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Vollständige Version anzeigen : Geldgeschenk von Ossi an Wessi


Ruebenkraut
22.06.2001, 01:20
Nachdem dieses Forum so langsam Schnarchform annimmt und auf diese Weise vielleicht doch noch nach oben rutscht (Ich finde, die schnarchforen sollten hier nach unten), nehm ich meinen ganzen Mut zusammen und poste eine alte Geschichte aus der DDR. (ca 1984)
Wir hatten wieder Besuch aus Westdeutschland und denen musste man ja ein bisschen das Gruselkabinett (sorry, liebe Ossis) Ostberlin zeigen. Also: Ein Tag in Ostberlin. Mit Kino, Cafe, Restaurant, Kneipe. War zwar regnerisch, aber ganz schön. Irgendwann hatten wir mit Kaffee-Runden im Cafe nähe Alex unsere letzten Ost-Mark ausgegeben und traten auf den Platz hinaus, um Richtung S-Bahn zu streben. Es war erst 21:00 und noch ziemlich belebt. Da kommt ein junger Typ auf mich zu, etwa unser Alter (ca. Anfang 20 damals) und will mit mir sprechen. Macht er auch im breitesten sächsisch (also sehr symbadisch). Hat mich natürlich gleich als Wessi erkannt und befragt, wo ich herkomme, ob ich einen schönen Tag hatte usw. Erst denke ich, der will mich vielleicht anwerben für die Stasi, man hörte damals schon so Sachen. Aber dann schien er dazu einfach zu naiv und schlicht nett. Dann, als ich nach etwa 5 Minuten Gespräch andeute, dass ich jetzt den anderen hinterher zur S-Bahn müsse, hat er plötzlich Tränen in den Augen, steckt mir etwas in die Hemdtasche und dreht sich dann sofort um und ist verschwunden.
Ich schau nach, was er mir da in die Tasche gesteckt hat: Es ist ein Zwanzig Mark Schein Ost.
Meine späteren Versuche, diesen sachverhalt irgendwie zu klären, sind alle gescheitert. keiner meiner Ostbekannten konnte mir sagen, was das sollte. Geld zu verschenken hatte doch keiner, selbst Ostmark nicht. Und wenn er tauschen wollte, warum haut er dann ab auf Nimmerwiedersehen?


(Beitrag wurde von Ruebenkraut am 21.06.2001 um 23:31 Uhr bearbeitet.)

lunik
22.06.2001, 12:05
Ruebenkraut, das ist eine wirklich schöne Geschichte. So mysteriös! Da kann man lange drüber nachgrübeln (ohne dass man je eine plausible Lösung findet).

Hilde
22.06.2001, 12:56
1. Deutungsversuch:
Vielleicht hat er sich dafür geschämt, dass immer nur die DDRler von den Westlern Geld zugesteckt bekommen und wollte beweisen, dass sich auch ein DDRler nicht lumpen lässt und in der Lage ist, dem Westler was zukommen zu lassen. Das lässt dann seine Heimat DDR in den Augen der Westler nicht gar so schäbig erscheinen.

metropop
22.06.2001, 16:30
Die Sachsen, waren das nicht die 'Ahnungslosen'? Und dann trifft er auch noch 'nen Wessi in der Hauptstadt, der sich anquatschen lässt. Das muss doch rühren, dem stecken wir doch mal ein paar Ostmmark in die Tasche, wenn er schon so abgebrannt aussehend hier rumläuft, der nette Wessi.

Oder, hast du dir den Geldschein auch genau angeschaut, auf versteckte Nachrichten untersucht? Adresse - Tel-no - Geheimtinte?
Fingerabdrücke nehmen lassen, Kripo, Stasi, FBI eingeschaltet?
Hast du den Schein aufbewahrt - dann her damit, scannen und ins Netz oder an eine Detektei schicken.

Rübenkraut, hast du auch schon in deine Stasi-Akte geschaut? Wer weiss, was du dort alles findest.
gruss
metropop

roger
27.06.2001, 23:22
erklärungsversuch:
... mit einem gleichnis. ein freund von mir unternahm 1988 eine rundreise per pkw (lada) durch die damalige udssr. solche reisen waren rar und für ddr-verhältnisse sehr teuer...
... als er mitten in der ukraine lange vor einer verschlossenen schranke stand, kam ein altes muttchen mit handkarren vorbei - öffnete die schranke - ging hindurch - wollte die schranke dann wieder schließen (anmerkung: das ist dort manchgerorts andersherum als hier und geht nix automatsch...).
mit der frau kam er ins gespräch:
'.. wo kommen sie her? ddr? ach sie ärmster! da schicken wir doch täglich hunderte wagons lebensmitten hin, damit die da nicht verhungern!'
soo kanns gehn! klassischer fall von fehlinformation! wenn man heute als amerikaner in teheran über die straße geht, gibt es sicher auch nur zwei möglichkeiten: entweder man wird erschossen, oder man bekommt lebensmittel zugesteckt. denn wer aus einem sooo schlimmen land kommt, der hungert sicher auch!

>misst: schon wieder verschreibstel!<
(Beitrag wurde von roger am 27.06.2001 um 21:22 Uhr bearbeitet.)
(Beitrag wurde von roger am 27.06.2001 um 21:23 Uhr bearbeitet.)

Paisley
30.06.2001, 03:25
Bei der Frau mit dem Handkarren ist der politische Informationsfluß offenbar irgendwann um 1946 versiegt...
Vor einigen Jahren las ich einmal etwas darüber, daß auch die Amis zuweilen total schlecht über die europäischen politischen Verhältnisse informiert sind. Manche glauben wohl, wir hätten noch immer eine Diktatur.
Tja, was hat es mit dem netten Ossi und den 20 Ostmark auf sich?
Hätte ja auch sein können, daß der Schein irgendwie präpariert war und Ruebenkraut beim Passieren der Grenze Richtung Westen festgenommen worden wäre...
Gruß
Paisley