Vollständige Version anzeigen : Vietnam und Biafra
Mal eine weniger schöne Seite der 60er. Man wuchs doch auch mit ständigen Meldungen von Kriegen auf, die irgendwo auf der Welt wüteten.
Ich hab«s immer besonders gehasst, wenn jedesmal die armen Kinder von Biafra zitiert wurden, wenn wir den Teller nicht leer aßen. Auch die Demonstrationen der 68er und besonders etwas später die Bombenanschläge fand ich extrem bedrückend. Wie habt Ihr das erlebt?
Eigentlich war es in den 60ern noch ganz gut, abgesehen von der Panik, die alle ergriff, als die Kubakrise auf dem Höhepunkt war. Uns Kindern sagte keiner so richtig was Konkretes, deshalb hatten wir richtig Angst, und außerdem hatten wir natürlich noch die Geshicchten vom Krieg von unseren Eltern im Kopf, mit Luftschutzbunker und Fliegerangriffen und so weiter. Als also einmal ein Probealarm am hellichten Vormittag für die Sirenen war, dachten wir alle, nun ist es soweit, und duckten uns in unserem Klassenzimmer mit Herzklopfen.
Die 68er Vorfälle sind sicher in Berlin eingreifend gewesen. War - auch in einer Universitätsstadt - haben es zur Kenntnis genommen, auch selbst gegen alles mögliche Etablierte demonstriert, es gab auch Polizeieinsätze. Aber richtig erschreckend wurde es erst in den 70ern, als die RAF auf dem Höhepunkt war. Da ist es shcon öfter mal passiert, wenn man ein schnelles auto fuhr (z. B. damals Alfa Romeo), dass man mit vorgehaltenem Mashicnengewehr angehalten und kontrolliert wurde. Wir sind zum Zeitpunkt des Todes von Hanns Martin Schleyer mit einem großen Mercedes nach England gefahren, es war wirklich gespenstisch.
Du musst älter sein als ich. An die Kubakrise erinnere ich mich nur 'zweiterhands', weil wir noch 'gehamsterte', besser: vorsorglich angeschaffte, Dauerlebensmittel im Keller hatten, als ich klein war, z.B. ziemlich viele Haferflockenpackungen mit netten Sammelbildern.
Klar, die Terrorwelle und die Entführungen waren schlimmer. Ich erinnere mich aber noch an dieses absurde Gefühl, wenn man die Nachrochten sah. Warum bombardierten da Leute Verlagsgebäude? Ich fand«s fies. Hintergründe kannte ich natürlich noch nicht...
Sidney Friedman
16.08.2001, 08:28
Die Menschen waren durch ihre eignen Erfahrungen, die noch nicht lange zurücklagen und die für die meisten Tod und Verlust gebracht hatten, empfindsamer und empfindlicher, was Kriegsbedrohung anging.
Blockade, Korea-Krieg, 17. Juni 1953, Ungarn- und Polenaufstand 1956 brachten (auch in der fernsehlosen Zeit) die Bilder zurück.
Das der kalte Krieg mit aller Propaganda dazu beitrug, ist keine Frage.
Inzwischen wissen wir auch, wie dicht die Welt bei der sogenannten Kuba-Krise am Rande eines Atomkrieges stand.
Wir im Internat durften entgegen der sonst strengen Hausordnung (Licht aus um 21.00) aufbleiben und Radio hören bzw. im Saal Fernsehn sehen.
Sid
The Hoople
16.08.2001, 20:35
Besonders beklemmend wurde für uns der Sieben-Tage-Krieg zwischen Israel und Arabien 1967 dargestellt. In der vierten Klasse damals gab es während dieser Woche kein anderes Thema. Es wurde alles schwarz gemalt und Nasser war halt der A.., der die Welt in einen neuen Krieg führen wollte. So hieß es damals. Daß es nach sieben Tagen vorbei war, konnte man ja nicht wissen.
Viele Grüße
The Hoople
Stimmt, das war eine Sache, die ich in meiner Grundschulzeit mitbekam und überhaupt noch nicht verstand. Das muss der Anlass gewesen sein!
Ich erinnere mich an die furchtbaren Bilder in der Tagesschau. Ausgemergelte Kinder in Biafra. Das hat mich verfolgt.
Auch die Bilder aus Vietnam - jeden Abend. Ich habe mich erst später mit Vietnam auseinandergesetzt, denn ich habe einen Mann geheiratet der 2 Jahre dort gekämpft hat.
Woran ich mich aus meiner Jugend erinnere ist, das die Demonstranten gegen den Krieg die im Fernsehen gezeigt wurden, riefen: LBJ,LBJ how many kids did you kill today?
vBulletin v3.8.1, Copyright ©2000-2010, Jelsoft Enterprises Ltd.