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Vollständige Version anzeigen : Das Elend mit der Synchronisation


U_Sterblich
09.01.2002, 18:01
Ganze Filme werden hierzulande zerstört, und besonders Komödien. Jüngstes Beispiel: Zoolander. Habe ich im Original gesehen und für großartig befunden. Habe jetzt von jemandem gehört, der Original und deutsche Fassung gesehen hat, dass die Charaktere tuntige überdrehte Stimmen bekommen haben und überhaupt nichts mehr funktioniert. Im deutschen Synchronbusiness denkt man sich: Ach, ein KOMISCHER Film, na da machen wir ganz lustige Stimmen rein. Und alles ist verkackt. Schwarze kriegen immer sich überschlagende Eddy-Murphy-Stimmen. Ein schmutziges Elend.

Juri
09.01.2002, 20:09
schließt sich an

Ich denke auch an Serien, z.B. Friends, die mochte ich im Original, synchronisiert sind sie nur peinlich.
Oder die schöne Szene im "Big Lebowski", als John Goodman räsoniert: "What did Lenin say?", und Walter im Hintergrund einspringt: "I am the walrus!" Wie will man sowas auch übersetzen, geschweige denn "Dude"?

Aber hat jemand vielleicht konstruktive Gegenbeispiele?

Murmel
10.01.2002, 00:25
Hihi, prust, aber, aber, hihi, hoho, jetzt soll, bruhahahaha, hihi, jetzt soll, hihi, hoho, jetzt soll Eddy Murphy vielleicht, bruhahaha, Bully synchronisieren, hahahaha! Stand zumindest in der Netzzeitung.

Sommer 2012 auf einer Straße in New York. Zwei Schwarze kommen aus dem Kino.
"You know, I hate those german pictures. All the white guys are dubbed by shrill ennoying voices, like Eddy Murphy."

Ausgelacht.

Schwarzes Schaaf
10.01.2002, 03:02
Dieses Thema wurde schon ausfuehrlichst im "Aaaargh!" Forum erlaeutert, aber da es hier ja eindeutig besser hinpasst, auf ein neues.
Das mit den Uebersetzungsschierigkeiten, besonders bei Komoedien, ist definitiv der Fall. Humor ist einfach von Land zu Land und Sprache zu Sprache so verschieden, es kann einfach nicht funktionieren. Waere ja umgekehrt genau so. Ganz, ganz wenige Ausnahmen gibt es, bei denen die deutschen Dialoge sehr gut geschrieben sind ("Leiche zum Dessert" faellt mir da spontan ein, oder die Serie "Die Zwei").
Ausserdem habe ich mich mittlerweile so an Originalversionen gewoehnt (wohne z.Zt. in den USA), dass mich die Inkongruenz von Dialog und Lippenbewegungen bei synchronisierten Filmen total irritiert. Dann lieber Untertitel lesen.

Kirk Erbs
10.01.2002, 03:18
Die deutsche Synchronisation von Eddie Murphy gefällt mir. Hat nichts mit dem Original zu tun, und mit Deutsch auch nichts. So redet kein Mensch. Das muß man erst einmal schaffen.

Murmel: Eddie Murphy hat gar keine schrille Stimme, aber der Witz war trotzdem gut.

Akareyon
15.01.2002, 13:24
Oh ja, es gibt gegenspiele, äh, -bei-.

Da wären die Columbo-Filme, die damals einerseits durch ihren Synchronisator (habe den Namen vergessen, ganz ein toller Kerl, wenn man ihm glaubt) und durch dessen Nachschnitt im deutschen ganz anders, d.h. sogar viel besser wirkten. Natürlich lacht man heute nur wenig über diesen Humor ("Los, in den Wald, Pilze mähen!" bei einer Gangsterverfolgung), aber damals wäre dieser Erfolg ohne diese freche Freiheit nicht zustande gekommen.

Wer Shrek auf deutsch witzig fand, soll polnisch lernen und sich den Film auf polnisch angucken: man kommt aus dem Lachen nicht mehr raus. Da wird das, was uns zum Grinsen gebracht hat, zum Schenkelklopfer.

Schwarzes Schaaf
15.01.2002, 14:30
Gester abend habe ich mir Kokaku Kidotai (aka "Ghost In The Shell") angesehen. Ich dachte: Naja, ist animiert, der Englische dub wird schon nicht so schlimm sein. FALSCH. Total amateruhafte Schauspieler, die Stimmen klangen wie vom Blatt gelesen. Den Rest hab ich mir dann japanisch mit Untertiteln geguckt.

eisenvater
15.01.2002, 15:10
.. es gibt aber auch den (seltenen) Fall, das die deutschen Synchronstimmen besser passen als die originalen, siehe Michael Douglas oder Robert de Niro

Akareyon
15.01.2002, 15:47
Wo wir schon bei Synchronstimmen sind: wie heisst der Mensch, der grundsätzlich für Bruce Willis zuständig ist? In letzter Zeit hört man ihn oft in irgendeiner Werbung, in "Cliffhanger" tut er einen der Bösen synchronisieren, manchmal leiht er sogar deutschen Schauspielern seine Stimme...

Und noch eine Frage: der Erzähler, ganz zu Anfang bei "Lola rennt": hat der früher nicht Kindermärchen auf Kassetten gesprochen? Eine wunderschöne, perfekte Stimme.

@Herr Schaaf: japanische animes soll man ja auch auf japanisch gucken, mit Untertiteln. Es war niemals davon die Rede, sich die englische Synchronisation reinzutun. Das gilt für alles zwischen Akira über Ghost in the shell bis Final Fantasy. *augenzwinkernd*

Juri
15.01.2002, 15:52
Dumm ist, wenn man eine Synchronstimme, die gut paßt,l mit genau dem Schauspieler zusammengebracht hat, und dann kriegt die gute Stimme auf einmal Dutzende neuer Besitzer, z.B. die Stimme von Richter Hardcastle aus "Hardcastle und McCormick" tauchte auf einmal in der Fernsehserie "Planet der Affen" auf. Sie taucht sowieso ünberall auf, eine knirschig-kehlig-grummlige, sehr kraftvolle Altmännerstimme. Und ich denk immer an den Richter.

@Akareyon: Eine schöne Stimme hat Gert Westphal. Meinen Sie vielleicht den?

christoph
15.01.2002, 17:15
Also ich weiß nicht. Ich bin damit zwar in der Regel allein auf weiter Flur, aber ich halte überhaupt nicht so viel von der OmU-Manie. Alle Welt erzählt mir ständig: Du, der neue X ist draußen - den muß man NATÜRLICH auf Englisch gucken! Und ab gehts ins Odeon oder neuerdings ins Sonycenter.

Ich dagegen bin wirklich der Ansicht, daß deutsche Synchronisierung aus dem Englischen in der Regel außerordentlich gut funktioniert. Dieser Ansicht bin ich so sehr, daß ich hinter der Einladung in eine Originalversion instinktiv etwas yuppieesk Versnobtes vermute - wir, die polyglotte Jugend, schaun so etwas SELBSTVERSTÄNDLICH auf Englisch! Die deutsche Fassung guckt man nur im Wedding, in Neukölln oder im Zoopalast!

Diese Attitüde wird m. E. besonders dann etwas peinlich, wenn sie sich bis auf Unterhaltungsschmonzetten wie den "Gladiator" erstreckt. Gottseidank hat mir noch niemand anzudrehen versucht, man müsse auch "The Rock" oder "Independence Day" UNBEDINGT im Original schaun - dann würd ich echt loslachen.

Das letzte Mal gings mir so bei "Mulholland Drive". Ich war der Warnende, der meinte, man würde von der Handlung wahrscheinlich schon inhaltlich nur einen Bruchteil kapieren - da müsse man sich nicht auch noch das Sprachproblem schultern. Aber nein - meine originalversionsverliebten Freunde blieben standhaft.

Auch, wenn das jetzt etwas überprätentiös wirkt, muß ich noch anfügen, daß mein Englisch wirklich außerordentlich gut ist - ich hab meine Brötchen schon mit Übersetzungen verdient und lese mehr englische als deutsche Belletristik. Aber mit Ausnahme von dezidiert dialoglastigen Autorenfilmen, ich sags nochmal, hätte ich es in meinem ganzen Leben (vielleicht liegts aber auch an dem) noch nie erlebt, daß ein Film oder auch eine Serie durch die Synchro so sehr verloren hätte. Deutsch und Englisch sind einander in vieler Hinsicht sehr, sehr ähnlich, weswegen auch die Lippenbewegungen oft passen. Und der Humor kommt in den allermeisten Fällen auch auf Deutsch rüber - es sei denn, er war auch auf Englisch schon nicht witzig.

Brotwurst
15.01.2002, 17:15
Akareyon: die Synchronstimme von Bruce Willis (und auch Gerard Depardieu) gehoert Manfred Lehmann, der u.a. deutscher Schauspieler ist ...

Schwarzes Schaaf
16.01.2002, 03:30
@ christoph: An sich haben sie ja recht, und es gibt sicherlich schwerere Vergehen als Synchronisation. Trotzdem, wenn ich die Wahl habe und die Originalsprache hinreichend beherrsche, warum sie dann nicht bevorzugen? Zumal eine Synchronisation, so gut sie auch sein mag, doch immer ein Eingriff in den Film als Gesamtwerk ist. Englische Lieder werden ja auch nicht uebersetzt. (Gut, vielleicht etwas an den Haaren herbeigezogener Vergleich). Was das "Rueberkommen" von Humor etc. angeht, ist das ja wohl eher die Ausnahme als die Regel.

Murmel
16.01.2002, 10:15
Christoph, es ist einfach so, dass bei vielen Filmen die Sprache sehr wichtig ist. Sie unterstreicht das ganze Geschehen, verleiht Lokalfarbe und Melodie. Bei durchschnittlichen Hollywoodproduktionen ist das egal, aber Filme wie Fargo oder gar Padre Patrone (Taviani) würden zu viel in der Synchronisation verlieren.

Juri
16.01.2002, 12:31
Übrigens, Christoph, haben Sie keinen geringeren als Max Goldt auf ihrer Seite (Goldt, Max: Die Kugeln in unseren Köpfen. München: 2000. 6. Aufl. 105f).

Schwarzes Schaaf
16.01.2002, 13:38
Na wenn Goldt das sagt, sind Synchronisationen natuerlich vollkommen in Ordnung.

Larry Erbs
16.01.2002, 13:54
echter Irrsinn... (http://home.arcor.de/jgaloewi/murphy.wav)

christoph
16.01.2002, 14:23
Der Maxe und ich sind ohnehin ein Team. Das bestärkt mich darin, noch einmal nachzulegen zu diesem Thema. Denn meine Vermutung ist ja die, daß der Drang zum OmU oder gar zum OoU eigentlich ganz gegen die Interessen und VOR ALLEM die Fähigkeiten der meisten ist. Jetzt seien wir doch mal ehrlich. Es gibt schon DEUTSCHE Filme, bei denen man gelegentlich Worte, Satzfetzen oder Zusammenhänge nicht ganz mitbekommt. "Was hat er eben gesagt?" oder "Wer war das noch gleich?" sind zweifellos zwei der beliebtesten Fragen während einer Kinoaufführung.

Und nun das ganze auf Englisch. Ich sag hier mal folgendes. Seit Jahren nutze ich diese Sprache beruflich und privat, ich mach Fachübersetzungen, halte Präsentationen auf Englisch, schreibe und lese viel Englisch, reise viel auf Englisch und liebe diese Sprache ganz und gar. Und TROTZDEM entgeht mir im Kino ein nicht unerheblicher Teil der Dialoge. Besonders dann, wenn afroamerikanischer oder Dixie-Slang geredet wird, oder nordenglisches Idiom, schnall ich manchmal völlig ab. Selbst meinen Lieblingsfilm "Clerks" hab ich erst beim vierten Mal komplett verstanden. In jedem Fall aber muß ich mich ERHEBLICH mehr konzentrieren als bei deutschen Filmen, und Untertitel lenken definitiv extrem ab vom Filmgeschehen.

So. Und nun möchte ich mal behaupten, und bitte glaubt, daß es hier nicht um Selbstbeweihräucherung geht, daß 95% aller Menschen da draußen nicht so gut Englisch können wie ich - und TROTZDEM in die Originalfassung wollen. Warum? Im Kino geht es um Unterhaltung, und nicht darum, sich auf den TOEFL-Test vorzubereiten!

Ich sags erneut - ich hab immer das latente Gefühl, daß es vielen darum geht, sich zu beweisen. Aber wenn man im Leben echt mal ne Pause im Sichbeweisenwollen einlegen sollte, dann am Kinodienstag bei Popcorn und Bier. Irgendwann reichts nämlich mal mit der polyglotten, kosmopolitisierten und multimedial aufbereiteten Jugendlichkeit.

Murmel
16.01.2002, 15:03
Ich bleibe dabei: Filme verlieren in der Synchronisation. Müssen Sie ja auch, denn es wird zum einen übersetzt, zum anderen aber auch an die Mundbewegungen der Schauspieler angeglichen. Untertitel sind Gewöhnungssache. Nach ein paar Filmen liest man sie ganz unterbewußt und konzentriert sich wieder hauptsächlich auf das Bild.

Juri
16.01.2002, 15:43
Ich bin übrigens Murmels Meinung. Nur so zur Info.

M aus S bei H an der L
16.01.2002, 16:20
Hmmm, eigentlich dachte ich, daß sich Deutsch und Englisch überhaupt nicht ähneln (vom Sprachstamm mal abgesehen). Und die Lippenbewegungen passen leider überhaupt nicht. Wenn ich deutsch synchronisierte Filme schaue, muß ich mich dazu zwingen, nicht auf die Münder zu sehen...

Und The Rock ist auf englisch definitiv besser! Niemand kann Sean Connerys Stimme auch nur annähernd ersetzen.

Es geht hierbei auch immer noch nicht ums Englische, sondern um die Originalversion! 'Das Boot' auf deutsch, Louis DeFunes auf französisch, 'Das Leben ist schön' auf italienisch. Und wenn die Sprachkenntnisse nicht reichen, dann mit Untertitel, und wenn das nicht reicht, dann auf deutsch und danach nochmal OmU (natürlich nur bei Filmen, die es auch Wert sind...)

Klar hätte ich Gladiator wohl auch auf deutsch überlebt, aber warum soll ich mir Leute anhören, die mit Pulle Bier in der Hand und Füße auf dem Tisch die Actionsequenzen synchronisieren? Von den Übersetzungsfehlern und dem vorsetzlichen Entschärfen der Dialoge wollen wir hier gar nicht erst reden.

Deutsch: "...und so sagen wir bei der SS 'Auf Wiedersehen'." *rumms, Kinnhaken*
Original: "...and that's how we say goodbye in Germany." *rumms, Kinnhaken* (Indiana Jones and the Last Crusade)

Deutsch: "...wenn wir nicht wären würdet ihr jetzt andauernd Sauerkraut fressen und Marschmusik hören! Rumtata, rumtata..."
Original: "...without us you'd all be talking german, singing 'Deutschland, Deutschland uber alles'!" (A Fish Called Wanda)

Zudem (aber das hat sich in der letzten Zeit wohl gebessert) sind in den deutschen ersionen die Dialoge viel zu sehr hervorgehoben und die Musik und Geräusche treten zu sehr in den Hintergrund. Natürlich schreien Menschen um Hilfe, wenn sie auf einem untergehenden Schiff sind, aber das weiß man auch, ohne daß man klar und deutlich jede Silbe versteht. Echte sinkende Schiffe nehmen darauf nämlich auch keine Rücksicht.

Egal ob The Rock, oder Das Boot, alles verliert in der Synchronisation. Allein schon deswegen, weil die Sprecher nicht am Drehort waren...

Aber eins muß ich schon zugeben: Die deutschen Synchronisationen gehören mit zu den besten!

...Mike

Tristan
16.01.2002, 17:31
Der Schauspieler Klaus Schwarzkopf war tatsaechlich ein toller Kerl und ist das deutsche Paradebeispiel fuer gelungene Synchronisation.
http://www.ndr.de/tv/tatort/images/tatort_schwarzkopf_80x80.jpg

Columbo/Peter Falk und seine deutschen Synchronstimmen hier als mp3 zum Vergleich (www.columbo-homepage.de/voices.html)

Elpenor
16.01.2002, 23:47
Vor zwei Jahren herrschte in meinem Freundeskreis und bei mir Twin Peaks-Sucht. Das Problem: nach 20 Folgen gab es nicht mehr auf Video. Also habe ich bei vielen Videotheken nachgefragt und schließlich herausgefunden, daß man die restlichen auf Englisch ausleihen könne.
Es war ein Horror: Albert spricht im Original derartig schnell, daß niemand von uns etwas verstand. Dabei klärte er Agent Cooper über wichtige Details auf. Ein Teil des sonstigen Personals hätte chinesisch sprechen können, was die Verständlichkeit betraf.

Filme wie Indianer Jones kann man sich im Original anschauen, da sie wenig einbüßen und meist gut verständlich sind, aber bei Dialoglastigerenfilmen ist es die Hölle.

slowtiger
17.01.2002, 13:34
Ich behaupte mal, einen recht guten Überblick zu haben über Filme von der Stummfilmzeit bis heute. Deswegen erlaube ich mir mal folgende Behauptungen:

- Die Übersetzungen aus der Originalsprache sind immer besser geworden. Seit den Tiefpunkten der 60er und 70er Jahre hat die Branche doch wirklich dazugelernt, echte inhaltliche Schnitzer sind viel seltener geworden.

- Die Güte der Synchronistation steht und fällt mit der Wahl der passenden Sprecher. Bei Eddie Murphy war das ein Verbrechen, bei Louis de Funes war es genial.

- Natürlich lassen sich Komödien, die vor allem auf Sprachwitz beruhen, kaum adäquat übersetzen. Aber manchmal gelingt es doch.

- Lippensynchronität wird überschätzt. Animatoren bekommen in der Ausbildung mühsam ausgetrieben, jeden Buchstaben einzeln zu zeichnen, sie sollen sich stattdessen der gesamten Körpersprache widmen. Natürlich fallen grobe Abweichungen auf, aber die Empfindlichkeit dafür verliert sich mit der Gewöhnung.

- Je öfter man verschiedene Filmvertonungen sieht, desto einfacher fällt es. Als früher häufiger Festivalbesucher finde ich Untertitel oder Voice Over gar nicht schlimm.

- Die Technik hat Fortschritte gemacht. Etwa seit den 70ern sind "international versions" normal, dh abgemischte Soundtracks mit Musik und Geräuschen, aber ohne die Dialoge. Und erst in der 80ern wurden auch in Deutschland Synchronstudios technisch aufgerüstet, damit sie die gleichen Effekte auf die Stimmen legen konnten wie in Amiland.

Eine Synchronisation ist gut, wenn man sich gut unterhält und die Stimmung genießen kann. Ob dazu der Surround-Sound perfekt ist, oder ob es eine alte DDR-Synchronisation ohne Musik ist, ob es eine verrauschte O-Ton-Aufnahme ist oder cleaner Synchronstudiosound: ich kann alles genießen, weil nie der Ton alleine entscheidend für den Film ist. Trotzdem hab ich natürlich meine Vorlieben. Ich mag die verrauschten, mittigen alten Synchronisationen aus dem Fernsehen (Wenzel Lüdecke ... *grusel*), ich mag die absolut polierten perfekten Disneys. Amerikanische und europäische Filme mag ich eher synchronisiert, verstehen tu ich eh nur englisch, aber wenn zB der Witz auf Dialekten beruht, bin ich dennoch aufgeschmissen. Außerwestliche Filme hingegen mag ich lieber untertitelt, weil der gesamte Klang der fremden Sprache angenehm und unterstützend wirkt. Komischerweise mag ich deutsche Filme mit O-Ton nur ganz selten, möglicherweise bin ich da einfach auf den Studio-Sound geeicht.

Tristan
17.01.2002, 20:28
Du machst mir meinen Tag!

M aus S bei H an der L
18.01.2002, 10:48
Generell problematisch ist auch die Verwendung von mehreren Sprachen in einem Film, wenn dieser dann synchronisiert werden soll.
Im Original von 'Saving Private Ryan' kommt es gut rüber, daß die Amerikaner deutsche Soldaten aus Angst erschießen, weil sie nicht verstehen, was die sagen. Wie soll man das in der deutsch synchronisierten Fassung rüberbringen? Durch Bayerisch?!

Es ist zudem sehr verwunderlich, wie oft in amerikanischen Filmen deutsch gesprochen wird. Ich will da nur 'The Rock' (ja, ich mag den Film), 'Blade Runner' oder 'A Bug's Life' als Beispiel nennen.

'Die Hard' ist in der Hinsicht wiztig (oder auch nicht), da aus dem im Original deutsch sprechenden Hans Gruber in der deutschen Version ein amerikanischer Jack Gruber gemacht wird, dessen Kumpanen plötzlich ebenfalls keine deutschen Namen mehr haben.

Ganz schlimm eingedeutscht wurde Star Trek III, in dessen deutscher Version die Klingonen deutsch reden, während sie im Original klingonisch sprechen (mit englischen Untertiteln).

...Mike

Schwarzes Schaaf
19.01.2002, 17:15
@ M aus H an der L:
1. Genau, Blade Runner! "Warte bis die Bullen weg sind!" In dem vor kurzen in den USA angelaufenen Film Impostor, welcher auch auf einer Phil K. Dick Kurzgeschichte basiert, wird hier und da auch Deutsch gesprochen, neben dem Videobildschirm-Zeppelin eine der offensichtlicheren homages an Ridley Scott's Meisterwerk.
2. Ich kenne die Deutsche Version von Die Hard nicht, daher meine Frage: Wenn die Terroristen auf einmal NICHT mehr Deutsche sind, wie wird dann der Tathintergrund und ihre Motivation erklaert?
@slowtiger: Dialektwitze sind wirklich das schlimmste Verbrechen der Synchronisation. Ich sag nur Airplane: Bayrisch sprechende Schwarze? Haeh?!

Goepfarth
19.01.2002, 18:51
Bayrisch? Bayerisch? Schwazes Scharf?

M aus S bei H an der L
20.01.2002, 01:14
Naja, der 'Tathintergrund' des Jack Gruber ist immer noch derselbe, wie in der englischen Version - durchgeknallte Amerikaner gibt's schließlich auch genug.

Und was die bayerisch sprechenden Schwarzen anging, fand ich das eigentlich ziemlich gut gelöst (ja, das war ein Lob!). Hat zwar einen anderen Touch als der Jive-Talk des Originals, aber schließlich ist 'Airplane!' ja kein Hemingway:

Jive dude 1: "Eh. Yo knock yourself a pro slick, gray matter live performas down now take TCB'in man."
Jive Dude2: "Hey, you know what they say... See a broad, to get that booty yak 'em."

Hipster slang ist aber garnichtmal so kompliziert, wenn man denn ein Wörterbuch dafür (http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/ASIN/1842430009/qid%3D1011481760/026-0700032-1406800) hat...

...Mike

sys
22.01.2002, 17:26
leute, wir müssen froh sein, dass in unseren kreisen sich die menschen überhaupt um lückenlose synchronisation (auch die zwischen lippenbewegung und stimme) bemühen. russische und andere sender lassen ein paar aushilfskellner den übersetzten text über den originalton drüber-ablesen.
das verleiht den wenigsten filmen erotik und esprit. bis auf "falcon crest" oder "reich und schön", denen verleiht es sogar eine prise verruchtheit und kriminelle aura.

auch mal ausprobieren: nach helsinki reisen, vor der glotze platz nehmen, einen japanischen programmkino-film mit finnischen untertiteln sehen und zwischendurch immer wieder den ton abstellen und selber synchronisieren. macht spass, auch ohne rotwein.

Carlos Mendieta
23.01.2002, 04:09
Ihr wißt ja gar nicht, was Ihr an der deutschen Synchronisation habt. Hier in Mexiko werden zwar im Kino nur OmU (was ich ohne Englischkenntnisse total grausam fände) gezeigt, aber sobald der Film im TV läuft, kann man nur noch wegrennen, ob der grauenhaften Synchronisation.
Wenn dann so ein Bro aus dem LA Ghetto auf spanisch daher plappert, muß man lachen, weil das überhaupt nicht zusammen paßt. Da kommt Boyz in the hood auf deutsch schon wesentlich autenthischer.
Kinder haben immer eine piepsende Erwachsenenstimme und man hat das Gefühl, es werden sämtliche Film von maximal 5 verschiedenen Stimmen synchronisiert.
Mir gefällt das in Deutschland sehr gut und ich stimme mit Christoph voll überein. Viele gehen in die OV, nur um des "kultigen" wegen und verstehen eh nur die Hälfte. Man merkt es besonders bei Komödien. Die lachen dann bei den Pointen etwas verspätet besonders laut, um den anderen zu zeigen, daß man den Witz auch verstanden hat. Peinlich.
Das heißt aber nicht, daß ich mir nicht gern auch die OV ansehe. Am liebsten jedoch auch noch zusätzlich die deutsche Version bei besonderen Filmen.

Hasta la vista

Carlos

Bere
01.02.2002, 22:52
Mal was Positives:

Ich weiß nicht, ob von euch welche in dem passenden Alter sind und sich noch an "Die Zwei" erinnern. Das war diese "Kultserie" mit Roger Moore und Tony Curtis. Diese Serie ist erst durch die flapsige Synchronisation zum Kult geworden. Ansonsten hätte sich niemand für die Serie jemals interessiert (nicht wirklich)...

Im großen und ganzen ist Synchronisation ein gutes Mittel zur sanften "verbalen Zensur". Aber andererseits lassen sich manche Wortwitze einfach nicht übertragen. Siehe z.B. Monty Python...

Schwarzes Schaaf
02.02.2002, 00:40
Stimmt. Ich zitiere mal mich selbst:
Originally posted by Schwarzes Schaaf
Das mit den Uebersetzungsschierigkeiten, besonders bei Komoedien, ist definitiv der Fall. Humor ist einfach von Land zu Land und Sprache zu Sprache so verschieden, es kann einfach nicht funktionieren. Waere ja umgekehrt genau so. Ganz, ganz wenige Ausnahmen gibt es, bei denen die deutschen Dialoge sehr gut geschrieben sind ("Leiche zum Dessert" faellt mir da spontan ein, oder die Serie "Die Zwei").

Murmel
02.02.2002, 09:43
Warum wird bei Diskussionen um das Elend der Synchronisation immer "Die Zwei" als Argument gebracht? Das war EINE verdammte Serie und die lustigen Ideen standen keinesfalls im Synchronbuch, sondern wurden von den Sprechern spontan eingebracht. Deswegen kommen die meisten trockenen Sprüche auch, wenn man den Schauspieler schon nicht mehr sieht, bzw, nicht seine Lippen.
Was ist mit den 600 anderen Serien aus den USA? Was ist mit den ganzen zerstörten Gags bei den Simpsons? Was ist mit den tausenden von beschissen übersetzten Filmen? Eben.

Es gibt einen Strang im Aarrgh-Forum mit den peinlichsten Synchronbuchübersetzungsfehlern.

Schwarzes Schaaf
02.02.2002, 14:59
Clausen, ich bin auf ihrer Seite! "Die Zwei" ist fuer mich nur die beruehmte Ausnahme, die das Gegenteil beweist.

PS Sie sind im Zitateraten Strang am Zug!

DerCaptain
02.02.2002, 19:38
Ja, Murmel.

Passendes Beispiel: Gestern Abend, Simpsons.

Bart besucht Millhouse im Krankenhaus. Millhouse hat sich beim Seifenkistenrennen verletzt, der Arm ist gebrochen, er kann nicht fahren und Bart soll einspringen.

Er sagt. "Meine Kondition läßt ein Rennen nicht zu."

Aaaarggh. Man braucht nicht mal das Original gesehen zu haben um zu wissen, was die Synchro verbockt hat.

Es geht nicht um einen Marathon, sondern um ein Seifenkistenrennen. Mit 'condition' ist natürlich 'Zustand' oder 'Situation' gemeint.

Sie lernen es nie...

graumauser
12.02.2002, 18:53
Ein Film, der meines Wissens in Deutschland nur OmU gezeigt wurde, ist "Dead Men don't wear Plaid" - Tote tragen kein Karos. Gottlob, denn der charmante Wortwitz trägt den Film. Gilt auch für die "Rocky Horror Picture Show", und ganz besonders, für "Malpertuis", der in flämisch gesprochen wird. Die Untertitel habe ich gerne in Kauf genommen, nach einer viertel Stunde braucht man sie eh kaum noch. Warum läuft dieser Film eigentlich nicht mehr?

g.

Murmel
13.02.2002, 09:18
Ich habe neulich den Anfang von "Erkan & Stefan" in der russischen Synchronisation gesehen. Ein Mann spricht monoton alle mänlichen Texte, ohne mit derStimme zu variieren, eine Frau tut es ihm mit den Textpassagen der Frauenrollen gleich. Nicht lustig.

DonDahlmann
13.02.2002, 12:13
Wars denn im Original lustig?

Bere
29.03.2002, 19:52
Ich habe zwar das Original nicht gesehen, aber ich finde die Synchro von "Erik der Wikinger" zum Schreien (oder gar Schlimmeres). Vor allem diese dämlichen Kommentare die man manchmal im Hintergrund hört ("Du sitzt auf meiner Sonnenbrille!" und solche Scherze), bei denen ich mir nicht vorstellen kann, daß sie zum Original gehören, nerven tierisch.
Vielleicht weiß ja einer, wie das im Original ist...
Es könnte jedenfalls so ein schöner Film sein...