Vollständige Version anzeigen : Kabaret und Kleinkunst
peterthomassuschny
11.05.2001, 20:23
Am 16. 5. 1971 ist der 30. Todestag von Karl Farkas (Kabaretlegende schon in den 1930ern, berühmt seine Doppelconferencen mit Ernst Waldbrunn und 'Bilanz der Saison' in den 60ern), im September der 15. Todestag von Helmut 'Quasi' Qualtinger (Kabaretist in den 50ern - 80ern, Meisterwerk 'Der Herr Karl' 1961 mit Carl Merz gemeinsam geschrieben - zeigt den Österreichern deutlich und provokant die Fratze jener, die es sich in jedem Regime vom Kaiser über die Nazis bis zur Demokratie 'richten' konnten - damals ein Skandal, heute sogar von der 'Kronenzeitung' anerkannt.
Kennt wer die beiden?
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. Bester Ausspruch vom Farkas: 'Eines verstehe ich nicht, wenn es lauter süße und hübsche Babies gibt, von wo kommen eigentlich die vielen schiachen Erwachsenen her?'
Klar, den Herrn Qualtinger kenne ich auch noch! Meine Kabarett-Erinnerungen an die 60er sind allerdings eher dürftig. In Deutschland waren die 'Stachelschweine' und die 'Münchner Lach- und Schiessgesellschaft' angesagt.
Wenn wir jezt schon langsam die komödiantische Seite der Sixties angehen, darf ja auf keinen Fall Heinz Ehrhardt fehlen! Ich hatte das Glück, den Mann ganz am Ende der Dekade, vielleicht mit 14, 15, einmal live zu erleben. Auf einer kleinen Hamburger Boulevard-Bühne spielte er (wie auch im Film) den Finanzbeamten Willy Winzig und sorgte mit überraschenden Improvisationen immer wieder für Unterbrechungen, weil seine Mitschauspieler sich irgendwo prustend an die Kulisse lehnen mussten.
Farkas, Qualtinger, klar. Aber vergesst Otto Schenk nicht. Der war auch großartig.
peterthomassuschny
12.05.2001, 10:10
@Spleen
Der Otti ist noch heute großartig - der lebt ja Gott sei Dank noch! War erst gestern bei der Eröffnung der Wiener Festwochen dabei.
Habe sogar einmal 1995 botendienstmäßig Blumen in seiner Wohnung am Wiener Rudolfsplatz abgeben dürfen.
Lediglich unsere Briefträger als wir als Kinder am Loquaiplatz wohnten (in Wien-Gumpendorf) mochte ihn nicht besonders.
Unser Wohnungsnachbar war bis 1970 der aus Vorarlberg stammende Schauspieler Sieghardt Rupp ('Zollfahnder Kressin' in den ersten 7 Tatortfolgen).
Laut meiner Mutter sagte der Briefträger immer 'Der Rupp is a Sir, der gibt a Trinkgeld. Aber der Schenk nie, der Geizkragen'.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
peterthomassuschny
16.05.2001, 20:13
Karl Farkas, dessen 30. Todestag heute ist, ist bis inkl. 1. Juli im Wiener Jüdischen Museum eine Ausstellung gewidmet.
'Schauen Sie sich das an' so hat das der Farkas immer gesagt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. Am besten am Wochenende, wo der Freitag der 22. Juni ist, da kann frau/man
gleich auch auf mein 60er-Festl schauen und mit einigem Glück läuft schon im neuen Museumsquartier die Steve McQueen-Ausstellung.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
waldfee42
18.05.2001, 19:14
ich bin ein fan von kabarett und kleinkunst und habe damals in der ddr öfters aufführungen besucht.
wir hatten ja einige kabaretts, z.b. in berlin 'die distel', in leipzig 'die pfeffermühle' und 'die akademixer', in dresden 'die herkuleskeule'.
aus der herkuleskeule ist übrigens wolfgnag stumph hervorgegangen.
die münchner lach- und schießgesellschaft kenne ich aus fernsehübertragungen, denn sie haben oft in der ddr gastiert.
@peterlu
danke, daß du heinz erhardt erwähnt hast.
finde den mann heute noch toll.
ganz spoantan fällt mir da auch ein film ein, 'drei mann in einem boot'.
übrigens war ich auch nach der wende im kabarett, einmal sogar mit dieter nuhr in zwickau.
Johnny Harms
11.06.2001, 10:03
ACHTUNG
Heute,11.06.2001,läuft im Fernsehprogramm wdr3 um 23.15Uhr in der Reihe 'Die quicklebendige Leiche - 100 Jahre Kabarett' die Folge: Die wilden 68er Jahre im Kabarett
Angucken!
Aufnehmen!
Johnny Harms
30.06.2001, 00:40
Als ich heute nach einem Text von Kurt Mathi suchte (der gehört in 'Die guten Leidermacher') fiel mir mein Exemplar von Carl Merz - Hugo Quatingers 'Blatt'l vor'm Mund' in die Hand. Und beim genußvollen Wiederlesen der herrlichen Glossen fiel mir ein, daß in diesem Jahr der 40. Geburtstag des 'Herrn Karl' zu feiern ist.
In einer textlich wie schauspielerisch ungeheur dichten Datstellung hat der 'Quasi' dem Kleinbürger, auf den sich die Diktatoren immer verlassen können, Gestalt und Stimme gegeben.
Diese 50 Minuten sind für mich der der absolute Höhepunkt von Kabarett und wohl auch nicht mehr zu übertreffen (von wem auch?)
Übrigens, eins ist klar: Herr Karl hat Verwandte, Herrn Fritz in Köln und Herrn Georg in Leipzig
peterthomassuschny
30.06.2001, 11:19
@Johnny Harms
Kleiner Irrtum: der Qualtinger hieß Helmut und der Vater von meinem astronomischen Thomas Peter-Zwilling (leider auch schon verstorben) hatte in den 60ern eine Tischlerei und sie haben beim Quasi und seiner ersten Frau, der Leomare, eine Bar eingerichtet und die umfaßte ein ganzes Zimmer! Leider hat sich der arme (scheinbar aus Kummer über die vielen ekelhaften Leute in Ö) zu Tode getrunken. Seiner (Qualtingers Vater) war übrigens laut einem Freund meines Vaters, der mit dem Quasi in einer Schulklasse war (oder zumindest waren sie in einer gemeinsamen Clique) ein derartiger Nazi, daß er den eigenen halbwüchsigen Sohn (Quasi war Jahrgang 28, also 17 im 45er Jahr) verriet, sodaß sie einmal zu dritt gingen und plötzlich waren sie nur zu zweit, Quasi war auf einer Wachstube gelandet, weil er als jugendlicher schon so ein toller Stimmenimitator war und immer Nazigrößen imitiert haben soll. Gott sei Dank haben sie ihn bald wieder ausgelassen.
Hugo gab es aber auch einen berühmten: der Kabarettist Hugo Wiener (nicht ident mit dem Opernsänger Otto Wiener, der ist 2000 verstorben, der Hugo 1993), im 2. Weltkrieg wegen seiner mosaischen Abstammung in Südamerika im Exil und seine Gattin Cissy Kraner, die aus Liebe ins Exil mitging, vor 3 Jahren trat sie zu ihrem 80er noch live auf der Original-Wiener Stehgreifbühne Tschauner auf und tanzte zu ihrer eigenen Musik wie es unsereins eher von einer jüngeren erwarten wurde. Bekanntestes Lieder aus der Feder ihres Mannes: 'Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn, den meinen schlug der Ferdinand mir ein, ich weiß nicht, warum er das getan, aus Liebe kann es nicht gewesen sein', 'Der Nowak läßt mich nicht verkommen' und 'Ich kann den Nowotny nicht leiden!'. Gott sei Dank lebt auch der berühmt scharfe Spötter Georg Kreissler noch, meistens zwar im Ausland, aber im Vorjahr war er wieder einmal in Wien, da er mit 79 Jahren seine erste Oper geschrieben hat. Legendär 'Telefonbuchpolka' 1964.
War leider etwas lang, aber meiner Meinung nach wichtig.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Johnny Harms
30.06.2001, 23:33
Der Quasi hat schon mehr getan als zu saufen.
Das ich ihm den falschen Vornamen gegeben habe, hat sicher damit zu tun, daß ich an den 'Mädchenmörder Hugo Schenk' gedacht habe. Der ist eine Figur von der Moritatenplatte, die Helmut Qualtinger mit Kurt Sowinetz in 1964 gemacht hat. Eines der Hauptwerke der Kleinkunst überhaupt. Neben den schon genannten Herrn Karl gehört auch seine Lesungen aus Karl Kraus 'Die letzten Tage der Menschheit' und aus Hitlers 'Mein Kampf' dazu. Er war auch ein toller Schauspieler. Schade, daß er so früh ging
peterthomassuschny
01.07.2001, 00:45
@Johnny Harms
Das habe ich so nie gedacht, daß der Qualtinger nur saufen konnte, nur leider konnte er es ganz gut und daran ist er auch so zeitig verstorben, aber durch die Bekanntschaft eines Freundes meines Vaters aus der Schulzeit am Ende des 2. Weltkriegs habe ich ihn auch nie so eingestuft, er war der genialste Spötter in den 50er bis 80er Jahre und hat nie an Schärfe verloren.
Der Sowinetz ist leider auch schon vor 10 Jahren gestorben, auch viel zu früh, seine Tochter Dunja ist auch Schauspielerin geworden, vom Sowinetz ist ja auch das legendäre 'Alle Menschen san ma zwida, I mechts in die Goschen haun!' (Melodie 'An die Freude' von Ludwig van Beethoven). Vom Quasi berühmt waren die 'Practical Jokes', so soll er einmal einige Zeitungsjournalisten von einem nach Wien gereisten Eskimodichter etwas vorgeschwafelt haben, der sogar einen Literaturpreis schon wo gewonnen hat, die kommen scharenweise auf den Westbahnhof gelaufen (in den 50ern und 60ern flog der Reisende ja noch nicht so oft), zücken Bleistifte und Fotoapparate und der Quasi steigt im Pelz gehüllt aus dem Zug und sagt nur 'Haß is!'
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Apropos Herr Karl, der Satz kennzeichnet treffend das durchschnittliche Arschloch in Österreich 'Bei uns in der Gassn hat a Jud gewohnt, a gewisser Tennenbaum, sonst a netter Mensch ...'
peterthomassuschny
24.07.2001, 19:35
Herwig Seeböck 'Die große Häfenelegie'; ist mir gerade heute eingefallen, weil ein jüngeres Stück von ihm den Ätna behandelt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Johnny Harms
25.07.2001, 00:38
Spleen hatte im 70er Forum vergeblich nach dem Kellner Reno Nonsens gefragt, der im 'Blauen Bock' von Heinz Schenk auftrat.
Reno (Regnauld) Nonsens war Mitglied der Frankfurter 'Schmiere, des schlechtensten Theaters der Welt'.
Dieses Kabarett war von Rudolf Rolfs 1950 im 500 Jahre alten Keller des Karmeliterklosters in Frankfurt gegründet wurden. Der Weg in den Keller führte über eine alte, dunkle Treppe mit Totenköpfen und Skeletten, die von dem (später berühmten) Kurt Halbritter stammten. Im Keller standen 100 verschiedene Stühle und Sessel, von der Decke hing eine ausgestopfte Leiche.
Die Truppe bestand aus R. Rolfs, der auch alle Texte schrieb, seiner Frau Rebate Rieband, Hedi Reich und eben Reno Nonsens.
Täglich wechselnd, aber mit Progarmmen, die über Jahre liefen, versuchte Rolfs gegen Rechtsdrall, Militarisierung und borniertes Denken anzugehen. 'Sie sind ein Ferkel, Exzellenz', 'Die tote Ratte in der Limonadenflasche' liefen über 1.000 mal.
Rolfs benutzte den schweren Säbel, nicht das Florett wie Hildebrandt oder Hüsch.
Eine (aktualisierte) Kostprobe: 'Was ist der Unterschied zwischen NSDAP und NPD? -55 Jahre'
(Längere Texte nur nach Aufforderung)
Johnny (the lonesome Schmiere-Fan)
(Beitrag wurde von Johnny Harms am 24.07.2001 um 22:40 Uhr bearbeitet.)
Erstaunlch, unser harmloser Teddy Reno hat so krtische Wurzeln? Man sollte Leute nie nach dem beurteilen, was man von ihnen im Fernsehen sieht! Hast du den Meister (Reno, nicht Guildo) etwa live erlebt?
Johnny Harms
26.07.2001, 22:31
Ja sicher datt,
ich habe zwischen '65 und '70 alle Programme im Karmeliterkloster gesehen und besitze, wenn auch kaninchenbenagt, noch zwei der Bücher, die Rolfs geschrieben hat.
Während Rolfs und Renate Rieband hochdeutsch sprachen, setzten Hedi Reich und Reno Nonsens zumeist hemmungslos ihr Hessisch ein.
Herrlich waren ihr Dialoge zwischen Tochter und 'Babba'. (Papa, Charly hat gesagt war später und muß im Zweifel jeweils sein Erstrecht nachweisen)
Nonsens brachte aber auch den Kommisknochen und den distiguirten Reichen glaubhaft über die 50cm-Rampe.
Übrigens, das Ensemble verkaufte auch Eintrittkarten und Getränke.
(Beitrag wurde von Johnny Harms am 26.07.2001 um 20:33 Uhr bearbeitet.)
Boh, jetzt erblass ich aber vor Neid! Reno live!!! Wo ist die nächste Zeitmaschine???
Johnny Harms
28.07.2001, 05:47
Ja klar, ich lade ein zu einer Rundreise im Rhein-Main-Gebiet und biete als Stationen:
1. 'Die Schmiere'
2. 'Die Freimauler' in Frankfurt
3. 'arche nova' mit H.D. Hüsch in Mainz
und last bat not least
4. 'das Bügelbrett' der Hannelore Kaub in Heidelberg.
Und ihr, die ihr südlich des Mains wohnt, kommt mir nicht von wegen Lach- und Schiess oder Rationaltheater. Das sind alles Nordlichter, die zugewandert sind!
peterthomassuschny
05.08.2001, 16:34
Auch noch Ende der 60er (damals halt sehr jung und ursprünglich als Schauspielerin aufgekommen, in den 70ern spielte sie im Mundl die Frau des Hausmeisters Götz Kaufmann): Dolores 'Dolly' Schmidinger.
Also auch nach Louise Martini im berühmten 50er und zeitigen 60er-Kabarettprogramm mit den Herren Bronner, Qualtinger und Wehle und vor Andrea Händler in den 80ern gab es bei uns weibliche Kabaretistinnen. Und vor allem eine mit Soloprogramm, also sie geht nicht unter allen Männern unter!
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Johnny Harms
01.10.2001, 13:43
Heute muss ich der Frankfurter Rundschau entnehmen, dass Reno Nonsens (Regnauld Seyfahrth)am 27. September 2001 im Alter von 82 Jahren verstorben ist.
Lieber Reno, herzlichen Dank für all die vielen vergnüglichen und nachdenklichen Stunden mit Dir. Du bist mir unvergesslich.
Traurig
Johnny
(Beitrag wurde von Johnny Harms am 01.10.2001 um 11:47 Uhr bearbeitet.)
peterthomassuschny
25.11.2001, 14:07
Gott sei Dank, gestern waren sie wieder endlich im ORF, die legendären Spitzbuben aus der Pawlatschen-Bude in der Nußdorfer Hackhofergasse, im gleichen Haus, wo Almdudler abgefüllt wird.
Derbe Witze aller Art, von den Anfängen weiß ich gar nichts genaues, legendäre Höhepunkte 1968/69 bis 2001, Parodien auf Falco, Lucilectric, DJ Ötzi. Daheim gibt es sogar ein Foto mit mir mit einem Luftballon "Die 3 Spitzbuben" am Boden liegend, also meine Eltern besuchten die auch schon.
Superparodie auf "Penny Lane" aus 1969, Text handelt über die Rauschgiftkonsumenten, alle mit Langhaarperücken.
60ies at their most, die Originalbesetzung Stobl, Reinberger und Schicketanz, die ersten beiden leben noch und blödeln noch heute!
Ein typischer Witz aus deren Feder aus einem von mir 1981 besuchten Spitzbubenabend:
Sozialbauwohnung, ca. 5h00 früh, der Wecker klingelt, mühsam tappt sich das Familienoberhaupt, ein Hilfsarbeiter, durch die am Boden liegende Kinderschar mit der Jausenbrottasche zur Türe, spürt einen Widerstand, weil ihm wer am Bein festhält "Papa, Du Orschloch!", "Was heißt Papa, Du Orschloch, bleder Bua! Hau Dir glei ane obe!" - "Papa, Du Orschloch, daß haben wir schon gerne! In der Nacht neiche Gschrappen (wienerisch für Kinder, Anm. pts) machen und in der Früh die alten zertreten!". LOL - LOL!
Sidney Friedman
22.01.2002, 18:10
Hochwuchtpunkt
Yayy! Reno Nonsens forever! Erinnert sich irgendwer noch an eine von Renos Erfindungen?
Johnny Harms
18.03.2002, 23:55
Es ist schade, dass man diesen Strang aus dem Keller holen muss, weil Wolfgang Gruner gestorben ist.
Auch wenn ich andere Kabarettisten und Kaberetts der 60er lieber hatte, war er doch ein ganz Großer.
Vor alle seine Doppelconferencen mit Dier Hildebrandt in den Silvestersendungen bleiben in meiner Erinnerung.
Seine Auftritte beim Großen Preis fand ich nicht so toll, aber aber die Kindersendung "Das Kind ist weg" auch als Erwachsener (Papierform) genossen.
Machs gut und grüße die beiden anderen Wolfgangs und bringt die Engel zum Lachen!
Johnny
Schocker
19.03.2002, 16:30
Hatte Gruner nicht in den 70ern in einem Werbespot mitgewirkt: "Milch ist gegen Maroditis"? Oder verwechsle ich was?
Bin-GO, Shocker!!! Ich glaub, du hast Recht! Das hatte ich völlig vergessen. Hat je jemand rausgefunden, was das sollte mit der Maroditis???
Schocker
20.03.2002, 09:03
"Maroditis" habe ich mit "marode" in Verbindung gebracht, und gegen diesen Gefühlszustand hilft eben (angeblich) die Milch.
Diese Substantivbildung ist aber wohl ein Kunstwort, das mir außerhalb dieses Werbespots nie begegnet ist (analog zu "Hepatitis" und ähnlichem gebildet).
Ja, so hatte ichs auch verstanden... War Werbefernsehen damals sooo anspruchsvoll?
peterthomassuschny
20.03.2002, 22:45
Na selbstverständlich, dann schau doch bitte auf "Reklame, Reklame" (das hast Du mir seinerzeit empfohlen) und gib Dir ein paarmal den Afri-Cola-Spot, der würde auch heute noch nicht alt aussehen, vielleicht schafft die Software auch noch eine tolle Plakatwerbung von damals
Johnny Harms
04.10.2002, 04:37
technisches Problem
Johnny Harms
04.10.2002, 04:44
Zu Anfang der Woche verstarb Edith Schollwer im Alter von 98 Jahren . Sie selbst wollte ihr Geburtsdatum immer verschweigen.
Sie war die letzte der Insulaner, Günter Neumanns Fronttheater gegen den Kommunismus. Als Sängerin des Titelliedes machte sie zwischen 1948 und 1964 den Berlinerinnen und Berliner jede Woche Mut.
Sie hat es aber noch erlebt, was sie immer sang:
der Insulaner hofft unbeirrt, dass seine Insel mal 'nen schönet Festland wird.
Es ist traurige Chronistenpfleicht, mitzuteilen, Der Vater der "Schmiere"
Rudolf Rolfs ist tot
Frankfurt · 16. April · abi · Ein Wahl-Berliner servierte 1950 den Frankfurtern "Windbeutel mit Senf" und lud sie zum "Jahrmarkt in der Hölle" ein. Der Schauspieler und Kabarettist Rudolf Rolfs mutete mit seiner "Schmiere - das schlechteste Theater der Welt" den Nachkriegsbürger allerlei Respektloses zu. Der Gründer und bis 1989 Hauptakteur des Kellertheaters - das seither von Tochter Effi Rolfs geführt wird - starb, wie erst jetzt bekannt wurde, am Ostermontag im Alter von 83 Jahren auf seinem Ferienwohnsitz in der Toskana.
Rolfs, 1920 in Stettin geboren, war ein begnadeter Querdenker. Wohl ererbt, denn einer seiner Urahnen war Friedrich Spielhagen. Ein Dichter, dem Kritiker stets Geringschätzung der Geistlichkeit und des Militärs vorwarfen und der wegen allerlei "Anstößigkeiten" ständig Ärger mit der Zensur hatte. Die Geschichte wiederholt sich. Rudolf Rolfs produziert Polit-Kabarett von der ätzenden Sorte - und hat in Frankfurt auf Anhieb Erfolg. Im September 1950 steigt die Premiere im "Handwerkersaal". Vor einem gemalten Bauwagen. Privat wohnt Rolfs in einem echten, der zwischen begrünten Trümmern am Saalhof steht und ihm unmittelbar Ärger mit den Ämtern beschert.
Behörden, Kritiker, Fernsehsender, vor allem aber als unfähig und unbelehrbar empfundene Politiker liefern Rolfs sein ganzes Berufsleben lang Material für bissige Pointen. "Man spürt zwischen den Wortkaskaden lediglich die Galle, die dem etablierten Rudolf Rolfs hochkommt" schreibt ein FR-Kritiker zum 20-jährigen Bestehen. Und etabliert waren Rolfs und seine "Schmiere" in der Tat. Nach einem Zwischenspiel im Keller des "Steinernen Haus" zog man in den Keller des Karmeliterklosters, wo "das schlechteste Theater der Welt" noch heute residiert. In selbst gewähltem Understatement. Nicht die Form zählt, sondern der Inhalt. Gegen Nazis, gegen Wiederbewaffnung, gegen Notstandsgesetze, gegen die Aufführung von Wagners "Götterdämmerung" an der Oper. Und das Positive? An Rolfs Mercedes prangt das Abzeichen der Ostermarschierer.
Rolfs tritt 1989 ab, sendet seine Manuskripte per Fax an die neue Chefin und eröffnet als Privatier in seinem Haus in Rödermark einen "Salon d' Esprit". Doch nach 66 Ausflügen in die Philosophie in traulicher Runde, wo ungeschminkte Worte kursieren, macht Rolfs, längst auch Schriftsteller, damit Schluss und teilt seine Zeit zwischen Aufenthalten in Finnland und Italien. In der Toskana ging sein Leben zuende.
FR 16.04.04
rz
Johnny Harms
19.04.2004, 22:14
Schade, ich habe ihn gemocht.
Wieder ein Zeitgenosse weniger, an den man sich gern erinnert.
Johnny
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