Schocker
01.02.2004, 23:40
In diesem Strang können wir, sofern vorhanden, eigene "Mondegreens" versammeln, also falsch verstandene Songtexte, die aber auch in der mißverstandenen Version einen (häufig witzig-überraschenden) Sinn ergeben. Da gibt es Klassiker wie bei Bob Dylan: "Dead ants are my friends" statt "The answer, my friend..." oder die Gospelnummer "He's got the whole world in his pants" statt "...in his hands". Oder Boney M.'s “How can you sing the Lord’s song in Australia?” statt "...in a strange land".
Der Begriff Mondegreen stammt – wißt’s wahrscheinlich eh - von der Schriftstellerin Sylvia Wright, die ihn 1954 in einem Artikel für "Harper's Magazine" definierte. Anlaß war eine Strophe aus einem schottischen Lied, die sie als Kind so verstanden hatte:
Ye Highlands and Ye Lowlands
Oh where hae you been?
They hae slay the Earl of Murray,
And Lady Mondegreen.
"Wie traurig und poetisch: die arme Lady Mondegreen, die mit ihrem Gatten stirbt", dachte die kleine Sylvia beeindruckt. Erst viel später merkte sie, daß die zwei letzten Zeilen in Wirklichkeit heißen:
They hae slay the Earl of Murray,
And laid him on the green.
Dann schrieb sie den besagten Artikel und gab der Welt ein neues Wort.
----------------
Hier sind drei meiner Fehlleistungen:
I
Rudi Schuricke, "O mia bella Napoli"
Meinen ersten Mondegreen verdanke ich diesem Schlager, den mir meine Eltern vorspielten, als ich ungefähr zehn war.
Mondegreen: "O mia bella Napoli, du starbst am blauen Meer"
Richtiger Text (mit Vorbehalt, weil aus dem Gedächtnis zitiert): "O mia bella Napoli, du Stadt am blauen Meer"
Ich stellte mir unwillkürlich vor, daß der eine Frau besingt, die in Neapel starb. Ich hatte schon damals ab und an meine düsteren Tage (Sylvia Wright ging es vielleicht ähnlich), und für mich klang das Lied gefühlvoll-traurig...irgendwie kam ich auf diesen Todesgedanken, der mir einfach passend vorkam.
II
Hollies, "He's my brother"
Auf die Hollies bin ich Anfang der 70er durch "The air that I breathe" aufmerksam geworden. Kurze Zeit danach hörte ich im Radio "He's my brother", was mir noch besser gefiel. Vielleicht das erste englische Lied mit einem "anspruchsvollen" Text, das ich gehört habe, und immer noch eins meiner Lieblingsstücke: melodisch und etwas schwermütig.
Mondegreen: "It's a long, long road / From a witch there is no return"
Richtiger Text: "It's a long, long road / From which there is no return"
Ob der Hörfehler daran lag, daß ich bereits als Kind gerne phantastische Erzählungen las...aber die fälschlich gehörte Aussage hat doch auch eine gewisse Logik.
III
Kenny Rogers, "Lucille"
Immer noch eine der lockersten Popnummern, die ich kenne, und einer der Ohrwürmer, die sich nie abnutzen, auch wenn man sie noch so oft hört.
Wahrscheinlich ist dieses Mißverständnis nicht nur mir passiert:
Mondegreen: "You picked the fine time to leave me, Lucille / four hundred children and a crop in the field"
Richtiger Text: "four hungry children and a crop in the field".
Der Begriff Mondegreen stammt – wißt’s wahrscheinlich eh - von der Schriftstellerin Sylvia Wright, die ihn 1954 in einem Artikel für "Harper's Magazine" definierte. Anlaß war eine Strophe aus einem schottischen Lied, die sie als Kind so verstanden hatte:
Ye Highlands and Ye Lowlands
Oh where hae you been?
They hae slay the Earl of Murray,
And Lady Mondegreen.
"Wie traurig und poetisch: die arme Lady Mondegreen, die mit ihrem Gatten stirbt", dachte die kleine Sylvia beeindruckt. Erst viel später merkte sie, daß die zwei letzten Zeilen in Wirklichkeit heißen:
They hae slay the Earl of Murray,
And laid him on the green.
Dann schrieb sie den besagten Artikel und gab der Welt ein neues Wort.
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Hier sind drei meiner Fehlleistungen:
I
Rudi Schuricke, "O mia bella Napoli"
Meinen ersten Mondegreen verdanke ich diesem Schlager, den mir meine Eltern vorspielten, als ich ungefähr zehn war.
Mondegreen: "O mia bella Napoli, du starbst am blauen Meer"
Richtiger Text (mit Vorbehalt, weil aus dem Gedächtnis zitiert): "O mia bella Napoli, du Stadt am blauen Meer"
Ich stellte mir unwillkürlich vor, daß der eine Frau besingt, die in Neapel starb. Ich hatte schon damals ab und an meine düsteren Tage (Sylvia Wright ging es vielleicht ähnlich), und für mich klang das Lied gefühlvoll-traurig...irgendwie kam ich auf diesen Todesgedanken, der mir einfach passend vorkam.
II
Hollies, "He's my brother"
Auf die Hollies bin ich Anfang der 70er durch "The air that I breathe" aufmerksam geworden. Kurze Zeit danach hörte ich im Radio "He's my brother", was mir noch besser gefiel. Vielleicht das erste englische Lied mit einem "anspruchsvollen" Text, das ich gehört habe, und immer noch eins meiner Lieblingsstücke: melodisch und etwas schwermütig.
Mondegreen: "It's a long, long road / From a witch there is no return"
Richtiger Text: "It's a long, long road / From which there is no return"
Ob der Hörfehler daran lag, daß ich bereits als Kind gerne phantastische Erzählungen las...aber die fälschlich gehörte Aussage hat doch auch eine gewisse Logik.
III
Kenny Rogers, "Lucille"
Immer noch eine der lockersten Popnummern, die ich kenne, und einer der Ohrwürmer, die sich nie abnutzen, auch wenn man sie noch so oft hört.
Wahrscheinlich ist dieses Mißverständnis nicht nur mir passiert:
Mondegreen: "You picked the fine time to leave me, Lucille / four hundred children and a crop in the field"
Richtiger Text: "four hungry children and a crop in the field".