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Vollständige Version anzeigen : PC? Was is'n das?


Zazie
08.10.2003, 11:23
Ich muss euch von jener Arbeitsstelle erzählen, auf die ich mich vor vielen Jahren, sprich, so ca. 1994, mal beworben hatte. Man rief mich an, wir machten einen Termin aus. Ich fuhr hin, betrat die Geschäftsräume - und fühlte mich augenblicklich von einer Zeitmaschine in die Vergangenheit katapultiert. Nicht etwa in die 70-er, nein, noch weiter zurück, mindestens 60-er. Ein verwinkelter Flur, graumelierter Plastikbelag auf dem Boden, kalkweiße Wände ohne jeglichen Schmuck, über mir kaltes Neonlicht. Das Besprechungszimmer: dunkelgrüne, grob gewebte Übergardinen und Stühle mit Sitzfläche und Lehne aus braunem Cord. Der Personalfuzzi, der sich um mich kümmerte, passte vom Aussehen her ziemlich gut in das Bild. Na das konnte ja was werden.

Ich bekam einen Zettel vorgelegt, den ich ausfüllen sollte. "Schreibmaschinenkenntnisse" stand da unter anderem, "Anschläge pro Sekunde" oder so. Ich konnte nicht Schreibmaschine schreiben, also strich ich das durch und schrieb "PC" darüber. Das Kästchen mit der Anzahl Anschläge ließ ich frei, hatte ich nie gezählt, wusste ich nicht. Ich wusste nur, dass ich ziemlich schnell tippen konnte, sofern ich die Möglichkeit hatte, mal schnell die Taste mit dem nach links zeigenden Pfeil oder die Entf-Taste zu drücken bzw. mein Werk hinterher nochmal durchzulesen und entsprechende Korrekturen vorzunehmen.

Herr Personalfuzzi kam zurück, nahm meinen Zettel entgegen, überflog ihn kurz. Blieb stutzend an einer Stelle hängen - ich ahnte es schon. "Ach, Sie können nicht Schreibmaschine schreiben?" "Nein, nicht wirklich. Habe ich mal für ein paar Monate im Studium gelernt und dann nicht mehr vertieft. Aber mit einem PC umgehen, das kann ich." "Es ist so: Wir haben keine PCs. Wir haben nur Schreibmaschinen." Ach... mir fiel die Kinnlade runter und ich fragte sogleich nach dem Grund für eine derartige Modernismus-Verweigerung. "Unser Chef will das nicht, der hat Angst um die Datensicherheit, dass die an jemanden Unbefugtes gelangen können." Hallo! Schon mal was von Kennwörtern gehört, Herr Chef? "Und Sie haben wirklich nur..." "Naja, eine Schreibmaschine haben wir, die hat einen Bildschirm. Aber die ist meistens besetzt." Ob die sich wohl mal gefragt haben, warum das so ist?

Jedenfalls kamen wir überein, dass ich unter diesen Umständen für den Posten nicht geeignet war, denn ohne meine Löschtasten konnte und wollte ich nicht arbeiten und mit Tipp-Ex korrigierte Briefe, zumal mehrmals, würden Chef und Kunden wohl nicht so doll finden.
Ich ging durch den kahlen Flur in Richtung Ausgang und erwartete, jeden Moment Frauen im dunkelblauen Faltenrock oder Stifte mit Schirmkäppi, Weste, Streifenhemd und mit Ärmelhaltern hochgeschobenen Ärmeln zu sehen, so wie es sie oft in alten Spielfilmen mit Heinz Rühmann zu sehen gibt. Einen Telex gab es dort aber ganz bestimmt - ohne Bildschirm, versteht sich, sonst wäre der ja immer besetzt.

Salpetra
08.10.2003, 15:50
Die Beschreibung des Besprechungsraumes erinnert fatal an 80er. Ältliche Genossen, in verschwitzt riechenden Präsentzwanzig Anzügen, an denen der Kragenspeck der Oktoberrevulution klebte, trafen sich montags abends dort zur Parteiversammlung. Nastrowje, Genossen!

Lelani
08.10.2003, 19:31
Es begab sich zu der Zeit als es noch PC´s "pur " zu kaufen war, also ohne vorinstallierte Programme.

Mein damaliger Chef fand heraus, daß ich Abendschulkurse besucht hatte um zu Hause an meinem PC arbeiten zu können.

Er war begeistert, wollte mein Wissen nutzen und stiefelte in den nächsten Großmarkt und kaufte einen PC.

Stolz lud er ihn eines morgens aus dem Auto und stellte ihn auf meinen Büroschreibtisch. Er stöpselte ihn an, ich war schon ganz begeistert, schaltete das Gerät an. Der Bildschirm erstrahlte hell - das war´s.
Ich fragte Cheffe, "Was läuft denn auf dem PC?"
er erwiderte grimmig " na sicher kein Zeichentrickfilm"

Ich klärte ihn auf das man ja auch noch software........

Er bekam einen Tobsuchtsanfall und beschuldigte mich alles besser wissen zu wollen.

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Jahre später, der PC und ich waren Freunde geworden, ein Laser Drucker hatte sich zu uns gesellt.

Cheffe wollte, daß ich auf dem Laser Drucker Gutscheine mit Durchschrift druckte.
Er meinte, wenn er Papier kauft auf dem man schreibt und das gleichzeitig auf die zweite Seite eine Durchschrift bringt.....

Ich versuchte ihm klar zu machen, das das nicht funktionieren würde.
Er bekam einen Wutanfall.

Das Papier wurde bestellt, Er kam damit an. Ich mußte auf dem PC etwas schreiben, er steckte das Durchschlagpapier in den Drucker, es kam wieder raus - und die Vorderseite war natürlich bedruckt. Er triumphierte " Sehen Sie!!!!"
Ich nahm das Paper auseinander - was sah er auf der Durchschlagseite? Natürlich nichts!

"Hach" brüllte er los " das liegt am Papier", " Nein" , brüllte ich zurück, nahm einen Stift, ratschte einen langen Strich über die beschriftete Seite " es liegt nicht am Papier" und klappte das Papier auseinander auf das er auf der Durchschlagseite den Strich sah den mein Kugelschreiber " als Durchschlag" hinterlassen hatte.

Na, da war was los, er wurde knallrot, beschimpfte mich - und schmiss mich raus.

Das Arbeitsgericht hatte seine helle Freude an unserem Prozeß.

Spleen
08.10.2003, 20:09
Herrlich! Büro-Büro-würdig.

In den 80ern gab´s in den Unis noch so richtige Fred-Feuerstein-Computer, auf denen irgendwelche Amateure alle Programme für den Prof selbst gemacht hatten. Herrliche Abstürze inklusive!

Klicker-Klacker
08.10.2003, 22:23
Spleen: "Büro, Büro"... Das war eine der wenigen Serien (bis auf Großstadtrevier), die ich wirklich gerne und sehr regelmäßig gesehen hatte.

Spleen
09.10.2003, 20:23
Ultraklasse, nicht? Würd ich ohne Weiteres auf DVD wollen! Dr. Brockstedt im Gesundheits-Bürosessel! Oder der Betriebsausflug! Herrrrlich!

Schwarzes Schaaf
15.10.2003, 23:55
Ich sag nur: Titelmelodie. Hammer!

Klicker-Klacker
16.10.2003, 21:05
Spleen: "Büro, Büro" auf DVD? Keine schlechte Idee. Ich wäre aber auch mit einer Wiederholung auf einem der Dritten zufrieden (die mit Sicherheit schon liefen, die ich aber verpasst habe...)

Spleen
17.10.2003, 17:43
Gerne! Lief aber erst vor ein paar Jahren. Nur leider so schnell, dass ich auch kaum was davon mitbekommen habe!

Klicker-Klacker
17.10.2003, 19:12
Dann muß ich öfters in die Programmzeitung sehen.

Elwood
20.10.2003, 21:09
Ein altgedienter Kollege hat noch ein echtes 70er-Relikt in täglicher Benutzung, ein Diktiergerät. Nicht so ein kleines, handy-ähnliches Teil, sondern einen Riesenklotz von 1975m, Marke Grundig. Ein Tischgerät, so groß wie ein DVD-Spieler, mit Mikrofon am Kabel. Die Kassetten sind aber schon in der üblichen Diktiergerät-Größe. Ganz früher gab es auch Geräte, in die die üblichen MC reinpaßten. Beim Aufräumen fiel mir in einem Büroschrank mal eine Packung Leerkassetten aus den frühen 70ern in die Hände, die für längst vergessene Diktiermaschinen gedacht waren.

Fast im Rentenalter befindlichen Kollegen rutscht manchmal noch "ich muß noch eine Platte diktieren" heraus. In den 60ern wurden noch schallplattenähnliche Scheiben besprochen. Ich entsinne mich, daß mein Vater so ein Teil in seinem Büro hatte. Er liebte es (ich auch, ein tolles Spielzeug). Leider brannte das gute Stück eines Tages auf.... Schade, es erlebte die 80er nicht mehr.

Diese ganze Diktiererei hat in den letzten Jahren sehr nachgelassen. Heute schreibt jeder alles selber über den PC. Ich fand dieses Ins-Gerät-Labern immer lästig (und wegen der Weggabe ins Sekretariat auch langwierig), so daß ich schon immer alles selber zusammengehackt habe. Vorgesetzte sagten mir, daß man -gerade wenn man mal eine Führungsposition haben wolle- das Diktieren drauf haben müßte, aber diese Ansicht fand ich albern. Nun ja, es gibt Leute, die es cool finden, mit der Quäke souverän zurückgelehnt am Tisch zu sitzen.

Ich glaube, ich habe gar kein Diktiergerät mehr am Arbeitsplatz. Jedenfalls habe ich es in den letzten Jahren nicht vermißt. Wenn ich tatsächlich was von den Schreibdamen machen lassen muß, irritiere ich die Kollegen, in dem ich mit meinen Schmierzetteln bewaffnet ins Sekratariat marschiere und freihändig direkt in die Tastatur diktiere.

Noch gestern fiel mir auf, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Bei uns (ca.1000 Leute in drei Gebäuden) besteht der Schreibdienst aus gerade noch 3 Damen (abgesehen von einzelnen Vorstandssekretärinnen). Zu Beginn meiner Zeit in diesem Hause 1994 saßen da noch 10 Leute, dazu genauso viele Heimarbeitsplätze. Mitte der 70er, zu Beginn des Computerzeitalters in der Versicherungsbranche waren ganze Säle mit dutzenden von Tippsen bestückt, erzählen Alte Hasen.

In alten Berufsbildungs-Nachschlagewerken findet sich noch ein/e "Datentypist/in" oder "Stenotypist/in". Wo sind sie geblieben?

woelflein1961
29.12.2003, 16:16
Wie nennt Mann eigentlich männliche "Tippsen"???
Tappsen vielleicht?

Lelani
29.12.2003, 16:37
Tipper

DrMusic
29.12.2003, 17:37
Lelani verwechselt das mit Lottospielern....

Zazie
29.12.2003, 18:47
Von Tippsen gibt's keine männliche Form. Das weiß man doch! Männer lassen tippen! Von Tippsen!

Spleen
29.12.2003, 19:09
Schreibkraft? Tappsen finde ich aber schöner!