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Vollständige Version anzeigen : Essen und Trinken


Paisley
24.05.2001, 10:34
Bei uns im Supermarkt gibt's jetzt wieder die leckeren 'Othello'-Kekse! Der Markt hat sowieso eine illustre Mischung in der Süßwarenabteilung, mit neuen und alten 'Ost'-Produkten.
'Othello'-Kekse habe ich mir damals auf einer Reise nach Berlin beim Zwischenstop mal gekauft, seitdem sah ich sie nicht wieder - bis vor einigen Monaten.
Was gibt's noch oder wieder??
Bei uns gibt's auch die 'Vita-Cola'. Genau wie 'Rotkäppchen'-Sekt hat sie sich einen festen Platz in der Konsumwelt erobert.
Gruß Paisley

Mme Tapir
24.05.2001, 19:52
Wie wärs, wenn die Ostalgie-Stränge im 20. Jahrhundert angesiedelt wären?

Paisley
25.05.2001, 08:29
Hä?

Elpenor
26.05.2001, 18:55
Habe ich auch erst gedacht Paisley, wann denn sonst, im 2. Jahrhundert etwa, Germania Democratica Republica? Gemeint war wohl, dass wir uns jetzt im 21. Jahrhundert befinden, Berichte aber nur von damals handeln sollen. Aber wozu diese Einschränkung ist mir wiederum unverständlich

Paisley
27.05.2001, 07:51
Ist es mir ebenso, solltest du recht haben, Elpenor. Gehört doch auch zur Vergangenheit - nur lebt heute noch.

Ich könnte natürlich auch von damals erzählen, vom 'Wernesgrüner Pilsator' - der Name hat mich total fasziniert, das Wort 'Pilsator' hatte ich vorher noch nie gehört. 'Wernesgrüner' gibt's heute auch noch (AAARGH! Oh Gott! Das gibt's noch! 21-Jahrhundert-Alarm!).
In einem Supermarkt entdeckte ich damals auch ein Produkt mit dem lustigen Namen 'Tempo-Erbsen'.
Gruß Paisley

Christian12002
27.05.2001, 13:53
Himmel, Paisley- 05:51 Uhr an einem Sonntagmorgen?!? Warst Du da wieder oder noch wach?
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Will you still love me
when all of this is gone?

waldfee42
27.05.2001, 19:16
nicht zu vergessen die leckeren gürkchen aus dem spreewald!

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ein herzliches glückauf aus dem erzgebirge

D. John
19.03.2002, 20:36
Zum Thema Essen und trinken:
mich würde es sehr interessieren, woher die sogenannten "Broiler"-stände/Restaurants ihren Namen hatten. Broiler klingt m.e. sehr nach DDR. Wurde der Name etwa extra für die DDR erfunden? Und was waren diese Restaurants genau? Welche kulinarischen Spezialitäten bzw.Unfälle wurden einem dort vorgesetzt?
Wissen sie etwas, Waldfee?

Ruebenkraut
20.03.2002, 22:36
Lieber D.John,
Waldfee hat leider schon seit längerer Zeit nicht mehr gepostet, was bedauerlich ist, weil sie sozusagen Taufpatin des DDR-Forums war.
Das mit dem Broiler (und andere spezielle DDR-Wortschöpfungen) find ich auch spannend. Eröffnen Sie doch einfach einen neuen Strang für solche Fragen.
Achwas, ich machs selber.

Rudolf Rabe
26.08.2002, 21:28
.....auch GUMMIADLER genannt,hiess so ( kein anspruch auf absoulute wahrhaftigkeit ) ,weil im französischen ein masthähnchen eben wohl de brouille oder so heisst es soll irgendwie eine ableitung davon sein .

Lilith rennt
19.11.2002, 10:34
Kurz nach Öffnung der Mauer, als die DDR noch existierte, trieb es mich nach Berlin, um "Drüben" zu sehen. Ich schritt durchs Brandenburger Tor (nie sah man dort einen gehen oder laufen, noch nicht mal wandeln, immer nur schreiten, schreiten, schreiten), um auf dem Schwarzmarkt DDR-Geld zu kaufen. Ich gab das Begrüßungsgeld aus für allerlei Schnickschnack, diese Minisouveniers und: eine Pizza am Pariser Platz. Ein gräulich-klitschiger Teigfladen mit einen Gebirge von Erbsen und Möhren, Hackfleisch, Paprika, Tomaten, alles aus der Dose. Darüber etwas Käse. Da ich es nicht aß, musste ich die üblichen "Arroganter Wessi"-Tiraden anhören.

Ganz kurze Zeit später zog es mich Ernst Barlachs wegen nach Güstrow. Ernst Barlach ist der Trendsetter für „Kleinstädte mit grauenvollen Bronzeplastiken dekorieren“, z.B. der Fliegende Engel. Wir speisten in einer Ausflugsgaststätte, durchhaus gehobene Küche, wie man uns versichert hatte. Die Menüfolge an sich war mehr als ok, aber was geschah: grauer Gemüsematsch schmiegte sich an zähe Fleischlappen. Das Sahnehäubchen an der Tomatensuppe kam aus der Sprühflasche, dementsprechend süß. Nun frage ich mich: War dies nur eine perfide Machenschaft, Westdeutschen den DDR-Aufenthalt zu vergällen? Die Rohstoffe waren doch die gleichen wie bei uns! Oder gehörte das zum Touristikprogramm "Essen, so trist wie der Osten"? War es dort jemals in Lokalen wirklich richtig lecker-schmecker yummi-mäßig?

Peter Bean
19.11.2002, 10:53
Nein.

Was-passiert-dann-Maschine
19.11.2002, 11:48
lecker-schmecker yummi-mäßig? was ist das für ein Gott, der so etwas zulässt?

Annelix
19.11.2002, 17:37
Essen wie Erich. Zwei staatlich geprüfte Schweinesteak-Arten standen auf den Karten: Schweinesteak au four (sprich ofhur), welches mit Würzfleisch (es erwies sich als appetiterhaltend, nicht weiter zu fragen, weil es gab Ähnlichkeiten mit Goldi, heute sagt man Chappi)und Käse überbacken war und Schweinesteak Zigeunerart, was aussah wie Massaker und vorwiegend aus Paprika bestand. Was man heute als Salat bestellt, hieß dereinst "Sättigungsbeilage". Ach Gott, mir fallen noch hundert gastronomische Scheußlichkeiten ein...

bettyford
19.11.2002, 17:53
Verschwende sie nicht auf einmal! Und lass auch andere Foren daran teilhaben!

Annelix
21.11.2002, 12:40
Das folgende Menü - Henkersmahlzeit trifft es wohl besser - genossen dieselben anlässlich des 40. und letzten Geburtstages der DDR. Ein kulinarisch verwöhnter Gaumen versöhnte die hohen Gäste - länger als einen Rülpser lang. Zuchtwachtelbrüstchen auf Maispüree, Forellenröllchen mit Dillsauce und Lachskaviar, Schaumbrot von Räucherzunge mit Spargelspitzen sowie extra starke Putensuppe mit Pistazienklößchen und Tomatenroyal bildeten das Vorspeisenensemble. Dem Hauptgang aus Filetensemble "Trianon" bestehend aus Kalbsfilet mit Schinkenduxelles, Rinderfilet mit Gemüsebukett und Hühnermedaillon mit Pfirsichhälfte folgte das Dessert "Surprise". Biskuitboden, Schoko-Marzipanmasse, Eiklar, verschiedene Eissorten und Puderzucker waren Bestandteil des kulinarischen Endes, bevor der Ofen aus war. Wer nachkochen möchte, ich habe die Rezepte.

bettyford
21.11.2002, 12:51
Ich möchte aber keinen kulinarisch verwöhnten Gaumen nachkochen.

Rudolf Rabe
21.11.2002, 21:11
ich bitte zu berücksichtigen das dies schon 12 Jahre her ist ,wenn ich mich an die gastronomischen KATASTROPHEN der ehemals BUNDESEIGENEN AUTOBAHNRASTSTÄTTEN erinnere klingt die beschreibung des ZIEGEUNERschnitzel als hätten sie dieses Anno 1986 in der Raststätte Steigerwald bestellt und bekommen oder wurden diese dinge auch einfach im osten 1zu 1 kopiert ?????

die vielgerühmte DB BAHNGASTRONOMIE möchte ich auch nicht weiter erwähnen !

Peter Bean
22.11.2002, 12:22
Aber sie sollten nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir sprechen hier über Restaurantgastronomie.

Wobei ich ihnen allerdings recht gebe: erst der massive Einfluss besonders der südländischen Küche auf unsere Essgewohnheiten und der zunehmende Blick über den Tellerrand machte wohl auch bundesdeutsches Essen erträglich.

Das Problem in der DDR war der Mangel - der Mangel an Rohstoffen, an Engagement (weitestgehend) und an Individualität, welche der Kollektivismus prinzipiell als erstes zu eliminieren trachtet.

Kollektivismus heisst eben auch das Ende des eigenen Geschmacks (ganz nebenbei auch das Ende der eigenen Meinung, des eigenen Rechts, des eigenen Lebens).

Rudolf Rabe
22.11.2002, 17:50
das sogenannte ALIMENTATIONSPRINZIP ?

Bettina Beautie
28.11.2002, 19:52
Mensch Leute das waren noch Zeiten. Kam man irgendwo hin, was gab es dort? Bockwurst. Manchmal aus der Großfleischerei und manchmal vom privaten Fleischer, dh. der hunger trieb es rein oder richtig lecker.
Außerdem konnte man immer Solianka bestellen, und konnte sich so auch im größten Rausch vergewissern, das man sich in der DDR-Gastronomie aufhielt.
Gab es auch im Westen ein Gericht, daß überall verkauft wurde?

Zazie
29.11.2002, 01:17
Ich denke mal, das ist regionalbedingt. In Bayern z. B. wird's wohl schon immer überall Sachen wie Leberkäs gegeben haben; in Berlin ist die Currywurst sehr verbreitet.

Zum Thema DDR-Wurst fällt mir mein zweites gastronomisches Erlebnis in der DDR ein, sofern man es so nennen kann. Ich war zu tiefsten Mauerzeiten nur ein einziges Mal in der DDR, nämlich als 14-Jährige anno 1979 und was es da zu essen gab, habe ich vergessen. Nur, dass allüberall Apfelmost zum Trinken gereicht wurde. So schlecht dürfte das Essen allerdings nicht gewesen sein, sonst wäre mir das noch in Erinnerung (der Most war richtig gut).
Das zweite Mal, dass ich in der DDR was gegessen habe, war in der Tat ganz kurz vor der Maueröffnung, in einer Autobahnraststätte auf dem Transit nach Berlin. Die Wurst mit Brot war billig und schmeckte gar nicht mal so unübel. Aber auch wiederum nicht so überragend, als dass ich mir gewünscht hätte, sie 24 Stunden später immer noch zu schmecken. Genau das tat diese Wurst aber.

Herr Cohn
29.11.2002, 01:58
Ich war '86 am 1. Mai in Ost-Berlin, es ging sehr rotfahnig und abgezehrt zu und Herr Honecker wunk debil von der Tribüne. An den Ständen gab es nichts außer Bockwurst. Verzweifelt hungrig starrte ich schließlich eine näher an, aber eine kauende DDR-Frau knurrte mir zu, "liebr nisch, schmeggn äklisch". Da ließ ich es ganz gerne sein.

Annelix
29.11.2002, 12:08
Familienfeste mit viel Essen war ja so ziemlich die einzige Freude damals. Die Bauern schenkten einem bei Audienzen ihrer Lieben im Stall stets Eier, Schinken, Leberwurst im Glas oder mal ein gerupftes Federvieh. Ab und zu überfuhr man bei nächtlichen Diensten auch mal einen Hasen, bei dessen Verzehr man sich auch keine Sorgen um seine verplombten Zähne machen mußte. Auch wurde viel (mit guter Butter) gebacken. Den mediterranen Einfluß auf Speisen hat man wirklich erst nach 1989 kennen und schätzen gelernt. Aber ich erinnere mich noch an einen Imbiß auf dem Alexanderplatz, da gab es GRILLETTA, und die Menschenschlange nahm kein Ende. Brötchen mit Bulette und Ketschup, vielleicht auch noch was anderes, weiß ich nicht mehr. Damals wurde auch viel gebechert, mächtig viel. Wenn es nischt gab aber Alkohol gab es immer in den HO-Kaufhallen. Saufen war auch nie wirklich ein Problem. Heute - finde ich - wird viel mehr und exzessiver gesoffen. Ist aber auch schön.

Bettina Beautie
01.12.2002, 19:55
hallo annelix, in welcher ddr hast du denn gelebt. familienfeste als die einzigste freude damals. herzliches beileid, so nach dem motto kultur, freunde, nette arbeitskollegen, reisen, hobbys usw. hats ja alles nicht gegeben.
aber alkohol war fast immer und überall präsent. auch im verkacktesten dorfkonsum gab es immer noch stoff, wenn man bei der frage nach brot das bekannte " ham wa nich!" vernahm.

Rudolf Rabe
01.12.2002, 23:47
BLAUER WÜRGER,BLAUER WÜRGER.............muss ich noch mehr sagen ?

Peter Bean
02.12.2002, 11:36
Also ich halte die Behauptung, dass Familienfeste die einzige Freude waren, damals, auch für hoch umstritten. Ich fand sie damals und heute nur bedingt freudvoll.

Was ich allerdings gar nicht teilen kann ist die Theorie über den Alkohol: Nein, in der DDR wurde exessiver, haltloser und intensiver gesoffen als heute. Alkohol war die Alltagsdroge, während der Arbeit und danach, in der Freizeit und im Urlaub. Es war diese latente Schrebergartenmentalität, die alle und jeden zum Saufen verleitete - dazu kam, dass die Alkoholabhängigkeit als Krankheit bis auf extreme Ausnahmen ja offiziell gar nicht existierte.

Heute versteigere ich mich zu der Annahme, dass die Duldung der Alkoholexzesse und die Schaffung einer ganzen Schnapsindustrie systemerhaltend war und als solche erkannt wurde. Was ich an Sauforgien und eigenen schlimmen Erinnerungen dazu beisteuern könnte, will hier bestimmt niemand wissen. Kotze ist Kotze - im Westen wie im Osten.

Mag sein, dass Alkohol unter bestimmten sozialen Konstellationen heute genauso schlimm missbraucht wird - damals war es nahezu flächendeckend. Die Wende hat meine Leber gerettet. Danke, Helmut!

Elwood
12.02.2003, 01:21
Daran, daß der Alkohol überall vorhanden war, kann ich mich noch entsinnen. Selbst in der vergammeltesten Bahnhofsbude waren die Schnapsregale gut gefüllt. Häufig setzte ich den Zwangsumtausch in Alk um, irgendwie mußte man die Kohle ja loswerden. Das meiste Zeug mochte ich nicht, aber ich verschenkte es gerne weiter, hatte es doch einen viel exklusiveren Touch als aus Schottland mitgebrachter Single Malt Whisky.

Für uns Wessis war das Alkoholangebot in den Intershops interessant. Gerne erinnere ich mich noch an die erbost-entsetzten Gesichter der Lehrer, als ich in Ziesar (dem speziellen Rastplatz mit Intershop nur für westliche Busse im Transit) über und über bepackt mit Schnapsflaschen zum Bus zurückkam (u.a. 96%iger Alkohol, den Muttern zum Schlehenlikör-Ansetzen brauchte, und der im Westen unbezahlbar war). Am Abend vorher gab es ein Skandälchen, weil sich die Reiseteilnehmer (deutsch/kanadischer Schüleraustausch) in West-Berlin schwer haben vollaufen lassen. Ganz schlimm war das für die kanadischen Lehrer, darf man dort doch erst ab 19 Alkohol trinken - und die Schützlinge waren gerade 16 bis 18. Die Deutschen fanden das dagegen weniger tragisch.

Rudolf Rabe
21.02.2003, 20:06
vermutlich wurde der hochprozentige verkauf von alkoholica jeglichster art an junge bundesbürger deshalb so billig betrieben um dem parasitär ,faulendem kapitalismus den finalen todesstoss durch ein suchtproblem zu geben !


ich gebe zu eine verwegene theorie und bitte daher MARKUS WOLF als ehemaligen Chef der Auslandsabwehr um eine antwort !!!

Harry Hartmann
14.06.2004, 16:43
Wißt ihr, warum selbst in Zeiten größter Knappheit in jeder DDR-Metzgerei mindestens eine Wurst hing ?

Damit man es nicht für ein Fliessen-Fachgeschäft hielt !

Harry

Paisley
13.07.2004, 06:04
DDR-Wurst hat mir 1988 beim Passieren des Grenzüberganges bei Worbis arges Herzklopfen bereitet. Unseren Zwangsumtausch hatten wir u. a. in den Kauf einer Salami angelegt. Es war verboten, diese auszuführen - aber es war schon spätabends bei unserer Rückkehr in den Westen, und wir durften - nach Ausfuhrangabe der Wurst - passieren.

waldfee834
16.05.2006, 18:40
Ich habe leider in einer Ecke gewohnt, wo vielleicht das Angebot besser war, oder besser gekocht wurde oder ...
Bei meinen Dienstreisen quer durch die DDR konnte ich über das Essen nicht sehr klagen. Und in unserer Ecke war das Angebot in den Gaststätten ganz gut, aber wahrscheinlich für Bundesbürger zu fett.
Bei Familienfeiern kam natürlich das beste auf den Tisch, das ist auch heute noch so. Muss nur an die Geburtstage bei meinem Bruder denken, da biegen sich immer die Tische.