zambra
30.12.2006, 19:11
Erste pyrotechnische Versuche
War das eine Freude, wenn um die Mitte des Dezembers die ersten Feuerwerkskörper erhältlich waren.
Unsere Freude galt nicht den für die Erwachsenen bestimmten Raketensortimenten, den angeberischen Kanonenschlägen oder den wild umeinander hüpfenden Knallfröschen. Nein, wir erwarteten gespannt die Ankunft der ersten Ladycracker, oder wie sie bei uns in Westfalen hießen: Zisselmännchen.
Bereits Anfang November wurden sämtliche ausgedienten Filzstifte entmint und von allen färbenden Inhalten befreit. Oben, ungefähr einen Zentimeter vom Eingang entfernt, wurde ein Löchlein zum Anzünden des Dochts der geliebten Knallkörper angebracht. Für betuchtere Kinder war im Knallkörperbedarfshandel auch speziell für diesen Zweck entwickeltes Abschussrampenmaterial erhältlich (z. B. Zisselmännchenkanonen Modell „Dicke Berta“), was aber die kindliche Phantasie aus dem Spiel ließ und deswegen „uncool“ war.
„Jovel“ oder „knorke“ war hingegen das vorsylvestrige Probeschießen im Sandkasten. Dort wurden eifrig echte Westernforts aus „High Chapparal“ oder „Bonanza“ errichtet und mit den zu Weihnachten erhaltenen Cowboy- und Indianerfiguren bestückt. Viele der kleinen Kreaturen sollten im paramilitärischen Sandkastenspiel ihr Ende durch „Zisselmännchenabschuss“ finden und wurden zu diesem Zweck an leicht erreichbarer und abfallender Stelle aufgestellt.
Der kindlichen Phantasie kam auch entgegen, dass zwischen den Jahren oft Horror- und Katastrophenmaterial aus der Zeit von neunzehnhundertdreißig bis –fünfzig in der Glotze wiederholt wurde. Hatte man sich mit King Kong oder Godzilla auf ein deftiges Desaster eingestimmt, konnte man in diese Rolle schlüpfen und den kleinen Cowboy- und Indianerstädten (wahlweise auch Kampfverschlägen von Soldaten des WW II) den Garaus machen.
Höhepunkt der pyrotechnischen Spielereien war allerdings der Sylvesterabend. Hatten sich die Erwachsenen erst mal vermittelst Bowle in Partylaune versetzt, während sie Sylvestertröter (ein hartes, nicht wirklich zum Nachbacken empfohlenes Partygebäck in konischer Form) in sich reinstopften und feuchtfröhliche Geschichten zum Besten gaben, wovon wir allerdings kaum etwas verstanden und uns wunderten, warum über bestimmte Witze gelacht wurde, konnten Zigaretten mit Zisselmännchen präpariert werden, um diese den Großen in die Zigarettenbehälter zu schmuggeln und gespannt auf den Moment zu warten, an dem sie angezündet wurden und die Glimmstengel hernach mit in alle Himmelsrichtungen abstehenden Tabakfetzchen in den Mundwinkeln hingen.
Auch selbstgebastelte Tischbomben fanden das Gefallen der Großen. Man nehme: eine übrige abgewickelte Klopapierrolle, Pappkarton und Tesafilm sowie pro Abschuss ein Zisselmännchen. Nachdem drei jeweils in etwas kleinerer Größe als der Grundfläche des Klorollenzylinders vorliegende und mit ausreichendem Montagerand versehene Scheiben aus dem Pappkarton geschnitten wurden, wird einer davon mit Tesafilm an den Boden des zukünftigen Tischfeuerwerks appliziert, während die beiden anderen einmal als Zwischenboden und einmal als Deckel ungeklebt in der Rolle belassen werden. Einen Finger breit unter dem Boden des Knallbonbons muss mit Hilfe eines Dosenstechers oder Korkenziehers ein Loch in der Größe des Zisselmännchendurchmessers angebracht werden (aus funktionstechnischen Gründen zwischen Boden und Zwischenboden). Oberhalb des Zwischenbodens können nunmehr Zigaretten, falsche Zähne, Luftschlangen oder anderes Belustigungsmaterial deponiert werden. Zündet man die Kreation, verteilen sich die Gimmicks unter Ausbreitung eines bestialischen Gestanks im ganzen Zimmer.
Viel Spaß
Euer Pixi
(äh... zambra)
War das eine Freude, wenn um die Mitte des Dezembers die ersten Feuerwerkskörper erhältlich waren.
Unsere Freude galt nicht den für die Erwachsenen bestimmten Raketensortimenten, den angeberischen Kanonenschlägen oder den wild umeinander hüpfenden Knallfröschen. Nein, wir erwarteten gespannt die Ankunft der ersten Ladycracker, oder wie sie bei uns in Westfalen hießen: Zisselmännchen.
Bereits Anfang November wurden sämtliche ausgedienten Filzstifte entmint und von allen färbenden Inhalten befreit. Oben, ungefähr einen Zentimeter vom Eingang entfernt, wurde ein Löchlein zum Anzünden des Dochts der geliebten Knallkörper angebracht. Für betuchtere Kinder war im Knallkörperbedarfshandel auch speziell für diesen Zweck entwickeltes Abschussrampenmaterial erhältlich (z. B. Zisselmännchenkanonen Modell „Dicke Berta“), was aber die kindliche Phantasie aus dem Spiel ließ und deswegen „uncool“ war.
„Jovel“ oder „knorke“ war hingegen das vorsylvestrige Probeschießen im Sandkasten. Dort wurden eifrig echte Westernforts aus „High Chapparal“ oder „Bonanza“ errichtet und mit den zu Weihnachten erhaltenen Cowboy- und Indianerfiguren bestückt. Viele der kleinen Kreaturen sollten im paramilitärischen Sandkastenspiel ihr Ende durch „Zisselmännchenabschuss“ finden und wurden zu diesem Zweck an leicht erreichbarer und abfallender Stelle aufgestellt.
Der kindlichen Phantasie kam auch entgegen, dass zwischen den Jahren oft Horror- und Katastrophenmaterial aus der Zeit von neunzehnhundertdreißig bis –fünfzig in der Glotze wiederholt wurde. Hatte man sich mit King Kong oder Godzilla auf ein deftiges Desaster eingestimmt, konnte man in diese Rolle schlüpfen und den kleinen Cowboy- und Indianerstädten (wahlweise auch Kampfverschlägen von Soldaten des WW II) den Garaus machen.
Höhepunkt der pyrotechnischen Spielereien war allerdings der Sylvesterabend. Hatten sich die Erwachsenen erst mal vermittelst Bowle in Partylaune versetzt, während sie Sylvestertröter (ein hartes, nicht wirklich zum Nachbacken empfohlenes Partygebäck in konischer Form) in sich reinstopften und feuchtfröhliche Geschichten zum Besten gaben, wovon wir allerdings kaum etwas verstanden und uns wunderten, warum über bestimmte Witze gelacht wurde, konnten Zigaretten mit Zisselmännchen präpariert werden, um diese den Großen in die Zigarettenbehälter zu schmuggeln und gespannt auf den Moment zu warten, an dem sie angezündet wurden und die Glimmstengel hernach mit in alle Himmelsrichtungen abstehenden Tabakfetzchen in den Mundwinkeln hingen.
Auch selbstgebastelte Tischbomben fanden das Gefallen der Großen. Man nehme: eine übrige abgewickelte Klopapierrolle, Pappkarton und Tesafilm sowie pro Abschuss ein Zisselmännchen. Nachdem drei jeweils in etwas kleinerer Größe als der Grundfläche des Klorollenzylinders vorliegende und mit ausreichendem Montagerand versehene Scheiben aus dem Pappkarton geschnitten wurden, wird einer davon mit Tesafilm an den Boden des zukünftigen Tischfeuerwerks appliziert, während die beiden anderen einmal als Zwischenboden und einmal als Deckel ungeklebt in der Rolle belassen werden. Einen Finger breit unter dem Boden des Knallbonbons muss mit Hilfe eines Dosenstechers oder Korkenziehers ein Loch in der Größe des Zisselmännchendurchmessers angebracht werden (aus funktionstechnischen Gründen zwischen Boden und Zwischenboden). Oberhalb des Zwischenbodens können nunmehr Zigaretten, falsche Zähne, Luftschlangen oder anderes Belustigungsmaterial deponiert werden. Zündet man die Kreation, verteilen sich die Gimmicks unter Ausbreitung eines bestialischen Gestanks im ganzen Zimmer.
Viel Spaß
Euer Pixi
(äh... zambra)