Lelani
14.02.2006, 12:06
Klassentreffen
Zum ersten Treffen bin ich nicht gefahren. Ich war aus meiner Heimatstadt geflüchtet, damals gleich nach der Lehre. Obwohl meine Heimatstadt eine Großstadt ist hielt mich dort nichts, ich wollte woanders leben, weit weg von der Familie die mich mit Krakenarmen festhielt.
Dann kam die Einladung zum Klassentreffen aber da war niemand den ich so wirklich wiedersehen wollte. Mit meinen Freundinnen aus der Zeit hatte ich immer noch Kontakt und auf die anderen Leute hatte ich keine Lust, schliesslich waren wir erst vor zwei Jahren aus der Schule entlassen worden.
Das nächste Klassentreffen fand ein paar Jahre später statt. Da hatte ich dann Bock hinzugehen.
Also reiste ich in meine Heimatstadt.
Am Abend des Klassentreffens wurden meine Freundin und ich abgeholt, von D. , von dem wir damals schon wußten das er anders war, nämlich schwul. Er war ein beliebtes Mitglied unserer Klasse gewesen und obwohl sein Anderssein so offensichtlich war wurde er nie ausgegrenzt, hatte viele Freunde.
Er holte uns in seinem Mercedes ab. Ich war beeindruckt, Musik von Whitney Houston kam aus den Lautsprechern und wir unterhielten uns über die Schulzeit, klar – die Gegenwart interessierte an dem Abend nicht.
Es war das letzte Mal. daß ich D. sah, ein paar Jahre später war er tot.
Nun, dieses Klassentreffen war der totale Reinfall. In irgendeinem anonymen Hinterzimmer saßen wir an weißgedeckten Tischen und ich fragte mich die ganze Zeit in was für einem schlechten Film ich mitspielte und wer mich dafür engagiert hatte. Wer waren diese fremden Leute mit denen ich nichts mehr gemeinsam hatte?
Ich sah zu das ich da wegkam und hielt mich für die nächsten Jahre von allen Klassentreffen fern.
Dann kam das nächste Treffen, 28 Jahre nach der Schulentlassung. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.
Treffpunkt war unsere alte Schule. Auf dem Parkplatz auf dem wir so manche Ernte geraucht hatten – außerhalb des Schulgeländes.
Dort standen sich an dem Tag Menschen gegenüber die ihre Träume miteinander geteilt hatten und die sich nicht mehr wiedererkannten. Beste Freundinnen von ehemals standen sich mir fragendem Blick gegenüber, schauten das grauhaarige Gegenüber an und konnten es nicht fassen, daß sie auch schon so alt sein sollten.
Jemand hatte den Schlüssel für unseren ehemaligen Klassenraum und so konnten wir noch einmal den Geruch nach Kreide, feuchtem Kreideschwamm und alten Turnschuhen geniessen der wohl jedem Klassenraum zu eigen ist.
Dann ging es zum Feiern in das Haus einer Ehemaligen. Dort erwartete uns auch die Überraschung, denn unsere Klassenlehrerin nahm teil. Sie bemühte sich in den erwachsenen Gesichtern die Kinder von damals wieder zu erkennen und ich muß sagen ich war enttäuscht als sie mich nicht erkannte. Arrogant wie ich bin war ich der festen Überzeugung, daß man mich nie vergisst.
Den größten Auftritt hatte unser Klassencharmeur, er kam spät, war nicht beim Treffpunkt an der Schule sondern zelebrierte seinen Auftritt. Als er klingelte und die Gastgeberin öffnete stand er eine Weile in der Tür, alle Blicke waren auf ihn gerichtet und die Mädels von einst seufzten seinen Namen. Es hatte sich nichts geändert.
Damals, während meiner Schulzeit war ich sehr verliebt in einen Jungen aus der Klasse, Star der Fußballmannschaft, Mädchenschwarm. Ich hatte ihn lange Zeit angeschmachtet und er beachtete mich nicht. 10 Jungen hattten in unserer Klasse die Wahl unter über 20 Mädchen. Das war schwer für die Mädels und ich hatte nicht viel Selbstvertrauen. War klein, nicht so entwickelt wie manch Andere die stolz den straffen Pullover vorführte. Blonde Locken und riesige Babyblaue Augen und Grübchen, mehr konnte ich nicht bieten.
Meine Freundinnen mußten als Kupplerinnen tätig werden und auf ihn einreden bis er mich damals endlich mal zu einer Party einlud. Irgendwann wurde mein Traum war, er beachtete mich und ich verbrachte einen verknutschten Sommer mit ihm.
Nun sah ich ihn wieder, den Helden meiner Teenagerzeit. Bierbäuchig, ungepflegte Haut, nein, er war kein umjubelter Fußballstar geworden sondern arbeitete in einem Büro. Er wohnte immer noch in der Gegend in der er seine Jugend verbracht hatte und seine Kinder waren auf dieselbe Schule gegangen wie er. Spiesser, dachte ich und war froh, daß ich damals abgehauen war.
Wir hatten uns alle viel zu erzählen an dem Nachmittag und es war erstaunlich, daß wir Dank unserer vielen Erinnerungen plötzlich wieder jung waren. Wir lachten über dieselben Dinge, alte Cliquen fanden zusammen. Wir fanden kein Ende. Es war so wunderbar und wir wollten uns in 2 Jahren wiedertreffen.
Haben wir nicht.
Aber ich bin dran, in diesem Jahr soll es klappen.
Wir werden uns treffen.
Werden unsere Bypässe weglachen, trotz künstlicher Hüfte das Tanzbein schwingen, an die denken die schon nicht mehr dabei sein können und für einen Tag wieder 16 sein.
Zum ersten Treffen bin ich nicht gefahren. Ich war aus meiner Heimatstadt geflüchtet, damals gleich nach der Lehre. Obwohl meine Heimatstadt eine Großstadt ist hielt mich dort nichts, ich wollte woanders leben, weit weg von der Familie die mich mit Krakenarmen festhielt.
Dann kam die Einladung zum Klassentreffen aber da war niemand den ich so wirklich wiedersehen wollte. Mit meinen Freundinnen aus der Zeit hatte ich immer noch Kontakt und auf die anderen Leute hatte ich keine Lust, schliesslich waren wir erst vor zwei Jahren aus der Schule entlassen worden.
Das nächste Klassentreffen fand ein paar Jahre später statt. Da hatte ich dann Bock hinzugehen.
Also reiste ich in meine Heimatstadt.
Am Abend des Klassentreffens wurden meine Freundin und ich abgeholt, von D. , von dem wir damals schon wußten das er anders war, nämlich schwul. Er war ein beliebtes Mitglied unserer Klasse gewesen und obwohl sein Anderssein so offensichtlich war wurde er nie ausgegrenzt, hatte viele Freunde.
Er holte uns in seinem Mercedes ab. Ich war beeindruckt, Musik von Whitney Houston kam aus den Lautsprechern und wir unterhielten uns über die Schulzeit, klar – die Gegenwart interessierte an dem Abend nicht.
Es war das letzte Mal. daß ich D. sah, ein paar Jahre später war er tot.
Nun, dieses Klassentreffen war der totale Reinfall. In irgendeinem anonymen Hinterzimmer saßen wir an weißgedeckten Tischen und ich fragte mich die ganze Zeit in was für einem schlechten Film ich mitspielte und wer mich dafür engagiert hatte. Wer waren diese fremden Leute mit denen ich nichts mehr gemeinsam hatte?
Ich sah zu das ich da wegkam und hielt mich für die nächsten Jahre von allen Klassentreffen fern.
Dann kam das nächste Treffen, 28 Jahre nach der Schulentlassung. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.
Treffpunkt war unsere alte Schule. Auf dem Parkplatz auf dem wir so manche Ernte geraucht hatten – außerhalb des Schulgeländes.
Dort standen sich an dem Tag Menschen gegenüber die ihre Träume miteinander geteilt hatten und die sich nicht mehr wiedererkannten. Beste Freundinnen von ehemals standen sich mir fragendem Blick gegenüber, schauten das grauhaarige Gegenüber an und konnten es nicht fassen, daß sie auch schon so alt sein sollten.
Jemand hatte den Schlüssel für unseren ehemaligen Klassenraum und so konnten wir noch einmal den Geruch nach Kreide, feuchtem Kreideschwamm und alten Turnschuhen geniessen der wohl jedem Klassenraum zu eigen ist.
Dann ging es zum Feiern in das Haus einer Ehemaligen. Dort erwartete uns auch die Überraschung, denn unsere Klassenlehrerin nahm teil. Sie bemühte sich in den erwachsenen Gesichtern die Kinder von damals wieder zu erkennen und ich muß sagen ich war enttäuscht als sie mich nicht erkannte. Arrogant wie ich bin war ich der festen Überzeugung, daß man mich nie vergisst.
Den größten Auftritt hatte unser Klassencharmeur, er kam spät, war nicht beim Treffpunkt an der Schule sondern zelebrierte seinen Auftritt. Als er klingelte und die Gastgeberin öffnete stand er eine Weile in der Tür, alle Blicke waren auf ihn gerichtet und die Mädels von einst seufzten seinen Namen. Es hatte sich nichts geändert.
Damals, während meiner Schulzeit war ich sehr verliebt in einen Jungen aus der Klasse, Star der Fußballmannschaft, Mädchenschwarm. Ich hatte ihn lange Zeit angeschmachtet und er beachtete mich nicht. 10 Jungen hattten in unserer Klasse die Wahl unter über 20 Mädchen. Das war schwer für die Mädels und ich hatte nicht viel Selbstvertrauen. War klein, nicht so entwickelt wie manch Andere die stolz den straffen Pullover vorführte. Blonde Locken und riesige Babyblaue Augen und Grübchen, mehr konnte ich nicht bieten.
Meine Freundinnen mußten als Kupplerinnen tätig werden und auf ihn einreden bis er mich damals endlich mal zu einer Party einlud. Irgendwann wurde mein Traum war, er beachtete mich und ich verbrachte einen verknutschten Sommer mit ihm.
Nun sah ich ihn wieder, den Helden meiner Teenagerzeit. Bierbäuchig, ungepflegte Haut, nein, er war kein umjubelter Fußballstar geworden sondern arbeitete in einem Büro. Er wohnte immer noch in der Gegend in der er seine Jugend verbracht hatte und seine Kinder waren auf dieselbe Schule gegangen wie er. Spiesser, dachte ich und war froh, daß ich damals abgehauen war.
Wir hatten uns alle viel zu erzählen an dem Nachmittag und es war erstaunlich, daß wir Dank unserer vielen Erinnerungen plötzlich wieder jung waren. Wir lachten über dieselben Dinge, alte Cliquen fanden zusammen. Wir fanden kein Ende. Es war so wunderbar und wir wollten uns in 2 Jahren wiedertreffen.
Haben wir nicht.
Aber ich bin dran, in diesem Jahr soll es klappen.
Wir werden uns treffen.
Werden unsere Bypässe weglachen, trotz künstlicher Hüfte das Tanzbein schwingen, an die denken die schon nicht mehr dabei sein können und für einen Tag wieder 16 sein.