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Vollständige Version anzeigen : Meine Hall of Fame-Musiker. Zum heutigen Tode von BARNEY KESSEL


farfel
09.05.2004, 18:30
News at ORF (http://www.orf.at/index.html?url=http%3A//www.orf.at/ticker/146060.html)

Gitarristensolisten, die unplugged oder halbakustisch spielen, sind für mich die absoluten Helden der öffentlichen Auftritte, insbesondere in grösseren Sälen. Dafür gibt es viele Gründe.

Akustisch: der Gitarrenton beginnt bereits abzuklingen in der Millisekunde, in der der Finger oder das pick die Seite verlässt, und selbst verstärkt hat man selten das Gefühl, lautstärkemässig ausreichend durchzudringen.

Emotional und konzentrationsmässig: also linksseitig in Windeseile die richtigen Bünde quetschen und synchron dazu rechtsseitig die passenden Saiten erwischen - da hat man keine Gelegenheit, vor dem Publikum mit ein paar Missgriffen erst einmal warm zu werden, es muss sofort perfekt losgehen.
Ein Pianist in dieser Lage könnte notfalls unter seinen Flügel kriechen, oder wenn er klein ist und es ganz schlimm käme, hineinspringen und jemanden bitten, den Deckel zuzuklappen. Aber die leichte, weitgehend hohle Schachtel 'Gitarre' bietet da keinerlei emotionalen oder physischen Halt. Man könnte sich nicht einmal daraufsetzen.


BARNEY KESSEL, einer aus meiner persönlichen Hall of Fame

betritt den (alten) Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf, erklimmt seinen Barhocker und steigt mit seinem Trio fliegend in Cole Porter's "IT'S ALL RIGHT WITH ME" ein. Als ob das nichts wäre! Damit kriegt er sie alle auf der Stelle warm. Oder mindestens dazu, mit dem Husten, Räuspern und Schnattern aufzuhören.

Welch' einmaliges Glück, dabeizusein!

Aber es gibt doch noch eine Steigerung: zwischendurch eine kurze Runde mit 2 oder 3 Songs für den grossen Virtuosen, und zwar SOLO.
Und das wird eben nicht nur eine virtuose Tour de Force, sondern auch ein gleichermassen zartes wie lyrisches Spiel.
Zu Beginn ein kleines akustisches Problem: nein, kein grausliches feeeedback, mit Barney's GIBSON, ich bitte Sie -! sondern ein passives, aber unüberhörbares Mitklingen der snares bei harten Gitarrenanschlägen.

Dazu Barney mit einem Lächeln:
"See - the drums always want to play with me!"
Sagt's, steigt von seinem Barhocker und geht freundlich hinüber, um es zu richten.
Of course.

Dieser für mein Gefühl etwas merkwürdig aussehende (sorry about that), aber selbst aus der Entfernung liebenswürdige und liebenswerte, von Musikern und Musikliebhabern in aller Welt gleichermassen bewunderte wie hochverehrte Grossmeister der Jazzgitarre residiert auch in ganz anderen Halls of Fame als nur in meiner privaten, z.B. als poll winner in 'Down Beat'; 'Playboy'; 'Metronome-Music U.S.A.' .


*Diskografie und Fotos* (http://www.gould68.freeserve.co.uk/bkesselpage.html)
*Bio und story* (http://members.aol.com/kenbrowgtr/kessel.html)

Man could this guy swing!

Hinweis: Ich befand es für nötig, eine Formulierung im subject des threads nachträglich zu ändern. Dies könnte als leichter Verstoss gegen die Regeln des Forums angesehen werden. Ich habe es mir aber trotzdem erlaubt, nachdem ich gecheckt hatte, dass die Autoren aller darunterstehenden Antworten (1 Stck. von farfel) damit einverstanden waren. Sollte ein Forumsverantwortungsträger wünschen, dies rückgängig zu machen, wäre ich selbstverständlich damit einverstanden. Denn der alte Titel steht ja noch unverändert in der Gesamtübersicht. Wo kämen wir denn da hin -!

farfel
09.05.2004, 22:11
BARNEY KESSEL HAT NE FRAGE

Nur in einem Jazzclub, am besten in N.Y. oder L.A., kann man dem Jazz richtig nahekommen, daran besteht wohl kein Zweifel. Also zog ich vor einigen Jahren in's "Blue Note" in Manhattan, um 3 Sets mit verschiedenen Gitarristen zu hören. Im 3. Set, nach Emily Remler, trat ER, Barney Kessel, mit seinem Trio auf.

Dieser Club ist klein, fein und weltberühmt. Man sitzt nicht weit vom Bandstand , und von dort können die Musiker das Leuchten in den Augen ihrer Zuhörer sehen - WAS für eine Atmosphäre!
ER gab sein Bestes, die meisten Titel kannte ich literally auswendig und genoss ihre Reinkarnation in vollen Zügen.
Vor allem seine unnachahmliche und von seinen Fans so sehr bewunderte Akkord-Zauberei.

Und dann, zwischendurch, in alter Jazz-Tradition, kamen Barney's unvermeidliche persönliche Ankündigungen, wie z.B. diese:

"Ja, und da frage ich doch bei passender Gelegenheit den Club-Manager, wie lange wir denn nun eigentlich hier noch spielen sollen." Darauf sagt der: "Also Jungs, das kommt ganz auf Euch an. Wenn Ihr irgendwann mal alle Eure Akkorde richtig hinkriegt, dann könnt Ihr hier aufhören!"