Vollständige Version anzeigen : Bundeswehr und Zivildienst
Hier möchte ich mal Erfahrungen mit Leuten austauschen, die in der Bundeswehr die besch.....ste Zeit ihres Lebens verbracht haben. Solche Erlebnisse müssen doch mal unter die Leute gebracht werden. Ich versprech' Euch auch, ich werde über diese Armee kein gutes Wort verlieren.
Meine BW-Zeit ereignete sich vom 05.01.81-22.12.82 (in Schwanewede/Niedersachsen), deshalb gehört das in dieses Forum.
Besonders in meiner Anfangszeit bei der BW war ich dort von vermutlich psychisch schwer angeschlagenen Menschen umgeben. Einige der Unteroffiziere und Feldwebel warteten wohl förmlich darauf, dass es eines Tages mal knallen würde. Ein Feindbild gab es natürlich nicht, deshalb waren bei taktischen Spielchen am Sandkasten die Fahrzeuge des Gegners auch immer rot. Ein Unterricht des Kompaniechefs geriet zur antikommunistischen Gruselstunde. Im sogenannten Verteidigungsfall (so nennen die Jungs einen Krieg, eine "Vorneverteidigung " ist ein Angriff) wären wir in den Raum um Braunschweig verlegt worden. Die NATO-Strategen haben zu jener Zeit die ersten Angriffe der Roten Armee und ihrer Verbündeten in diesem Gebiet erwartet.
Was ging und geht in solchen Köpfen vor?
Was erwartest du von Leuten, die erwarten, dass man JEDEN Tag den Gang putzt?
Wie war das mit Mobbing und derben Scherzen unter den Kameraden? Gab es sie? Haben die Älteren die Jüngeren (was die Armeezugehörigkeit angeht meine ich, nicht das Alter) drangsaliert? Raconte-nous tout.
Zu meiner BW-Zeit (ich bin einer der letzten Nur-Wessi-Soldaten - Einzug 1.7.90) fiel im Zuge der Vereinigung gerade alles auseinander, nicht nur bei der NVA, auch in der alten West-Bundeswehr wurde heftig umgebaut.
Bei den Zeitsoldaten gab es erschreckend viele Idioten, die zum Bund gegangen sind, weil sie woanders nichts geworden wären und/oder weil sie für relativ (zu Berufsanfängern) gutes Gehalt ein warmes und trockenes Plätzchen suchten. Es gab auch einzelne Spinner, die einen Militär- und Kampfschweintick hatten, bei uns zum Glück aber weniger.
Kurz nach der Vereinigung wurden auch im Westen viele Standorte geschlossen, meine Kaserne am hannoverschen Flughafen gehörte zu den ersten. Sie war zu klein und die Flughafengesellschaft war scharf auf das Gelände.
Ich war weg, bevor der Laden aufgelöst wurde, aber ich kann mich entsinnen, daß einige der Hardcore-Militaristen ("Heißbrenner" im BW-Jargon) unter den "Zettis"(Zeitsoldaten) und speziell den Berufssoldaten von einem Tag auf den anderen psychisch zusammenklappten (Depressionen, etc.), als verkündet wurde, daß unsere Kaserne dichtgemacht wurde. Bei denen brach echt was zusammen, als ihr mit Tapferkeit und Kampfesmut verteidigtes Stück Deutschland (die besagte Mini-Kaserne) als Asylantenheim und Not-Knast umfunktioniert wurde, bzw.die entsprechende Ankündigung kam.
Jetzt kam der unangenehme Teil der Vaterlandsverpflichtung: die Versetzerei. Die Reste meiner Truppe traf es besonders hart. Sie waren mit die ersten West-Einheiten, die in die Ostzone umquartiert wurden, in ein winziges Kaff in Vorpommern, kurz vor der polnischen Grenze. Die alten NVA-Kasernen waren so verkommen und verdreckt, daß die Jungs bis zur Totalsanierung des Areals in Zelten kampierten.
Für einige dieser Spinner empfand ich echte Hämegefühle. Interessanterweise scheinen die rudimentären Reste meiner Einheit heute im Kosovo aktiv zu sein. Im Fernsehen und in Zeitungsinterviews erkannte ich Versprengte von damals.
Aber alles in allem hatte ich keine harte Zeit. Wir krochen kaum im Dreck rum, hatten lockere Chefs und wenig mit den besagten Kampfschweinen zu tun. Abgesehen davon waren auch die meisten Kameraden okay. Das lag wohl auch daran, daß zum 1.7. immer viele Abiturienten eingezogen waren und so der Proll-Faktor recht niedrig war. Klingt arrogant, stimmt aber wirklich.
Ich ärgere mich aber trotzdem, nicht Zivi gewesen zu sein. Da gibts mehr Geld und man tut fast immer Sinnvolleres. Eigentlich hoffte ich auf den LKW-Führerschein, flog in der Fahrschule aber wegen meiner Kurzsichtigkeit raus. VW Bulli dufte ich fahren, aber mit schwerem Gerät würde ich eine zu große Gefahr für die Umwelt darstellen, hieß es.
@Zazie, zu Deiner Frage: diese Mobberei war bei uns nicht bekannt. Natürlich gab es überall einzelne Idioten, die sich auch mal einen auf die Ohren eingefangen haben, aber das war nicht anders als in der Schule oder woanders auch.
Zur guten Nacht einzelne Anekdoten, die woanders wohl nicht so passiert sind:
- ein Kamerad will sich in der neuen Einheit die (sehr guten)Goretex-Regenklamotten beim Materialwart holen, die er vorher abgeben mußte: "Ham wa nicht" - "Ja, und was ist wenn es regnet?" - "Dann gehen wir nicht raus".
- vor einem großen Manöver (einem der letzten großen) hieß es in der vorherigen Ansprache des Kommandeurs: "Also Leute, dies ist eine große Sache mit vielen anderen Einheiten, auch Amerikanern. Es laufen auch Generäle herum. (lauter): WIR SIND NICHT AUF EINEM CAMPINGAUSFLUG. LAUFT ALSO NICHT WIE BEIM LETZTEN MAL IN UNTERWÄSCHE HERUM". Sein Pech, unser VW Bulli war schon mit Kühltasche, Liegestühlen, Bierkasten, Radio, Batteriefernseher, etc. ausgestattet.
Wir hatten es bei diesem Manöver nicht schwer. Wir konnten auf einem Bauernhof nächtigen, oben im Heu. Jeder baute sich ein eigenes Schlafhäuschen und verratzte einen großen Teil der Veranstaltung. Ich hatte zeitweise Telefondienst (Kurbelapparat mit Stöpseln, Standard von 1910). Diesen Dienst leistete ich in einem Ohrensessel vor einem knisternden Kaminfeuer ab. Der einzige Anruf kam am Morgen, daß wir unser Frühstück holen konnten. Im Laufe des Vormittags weckte uns der Chef und meinte, daß wir keinen speziellen Auftrag hätten, aber wenigstens aus Solidarität mit den draußen im Dreck "kämpfenden" Kameraden, doch nach 10 Stunden Schlaf im Heu aufstehen sollten.
Ein Arbeitskollege, der es beim Bund ähnlich lau hatte, erzählt heute noch gerne ein Erlebnis von so einem Manöver.
Er "bewachte" eine kleine Brücke (hing also nur rum), trug einen frisch gewaschenen und gebügelten Kampfanzug, saß in der Sonne auf einer Parkbank, die Flinte abgelegt, und nahm gerade sein Mittagessen zu sich, einen Riesenberg Gulasch mit Nudeln - sogar auf einem Porzellanteller. In dem Moment kam eine Truppe Fallschirmjäger vorbeimarschiert, völlig fertig und verdreckt, seit Tagen gerödelt, mehrfach abgesprungen, zig Schieß- und Buddelübungen, auf Deutsch: völlig am Ende. Mein Kollege sagt, er wird die Blicke der Jungs nie vergessen. Aus diesen sprach Haß, kalter Haß, gepaart mit Mordlust.
Raphael der Himmlische
24.04.2002, 03:41
Hallo!
Ich bin einer der Zivildienst der Bundeswehr vorgezogen hat ...
Ich bin so etwas am Gruebeln - waere das einen eigenen Strang wert?!
Denn auch da gibt es natuerlich nette Geschichtchen zu erzaehlen.
Schreib's doch hier rein Raphael, passt doch.
Ich hab ja hier nix zu suchen, aber Geschichtchen lese ich gerne.
Sowohl Raphaels als auch Zazies Beitäge gehören mit hier herein. Eine kurze Vorbemerkung: Jede Armee ist so schnell wie ihr langsamstes Fahrzeug, jede Armee so gut wie ihr dämlichster Armleuchter. Das Militär orientiert sich halt gern nach unten. Wie ich bei der Bundeswehr gelandet bin? Nach meinem endgültigen und unvermeidlichen Abschied von der Schule wusste ich nicht, was ich anfangen sollte. Um noch ein paar Mark mitzunehmen, hab ich mich für zwei Jahre verpflichtet. Alles begann in Schwanewede/Niedersachsen bei den Panzergrenadieren, einer Art motorisierter Infanterie. Man versicherte uns, dass aus Schwanewede immer die besten Heeressoldaten stammten. Die Grundausbildung war eine üble Schinderei, jedoch wurden wir vom I. Zug zu Richtschützen ausgebildet, die Jungs vom III. Zug, die einfachen Grenadiere, waren noch schlimmer dran als wir. Man konnte ihnen ansehen, dass sie uns hassten, weil wir den etwas leichteren Dienst hatten und sie jeden Tag auf den Übungsplatz mussten. Nach der Grundausbildung wurde ich zu einer Fernmeldeeinheit nach Rotenburg/Wümme, ebenfalls in Niedersachsen, versetzt. Man hatte mein Talent für den Umgang mit Morsezeichen entdeckt und ich durfte mich als Tastfunker versuchen und die Sowjetischen Truppen in der DDR abhören. Im November '81 ging's nach einem Versetzungsgesuch nach Dülmen im Münsterland, ganz in unsere Nähe. Ich hatte das Versetzungsgesuch ohne besondere Angabe von Gründen geschrieben und meinem Wunsch wurde entsprochen. In Dülmen, bei einer Raketenartillerieeinheit, durfte ich Munition bewachen. Nicht etwa "normale" Munition, sondern 203mm-Granaten mit Nuklearsprengköpfen! Diese Munition gehörte den Amerikanern, weil die BRD ja keine Atomwaffen besitzen darf (wäre auch noch schöner). Ob sich in den Munitionsbunkern tatsächlich Nuklearmunition befunden hat, weiß ich nicht, vielleicht haben wir ein Scheinlager bewacht. Gegen eine spezielle Einheit, die überfallartige Taktiken sozusagen hauptberuflich trainiert, hätten wir auch mit 80 Mann keine Chance gehabt.
Zazie, die Drangsalierungen untereinander, nach denen Du fragst? Ich habe sie nicht kennengelernt, denn sie waren hauptsächlich Spezialitäten der östlichen Armeen, wo so etwas von oben gedeckt wurde und die Drangsalierer nicht mit Bestrafung rechnen mussten. In Schwanewede musste ich allerdings einmal den halben Übungsplatz vermessen, weil die Übungsmunition alle war und ich so über die Peng-Peng-Rufe meiner Kameraden lachen musste. Das war dann aber eine Strafmaßnahme von einem Unteroffizier.
Eine wirklich ärgerliche Sache war das Entgegen-gebrüllt-bekommen von Tageszahlen. Man zählt die übriggebliebenen Tage der Dienstzeit Richtung Null. Das ist dann der Entlassungstag. Ebenfalls ärgerlich war die Heldenverehrung in den verschiedenen Einheiten, die Vorbilder waren hauptsächlich die Soldaten aus Rommels Afrikakorps und die schneidigen Jungs der Waffen-SS. Viele Unteroffiziere hatten Bücher über die Wehrmacht und die Waffen-SS auf ihren Stuben, Modelle von Tiger- und Panther-Panzern gab es in fast jedem Dienstzimmer eines Hauptfeldwebels oder ähnlichen Dienstgrades.
Die Unteroffiziere, die ich kennengelernt habe, träumten fast alle von einer Verwendung in einer Spezialeinheit, was immer sie sich auch damals darunter vorstellten. Das Kommando Spezialkräfte gab es nämlich seinerzeit noch nicht. So schickte man verschiedene Unteroffiziere dann auf einen Einzelkämpferlehrgang, viele kehrten allerdings ohne das begehrte Abzeichen zurück. Dieses Scheitern war besonders auf mangelnde Form und erhöhten Alkoholgenuss zurückzuführen.
Wo wir schon einmal dabei sind: Ich habe mich bei der BW so unwohl gefühlt, dass ich mir jeden Tagen die Kante hätte geben können.
Anscheinend war die Luftwaffe tatsächlich niveauvoller. Ich bin eher positiv überrascht gewesen: das waren denkende Menschen. Da kam man klar. Die könnten einen sogar brauchen, weil man Abi hatte...
Niveauvoller war's wohl allein schon durch die Verpflegung, Spleen. Bei uns kursierte nämlich der Spruch: "Die Luftwaffe diniert, die Marine speist und das Heer frisst."
Das hatte ich noch nicht gehört!
Die Verpflegung war redlich (Uni-Mensa-ähnlich) genießbar. Es wurde von Heereskollegen (bei uns "Spaten-Paulis" genannt, nach dem kleinen Maulwurf aus FF) immer kritisiert, dass in der LW die Überstunden- und Schichtvergütung reeller war als bei ihnen, d.h. Freitage für Nachtschichten, Verpflegungszulagen u.ä. Der Spruch war so in der Richtung von "Wer in der Luftwaffe pupst bekommt Dienstbefreiung."
Bei uns gab´s dafür das Gerücht, der niedrigste Dienstgrad im Heer würde "P" abgekürzt, für "Pauli" :).
Es gab auch regelrechte Pauli-Witze, im Stil von "Warum ist beim Heer (bei der Ausgehuniform) die Hose schwarz und die Jacke grau? Damit die Soldaten Jacke und Hose auseinanderhalten können." Fies, wa?
Ich kenn den Spruch so:
Die Marine riecht nach Seewasser, das Heer nach Brackwasser, die Luftwaffe nach Rasierwasser.
Raphael der Himmlische
25.04.2002, 22:36
Hallo allerseits!
Wie ihr sicher schon gemerkt habt, haben wir diesen Strang nun geringfuegig umbenannt, so dass sich nun auch die Zivis hier auslassen koennen.
So, ich glaube, dass wird ein guter Strang hier ...
Bitte weitermachen!
Ach so, den Spruch ueber Luftwaffe und Co kenne ich anders:
Die Herren von der Luftwaffe, die Maenner von der Marine und die Jungs vom Heer.
Aber ich war nicht bei dem Verein ...
Was die Esserei angeht, war es bei uns eigentlich nicht schlecht. Das liegt aber in erster Linie an den jweiligen Küchenbullen. Wichtig: immer nett und freundlich zu diesen Jungs sein. Obwohl: irgendwann ging es bei uns herum, daß das Gesundheitsamt wohl fürchterlich Ärger gemacht hat, weil einige Zustände nicht so waren, wie die Bestimmungen es forderten. Es hieß, wenn sich nicht was ändert, wird die Küche geschlossen und die gesamte Kaserne lebt von EPA-Packungen. Wie dem auch sei, uns ging es trotzdem recht gut, verglichen mit anderen Einheiten.
Einmal waren wir auf den Schießplatz, ca.12 km entfernt. Der Spieß kam mit seinem Bulli und verteilte den Mampf. Richtig gutes Zeug: halbe Hähnchen, Reis mit Currysoße und zum Nachtisch ein Becherchen Erdbeereis. Wir machten sogar frühzeitig Pause, damit das Eis nicht schmolz. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, weil neben uns ein Trupp Grenadiere den Einheitsmampf aus der Tüte zu sich nahm und dabei völlig fasziniert und neidisch zu uns rüberschielte.
Auch im Heer gibt es Unterschiede. Ich war bei der Flugabwehr, also mit einem roten Barett - diese Farbe trugen verschiedene Einheiten, aber immer die "sauberen". Die "Kettengesichter" (alles mit Panzern) haben schwarze Käppis und die, die immer im Dreck sitzen, die Grenadiere, Jäger, etc.hatten grüne. Die ganz harten Jungs, Fallschirmjäger, etc. (konditionsmäßig so was von weit weg von uns) haben violette Mützen.
Eigenartigerweise waren einige Fressalien immer knapp. Ich habe heute noch den gellenden Kantinenruf im Ohr "Jeder nur eine Scheibe Käse". Ganz pingelig wurde logischerweise auf den Nachtisch geachtet, vor allem, wenn es Eis o.ä.gab - und der Nachtisch war bei uns wirklich gut, ich denke noch gerne an den Kirschquark.
Aber wie sollte es anders sein, ich hatte natürlich meine Tricks, um meine Portion aufzustocken. Was heißt hatte, nicht für den Bund, fürs Leben lernt man! Auch heute noch verfahre ich in unserer Kantine oder bei Büffets zum Beispiel so, daß ich mich entgegen der allgemeinen Richtung vorbeischiebe. Klar, manchmal nölen die Mitbürger, aber, was man auf dem Teller hat, hat man auf dem Teller. Punkt.
Gerne ging (gehe) ich in zweiter Reihe an der Schlange vorbei, um dann blitzschnell mit langem Arm zwischen den Leuten zum Büffet zu greifen, bevorzugt bei rationierten Sachen. Das Personal achtet sehr selten auf diese Version der Nahrungsbeschaffung. Beim Bund suchte ich mir die Schlangen der Frischlinge hierfür aus. Die trauten sich nicht, einen Längergedienten beim Küchenbullen zu verpfeifen. So kam ich einmal auf 7 Portionen Erdbeereis (bei Eis habe ich keine Freßbremse).
Elwood,
und bei solchen Buffet"Manieren" hast Du dir noch keine eingefangen? Man mag mich für altmodisch halten, aber ich finde
solches Verhalten einfach ..... mir fehlen die Worte. Man sollte doch eher darauf achten, BW-spezifisches Verhalten so wenig wie möglich bei normalen Menschen anzuwenden.
Gruß
Olli
YO, Elwood, die Unterschiede beim Heer waren so gravierend, dass sich jede Waffengattung für die unersetzlichste hielt (was würden die und die schon ohne uns machen?). Selbst über die Barettfarbe haben sich die Einheiten untereinander lustig gemacht. In meiner Unwissenheit hatte ich vor meiner Versetzung zu den Fernmeldern befürchtet, dort würde der Waffenfarbe entsprechend ein gelbes Barett getragen, zum Glück tragen die auch knallrot. Der Name der Dienstbezeichnung hörte sich übrigens nicht schlecht an: Fernmeldeaufklärer EloKa (für elektronische Kampfführung). Man musste dort aber nicht mehr machen, als abgehörte Morsezeichen auf einen Zettel zu schreiben.
Die Verpflegung war saumäßig, auf einer zweiwöchigen Übung in Munsterlager im Herbst '82 ging's einigermaßen, weil dort der Küchenbulle nicht eine Menge Fressalien unterschlagen konnte, sondern alles verbrauchen musste.
Kleine Anekdote: Unser Spieß in Dülmen drückte einem der Soldaten vom Geschäftszimmer einen Haufen Lexika in die Hand. Dieser musste dann die Geburtstage von alten Feldmarschällen, Generalen, anderen hohen Offizieren und sonstigen Haudegen herausschreiben. Das Ganze wurde dann in einen Kalender eingetragen und so hatte das Unteroffizierskorps fast jeden Tag was zu feiern und ließ die alten Schlachtrösser hochleben (Feldmarschall Rommel, hurra, hurra, hurra, ein Prosit auf Feldmarschall von Manstein, usw.).
Einen sehr guten Vorgesetzten möchte ich aber doch einmal hervorheben: Den damaligen Oberfeldwebel Johann F., seinerzeit Rekrutenzugführer in Rotenburg/Wümme. Ein wirklich guter Portepee-Unteroffizier, der seinen Job sehr ernst nahm und gute Leistungen lobte. Bekam man einen Anschiss von ihm, war die Sache erledigt und er war nicht nachtragend. Wie ich durch Zufall erfahren habe, ist Johann F. immer noch bei der BW, als Oberstabsfeldwebel und treibt sich nach Somalia- und Balkaneinsätzen nun in Afghanistan herum. Nach diesem Unglück bei der Raketenentschärfung vor ein paar Wochen wurde er nämlich in der Zeitung zitiert. Na ja, der Typ war eine Ausnahme.
Elwood, von der Kondition von Fallschirmjägern und Fernspähern waren wir alle meilenweit entfernt.
So, nach soviel Militärzeugs möchte ich aber auch mal einen Beitrag des himmlischen Raphael und anderer ehemaliger Zivildienstleistender lesen. Was habt IHR erlebt? Die Umbenennung ist übrigens passend, hatte ich so garnicht bedacht.
Raphael der Himmlische
26.04.2002, 17:36
Hallo pit1962 und all ihr anderen!
Ich habe, nachdem ich die ersten Male in diesen Strang geschaut habe, wirklich lange ueberlegt, was aus meiner Zivildienstzeit berichtenswert waere.
Ich habe festgestellt, dass ich wahrscheinlich wirklich ein Buch darueber schreiben koennte, denn es hat sich - wenn ich so daran zurueckdenke - wirklich viel ereignet damals.
Ich fange einfach mal an, wie es damals so anfing, ihr koennt mir gerne ins Wort fallen, wenn ich euch langweile, ok!?
Die erste Lektion in Sachen "Dienen fuer den Staat" bekam ich ja eigentlich schon bei der Musterung. Das allein war wirlich schon ein event, das seinesgleichen sucht.
Man wird formal vorgeladen und soll mit mehreren anderen gleichaltrigen seinen Koerper und seine Psyche zur Schau stellen. Und nachdem man einleitend ein paar minuten ausgefragt wurde, ("Haben Sie Ihren Schwimmausweis mit?" - "Nein, Danke, ich wollte kein Kampfschwimmer werden!") sitzt man dann mit jenen anderen Milchbaerten zusammen in einem Zimmer und wartet.
Und das war dann der Moment, wo ich dachte, in einem Film zu sitzen: Um mich herum die Milchbubis, die sich aber fuer echte Kerle hielten und einander erzaehlten, was fuer Heldentaten sie beim Bund vollbringen wuerden ... bekleidet aber nur mit Boxershorts und Cowboystiefeln. Es war irgendwie ein Bild fuer die Goetter.
Es folgten dann noch allerlei unerfreuliche Verrichtungen, wie etwa in einen Becher zu pinkeln, waehrend eine der Krankenschwestern einem ueber die Schulter guckt - ich hasse es, wenn mir dabei jemand zusieht. Aber irgendwie ging es dann ...
Unschoen war auch der Hoertest, bei dem man einen uebelriechenden alten Kopfhoerer aufgesetzt bekam und dann ansagen musste, wann man einen Piepston vernahm.
Einer der Typen aus der Cowboystiefelfraktion war mit mir im Raum, und als ich mich noch dem Sehtest hingab, bekam er die Kopfhoerer aufgesetzt.
Nach einigen Sekunden hoerte man leises Piepsen. Der Hoergetestete aber sagte nichts. Und wir anderen im Raum hoerten das Piepsen mittlerweile eben schon ohne Kopfhoerer. Der Tester riss die Regler weiter auf. Der Getestete aber sass weiter da, ohne sein Laecheln zu verlieren. Dann wurde es dem Tester zuviel. Die Kopfhoerer abreissen bruellte er: "Hoer'n Se immer noch nix? Das kann ja wohl nich' angeh'n!" Kleinlaute Antwort: "Ach so ... ich dachte, ich sollte sagen, wenn ich nich' mehr aushalt'!"
Mir fiel es fortan schwer, konzentriert und ernsthaft bei der Sache zu bleiben. Ich wurde dann noch ein bisschen angebruellt beim Sehtest, weil ich beim raeumlichen Sehen aufgrund unterschiedlicher Augenstaerke eher schlecht abschnitt. Ich versicherte aber meinem Tester, dass anbruellen - zumindest beim Test der Augen - wohl kaum helfen wuerde.
Letztlich ueberstand ich dann auch noch den gefuerchteten EKG. Das war leider nicht jene Analyse, bei der die Herzschlaege mit Elektroden abgemessen wurden, sondern der "EierKontrollGriff".
Und der wurde von einer ca. 50-jaehrigen unattraktiven und uebellaunigen Aerztin durchgefuehrt. Diese hatte zudem noch unangenehm kalte Haende. Aber ich erspare euch besser weitere Details.
Diese ganze Nummer endete dann noch - wieder bekleidet - mit einer kleinen Versammlung einiger Beamten vom Kreiswehrersatzamt: Es schien mir wieder Realsatire pur zu sein, als man mir feierlich und mit einem leichten Beben in der Stimme - vor der aufghaengten deutschen Fahne - verkuendete, dass ich auf 2 gemustert sei und hervorragend geeignet waere, als Panzerfahrer oder ABC-Schutzmann oder noch irgendwas, ich hab's wirklich vergessen.
Ich habe nur noch muede laechelnd abgewinkt und eine Erklaerung darueber abgegeben, dass ich den KRIEGSdienst verweigern moechte.
Diese kleine Beleidigung goennte ich mir dann am Schluss.
So, Fortsetzung folgt spaeter.
boschofon
26.04.2002, 18:06
jetzt, wo sie´s sagen: speziell die musterung ist mir auch noch so ähnlich in erinnerung. vor allem der eindruck, dass die uniformkasper, die mir als "musterungskommission" vorgestellt worden waren, wirklich glaubten, ich hätte anlass mich darüber zu freuen, "t2" gemustert zu sein. ich war versucht, zu sagen "legen sie noch 2 punkte drauf und wir kommen ins geschäft", ich hab das dann aber doch unterlassen. man weiss ja nie, was einen noch so erwartet.
Obwohl wir dann im "Dienst für den Staat" getrennte Wege gegangen sind, Raphael, haben wir eine Gemeinsamkeit: Dass wir den geplanten Heldentaten einiger zu musternder Fast-schon-Soldaten lauschen durften. Das war so lächerlich. Der eine hat sich schon als Fallschirmjägeroffizier gesehen, der andere als Panzerkommandeur, Milchbärte waren damals alle, ich inklusive. Meine Musterung spielte sich in der Freiwilligenannahmestelle Düsseldorf ab, dass ich zwei Jahre bei der BW war, habe ich ja schon erwähnt. Ein recht aufwendiger Test zog sich über zwei Tage, dann war man entweder angenommen oder abgelehnt. Das Ergebnis erhielt man per Post.
Mein erster Tag beim Bund: 05.01.81, 09.30 Uhr Wanne-Eickel Hbf einfinden, dann Richtung Schwanewede. Das Kaff ist ungefähr 200 km vom Ruhrgebiet entfernt, die Fahrt dauerte mindestens fünf Stunden, weil dauernd angehalten wurde, um neue Rekruten aufzunehmen. In Bremen-Vegesack angekommen, umsteigen auf LkW und dann noch eine 20 km-Fahrt durch die norddeutsche Landschaft. In der Kaserne die Gesichter von martialischen Unteroffieren, die teilweise für einen 18-Jährigen richtig zum Fürchten aussahen. Die Stube für acht Mann, ich glaube sechs Jungs waren schon da, das Gebrüll, der muffige Geruch überall, die altertümlichen Betten. Heute muss mir das ja nicht mehr peinlich sein, aber ich hätte am liebsten laut losgeplärrt.
Acht Mann auf einer Bude? Wir waren 10! Scheußlich! Ich werde dem Verein nie vergessen, dass ich während der Grundausbildung drei Monate "Dallas" verpasst habe!!! Wir mussten um 22.00 Uhr im Bettchen sein!
Während meiner vielen Munitionswachen hab' ich das dauernd verpasst. Aber in diesem Sauhaufen hatte ich echt andere Probleme.
Meine Grundausbildung empfand ich nicht als schlimm. Wir waren auch 8 Mann, verstanden uns aber gut - bis auf einen, Zeitsoldat natürlich, der penetrant immer und alles gut fand. Alles, einfach alles, selbst den fiesen Quench-Verschnitt aus dem EPA-Paket. Der hat wegen dieser Manie sogar an seinem eigenen Geburtstag einen Tritt in den Hintern bekommen - letztens sah ich ihn in einem Kosovo-Bericht, einige Zeit vorher bei der Oder-Überschwemmung.
Am ersten Abend waren wir noch nachdenklich, einer sagte "Nun ist die Kindheit vorbei". Das hielt aber nur wenige Minuten an, bis ein Fahnenjunker hereinkam, grimmig hinter den Schrank schaute und auf den Spruch von einem "Na, wächst was?" nur murmelte "Morgen, morgen platzt die Bombe" - da wußten wir, daß wir in einem Haufen von Gestörten angekommen waren und nahmen alles nicht mehr so schwer.
Fernsehen hatten wir auch bald auf der Stube. Einmal saßen wir nach Dienstschluß vor der Kiste und sahen - Sesamstraße! Wir hatten richtig Spaß und schwelgten - wie hier und jetzt im Bonanza-Forum - in Kindheitserinnerungen. Wir schafften es dann auch, die Lieder wieder auf die Reihe zu bekommen. Plötzlich kam ein Uffz herein, schaute völlig entgeistert auf die Session, flüchtete mit Panik im Blick und wir hörten, wie er zu einem anderen Uffz sagte: "Jetzt drehen sie völlig durch".
Bei unseren Geländespielen (richtig hart ging es bei der Flak eh nie zu) kamen wir uns echt wie beim Räuber-und-Gendarm-oder Cowboy-Spielen vor - und wir haben es genossen. Der Weg zum Übungsplatz war nicht weit und übernachtet haben wir da fast nie. Ich kann mich heute noch amüsieren, wie wir einmal nachmittags zur Kaserne zurückmarschierten mit Gesichtstarnung und siffigen Klamotten. Wir kamen an einem Kindergarten vorbei. Die Kurzen schauten interessiert zu, und ein Mädchen rief "Iiihh, sind die dreckig!". Wir konnten vor Lachen kaum noch weitergehen.
Schön fand ich, daß ich Anti-Sportler in der Grundi echt Kondition bekommen habe. Unser erster Chef war ein Sport-Freak, dementsprechend oft waren wir aktiv. Am meisten gebracht hat GATT (Laufen ohne Ausrüstung, aber mit Stiefeln). Das machte richtig fit.
Hinterher landete ich aber im Stabsdienst, bzw.bei den Funkern. Da machte man sich nicht dreckig. Sport gabs wenig. Einmal sollten wir im Winter joggen. Die Uffze waren aber starke Raucher, so daß ihnen schon in der Kaserne die Puste ausging. Der Dienstplan wurde daraufhin in "gefechtsmäßiges Schneemannbauen" geändert.
Wir freuten uns richtig, als wir einmal wieder in Gelände gingen - der Chef vorher: "Habt keine Bedenken, wir werden uns nicht überanstrengen. Wir achten auch darauf, daß die Klamotten nicht so dreckig werden" Dieser war übrigens nur Offizier geworden, weil er keinen Stuidienplatz für Sozialpsychologie bekommen hat - und das merkte man.
Einmal gammelten oder schliefen wir - in der Dienstzeit!! - auf unseren Stuben. Es klopfte(!) an meiner Tür und der Oberleutnant kam herein. Er sagte: "Ein wenig Dienst müssen wir heute noch machen. Um 16.00 ist eine Schulung im Unterrichtsraum. Sagen Sie bitte(!) den Anderen Bescheid". Als ich wieder angezogen auf den Flur kam, sah ich ihn vor einer anderen Tür stehen. Er flüsterte mir zu: "Hier schläft alles. Rufen Sie bitte nicht über den Gang. Ich sage es lieber jedem einzeln." - und klopfte an die nächste Tür. Es war wie gesagt, Dienstzeit, 14 Uhr donnerstags.
Wenn ich jetzt den alltäglichen Irrsinn und das hilf- und planlose Agieren der Staatsdiener beschreiben sollte, würde das Forum platzen.
Kleine Beispiele: Ich zerschrammte meinem Kurier-VW Bus die Seite am Kasernentor - weil der Pizzadienst so blöd parkte. Weil kein olivgrüner Lack (und das beim Bund!) mehr da war, sollte ich die Schrammen mit Leuchtorange ausbessern, weil Leuchtorange eben vorhanden war.
Wie ich schon erwähnte, bin ich stark kurzsichtig (hat zur Ausmusterung aber nicht gereicht) und auch 1,89m groß. Ich sollte trotzdem ernsthaft als Richtschütze im Gepard-Panzer eingesetzt werden! Was sollte das? Wer denkt sich sowas aus?
Bei der Musterung schaute ich in das Guckgerät, ohne Brille (die wurde unter einem Gerät getestet, ob die Gläser echt waren). "Ist unscharf" - "Kann immer noch nichts sehen"- "Schärfer". Irgendwann stoppte der Augentester mit den Worten "Jetzt ist Schluß. Das ist die höchste Einstellung" und fragte mich nach meiner Dioptrienzahl, wollte mir die minus 6.0 und minus 6.5 aber erst nicht glauben, bis der Brillentester das bestätigte.
Kurz nach meinem Dienstantritt wurde ich sogar zur Bundeswehr-Augenklinik nach Koblenz zum Testen geschickt. Der Augenarzt (eine völlig durchgedreht agierende Gestalt) meinte nur: "Boah ey, so viele Fehler an einem Auge habe ich noch nie gesehen. Echt kraß." Als ich erfreut fragte, ob ich denn jetzt rausfliegen würde, sagte er aber "Och nö, soo schlimm ist es auch wieder nicht". Kurz darauf versuchte man mich dann in den Panzer hinter die Kanone zu stecken.
Bei Schießübungen mit Gasmaske (ohne Brille) gehörte ich zum "Infernalischen Quartett" - wir vier ähnlich Kurzsichtigen wurden immer extra zum Schießstand geführt, bei holperigem Gelände oder Treppen sogar altenpflegermäßig an der Hand geleitet. Getroffen habe wir natürlich nie. Leider habe ich kein Abzug von einem Foto von mir, auf dem ich meine Brille
auf die Gasmaske geklemmt hatte.
Wie dem auch sei, ich wäre doch lieber Zivi gewesen.
Raphael der Himmlische
27.04.2002, 03:16
Fuer mich ging es - nach dem buerokratischen Balanceakt, eine schriftliche Verweigerung einzureichen - mit dem Zivildienst am 3.7.1989 los.
Zuvor hatten wir Jungs aus dem '89er Abijahrgang noch das vergnuegen, allerlei Naechte zu durchzechen, waehrend unsere Freunde, die zum Bund gingen eben fast direkt nach unserer Entlassung eingezogen worden waren.
Wir waren und blieben natuerlich echte Kumpels und haben -frei von jedweder Haeme - ihnen mit dem Lied "You're in the army now" noch maechtig Mut zugesungen.
Bevor wir anfingen, war uebrigens noch eine Zivildienstzeit von 24 Monaten vorgesehen, beim Bund waren es nur 20 Monate. Einige aus meinem Jahrgang hatten sich dann schlauerweise fuer 2 jahre verpflichtet, da es fuer scheinbar laeppische 4 Monate mehr ein erhebliches plus an Geld zu geben schien.
Diese Leute waren dann von der Wehrdienstverkuerzung nicht besonders entzueckt. Letzten Endes machten wir Zivis dann nur 15 Monate, die Kollegen beim Bund 12.
Nun denn, der 3. Juli 1989 war als der Tag der Wahrheit und ich rueckte erstmalig offiziell zu meiner mir zugewiesenen Zivildienststelle an.
Ich will nur soviel verraten, dass die Einrichtung ein sogenanntes Familienerholungsheim war, also eine Einrichtung, in denen sozial schwaecher positionierten Mitmenschen staatlich Urlaub gesponsort wurde.
Mein Chef, Herr N., war mir eigentlich vom ersten Tag an unsympathisch: Er war ca. 50 Jahre alt, untersetzt, grauhaarig mit einem meist roetlichem Gesicht, das er eben immer hatte, wenn er sich ueber etwas aufregte. Uebellaunig war er eigentlich fast immer.
Ausserdem trank er ganz gerne, und zwar Holsten Pils. Und er rauchte REVAL, und das sagt ja wohl schon fast alles, oder?!
Mit einem Worte, er hatte nichts an sich, das man mit dem Terminus Sex Appeal belegen moechte.
Er hatte soviel Charme wie Attila der Hunnenkoenig.
Und so nahm das Schicksal seinen Lauf ...
Meine Aufgaben war eigentlich nur all das, was der Chef und seine Schergen nicht gerne tun mochten.
So eroeffnete Herr N. mir dann auch bei der Begruessung beilaeufig, dass ich dann doch gleich mal eben schnell (!) die Sonnenschirmstaender (ca. 6 Stueck) aus dem Keller holen koennte. Und die Sitzbaenke (und zwar die, mit den gusseisernen Rahmen)!
Am naechsten Tag durfte ich dann alleine in sengender Hitze den ganzen Tag Unkraut zupfen.
Irgendwie hatte ich dann schnell den Eindruck, dass er mir zeigen wolte, dass ich ein Nichts in seinen Augen war. Sein Tonfall wurde taeglich feldwebelhafter, die Aufgaben taeglich mieser, waehrend er selbst taeglich spaeter aufstand.
Und so langsam ballte ich dann doch innerlich die Faeuste.
Am 14.7. war es dann soweit: Frankreich feierte den 200. Jahrestag der Revolution und ich sollte meine eigene kleine Revolution bekommen.
Herr N. befand es aus nichtigen Gruenden fuer richtig, mich ueber eine Kleinigkeit zu massregeln und ich war ihm dabei wohl irgendwie ins Wort gefallen. Er fing an zu toben wie ein Rumpelstilz und bruellte mich an, dass ich ihn nicht zu unterbrechen haette. Und da schmiss ich ihm dann meinen Besen vor die Fuesse und verkuendete ihm, dass er sich, wenn er sich nicht anstaendig benaehme, bald einen neuen Deppen suchen koennte.
Und da habe ich ihn zum ersten Mal sprachlos gesehen. Er wurde wieder ganz furchtbar rot und stampfte ab. Die umstehenden Putzfrauen wischten und wedelten eifrig an irgendwelchen Stellen des Boden herum, die schon laengst sauber waren.
Ich verzog mich zunaecht zurueck an die Arbeit.
Bald aber liess mich der Chef rufen und gab mir einen schriftlichen (!) Arbeitsauftrag. Und dieser umfasste dann soviel an Taetigkeiten, dass man es getrost in 5-Jahresplan haette umbenennen koennen.
Und dabei waren die uebelsten Jobs, die er mir nun als rache auferlegen wollte: Ich sollte u.a. einen Kellerraum vollstaendig von Staub und Zement befreien. Als ich den raum betrat, musste ich wirklich lachen, denn der Dreck lag dort kniehoch - und das it keine Uebertreibung! Und einen Heizungskeller sollte ich auch sauber machen. Dort lagen ca. 10 eingetrocknete und mumifizierte Ratten- und Maeuseleichen herum, die ich mit einem Spaten vom Boden abmeisselte.
Als er mir dann nach einer Weile hinterherschlich und mir eroeffnete, ich muesse mich ranhalten, denn ich solle ja heute noch fertig werden und die Hecke solle ja auch noch geschnitten werden (nebst von mir zu verrichtender Reperatur des dazu benoetigten Werkzeugs), beschloss ich, nach noch einigen unschoenen Wortwechseln und Gespraechen, das Ganze als Versuch seinerseits zu werten, mich fertig zu machen.
Ich beschloss also, diesen Ort der Ungastlichkeit zu verlassen, und das sagte ich ihm so auch.
Somit war ich aber offiziell so gut wie fahnenfluechtig.
[So, ich schreib morgen weiter, so ihr wollt! Ich schreibe hier online und andere wollen auch an den Computer. Also, Fortsetzung folgt ...]
Ja, erzählt ruhig weiter.
Sowas liest man gerne wenn man nach 3 Nachmusterungen endlich Tauglichkeitsstufe 5 bekommen hat weil sich das rechte Knie einfach nicht bewegen liess.
Ich verstehe euch nicht, das steht doch alles bei "Felix Krull".
Scherzkeks - als ob das so einfach gewesen wäre.
Stimmt, Zeitsoldaten, "Zettis" genannt, waren was Komisches. Die wollten da ja was werden... Im Nachhinein wundert mich auch, wie kindlich wir an sich waren. Da wurde - in der Prä-Video-Ära 1981/82 - nachmittags die "Augsburger Puppenkiste" geguckt, oder "Immenhof"-Filme. Wir waren harmloser als manche Internatsbelegschaft.
Natürlich ist das so einfach. Wer wirklich das Töten im Krieg ablehnt, dem muss irgendetwas wehtun wenn er das Kreiswehrersatzamt betritt. Sowas nennt man Psychosomatik. Da braucht man nichtmal zu simulieren.
An sich war Verweigern ja nie schlimm oder schrecklich. Man hat halt den Antrag gestellt und seine Meinung vertreten.
Ich habe es nicht gemacht, weil der Wehrdienst kürzer war und ich auf den LKW-Führerschein spekulierte - den ich dann wegen meiner Augen und Zank mit dem Fahrschulfeldwebel dann aber nicht bekam.
Vor der Musterung und den Figuren, die damit befaßt waren, hatte ich keine Angst. Vielmehr beschlich mich leichter Grusel, als ich mir die Gestalten ansah, die damit befaßt waren. Man kam sich z.T.vor wie in der Geisterbahn. Und was das vorzitierte Bundeswehrkrankenhaus anging, so kursierte die Parole, daß dort die Mediziner herumgeisterten, die man ansonsten nicht auf die Menschheit loslassen sollte.
Pfiffige Mediziner konnten auch als Wehrpflichtige bestens zurechtkommen. Viele der BW-Ärzte waren gar keine "Zettis". Wehrpflichtige Ärzte bekamen das satte Gehalt eines Hauptmannes, schufteten sich meist nicht zu Tode und bekamen die Zeit auch noch auf die Ausbildung angerechnet. Das war viel besser als ein ausgebeuteter und geschundener Zivi oder Arzt im Praktikum in Krankenhaus.
Was die Panik Vieler vor Vorgesetzten und Zwang angeht, so ist das kein spezifisches BW-Problem (auch wenn da der Anteil Gestörter unter den Vorgesetzten recht hoch ist). Das ist das Problem, welches sich immer und überall stellt, wo man mit anderen Leuten zusammenarbeiten muß - vgl.Raphaels Story.
Vielmehr sehe ich das als Problem des Alters. Mit Anfang 20 ist man eben noch nicht so lebenserfahren und abgebrüht, so daß man viel mehr mit sich machen läßt. Meine prinzipielle Renitenz gegen Autoritäten hat sich auch erst im Lauf der Jahre eingeschliffen.
Auch als Wehrpflichtiger hatte man Möglichkeiten, etwas gegen schwere Verhaltensfehler Vorgesetzter zu tun. Man mußte wissen, wie das ging und brauchte ein dickes Fell, konnte das aber durchziehen.
Aber es gibt nun mal sehr viele Leute, die nicht fähig sind, aufzubegehren. Und wenn sie zu den gehörten, die "die Arschkarte gezogen haben", dann haben sie eben verloren. Wie überall anders auch, gibt es beim Bund Leute, denen alles in die Schuhe geschoben wird, was schiefgeht, egal, ob sie es waren oder nicht. In Bayern nennt man so einen, glaube ich, den "Watschenmann", eben der, der immer alles abbekommt.
Das war auch ein Tip, der unter uns Frischlingen herumging: immer solange mit Blödsinnmachen abwarten, bis schon irgendwer als Truppen-Trottel bei den Chefs verschrien war. Und das dauert meist nicht lange.
Ich fand es bezeichnend, daß gerade die, die schon weit unten im Ansehen stehen, immer noch einen drauf bekommen. Vereinzelt hatten wir unter uns auch "harte Jungs", ex-Knastis oder auch einen Skinhead - und gerade diese Typen waren völlig unfähig, sich gegen tatsächliche oder vermeintliche Ungerechtigkeiten zu wehren. Oft waren es ganz liebe Kerle - aber eben nicht in der Lage, Konflikte zu bewältigen. Der Skinhead, der mit seiner Truppe zuhause Angst und Schrecken verbreitete, lag abends oft heulend im Bett, weil er - zu unrecht - vom Chef zusammengeschissen worden war. Er konnte allein einfach nicht gegen Autoritäten aufbegehren. Häufig habe ich dann diesen diesen Jungs versucht zu helfen, aber wenn man schon überall verschissen hat, kommt man da kaum wieder raus. Aber das ist überall so.
Verglichen mit den Vorgenannten habe ich viel mehr Mist gemacht, mich verdrückt, Befehle mißachtet, usw., habe aber fast nie Ärger bekommen. Es kommt halt darauf an, wie man es macht. Geschickt eingesetzt, kann man aus Renitenz auch Vorteile schlagen. Weil ich meine Chefs immer derart genervt habe, hieß es irgendwann: "Gebt dem Gefreiten Elwood einen Besen, er soll die Kellerflure und die Panzerhallen fegen. Egal was er tut, Hauptsache, er ist uns unter den Augen weg". So hatte jeder seine Ruhe.
Was den Zivildienst angeht, so hieß es ja immer, das sei was zum Gammeln und Abhängen. Ich habe aber Hochachtung vor den Jungs, die z.B.Rettungswagen fahren. Das wäre mir, glaube ich, zu hart gewesen. Im Gegensatz zu dem Bundeswehr-Kasperkram (war ja noch lange vor den echten Einsätzen) geht das ja echt an die Substanz.
Aber man zieht sich auch an Diensten hoch, die z.B. mein Banknachbar in der Berufsschule hatte: Er war im Pfarrbüro gegenüber seines Elternhauses eingesetzt. Letztlich half er 3x die Woche 3 Stunden bei Schreib- und Verwaltungsarbeiten aus. Mehr nicht.
@bangen: das mit der Psychosomatik kann auch nach hinten losgehen. Wir hatten jemanden an der Schule, der T5 wegen (simulierten) psychischen Störungen bekam. Kurz drauf tauchte die Polizei bei ihm auf und kassierte den Führerschein ein. Begründung: wer zu blöd für die Bundeswehr ist, ist erst recht zu blöd zum Autofahren.
Das wäre schön und erstrebenswert, wenn jeder Achtzehnjährige schon wüsste, was Töten im Krieg oder Töten überhaupt bedeutet. Ich weiß' es nicht und werde es hoffentlich nie erfahren. Wenn jemand in diesem Alter zur Bundeswehr geht und er ein kleines bisschen clever ist, dann sollte seine Devise lauten: Wie verpisse ich mich am geschicktesten und wo habe ich nach Dienstschluss den meisten Spaß?
Das behaupte ich natürlich aus der Sicht von heute, so abgeklärt war ich 1981 auch noch nicht.
Raphael, es ist nicht schlimm, wenn Du uns nicht weiter von Deinem persönlichen EKG erzählst. Der Prolog hat gereicht.
Elwood, zu meiner BW-Zeit habe ich mir in meinen wilden Fantasien immer einen Offizier gewünscht, der mal anklopft und nach dem werten Wohlbefinden fragt. Bei uns ist immer fast die Tür eingetreten worden. Im März '81 habe ich dann auch instinktiv die erste Gelegenheit gepackt, von den Grenies wegzukommen.
Diejenigen, die sich als Zeitsoldaten für mehr als vier Jahre verpflichtet hatten, mussten doch wissen, was sie erwartet und den ganzen Laden auch ohne innere Überzeugung super finden. Wie sieht es schon aus, wenn ein Zettie bei seinem Arbeitgeber ständig rumstänkert wie ein Wehrpflichtiger?
Raphael der Himmlische
27.04.2002, 19:05
Hallo Pit1962, Spleen und Elwood!
Nein, vom EKG erzaehle ich nicht weiter, da muss eure Fantasie ausreichen.
Ich finde es aber erfreulich, zu hoeren, dass Zivis bei Bundis nicht generell als "Drueckeberger" eingestuft werden. Damals hatte ich oftmals einen anderen Eindruck.
Schoen, dass einem hier so viel Respekt entgegenschlaegt - ich lese eure Berichte uebrigens auch alle aufmerksam ind gerne.
(Vielleicht kommen ja auch noch einige Berichte von Damen hier ins Forum, die ein FSJ gemacht haben, denn das kam doch auch in den 80ern auf.)
Nun, ich beginne nun einfach mal damit, meine weiteren Ereignisse aus der Zivildienststelle Nr. 1 aufzuschreiben.
Also hier die FORTSETZUNG:
Nachdem ich meinem Chef also mehr oder minder unverbluemt erzaehlt hatte, dass ich ihn fuer einen niedertraechtigen Menschen hielt, fuhr ich mit meinem alten VW Polo froehlich pfeifend nach Hause.
Und dort Kuemmerte ich mich dann alsbald darum, eine bessere Dienststelle zugewiesen zu bekommen.
Ich hatte eigentlich geplant, Herrn N. nicht mehr wiederzutreffen. Aber einer der netten Chefs einer Einrichtung mit Zivis liess mich dann wissen, dass mein Verhalten als Fahnenflucht gelte und dass ich mich am Montag besser umgehend zurueckmelden sollte.
Das tat ich dann auch. (Allerdings kuemmerte ich mich dann in den folgenden Wochen weiterhin um eine Versetzung, was mir noch sehr zum Segen gereichen sollte.) Und ich dachte, zurueck am Ort des Grauens, nunmehr der Geaechtete vom Dienst zu sein.
Zuerst traf ich eine der Putzfrauen. Ich fragte "Kann ich Ihnen gleich was helfen?" Sie meinte dann nur augenzwinkernd "Das SIE lass mal stecken, Jung', ich bin uebrigens Martha ... war ziemlich klasse von Dir am Freitag, das mit dem Besen und so."
Ich war erstaunt, ich hatte DOCH einen kleinen Sieg errungen.
Der Chef hasste mich natuerlich immer noch, aber irgendwie versuchte er, ausgewaehlt hoeflich zu bleiben - jedenfalls wenn ich in Hoerweite war.
Die fiesen Jobs bekam ich weiterhin, natuerlich.
Toiletten reinigen gehoerte nach einer Weile schon fast zu den angenehmen Dingen.
Was mich fast am meisten aergerte, war die Tatsache, dass man mir bei Antritt noch versprochen hatte, mit Menschen in Kontakt zu kommen und auch Pflegeaufgaben und Aehnlichen uebernehmen zu duerfen.
Nur einmal wurde ich gefragt, ob es mir etwas ausmachen wuerde, am Abend nocheinmal zu erscheinen, weil man einen Schwerstbehinderten ins Bett bringen sollte, zusammen mit seinen Pflegern.
Ich willigte natuerlich ein, denn das war endlich einmal etwas nach meinem Herzen.
Das Ganze dauerte vielleicht 5 Minuten und war wirklich nicht unangenehm. Umso erstaunter war ich, als einer der Pfleger mir am naechsten Tage mitteilte, dass Herr W., der nette Mann, den ich mit zu Bett bringen durfte, darauf BESTAND, mir fuer meine Muehe 20 DM zu geben und sich ausdruecklich dafuer bedankte, einen schoenen Urlaub gehabt zu haben, wozu ich wesentlich beigetragen habe. Er, der selbst nicht sprechen konnte, zwinkerte mir nur zu.
Ich glaube, das war das einzig schoene Erlebnis in Zivildienststelle 1, das ich hatte, und nicht wegen des mir foermlich aufgedraengten Geldes.
Die Schikanen meines Chefs fanden dann im September ein jaehes Ende, als ich - waehrend der Arbeit - ploetzlich einen Bescheid erhielt, dass ich versetzt wuerde.
Was an Eindruecken blieb, habe ich soweit versucht in Kuerze festzuhalten. Was ich an Eindruecken dort hinterliess, weiss ich nicht genau. Bei Herrn N. mag ich einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen haben, das wuerde mich freuen.
Und ich hinterliess auf dem Parkplatz einen bleibenden Eindruck in Form eines grossen Oelflecks, der von meinem alten VW Polo und speziell dessen kaputter Ventildeckeldichtung herruehrte.
[So, demnaechst dann mehr zu Zivistele 2, d.h. FORTSETZUNG FOLGT ...]
Solche Leute gab´s bei uns wirklich, Pit! Allerdings erst in der "Stammeinheit". Was war das ulkig, dass Stubendurchgang nicht mehr in Staubkontrolle an den ulkigsten Plätzen bestand, sondern mehr oder weniger in einem "Alles in Ordnung bei Euch?". So ging´s also auch...
Die Mischung von Leuten in einer Bude war auch bei uns großartig: ein Popper, ein Rocker, zwei Studenten, ein komischer hanseatischer New-Waver, man hätte es echt verfilmen können...
Raphael, das würde ich auch in Zukunft gerne so sehen, dass dem jeweiligen gewählten Weg, ob Soldat oder Zivi, Respekt entgegengebracht wird.
Noch heute fällt im Zusammenhang mit dem Wort "Zivildienst" manchmal der Ausdruck "Drückebergertum", oder bezweifelt Ihr das? Für mich persönlich wäre das nichts gewesen, weil ich dann eventuell in einem Krankenhaus hätte arbeiten müssen und diese Einrichtungen sehe ich am liebsten von außen.
Das Paradoxe ist, dass Raphael so einen richtig fiesen feldwebelhaften Chef hatte und Elwood und Spleen, die Soldaten (nix gegen Euch, jeder verpisst sich beim Bund, so gut er kann), sich ausruhen konnten.
Ich hab' wirklich nicht gewusst, dass man im Zivildienst an solche Typen geraten kann. Wie weit darf so eine Pfeife gehen? Wer ist disziplinarisch zuständig?
Als ich in der Gundausbildung war, liefen dort ein paar Typen rum, die eingezogen worden waren, weil man ihre Anträge auf Verweigerung zu schlampig oder zu spät bearbeitet hatte. Da sie trotzdem vorhatten, zu verweigern, wurden sie von den Unteroffizieren behandelt und angesehen wie die allerniedigste Lebensform.
Da kann ich mich Pit anschließen! Respekt mutt! Im Endeffekt hab ich mir beim Bund oft gedacht, was daswohl alles soll: wir verwalteten irgendwelche Maschinen, die hoffentlich nie gebraucht würden und dann irgendwann gegen neue ersetzt wurden. Da scheint Zivildienst um einiges sinnnvoller!
Mit dem Drücken hielt es sich bei mir in Grenzen. Aber was man so auf 24-Stunden-Schichten alles lesen konnte, wenn nichts los war, war schon nicht schlecht...
Meine Ausbilder in der Grundausbildung stiegen bei mir in der Wertschätzung, als ich mal deren Trakt aufräumen musste und entdeckte, dass einer Schlumpfbettwäsche benutzte!
The Hoople
28.04.2002, 12:17
Ich hab vier Musterungen hinter mir. Schön war immer der Hörtest. Da waren zwei Dinge, eine runde Holzscheibe mit Griff dran und ein metallischer, dosenähnlicher Gegenstand. Beide wurden an je ein Ohr gehalten, mit der Frage, wo denn der Ton herkäme. Dann wurde umgedreht und gefragt, "und woher jetzt?". Ich frage mich heute noch, ob das eher ein Intelligenztest war.
Dann wurde das Gesetz geändert und T4's wie ich mußten ale halbe Jahre zur Musterung. Der zuständige Arzt meinte dann, er könne mich auch T3 schreiben und ich könne dann am Ende meines Studiums eine neue Musterung beantragen.
Da ich aber vergaß, daß mein Rückstellungsantrag abgelaufen war, und ich nicht wußte, daß die Studienbescheinigung nicht reichte, bekam ich zweimal eine Einberufung, beide Male zur Luftwaffe nach Pinneberg. Die waren aber echt enttäuscht, als ich beim Kreiswehrersatzamt auftauchte und sagte, daß ich leider nicht könnte, da ich ja noch studieren müßte.
Bei der beantragten Musterung wurde ich dann T5 - Heuschnupfen und Zukunftsangst - kann deshalb nichts weiter zu diesem Thema beitragen.
Viele Grüße
The Hoople
Wie soll denn da bei der himmelschreienden Inkompetenz der prüfenden Stellen überhaupt die Tauglichkeit für irgendetwas festgestellt werden?
Bei meiner ersten Musterung an der Freiwilligenannahmestelle wurde mir unterbreitet, dass ich für den Dienst bei den Fernmeldern wohl ungeeignet sei. Warum bin ich dann ein halbes Jahr später bei gerade dieser Truppe gelandet?
Einer der Höhepunkte der Lächerlichkeit war, in der Grundausbildung das Verhalten bei einem nuklearen Angriff zu üben. Ich hoffe, es ist mittlerweile bis zur Bundeswehr durchgesickert, um wieviel stärker eine moderne Atomwaffe im Gegensatz zu ihren Vorgängern von 1945 ist. Ob das Überstülpen einer ABC-Schutzmaske oder Eingraben tatsächlich hilft?
Erzählt doch 'mal, wie bei Euch ABC-Abwehrübungen abliefen. Dann bekommen die ehemaligen Zivis automatisch auch was zu lachen.
Raphael der Himmlische
28.04.2002, 22:52
Hallo Pit1962 und all ihr anderen!
Ich begruesse sehr, was Pit geschrieben hatte - es waere in der Tat schoen, wenn hier weiterhin so respektvoll miteinander umgegangen wird, wie es bisher der Fall war.
Ich gebe zu, dass dies bisher einer meiner liebsten Straenge ist und ich mindestens dreimal taeglich nachschaue, ob noch andere schoene Beitraege hinzugekommen sind. (Ich hoffe, das geht euch aehnlich!?)
Es waere schone, wenn der Strang weiterhin so gut laeuft!
Zu Deinen Fragen, Pit:
Zivildienststellenleiter duerfen schon recht weit gehen. Der Unterschied zur Bundeswehr ist da nicht besonders gross, was Befehle angeht. Es gibt fuer Zivis immer einen Verantwortlichen fuer die jeweilige Dienststelle, den man bei Problemen anlaufen kann. Leider war das in meinem Falle eine ziemliche Pfeife. Mal ehrlich, wer macht auch einen Bundeswehrpastoren verantwortlich fuer Zivis?!
Man kann dann - wenn sonst nichts hilft - sich auch direkt ans Bundesamt fuer Zivildienst wenden.
Ich hatte damals mit meinen Freunden eine Beratungsgruppe fuer Zivis aufgemacht, denn buerokratisch gesehen blieben bei uns allen viele Fragen offen. Und wir bekamen erstaulich viele Anfragen. Oftmals wussten eben die Dienststellenleiter selbst nicht, was ueberhaupt zulaessig war. Ich war in meiner Einrichtung z.B. der erste Zivi ueberhaupt, allein das war schon von uebel.
Zu den ABC Schutzuebungen habe ich von meinen Freunden auch schoene geschichten gehoert. Unter anderem von Gasmaskenuebungen, bei denen man in eine Art Gaskammer gesteckt wurde, die dann mit einem Gas gefuellt wurde, das zwar nicht giftig ist, aber einen doch zum Erbrechen bringen soll.
Einige haben sich dann doch lieber erstmal rasiert.
Aber ich hoere wirklich gerne weiter Geschichten.
Ich werde nachher auch noch etwas aus meinem Zivileben beisteuern koennen, hoffe ich.
Das mit dem Gas, vermutlich irgendein Tränengas, ist natürlich keine Erfindung. Viel schlimmer als diese Behandlung der Soldaten ist eine von Unteroffizieren erfundene Bezeichnung für solche Einrichtungen: "Eichmanns Hobbyraum". Selbst ich würde eine solche Bösartigkeit nicht glauben, wenn sie mir nicht mein Deutschlehrer (ca. Jahrgang '52) vor ein paar Wochen glaubhaft erzählt hätte.
Die Maßnahmen bei der Bundeswehr gegen chemische Kampfstoffe sind im Übrigen völlig nutzlos. Bereits im 1. Weltkrieg hat der deutsche Forscher Fritz Haber (Nobelpreis für Chemie 1918 für die Arbeit mit Ammoniakverbindungen!!!!) Kampfgase entwickelt, die so ätzen, dass sie Uniformen und Metallgegenstände teilweise auflösen. Was geschieht dann erst mit den Atemwegen?
Echt geistreich, einen BW-Pfarrer zur Betreuung von Zivis einzusetzen.
Prof_Bienlein
29.04.2002, 18:03
Also, ihr Lieben, ich habe mich erst jetzt durch diesen Strang gearbeitet und steuere gerne etwas dazu bei, wird vielleicht etwas querbeet gehen.
Ich gehöre noch zu den W-15ern und trat meinen Dienst am 1. Juli 1987 beim Sanitätsbataillon in Hildesheim an. Ich war eigentlich ganz vergnügt, weil ich, ein naives, wohlbehütetes Bürschchen, etwas Abwechslung durchaus mit so etwas wie Abenteuerlust erwartete - aber gleich in den ersten Stunden bekam ich einen gehörigen Dämpfer: Ich lehnte, noch im blauen Trainingsanzug (denn Grünzeug wurde erst am folgenden Tag "empfangen") nichtsahnend an einer Wand, als ich von einem Fähnrich angeschrien wurde: "WEG VON DER WAND! EINE UNSITTE IST DAS...!" So hatte noch nie jemand mit mir geredet, ich war völlig perplex. Zudem war dieses Arschloch kaum älter als ich und, wie sich am nächsten Tag herausstellte, mein Gruppenführer.
In den drei Monaten Grundi unter dem blauen Barett (das tragen nur die Sanitäter) musste ich mir die Bude mit 9 anderen teilen, alles frischgebackene Abiturienten. Wir kamen gut miteinander klar, respektierten im typischen Idealismus der 70er-Jahre-Kinder die teilweise abweichenden Meinungen der anderen und hielten sehr anständig zusammen.
Als Sanitäter lernten wir durchaus einiges Sinnvolle, mussten aber auch so richtig in den Dreck (das Schlimmste war unsere "Rekrutenprüfung", bei der wir uns nachts mit je 30 kg Gepäck im Wald verliefen und statt 20 km über 30 zurücklegten).
Das Essen war hier wie später reichlich, aber...würg! Der Hunger trieb es hinein, der Ekel hinunter!
Ansonsten galt für diese Zeit: Bloß nicht auffallen!Mir als mit 1,94 Kompanielängsten, dazu noch in der 1. Gruppe des 1. Zuges, fiel das allerdings schwer, weil ich immer vorneweg marschieren musste.
Da fällt mir ein, wir hatten auch ein stubeninternes Punktesystem, das am Ende der Grundi ausgewertet werden sollte: Es gab z.B. einen Punkt für einen Anschiss vom Gruppenführer, zwei für das Selbe vom Zugführer und drei vom Kompaniechef. Minuspunkte gab es entsprechend für Lob.
"Elite-Krause" mit seinen blitzblanken Stiefeln und auch sonst großem Ehrgeiz (erstklassige Leistungen außer im Sport und beim Schießen) hatte bis kurz vor dem Stichtag eine einsame Schlussposition, er wurde dauernd gelobt - und dann sahnte er in der Rekrutenprüfung durch einen Anschiss vom BATAILLONSKOMMANDEUR ab, der sich sogar beim Kompaniechef nach seinem Namen erkundigte, weil Krause sein Gewehr ums Verrecken nicht mehr zusammenbauen konnte!
Ansonsten gab es auch bei uns keine interne Hackordnung, während Freunde mir von dieser als fester Struktur der NVA berichteten.
Nach den ersten drei Monaten begann für mich eine wirklich schöne Zeit, die ich freiwillig zwar um keinen Tag verlängert hätte, an die ich mich aber trotzdem gerne erinnere: Ich war als Fagottist (und auch mal als Schlagzeuger und Sänger) im Heersmusikkorps in Hannover.
Die "Befehlsausgabe" bestand aus einmal Stillstehen und einer Meldung an den Chef, der daraufhin mit "Guten Morgen, meine Herren, nehmen Sie bitte Platz!" die Probe eröffnete, und das war es dann an militärischen Förmlichkeiten für diesen Tag.
Die 30 Gelöbnisse, die ich in dieser Zeit in ganz Niedersachsen mitmachte, und die vielen anderen Einsätze, waren zwar durchaus Arbeit, aber alleine schon das Zusammensein mit anderen Musikern war doch eine feine Sache, und auch für die spätere Berufswahl machte ich hier wertvolle Erfahrungen.
Einmal machte einer der Feldwebel einen freitäglichen Stubendurchgang, und als einer von uns dreien (ja, soooviel waren wir auf einer Stube) strammstand und salutierte, um zu melden, sah ihn unser Vorgesetzter völlig verdutzt an: "Sag mal, willst du mich verarschen, oder was???" Er schien ernstlich böse.
Ab und zu musizierten wir auch mal in einer Luftwaffenkaserne im Harz. Schon die Posten am Tor hingen mehr in ihren Uniformen und grüßten mehr als lasch, einer duzte sogar unseren (jungen) Chef, als dieser sich aus seinem Passat heraus nach dem Weg erkundigte (was dieser mit einem lächelnden Kopfschütteln und der Bemerkung "Das ist Luftwaffe" quittierte).
Die Küchenfrauen dagegen zeigten sich begeistert von uns "wenigstens richtigen Männern" (sic!), die in ihren schwarzen Panzerbaretten wohl in ihren Augen schneidiger aussahen als die dort üblichen Bubis mit ihren Schiffchen.
Zum Thema Respekt und Toleranz möchte ich noch anmerken, dass ich eigentlich bei meinen Kameraden nie irgendwelche Sprüche gegen Kriegsdienstverweigerer gehört habe, wohl aber umgekehrt ziemlich doofe Sprüche von Frauen, Zivis oder Untauglichen gegen meine "Entscheidung". Tut mir leid, aber das waren meine damaligen Erfahrungen.
Zum Schluss dann aber doch noch ein Waffengattungs-Witz (wer was von der Seefahrt versteht, verzeihe mir bitte meine mangelnden Kenntnisse in dieser Hinsicht):
Vor einem Manöver sind die Kommandeure aller drei Waffengattungen beim Oberbefehlshaber. Dieser schaut auf die Uhr: "Achtung, Uhrenvergleich! Für die Luftwaffe: Es ist jetzt genau 15.00 Uhr. Für die Marine: Es ist jetzt acht Glasen der dritten Wache. Für das Heer: Der kleine Zeiger zeigt auf die drei, der große auf die Zwölf!"
Mensch Prof., dann waren wir wohl in der gleichen Kaserne in Langenhagen, wenn auch mit 3 Jahren Abstand.
Da ich im Landkreis Hannover aufgewachsen bin, konnte ich auch zuhause nächtigen. Wir hatten eine Fahrgemeinschaft mit drei Leuten aus meinem Ort. Obwohl: manchmal hatte ich keine Lust dazu, da ich gewissermaßen ein Einzelzimmer hatte. Die anderen von meiner 4er Stube in der Stabsbatterie fuhren immer nach Hause. Außerdem konnte man so ein wenig länger schlafen.
Na ja Prof., ein wenig haben wir aber auch über Euch Heeresmusikler gespottet, bzw. in erster Linie unsere Vorgesetzten. So in der Art, daß diese Jungs Weicheier sind, die bei etwas härteren Aufgaben sofort in Tränen ausbrechen. Da war aber auch Neid im Spiel, denn Ihr Musikanten wart ja oft auf Tournee.
Wie ich schon sagte, das Schikanieren war unüblich - aber nicht das Verarschen. Während meines Fernmelderlehrganges in Hannover wurde einmal der Trottel vom Dienst (einen gibt es immer!) beauftragt, 5 Liter Frequenzwasser zu besorgen. Auf den alten Funkgeräten ist oben eine große Schraube, und diesem Blödi wurde ernsthaft vermittelt, daß man dorthinein von Zeit zu Zeit Frequenzwasser gegossen werden muß, damit der Empfang besser wird. Nun ja, diese Gestalt wurde einen vollen Vormittag lang über das ganze Gelände von einem zum anderen geschickt. von der Lehrbatterie zu den Schreibfunkern, dann zu den VHF-Funkern, zu den Fahrern, auch in die Küche - und jeder hat den Spaß mitgemacht. Zum Schluß landete der Heini beim Divisionskommandeur persönlich, einem Zwei-Sterne-General. Erst der hat ihn über die Verarsche aufgeklärt. Es gab aber keinen Anschiß, das brachte der Oberboß nicht über sich (aus zuverlässiger Quelle erfuhr man später, daß sich danach der General höchstselbst vor Lachen in die Ecke warf).
Prof_Bienlein
30.04.2002, 02:01
Solche Verarsche finde ich idiotisch. Die Sani-GVDs wurden auf ihrer Runde in Hildesheim jedesmal von einem Wach-Uffz zurückgeschickt, um nachzusehen, welche Nummer die beiden Garagen der Sanitätskompanie hätten. Und die armen Rekruten haben das auch noch mitgemacht! Allerdings zieht sich das Auf- den-Neuen-Rumhacken wie ein roter Faden durch Schulzeit, BW und Berufsleben, wahrscheinlich durch die Geschichte der ganzen Menschheit - was es nicht angenehmer macht, und ich werde mich hoffentlich auch nie damit abfinden bzw. mich nie daran beteiligen.
Ja, Elwood, ich war auch im "Boelcke-Zirkus". Wir hatten es nicht schlecht, aber als Weicheier sahen wir uns nicht. Umgekehrt sprachen wir von den restlichen Soldaten der Kaserne ganz selbstverständlich und ohne bösen Willen, aber etwas herablassend von "der Truppe".
Wir wurden angehalten, unsere besseren Dienstbedingungen nicht so demonstrativ vor uns herzutragen. Als einmal vom Vertrauensmann Beschwerden über das Manschaftsheim gesammelt wurden, schlug ein Klarinettist vor, die Kantinenfrau möge doch die Nummern der bestellten Gerichte nicht so laut durch's Mikrofon rufen, das störe uns beim Mittagsschlaf. Wir waren uns schnell einig, dies lieber nicht weiterzuleiten...
Als einer von der Wache mal den Vater eines Kameraden zu uns begleitete, schaute er ganz neugierig in unsere Stube und stellte fest: "Ihr habt ja doch Stahlhelme auf den Spinden!" Ich machte ihn lieber nicht darauf aufmerksam, dass es jeweils zwei waren: ein echter Stahlhelm und einer für Gelöbnisse und anderes Truppenzeremoniell - für besseren Tragekomfort aus Pappe!
Übrigens ganz gut, dass wir mit einigen Jahren Abstand dort waren, hätte ich dich bei so einer Aktion wie mit den sieben Portionen Eis erwischt, hätte ich dich trotz K 70 etc. bestimmt nicht gerade in den Kreis der mir sympathischen Leute aufgenommen..:-/
Ich denke, das mit der Verarsche der Neuen hat doch mit der Zeit ziemlich nachgelassen. Oder fällt tatsächlich noch jemand auf sowas wie mit dem Frequenzwasser rein????
Ziemlich ärgerlich fand ich die Tatsache, dass man sich im Bekanntenkreis manchmal rechtfertigen sollte, warum man zur Bundeswehr gegangen sei. Andere Leute brauchten sich ja auch nicht bei mir zu rechtfertigen, weil sie sich für den Zivildienst entschieden hatten. Eine Bekannte von mir, die so ziemlich gegen alles war, unterbreitete mir, dass ich meinen Entschluss noch bitter bereuen würde. Für eine sachliche Argumentation war sie allerdings auch nicht ansprechbar. Verkehrte Welt!!
Prof., der Witz mit dem Uhrenvergleich ist göttlich.
Nochmal was zur ABC-Abwehrausbildung aller Truppen: Es gab da so eine "Sonnenbrille", mit der man aussah wie Puck, die Stubenfliege. Mit diesem Ausrüstungsgegenstand sollte man angeblich ohne Folgeschäden in einen Lichtblitz schauen können. Hätte das geklappt oder wäre einem diese Brille eine Sekunde später am noch vorhandenen Kopf geschmolzen?
Zerebrum
30.04.2002, 12:24
pitpitpitpitpitpit: Andere Leute brauchten sich ja auch nicht bei mir zu rechtfertigen, weil sie sich für den Zivildienst entschieden hatten.
was für ein "kein zucker, bitte süßstoff" argument. der unterschied ist ganz einfach: als zivi muß ich meine entscheidung schriftlich begründen (ich kann/möchte/will nicht töten lernen, weil ...) , als soldat nicht.
verlassen wir kurz die scharping-lounge:
ich empfand meine musterung damals als ein schon fast sexuell behaftetes erlebnis. eine recht attraktive ärztin des kreiswehrersatzamtes faßte mir, wie wohl allen schreibern dieses stranges (sic!) ebenfalls, in den schritt um dort etwas für mich selbstverständliches zu kontrollieren. alles ging sehr schnell, ich hatte leider keine zeit mich darüber ernsthaft aufzuregen. mit 18 jahren eine, in einem fetisch verpackte weibliche hand an die genitalien gefühlt zu bekommen, zudem noch von einer Frau, die sonja kirchberger sehr ähnlich sieht, noch dazu in so einer devoten körperhaltung, war mit sicherheit ein kurzes erlebnis für sich und passierte mir bis dahin nicht oft.
die musterung geriet in zeitdruck, ich kam mit einem weiteren gemusterten und vermessenen menschen in den bereich der mittagszeit, unsere ergebnisse sollten wir erst nach dieser zwangspause erfahren. wir bekamen gutscheine für die kantine, ich wählte dort die bekannten pnp-frikadellen (paniermehl-nichts-paniermehl) und setzte mich mit meinem Tablett an einen freien Tisch und versuchte zu essen.
schräg gegenüber saß die kleine schwarzhaarige hodenprüfkommission und steckte sich mit einem recht lasziven blick in meine richtung eine pomme-frites in den mund. der vergleich an den sie jetzt denken hinkt natürlich, aber es ist das einzige, an das ich mich noch erinnern kann, von dem ich glauben will das es so gewesen ist. vielleicht war es ja auch nur ein blick voller mitleid, möglichkeiten lagen gewiss nicht darin. vielleicht war es auch nur irgendein blick aus diesen grünen augen.
nach dem mittagsdinner mußte ich dann vor diesem ausschuß erscheinen der einem mitteilt, wie wertvoll man für das vaterland nach der körpervermessung wirklich ist. höflich, wie ich nun einmal erzogen worden, bin betrat ich den raum, schritt auf das richterähnliche podest samt tisch zu und wollte allen anwesenden die hand geben.
der erste uniformist streckte mir seine linke auf meine rechte Hand hin, seine linke hörte nämlich kurz nach der schulter auf. der mittlere mensch hatte nur noch drei finger an seiner hand. er war übrigens der verkünder des ergebnisses, da körperlich privilegierter als die anderen beiden, der rechte hatte nämlich gar keine Arme mehr und saß zudem in einem rollstuhl. ich zupfte ihn an seinem uniformärmel und lächelte, er lächelte zurück und wurde spontan rot. die herren waren natürlich irritiert und es machte sich kurz ein betretenes schweigen breit. ich war übrigens ebenfalls peinlich betreten und mußte die ganze zeit an "harold and maud" denken, die szene mit dem onkel, der eine vorrichtung in seiner uniformjacke hatte und mittels mechanismus und mangels arm "richtig" damit grüßen konnte.
dieses ärmellose erlebnis vor dem musterungsausschuss ließ ich selbstverständlich in meinem verweigerungsschreiben, in humanerer form als oben beschrieben, aufleben.
die zivildienstzeit selbst war eine heftige zeit, ich verbrachte diese in der geschlossenen psychartrie der uni-klinik köln. ich meine natürlich als zivi in der psychartrie, ein schelm, wer eben etwas anderes dachte. damals waren übrigens noch 24 monate zivildienst zu leisten.
dort erlebte ich auch sehr viele geschichten, die ich vielleicht einmal aufschreiben sollte. wer kennt noch die geschichte aus der zeitung von dem menschen, der mit seinem auto ende der 80er von der domplatte aus in die pforten des kölner doms fuhr? es steckt ein drama dahinter, kann ich ihnen sagen. kein zivildienstleistender mensch wird für den umgang mit solchen menschen geschult, wie man mit solchen menschen umzugehen hat. egal, es ist ja nur zivildienst ...
boschofon
30.04.2002, 12:44
andererseits: welcher normal empfindende mensch wird schon auf menschen wie diese bundeswehr-uffze vorbereitet? ein beispiel: in meiner grundausbildung im schönen zwergstandort todtnau-fahl am feldberg hatten wir einen uffz, der konnte nicht mehr sprechen. nur noch brüllen. er schrie "guten morgen!", wenn die sonne aufging, er schrie "hinlegen!", wenn es ins gelände ging (und vielleicht auch, wenn er seiner freundin intim begegnen wollte), und er schrie auch, als es daran ging, uns in einem winzig kleinen schulungsraum über die vorzüge der weiter oben erwähnten abc-schutzausrüstung aufzuklären. auf unseren hinweis, wir würden ihn sehr gut verstehen, er möge doch seine stimmbänder für den nächsten geländeeinsatz schonen, blitzte ein verlegenes lächeln über sein gesicht. die nächsten 2 sätze hielt er auf zimmerlautstärke durch, dann waren wir wieder im schrei-modus.
noch ein beispiel: ich hatte während meiner dienstzeit auf einer schreibstube zu tun, und die war chronisch unterbesetzt. dorthin schickte man meiner abteilung einen küchen-uffz, der dort vermutlich wegen kartoffeldiebstahls oder anderer kapitalverbrechen zur persona non grata avancierte. jedenfalls sollte dieser uffz mir in der schreibstube zur hand gehen, wie mein oberstleutnant mir verkündete. ich als erfahrener obergefreiter muss ihn wohl mit meinen tippkenntnissen beeindruckt haben, auf jeden fall ließ er sich von mir willig anleiten und nach nur 5 tagen wagte ich den versuch, ihn selbst einen brief tippen zu lassen (wie beim bund üblich: 2 durchschläge mit kohlepapier).
nach dem er nach ca. 1 stunde die 1. seite mit den durchschlägen aus der maschine zog, betrachtete er zufrieden sein werk, stutzte dann aber: der durchschlag war blank, dafür war der text aber in spiegelschrift auf der rückseite des originalbogens. kurzanalyse: der depp hatte das kohlepapier falschrum eingelegt.
er jedoch kam mit entsetzter miene zu mir gelaufen und meinte "schau mal, die schreibmaschine muss kaputt sein!". ich verwendete den uffz dann nur noch zum kaffeekochen oder für botengänge und bat ihn jedesmal, sich zeit zu lassen...
Es ging um die persönliche Entscheidung für oder gegen Bundeswehr.
Zerebrum
30.04.2002, 12:50
das zitat zu anfang bezog sich auf die persönliche entscheidung, diese kleine geschichte diente nur zur auflockerung, entschieden sogar.
eintrag nachträglich pitisiert
Einen Unteroffizier, wie ihn Boschofon beschreibt, hatten wir als Gruppenführer in der Grundausbildung. Was dieser Typ für ein Problem hatte, weiß' ich nicht. Er wurde nach unserer Grundi nach zweijährigem Dienst entlassen und hatte es sicher nicht mehr nötig, den 200%igen zu spielen. Sein "WAS SOLL DAS DENN WIEDER HIIIÄÄÄHHH!!!!" habe ich heute noch im Ohr.
Vielleicht war der Druck aus Richtung des Kp-Chefs zu groß.
Macht Spaß, euch zu lesen, bislang habe ich noch keine ausführlichen Bund- und Zivi-Erlebnisse erzählt bekommen, einfach deshalb, weil man in Berlin weder-noch machte.
Das Freiwillige Soziale Jahr, ja, ich glaube, das fing in den 80-ern an, aber soweit ich weiß, war das bei Mädchen vollkommen unpopulär. Eine einzige Mitschülerin, die ein bisschen öko angehaucht war, erwähnte einmal, dass sie das in Erwägung ziehen würde. Gemacht hat sie es nicht. Ich schon gar nicht, ich hatte ja schon eine zwei Jahre längere Schulzeit, da hatte ich keine Zeit mehr zu verlieren, sondern musste gleich daran denken, wie es beruflich weitergehen sollte. Auch ohne das wäre das FSJ für mich nicht in Frage gekommen, denn ich bin absolut nicht zur Pflegerin geboren und sehe Krankenhäuser auch am liebsten nur von außen. Was ich nach der Schule gerne gemacht hätte, wäre ein halbes Jahr Au-Pair in Italien gewesen. Aber nee... "Du musst gleich nach der Schule irgendwas anderes Bildendes weitermachen, sonst bekommen wir kein Kindergeld mehr für dich", sprach mein Vater. Und das war's dann... Einschreiben in die Uni, nicht hingehen und stattdessen in Italien weilen - nein, so einen Beschiss gab's bei meinem Vater natürlich nicht.
Und wenn ich mal ganz ketzerisch sein darf - Frauen verrichten ihr ganzes Leben lang mehr oder weniger Sozialdienst, deshalb weiß ich nicht, was dieses eine "Freiwillige" Soziale Jahr soll.
boschofon
30.04.2002, 16:45
ich frage mich ja ernstlich, was solche leute wie meine uffze (siehe oben) eigentlich im zivilleben werden, wenn sie die bundeswehr wieder verlassen. politiker? müllkutscher? junger mann, der beim rummel mitreist? pförtner? museumswärter? ich bitte um erfahrungsberichte!
werte zazie, das mit dem "lebenslangen sozialdienst" verkommt aus meiner sicht von jahr zu jahr mehr zu einem elenden schmarrn. die lasten beim thema familie etc. verschieben sich von jahr zu jahr mehr, und die paar frauen, die sich wirklich sozial in die bresche schmeissen, z.b. mit häuslicher pflege, kann man an ein paar hundert händen abzählen.
ich behaupte vielmehr, dass die mädels mit dieser argumentation auch weiterhin gut zu fahren hoffen, mit sozialer gesinnung haben sie´s deswegen aber noch lange nicht. sag ich jetzt auch mal ganz ketzerisch.
Landläufig war man ja der auch der Ansicht, die BW sei eine nützliche Einrichtung, weil die Jungs dort lernen, Ordnung zu halten. Nicht einmal das hat mir was gebracht, weil ich ja, wie Zazie im 70er-Strang "Beigaben und Merchandiding" feststellt, schon ein Musterkind war. Selbstverständlich, ohne mich selbst loben zu wollen.
Prof_Bienlein
30.04.2002, 20:02
Übrigens: Der Heeresmusikdienst war nach dem Sanitätsdienst die zweite "Waffengattung", in der schon vor einigen jahren Frauen genommen werden durften.
Zur Intelligenz mancher "Dienstgrade": Ein Hauptfeldwebel war für einen Montag, an welchem das Gros des Musikkorps' "DA" (Dienstausgleich für ein Konzert am Wochenende) hatte, der einzige vorgesetzte einiger Mannschaften des Spielmannszuges, die an dem Konzert nicht teilgenommen hatten und somit Dienst in den leeren Blöcken des Musikkorps Dienst tun mussten. Seine einleitenden Worte an diesem Morgen. "So, und wir machen heute wieder ein bisschen BESCHÄFTIGUNGSTHEORIE..."
Mein Zugführer in Dülmen benutzte gern und oft das Wort "prophylaktisch". "So, jetzt wollen wir mal prophylaktisch das und das machen." Dieser Oberfeldwebel war nicht gerade auf den Kopf gefallen und wusste um die Bedeutung dieses mysteriösen Fremdworts. Das Schlimme an der Sache: Seine Unteroffiziere plapperten ihm alles nach. Fragte man einen Uffz scheinheilig nach der Bedeutung, bekam man die stereotype Antwort: "Wollen Sie mich verarschen, Mann?"
Frau Dulent
30.04.2002, 20:37
@ Raphael
>>(Vielleicht kommen ja auch noch einige Berichte von Damen hier ins Forum, die ein FSJ gemacht haben, denn das kam doch auch in den 80ern auf.)
Yep, Raphael, eine ist schon da! Ich hab das aber erst in den 90ern gemacht und das war echt klasse, würde ich immer wieder machen. Wir konnten uns die Station aussuchen, auf der wir eingesetzt werden wollten. Einige aus meiner Gruppe wurden im Betriebskindergarten der Klinik eingesetzt, andere in Familien mit z.B. Drillingen oder Pflegefällen. Also wie bei den Zivis, nicht nur im Krankenhaus.
Aber schade - keine Verarsche oder so. Trotzdem hatten wir ne Menge Spaß dort. Zwar nutze ich heute nur noch wenig von dem dort gelernten, aber ich sehe es trotzdem nicht als "vergeudete Zeit". Ganz im Gegenteil. Für Beruf und so ist noch immer genug Zeit und ausserdem wird das Jahr auf Wartezeiten und das Studium selbst angerechnet.
Wie läuft das bei den Zivis? Da gibts ja auch Stellen wie "Jugendfarm" (ist das nicht auch aus den 80ern?) und so, wo man dann Tiere pflegt, mit Holz und Kiddis arbeitet.
@ boschofon
>>die lasten beim thema familie etc. verschieben sich von jahr zu jahr mehr
Wie das ;)? Nee hast schon recht, die Ausrede taugt halt immer, wenns unpraktisch werden könnte.
@ Zazie
Für die "ein bißchen öko angehauchten" gibt's das freiwillige ökologische Jahr. Aber ich kenne niemanden, der das gemacht hat. Keine Ahnung, wo das angeboten wird.
YO, das hört sich doch wenigstens mal nach nicht vertaner Zeit an.
Raphael der Himmlische
30.04.2002, 21:01
Herzlich wilkommen hier, Frau Dulent!
(Leute, die einen Tag vor mir Geburttag haben, KOENNEN ja nur nett sein! ;) )
Schoen, dass wir nun auch FSJ-lerinnen hier haben.
Ich hoffe, wir werden noch mehr von Ihnen hoeren?!
(Ich verspreche uebrigens, auch meinerseits in Baelde mehr zu den guten Seiten meines Zivi-Lebens zu erzaehlen ...)
Frau Dulent
30.04.2002, 21:11
Ja, Raphael, super, dann erzähle ich auch ein wenig von der Stationsschwester mit dem französischen Akzent, die sowas herrlich Uffz- artiges hatte. " Schwästärr, nünn schreiöön sie nisch iäär so erüm, man kann sie ören bis an die Tür von die Krankenaaauuus!". Oder ich kram mal son bisken inne BW- Schublade herum, wa!? Wir hatten da so nen Uffz auf m Flur, also ich mein kennt jemand den Sohn aus "Hausmeister Krause"???
@ pit1962
Hübsch, dieses pittouretteske Avatar ;)
Was ich nur nicht ganz verstanden habe, warum es auch "Jungs" gab, die FSJ machen? Ich meine, kann man auch süchtig davon werden?
Toll, dass dir dein soziales Jahr gefallen hat und dass du so viel gelernt hast. Erzähl mehr davon, was lernt man denn da so alles? Ich meinte auch keineswegs, dass es ein vertanes Jahr darstellt; gerade für jemanden, der auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz wartet oder noch nicht so genau weiß, wo es langgehen soll, finde ich so ein FSJ sehr nützlich. Nur für mich wäre es eben auf keinen Fall in Frage gekommen, da auch die anderen "Einsatzplätze" (Kindergarten usw.) für mich der blanke Horror gewesen wären.
Was als BW-Strang geplant war, entwickelt ein Eigenleben und wird durch die Erfahrungen aus allen möglichen Diensten viel facettenreicher. Ich bin begeistert.
Frau Dulent, bitte noch etwas mehr von diese frongßösische Accent.
Avatar ist bei beepworld geklaut.
In der Jugendherberge in Worpswede gab's einen Zivi, dessen Bekanntschaft ich machte, als ich mit meiner Klasse dort auf Klassenfahrt war. Er wurde von allen nur "der Guru" genannt, weil er wirklich so aussah mit seiner langen Wallemähne. SO einen Job in der JH hätte ich gerne gemacht, ganz egal, in welchem Rahmen.
Frau Dulent
01.05.2002, 00:15
@ Raphael
Normalerweise ja! Hummerliche Grüße.
@ Zazie
"Nur für mich wäre es eben auf keinen Fall in Frage gekommen, da auch die anderen "Einsatzplätze" (Kindergarten usw.) für mich der blanke Horror gewesen wären."
Hmpf, kann ich gut nachempfinden und Dir nicht verdenken. "Meine" Kinder waren ob des wohl gerade erlebten Schocks meistens noch relativ ruhig und haben meistens geschlafen. War also nicht so wild.
Ok, ist halt nicht jedermanns Sache, zu dieser Verpflichtungsgeschichte hab ich auch so meine eigene Auffassung, Zazie. Mir kam das damals relativ gelegen, da ich im Sommer von der Schule ging und erst im darauffolgenden Jahr im Frühling oder Herbst meine Ausbildung anfangen konnte. Da hab ich dann das ganze FSJ gemacht und dann im folgenden Herbst angefangen. Trotzdem, wenn ich mich hier so umlese, ich glaub, dass kann man echt nicht mit Bund oder Zivi vergleichen.
Aber die französische Schwester, mit der hätte man Dich sicherlich locken können, oder?
"Erzähl mehr davon, was lernt man denn da so alles?"
Kommt darauf an, wo Du bist (Bereich) und ob Du was lernen willst. Wie gesagt, Medizinstudium, Physiotherapie oder sonst was. Ich hab z.B. an den Medizinstudenten Blutabnehmen, Infusionen legen und Spritzen geübt. Ist wohl ne kleine sadistische Ader ;) oder so. Den Rest von dem, was ich dort gemacht habe, beigewohnt habe oder was auch immer, spar ich mal lieber, ist sicher auch der blanke Horror.
Bei Verwandten um die Ecke gibt's so eine Jugenfarm. DA hätte ich auch gerne meinen Job getan. Wahrscheinlich genauso wie in einer JH. Die Zivis da, das waren auch "Gurus".
@ pit1962
Wissen Sie, was is eine Bötterflaaaii?
Mais oui, ist das nischt eine sähr bekannte chanson von diese Schlapphutträger Daniel Gerard?
Die französische Schwester, mich locken? Nee, mich hätte nur ein hübscher französischer Bruder locken können!
Aha, medizinische Dinge lernt man dort also unter anderem. Da würde ich mal sagen, für jemanden, der auf ein Medizinstudium wartet, ist so ein FSJ doch was Feines. Vor allem, wenn's dann auch noch aufs Studium angerechnet wird.
Frau Dulent
01.05.2002, 00:53
Aber Zazie...DAS meine ich doch gar nicht! Ich dachte, Frankreich ist dein, oder nicht...? Nee, sorry, nur auf die Wartezeit. Wär ja noch schöner.
SO hab ich's auch nicht gemeint, wie du's jetzt verstanden hast :-) Ich wollte sagen, eine Französin wäre ein zu geringer Anreiz gewesen, da hätte schon ein hübscher Monsieur da sein müssen :-)
Raphael der Himmlische
01.05.2002, 04:27
Frau Dulent et alii,
ich seh schon, ich muss unbedingt weiterschreiben. Ich war naemlich auch im Kindergarten.
Und das war meistens zuiemlich klasse!
Ok, ich schreibe morgen die Fortsetzung ...
Und Pit, Du hast Recht, das wird ein ganz grossartiger Strang hier!
Um nochmal auf Boschofons Beitrag mit der Verwendung der Uffze im Zivilleben zurückzukommen: Soweit ich weiß, waren ein Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung Voraussetzung, um überhaupt Unteroffizier werden zu können. Das diese Regel immer befolgt wurde, kann ich mir nicht vorstellen. Mit kaum einem Unteroffizier hätte man sich außer Dienst über "undienstliche" Dinge unterhalten können. Man konnte ein Gesprächsthema anfangen, aber dies versandete nach ein paar Minuten. Wenn einige von denen Berufe gelernt hatten, sind sie wohl nach ihrer Bundeswehrzeit dort wieder eingestiegen und machen diesen Job bis ans Lebensende. Wer denkt da schon an eine freiwillige Weiterbildung, wenn sein bisheriges Leben durch Dienstvorschriften reglementiert war?
Frau Dulent
01.05.2002, 19:42
@ Raphael
...alii (?). Als Zivi? Hihi, erzähl. Wir hatten auch mal nen Zivi im Kindergarten (als ich da selbst noch war). Der Arme, sag ich nur, was der alles über sich ergehen lassen musste. War eigentlich ein netter Kerl.
@ pit1962
Manche haben sich schon soweit an dienstliche Reglementierungen gewöhnt, dass sie dann im "Leben danach" beim Bund bleiben. Das sind meistens die ganz krassen. Wir hatten da so ein paar "Spezialisten" in der Ausbildung, die per BfD bei uns reingeschoben wurden... Das war genau diese Klientel. Da gab es doch mal diese unseelige Serie mit Andreas Elzholz. Irgendwas mit Flugzeugen und Bundeswehr nach dem Motto " komm bi us - we brook di", Jets - Limit am Leben oder so ähnlich. Ungünstigerweise genau zu Hoch- Zeiten der Balkankrise (war wohl als Dauerwerbesendung für Bw gedacht). Dort gab es einen, ich mein, der war Oberfeld, der konnte alles beschaffen, was man so braucht (oder auch nicht braucht). Genau diese Leutchen...
Im Berufsleben ist ja immer irgendeiner der Letzte in der ganzen Kette. Soweit vorhanden war das dann meistens der Zivi, der WDL oder eben die FSJlerin. Wirklich, die kommen noch nach dem Lehrling. Bei uns trugen die FSJler auch noch, wie die "Hygienefacharbeiter" blaue Kittel und wurden dementsprechend oft mit denen verwechselt, aber leider auch vor der OP- Türe abgewimmelt.
Raphael der Himmlische
01.05.2002, 20:01
Hallo Frau Dulent, Pit und all ihr anderen!
Nun gut, dann noch etwas mehr von mir!
In meiner 2. Dienststelle ging es weitaus humaner zu, als beim Familienerholungsheim des Herrn N.!
Ich kam in eine Kirchengemeinde und sollte in mehreren Bereichen eingesetzt werden. Und zwar sollte ich im Kindergarten arbeiten, bei den Gemeindeschwestern (d.h. beim mobilen Pflegedienst), in der Jugendarbeit und im Gemeindebuero.
Bevor sich eine Dienstplan etablieren konnte, sollte ich zunaechst im Kindergarten 2 Wochen lang eingearbeitet werden, danach 2 Wochen mit verschiedenen Schichten bei den Gemeindeschwestern.
Kindergarten, das klaenge ganz easy, so dachte ich in meiner kindlichen Einfalt.
Das Gegenteil schien jedoch zunaechst der Fall: An einem Montagmorgen ging es dort fuer mich los. Die Kinder selbst schienen im ersten Moment nur ein Haufen halsloser Ungeheuer zu sein. Die Kindergaertnerinnen waren durchwachsen: 2 schienen ganz OK (und das waren sie auch), 2 andere hingegen waren die Pest. Bei meiner Ankunft wurde ich quasi von den beiden "Hexen", wie ich sie spaeter nannte, belehrt, was ich von den Kolleginnen zu halten habe.
Abgesehen davon waren da nun natuerlich auch noch ein Haufen wildfremder Kinder.
Und diese waren den Anblick von Maennern, die im Kindergarten arbeiten nicht so richtig gewohnt. Konsequenterweise gingen mir also die meisten Kinder erstmal aus dem Weg. Ich bekam meistens dann die Kinder zur Betreuung uebergeben, die ein wenig, nun ja, auffaelliger waren. (Heute spricht man da wohl etwas vorschnell von "verhaltensgestoert".) Aber mal abgesehen davon, dass - wegen der Streitigkeiten der Kolleginnen - in der Mittagspause das Essen oft schweigend eingenommen wurde, war es eigentlich ok.
Um ehrlich zu sein, brach der Damm zwischen mir und den Kindern ziemlich schnell, denn ich war eben derjenige, der ploetzlich Sachen reparieren konnte, der die Kinder hochheben konnte (bis zu 4 Stueck auf einmal) oder der Papierflieger und Aehnliches fabrizieren konnte.
Die Kinder waren ca. 6 Jahre alt, also kurz vor der Einschulung, und daher aeusserst lernwillig.
Einem meiner "Lieblingskinder" (Tochter eines Lehrers und sehr intelligent, fand ich) erklaerte ich einmal auf Anfrage, wie eine Kaffeemaschine funktioniert.
Das Kompliment meines Lebens war ihre Antwort: "Toll, Du erklaerst besser als Peter Lustig!"
Nun, wie immer, FORTSETZUNG FOLGT ...
Rotärsche seid ihr alle!
Und ich bin dazu da um Eure Gottverdammten Ärsche zum kochen zu bringen!
So hat der Uffz. (Maat) uns oft, eigentlich zu oft angeschrien,gebrüllt!
Eigentlich hat der nur seine Schnodderschnauze aufgerissen und da kamen sie raus die unsäglichen Beschimpfungen!
Na hier ist vielleicht was los, das scheint mir ja noch immer ein unerschöpfliches Thema zu sein diese Kommisszeit!
Den Tag als wir im Standort ankamen werde ich nie vergessen, nie!
Wir hatten uns im Zug schon einige Stunden näher kennen gelernt es war ganz lustig, aber das sollten wir noch bereuen, diese Unbedarftheit!
Der Zug hielt!
Aussteigen!
Dann ging es los Gebrülle, Gebrülle und nochmals Gebrülle. Da standen sie die Ausbilder,die Herrn Maate, die Herrn Gefreitenin ihren schicken Uniformen und die Bevölkerung der Garnisonsstadt war auch da, es war alle 3 Monate ein kleines Fest, die Rotärsche Willkommen zu heißen!
Los,los ihr müden Säcke , Bewegung, seid ihr alle schwul?
Rauf auf den Laster ihr faulen Schweine!
So ging das bis wir verfrachtet waren!
In der Kaserne gings dann munter weiter, Laufschritt, Bewegung, nicht gehen, Laufschritt, bist in die große Halle.
Aufstellen! Wußte nicht wie genau man das macht, das mit dem Aufstellen, wir machte irgendwas, aber dann funktionierte das doch irgendwie.
Ich stand hinter meinem Reisegefährten , wir waren aus Bayern, der hatte Hände(Pratzen ) so groß wie Abortdeckel!
Dann gings los!
Man mußte seinen Namen sagen, ach was , schreien, immer und immer wieder , bis das Arschloch ,ca. 30m weit entfernt sich herablies ihn auch zu verstehen.Der vor mir war an der Reihe,ich werde es nie vergessen was nun kam, schrie seinen Namen auch so oft bis man mit dem Geschreie zufrieden war!
Stehen Sie still verdammt nochmal Sie Gichthacken,schrie das Maatenarschloch ihn an.....!Eine Ruhe , eine gefährliche Ruhe machte sich in dieser großen Halle breit.
Jetzt kam das beste.!
Mein Vordermann antwortete, mit seinem bayerischen Dialekt:
„Mia Bayern braucha net a moi vor unserm Herrgott stramm stehn und dann muaß i a net vor so am Oarschloch wia di strammsteh, host mi?“
Ich Depp begann dann auch noch zu glucksen,das wars dann auch schon, was wir zwei dann bis zum nächsten Morgen erlebten ,ohne ein Bett gesehen zu haben, kann man sich vorstellen!
Heute läuft das alles wohl ein bißchen gesitteter ab ,hab ich mir erzählen lassen, gottseidank kann ich da nur sagen
Das sind hier zwar die 80er aber wo solls sonst hin??
boschofon
03.05.2002, 13:31
retrospektiv würde ich sagen, die bundeswehr wäre eigentlich der ideale auffanghort für tourette-kranke. zumindest, was die unteroffiziere angeht. die haben fast alle das gleiche programm drauf.
Das sind zwar die 80er, Hopsing, aber den Strang habe ich ja gegründet, weil ich zu dieser Zeit beim Bund war. Ein so eindrucksvolles Posting wie Deins gehört allemal mit hier hinein. Auf so einen Beitrag habe ich im Stillen schon die ganzen Tage gewartet, völlig ungeschönt und ohne die längst vergangene Zeit zu verklären (weißt Du noch, damals beim Bund?). Völliger Schwachsinn.
Ich habe ja letztens erwähnt, wie die Uffze und Feldwebel zu meiner BW-Zeit die Soldaten der Wehrmacht, der Waffen-SS und sogar noch der kaiserlichen Armee bewundert haben.
Wenn es aber mal wirklich geknallt hätte, was hätte man mit solchen Typen anfangen sollen? Erfahrungswerte zeigen, dass diese ganz scharfen Kasernenhofhunde im Einsatz gar nicht so doll sind. Eben nur Gebilde aus heißer Luft.
Wie ging bei uns der Merkspruch für den niedrigsten Unteroffiziersdienstgrad?
"Was macht ein Schwein, wenn´s gegen die Wand läuft?"
Antwort: "Uffz!"
Und dieser Vergleich hinkt noch nicht mal!!
@hopsing: wann war denn das? Wir haben einem Fahnenjunkie mal eine Beschwerde beim Chef reingewürgt, weil er immer mit den Händen an der Hosennaht "Los, Bewegung Männer" rief, wenn wir zum Antreten herausliefen. Immer der gleiche Spruch in der gleichen Haltung an der gleichen Stelle. Wir waren der Meinung, daß diese Verhaltensauffälligkeit Anlaß zur Sorge geben würde. Nachdem der Chef das Brieflein (offiziell auf dem Dienstweg versandt) gelesen hatte, war der Heini schlagartig schweigsam, wagte auch nicht, uns noch mal irgendwie dumm zu kommen. Es war auch der jüngste Vorgesetzte und hatte die Gruppe unter sich, in der die ältesten Rekruten waren (bis Herbst 1990 duften noch 27jährige eingezogen werden).
Der Fahnenjunker (es war der mit dem vorgenannten "Morgen platzt die Bombe"-Spruch) hatte schon am ersten Tag von einem 27jährigen Frischling gesagt bekommen: "Bubi, Du darfst mir erst was sagen, wenn Du das Gleiche durchgemacht hast wie ich". Dieser bekam für dieses Verhalten übrigens keinen Ärger. Er war über die DDR-Grenze geflüchtet, mußte trotz abgeleisteten Wehrdienst bei der NVA aber zum Bund - weil er bei der Flucht die NVA-Entlassungspapiere nicht mitgenommen hatte.
Dieser und andere Fahnenjunkies waren u.E.wirklich gestört. Sie berauschten sich an Filmen a la Full Metal Jacket und Apokalypse Now. Die waren auch der Grund für die Verpflichtung. Als wir das mitbekamen, war es aus mit der Autorität.
Aber gestörte Vorgesetzte waren wirklich, verglichen mit z.B.einem privatwirtschaftlichen Betrieb, überproportional vertreten.
Ein Uffz, gelernter KFZ-Mechaniker, war felsenfest der Meinung, daß der Ölstand bei Motoren immer im laufenden Zustand gemessen werden müsse (Für technisch Unverständige: in diesem Fall spritzt einem das Öl mit voller Motorleistung in die Fresse). Ein anderer Uffz erzählte ganz ernsthaft, daß er vor dem legendären EKG bei der Musterung extra noch mit seiner Frau geschlafen habe. Man wisse, daß man damit - in dieser Sitiuation - unerwünschte Folgen vermeiden könne.
Ich hatte wenigstens einen friedlichen Gemütsmenschen in der Grundi über mir. Er war bei Märschen immer vor uns platt. Wir mußten nur höllisch auf Schokoriegel aufpassen. Wenn er diese bei uns sah, bekam er ein irres Flackern in den Augen und eignete sich die Mars und Raider mit faulen Tricks illegal an.
Ach, nie werde ich den Moment vergessen, wo ich diesen Gemütsmenschen so gereizt hatte, daß er zitternd mit erhobener Faust vor mir stand und hervorstieß: "Wenn ich nur könnte! Wenn ich nur einmal zuschlagen könnte". Ich lachte ihn an und erwiderte: "Ätschibätschi. Das geht nicht. Ich nämlich ein Staatsbürger in Uniform". Dann drehe ich mich um und ging. Da hatte er noch echt dran zu knapsen.
@Prof: sie hieß Rosi. Die Bewirtschafterin der Kantine in dem Block neben Euch hieß Rosi. Jetzt fällt es mir wieder ein. Und das erwähnte Mikrofon war echt aus den 70er Jahren. Die Pommes waren so genial, daß einige sich nur damit ernährt haben und überhaupt nicht zum eigentlichen Essen gegangen sind.
A propos Essenfassen. Einem der erwähnten Fahnenjunkies haben wir mal eine richtig rote Birne verpaßt. Wir aßen (weil außerhalb der normalen Zeiten, alle Dienstgrade zusammen) im großen Mannschaftssaal. Diese Persönlichkeit ließ bei der Geschirrabgabe sein Tablett mit großen Geklirr fallen. Wie auf ein unsichtbares Kommando sangen 100 Mann hallend den seinerzeitigen Hit von Stefan Remmler "Einer ist immer der Looser, einer muß immer verliern".
Das mit den Filmen kann ich bestätigen. Die Uffze eigneten sich die Sprüche aus "Apocalypse Now" an und hätte es 1981 schon "Full Metal Jacket" gegeben, wäre Sergeant Hartman (R. Lee Ermey) ihr leuchtendes Vorbild geworden.
Während unserer Munitionswachen in Dülmen hatten wir einen Fernseher und einen Videorecorder von telerent. Die Kategorien der Filme, die ausgeliehen wurden, könnt Ihr Euch ja denken. Die Uffze bekamen auch blanke Augen, wenn Dokumentationen aus dem 2. Weltkrieg gezeigt wurden. Jeder wünschte sich wohl insgeheim, er wäre 60 Jahre früher geboren, als man sich noch tolle blanke Orden verdienen konnte (ist natürlich mit etwas Risiko verbunden) und mit einfachen Soldaten umspringen konnte, wie man wollte.
Is ja grausig! Die hätten bei meinen Vorgesetzten nicht viel zu lachen gehabt. Nee, sowas gab´s bei uns echt nicht.
Frau Dulent
04.05.2002, 22:50
Etwas, was wohl nicht gerade bei allen größte Freude auslösen wird (bei manchen wiederum schon):
Das FSJ ist kein Relikt der 80er Jahre, sondern der Träger Deutsches Rotes Kreuz setzt schon seit 1965, also seit Mitte der 60er Jahre FSJler ein.
Hab mir sowas fast schon gedacht :-) Naja, ich habe jedenfalls in den 80-ern zum ersten Mal davon gehört.
Ein ehemaliger Schulkamerad ging damals übrigens nach Israel in einen Kibbuz. "Aktion Sühnezeichen" nannte sich die Organisation, die dies ermöglichte. Keine Ahnung, wie es ihm dort erging; ich habe ihn nicht mehr wiedergesehen.
Ich glaube aber, solcherlei Tätigkeiten sowie Au-Pair in anderen Ländern waren damals beliebter als das Freiwillige Soziale Jahr.
Prof_Bienlein
05.05.2002, 02:06
@ Spleen
Und was sagt das Schwein, wenn es gegen einen Baumstamm läuft? - "Stuffz!"
@ Elwood
Korrekt. Und wenn ich mich an ihre Sprache erinnere, so scheint mir Rosi aus Thüringen gebürtig gewesen zu sein...
@ Balduin: Genau!
Merkwürdig fand ich immer die Bestückung im Kasernenladen: neben den normalen POP-Zeitschriften (ja, Soldaten sind oft noch Bravo-Leser, jedenfalls bei uns damals. Ich hatte ein schönes Kim-Wilde-Poster im Spind. Das war allerdings aus "Pop Rocky") und Donald-Duck-Taschenbüchern (kärgliche Comicauswahl. Ich hab mir meinen Lesestoff meistens von außerhalb mitgebracht.) gab´s massenweise Modelllbausätze. War das alles zum Montieren dieser Entlassungsstrohhütchen oder haben damit Leute ihre Schichtzeit totgeschlagen? Wir hatten keine Flugzeug- oder Panzerbastler auf der Bude, wäre ja noch schöner gewesen!
Bei unserem Kasernenladen gingen Heftchen a la Praline und Wochenend am Besten, Playboy nicht, der war zu teuer. Das weiß ich noch, weil unser Spieß sich mal darüber aufgeregt hat (vergleichbar mit dem "Das Geistige kommt hier zu kurz" aus "Das Boot").
Wegen Comiclesens in der falschen Situation habe ich mir am letzten Tag noch ein Diszi eingefangen und mußte 200 Mark von meinem Entlassungsgeld dalassen.
Es war meine "goldene" Wache. Ich war stellv.Wachhabender, hatte aber keine Lust, mich um den Kram zu kümmern und zog mich von 18.00 Uhr bis 6.00 Uhr (statt von 2.00 Uhr bis 6.00 Uhr, wie es im Wachplan stand) mit einem Stapel Tim und Struppi-Hefte und Verpflegung in den Knast zurück. Dieser befand sich im Wachgebäude und war zum Ausruhen beliebter als der eigentliche enge Schlafraum (der Prof.wird sich erinnern).
Am nächsten Morgen war dann eine Patrone verschwunden und weder der Wachhabende noch ich hatten aufgepaßt. Wir waren 100%ig sicher, daß eine gewisser Gefreiter das Teil geklaut hat, um uns in die Pfanne zu hauen. Das war ein Typ, der die Gabe hatte, sich sofort mit jedem Umstehenden zu verkrachen. Einige Zeit vorher waren sowohl ich, als auch der Uffz. (wie viele andere auch) mit ihm zusammengerasselt.
Dem Typen konnte zwar nichts nachgewiesen werden, aber jeder wußte, daß nur er das gewesen sein konnte. Aber ich wurde von meinem Hauptmann mit den tröstenden Worten in das richtige Leben entlassen: "Pech gehabt, Gefreiter Elwood, daß es Sie getroffen hat. Wir kennen aber unseren Pappenheimer, und glauben Sie mir, wir werden dafür sorgen, daß dieser in seiner restlichen Dienstzeit nichts mehr zu lachen haben wird". Auch die verbleibenden Kameraden wollten sich um mein Vermächtnis kümmern, sich intensiver mit diesem Fuzzi zu beschäftigen.
Ich kann mich an die Horrorpreise in der Kantine erinnern. Der Entlassungsschnickschnack (Maßbandhalter und Strohhüte) wurden in einem extra Schaukasten präsentiert. Wohl der Gipfel der Albernheit. Panzerbastler gab's bei uns auch nicht. Dafür waren in unserem Fernsehraum ganze Divisionen von Panzer- und Geschützmodellen aus allen Epochen zu bewundern. Ob der Spieß die in seiner überreichlichen Freizeit gebastelt hat?
Prof_Bienlein
05.05.2002, 23:37
@ Elwood
Ich weiß zwar, wo diese Arrestzelle sich befand, aber leider muss ich dich enttäuschen: Das Wachgebäude habe ich stets nur von außen im Vorbeigehen gesehen - ein weiterer Vorteil des Militärmusikdienstes...
@ ellwood
Das war 1969,die Welt war im Umbruch ,die Politiker hatten noch Nachwehen von der 68er Bewegung,der Prager Frühling war noch lauwarm.
Damit können Schleifer nicht umgehen!
@Boschofon
Da hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen!
Tourettesyndrom!
Die litten an Koprolalie, in leichter Abwandlung davon hat sich das Wort Koporal in den Wortschatz der Armeen verankert, obszönes Gelalle ist die Übersetzung!
Der Rest , Offiziere sowie Feldwebel, waren meist WKII Soldaten, die wurden nach 1955 aus der Geriatrischen Abteilung des BGS in die neu gegründete Armee übernommen, da wundert solch Verhalten nicht, zumindest in der Grundausbildung!
Auf Kommando war es dann erträglicher!
Gab es bei Euch noch so schöne Spielereien wie Maskenball?
boschofon
07.05.2002, 09:40
also bezüglich spielereien waren bei uns die mannschaften kreativer als die vorgesetzten: da gab es zum beispiel das berühmt-berüchtigte schildkröten-rennen. wenn ein zug bereitschaft hatte am wochenende (also zwangsweise in der kaserne gehalten wurde, um mit dem feuerwehrkarren durch die gegend zu kariolen und ansonsten auf der stube rumzuhängen), wussten die kollegen die reichliche freie zeit mit sauferei zu nutzen. höhepunkt jedes besäufnisses war dann oben erwähntes schildkröten-rennen: die teilnehmer banden sich jeweils an Knie und Ellbogen einen stahlhelm und rutschten dann damit über einen hindernis-parcours, hin zu einem wie auch immer gearteten glas/eimer/fass mit alkoholika. der sieger (also der, der am schnellsten auf den aplizierten stahlhelmen ins ziel gekrabbelt war) durfte die beute dann vertilgen. meist musste man ihn dann anschließend aufs san-revier verfrachten, wo die blau-bemützten schon freudig erregt mit müllbinde und spuckschale winkten...
Selbst ich habe in meiner BW-Zeit ('81/'82) noch einen dieser übriggebliebenen WK II-Typen kenngelernt. Dieser Hauptfeldwebel war 1943 als 22-jähriger Unteroffizier mit den Überresten aus Rommels Afrikakorps in britische Gefangenschaft geraten. 1956 ging er zur neugegründeten Bundeswehr und gehörte dieser noch weit über das Pensionsalter an, vielleicht gab's da eine Sonderregelung, dass man in Pension gehen konnte, aber nicht musste. Unser Spieß war einer dieser Nur-Soldaten-Typen, die einen zivilen Beruf nicht ausüben wollten oder konnten und die Zeit zwischen Rückkehr aus der Gefangenschaft und Gründung der Bundeswehr mit Hilfsarbeitertätigkeiten überbrückt hatten. Seinen Dienst begann er morgens mit einem Fusel namens Friesengeist (ca. 58%) und war dann zur Mittagszeit schon nicht mehr ansprechbar. Der Chef und die anderen Offiziere ließen ihn gewähren und hörten sich zudem noch gerne seine 1000-mal wiederholten Geschichten über die Kämpfe während des Frankreichfeldzuges und in Nordafrika an. Bei öffentlichen Zeremonien, etwa einem Gelöbnis, legte der Spieß natürlich seine Kriegsorden (Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasse, Nahkampfspange und Infanterie-Sturmabzeichen in der erlaubten Trageweise mit Eichenblättern statt Hakenkreuz) an.
@ Hopsing: Natürlich erinnert man sich gerne an Maskenbälle, aber eben nicht an solche bei der BW. Nach einem schönen Tag auf dem Standortübungsplatz war das während der Grundi unsere Nach-Dienst-Freizeitbeschäftigung. Die Uffze überboten sich dann gegenseitig mit ihrem Gebrüll, wir wurden in unvollständigen Anzügen durchs Treppenhaus gejagt oder am besten gleich nach draußen, damit wir auch wirklich einen besonders lächerlichen Anblick boten. Natürlich hätte man nach Dienstschluss die Kaserne verlassen können, aber was sollte man in einem Ort wie Schwanewede unternehmen? Kontakt zur Zivilbevölkerung bestand überhaupt nicht, bei den dienstälteren Kollegen galt man als Rotarsch und wurde wie elendes Gewürm betrachtet.
Ich weiß' nicht, wie es Euch geht, aber ich habe seit Beendigung meiner BW-Zeit sogar eine Abneigung gegen die Gegenden, in denen ich mal stationiert war.
Raphael der Himmlische
07.05.2002, 16:15
Hallo pit1962!
Mal eine kurze Anfrage zu Deinem "WK-II-Typen": Kann das sein, dass der seine alten Auszeichnungen bei offiziellen Anlaessen tragen MUSSTE? Ich habe mal sowas in der Richtung gehoert von einem Freund, der 12 Jahre bei der Wach- und Schiessgesellschaft war!
@ Raphael
Es ist und war keine Pflicht, zur Bundeswehruniform WKII-Auszeichnungen zu tragen. Wenn Du Gelegenheit hast, sieh' Dir mal ein Bild des Politikers Erich Mende (ehemaliger FDP-Chef und Vizekanzler) an. Der hat bei Empfängen in den 60ern immer sein Ritterkreuz getragen. Hätte er sicher nicht gemusst.
Gestern kam ich in den Genuss, mir auf 3sat eine Reportage über die ersten Frauen bei den Panzergrenadieren ansehen zu dürfen. Ohne so einen Dienst machen zu müssen, hatten sich die Damen freiwillig zu einer Kampfeinheit gemeldet und unter anderem auch ihre Ansichten über Soldatentum, Töten und Sterben zum Besten gegeben. Ich frage mich tatsächlich, was in solchen Spatzenhirnen vorgeht und bin überzeugt, dass sich das Bildungsniveau in unserer Armee noch weiter nach unten entwickelt. Was glauben die Mitglieder der heutigen Soldatengeneration, was sie in einem Kriegseinsatz erwartet? Ein Abenteuerspielplatz?
Übrigens, um für ausgleichende Gerechtigkeit zu sorgen: Die Jungs haben ähnlichen Bullshit von sich gegeben wie ihre Kameradinnen.
Vielleicht sollte man mal eine „Pisa-Studie“ über den Zustand der Schule der Nation erstellen!
Macho-Gehabe und John Wayne-Syndrom gab es eigentlich schon immer in dieser glorreichen Armee!
Aber dass nun die Frauen auch in diese Kerbe schlagen ist mir neu!
Da fällt mir gerade noch ein, was geschieht mit den Soldatinnen, wenn sie schwanger werden?
Gibt`s da auch so etwas wie ein „Babyjahr“?
Müssen die das melden wenn und vom wem sie schwanger sind, oder bekommen die was in den Kaffee gepanscht während der zu absolvierenden Dienstzeit?
Frau Dulent
14.05.2002, 19:49
@ hopsing
Vorerst wird es wohl eine hübsche Umstandsuniform geben. Panzerfahren fällt dann wohl erstmal aus, schätze ich.
Ich fragte einmal einen Kollegen, wie viele weibliche Soldaten denn beim nächsten Kommando mit dabei sind, wenn es in den Kosovo geht. Seine Antwort:
"Also diesesmal haben wir 63 Problemfälle mit."
@ Hopsing
Das Ergebnis einer Pisa-Studie bei der BW würde mich auch interessieren, leider wird es dazu nie kommen. Wie tief will man sich dort denn noch blamieren?
@ Frau Dulent
Schwangerschaft schließt doch eine Verwendung bei der Panzertruppe nicht aus. Es gibt ein hübsches Foto von Helmut Kohl aus den 80ern, auf dem er, mit einer einer Panzerschutzmütze geschmückt, auf dem Kommandantenplatz eines Kampfpanzers Leopard 2 thront. Wenn gar nichts mehr geht, ist immer noch eine Versetzung zur Panzergrenadiertruppe möglich. Die Einstiegsluke des Schützenpanzers Marder ist so breit, dass sogar unser Oberfeldwebel in der Grundausbildung (ca. 120 kg) hineinpasste. Na bitte.
Schocker
02.06.2002, 22:51
Hier eine kleine Geschichte aus meiner Bundeswehrzeit
I
Meinen 15monatigen Wehrdienst „leistete“ ich 1982 / 83. Nach einer sechswöchigen Grundausbildung in Mengen (bei Sigmaringen) kam ich für den Rest der Zeit zum Luftwaffen-Fernmelderegiment heim nach Karlsruhe.
Weil klar war, daß ich im Feld nichts tauge, steckten sie mich ins Geschäftszimmer, wo ich unter den wachsamen Augen von Spieß und Kompaniechef Briefe, Listen, Berichte tippte und verschiedene Botengänge erledigte.
Mir gefiel diese Stelle nicht so recht. Nicht nur die ständige Nähe der beiden Chefs, auch die Tatsache, daß mich der Bürodienst nicht davor bewahrte, periodisch auf Übungen mit kilometerlangen Märschen zu ziehen, bewegten mich, einen freigewordenen Posten als Kellner im Unteroffizierskasino anzunehmen, „Ordonnanz“ hieß diese Tätigkeit offiziell. Dort galt nicht die übliche Arbeitszeit, sondern Schichtdienst: jeweils eine Woche Arbeit (auch am Wochenende) und danach eine Woche frei; außerdem Befreiung von der Teilnahme an Übungen und Manövern. Zu einer Schicht gehörten normalerweise vier oder fünf Personen.
Die arbeitsintensiven Routinejobs werktags waren die halbstündige „Nato-Pause“ am Vormittag, die einstündige Mittagspause und die Zeit nach Dienstschluß (16 Uhr, soweit ich noch weiß). Dann belagerten innerhalb weniger Minuten Dutzende Figuren Theke und Tische, und alle wollten Bier und Schnitzel oder Currywurst.
Öfter war Zusatzstreß angesagt, wenn Feiern auf dem Programm standen, die bis nach Mitternacht dauerten. Dann mußten wir Ordonnanzen bis zum bitteren Ende dableiben und die Herrschaften bei Laune halten. Das Schlimmste war das Aufräumen an Tag danach.
Mir gefiel das trotz allem wesentlich besser als der Bürodienst. Nicht nur wegen der schichtfreien Woche, sondern auch, weil man so ein wesentlich normaleres, menschlicheres Verhältnis zu den Unteroffizieren bekam, als es beim normalen Kasernendienst möglich gewesen wäre. Bei den anständigen Uffzen, und die gab es, wurde daraus manchmal fast etwas wie Freundschaft.
Ungefähr in der Mitte meiner rund einjährigen Tätigkeit im Uffz-Heim, wie der Laden allgemein hieß, ereignete sich die folgende Geschichte.
II
Es begann mit tagelangen Zahnschmerzen. Weil nichts half, mußte ich beim zuständigen Oberfeldarzt innerhalb der Kaserne anrufen und gleich anschließend, vormittags, den Weg zu ihm antreten. Dieser – ein nicht unsympathischer Herr kurz vor der Pensionierung - fackelte nicht lange, stellte fest, daß ein Zahn völlig verfault war und zog ihn augenblicklich. Anschließend verstopfte er die Wunde mit Watte und ließ mich sogleich wieder die Arbeit aufnehmen.
Vielleicht hätte er das nicht tun sollen.
Ich stand also in der Mittagspause wie üblich hinter der Theke des Uffz-Heims und wusch Gläser. Und wie immer um die Zeit war das Haus gerammelt voll.
Nun hatte sich die Watte an der Stelle, wo der Zahn war, mit Blut vollgesogen und aus der Wunde gelöst. Kurzerhand spuckte ich die durchweichte Wattekugel aus und warf sie weg. Das erwies sich als keine gute Lösung, denn jetzt hatte ich alle paar Sekunden den Mund voll Blut. Zuerst schluckte ich es runter, aber bald schaffte ich das nicht mehr und spie im Zehnsekundentakt die Soße in das Waschbecken. Was zur Folge hatte, daß dort innerhalb kürzester Zeit die Wände von Blut troffen. Schließlich wurde es den Gästen an der Theke, die zumeist schon beim Essen waren, zuviel und sie verlangten meine Entfernung.
Deshalb fand ich mich in dem angrenzenden Aufenthaltsraum wieder, der uns Ordonnanzen zur Verfügung stand. Dort erholte ich mich erstmal.
III
Nach vielleicht einer halben Stunde fühlte ich mich soweit besser, daß ich meinte, zumindest den Nachtisch, einen Obstsalat, zu mir nehmen zu können – auf das Mittagessen hatte ich verzichtet. Aber durch das Blut, das ich geschluckt hatte, waren meine Magensäfte in Unordnung geraten, und der Obstsalat gab der Mischung den Rest. Mir wurde schlecht, ich rannte raus, um zur Toilette zu gelangen – doch zu spät: es überkam mich unterwegs und prompt reiherte ich den Korridor des Uffz-Heims mit Blut, Schleim und halbverdauten Früchten voll, wiederum vor den Augen von Gästen, die sich auf dem Rückweg zu ihren Einheiten befanden. Damit war die Grenze endgültig überschritten und ich verbrachte den Rest des Tages auf meiner Stube.
Am Tag darauf war wieder alles wie immer, ich arbeitete an meinem üblichen Posten. Natürlich war der Vorfall zum stehenden Gag bei Gästen und Mitordonnanzen geworden.
So war das damals, vor zwanzig Jahren. Obwohl ich zu meinen Vorgesetzten und den Gästen im Uffz-Heim im allgemeinen ein gutes Verhältnis hatte, empfang ich keine geringe Befriedigung, ihnen wenigstens einmal den Appetit gründlich verdorben zu haben.
Für dich seinerzeit bestimmt recht unangenehm, aus heutiger Sicht aber sehr, sehr unterhaltsam. Ich habe diesen Ordonnanz-Job selbst mal ein paar Wochen gemacht und muss bestätigen, dass sich die Unteroffiziere im Uffz-Heim tatsächlich völlig anders gebärdeten als bei ihren Einheiten. Es kam mir vor, als nähmen sie vor dem Betreten des Uffz-Heimes eine Maske ab.
Als "Offziers-Scherge" habe ich mich einmal freiwillig gemeldet, und es hat sich gelohnt.
Es war eine Fete im Offizierskasino angesetzt, so mit hannoverscher Stadt-Prominenz und sonstigen wichtigen Leuten. Der Spieß fragte herum, wer sich als Chauffeur zur Verfügung stellen würde. Die meisten winkten ab, weil die Party Samstag abend stattfand und das Wochenende wichtiger war. Ich hatte nichts vor und wohnte sowieso nicht weit weg, also meldete ich mich.
Es war völlig unspektakulär. Ich tauchte am frühen Abend in der Ausgehuniform und mit einem VW Bulli bewaffnet vor dem Kasino auf. Zunächst gab es eine kleine Einweisung - für den Fall daß einige Persönlichkeiten beim Heimweg aufgrund des Alkoholkonsums unpäßlich sein sollten ("Es sind immer noch Offiziere und die örtliche Prominenz, vergeßt das nicht. Wenn etwas sein sollte, beschwert Euch später beim Chef"). Mir wurde noch ausgeredet, so zu verfahren, wie ich es üblicherweise mit Alkoholisierten im Fahrzeug halte - wer kotzt, fängt sich eine und fliegt raus.
Ich hatte in zwei Touren nur vier Leute abzuholen und dann saß ich entweder im Aufenthaltsraum vorm Fernseher oder drückte mich hinter der Theke herum und kellnerte ein wenig. Eigentlich geisterte ich nur da herum, um von Zeit zu Zeit Eis aus der Kühltruhe zu klauen. Der Küchenbulle ermahnte uns, daß wir das bezahlen müßten, aber sobald er nicht hinschaute, rammten wir Aushilfs-Ordonnanzen die Löffel in den Kühltruheninhalt - soviel Pistazieneis auf einmal habe ich seitdem nie wieder gegessen.
Als die Fete sich dem Ende zuneigte, habe ich einige Teilnehmer nach Hause gefahren. Der Bulli blieb sauber, und ich habe sogar noch Trinkgelder kassiert ("Für uns schlägt sich der arme Junge das Wochenende um die Ohren").
Bevor wir endgültig nach Hause konnten, schlichen wir noch in das Zelt mit dem Büffet und schlugen uns hemmungslos die Bäuche voll.
Letztlich konnte ich mit geringem Einsatz (eine Samstagnacht im Dienst, Herumgammeln und ein wenig Autofahren) doch ein ansehnliches Ergebnis verbuchen (Geld in der Tasche und vollgefressene Wampe) vorweisen. Aber es kam noch besser. Am nächsten Montag beim Antreten wurden wir vom Spieß für unseren selbstlosen Einsatz gelobt und bekamen einen Tag dienstfrei.
Schocker
12.06.2002, 11:04
In meiner Kaserne gab es ebenfalls ein Offizierskasino. Dorthin kamen wesentlich weniger Gäste als zu uns ins Uffz-Heim - klar, die Zahl der Uffze war bedeutend größer als die der Offiziere; außerdem kamen auch die Zivilangesellten zu uns sowie eine in der Kaserne stationierte BGS-Einheit. Dementsprechend war für die Ordonnanzen im Offz-Kasino weniger Streß angesagt als für uns im Uffz-Heim.
Man hätte also meinen können, die Uffz-Heim-Ordonnanzen würden nichts unversucht lassen, um ins Offz-Kasino versetzt zu werden. Aber weit gefehlt. Die Meinungen unter meinen Kollegen war einhellig: "Nee du. Mit den Gästen bei uns kann ich reden wie mit normalen Menschen, und wenn mir einer nicht paßt, sag ich ihm das ins Gesicht, egal was für Lametta der auf den Schultern trägt. Dort drüben bei den Offzen geht das nicht. Außerdem kann ich hier mit den Leuten Spaß haben, weil die Distanz zu den Mannschaften nicht so groß ist."
So hatte ich das auch gesehen - zumindest habe ich nie bereut, aus dem Geschäftszimmer ins Uffz-Heim gekommen zu sein.
Tobi Wahn
13.06.2002, 11:56
Ich bin 1988 oder 1989 gemustert worden, und wenn ich vorher nicht schon gewusst hätte, dass ich nicht zur Bundeswehr wollte, hätte für mich hinterher überhaupt kein Zweifel mehr bestanden.
Ich musste zum Mustern nach Eschborn, einer grauen, stinkenden Stadt in der Nähe von Frankfurt. Das dortige Kreiswehrersatzamt ist ein verranztes Hochhaus, durch dessen Stockwerke man sich im Laufe dieses langen Tages durchquält. Man fängt unten an und bekommt sein Ergebnis, wenn man ganz oben ist.
Begrüßung und Einweisung im nach Bohnerwachs riechenden Erdgeschoss, 6 Uhr 30, alle sind müde: Ein kleiner, alter Mann mit hochrotem Kopf rattert mit schneidender Stimme die immer gleichen Sätze herunter. Das tat er wohl mehrmals täglich und das seit vielen Jahren. Er beendete die Ansprache mit 'Also ab jetzt in den achten Stock, zackzack! Irgendwelche Fragen?'
Ein Junge mit dicker Brille stand auf und stammelte schwer verständlich: 'Ich bin zu 90 % taub und sehe fast nichts mehr. Was SOLL ich bitte hier?' Der kleine Mann schickte ihn barsch hoch in den 12. Stock.
Auf dem Flur im Achten Stock stehen dutzende Jungs in Unterhose und Strümpfen, einer ist dabei, der bestimmt 220 Kilo wiegt und dessen Haut mit rotweiß leuchtenden Pickeln übersäht ist. Ihn sehe ich nach zwei Stunden wieder: Hemmungslos brüllt er durch den Flur: 'Zum sechsten mal bin ich jetzt hier und ENDLICH haben mich diese Idioten ausgemustert.'
Die Fleischbeschauer in ihren vergilbten Kitteln tun mir leid. Wie öde ist denn ein Job, in dem man hundert mal am Tag eine Liste mit Kinderkrankheiten aufsagen muss und mitnotiert, ob der Befragte 'ja' oder 'nein' sagt? Ich sehe Jungs in dreckiger Unterwäsche, die verzweifelt versuchen, ihren Pissbecher zu füllen, und deshalb ständig auf die Spülung des Pissoirs drücken, um ihre Blase zu stimulieren.
Zwei dicke Bauernbuben schämen sich und behalten, entgegen der ausdrücklichen Anweisung, ihre T-Shirts an, nur um dann auf dem Flur von einem Arzt vor allen anderen angebrüllt zu werden, dass sie sich nicht so zieren sollen, und ob sie schwul oder einfach nur fett wären.
Jungs mit schwarzgefaulten Zähnen und durchlöcherten Socken rauchen im Umkleideraum.
Aber auch hier gibt es andere, die bei allem, was sie tun, ein möglichst gutes Bild abzugeben versuchen: Brust raus, Bauch rein, geantwortet wird mit 'Jawohl', nicht mit 'Ja'.
Mir fasst kein Mensch an die Eier, oder, davon hatten schauernde Schulkameraden erzählt, schaut mir in den Hintern. Ich bin ein Paket in einer Fabrik, das möglichst effizient vermessen und auf seinen Nutzen fürs Vaterland geprüft wird.
Vier alte Männer beglückwünschen mich am Ende des Tages, vor einer überdimensional großen Deutschland-Flagge hockend, zu meinem Dreier-Ergebnis. Ich sprudele heraus, dass das ja nicht relevant für mich sei, weil ich gerne verweigern würde. 'Ach ja?' Der eben noch freundliche Tonfall schlägt blitzschnell in eiskalte Ablehnung um.
Sie hören von uns, wir schicken Sie erst noch zum Eignungstest. Der war dann drei Wochen später, aber das ist eine andere Geschichte.
Nur der Dichter Dante konnte die Hölle eindrucksvoller beschreiben.
Raphael der Himmlische
13.06.2002, 15:00
Hey Pit und Tobi Wahn!
Ich hatte oben ja schon was ziemlich Aehnliches geschrieben. Aber Pit trifft den Nagel auf den Kopf!
Raphael der Himmlische
23.06.2003, 02:20
So, ich wuchte den Strang nun erstmal wieder hoch.
Zum anderen gesehe ich kleinlaut, dass ich noch mehrere Zivildienstgeschichten schuldig bin. Einen Bericht zum Kindergarten, zu langweiliger Bueroarbeit und meine Patienten im Pflegedienst.
Ich hatte einen Patienten, der im 1 Weltkrieg verwundet wurde, aber das erzaehle ich dann, wenn der Strang verschoben ist.
ich grüße alle W15er....
und tritt unauffällig wieder ab....
Danke, aber ich war es nur 4 Wochen. Dann bekam ich die Nachricht, daß die Vertragslaufzeit verkürzt wird :)
Knittkuhl
01.08.2003, 15:11
Meine Bundeswehrzeit war irgendwann zwischen 86 und 87. Auch in Schwanewede/Niedersachsen. Eine furchtbare Zeit. Seit damals habe ich nicht mehr in einem Zelt übernachtet und bei Zugfahrten überkommt mich auch immer so ein Elendsgefühl. Das war alles so erbärmlich, da weiss ich gar nicht wo ich anfangen soll. Eine Sache, die mir bis heute im Gedächtnis haften geblieben ist: Mit dem (völlig gestörten) Hauptfeldwebel Herbert Krieten und unserem ganzen Haufen Schrottpanzern ging es ins Gelände (Irgendeine dusslige Übung). Wegen irgendeiner Bemerkung konnte ich anschließend mit einem Kameraden die von den Panzern verdreckten Straßen fegen. Unglücklicherweise habe ich mich wohl damals einmal auf den Besen aufgestützt, was in Hauptfeldwebelns Augen wohl eine persönliche Beleidigung darstellte. Anschließend mussten ich und mein Kamerad den Heimweg (15 km) im Dauerlauf zurücklegen, mit geschultertem Besen und als zusätzliche Strafverschärfung sollten wir auch noch den Müll, den wir unterwegs finden, aufsammeln und mitbringen, was wir natürlich nicht taten. Gab dann nochmal zusätzlich ein paar Einheiten Nachtwache oder Klos schrubben.
Raphael der Himmlische
01.09.2003, 02:46
Ich hoffe doch, dass wir noch das ganze Ausmass des Elends zu lesen bekommen?!
Ich ging '98 zum Bund. T2 auch ohne EKG aber mit Vorbeugen und der rosigen Mitteilung, dass ich eine Entenbrust hätte, was auch immer das sein mag.
Nun denn, ich war schon 2 Jahre vor meiner eigentlichen BW-Zeit bei einer freiwillig vorgezogenen Musterung da ich mich um einen Studienplatz in Geschichte bzw. Sport in Verbindung mit einer 12 jährigen Verpflichtung als Offizier beworben hatte. Jaja, im nachhinein danke ich den Mächten des Guten dafür, dass ich beim 2-tägigen Test in Kölle in Mathe total versagte.
Also ging es nach dem Abi für 10 Monate in meiner Heimatstadt Coesfeld zum Bund, genauer gesagt zu den Fernmeldern. Über die Grundi gibt es nicht viel zu berichten, außer das 2 unserer Uffze gescheiterte Maurerlehrlinge waren und das gleiche Auto fuhren. Einen tiefer-breiter-schneller Renault Clio in Violett !!!
Achja !!! Und da war natürlich noch unsere Gruppenführerin !!! HG weiblich V. !!! Eigentlich Sani, aber da sie unbedingt Uffz werden wollte, musste sie eben auch mal eine paar Grundis als Ausbilderin mitmachen. Sie bescherte uns 6 Leuten auf der Stube eine unvergesslich entspannende Zeit.
Es gab keine unangemeldeten Spindkontrollen, der Zimmerputz war mit einmal feucht durchwischen auch getan und sie warnte uns vor jedem Nachtalarm, so dass wir alles fertig gepackt in voller Montur und bereist abgedunkelten Fenstern zu Bett gehen konnten.
2 Tage vor dem Ende der Grundi sollten wir noch zu einem Hochwassereinsatz in die Gegend von Dülmen, Darup, Nottuln ausrücken...jaja, sowas gab es 98 tatsächlich mal nachdem Wolkenbrüche sämtliche Gullis zum überlaufen brachten.
Sie hatte aber Abends einen Tisch für uns beim Chinesen reserviert, damit wir mal gemütlich Abschied voneinander nehmen konnten, und so erreichte sie eine Freistellung beim Hauptfeldwebel. Genial diese Frau.
So, und wenn interesse besteht erzähl ich noch von meiner 2 wöchigen Schiess- und Wachausbildung im Schnee, wo es Abends immer Tee mit Schuss vom zuständigen Oberfeldwebel gab.
Wie man Saunawart wird.
Was passiert wenn man einem Uffz die Freundin auspannt und ihm nacher beim Bund wieder begegnet.
Von meinen diversen Einsätzen als Fahrer bei Uffz-Abenden.
Warum ich meinen Vorgsetzten immer duzte.
Wie ich als KpTrp-Soldat diversen Bestechungsversuchen erlegen bin.
Wie ich mit der Uzi auf allerlei Pappmänchen losgelassen wurde. Wie eine Kuh erschossen wurde.
Warum in der Wachbaracke eine Kugel im Kühlschrank und die andere im Fuss des Gefreiten G. steckte.
Wie ich für 2 Stunden Schilder aufstellen 2 Tage frei kriegte.
Wie ich den Fahnenflüchtigen Funker K. an einem Samstagabend bei den Feldjägern in Wilhelmshaven abholen durfte.
Warum beim Bund alle Terroristen und Waffenschieber sind.
Wie man aus einem fahrtüchtigen Fahrzeug flux 7 macht.
Wie ich in Essen-Kray zusammen mit Hauptmann K. 1 Woche in einer Tankstelle verbrachte.
Und, und, und. Mann kann sagen ich hatte eine aufregende Zeit, doppelt soviel Urlaub wie der Rest und nahm 7 kg zu.
Aber dennoch, nie wieder Bund.
Pretextat Tach
09.02.2004, 21:54
Alleine den letzten Satz nehme ich Ihnen, die vorherigen in Betracht ziehend, nicht ab.
(Pirscht sich an die große Messingglocke im Gang)
Kompaniiiiiiiiiie aufsteeeeeeeehn!!!!
Hihi!
Frankiie
06.11.2005, 19:09
Hallo , meine Bundeswehrzeit startete auch 1986 in Schwanewede bei der 4/324 . Mein Zugführer war Hauptfeldwebel Krieten. Was soll ich sagen der Typ war einfach nicht normal man müsste ein Buch über den schreiben. Er war ein totaler Choleriker, der Höhepunkt war das er einen Feldwebel vor versammelter manschaft geohrfeigt hat.
Meine Bundeswehrzeit war irgendwann zwischen 86 und 87. Auch in Schwanewede/Niedersachsen. Eine furchtbare Zeit. Seit damals habe ich nicht mehr in einem Zelt übernachtet und bei Zugfahrten überkommt mich auch immer so ein Elendsgefühl. Das war alles so erbärmlich, da weiss ich gar nicht wo ich anfangen soll. Eine Sache, die mir bis heute im Gedächtnis haften geblieben ist: Mit dem (völlig gestörten) Hauptfeldwebel Herbert Krieten und unserem ganzen Haufen Schrottpanzern ging es ins Gelände (Irgendeine dusslige Übung). Wegen irgendeiner Bemerkung konnte ich anschließend mit einem Kameraden die von den Panzern verdreckten Straßen fegen. Unglücklicherweise habe ich mich wohl damals einmal auf den Besen aufgestützt, was in Hauptfeldwebelns Augen wohl eine persönliche Beleidigung darstellte. Anschließend mussten ich und mein Kamerad den Heimweg (15 km) im Dauerlauf zurücklegen, mit geschultertem Besen und als zusätzliche Strafverschärfung sollten wir auch noch den Müll, den wir unterwegs finden, aufsammeln und mitbringen, was wir natürlich nicht taten. Gab dann nochmal zusätzlich ein paar Einheiten Nachtwache oder Klos schrubben.
Frankiie
06.11.2005, 19:12
Hallo war auch 1986 1987 in schwanewede bei der 4/324 , vieleicht waren wir ja leidensgenossen
Hallo , meine Bundeswehrzeit startete auch 1986 in Schwanewede bei der 4/324 . Mein Zugführer war Hauptfeldwebel Krieten. Was soll ich sagen der Typ war einfach nicht normal man müsste ein Buch über den schreiben. Er war ein totaler Choleriker, der Höhepunkt war das er einen Feldwebel vor versammelter manschaft geohrfeigt hat.
Das ist wie beim Kartenspielen, der Ober schlägt den Unter, the upper beats the under!
Das war halt noch ein Soldat vom alten Schlag.
Nun stelle man sich vor der Hauptfeld wäre eine Frau gewesen!
Frankiie
11.11.2005, 20:36
Den Kollegen Krieten als Frau vorzustellen fällt mir wirklich nicht leicht. Ich war 4 Jahre bei dem Verein und habe Ihn auch noch als Mensch respektieren gelernt. Der war wirklich noch vom alten Schlag. Nach 2 1/2 Jahren wurde ich nach Münster Handorf verlegt. Ich werde nie vergessen wie ich mich dort bei dem Kompaniechef gemeldet habe. Mit Grundstellumg usw , der Hauptmann meinte locker bleiben setze dich erst mal hin. Danach fragte er mich voller interesse und offenen Mund Du warst in Schwanewede ? , kennst du einen Hauptfeldwebel Krieten?. Nach meine bejahen erklärte er mir (nach den MEIN GOTT) , er habe ihn auf einen Übungsplatzaufenthalt kennengelernt und er hat noch nie so einen kaputten Menschen kennengelernt!!!!!!!!!. Er hat mich gefragt ob er wirklich so schlimm sei . Meine Antwort war viel schlimmer. Ich habe die wahrheit gesagt :-).
Vor ca. 2 Jahren brachte man im Fernsehen eine Dokumentation über weibliche Rekruten in einem Panzergrenadierbataillon, ein Hauptfeldwebel und Zugführer nahm die Damen mal so richtig ran, will heißen er machte keinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, anschließend fand eine Diskussion darüber statt, natürlich war eine gewissen Frau Beer auch anwesend, was natürlich sofort beanstandet wurde war der rüde Ton des Hauptfeld, er könne so mir dem weiblichen Geschlecht nicht umgehen, Frau Beer und einige andere Femifaschistinnen brachten den Mann zu Fall, er wurde glaube ich versetzt, ein anderer Unteroffizier sogar entlassen.
Wenn die Damen schon meinen per Quote in eine der letzten Männerdomainen einbrechen zu müssen, dann sollen sie gefälligst auch die Nachteile auf sich nehmen, oder ist geschliffen werden nur Männersache bei der Truppe?
Johnny Harms
01.12.2005, 21:28
Ich weiß nicht, ob du dich hier wohlfühlen wirst.
Johnny
Femifaschistinnen? Köstlich! Ich hab mir schon immer gedacht: wenn die Truppe mal von den Weibern durchsetzt wird, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo das Frl. Oberfeldwebel ihre Kerls mit den Worten zurechtweist: "Wenn ihr jetzt nicht sofort still steht, hab ich euch nicht mehr lieb!". Nee, nee. Die sollen mal so richtich von der Pike auf lernen, was das heißt, beim Barras zu sein. Hamse sich wahrscheinlich gedacht: olivgrün könnte uns eigentlich auch ganz gut stehen, und vielleicht... fällt für uns ja auch noch ein knackiger Kerl ab. Ist ja schade, wenn die ihre Energie beim abendlichen Suff im Offizierskasino verpuffen lassen.
Bergmann
02.12.2005, 11:17
Was ist denn hier los!?!?
Das hat doch nix mit Männlein oder Weiblein zu tun.
Diese rüden Umgangsformen mit bis zur teilweisen Menschenverachtung sind auch beim Barras total überflüssig. Auch in meinem Metier (Bergmann) gib es raue Umgangsformen, aber man weiß wie sie gemeint sind (herzlich).
Meine Meinung!
Glückauf vom Bergmann
Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine zukünftige Frau General z.B der Panzertruppe, oder auch der Fallschirmjäger die normale Ausbildung bei der Truppe mitmachen muß vieles wird ihr erspart bleiben, dafür sorgen schon die Kampfgenossinen in den entsprechenden Instituionen, die Meßlatte wird einfach tiefer gehängt, damit auch die letzte noch das Ziel erreicht, eine Gleichstellung von Männern und Frauen ist somit nur Makulatur.
Die Wehrpflicht ist nur für die Männer da, Frauen dürfen zur Bundeswehr. Weiter ist zu bemerken, dass es bei Kampfeinsätzen für die Männer nicht leicht ist, sich davor zu drücken, die Frau wird halt einfach schwanger und Zack ist auch das erledigt. Es gäbe noch genügend Beispiele über die Benachteiligung der Männer, nicht nur bei der Bundeswehr.
Johnny Harms
05.12.2005, 09:10
Jetzt haben wir auch noch ein Soldatenheim im Forum, mit Themen ab 22:00 Uhr.
Johnny Harms
Peter, der Schreckliche
30.05.2006, 13:57
Nachdem ich mir nun die 12 Seiten durchgelesen habe, muss ich Partei ergreifen und mich outen. Ich war ein UFFZ (Oberfeldwebel). Zudem noch ein Z-12er. Und das auch noch sehr gern :) Allerdings bin ich ein sehr positiver Mensch und kann allen Seiten des Lebens nur positives abgewinnen.
Als erstes:
Es gab die eine Sorte Menschen und es gab die andere Sorte Menschen. Nennen wir Sie mal „Berufsrambos“ und „Joberlediger“.
Ich persönlich zählte mich zu den „Joberledigern“.
Vielleicht zur Verdeutlichung, mein Werdegang:
Ich habe mich 1986 nach abgeschlossener Berufsausbildung (Groß- und Außenhandelskaufmann) zunächst freiwillig für 4 Jahre verpflichtet. Dies geschah aus einem einzigen Grund: DAS GELD. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon eine eigene Wohnung und ein Auto. Ich wusste nicht wie ich die 15 bzw. 18 Monate Grundwehrdienst mit so wenig Geld überstehen sollte. Auf der anderen Seite wartete mehr Geld auf mich, als ich selbst in meinem Beruf hätte verdienen können.
Ich wurde als Obergefreiter / Unteroffiziersanwärter eingestellt. Dies war eine Ausnahme zur damaligen Zeit. Zuteil wurde mir dieser Geldbonus dadurch, dass ich mich schon im Vorwege informierte, wie man mehr Geld bekommen konnte. In meinem Fall bedeutete das, eine berufnahe Verwendung. Ich kam also in einen Stab, da ich tippen konnte :).
Ich habe die ganze Zeit meinen „Job“ gemacht. Der nicht anders war, als jeder andere Job außerhalb der BW auch. Heute würde ich diesen „Job“ nicht mehr machen, da mir dies doch zu viel mit Krieg zu tun hat. Ich mag zwar „blauäugig“ gewesen sein, als ich dachte, dass Krieg überall stattfinden könnte, nur nicht bei der Bundeswehr, aber so falsch lag ich damals damit nicht. Zumal ich geschworen hatte die Bundesrepublik Deutschland zu verteidigen und nicht den Hindukusch. Wäre ich damals aufgefordert worden an solch einer Friedensmission teilzunehmen, hätte ich dankend abgelehnt und hätte um meine vorzeitige Entlassung gebeten (verweigert).
Ich habe meinen „Job“ aber Ernst genommen und auch versucht ein Vorgesetzter zu sein, der Autorität durch sein Vorbild erlangt und nicht durch Lautstärke. Natürlich gab es auch Menschen, die ihren Dienstgrad nutzten, um Dinge zu kompensieren, die Sie „draußen“ nicht hatten. Ich persönlich hatte immer das Gefühl, dass Anerkennung eine wichtige Rolle spielte. Nach dem Motto“ Hier bin ich was, also zeig ich es Dir“. Es waren dann auch tatsächlich die Leute, die draußen nichts mehr geworden sind. Ich habe auf Wehrübungen dann Klärwerksmitarbeiter, Taxifahrer oder Hartz IV-Empfänger wiedergetroffen.
Es gab aber auch andere Beispiele: Ein Architekt, ein Manager in gehobener Position, einige Freiberufler usw. (Ich persönlich leite jetzt ein Bauamt in einer Stadt). Bei diesen Leuten wusste man aber auch schon, dass die etwas außerhalb der BW werden konnten.
In den Erinnerungen der ehemaligen Wehrpflichtigen wird aber leider der Anteil der „Dödel-Uffze“ immer den höheren Stellenwert einnehmen. Was zu einem verzehrten Bild der Bundeswehr beigetragen hat und noch immer beiträgt.
Ich möchte meine Zeit bei der Bundeswehr auf keinen Fall missen. Vielleicht würde ich darüber anders denken, wenn es im Anschluss an die Bundeswehrzeit beruflich nicht so positiv weitergegangen wäre (Betriebswirt, Dipl. Verwaltungswirt), aber dies ist eine andere Geschichte.
Apropos Geschichten:
Ich habe natürlich eine Menge davon auf Lager . Ich hätte auch gern noch mehr Geschichten von Lenier gehört, aber der Post ist ja schon 2,5 Jahre alt.
Wer will Geschichten aus der Sicht eines Unteroffiziers hören, ihr Schwuchteln? :)
Raphael der Himmlische
30.05.2006, 14:15
Ich will die Geschichten unbedingt hören!
Also, angetreten!
Jungdrache
30.05.2006, 15:25
Also mir fällt dazu nur ein Wort ein: AUSGEMUSTERT! :D
Nein, ich möche die Geschichten nicht hören.
Ich möchte sie lesen! Jetzt und hier bitteschön!
Schrecklicher Peter, willkommen. Himmlischer Raphael, welcome back!
cosmic zack
31.05.2006, 09:12
Gibt für so was kein anderes Forum, z. B. www.söldnerehre.de oder www.blutindenknobelbechern.de?
Peter, der Schreckliche
31.05.2006, 14:57
Na dann hier mal meine erste Story:
Ich war Offizier vom Wachdienst (OvWa) als sich folgendes ereignete:
Anruf eines Unteroffiziers vom Dienst (UvD):
„Ich habe hier einen betrunkenen Soldaten, der seine komplette Bude auseinander nimmt, er hat schon den Putzspind aus dem zweiten Stock geworfen und bedroht jetzt seine Kameraden.“
Ich mir also zwei Leute der Wache geschnappt und nix wie hin zu dem Block, in dem der Soldat sein Unwesen trieb. Dort angekommen, vernahmen wir auch schon die ersten Schreie seiner Mitbewohner, die er nacheinander umlegte. Wie sich herausstellte, war der Soldat ein „Kung-Fu Mann“. Also jemand, der Selbstverteidigung nicht der Verteidigung willens gelernt hatte. Da ich und die anderen beiden Soldaten der Wache aber nicht grade schmächtig waren, gelang es uns ihn festzuhalten. Ich nahm ihm vorläufig fest und eskortierte ihn zur Wache, in der auch der Zellenblock lag. Dort angekommen, nahm ich meine Waffe (P1) ab und begleitete ihn vorschriftsmäßig in seine Zelle. Nun sollte eine Leibesvisitation folgen. Ich bat ihn seine Taschen zu entleeren und den Inhalt auf den Tisch zu legen. Aus einer Tasche zog er ein Messer (das Olive zum aufklappen). Als er versuchte es aufzuklappen, sprang ich geistesgegenwärtig auf ihn zu und wir rangelten uns auf dem Boden. Zum Glück war auch ich geschult, was die Selbstverteidigung angeht (Judo, Norddeutscher Meister), sodass der Bodenkampf schnell zu meinen Gunsten ausging und er einen ausgeleierten Arm hatte. Nachdem ich ihm das Messer abgenommen hatte, verlies ich schnellstens den Raum und knallte die Tür zu. Schlüssel rum und ENDE, so dachte ich.
Mein „Kung-Fu Mann“ sprang jetzt andauernd gegen die Zellentür. Diese war zwar aus Stahl, aber die beste Tür ist nur so gut, wie die Wand, die sie hält. Und diese hielt nicht so gut :)
Der Rahmen drohte aus der Verankerung zu fliegen. Ich war mit meinem Latein am Ende.
Also beschloss ich meine Verantwortung weiterzugeben :)
Ich wusste, dass sich der stellvertretende Kommandeur noch im Offiziersheim aufhielt. Ich also hin und informiere den Kommandeur. Als Antwort bekam ich: „Arm, dass Sie so etwas nicht selbst geregelt bekommen“. Er also mit mir im Schlepptau auf zur Wache. Dort angekommen, hörte man „Kung-Fu Mann“ schon gegen die Tür springen.
Der Kommandeur baute sich vor der Zelle auf und ließ folgendes verlauten: „Hier ist der stellvertretende Regimentskommandeur Oberstleutnant X, ich komme jetzt rein.“ Daraufhin sollte ich die Tür öffnen, was ich auch tat.
Was dann passierte, passierte wirklich. Der „Kung-Fu Mann“ flog mit ausgestrecktem Bein durch die Zellentür und rammte seinen Fuß in die Rippen des Kommandeurs. Dieser prallte nur noch an die gegenüberliegende Wand und sank zu Boden. Ich also wieder auf den „Kung-Fu Mann“ drauf und ihn erst mal ein wenig gewürgt. Nachdem er sein Bewusstsein verloren hatte, zog ich ihn wieder in seine Zelle. Der Kommandeur gestattete mir ihn zu fesseln, sodass er die Nacht mit Handschellen an der Heizung schlafen durfte.
Das anschließende Verfahren brachte ihm dann seine Entlassung aus dem Grundwehrdienst ein.
So kommt man auch schnell weg von der Truppe :)
P1 ist doch die Bundeswehrbezeichnung für die Walther P38 ?
Herrlich, Soldatengeschichten, ich liebe sowas.
Kann ich garnicht genug von kriegen.
Peter, der Schreckliche
01.06.2006, 10:07
Das Griffstück der P1 ist aus Leichtmetall statt Stahl (spart 160g Gewicht), Schlagbolzen und Sicherung wurden geringfügig verändert, aber sonst baugleich mit der P38.
So kommt man auch schnell weg von der Truppe :)
...und von da an bald in den Knast wegen schwerer Körperverletzung? Oder als Zuhälter nach St. Pauli? Meine Güte, Leute gibt's, die gibt's gar nicht.
Peter, der Schreckliche
01.06.2006, 12:19
Ich versprach ja Geschichten, hier die Nummer Zwei:
Das Geheimnis um die Uffz-Abende
Für alle Nicht-Bundeswehr`ler:
Diese Abende waren als Kameradschaftsabende für das gesellige Beisammensein aller Unteroffiziere einer Einheit gedacht. Für alle Eingeweihten, war es das sinnlose Besaufen in schnellstmöglicher Zeit.
Ich erinnere mich noch „gern“ an meinen ersten Uffz-Abend. Man wird an diesem Abend in die Gemeinschaft eingeführt. D.h., als frischbeförderter Uffz wird man nach allen Regeln der Kunst abgefüllt, drangsaliert und verarscht. Danach ist man dann vollwertiges Mitglied des Uffz-Korps und darf die Nachfolgenden peinigen.
Meine Uffz-Prüfung begann harmlos und sollte sich dann langsam steigern.
Im Uffz-Heim wurde uns der Auftrag erteilt, einen kompletten Kampfanzug aus der Stube zu holen und anzuziehen. Der jetzt noch getragene Ausgehanzug sollte wieder mitgebracht werden. Dazu hatten wir 5 min. Zeit. Jede Minute die wir länger brauchten, bedeutete 1 Korn. Das ganze war natürlich so angelegt, dass man, egal wie schnell man war, mind. 5 Korn bekam.
Nun wurden uns Fragen aus unseren täglichen Alltag gestellt. Jede falsche Antwort bedeutete einen Korn. Es gab dann so Fragen wie „Wieviele Treppenstufen hat das Stabsgebäude oder welche Farbe hat der Kalender im Zimmer des Batterie-Chefs. Also Fragen, die man eigentlich nicht beantworten konnte. Jeder bekam 10 Fragen = 10 Korn.
Als nächstes sollten wir unsere ABC-Schutzausrüstung anlegen. Nachdem wir sie angelegt hatten, wurde uns der Filter aus der Schutzmaske gedreht und die Trinkflasche (die fürs Gelände) reingedreht. Gefüllt war diese mit Sekt. Diesen mussten wir nun irgendwie aus der Trinkflasche bekommen. Da die Trinkflasche aber so angebracht ist, dass man daraus nicht so einfach trinken konnte, musste man sich nach hinten lehnen und erst einmal die Schutzmaske von innen voll laufen lassen (Sekt kribbelt ganz schön in den Augen und der Nase) um dann wieder nach vorne zu kommen. Die Außenstehenden sahen dann den Pegel innerhalb der Maske langsam sinken, wenn man trank.
Der Erste, der fertig war, brauchte nur einen Korn (zum nachspülen) zu trinken. Der Zweite dann zwei, usw. (Wir waren zu viert).
Als nächste Aufgabe wurden uns vier Putzspinde in den Raum gestellt. Wir hatten nun die Aufgabe uns in 5 Min. im Putzspind umzuziehen. Also aus dem Kampfanzug zurück in die Ausgehuniform. Nun muss man dazu sagen, dass so ein Spind nicht grad sehr viel Platz bietet, aber es durchaus möglich ist, es in der vorgegeben Zeit zu schaffen.
Nachdem man sich ca. 1 Min. lang umgezogen hatte, fing der Spind auf einmal an sich zu bewegen. Mit der Zeit wurden die Bewegungen immer heftiger, bis man aus der senkrechten mal in die waagerechte gestellt wurde und wieder zurück.
Der sehr enge Raum, die nicht mehr vorhandene Luft und letztendlich der Alkohol, zeigte bei dem Ersten seine Wirkung. Als nach 5 Min. die Spinde geöffnet wurden, hatte Nr. 1 diesen vollgegöbelt.
Unsere Strapazen waren aber nun überstanden und wir durften mit dem Spieß auf unsere Aufnahme in das Uffz-Korps anstoßen. Hierzu wurde jedem der „Fla-Trunk“ überreicht. Ein halber Liter „Ekel“. Grundbestandteile waren Bier, Eier, Tabasco, Speiseöl, Salz, Pfeffer und andere Dinge (manch einer glaubte, dass auch das Feudelwasser der Kantine enthalten war). Nach diesem Trunk entledigten sich zwei weitere Kameraden ihres Mageninhaltes. Ich frag mich noch heute, wie ich es weitere 10 Min. geschafft habe, es drin zu behalten. Allerdings musste auch ich dann an einem Baum aufgeben.
Alles in allem, war dies rückblickend eine „normale“ Uffz-Aufnahme ohne besondere Höhen und Tiefen.
P.S.
Ich distanziere mich natürlich von diesem barbarischen Verhalten und habe bei späteren Uffz-Aufnahmen nie Spaß empfunden.
cosmic zack
01.06.2006, 15:54
Mein Gott, was habe ich alles verpasst im Leben, ich könnte auf der Stelle vor Wut heulen!
Super Geschichte.
Hast du auch etwas wo sinnlos teures Material zerstört wird?
Diese Geschichten kommen auch immer gut.
Ein Freund von mir erzählte die -angeblich wahre- Geschichte, wie aufgrund der allgemein bekannten (und von mir auch erlebten) unglaublichen Bräsigkeit der in der "alten" Bundeswehr (un-)tätig Gewesenen aus einer Schnapslaune heraus enorme Kosten verursacht wurden - und es bis zum Schluß keiner gemerkt hat.
Während einer dieser alkoholseligen Beisammenkünfte kamen einige Uffze und Feldwebel auf die Idee, zu testen, ob beim Bund mitdenkende Personen existent sind. Es wurde eine Materialbestellung ausgefüllt, ganz korrekt mit Versorgungsnummer, Formular mit zig Durchschriften, diversen Unterschriften usw.
Was wurde bestellt? Nur eine Schraube - aber eine besondere. Eine Ersatz-Schiffsschraube für den Zerstörer "Mölders", dem damals dicksten Pott der Bundesmarine.
Wer sollte sie bekommen? Eine Panziergrenadiereinheit im östlichen Mittelhessen (da wo Paisley wohnt). Unzweifelhaft ganz weit weg von jeder Art eines halbwegs erwähnenswerten offenen Gewässers. Es wurden ein Schwertransport bestellt, Genehmigungen eingeholt, Polizei-Eskorten organisiert, Ordnungs- und Straßenverkehrsbehörden informiert, alles, das volle Programm.
Der Transport wurde korrekt und ordnungsgemäß durchgeführt, bis zum Kasernentor der hessischen Grennies. Erst als ein tobender Kommandeur (der dort zuständige) wie ein HB-Männchen um den Transport herumhüpfte, wurde den Beteiligten (aber immer noch nicht allen) klar, was für ein Bockmist gebaut wurde.
Es hat absolut niemand nachgedacht oder gar nachgefragt, was um Himmels Willen Stoppelhopser im hessischen Bergland mit einer Schraube eines Hochsee-Kriegsschiffes anfangen sollen.
Nee, also das kann man einfach nicht glauben. Ist erfunden.
Mittlerweile glaube ich fast alles.
Wir stehen auch schon am Hindukusch, vielleicht hat sich da auch jemand so einen Scherz erlaubt, da sitzt man abends in gemütlicher Runde, kurz vor dem letzten Bier wird ein Marschbefehl ausgestellt...., Köpenik vom feinsten.
Eine weiß ich auch noch.
Winter, eiskalt, morgens Musterung.
Der Spieß, ein Stabsbootsmann, welcher wahrscheinlich schon in der kaiserlichen Marine als Moses anfing, war jeden Morgen derjenige, welcher uns vorführte wie ein deutscher Marinesoldat sich zu kleiden, kämmen, rasieren und Haltung zu zeigen hat. Neuzugänge vermuteten, zu Unrecht, er sei ein Schleifer, er war die Inkarnation der Korrektheit, nicht mehr nicht weniger, wenn man ihn länger kannte, glaubte man in seinem stechenden Blick so etwas wie ein süffisantes funkeln zu sehen.
Nun nachdem ein Obermaat ihm Meldung erstattete, in welcher die Vollzähligkeit der Angetretenen festgestellt worden ist, ließ der alte Adler rühren. Eigentlich verlas er dann immer irgendwelchen Käse, der ihn wohl am wenigsten interessierte, aber Dienst ist Dienst.
Es kam nichts, eine ungewohnte Stille, dann sah man unter seinen Augen schnell ein schwarzes Loch aufklappen und wieder zufallen,
„Wolf“ war zu hören.
Wolf war ein Neuling, ich glaube aus Hamburg, die Angst vor der absoluten Autorität die ihn nun ansprach, nicht anschrie, war zu spüren. Was nun folgte war militärisches Zeremoniell, eingemeißelt in der Grundausbildung, unerlässlich für das funktionieren einer Armee.
„Hier, Herr Stabsbootsmann“ war die einzig richtige Reaktion.
„Wolf, sind sie schwanger?“
„Jawolll Herr Stabsbootsmann“ das war auch eine Reaktion, leider irgendwie nicht so ganz richtig.
Der Grund warum Wolf gefragt wurde war, weil er seine Hände vor dem Bauch verschränkt hatte.
Man hörte teilweise die Zahnplomben krachen, zu lachen hat sich keiner getraut, auch war so ein komisches kratzen in den Hälsen mancher Kameraden zu hören, gelacht hat keiner.
„Herzlichen Glückwunsch Wolf“
„ Danke Herr Stabsbootsmann“ Wolf wollte den nicht verarschen, er war in eine Sackgasse geraten, er konnte ja durfte gar nichts anderes antworten.
„ Wolf, darf ich wissen wer der Vater ist? Und sagen sie mir bitte nicht es sei einer ihrer Kameraden, Wolf“
Wolf konnte nichts mehr sagen, er war erledigt.
„ Wolf, ich glaube frische Luft täte ihnen gut, laufen sie zwei Runden um den Block“
Nachdem Wolf losgerannt war, schüttelte der Spieß den Kopf
„Meine Herren, es darf gelacht werden“
Ach ja. Opa erzaehlt vom Krieg...
Schau nicht zu tief ins Glas Kleines....
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