Vollständige Version anzeigen : Non scolae sed vitae discimus
Schmierfink
23.01.2004, 23:33
Liebe Damen und Herren,
da es hier sehr beliebt ist Reminiszenzen zu exhumieren - meist in Bezug auf vergangene und erlebte Jahrzehnte - dachte ich, es wäre mal interessant und sicher auch amüsant, einige Histörchen und Anekodoten aus der Schulzeit erzählt zu bekommen. Wie war das damals, als man noch die Schulbank drückte? Welche schrulligen Macken hatten die Lehrer, welche Sprüche gehörten zum Repertoire, mit welchen Gedichten wurde man geelendet, an welche Eselsbrücken erinnert sich der ein oder die andere, welche hanebüchenen Entschuldigungen hat man an den Haaren herbeigezogen, um sein Schwänzen oder „Blaumachen“ (als beliebter Schüler-Terminus) zu entschuldigen? Welche Lokalitäten waren besonders beliebt, um Freistunden zu überbrücken? Das soll hier keine verspätete Abi-Zeitung werden, aber lustig wäre es doch die unsäglichen Charakteristika daraus zu zitieren:
„Sie kam immer mit ihrem roten R4 angesaust, muffelte in der Pause an ihrem Müsliriegel herum....
Ich stelle mir das ein bißchen wie Walter Kempowskis "Schule - Immer so durchgemogelt" vor. Um nur einige Beispiele zu geben, z. B. für Stilblüten:
Bei uns gab es einen typischen Spruch der Lehrer, wenn es darum ging zum Halbjahreszeugnis um die Noten zu feilschen: "Ja, Frau X, Sie haben dieses Jahr schwach angefangen und dann stark nachgelassen.“
„Sie sind zu nichts zu gebrauchen, wenn Sie so weiter machen, können Sie auch in (Name der Stadt) Scheiße schippen gehen.“
Oder: „Du Tottelbalg von Schlotterhausen.“
Weiterer Themenvorschlag: "Auf's Maul geschaut - Schülerjargon im Wandel der Zeit". Warum nich? Ich erinnere mich an "Mosch" und "Servela" (als Begrüßung), "sau abartig", "voll grob" und "krass".
"Fünf Minuten nach der Zeit,
ist des Schülers Pünktlichkeit."
Macht daraus was Ihr wollt, aber macht was!
Schulanekdoten sind immer gut und geben meistens auch viel her. Nur leider befindet sich dies hier im falschen Form. Ob der Captain das wohl mal eben ins Kleine Geschichten-Forum rüberwuppen könnte? Zu gegebener Zeit werde ich dann auch das eine oder andere schreiben.
Im 70-er Forum gbt's den Strang "Schule in den 70-ern". Im 80-er Forum gibt's auch ca. 2 Schulstränge, die aber irgendwann eingegangen sind. Vielleicht möchtest du die mal angucken Schmierfink, dort stehen eher allgemeine Dinge drin, aber auch ein paar Knallschoten.
Der 70er-Strang war sogar ziemlich gut. Sogar im 60er-Forum gab´s meines Wissens zwei Schulstränge. Die ergiebigeren allerdungs auf der "siebten Sohle" zu betrachten...
Jaja, die Ära prä- Handy aber mit Tamagotchi...
Ach Spleen, manchmal bist du schon herrlich erfrischend :-) Ich hab gerade richtig lachen müssen ob deiner treffenden Betitelung der 90-er.
DerCaptain
24.01.2004, 20:31
Wenns von der Belegschaft gewünscht wird, wuppe ich gerne.
Bis dahin möchte ich nur noch schnell klugscheissern, daß das Originalzutat von Seneca "Non vitae sed scolae discimus" lautete und als Kritik am römischen Schulsystem zu verstehen ist. Irgendein Witzbold, vermutlich ein Lehrer, hat das dann mal umgedreht und so ist das jetzt. Eben so.
Schmierfink
25.01.2004, 11:10
Bitte wuppen Sie!
Schwarzes Schaaf
25.01.2004, 23:01
Herr Schmierfink:
Schulgeschichten schoen und gut, nur leider sind die Beispiele die sie anfuehren aeusserst schlecht gewaehlt. Es handelt sie dabei naemlich um Insiderwitze/-begebenheiten, die eben nur fuer sie persoenlich und andere Mitglieder ihres Jahrgangs lustig oder interessant sind. Sparen sie sich die fuer's 10jaehrige Klassentreffen, denn ohne den persoenlichen Bezug sind es lediglich Bloedeleien auf Otto/Didi Niveau.
Nichts fuer ungut.
Schmierfink
26.01.2004, 11:56
Elender Krittler,
lass doch selbst mal was raus. Beim Kempowski ist das auch nicht viel anders und der hat sogar einen Verleger dafür gefunden.
Die Beispiele sollten nur angeführt werden, um zu ermutigen, eigenes zu posten und sollten später gelöscht werden. Anscheinend war das Gegenteil der Fall. Deshalb habe ich meine Strategie geändert (s. o.).
Ich verbitte mir ausserdem jeglichen Vergleich mit Waalkes und Hallervorden. Der hinkt nämlich gewaltig.
shangri-la
26.01.2004, 13:20
Ichhabe mir gerade mal meine Abizeitung durchgesehen. Diese macht irgendwie den Eindruck, als sei sie von einer Horde betrunkener Steinzeitmenschen fabriziert worden.
Gibt er tatsächlich Abizeitungen, die man Jahre nach dem Abitur guten Gewissens vorzeigen könnte?
Ich glaube nicht, oder war das früher anders?
Klippklappbrote
26.01.2004, 13:41
"Wenn ich was seh, wird geheiratet!"
sagte einer meiner Lehrer immer, wenn man bei der Klassenarbeit zum Spicken ansetzen wollte.
Klippklappbrote. Der Nick des Tages! Gefällt mir!
Hier in meinem Berliner Bezirk gibt es ein Gymnasium, das zumindest zu meiner Schulzeit als "noch vom alten Zopp" bekannt war. Es wurde noch "Betragen" und "Schrift" auf dem Zeugnis benotet (wofür man allerdings nicht sitzen bleiben konnte) und wie ich mit eigenen Augen bei meiner Nachhilfeschülerin sah, wurde mit Büchern gelernt, die bereits die Lehrer aus ihrer Zeit kannten und demnach eher Staubhaufen ähnelten. Freiherr vom Stein-Gymnasium heißt diese Schule, hatte (und hat wohl immer noch) trotz oder gerade wegen ihrer veralteten Methoden den Ruf, eine gewisse Eliteschule zu sein und ich bin nur froh, sie nie von innen kennen gelernt zu haben. Wie man weiß, bin ich so schon ein Schulversager gewesen; gegen diese Schule hätte ich mich schon weitaus früher gewehrt. Dies jedoch taten die Schüler auch, auf ihre Weise. So gab es beispielsweise einen offiziellen Schulaufkleber, schön schwarzweiß, Schulgebäude in der Mitte und im Kreis außenrum den Namen der Schule. Zumeist sah man jedoch die illegale Version auf Schultaschen kleben, die da lautete: Frust und Schleim auf der Stein. Was die Situation in 6 Worten treffend erfasste.
Leiter der Stein war ein gar strenger, gnadenloser und konservativer Knochen, Herr Dr. B. Ich stelle ihn mir so vor wie jetzt Herrn Stoiber. Waren Stein-Schüler erst einmal losgelassen, gab es für sie kein Halten mehr: Über die Abiturfeiern der Stein sprach man im ganzen Viertel. Die legendärste fand Anfang der 80-er in einem Lokal statt. Es gab Kaffee und Kuchen, gediegen, so wie es sich für die Stein gehörte. Die nunmehr ehemaligen Schüler sahen das allerdings anders, nahmen eine Torte, holten aus und zielten sie, lange bevor "Alles Nichts Oder" im Fernsehen lief, auf den werten Herrn Direktor - Volltreffer. Mit dem Ergebnis, dass man über diese Abifeier noch ca. 10 Jahre danach sprach und sie auch alljährlich in der Schülerzeitung wieder aufgegriffen wurde. Inzwischen befindet sich Herr Dr. B. im Ruhestand und seitdem ist die Stein zwar immer noch als streng bekannt, aber nicht mehr so wie früher, als jener alte Direktor noch mit eiserner Faust regierte.
Von meiner eigenen Abifeier gibt's ebenfalls ein etwas ausschweifendes Erlebnis zu berichten.
Zuerst natürlich der offizielle Teil mit Eltern, Rede, Aufführung, Gesang, feierliche Zeugnisübergabe - alles sehr schön. Danach dann der Fetenteil, nur für die ehemaligen Schüler und andere jungen Leute zugänglich. Die Fete fand im AUA-Bereich der Gesamtschule statt, der, wie ich bereits mal wo berichtete, nichts mit Schmerz gemeinsam hat, sondern für AußerUnterrichtliche Aktivitäten steht. Unser AUA-Bereich umfasste auch eine kleine Disco im Souterrain, aus der zu vorgerückter Stunde plötzlich begeistertes Gebrüll zu hören war. Neugierig gingen auch wir runter, die bislang noch oben waren. Dort am Kickertisch standen vier weitgehend unbekleidete junge Herren und spielten unter lautem Gejohle Stripkicker. Ich sah meinen türkischen Schulkollegen in Socken und Boxershorts, einen anderen Mitschüler in kleidsamem weißem Schießer Doppelripp und einen bereits seit 2 Jahren ehemaligen Schüler und Kumpel von mir, der nur noch mit Slip bekleidet war. Würde er den wohl auch noch fallen lassen? Dann fiel das Tor für die gegnerische Mannschaft, und schon fiel unter jede Menge Blitzgewitter auch das letzte Kleidungsstück. Mir blieb der Mund offen stehen - dieser Typ war sonst eher schüchtern und zurückhaltend und nun stand er am Kickertisch ohne alles und amüsierte sich wie Bolle....
Im nächsten Moment betrat die Oberstufenleiterin, Bild der heiligen Inquisition, mit energischen "Aufhören, sofort aufhören"-Rufen die Disco und setzte dem heiteren Treiben ein Ende.
Wie ich später erfuhr, für den Chemie-Leistungskurs war dies noch lange nicht das Ende. Ein anderer türkischer Mitschüler hatte Eltern mit einem Dönerladen, dorthin zog man weiter, legte arabische Musik auf und johlte der üppigen persischen Mitschülerin zu, die obenrum nur mit BH bekleidet auf einem der Tische eine Bauchtanzshow abzog.
Schmierfink
26.01.2004, 16:34
Ich erinnere mich an den kauzigen Herrn V., der zu meiner Zeit bereits zu den Mumien des Lehrkörpers zählte. Er unterrichtete Geschichte und Sozialkunde. Eines Tages lud er uns, seinen Geschichte-Leistungskurs, zu sich nach Hause ein. Bei der Führung durch sein Haus versäumte er es auch nicht uns seine - übrigens gut sortierte - Bibliothek zu präsentieren. Mit einer ausholenden Handbewegung wies er auf die Regale, zog einige der Bücher heraus und sprach: "Bücher, Bücher, Herrschaften. Und hinter den Büchern: noch mehr Bücher."
Da war unser Abistreich ja noch sehr sittenneutral.
Wir trafen uns in der Nacht vorher, jemand hatte vom Schrotti einen Polski-Fiat organsiert. Diesen bemalten und besprühten wir bunt, schoben ihn vor die Schultür, zogen die Handbremse an und füllten ihn bis zum Achsbruch mit von benachbarten Baustellen geklauten Pflastersteinen. Danach füllten wir 1000 Plastikbecher mit Wasser und drapierten sie so, daß Auto und Eingang nicht trockenen Fußes erreicht werden konnten.
Nach drei Stunden Ruhepause trafen wir uns wieder und krabbelten, jeder mit einer Kiste prall gefüllter Wasserbomben versorgt, auf das Schuldach. Und wir erwarteten unseren letzten Schultag.
Die ersten Ankömmlinge ließen wir nahe herankommen und unser Werk bewundern. Dann flogen die Begrüßungs-Salven. Da es recht warm war, machte das aber nur wenigen etwas aus (eigentlich nur der gegelten Popper-Fraktion, von der 1990 noch Reste existierten). Und einem kleinwüchsigen, wichtigtuerischerm Lehrer, Unterstufenleiter seines Zeichens, stets ernste Miene und Brisk in dem Überkopf-Seitenscheitel, der hysterisch schrie, daß wir die Flachdachteerung ruinieren würden und er jeden einzelnen von uns verklagen werde.
Wir ließen ihn herantreten, um seine Botschaft vernehmen zu können - und feuerten dann aus allen Eimern. Heiterkeit ohnegleichen erfüllte das Publikum ob es triefenden Männchens. Dieses verlor endgültig den Glauben an die Menschheit und verließ greinend die Stätte der Niederlage, als es auch die Rektorin und den Hausmeister (die sich nicht um das Dach sorgten) fröhlich prustend erblicken mußte.
Schmierfink
27.01.2004, 12:06
Wir hatten eine Lehrerin, eine winzige kugelrunde Person mit einem mächtigen Haarknoten. Sie glaubte, dass sowohl das Kollegium als auch die Schülerschaft über sie lästern würde und dass alle ihre Gutmütigkeit ausnutzen würden. Ihr Standardspruch war deshalb: "Lieber Hass im Kampf als in der Gutmütigkeit."
"Bücher, Bücher, Bücher..."? Ihr wart bei mir zu Hause? Wann?
Nein, bei mir freuen sich immer Besucher über "die vielen LPs!", bis sie merken, dass das die schmalen Rücken von Comicalben sind! :)
Der schönste Abistreich, an den ich mich erinnere, gelang dem Jahrgang nach mir. Die ließen sich (unter Mitwissen des Vertrauenslehrers???) in der Schule einschließen und entfalteten in den Morgenstunden das Transparent ("XY-Gumminasium: Hier wird (viel kleiner geschrieben: bestimmt nie) instandbesetzt!") Schon war die Polizei da! Herrlich, da harmlos und trotzdem boshaft. :)
Klippklappbrote
28.01.2004, 18:10
An meiner Schule gab es einen Lehrer, der es liebte ganz besonders lehrreiche Randnotizen an die Klassenarbeiten zu machen...
"Du bisch so dumm, mit dir kann man ja die Stroß plaschdere."
(Naja, dieser Schüler hatte die Alpen versehentlich an die Nordsee verlegt)
...oder einen zu motivieren:
"Ihr sinn so dumm, als dass ihr nit ausem Bus winke kennen!"
oder
"Geh doch in de Stääbruch schaffe für siwwe Mark fuffzich die Stunn!"
shangri-la
28.01.2004, 20:53
bitte übersetzen sie:
situs vilate inise tabernit
datis en epis potus colonia
na???
Schmierfink
29.01.2004, 10:55
Ursprünglich gepostet von shangri-la
bitte übersetzen sie:
situs vilate inise tabernit
datis en epis potus colonia
na???
situs vilate inise tabernit:
"Sieht us wie Latein, isset aber nit" bzw. "Sieht aus wie Latein ist es aber nicht"
datis en epis potus colonia:
"Dat is ene Pisspott us Colonia" bzw. "Das ist ein Pisspott aus Köln"
Schmierfink
29.01.2004, 10:59
Ich erinnere mich an Lehrer (männliche, notabene), die die Mädchen immer bevorzugt haben und ihnen immer gute mündliche Noten gaben, obwohl manche sie objektiv nicht verdient hätten. Wir kamen dem Übel schnell auf den Grund: Die Mädchen hatten TB, den sogenannten "Tittenbonus". Das wurde bei uns schnell zum geflügelten Wort.
Klingeltonkomponist
29.01.2004, 11:32
Zum Glück haben wir es den Schlampen aber danach so richtig gezeigt. Wenn sie dann dreißigjährig, noch kinderlos, verheiratet vor dem Personalchef sitzen, spätestens dort ist klar, daß der Pimmelbonus (PB) einfach das stärkere Voodoo ist.
Knappe Wamba
29.01.2004, 12:40
Wie ist das, es jemanden richtig zeigen zu wollen ?
Sie werden es nie erfahren..
Grundschulwissen:
Wasserfarbe erhält ungewöhnliche Farbintensität und eine
enorme Deckkraft,
wenn man sie nur mit Spucke schön cremig rührt.
Meister der 2ten Klasse war Horsti.
Abiturstreiche von katholischen Oberschulen sind menschenfreundlich und lau.
Wattebäusche mit Niveacreme von hysterisch kichernden Querflötistinnen des Schulorchesters an Lehrerautos.Das ist Rocknroll.
shangri-la
29.01.2004, 13:27
Unser Abistreich war versehentlich super:
Wir haben es verpeilt einen zu machen, und den ganzen Tag hat an der Schule nix funktioniert, weil alle noch voller Angst auf den Abistreich gewartet haben.
"Wir haben gar nichts vorbereitet" hat uns keiner geglaubt.
Knappe Wamba
29.01.2004, 13:40
Wie ist das, Abi zu haben ?
shangri-la
29.01.2004, 13:55
Auch nicht viel anders. Man sieht es nicht.
Knappe Wamba
29.01.2004, 14:09
Viel anders als was ?
Danke Knappe daß du diese Frage gestellt hast Wie ist es Abitur zu haben
Ist man dadurch ein besserer Mensch?
Wirkt man positiver auf die Umwelt?
Ist man sicher davor nicht in eine Talkshow eingeladen zu werden, oder wird man eben deshalb in eben solche eingeladen?
Heiratet man früher ohne Abitur?
Wird man früher geschieden mit Abitur?
Wie wirkt sich das Abitur auf das Erbgut aus?
Labert man mehr dummes Zeug?
Knappe Wamba
29.01.2004, 16:58
Letztens folgenden Riesenaufkleber auf einer Heckscheibe (irgendein alter Toyota) gesehen : Kein Abi 1998.
shangri-la
29.01.2004, 17:17
Das steht doch völlig außer Frage.
Obwohl, ich hab nur Gesamtschulabitur, das ist ja kein richtiges Abitur, ich darf also nicht mitreden.
Knappe Wamba
29.01.2004, 18:21
Für Manche ein Grund Sie zu verachten.
HAHAHA, DER KNAPPE TUT DOCH TATSÄCHLICH SO, ALS HABE ER KEIN ABI,HAHAHAHA!!!
Sie haben doch eins, oder? Nicht, dass ich Sie dann weniger schätzen würde. Naja, vielleicht ein bisschen.
Die Pappkameraden glauben bestimmt, wir hätten alle kein Abi. Dabei haben wir sogar Esther und Abi. Höhöhöhöhöhö... :D
Johnny Harms
30.01.2004, 07:06
http://eng.bmvg.de/pic/geschichte/strauss_gr.jpg
Haben Sie überhaupt Abitur?..
Wenn Sie sagen, Sie haben Abitur, zeigen Sie's vor
Als die 60er noch die 60er waren...
Johnny
PetziPellePingo
30.01.2004, 16:03
Komplexe?
Schmierfink
30.01.2004, 17:28
(Mit der Bitte das "Augenzwinkern" mitzulesen:)
Gentlemen, ich muss Sie doch sehr bitten strangfremde Diskussionen zum Thema "Hamses oder Hamses nich" zu unterlassen und sich des Besitzes oder Nicht-Besitzes der allgemeinen Hochschulreife im entsprechenden Ambiente zu outen.
Thanxalot
Schmierfink
30.01.2004, 17:42
Man könnte ja z. B. einen Strang anlegen mit dem Titel "Hirngewichse".
Johnny Harms
31.01.2004, 03:36
Fügen wir doch dem Profil folgende (zwingende) Abfrage ein:
- ich habe Abitur
- ich habe Abitur und bin stolz darauf
- ich habe kein Abitur und bin stolz darauf
- ich habe Abitur aber mache keinen Gebrauch davon
- ich kann nicht lesen
- ich habe in Geschichte maturiert
Johnny
Johnny, so ein Bild möchte ich nicht mehr sehen - nicht samstags vor dem Frühstück. Das hemmt die Nahrungsaufnahme und sorgt für ein ungutes Gefühl.
Und Einige sollen froh sein, dass sie überhaupt ein Profil haben, da ist dann auch egal was drin steht - Ostfriesenabitur, Matruiert in Ikebana oder Jägerlatein. Ansonsten recht profillos, dieser Strang...
[QUOTE]Ursprünglich gepostet von Johnny Harms
[I- ich habe in Geschichte maturiert
Johnny, dieser Satz ist nix für schnelle Leser.
DerCaptain
01.02.2004, 01:49
Johnny, mir fehlt Ich hab einen M.A. und kann damit leben.
Johnny Harms
01.02.2004, 02:41
@
Dottore:Immer noch besser als Zeitunglesen
@Capitano
Es giltet nur von Schule, kein Merkt Alles.
Johnny
Schmierfink
04.02.2004, 19:55
Ich würde noch folgendes hinzufügen:
Ich habe einen qualifizierten Hauptschulabschluß
Ich spreche fließend Esperanto
Ich kann den "Zauberlehrling" gebetsmühlenartig herunterleiern
Klicker-Klacker
04.02.2004, 20:23
Ursprünglich gepostet von Zazie
Freiherr vom Stein-Gymnasium
Lustig, ich bin Schulhausverwalter am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Frankfurt...
Klicker-Klacker
04.02.2004, 20:28
Ursprünglich gepostet von Knappe Wamba
Letztens folgenden Riesenaufkleber auf einer Heckscheibe (irgendein alter Toyota) gesehen : Kein Abi 1998.
Ich werde es machen! Ja! Eines fernen Tages wird am Heckfenster unseres Autos stehen: "HAUPTSCHULE 79". Irgendwann, glaubt es mir.
Klicker-Klacker
04.02.2004, 20:31
Ursprünglich gepostet von Elwood
[QUOTE]Johnny, dieser Satz ist nix für schnelle Leser.
Ich habe zu schnell gelesen...
Klicker-Klacker
04.02.2004, 20:33
Ursprünglich gepostet von Schmierfink
Ich kann den "Zauberlehrling" gebetsmühlenartig herunterleiern
Wird der heute noch auf der Hauptschule durchgenommen? Oder die Glocke? Ich vermute mal nein. Unsereins mußte beides auswendig lernen, was natprlich nicht klappte. Naja, als ich drann kan mit dem Aufsagen, konnte ich den Text noch. Ein Platz weiter und ich wäre in den Allerwertesten gezwickt gewesen... ;-D
Schmierfink
04.02.2004, 20:52
Ja, Klicker-Klacker, der "Zauberlehrling" gehört noch zum üblichen Mittelstufen-Pensum, nicht nur an den Haupschulen. Auch ich bin damit geelendet worden.
Walle, walle machen Strecke...
Schmierfink
04.02.2004, 20:58
Wenn einer - und er schreibt in dieses Forum, sagen wir in diesen Strang, was sollte er dann schreiben? Dann sollte er etwas strangrelevantes schreiben. Was aber sollte er mitnichten schreiben? Er sollte nicht davon erzählen, dass er in der Schule die Mülleimer ausleert oder dass er Abitur hat oder den Sekundarabschluss I.
Nein, vielmehr sollte er berichten, was sich auf dem Weg dorthin begeben hat; wie es damals war, als einem das consilium abeundi angedroht wurde, als die Klasse geschlossen blau machte und die Deutschstunde stattdessen burgermampfenderweise im Mäcces verbrachte.
Ist das denn wirklich zuviel verlangt? Da muss es doch irgendetwas geben, ein Erinnerungsfragment, ein Gedankensplitter, verschüttet unter den Ruinen des vermurksten Lebens.
Bitte, Kinder, lasst mich nicht so hängen.
Du hast vollkommen Recht Schmierfink.
Leider habe ich schon so einiges Pulver verschossen, was Possen rund um die Schule angeht. Zwei sehr lustige Erlebnisse habe ich bereits vor langer Zeit an anderer Stelle erzählt, ich weiß nicht, ob sie dadurch besser würden, wenn ich sie hier nochmal reinschreibe... sag Schmierfink, es ist dein Strang: Soll ich?
Zum Thema gemeinschaftlich Blaumachen fällt mir ein, wir, der Lateinkurs, machte dies mal. Latein hatten wir bei T. (einem Lehrer, den ich dreiviertel meines Lebens kenne und mit dem ich immer noch befreundet bin), der auch den Französisch-Leistungskurs machte und so waren viele Leute in beiden Kursen vertreten. In der Schule galt die Regelung, dass ein Lehrer maximal 5 Minuten (oder waren es 10 Minuten?) zu spät kommen durfte; erschien er danach nicht, fiel der Unterricht aus. Also stand man vorm Raum mit der Stoppuhr in der Hand und wartete. T. ließ gerne mal auf sich warten, das kannte man schon, und ab und zu fiel sein Unterricht tatsächlich aus. Meistens jedoch war einige Sekunden vor Ablauf der Toleranzzeit Schlüsselgeklapper und lautstarkes "öhö-öhö" (Übersetzung: "Benson, Benson", T.s bevorzugte Sorte) zu hören und im nächsten Moment bog T. um die Ecke und ließ seine überaus motivierten Schüler in den Raum ein.
An jenem Tag also war schönes Wetter, wir waren noch motivierter als sonst und hatten so richtig Bock auf Latein. Und standen mal wieder vor der Tür und warteten auf T., der sich wieder einmal Zeit ließ. Die Stoppuhr lief. Als sie 4 Minuten 30 Sekunden über die Zeit ankündigte und T. immer noch nicht um die Ecke bog, fragte irgendjemand scheinheilig: "Hat ihn irgendwer heute schon gesehen? Nee, oder? T. ist bestimmt nicht in der Schule - ach, gehen wir einfach." "Ja, gehn wir, au ja, klar." Aber wohin? In der Cafeteria würde T. uns sicher als erstes suchen. Also raus aus dem Schulgebäude, hinters Haus auf die Mauer gesetzt und dort die Latein-Doppelstunde abgehangen.
Natürlich war T. noch gekommen und hatte seinen Lateinkurs nicht vorgefunden. Weder vor der Tür noch in der Cafe noch sonstwo. Und natürlich bekamen wir eine Stunde Nachsitzen aufgebrummt.
Gut, spektakulär war das jetzt nicht, aber wenigstens was zum Thema. Ich werde mein Hirn noch ein bisschen bemühen, schließlich sollte es mir Schultraumatisierten nicht schwer fallen, noch die eine oder andere Posse rauszukramen.
The Hoople
04.02.2004, 21:56
Sport war ja bekanntlich meine große Leidenschaft. Wenn es irgendwie darum ging, sich davor zu drücken, war ich als erster dabei. Das Problem war nur, unsere Schule wurde 1966 gebaut und 1867 hatte sie die bestausgerüstete Schulsportanlage in Deutschland., mit Schwimmhalle, Sporthalle, einem großen Fußballplatz und einem kleinen Platz für Hochm Weitsprung und Kugelstoßen. Und damit negann das Elend. Sport wurde an der Schule groß geschrieben.
Bis heute machen die da immer in allen Disziplinen einen der ersten drei Plätze bei Jugend trainiert für Olympia. Und die Lehrer sind bis in die Haarspitzen motiviert, das heißt, denen fehlt nur noch die Peitsche.
Einer war besonders hartnäckog und wollte uns das Speerwerfen beibringen. Beibringen hieß, jeder bekam einen Speer und mußte ihn dann werfen, wobei der Lehrer in Deckung ging. Nach ein paar Malen aber hatte aber auch er ein Einsehen, daß es bei manchen wirklich nicht ging. Die schickte er dann auf den anderen Platz zum Kugelstoßen. Da dieser Platz aber vom großen Sportplatz nicht einsichtig war, haben wir mit den Kuglen Boccia gespielt. Das sprach sich unter den Schülern ja rum und wir wurden immer mehr. Bei Boccia braucht aber jeder seinen eigene Kugel. Und irgendwann waren die Jugendkugeln alle und einer brauchte dann eine für Erwachsene. Dies machte aber dann den Lehrer Skeptisch und wir wurden erwischt. Das wars dann. An jenem Tag mußten wir dann einen 3000 Meter Lauf hinlegen - die Speerwerfer aber auch.
Viele Grüße
The Hoople
Schmierfink
04.02.2004, 22:00
Ich erinnere mich an die legendäre Aufführung der "Dreigroschenoper" von der Theater-AG. Der AG-Leiter Berthi B. hatte es vermocht ein riesiges Ensemble dafür auf die Beine zu stellen. Den "Chor der Huren" stellten die gesamten Lehrerinnen der Schule, was allgemeine Heiterkeit auslöste. Auch die dicke Frau K. und die winzige Frau B. konnte man in High-Heels, Fishnet-Stockings und Mini-Skirt bewundern. Das war ganz groß, waren die Damen doch üblicherweise in Sack und Asche gekleidet, man munkelte, weil sie nur dazu die passenden Accessoires besäßen. Unvergessen!
Schmierfink
04.02.2004, 22:15
Ursprünglich gepostet von Klippklappbrote
An meiner Schule gab es einen Lehrer, der es liebte ganz besonders lehrreiche Randnotizen an die Klassenarbeiten zu machen...
"Du bist so dumm, mit dir kann man ja die Straße pflastern."
Sind wir etwa zusammen auf die Schule gegangen? An einen solchen Lehrer kann ich mich auch noch erinnern. Er machte Kommentare der Art:
"Wenn Du so lang wärst, wie Du dumm bist, könntest Du aus der Dachrinne saufen." (Das hat er aber wohl aus Kurt Tucholskys "Rheinsberg" geklaut.)
Als Randnotizen bei den Klassenarbeiten standen Bemerkungen wie: "Nonsens", "Unsinn" und "Woher die Weisheit?".
Dumme Bemerkungen am Rand von Klassenarbeiten, daran kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber an diesen Krümelkacker von Klassenlehrer, der Physik und Chemie unterrichtete. Ich war keine Leuchte in den Fächern, aber wenigstens bestanden sie in jener Zeit aus viel Theorie, die man lernen konnte. Was ich auch tat. Jedoch, diesem Lehrer war es nie genug. Seine Kommentare, nach Krümelkack-Effizient gestaffelt: "ungenau", "zu ungenau", "viel zu ungenau". Meistens stand an meinen Tests an fast jeder beantworteten Frage ersterer Kommentar, was mir trotz aller Lernerei doch immer nur Vieren bescherte.
Später im Studium an der Sprachenschule musste ich mal eine Landeskunde-Klausur in Französisch schreiben. Ich hatte da wohl ein etwas veraltetes Buch zum Lernen verwendet, so waren auch meine Kenntnisse nicht mehr so ganz auf dem neuesten Stand. Ich hatte also gelernt wie bescheuert, konnte auch alles beantworten, Note: 4-, Anmerkung: "Auf welchem Planeten leben Sie denn?" Dieser Dozent hatte überhaupt eine wahnsinnig motivierende Art. Manchmal sammelte er unsere Hausübersetzungen ins Französische ein und versah sie einfach nur mit einem nach unten zeigenden Pfeil.
Ich hatte mal einen Englischlehrer (mittlerweile längst pensioniert und Stammgast in einer der Kneipen um die Ecken hier), der war immer für neue Überraschungen gut. Besonders bei Klassenarbeiten.
Gut ausgerüstet mit allerhand Utensilien, die dafür sorgen sollten, dass mein Hirn nicht soviel Informationen tragen musste, sass ich gebannt an meinem Tisch. Wir hatten in der Sekundarstufe 2 so kleine Einzeltische, die man nach belieben anordnen konnte, die aber schon recht alt und in die Jahre gekommen waren. Auch enthielten sie wahre Kunstwerke an Schnitzereien, Malereien und Eingebungen derjenigen, die schon einmal das Schicksal ereilte, an diesem Tisch sitzen zu dürfen.
In einem (so dachte ich) unbemerkten Augenblick fummelte ich dann eine der Utensilien hervor, welche für mich augenscheinlich verwertbare Informationen enthielt, da hörte ich einen schrillen Pfiff und schrak auf.
Ich blickte sodann ins Gesicht meines Lehrers, welcher eine Trillerpfeife zwischen den Lippen hatte und mir einen postkartengroßen, gelben Karton entgegenhielt. Das war eine Verwarnung in Form einer gelben Karte. "Beim nächsten Versuch sehen Sie rot!" ließ er verlauten. Und eine "Rote Karte" bedeutete: Heft zu - abgeben!
In einem anderen Fall spürte ich schoneinmal, wie sich aus dem Nichts vor meinen Augen ein Taschenmesser in die Tischplatte bohrte und steckenblieb. Wieder der Blick ins erzürnte Gesicht des Lehrers: "Letzte Verwarnung, weil: ein zweites Messer hab ich nicht...!"
So war er, unser Nikolaus (so sein Vorname) - immer für eine Überraschung gut.
Hinzu kommt, dass er bei mir in der Nachbarschaft, im Hause eines meiner besten Freunde wohnte, dessen Eltern schon damals die Kneipe führten, in der er heute immer noch Dauergast ist und dass er alleinstehend war.
Eines Tages bruzzelte er wohl zuhause sein Abendmahl und liess das Essen hoffnungslos anbrennen. Verärgert über das, nahm er den ganzen Topf mit Inhalt und warf ihn in den Müllcontainer vor dem Haus. Am nächsten morgen fischte ihn die Mutter meines Kumpels dort wieder heraus, reinigte ihn und brachte ihn abends mit den Worten zurück: "Ich glaube, sie haben da versehentlich etwas weggeworfen." Ich erinnere mich noch, dass das dann Tagesgespräch in der Kneipe gewesen ist und sich dank mir dann bis in den Unterricht herumgesprochen hat. Seither grinste er mich bei jeder Gelegenheit so verschmitzt an...
Seine Sprüche vergesse ich so schnell nicht - bei anderen Lehrern kann ich mich heute kaum noch an deren Namen erinnern..
An einem verregneten Tag, es musste wohl schon die 10. Stunde gewesen sein, kam ich zu spät zum Unterricht und fuchtelte, das Klassenzimmer betretend, wild mit dem platschnassen Regenschirm umher. Die Blicke auf mich ziehend und den Unterricht sichtlich störend grinste Nikolaus und sprach: "Legen Sie den Schirm nicht weg - Sie werden ihn nämlich gleich noch bitter nötig brauchen, wenn ich Sie mit selbigem hier im 3. Stock aus dem Fenster werfe!"
Soviel zum Thema Englischunterricht in meinem bewegten Schulleben.
Schmierfink
05.02.2004, 10:05
Neben den üblichen Zweier-Bänken hatten auch wir diese Einzeltische. Sie trugen die Bezeichnung "Katzenbäncken". Die größten Übelmänner saßen als Ausgestoßene am Katzentisch der Klassengemeinschaft.
Mein Musiklehrer in der Mittelstufe hatte zwei Themen, die er jedes Jahr auf's Neue mit uns durchkaute. Das eine war "Die Moldau" und das andere die "West Side Story". Die "West Side Story" haben wir totgehört. Wenn ich noch einmal "I like to be in America" hören muss, dann muss ich entweder brechen oder steinhäusermäßig abgehen.
Das mit der gelben Karte hat ein Dozent auch mal gemacht. Es war in einer Klausur, die der gesamte Jahrgang zu schreiben hatte, der Saal war gut besucht, dennoch entging ihm nichts. Schnurstracks lief er auf den Schummler zu, zückte eine gelbe Karteikarte und hielt sie ihm unter die Nase, zur Erheiterung aller anwesenden Prüflinge.
Ich war an der Schule als die Spickerqueen bekannt, denn ich spickte viel, vor allem in Biologie, Physik, Politischer Weltkunde und noch so einigen Paukfächern mehr. Erwischt worden bin ich nie. In die Hülle der Normalparabel passten prima große Spicker. Ich hatte Papier aus Frankreich mit Linien in 1 mm Abstand zueinander, von denen war jede mit einem spitzen Bleistift beschrieben. Auch aufs Lineal konnte man gut Spicker kleben. Normalparabel oder Lineal lagen dann unschuldig im Schlampertäschchen, in das ich dann immer mal einen Blick wagte. Auch unter meine Clogs klebte ich Spicker, die ich extra noch mit Transparentfolie versah, damit sie nicht einsauten. So ausgerüstet setzte ich mich in die letzte Reihe des Physikraums, was de Lehrer wohlwollend bemerkte. Dann beim Schreiben mal kurz mit einem Fuß den Clog umgedreht und diskrete Blicke gen Boden geworfen.
Schmierfink
05.02.2004, 12:44
Auch bei uns wurden die Bänke gerne dazu verwendet sich zu verkünsteln. Schnitzereien, Edding-Ornamente, Sinnsprüche zierten die Tische: "Hier verkam ein Genie", "I'm a fucking genius", "77 Punkrock rules" etc.
Bei uns waren auch diese Schlampermäppchen aus Leder sehr beliebt. Bekam man ein neues Mäppchen, blieb es nicht lange im jungfräulichen Zustand. Es wurde durch die Klasse gereicht, jeder sollte seinen Namen draufsetzen. Ein Klassenkamerad von mir lies auf seinem nagelneuen Mäppchen zuerst seinen besten Freund unterschreiben. Die Worte "Ficken Bumsen" zierten nun das Mäppchen. Dem Kameraden war das natürlich peinlich, weshalb er die Buchstaben abänderte in "Aioken Bomsem". Gefragt, was das denn bedeute, antwortete er, "Aioken Bomsem" sei eine finnische Punkrock-Band.
Kreative Zensur, nicht schlecht! Solches Vokabular in den 70ern? No way. Das wäre bei uns noch hochordinär gewesen. Ich habe mich allerdings eine Zeitlang gewundert, warum im Chemieraum auf dem Tisch "Nutella" mehrmals mit zwei "T" geschrieben worden war. ;)
Beliebt waren auch fortgesetzte Grafitti wie "Smokie" - (in anderer Schrift) : "Mir wird schlecht, wenn ich die nur höre" o.ä.
zu oben: Der "Zauberlehrling" ist heute noch in der Grundschule bzw. Unterstufe anzutreffen. Die "Glocke" soweit ich weiß seit ca. 25 Jahren nicht mehr. Schiller ist eh out (Moraltrompeter von Säckingen und so...)
Klicker-Klacker
08.02.2004, 00:56
Hm...
Kollektives Schwänzen des Religionsunterrichstes, da sich der Pfarrer sich uns gegenüber wie ein A*** verhielt. Das ging bis zum Obersten Direktor (Die Schule auf der ich ging hatte alles, was es gab: Internat, Kindergarten, Sonderschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Berufsschule. Deswegen war es schon was besonderes, wenn der oberste Direktor eingeschaltet wurde) und am Ende wurden wir von Reli befreit und bekamen die Noten vom letzten Zeugnis...
Kochen war auch sehr beliebt... Da passierten so nette Sachen wie Pizzateig ohne Hefe... Es wurde mal Gugglhupf gebacken, mit dem man Fußball spielen konnte, zumindesten konnte man 10 mal dagegen treten ohne das er auseinanderfiel...
Einem Lehrer haben wir mal dessen Ente so zwischen zwei Bäume getragen daß er nicht raus fahren konnte...
Rauchen auf den Schülertoiletten... Zum Glück waren die Fenster so groß, das man durch diese abhauen konnte, wenn zur ein Lehrer rein kam...
Ein dummes Gesicht machte die Sportlehrerin "Fischauge", als sie bei einer Kontrolle der Mädchentoiletten ca. 7 Jungs raus spazieren sah...
Leider hatten wir aber auch noch so alte Pauker, die noch ordentlich Ohrfeigen verteilten... Oder einen Sportlehrer, der mit seinem Schlüsselbund (Schulhausmeisterdiemsion) nach Schülern warf. Wenn er einen guten Tag hatte, warf er "nur" mit Kreide nach uns... Ich hasse diesen Typen immer noch. Er ist ja immer noch Lehrer und die Gefahr ist groß in am 50jährigen Jubiläum der Schule zu sehen...
Unsere Abschlußfeier (Schulabschluß und das letzte Jahr der 70er - letzteres war natürlich ein Scherz) feierten in einem Steinbruch in der näheren Ümgebung. Unser Klassenlehrer war auch da. Als er auf einmal einen Klassenkameraden belaberte, ihm sein Mofa (Herkules M5) auszuleihen, we möchte gerne mal somwas fahren. Auch durch das Argument "da ist noch der Anhänger dran" lies ihn nicht abhalten. Es dauerte sehr lange bis er wieder zurück kam. Unser Klassenkamerad war schon sehr aufgeregt. Er kam mit einer heilen Herkules und dem Anhänger voller Bier zurück... Die Tage werde ich unseren alten Klassenlehrer mal anrufen. Dieses Jahr haben wir ja 25jähriges. Mal sehen was unser Sauhaufen auf die Beine stellt...
Halt, einen habe ich noch. Ich hatte damals gehört, daß man die Tafel mit Schmierseife einschmieren muß, dann schreibt die Kreide nicht an der Tafel. Natürlich mußte ich das in der nächsten Freistunde ausprobieren, als der Klassenraum offen stand... Unser Klassenlehrer stellte uns dann vor die Entscheidung. Entweder die ganze Klasse leidet darunter oder der Täter stellt sich. Mensch, wie schwer doch diese Schmierseife abzwischen ging...
Ist ja derbe! Sowas gab´s bei uns selten. Da sorgte schon der verdötschte Herrenhut des Deutschlehrers für Heiterkeit, und die Fußballbilder, die jemand an seinen weißen VW Käfer geklebt hatte. :)
Kreidewerfer hatten wir auch, und einen Erdkundelehrer, der wirklich übel ausrasten konne und Schüler vertrimmte. Das wurde immer mit seinem Kriegstrauma (U-Boot) entschuldigt, und es passierte nichts. Es gab auch Schülerdemos, regionalpolitische Anlässe, und das merkwürdig-bedrückende Schulfrei, als das Attentat 1972 in München passiert war...
Bei so manchem Lehrer zeigten sich auch noch die braunen Anzeichen vergangener Zeiten bei manchen Gelegenheiten (die zum Glück aber eher dünn gesät waren).
Einige Lehrer, die ich traf oder/und von denen ich unterrichtet wurde, hätten auch lieber was anderes werden sollen, Bundeswehrausbilder oder so was...
Mein Klassenlehrer aus der Berufsschule war zuvor 15 Jahre lang hauptberuflich als General bei der Bundeswehr tätig. Das hat man dann am Umgangston schon deutlich gespürt (befehlsartig, frauendiskriminierende Witze erzählend usw.) Wie das nur seine Frau ausgehalten haben mag? Doch im Abschlusszeugnis hatten wir bei ihm am Ende der Berufsschule alle eine Note besser drinstehen, als wir eigentlich verdient hatten. Manche sogar eine 2 anstelle einer 4. Nachfragen wollte da verständlicherweise niemand, es waren alle zwar überrascht aber natürlich zufrieden.
Er sagte am letzten Schultag: "Ich werde Ihnen nicht die Zukunft verbauen, dieses Abschlusszeugnis werden Sie sicher noch öfter mal auf ihrem beruflichen Werdegang vorlegen müssen..."
Klicker-Klacker
08.02.2004, 16:26
Wir hatten in unserer KLasse auch die ersten Referendare, geprägt von den 68ern... Leider war der Rest der Klasse so ddof und versuchten die beiden fertig zu machen, was ihnen auch gelang. Diesen Blödmännern hatten wir es zu verdanken, das wir dann in allen Fächern unseren Klassenlehrer hatten...
1979 (nach der Schulentlassung) sah ich die eine Referendarin bei einem Konzert von Franz K., wir tranken Bier und ich baggerte sie an, leider ohne Erfolg... ;)
Oh ja, der Übergang von den älteren "robusten" Pädagogen (ohne Atem zu holen: "Gutenmorgenjungswiesiehtsdennhierausfensteraufwois tdasklassenbuchandreaseinestundearrest!" ) zu den 68-Junglehrern, bei denen es grundsätzlich lauter war und chaotischer zuging. Ich mochte in der Unterstufe die Alten lieber: der Unterricht war besser durchschaubar, die Klassenarbeiten besser vorbereitet und die Notengebung war berechenbarer.
Klicker-Klacker
08.02.2004, 23:11
Spleen, da hast Du recht. Auch wenn die "Alten" die Strafen schneller aussprachen, als man seinen Kaugummi unter den Tisch kleben konnte, war das lernen besser...
Aber diese Erkenntniss hat bei mir etwas gedauert...
Joh, ich habe auch die Alten bevorzugt. Meine allererste Grundschullehrerin war so eine, sehr konsequent, sehr nett und hat auf den Tisch gehauen, wenn nötig. In meinen ersten Schulmonaten habe ich richtig viel gelernt. Dann zogen wir um, ich kam in eine neue Schule und war für die erste Klasse beinah schon überqualifiziert. Man muss sich das so vorstellen, das Hochhausviertel war nagelneu, die Schule, extra dafür gebaut, war nagelneu und die meisten Lehrer waren sozusagen ebenfalls nagelneu. Meine Klassenlehrerin, dieses junge Ding von der Pädagogischen Hochschule (in Berlin DIE Hochburg der typischen 70-er Grundschullehrer) vertrat den Standpunkt "sie sind doch noch so klein, da sollen sie doch noch spielen können." Ja, in den Pausen. Nicht aber im Unterricht, dem tat das gar nicht gut.
In der Grundschule habe ich noch einige solcher laschen Luschen kennen gelernt. Ich denke, hätte ich gleich von Anfang an diese resolute Mathelehrerin gehabt, die ich dann in der 3. Klasse bekam (und die mir die erste 5 meines Lebens verpasste), dann wär's vielleicht ein bisschen besser gelaufen mit mir in dem Fach.
Am Gymnasium war das Alter der Lehrer gemischt. Das waren echte Studierte, keine PH-Absolventen. Den Ruf eines Nazi-Überbleibsels hatte lediglich einer der beiden alten Musiklehrer weg; das Gerücht ging, er würde, wenn keiner da ist, um zuzuhören, Nazilieder auf dem Klavier spielen und dazu singen. Keine Ahnung, ob das stimmte.
Ich kann mich da nur anschließen, bei den Alten habe auch ich am meisten gelernt. Und unglaublich, aber wahr - die sture Auswendig-Paukmethode war die beste... die unregelmäßigen Englischverben sitzen bei mir heute noch wie 'ne 1.
Stimmt, auch das Auswendiglernen ganzer Englischlektionen ("1066", "Caractacus", "Beowulf") brachte mehr als das Rumgelaber und Bob Dylan - Interpretieren bei den 68ern...
Feststehende Redewendung des Deutschlehrers mit dem Hut (zum Klassensprecher) "Schreib einmal auf für eine Stunde Arrest..."
Lieder von Bob Dylan haben wir nie im Englischunterricht besprochen, unsere Lehrer waren da schon ein bisschen moderner. Wir bekamen The Clash "London Calling" und Ralph McTell "Streets of London", Gordon Lightfoot "Early Morning Rain" und Rolling Stones "Mother's Little Helper", das hatte doch was!
Wer von euch kennt auch The Unicorn in the Garden? Und Flight 201 to Madrid?
Schocker
10.02.2004, 12:45
Kenne ich leider nicht, Zazie...aber was das Thema "Lieder im Unterricht" betrifft, haben wir unseren Englischlehrer mal drangekriegt. Der wollte in der 11. Klasse ein paar Lieder übersetzen und hat uns die Auswahl überlassen. Na, und wir hatten einen etwas abgefahrenen Typen in der Klasse, der freundlich und hilfsbereit Frank Zappas "Bobby Brown" vorschlug und sich auch bereiterklärte, den Text für alle zu fotokopieren.
Wahrscheinlich kennt ihr diese Nummer und wißt, was das heißt...der Höhepunkt war erreicht, als einer zwischenrein mit unschuldigem Ton (der vermutlich sogar echt war) fragte: "Herr xxx, was ist denn ein "heinie"?"
Klicker-Klacker
10.02.2004, 20:21
Bei uns war der Musikunterricht recht gut. Wir sollten mal ein Referate über Popgrupppen-/Sängerinen-/Sänger schreiben. Das war eine coole Sache. Oder Das Lied Penny Lane von den Beatles zeichnerisch darstellen. Wir haben in der 7. Klasse ein Lied komponiert. Naja... Wir Schüler haben ein paar Texte zusammen geschustert und dunser Musiklehrer hat e bissi Mucke dazu getan. Jahre später war ich beim Fußball in Darmstadt, als die Big Band meiner Schule einen Auftritt hatte. Sie spielten den "Schuldorf-Blues". Und? Ich traute meine Ohren nicht, haben die doch die ersten 2 zeilen von meinem Text übernommen...
Hahaha Schocker, that's great! Da hat der Lehrer sicher saudumm geguckt bei den ganzen heinies und golden showers :-) Oh God oh God I'm so fantastic, thanks to Freddie, I'm a...
Ich erinnere mich, dass wir im Biologieunterricht das Stück "DER WELTUNTERGANG" von Franz Hohler interpetiert haben. Kennt das überhaupt jemand hier?
In Musik haben wir in der 8. Klasse "Plastic People" von Frank Zappa textlich und musikalisch "untersucht". War wohl etwas früh, aber das hat mich immerhin dazu gebracht, im Alter von zarten 13 Jahren die "Overnite Sensation" der Mothers zu kaufen... ganz zur Freude meiner Eltern. Die Texte hab ich damals noch nicht so richtig verstanden, aber die Musik fand ich "revolutionär" - war sie ja auch. Ab und zu brauch ich das heute immer noch - Verstärker voll aufgedreht und dann: " I am the Slime from your video, oozing along on your living room floor..." oder "She had that Camarillo brillo - flaming out along her head..." das kann ich alles noch auswendig, als ob es gestern gewesen wär'...
Schocker
11.02.2004, 13:01
Den "Weltuntergang" habe ich in den 70ern mal im Radio gehört. Schön, daß du mich daran erinnerst, ich hatte jahrelang nicht mehr daran gedacht. Sehr beeindruckendes Stück. Auch was ich sonst noch von Franz Hohler kenne (er hatte mal eine Kabarettsendung im TV, die "Schubert-Abend" hieß, mit Schubert aber herzlich wenig zu tun hatte), war wirklich gut und individuell.
Auch wenn's vielleicht nicht zum Strangthema paßt - dieser Hohler'sche Weltuntergang ist so gut, daß ich den Text jetzt mal hierhinstelle.
Der Weltuntergang
meine Damen und Herren
wird nach dem, was man heute so weiss
etwa folgendermassen vor sich gehn:
Am Anfang wird auf einer ziemlich kleinen Insel
im südlichen Pazifik
ein Käfer verschwinden
ein unangenehmer und
alle werden sagen
Gott sei Dank ist dieser Käfer endlich weg
dieses widerliche Jucken, das er brachte
und er war immer voller Dreck.
Wenig später werden die Bewohner dieser Insel merken
dass am Morgen früh
wenn die Vögel singen
eine Stimme fehlt
eine hohe, eher schrille
wie das Zirpen einer Grille
die Stimme jenes Vogels, dessen Nahrung, es ist klar
der kleine, dreckige Käfer war.
Wenig später werden die Fischer dieser Insel bemerken
dass in ihren Netzen
eine Sorte fehlt
jene kleine, aber ganz besonders zarte, die -
hier muss ich unterbrechen und erwähnen
dass der Vogel mit der eher schrillen Stimme
die Gewohnheit hat oder gehabt haben wird
in einer langen Schlaufe auf das Meer hinaus zu kehren
und während dieses Fluges seinen Kot zu entleeren
und für die kleine, aber ganz besonders zarte Sorte Fisch war dieser Kot das tägliche Brot.
Wenig später werden die Bewohner des Kontinents
in dessen Nähe die ziemlich kleine Insel im Pazifik liegt bemerken,
dass sich überall
an den Bäumen, auf den Gräsern, an den Klinken ihrer Türen
auf dem Essen, an den Kleidern, auf der Haut und in den Haaren
winzige schwarze Insekten versammeln
die sie niemals gesehen
und sie werden's nicht verstehen
denn sie können ja nicht wissen
dass die kleine, aber ganz besonders zarte Sorte Fisch
die Nahrung eines grössern, gar nicht zarten Fisches war
welcher seinerseits nun einfach eine andre Sorte jagte
einen kleinen, gelben Stichling vom selben Mass
der vor allem diese schwarzen Insekten frass.
Wenig später werden die Bewohner Europas
also wir
merken, dass die Eierpreise steigen
und zwar gewaltig
und die Hühnerfarmbesitzer werden sagen
dass der Mais
aus dem ein Grossteil des Futters für die Hühner besteht
vom Kontinent in dessen Nähe die ziemlich kleine Insel im Pazifik liegt
plötzlich nicht mehr zu kriegen sei
wegen irgendeiner Plage von Insekten
die man mit Giften erfolgreich abgefangen
nur leider sei dabei auch der Mais draufgegangen.
Wenig später
jetzt geht es immer schneller
kommt überhaupt kein Huhn mehr auf den Teller.
Auf der Suche nach Ersatz für den Mais im Hühnerfutter
hat man den Anteil an Fischmehl verdoppelt
doch jeder Fisch hat heutzutage halt
seinen ganz bestimmten Quecksilbergehalt
bis jetzt war er tief genug, um niemand zu verderben
doch nun geht's an ein weltweites Hühnersterben.
Wenig später
werden die Bewohner jener ziemlich kleinen Insel im südlichen Pazifik
erschreckt vom Ufer in die Häuser rennen
weil sie das, was sie gesehen haben, absolut nicht kennen.
Die Flut hat heute
und dazu muss man bemerken
der Himmel war blau und Wind gab es keinen
und der Wellengang war niedrig wie stets bei schönem Wetter
und trotzdem lagen heute nachmittag
die Ufer der Insel unter Wasser
und natürlich wusste niemand
dass am selben Tag auf der ganzen Welt
die Leute von den Ufern in die Häuser rannten
und die Steigung des Meeres beim Namen nannten.
Wenig später
werden die Bewohner jener ziemlich kleinen Insel im südlichen Pazifik
von den Dächern ihrer Häuser in die Fischerboote steigen
um in Richtung jenes Kontinents zu fahren
wo seinerzeit die Sache mit dem Mais passierte.
Doch auch dort ist das Meer schon meterhoch gestiegen
und die Städte an der Küste und die Häfen, die liegen
schon tief unter Wasser
denn die Sache ist die
man musste das gesamte Federvieh
also sechs Milliarden Stück
vergiftet wie es war
verbrennen
und der Kohlenstaub, der davon entstand
gab der Atmosphäre
durch Wärme und Verbrennung schon bis anhin strapaziert
den Rest.
Sie liess das Sonnenlicht wie bisher herein
ABER NICHT MEHR HINAUS
wodurch sich die Luft dermassen erwärmte
dass das Eis an den Polen zu schmelzen begann
die Kälte kam zum Erliegen
und die Meere stiegen.
Wenig später werden die Leute
die mittlerweile in die Berge flohen
hinter den Gipfeln
weit am Horizont
ein seltsam fahles Licht erblicken
und sie wissen nicht, was sie denken sollen
denn man hört dazu ein leises Grollen
und wenn einer der Ältern jetzt vermutet
dass nun der Kampf der Grossen beginnt
um den letzten verbleibenden Raum für ihre Völker
da fragt ein andrer voller Bitterkeit
wie um Himmels willen kam es soweit.
Tja, meine Damen und Herren
das Meer ist gestiegen weil die Luft sich erwärmte
die Luft hat sich erwärmt, weil die Hühner verbrannten
die Hühner verbrannten, weil sie Quecksilber hatten
Quecksilber hatten sie weil Fisch gefüttert wurde
Fisch hat man gefüttert, weil der Mais nicht mehr kam
der Mais kam nicht mehr, weil man Gift benutzte
das Gift musste her, weil die Insekten kamen
die Insekten kamen, weil ein Fisch sie nicht mehr frass
der Fisch frass sie nicht, weil er gefressen wurde
gefressen wurde er, weil ein anderer krepierte
der andere krepierte, weil ein Vogel nicht mehr flog
der Vogel flog nicht mehr, weil ein Käfer verschwand
dieser dreckige Käfer, der am Anfang stand.
Bleibt die Frage
stellen Sie sie unumwunden
warum ist denn dieser Käfer verschwunden?
Das, meine Damen und Herren
ist leider noch nicht richtig geklärt
ich glaube aber fast, er hat sich falsch ernährt.
Statt Gräser zu fressen, frass er Gräser mit Öl
statt Blätter zu fressen, frass er Blätter mit Russ
statt Wasser zu trinken, trank er Wasser mit Schwefel
so treibt man auf die Dauer an sich selber eben Frevel.
Bliebe noch die Frage
ich stell' mich schon drauf ein
wann wird das sein?
Da kratzen sich die Wissenschaftler meistens in den Haaren
sie sagen in zehn. in zwanzig Jahren
in fünfzig vielleicht oder auch erst in hundert
ich selber habe mich anders besonnen
ich bin sicher
der Weltuntergang, meine Damen und Herren
hat
schon
begonnen.
Genau! Man sollte dazu noch unbedingt bemerken, dass der o.a. Text aus dem Jahr 1974 stammt !
Die LP, wo das drauf ist, ist leider schon lange vergriffen und wurde nicht auf CD aufgelegt (Franz Hohler - "Ungemütlicher 2. Teil" CBS 80417, 1974)
Schmierfink
18.02.2004, 20:42
Es ist ja wirklich ganz erfreulich, wie sich der Strang hier entwickelt hat. Meine Verehrung bis zu den Niagarafällen.
Während man es zu Eurer Zeit noch vermocht hat die Lehrer mit Songtexten in peinliche Situationen zu bringen, war bei uns die Lage genau umgekehrt: die Lehrer trieben uns mit anzüglichen Bemerkungen die Schamesröte ins Gesicht: "Yvonne, hast Du was an der Hüfte, oder warum wackelst Du so mit dem Arsch?"
(Talkin' 'bout my g-g-generation, Jahrgang '78)
Meiner oben angegebenen "kleinen Bitte" (s. S. 5) möchte ich eine weitere hinzufügen:
Es kommt (nicht immer) auf die Länge an. Versucht doch Eure Erinnerungen möglichst poiniert zu gestalten. Dadurch werden die Postings lesbarer und amüsanter. Es kommt nicht nur auf den Inhalt sondern auch auf die Sprache an: es muss einfach Spass machen lesend an Euren Erinnerungen teilhaben zu dürfen.
In Vorfreude über weitere Beiträge verbleibe ich
mit freundlichem Gruß
Schmierfink
Schmierfink
18.02.2004, 21:52
Nach einem ziemlich unrühmlichen Abgang (Androhung des Schulausschlußverfahrens) sollte eigentlich kein einziger Gedanke an die Schulzeit mehr in mein Zerebrum dringen. Doch diesen Vorsatz einzuhalten bekommt ja man keine Chance:
Kaum entschließt man sich „von des Gedankens Blässe angekränkelt“ einige Tage des Müßiggangs und der Dolce vita in der Heimat (Pfälzer Exilpatriot) zu verbringen und der nordrhein-westfälischen Metropole, die zum neuen Wirkungskreis geworden ist, den Rücken zu kehren, da begegnet man dem Herrn N. (Deutsch) im Discount-Supermarkt (LIDL), Frau B. (Biologie und Chemie) bei Gemeindeveranstaltungen und trifft den Herrn W. (Musik) im Irish Pub, dem Gerstensaft frönend. Cheers – big ears, Mr. W.
Da bleibt es natürlich nicht aus einige Reminiszenzen zu exhumieren, die im Laufe der Zeit gewissermaßen mit „historischem Edelrost“ (Patina?) überzogen wurden. Man neigt ja im Allgemeinen (und auch im Besonderen) dazu Erinnerungen zu verklären: „Das waren Zeiten!“ Aber wie heißt es doch beim Onkel Hannes (Wader): „Schön war die Jugend, so sorglos und frei, Gott sei Dank ist sie endlich vorbei und sie kommt zum Glück nie mehr zurück...“
Glatt gelogen – Erinnerungen ausgraben! Ich besitze noch immer einen ganzen Ordner von Briefen, die ein beredtes Zeugnis dieser Epoche darstellen (Titel: „Eine Schulzeit in Briefen – Geschichten aus der Mittelstufe“). Diese Briefe wurden teils in gähnend öden Mathestunden verfasst (Da kommt’s raus, Herr K.), in „Erdkäs“ (Scheografie, Tschuldigung, Frau N.), oder wenn man mal wieder für die Dauer einer Viertelstunde des Unterrichts verwiesen wurde.
Immerhin habe ich es dem geschätzten Deutsch-Unterricht Herrn Ns zu verdanken, dass ich eine dialektische Erörterung nicht für eine Diskussion auf Mundart halte und dank Herrn Hs Belehrungen in Geschichte den Sinnspruch „333, bei Issos Keilerei“ internalisiert habe. Ja, auch wir sind damit schon geelendet worden. Kein Blick zurück im Zorn also.
Bei einem Besuch auf der Homepage meiner alten Schule werfe ich einen neugierigen Blick in den „Lehrer-Zoo“ (Bildergalerie). Da musste ich feststellen, dass im Lehrerkollegium diverse Zu- und Abgänge zu verbuchen sind. Dennoch, einige Urgesteine (Fossilien?) sind noch vorhanden: Herr und Frau N. beispielsweise gehören nach wie vor zu den „üblichen Verdächtigen“ oder Herr B., Frau U., Herr K., etc.
„Frau O.“, schreibe ich ins Gästebuch: „Sie haben bei Ihrem Bild doch geschummelt, das ist doch mindestens zehn Jahre alt (ein geschriebenes Augenzwinkern)."
The times they are a changing
Schmierfink
18.02.2004, 21:55
Wir waren in den Freistunden immer im Café König, einem, wie wir damals sagten „gediegenen Etablissement“ oder in der Mittagspause auf ein „verfoinerdes Sippel“ (verfeinertes Süppchen): ungarische Gulaschsuppe mit einem Schuß Sahne. Die Bedienung (Corinne) sagte immer „Café Olé“ statt „au lait“. Warum konnte sie nicht einfach Milchkaffee sagen?
Ein beliebter Treffpunkt für die Mittagspause war ausserdem das Kriegerdenkmal. Schräg gegenüber befand sich der Döner und das San Marco.
Ausserdem war es nicht weit bis zum „Minimal“. Mir klingt immer noch der Jingle in den Ohren (oder ist das doch eher Tinitus?): „Bei Minimal, da ist die Auswahl riesengroß, alles frisch und alles fein, Minimal, schau mal rein!“ Oder: „Der Minimal ist wie ein Weihnachtsmann, der alles hat und alles kann.“
Schmierfink
18.02.2004, 22:00
Thema: Entschuldigungsschreiben:
Im Laufe meiner 16-jährigen Schulkarriere (sorry, zweiter Bildungsweg wg. Schulausschluss) habe ich einige Entschuldigungsschreiben verfasst. Hier ein Beispiel:
Lieber Herr W.,
weil vergessen wurde im Fenster ein Licht anzuzünden, habe ich den Weg zur Schule leider nicht gefunden. Ich bitte mein Versäumnis zu entschuldigen.
Mit freundlichem Gruß
Der Brief war vollkommen korrekt verfasst, nach DIN 5008. Er wurde dennoch nicht akzeptiert. Vielleicht hätte ich den Brief auf Englisch verfassen sollen, denn der schwule Willi (wie wir sagten) war mein Englisch-Lehrer:
Dear Mr. W.,
it was impossible for me to participate the last lesson. I had too much booze during the lunch break. I was too pissed to go straight ahead.
Forever Yours
Ich erinnere mich daran, dass er in der Mittagspause immer WHEATABIX gegessen hat. Wohl verrückt geworden! Seine beliebte Anrede für mich war „His Highness“. So ist’s recht!
Da ich hier gerade in Erinnerungen schwelge: in der zehnten Klasse hatte ich Englisch beim Herrn W. Der war freitags in der Dritten schon so demoralisiert, dass ihm alles zuviel wurde. Da hat er seine Klampfe rausgeholt und wir sangen: "Gimme dope, Joanna, gimme dope, Joanna, till the morning comes."
Das hat uns sehr amüsiert, dachten wir doch dabei an Johanna H., Lehrerin und Drogenberaterin an unserer Schule.
Lange ist’s her.
Klingeltonkomponist
19.02.2004, 12:18
1 Spiegel, rechteckig, über dem Waschbecken
1 Waschbecken, rechteckig, tief, mit schwenkbarem, doppelt geknicktem Wasserhahn
1 Halter für Papier-Trockentücher, Metall, beige
1 Papierkorb, grau, rund, mit sich nach oben erweiternder Öffnung. Inhalt: 200 Liter
2 Schwämme, feinporig, dunkelbraune Kunstfaser
1 Tafellappen, grob, mit roten Fäden durchzogen
1 Klappschiebetafel auf Pylonen, mit Kreideablage und gesonderten Schwammhalter
1 Lineal 1m, Dezimeter-Teilung
1 Dreieck, gleichschenklig, Dezimeter-Teilung
1 Winkelmesser, halbrund
1 Zirkel, mit einer Spannvorrichtung für Kreide
1 Haltevorrichtung für Lineal, Dreieck, Winkel und Zirkel
15-20 Tische, Hersteller Vereinigte Schulmöbelfabriken Tauberbischofsheim
20-40 Stühle, derselbe Hersteller, niedrig mit grünem Punkt, hoch mit blauem Punkt an der Seitenfläche
1 Lehrerstuhl, vernickeltes Stahlrohr, schwarze Kunstledersitzfläche, schaumstoffgedämpft
1 Lehrerpult, abschließbar, mit zwei Seitenfächern, leer
Die Schwämme können geworfen werden, insbesondere, wenn sie naß sind. Lineal, Dreieck und Winkelmesser werden nicht gestohlen, weil sich niemand vorstellen kann, damit etwas anzufangen. Ein Diebstahl wäre damit reine Subversion. In den niedrigen Klassen gibt es einen solchen Widerstand noch nicht, in den höheren Klassen wäre es peinlich, diese Subversion gerade auszuprobieren an Lehrmitteln der Geometrie, mit denen kurz zuvor der Strahlensatz bewiesen wurde. Der Wasserhahn ist so ausgeführt, daß es unmöglich ist, den Kopf und Mund darunter zu halten. Ebenso kann der Papierkorb nicht gefüllt werden, es sei denn, daß jemand ein Stück Schlauch mitbringt. Der Spiegel wird von den Mädchen nicht benutzt, sie gehen lieber auf das Mädchenklo. Die Tische haben noch eine kleine Ablagefläche unter der Tischplatte. Früher einmal diente sie wohl einmal dazu, Dinge wie etwa einen Atlas, eine Zirkelkasten oder ein Federmäppchen über die Stunde hinaus zu verwahren, jetzt aber führen sie zu Beschwerden der Putzfrauen, die angebissene Lebensmittel, Butterbrotpapier, Süßigkeitenverpackungen und natürlich Schale und Handschuhe dort finden. Die neuen Tische sind ohne Ablage. An der Seitenfläche steckt ein dreieckiger Taschenhalter aus Metallrohr. Auch dieses Dreieck ist bei neueren Modellen nicht mehr zu finden, da sich die neuen Formen der Schultaschen jeder standardisierten Halterung entzogen, etwa Plastikkoffer oder langgezogene Kunstledertaschen mit Reißverschlußfächern. Die Stühle, Gleitkufenstühle aus Buchenholz, sind als Auslaufmodelle noch immer im Programm, auf Messen und Ausstellungen werden allerdings nur noch die neuen Modelle gezeigt, etwa stapelbare Freischwinger, deren Sitzfläche, so die Herstellerwerbung, die Wirbelsäule zu einer dynamischen Balance anregt. Mit den klassischen Stühlen stellte man die dynamische Balance durch ein Kippen nach hinten her, wobei es in Grenzfällen möglich war, mit ruhiger und zenartiger Konzentration sich ohne jeden Halt in der Balance zu halten, mindestens zwei Sekunden lang. Die fehlende Stapelbarkeit ist ein Vorteil, Barrikaden zu bauen. Soweit dieser Barrikadenbau durch Lehrstoff angeregt wurde, waren das: a) Der amerikanische Bürgerkrieg (Englisch), b) Der Sturm auf Troja (Latein) und c) verschiedene Streitigkeiten der Stauferzeit (Geschichte). Dem Spiegel ist es gleichgültig, nie benutzt zu werden.
Ich hab doch tatsächlich ein Foto von meiner alten Schule gefunden, auf dem ein Oberstufenklassenraum abgebildet ist, wie er zu "meinen Zeiten" ausgesehen hat, sogar das Mobiliar ist dasselbe - und zwar:
http://www.wiesbaden-online.com/EHS/KLASR.JPG
Entweder hat sich in knapp 20 Jahren nix verändert, oder es ist ein Foto von damals.....
Das sah ja schon richtg modern aus bei euch. Unsere Möbel sahen so aus, wie von Klingeltonkomponist beschrieben, mit diesen Kufenfüßen an Tischen und Stühlen und farbigen Punkten an der Stuhlseite, die die Größe angaben. Neben grünen und blauen Punkten gab es auch noch rote und gelbe Punkte für die Kleinen und ganz Kleinen. Ich hätte in meinem ersten Schuljahr eigentlich einen gelben Stuhl gebraucht (für die Vorschüler), während es manche Klassenkameraden gab, denen schon der (nächstgrößere) rote Punkt zu klein war. Solide gebaut waren die Stühle schon, denn sie mussten ganze Generationen kippelnder Schüler aushalten. Beim Kippeln lehnte man sich entweder an den Tisch hinter sich - sofern es die an jenem Tisch sitzenden Mitschüler erlaubten - oder an die Wand. Ab und zu gab's im Unterricht einen gehörigen Rums, dann war mal wieder jemand mitsamt kippelndem Stuhl umgefallen - was je nach Lehrer auch schon mal Nachsitzen mit sich zog nebst Aufsatz zum Thema "Warum Kippeln gefährlich ist".
Bei Schulschluss musste man die Stühle immer mit der Unterseite der Sitzfläche auf die Tische stellen, damit die Putzen darunter wischen konnten. Wie das allerdings mit den von Klingeltonkomponist beschriebenen modernen Freischwingern vor sich gehen soll, weiß ich auch nicht; vielleicht muss man die verkehrtrum auf den Tisch stellen?
Waschbecken gab's bei uns in den Klassenräumen gar keine. Zum Händewaschen ging man aufs Klo und Kunstunterricht fand in den entsprechenden Räumen statt, wo es dann schon Waschbecken gab. In der Grundschule oftmals auch in den Klassenräumen, was bedeutete, dass das Tuschwasser im Klo nebenan zu holen war und auch die Tuschkästen waren anschließend dort zu reinigen. Was der Hausmeister über alle Maßen hasste, weil es natürlich meistens dabei zu Sauereien kam. Für Tafelschwämme stand immer ein Eimer Wasser da, in den die Schwämme einzutauchen waren. In der Grundschule wurden unter den Schülern alle paar Wochen Ämter verteilt, eines davon hieß "Tafelamt". Der entsprechende Schüler hatte für eine stets saubere Tafel und frisches Tafelwasser (Apollinaris?) zu sorgen, was aber meistens Spaß machte. Nur bunte Kreide, die ließ sich sehr schwer abwischen. Unnötig zu sagen, es flogen sehr oft tropfnasse Schwämme durch die Klasse. Im Gymnasium kann ich mich daran gar nicht mehr erinnern, dort wurde in der Regel trocken gewischt (sehr witzig das Bild, als einmal ein Lehrer einen Tafellappen überm offenen Fenster ausschüttelte... und runterfallen ließ) und die Putzen dürften dann nochmal nass gewischt haben.
Schmierfink
19.02.2004, 14:01
Das was bei Euch "Tafelamt" hieß, wurde bei uns als "Tafeldienst" bezeichnet. Gab es Pflanzen im Klassenzimmer, so hatten die beiden Schüler, die für den Tafeldienst zuständig waren, auch dafür Sorge zu tragen, dass die Pflanzen nicht eingingen. Wer für den wöchentlichen Tafeldienst zuständig war, konnte man dem Klassenbuch entnehmen.
Einmal hatten wir es fertiggebracht einen Tannenbaum im heimischen Wald zu klauen und im Klassenzimmer aufzustellen. Zu dieser Zeit wurde der Tafeldienst um den Baumdienst ergänzt, was bedeutete, dass man den Baum wässern musste und den Stecker der Lichterkette in die Steckdose stecken musste.
Vom Klassenlehrer bekamen wir einen Rüffel, wir seien so gottlos, weil wir den Baum vor dem Totensonntag aufgestellt hatten. Das hatte allerdings lediglich zur Folge, dass er bereits vor dem 2. Advent tüchtig zu nadeln begann.
Ausserdem gab es noch den Pausenhofdienst. Im Turnus musste jede Klasse der Schule einmal im Schuljahr den Hof säubern. Dazu bekam man Eimer und Zangen, die in einem kleinen Kabäuschen aufbewahrt wurden, in dem grundsätzlich der Odeur von Erbrochenem hing. Pfui Teufel! Mir wird schon bei dem Gedanken ganz anders.
Unsere Möbel sahen so aus, wie von Klingeltonkomponist beschrieben, mit diesen Kufenfüßen an Tischen und Stühlen und farbigen Punkten an der Stuhlseite, die die Größe angaben. Neben grünen und blauen Punkten gab es auch noch rote und gelbe Punkte für die Kleinen und ganz Kleinen.
Sowas gabs bei uns nur bis zur 10. Klasse. In der Oberstufe durften wir einen Neubau beziehen, wo nur die Oberstufenschüler untergebracht waren.
Bei Schulschluss musste man die Stühle immer mit der Unterseite der Sitzfläche auf die Tische stellen, damit die Putzen darunter wischen konnten. Wie das allerdings mit den von Klingeltonkomponist beschriebenen modernen Freischwingern vor sich gehen soll, weiß ich auch nicht; vielleicht muss man die verkehrtrum auf den Tisch stellen?
Genau, wie auch bei unseren Stühlen (siehe Bild): Mit der Sitzfläche auf den Tisch gedreht.
So war das, ja ja... lang ist's her.
Schmierfink
12.03.2004, 19:29
Ich erinnere mich noch gut an unser Geografiebuch "Terra". In der Ausgabe für die siebten Klassen war viel über den Regenwald und die Tropen zu lesen.
Im speziellen erinnere ich mich dabei daran, dass die Menschen dort immerzu Maniok gegessen haben, das uns als Wurzel beschrieben wurde, die roh ungenießbar war.
Während der Lektüre des Geo-Buches machten wir auch Bekanntschaft mit einem in den Tropen lebenden Bauern und seiner Familie. Der Bauer hieß "Kofi Boa".
Komisch, welch' unnötigen Erinnerungsbalast man mit sich rumträgt. Man erinnert sich nicht mehr was ein Strahlensatz ist, aber dieser Name ist für immer im Gedächtnis eingraviert.
Echt, solche vergleichsweise interessanten Sachen habt ihr in der 7. gelernt? Wir erfuhren was über den Erztransport in Nordschweden (von Kiruna Gällivare nach Narvik und dann aufs Schiff) und was eine Nehrung mit Haff ist (Holland, glaube ich). Absolut spannend, sag ich dir.
Über Erdkunde habe ich mich ja im Schulstrang schon mal ausgelassen. Meine verschiedenen Erdkundelehrer waren schon der Knaller. Die erste am Gymnasium, Frau C., gibt es immer noch an der Schule. Sie war einerseits recht lustig und nett und verstand auch Scherze (im Schulstrang steht detailliert etwas darüber), verlangte aber andererseits, dass man stets vorbereitet in ihren Unterricht kam, denn da konnte es plötzlich heißen: "So, nehmt alles vom Tisch, wir schreiben einen Test." Den ich meistens verhaute, weil ich mich nie auf so ein dämliches Fach wie Erdkunde vorbereitete.
In der 9. dann bekamen wir Frau S. und bei ihr hatte man den Eindruck, sie stünde permanent unter Drogen, so neben sich wirkte sie immer. Bei ihr ging es um den "Cotton Belt" in den USA; alles Weitere habe ich vergessen, denn bei dieser Frau lernte man absolut nichts in Erdkunde. Sie war es auch, die eines Tages eine schon längst von der Schule abgegangene Klassenkameradin aufrief. Sie führte sie auch noch Monate später mit Note 4 in ihrem Zensurenbuch. Wenigstens konnte ich in ihren Stunden in Ruhe schlafen oder virtuelle Reisen im Atlas unternehmen und bekam auch meine 4.
Dann kam Herr T., ein ausgesprochener Mädchenschwarm und auch noch ein guter Lehrer, der aber leider bald die Schule verließ. Nachfolger wurde gottseidank Herr P., schon ein älterer Herr, aber in Ordnung. Was ich bei den beiden allerdings gelernt haben soll, weiß ich schon lange nicht mehr.
Schmierfink
12.03.2004, 23:18
Liebe Zazie,
ich musste über Ihre Anekdote von der verpeilten Frau S. ja herzhaft lachen. Weiter so!
Das freut mich, wenn es dir gefallen hat. Ich werde mal in meinem Gedächtnis nach anderen schrulligen Lehrertypen kramen. Wie gesagt, ich habe diesbezüglich ja schon viel Pulver in dem anderen Strang verschossen.
Knappe Wamba hat übrigens in einem anderen Strang eine sehr schöne Geschichte über seinen Lehrer geschrieben. Hier ist sie. (http://www.alles-bonanza.net/forum/showthread.php?postid=277272#post277272).
Schule, die Zeit liegt irgendwie im Nebel.
Das wir in der Volksschule noch Sütterlin gelernt haben, bei Frau Mager, die immer weisse Söckchen trug.
Das unsere Musiklehrerin eine andere Lehrerin an der Schule zur Freundin hatte, daran erinnerte ich mich auch, wir nannten die zwei immer " Die milde Bruhns, die schwere Stahmer" in Anlehnung, meine ich mich zu erinnern, an eine Zigarrensorte.
In der Geschichtsstunde tauschte der Lehrer immer lieber Briefmarken mit uns als uns irgend etwas beizubringen.
Dann gab es noch den dynamischen Junglehrer Herrn Weise, der es später bis zum Direx brachte auf der Karriereleiter, der schlug mit einem langen Lineal auf zarte Fingerspitzen. Er bescheinigte mir im Zeugniskopf, das ich nicht in der Lage sei logisch zu denken.
Viel gelernt habe ich wohl nicht auf der Volksschule, später auf der Realschule war´s dann besser. Da hat man uns nicht wie lästige kleine Schaben behandelt.
Aber immerhin erinnere ich mich, daß ich die Geschichte Hamburgs gelernt habe, im Heimatkunde Unterricht. So hiess das. Die Geschichte von der Hamma Burg und wir, die wir in Altona ( einem Stadtteil von Hamburg) wohnten, erfuhren dann auch, Hamburg war zu klein geworden für die Bewohner, also schickte man angeblich einen Blinden los, der sollte so weit von Hamburg weg laufen, und dort wo er vor Erschöpfung liegen blieb, da sollte eine neue Siedlung entstehen. Er stolperte aber schon bald nachdem er losgelaufen war - und enttäuscht riefen die Zuschauer " Al to na" was so viel hiess wie " Viel zu nahe".
Ja, so etwas behält man, aber irgendwelche Formeln oder sonstigen Ballast habe ich vergessen.
Stimmt, wir hatten noch Kopfnoten. Heute wieder äußerst modern! Ich sollte immer "beim Kopfrechnen mehr mitmachen", mein "häuslicher Fleiß" und meine "Führung" waren aber normalerweise gut.
Kopfnoten = Allgemeine Beurteilung? Bei mir stand seit dem 2. Schuljahr drin "beteiligt sich mündlich zu wenig", was sich später zu einem "viel zu wenig" auswuchs. Das glaubt mir immer niemand, der mich kennen lernt. Aber es war so, dass ich zumindest in der Grundschule immer lieber zugehört und mich nur dann gemeldet habe, wenn ich mir wirklich sicher war, was Richtiges zu sagen. Manchmal war ich auch einfach nur zu schüchtern (glaubt mir auch niemand) oder gefrustet, weil ich bei dieser riesigen Schülerzahl immer nie drankam. Nach der Grundschule pennte ich meistens im Unterricht, weil ich die Schule einfach langweilig fand. Oder aber ich konnte nichts dazu sagen, weil ich keine Ahnung hatte (Mathe und sowas).
Dazu fällt mir gerade der Englischunterricht 9. Klasse ein. Den gab zunächst eine reizende alte Dame, die dann aber leider ausfiel und durch eine eigentlich ganz nette und gute junge Lehrerin ersetzt wurde. Nur Menschenkenntnis hatte sie keine: Ich war gut in Englisch. Konnte ich, hatte ich drauf, stellte ich in den Klassenarbeiten auch unter Beweis, nur wie gesagt meldete ich mich nicht viel. Eine Klassenkameradin von mir, R., hatte keine Ahnung von Englisch - aber die Gabe, so zu tun als ob, indem sie ihr Englischbuch auf den Knien hatte, sich zu jeder Frage meldete und beim Antworten charmant lächelte. Dieses charmante, aber falsche Lächeln wickelte so manche Lehrperson ein, so auch Frau K. Mit dem Ergebnis: R., die keine Peilung hatte, bekam eine 2 in Englisch, "weil sie sich ständig meldete"; ich hingegen bekam eine 4.
Ich erfuhr erst dann Genugtuung, als mir Jahre später zugetragen wurde, R. sei 2x durchs Abitur geflogen. Irgendwann war sie mit ihrer pseudocharmanten Tour halt doch nicht mehr durchgekommen.
Hihi, das würde auch gut in den "Freunde und Feinde"-Strang passen. Es konnte viel geblufft werden. Mir war in der Unterstufe z.B. Erdkunde völlig unverständlich, aber ich konnte immer die entsprechende Lehrwerklektion (PTS kennt das Buch) auswendig, das genügte. Englisch war am Anfang oft auch eine Fleiß- und Konzentratiosfrage: man lernte Umformungen wie Bewegungen am Fließband oder Moves im Videospiel.
Diese Buchkucker kenne ich aber auch gut. In der Oberstufe lasen sie Lehrern die "Königs Erläuterungen" vor. Das passte oft nicht so recht, war aber auch nicht falsch, und schon hatten die Lehrer einen guten Eindruck.
Johnny Harms
15.03.2004, 03:27
Glaubt mir, die Lehrer kannten alle Dr Königs Erläuterungen, sie haben es nur nicht gezeigt.
Nur Dr. F versah Arbeit mit Vermerken wie vergl. Dr Königs...Seite xx
Johnny
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