwischen Diane und Camilla, die das Ende der Beziehung ankündigt?
zu 7) Nochmal trivial: Als einziger macht sich im Club der Conférencier, der übergeordnete Regisseur und Erklärer der Ereignisse bemerkbar, der als Einziger das Spiel der Illusionen durchschaut, sowie die Fäden in der Hand zu haben scheint. Zu fühlen ist die Patina der "Lady in the Radiator" aus "Eraserhead". Zu beobachten ist die doppelte Lüge: der Gesang zu einem Playback, das keines ist und erst nach der Ohnmacht der Sängerin als eines dargestellt wird. Zu gewinnen gibt es die Erkenntnis, dass die Momente grössten emotionalen Glücks lediglich Illusion, d.h. auf Lügen aufgebaut sind.
zu 8) Sie scheint mächtige Mafia- und Cowboy-Freunde zu haben, also im übertragenen Sinne über unsichtbare Fäden mit Zentren der Macht bzw. mit konservativen Kreisen verbunden zu sein. Das weist auf den ersten Blick bloss auf Lynch's persönliches Dilemma bezüglich der korrupten Mechanismen Hollywood's hin.
zu 9) Die subjektive Kamera konzentriert sich mit hoher Erwartungshaltung auf die Suche nach dem Monster hinter der Mauer, also werden Vorkommnisse in dessen Umfeld im Grunde komplett ausgeblendet...
Bringt auch nicht viel... der Nächste bitte.
Kathrin Passig
28.01.2002, 19:27
zu 4) Der Unfall ereignete sich direkt vor Kesher's Villa: identisches nächtliches Panorama auf Downtown L.A. bei Unfall und Party.
Ach so, das hatte ich als offensichtlich angesehen, weil so ausdauernd drauf hingewiesen wird. Verbuchen wir's also auch unter trivial.
zu 5) Niemand gibt niemandem einen Schlüssel - im ersten Teil finden die Frauen den blauen Schlüssel in Rita's Handtasche; im zweiten Teil liegt der Schlüssel bereits auf dem Tisch in Diane's Apartment bzw. - in der Szene, wo sie sich mit dem Killer trifft - auf dem des Diner's. Ist es nicht so?
Nein, der Killer montiert den blauen Schlüssel von seinem Schlüsselbund ab und überreicht ihn Diane. Ist aber vermutlich egal; ich nehme an, die Frage will nur allgemein auf den Killer aufmerksam machen.
Nach wie vor vollkommen ungeklärt: Wer ist der Langhaarige, der erschossen wird? In welchem Zusammenhang erzählt er welche lustige Geschichte über welchen Autounfall? Und was hat es mit dem schwarzen Buch auf sich ("So that's it? That's his black book?"), das "The history of the world - in phone numbers" enthält? Später sieht man es vor dem Killer auf dem Tisch im Diner liegen, während er mit Diane verhandelt. Einfach nur ein loser Faden aus der geplanten längeren Fassung?
James Dean Brown
29.01.2002, 22:48
Nicht unbedingt neu, aber aus eigener Erkenntnis unter Berufung auf die Analyse im Rahmen des "Mulholland Drive"-Themenabends unserer Montagsrunde gewonnen:
Blenden wir Metaphysik und die von ihr ausgehende Verführung zur Hermeneutik vollständig aus. Zwar besteht bei "Mulholland Drive" (wie bei allen Lynch-Filmen) der Anreiz, gewisse Metaebenen einer Scheinwelt zu entdecken und zu erforschen, um wahnwitzige Verbindungen zu konstruieren, die dazu geeignet wären, Verschwörungstheorien als –praktiken zu entlarven. Aber David Lynch's visionäres Universum ist in unserer Welt geerdet (wenn auch in ihrer "dunklen" Seite) und mehr dem Symbolischen zugetan. Lynch ist ein Regisseuer, der Emotionen überzeugend in Atmosphären übersetzt. Eine Traumsequenz erlaubt abschweifende, metaphorische Bilder, die in keiner Logik und nicht in filmischen Gesetzmässigkeiten verankert sein müssen. Die anzunehmende, übergeordnete Message des Films ist folglich so trivial wie eindeutig: "Das Böse nährt sich vom Guten". Es ist das Thema, welches Lynch's Filme seit seinen Frühwerken kontinuierlich beherrscht.
Im Fall von "Mulholland Drive" siedelt Lynch das Thema in der Welt des Filmgeschäfts, in der "Traumfabrik" Hollywood an. Wie wir wissen, ist die Produktion der geplanten Serie "Mulholland Drive" vom Fernsehsender 'ABC' abgelehnt worden. Die französische Produktionsfirma 'Studio Canal' nahm sich des Kinofilms an – ein Freibrief, einen Abgesang auf die amerikanische Filmindustrie zu inszenieren.
Die Schlüsselszene scheint tatsächlich jene zu sein, in der der Schlüssel übergeben wird: der Anfang vom Ende; eigentlich die erste Szene des Flilms, (würde er den gängigen Genreregeln des Filmhandwerks folgen), die einen Plot, sowie einen logischen Schluss von Rückblenden nach sich ziehen könnte. Dazu gleich eine brennende Frage: mit welchem genauen Wortlaut übergibt der mutmassliche Killer Diane den blauen Schlüssel; war es nicht: "Wo du ihn findest, dort passiert es dann"?
Demgemäss könnte der Deal zwischen dem Killer und Diane ebenso beinhaltet haben, dass ersterer der Frau einen Revolver für ihren geplanten Selbstmord besorgt und den Schlüssel als Zeichen der Lieferung hinterlegt. (In diesem Zusammenhang muss ich gestehen, dass ich inmitten des Strudels der finalen Horrorsequenz nicht wahrgenommen habe, dass sich Diane mittels eines Revolvers selbst richtet… da war ich aber überraschenderweise nicht der Einzige. Wahrscheinlich war ich von der überkandidelten Effekthascherei ein wenig genervt und sah deshalb nicht genau hin).
Diane hat (die Hoffnung auf) alles Glück verloren, nach dem der Mensch im Allgemeinen strebt: Liebe und Anerkennung. Daran ist Regisseur Kesher schuld, der ihr die Geliebte und gezwungenermassen die ersehnte Hauptrolle nahm. Hollywood, die "Traumfabrik" steht als Symbol für ein hermetisches System, in dem das Glück regiert, das im realen Leben nie erreicht werden kann: die vollendete Illusion eines sorglosen Lebens. In dem Masse, in dem Hollywood seinen Traum auf- und ausbaut, werden die Träume der Menschen im realen Leben durch den Entzug von Glück (= Energie) zerstört. Bleibt diesen Unglücklichen die Flucht in eine alternative, instabile Traumwelt.
Der Conférencier im Varieté "Silencio" verbalisiert David Lynch's Anklage. Er entlarvt die perfektionistische Lüge einer Scheinwelt.
Hollywood ist ein emotionaler Fake, der durch Fassaden, durch künstlich generierte Hilfsmittel (Musik als Träger von Emotionen) zum kurzen, aber heftigen Aufblühen gebracht wird. "No hay orquesta." Es gibt keine tränenziehende Orchestermusik, nicht in "Mulholland Drive". Der Entzug dieser Lüge gebiert wahre, menschliche Emotionen – die Liebe, ihr Schmerz und folgerichtig die Verzweiflung. Ausserdem die Erkenntnis, dass man sich der Abhängigkeit von den Zentren der Macht und ihrer Gesetze nicht entziehen kann (Mafia – sogar der Geschmack des Espresso muss subjektiven Gesetzmässigkeiten folgen; konservative Kräfte – Cowboy: "Die Einstellung eines Mannes bestimmt seine Zukunft.").
"The History of the World – in Phone Numbers" könnte das Buch sein, das alle wichtigen Telefonkontakte der Welt 'Hollywood/Babylon' vereint: Produzenten, Regisseure, Casting-Listen… Der Killer arbeitet womöglich ausschliesslich für die Filmindustrie. Hinter den Kulissen werden Entscheidungen mittels Gewalt, ohne Rücksicht auf Verluste getroffen. Frage: Ist die Exekutive der Filmindustrie in der Hand der italienschen und der Latino-Mafia?
Vielleicht folgen in den nächsten Tagen noch ein paar Details; wir haben gestern, während unserer Diskussion, leider nichts notiert.
_________________________
Lässt man sich auf das Spiel auf der offiziellen, flashanimierten Website: http://www.mulhollanddrive.com/ ein, das aus dem Zusammensetzen zweier Puzzles (Kesher, Camilla/Rita) und dem Wählen zweier Telefonnummern (booth 7: X2899; booth 8: X8488) besteht, erhält man einen "Clue" für die angebliche Lösung des Films. Dieser Hinweis hat die Form eines "Betty" betitelten QuickTime Movies, den man herunterladen muss (denn er startet nicht von selbst, zumindest nicht auf meinem System).
Er beginnt mit dem Wort "Congratulations" und erzeugt zunächst mit einem langen Still der Mauerecke hinter "Winkies" in Nahaufnahme, sowie dem dazugehörigen, statischen Sound Spannung. Natürlich materialisiert sich, wie erwartet, das Monster – welchem man ein paar Sekunden lang in die Fratze schauen kann – um daraufhin wieder zu verschwinden. Gruselig, das.
Der .mov-File hat keine Referenz-URL; wer das Spiel nicht selbst spielen mag und den Film (1,1 MB) von mir per Mail zugeschickt haben möchte, möge sich bei mir melden. Vielleicht können tatsächlich neue Erkenntnisse gewonnen werden.
Walter Schmidtchen
01.02.2002, 17:25
Warum sind die blauen Schlüssel verschieden?
Was liegt noch in der Tüte des Mannes hinterm Winkies, ausser dem blauen Würfel und dem Stück Fleisch? Was ist das? Ein Flaschenöffner?
Ist das mit Cindy Sherman abgesprochen, dass er ein Bild von ihr quasi 1:1 zitiert, in dem Studio, wo Betty auftaucht mit dem Kopftuch und sich diese Autoszene anschaut, ein Bild auf dem Cindy Sherman ja eine Filmszene faked.
Ach, das ist doch alles so egal, ich fand den Film sehr komisch, hatte schöne Bilder und märchenhafte Ideen, eine Logik interessiert mich nicht, ich galub auch, dass er mehr Fallen auslegt, als "eine Botschaft", schön auch dass er Angelo Badalamenti mitspielen liess, der Mann, dem der Kaffee aus dem Mund rinnt.
Mir hat Lost Highway nicht gefallen, aber umso mehr die Fernsehserie On the air, ich sehe bei Mul. Dr. mehr Parallelen zu letztem
Ich habe letzte Woche diesen Film gesehen.
Die Merkwürdigkeiten kamen zwei Tage später. Da las ich „Die schöne Melusine“ von Goethe vor dem Einschlafen. Dann hatte ich einen schrecklichen Albtraum:
Ich war in einem palastähnlichen Hotel voller Gäste. Dort traf ich jemanden wieder, den ich wirklich nur flüchtig kenne. Er war dort Kellner und lief mich anlächelnd mit einem vollen Tablett vorbei. Dann wechselte von einer Sekunde zur anderen das Licht, und ich war alleine (Szene Mulholland Dr.: Schlüssel und Kästchen treffen sich). Totenstille. Dann träumte ich im Schlaf, dass ich in meinem Bett liege und schlafe. Auf einmal wird aus dem Nichts dieser Kellner nackt vor mein Bett auf den Boden gespuckt (Terminator). Mit den Worten: „Wir sind in der gleichen Zeitschleife gefangen.“ versucht er, in mein Bett zu kriechen. Darauf antwortete ich:“ Aber vorher breche ich dir noch den Fussknöchel.“ Was ich auch tat. Das Splittern war unschön. Dann wachte ich auf.
Am nächsten Tag bekam ich eine schlimme Erkältung und liege seitdem im Bett
Hatte das was mit Mulholland Dr. zu tun oder kann ich getrost alles auf Goethe schieben?
[Dazu gleich eine brennende Frage: mit welchem genauen Wortlaut übergibt der mutmassliche Killer Diane den blauen Schlüssel; war es nicht: "Wo du ihn findest, dort passiert es dann"?]
ich glaube er sagt: "wenn du ihn findest, dann ist es passiert." er zeigt ihn ihr nur, gibt ihn ihr aber nicht.
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