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Vollständige Version anzeigen : Wir anderen 68er


peterthomassuschny
22.07.2001, 01:47
1968 war nicht nur das Jahr der Studenten-bewegung. 1968 war nicht nur das Jahr der Ermordung von Robert Kennedy und Martin Luther King. Und das Ende des Prager Frühlings.
1968 war für mich der Beginn der Volksschule, das Ende der Kindergartenzeit, wo ich noch in einer kleinen Aufführung den 'Sonnenkäferpapa' spielte, wer ähnliche lustige Erinnerungen hat, darf hier dazuschreiben. Der Rest darf sich auf 'Ideen und Geflügel' begeben.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Schocker
22.07.2001, 04:00
Da ich 1961 geboren bin, warâs bei mir ähnlich. Natürlich sind die politischen Ereignisse von 1968 damals unbemerkt an mir vorbeigegangen. Das erste Weltereignis, das mich erreichte, war die Mondlandung ein Jahr später. (Nur nebenbei: das erste politische Geschehnis, das ich mitbekommen habe, war der Pinochet-Putsch in Chile 1973).
Ich will aber eine Erinnerung an meine Volksschulzeit loswerden (ca. 1967 bis 1970). Wenn es während der Pause regnete, durften wir nicht raus auf den Schulhof, sondern mußten in der Eingangshalle bleiben. Dort war es uns nun nicht erlaubt, nach Belieben unserer Wege zu gehen. Nein, wir mußten brav im Schrittempo am Rand der Halle (rechteckiger Grundriß) entlanglatschen, immer schön zu zweit oder zu dritt nebeneinander. Und wehe, einer wollte quer durch die Halle sausen, um mit einem Klassenkameraden zu sprechen, der sich an einer anderen Stelle in der Endlosschleife befand. Sofort packte ihn der Hausmeister und stieß ihn an seinen Platz zurück. So ging das quälende 10 oder 15 Minuten lang, bis die Pause endlich vorbei war. Und wir ließen uns das gefallen...
Aus heutiger Sicht kann ich fast darüber lachen, aber damals war das nur grauenhaft. Kann man sich so etwas heute noch vorstellen? Ich hoffe nicht.
Keine direkt ³lustigeã Erinnerung zwar, aber eben eine ³andereã 68er-Zeit.

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make love like war

peterthomassuschny
22.07.2001, 12:08
@Schocker
Ja, da habe ich auch noch eine komische Erin-nerung: wir wurden zwar nicht mehr gezwungen mit der 'schönen' Hand, sprich mit der rechten, zu schreiben, wie es z. B. meine Mutter (* 1924) mußte (obwohl ich selber kein Linkshänder bin). Aber bei uns durften in der ersten Pause nur die Buben, in der zweiten nur die Mädchen aufs Klo gehen, der Blödsinn ist aber glaube ich sehr schnell wieder gefallen, aber irgendwie in mir hängen geblieben. Die ersten 3 politischen Ereignisse sind bei mir sogar tatsächlich aus dieser Zeit, aber zugegeben nur schleierhaft: als 1967 der 6-Tage-Krieg im Radio war, machte mein Vater ein sehr besorgtes Gesicht beim Rasieren (sein Cousin hatte im 1948er Unabhängigkeitskrieg freiwillig in der israelischen Armee gedient, war aber damals nicht mehr dort, sondern Gott sei Dank in England wohnhaft), an die Ermordung von Robert Kennedy (aber nur das sie im Fernsehen immer von Senator Robert Kennedy sprachen und ich nicht wußte, was ein Senator ist und dieser Begriff im Ohr blieb) und im August an das Ende des Prager Frühlings. Da sahen wir im Fernsehen Bilder von Schlangen tschechischer Autos und die ältere Schwester (* 1957, die mittlere ist 1960 geboren) weinte, weil ihr die Menschen dort so leid taten. Daß Freunde meiner Eltern in Schwechat, der Kleinstadt südöstlich von Wien (wo auch der Flughafen liegt) jede Menge Tschechen im Garten untergebracht hatten, habe ich erst im Vorjahr von ihnen bei einem gemeinsamen Austausch von Erinnerungen bei einem Heurigen erfahren.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Spleen
22.07.2001, 20:50
gähn

Walter Schmidtchen
22.07.2001, 21:03
Müde?

peterthomassuschny
22.07.2001, 22:10
Die Schultüte gab es in Österreich erst 1969.
Dennoch habe ich es überlebt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

peterthomassuschny
27.07.2001, 21:33
Rohrstaberl gab es damals auf jeden Fall keines mehr, nur die katholischen Katecheten haben gelegentlich Kopfstücke ausgeteilt, aber auch im Gymnasium in den 70ern gab es einen Mathematikprof, der nahm uns immer spaßhalber in den Schwitzkasten, nur wenn einer besonders schlampig war, riß er manchmal hinten am Haaransatz, das war schon etwas unangenehmer.

peterthomassuschny
01.08.2001, 23:07
'Erst kommt der Sonnenkäferpapa, dann kommt die Sonnenkäfermama und hinterdrein, ganz klimperklein, die Sonnenkäferkinderlein'
Beste Grüße vom
'Sonnenkäferpapa'
Kindergarten Wien 1060, Webgasse
Frühsommer 1968.

Johnny Harms
02.08.2001, 08:58
Fördert es den christlichen Glauben, wenn Religionslehrer schlagen? Ich denke NEIN!
Johnny

Spleen
02.08.2001, 19:49
Es gab in unserer Schulzeit noch öfter Lehrer, deren Vehalten durch Kriegstraumata von der Schulleitung entschuldigt wurde. Wir hatte z.B. einen Englischlehrer, der schlug und mit Schlüsselbündern warf. Wenig hilfreich, wenn du mich fragst...

peterthomassuschny
02.08.2001, 19:49
Johnny
Da hast Du sicher recht, ich bin aber kein Christ, habe aber deutlich in Erinnerung, wie meine ältere Schwester (* 1957) in der 3. Klasse AHS (1969/70) in Religion auch drinnen sitzen bleiben durfte und dort der Religionslehrer erzählte, wie schrecklich es in der Nazizeit war, als aus Menschenhaut der Ermordeten Lampenschirme gemacht wurden.
Meine Mutter hat das immer loben erwähnt, es gab also durchaus unter den Vertretern der Kirche solche, die in den 60er Jahren tolerant waren, als es (wie ich es später einmal las) allgemein üblich war. Bekanntermassen gab es vor dem 2. Vatikanischen Konzil genügende, die das Freitagabendgebet mit (mein Latein ist schon zu lange her, ich glaube per perfidae iudaeorum) sinngemäß: 'auch für die treulosen Juden' beendeten. Und der blödsinnige Anderl vom Rinn-Mythos wurde überhaupt erst in den mittleren 90ern durch Bischof Stecher eingestellt (der Ortsteil in der Tiroler Gemeinde heißt heute noch Judenstein, die uralte Mär von jüdischen Kaufleuten, die ein 3-jähriges Christenkind geschlachtet haben, ist also all die Jahre in den Menschen geblieben).
War zwar etwas ein Exkurs, aber meiner Meinung nach trotzdem notwendig.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Sidney Friedman
03.08.2001, 00:17
Nein es war unnötig! Es geht um Lehrer, die Gewalt anwenden und damit Gewalt lehren.
Sid
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peterthomassuschny
03.08.2001, 08:16
Besagter Religionsprofessor bei meiner Schwester beweist aber, daß es halt auch durchaus schon in den 60ern weltoffene Katecheten gab.
Obwohl wir 1974 in Österreich (vermutlich zum 200. Jubiläum der Schulpflicht durch Maria Theresia) eine große Schulreform hatten, die nachsitzen verbot, wurde noch bis zu meiner Matura (Abi) so gestraft, daß wir angeblich Versäumtes nachholen mußte. Und wer sich mit den Lehrkörper anlegte, hatte die schlechten Noten. Dies beweist nur meine These, daß die 70er in vielen Bereichen halt doch nicht fortschrittlicher als die 60er waren.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

peterthomassuschny
02.09.2001, 15:32
1968, das war in Österreich zwar ein bewegtes Jahr, aber bei uns lief das insgesamt recht ruhig ab.
Ein Jahr zuvor waren die Stones in Wien, die Polizei nannte das 'legale Austoberei' und die Menge war friedlich, ich glaube auch die Mehrheit meiner Landsleute, also auch jene, die um 10 oder 15 Jahre älter sind als ich, haben kaum andere Empfindungen, wenn mit ihnen über dieses Jahr diskutiert wird.
Es gelang damals hervorragend, von dem heutige Polizisten beim Wiener Opernball 2001 nur träumen konnten: die Menge war gar nicht so an Eskalation interessiert.
Im Vorjahr, als die neue Regierung vereidigt, wurde selbstverständlich auch dagegen demonstriert, ich hatte gerade am 4. Feber, am Tag der Regierungsangelobung, eine Fahrt, wo das Büro des heutigen Arbeits- und Wirtschaftsministers (ein langjähriger Kunde meiner Botendienstspedition) vom Umwelt- und Familienministerium (das war seine vorherige Wirkungsstätte) ein paar Gassen weiterüber-siedelte. Als wir hinkamen, hatten einige gerade das Amtsgebäude besetzt. Dennoch (und obwohl mich einige Polizisten warnten, ich solle mit dem Kastenwagen wegfahren, was nicht ging, weil ich ja auf den Warenbegleiter warten mußte) passierte gar nichts. Gag am Rande: nach 1 1/2 Stunden warten ließ ich mir von meiner Zentrale die Telefonnummer von seiner Arbeitsstätte geben. Er war doch schon zu Fuß retour gegangen und ich durfte 1 1/2 Stunden Wartezeit verrechnen.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. Auch der Opernball 2000 war überraschen friedlich, ein Wiener Schauspieler versuchte gaghalber als Adolf Hitler verkleidet Einlaß in die Oper zu bekommen, wurde kurzfristig verhaftet, bald aber zu Recht wieder freigelassen und dann auch vor Gericht freigesprochen. Erst 2001 wurde wieder ernsthaft randaliert.

peterthomassuschny
14.10.2001, 21:58
Die großen Buchstaben nannten wir 'Blockschrift', wenn sie aussahen wie Schreibmaschinbuchstaben, die kleinen 'Heinzelmännchenschrift', damit kann ich so schön Leute verwirren, so wie mit 'fremdes i' für 'Ypsilon' oder gar 'Klinger' für 'Selbstlaut'.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. Gestern war zum 60er-Musical im Wiener Metropol auch ein 60ies Fest.
Befragt wurden Prominente über die 60er und sah ich das im Gefolge an einen Hans Hass-Film aus dem Jahr 1951 und vor den nervenden 'Lümmel aus der 1. Bank-Folge' (ja, es gab dummes in den 60ern, obwohl die heutige Folge schon aus 1971 war, habe ich ja auch schon 3 vorherige gesehen), die dümmste Antwort kam von Franz Suhrada 'In den 60ern war ich in der Volksschule, da lernte ich 'Mama geht mit Mimi' 'Susi geht zum Baum', das soll ein tolle Zeit gewesen sein? Finde ich nicht!'
Herr Suhrada, ich bin Ihnen gar nicht böse, Sie erfüllen nur glänzend die Rolle des dummen Verkehrspolizisten aus dem 70er/80er Kult-Klassiker 'Kottan ermittelt', die Antwort paßt ganz zu Ihnen!

peterthomassuschny
12.11.2001, 00:09
Die Lesebuchhelden der Volksschule gab es ab der 2., in der ersten hieß das Buch 'Ich kann schon lesen' und das bekamen wir dann am Ende des ersten Halbjahres geschenkt, das für das 2. Halbjahr nicht mehr, das hatte einen rosa Einband.
Ab der 2. begleiteten uns Fritz und Susi durch die Volksschulzeit.
Außerdem, nachdem jetzt gerade 'Die Lümmeln von der ersten Bank' in quälenden 7 Folgen liefen, von denen ich mir immerhin 4 antat:
also so blöde Witze hatte bei uns keiner bis zur Matura, die Lehrer wurden viel eher mit intellektuellen Scherzen gequält, diese puerillen Streiche, die in diesen Filmen geliefert wurden, muß ich ja als ultra-peinlich bezeichnen, falls diese Steigerung statthaft ist, die hatten wir nichteinmal in der Volksschule.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
der gerne ein lebhafter Schüler war.