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Vollständige Version anzeigen : die technisierung des haushaltes begann. . .


waldfee42
25.04.2001, 20:55
im vergleich zu den 80er und 90er jahren waren die 60er in bezug auf die technische ausstattung doch eher bescheiden.
ein fernsehapparat war durchaus noch nicht bei allen vorhanden, waschautomaten waren auch erst bei wenigen vorhanden.
kofferradios kamen auch erst auf.
ich glaube, die gute alte mc kam erst ende der 60er jahre.
von geschirrspüler, mikrowelle u.ä. ganz zu schweigen.
welche erfahrungen hattet ihr?

PeterLu
25.04.2001, 21:15
Meine Oma hatte ihren Fernseher schon in den 50er-Jahren, absolute Avantgarde! Etwa 1964 schafften dann auch endlich meine Eltern eine Stereotruhe an: so ein hellbraunes Ding auf dünnen, gespreizten Beinen. Vorne der Fernseher hinter einer Klapptür, oben links ein horizontal eingelassenes Radio unter einer Klappe, oben rechts der Plattenspieler.
Absolut unvergessen: Das Uher-Tonbandgerät! Das wurde 1959/60 angeschafft, und da wurde am Wochenende alles und jedes aus dem Radio (dem mit dem magischen grünen Auge) aufgenommen. Ein Zweispur-Monogerät in der Kofferversion, mit potthäßlich dunkelbeiger Plastikverkleidung und hellbeigen Plastikdrehknöpfen, die nach Elfenbein aussehen sollten. Gegen Ende der 60er Jahre ging das Ding zusehends in meinen Besitz über, und ich hatte es noch bis Mitte der 70er in Betrieb. Es hat mich (fast) nie im Stich gelassen, und wenn einmal der Treibriemen riß, drehte man vier Schrauben ab, hob den Deckel hoch und wurstelte ein halbwegs passendes, stabiles Gummiband in die Mechanik, dann lief es wieder. Versucht heute mal ein Gerät zu finden, das a) fast 20 Jahre läuft und b) in Heimarbeit zu reparieren ist. Forget it!

waldfee42
25.04.2001, 21:22
ich habe gestern die kundenzeitung von quelle erhalten, dort wurden ebenfalls geräte aus dieser zeit vorgestellt, die heute noch in gebrauch sind!
musiktruhe hatten wir keine, dafür aber dann ein sehr gutes sterioradio.
meine brüder gingen meist in den ferien arbeiten, um sich z.b. tonbandgeräte zu kaufen, meist polnische oder tschechische produktion.
leider waren sie zum studium auswärts, so daß ich davon nicht viel mitbekam.
einen plattenspieler habe ich mir dann anfang der 70er gekauft, damit ich ungestört meine musik hören konnte.

peterthomassuschny
26.04.2001, 23:34
Erstes TV 1965, Körting, absolutes Montagsfabrikat, Gott sei Dank machen die heute keine TV-Geräte mehr.
Dadurch erstes Farb-TV schon 1970, ein Hornyphon (damals frisch von Philips aufgekauft).
Geschirrspüler habe ich eine Werbung aus den 60ern in meinem Schöner Wohnen und Hobby-Hefte-Magazin, unser eigener erst 1976.
Kaffeeautomaten überhaupt erst 1982, die blecherne kleine italienische Espressokanne, bei der meine Mutter immer so gerne den Plastikgriff abbrach und die auf den Herd gestellt werden mußte, war auch gut genug.
Erster Plattenspieler schon vorhanden (ich bin 1962 geboren), auch Hornyphon, fix am Radio montiert, auch 16 und 78 möglich, nicht nur 33 und 45.
Kasettenrecorder gibt es auch schon in den 60er, auch Videorecorder (damals halt noch mit Bändern), ersten Kasettenrecorder bekam meine mittlere Schwester 1974 zum 14. Geburtstag und Videorecorder legten wir uns überhaupt erst in den 90ern zu, man/frau kommt eh so schwer mit dem Schauen nach.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

waldfee42
27.04.2001, 12:33
für mich bestand die größte errungenschaft darin, daß meine elten sich eine waschmaschine kauften.
das war bei einem 7-personen-haushalt eine enorme erleichterung. ende der 60er hatten wir dann schon einen waschautomat(testgerät), da mein bruder im waschgerätewerk arbeitete.
vorher war das waschen eine wahnsinnszeremonie, mit waschhausbestellen, wäsche im kessel kochen, in zig wannen spülen, usw. da blieb für mich meist auch nicht viel freizeit übrig.
dazu kam dann am samstag das hemdenbügeln, wenn meine brüder tanzen gehen wollten.

honda
03.05.2001, 18:01
Das Uher-Tonbandgerät! Mensch das war ein Ding! Meine Mutter hatte immer eine Todesangst, wir würden es zerstören, wenn sie uns die Benutzung erlaubte. Und ein Grundig-Kofferradio, ich glaube es war hellrötlich. Abends Radio Luxemburg Hitparade mit Rauschen, dass man kaum die Musik hörte. Aber wir fandens irre und haben noch versucht, es mit dem Mikro vom Uher-Tonbandgerät aufzunehmen. Die ersten Beatles-Songs... Waschmaschine hatten wir - glaube ich - auch, aber keinen Fernseher, den wollte meine Mutter nicht im Haus haben. Als ich dann mit meinem Freund zusammenzog - Ende der 60er, - haben wir uns gebraucht einen Fernseher gekauft und Tage davor verbracht, es gab gerade die Probesendungen für Farbe (der Fernseher war natürlich s/w).
Beim Telefon mit Drehscheibe gab es einen Trick, wenn man an der Drehscheibe irgendwas manipulierte, konnte man angeblich umsonst telefonieren. Jedenfalls haben wir so lange dran maniuliert, bis sie ab war, und dann ging gar nichts mehr.
------------------
honda

peterthomassuschny
05.05.2001, 11:12
@ honda
Den Trick gab es in Österreich bei den öffentlichen Telefonen (einen Apparat habe ich in meinem 60er Buch gewürdigt), das habe ich das erstemal 1979 gesehen (die alten Apparaten wurden erst ab 1977 oder 1978 so sukzessive ausgemustert), als wir nach der Tanzschule bei einem öffentlichen Apparat telefonierten, dann kam ein etwas älterer als wir hinein, nahm einen Zahnstocher aus dem Mundwinkel, meinte noch lachend 'Laßts Euch nicht stören, liebe Kinder' und steckte den Zahnstocher in das Zählrad (wo schon die Glasscheibe fehlte), das Zählrad blieb dann in dieser Position stecken.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

waldfee42
05.05.2001, 17:46
über erfahrung mit telefonen in meiner kindheit und jugend kann ich leider nicht berichten, da nicht vorhanden!
ich kekam mein erstes telefon 1990!
die erfahrung mit dem tonbandgerät kenne ich vom waschautomat, da durfte auch keiner ran! er hätte ja kaputtgehen können.
wenn ich mir überlege, wieviel zeit ich damals mit hausarbeiten verbracht habe, wahnsinn.
das ging ja beim essenkochen los, kartoffelschälen, gemüseputzen, kochen, essen, aufwaschen. da war der halbe tag vorbei.
dann der hausputz, bei der großen hausordnung mußte noch gebohnert werden.
vor allem gab es bei uns noch keine fernheizung, sondern alles mit kohle.
das begann schon damit, daß im herbst der ganze keller mit kohle angefüllt wurde.
die kohleheizung war natürlich auch sehr zeitintensiv und schmutzig.
im winter hatten wir stunden damit zu tun, kohlen zu holen, die öfen zu unterhalten und asche fortzubringen.

waldfee42
06.05.2001, 18:39
und dann gab es noch keine handys!
und trotzdem lebte man.

peterthomassuschny
06.05.2001, 21:08
@Liebe Waldfee
Handys gibt es ab 1967 (habe ich auch in meinem 60er Buch erwähnt, Info Hobby-Hefte aus diesem Jahr), jedoch war der Besitzer nur erreichbar und konnte noch nicht heraustelefonieren, ins Auto eingebaut auch schon ab 1967.
Die Verbreitung der Handys aber erst ab Ende der 80er, da hast Du recht.
Das Telefon in den 60er hing noch an der Wand, meistens waren die Apparate weiß oder schwarz und wir hatten in Wien ganze, halbe und Viertelanschlüße.
Beste Güße
'Hallo wer spricht. Hier spricht Peter Suschny' (Originalzitat 'Mr. Roaring Sixties' in den 60ern im zarten Alter von 5 oder 6 Jahren)

waldfee42
06.05.2001, 23:05
@lieber pts
ich wollte damit nur sagen, daß die kinder noch briefe schreiben mußten.
heute werden bereits im zarten kindesalter sms geschickt!
die können noch nicht richtig lesen und schreiben, aber ein handy muß sein!

peterthomassuschny
07.05.2001, 20:56
Wir hatten als Kinder ein sehr lustiges Zimmer zu Zimmertelefon (auch ein Foto in meinem Buch), andere hatten ein sogenanntes Walkie-Talkie, CB-Funk kam dann in den 70ern auf, Mobiltelefone sowieso erst ab Mitte der 80er, unter Kinder und Jugendlichen erst ab Mitte der 90er.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

peterthomassuschny
13.08.2001, 02:34
Ist zwar nicht hochtechnisch, aber habe ich soeben in meiner Petra-Kochrezept-Hefte-Sammlung aus 12/1965 gefunden:
'Jenaer Glas' - vom Herd auf den Tisch
Das ist so praktisch an Jenaer-Glas feuerfes: Man kann darin kochen, braten und backen. Oben auf dem Herd oder in der Backröhre. Das fertige Essen wird nicht umgefüllt, sondern kommt im gläsernen Kochgeschirr direkt auf den Tisch, weil alle Speisen in den kristallklaren Schüsseln appetitlich ausschauen. Vorteile: 'Das Essen bleibt bis zum Schluß warm. Und 'JG ff' nimmt weder Geruch noch Geschmack an, weil es porenfest glatt ist. Sie können Speisereste gut drin aufbewahren. Oder mittags Fisch und abends Süßspeise kochen.

peterthomassuschny
13.08.2001, 20:43
Gestern in 'DŽjˆ-vu': es gab sogar eine eigene Hausfrauen-TV-Sendung 1960: 'Hausfrau sein dagegen sehr' mit Jeff Palme und Susi Peter, wo er ganz anschaulich die Vorteile des Staubsaugers erklärte.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

peterthomassuschny
26.12.2001, 18:31
Und alle ein passendes Weihnachtsgeschenk bekommen, so im Stil der 60er?
Wie wäre es mit einer Trockenhaube?
Schon 1971 - aber weil der Herr auch schon in den 60ern Fernseher machte - Peter Lodinsky aus "Lodinskys Flohmarkt", so ein Tohuwabohu der zeitigen 70er, brachte eine Trockenhaube, wo der Kopf darunter bleibt, aber die Hausfrau arbeiten gehen kann, einmal war auch eine Szene mit den schon in den 60ern beliebten ersten Spielautomaten, wo nicht nur Flipper gespielt wurde, sondern zum Beispiel auch mit einem Rennauto Runden gefahren werden konnte oder mit einem Gewehr geschossen werden konnte - plötzlich ein Krachen, er schreit auf und hat ein blutiges Auge, hat der Automaten plötzlich zurückgeschossen. LOL.

paule9999
29.12.2001, 21:13
Ende der 60er oder auch Anfang der 70er wurde ich der stolze Besitzer eines gebrauchten Grundig Tonbandgerätes.

Endlich konnte ich meine Musik konservieren. Stunden saß ich manchmal am kleinem Grundig Radio und habe mit dem Mikro Lieder mitgeschnitten. Nachts war RTL Luxenburg etwas störungsfreier über Mittelwelle zu erreichen. Tagsüber hatte ich hin und wieder das Problem, daß unser Wellensittich in die Aufnahmen reinpfiff.
Da ich mir nicht so viele Bänder leisten konnte, war immer wieder die Qual der Wahl angesagt, was denn nun überspielt wird.

Bergmann
11.06.2002, 12:58
Gestern bei der ARD das Leben des Herrn Neckermann "macht´s möglich" gesehen? Da waren all diese alten Geräte nochmal zu bestaunen. Was mir nicht mehr einfällt, welchen hauseigenen Namen die Stereoanlagen bei Neckermann noch mal hatten? Bei Quelle hießen die glaube ich "Revue"?

Gruß Bergmann

Hati
12.06.2002, 19:44
So ein simpler Nordmende kostete 1961 je nach Ausstattung 980.- bis 1200.- DM. Ohne Pferd! (Für uns ca. zweifacher Monatslohn). Konnte sich nur die Oma von ihrer Rente leisten.

Johnny Harms
13.06.2002, 07:14
Neckermann hatte schon in den 50er die renomierte Firma Körtning gekauft und unter diesem Namen weiter die Geräte vertrieben.

Quelles Geräte liefen unter Universum und waren Zweigprodukte nahmhafter Hersteller. So waren die Tonbandgeräte Ende der 60er von Telefunken, hatten nur geringfügig andere Schalter.
Die Kühlschränke kamen von Zanussi (wie auch die von AEG), die Waschmaschinen von Lepper usw.

Johnny

Johnny Harms
13.06.2002, 07:27
Elektrogeräte waren früher wirklich wahnsinnig teuer. Unser erster Kühlschrank kostete 1955 DM700. Das waren 8 Monatsmieten für unsere 3-Zimmer Neubauwohnung.

Der erste Fernseher (48cm im Schrank und nicht so'n neumodisches Teil wie bei Hati) hatte 1960 1.400DM gekostet. Der UHF-Tuner zum Empfang von ZDF und 3.Programm musste dann noch nachgerüstet werden.

Elektrorasierer 1960 ca. 100DM, der Vorwerk Kobold (das Statussymbol des gehobenen Dienst-Haushalt) 500,00. Dafür konnte der aber auch mit einem Vernebler ausgerüstet werden.

Johnny

Bergmann
13.06.2002, 13:01
Vielen Dank Herr Johnny Harms

Keine Ahnung wie ich auf Revue gekommen bin.

Gruß Bergmann

Hati
23.06.2002, 18:01
@Paule9999
Mein Grundig Tonband war Jahrgang 1965 (Weihnachtsüberraschung - da hat die gesamte nahe und ferne Verwandtschaft zusammengelegt).

Exakt diese hochtechnisierte Aufnahmemethode wurde auch bei uns praktiziert. Einige Tonbänder von damals existieren noch - unersetzliche Dokumente der Familien- und Popkultur.

@PeterLu
Genau so wars mit dem Reparieren. Im Fortgeschrittenen-Stadium habe ich mir dann ein Mörderwerkzeug von Lötkolben besorgt und habe wacker alles zussmmengelötet was mir unter die Finger kam. (Die 5-poligen Stereo-Stecker waren eine knifflige Arbeit). So konnte ich Tomband und Musiktruhe (aus den 50ern) zu einer vorsintflutlichen HiFi-Anlage verknüpfen.

Ca. 67 kam dann das tragbare MC-Gerät (schwarz, mit Ledertasche von Philipps?). Wurde auf den Fahrradlenker montiert und die Nachbarschaft mit Mungo Jery beglückt.