Vollständige Version anzeigen : Schule
redselig
13.03.2000, 15:29
Als ich 1975 eingeschult wurde, bekamen die Jungen gelbe ABC-Schützen-Schirmmützen, die Mädchen Kopftücher!!! Ist doch heute undenkbar, oder?
Schulranzen im Hochformat waren noch Exoten und wurden nicht gern gesehen, und mit dem Rucksack wäre kein Mensch gekommen.
Und habt ihr auch in Mathe mit diesen roten und blauen Plastikteilen Mengenlehre gelernt? Man hatte da auch so eine schöne orangene Schablone, mit der man außer Schnitt- und Teilmengen auch herrliche Ostereier gestalten konnte.
(Beitrag wurde von redselig am 10.04.2000 um 16:43 Uhr bearbeitet.)
Joerg Puffaldt
14.03.2000, 09:40
Gibt's eigentlich heute noch Uli, den Fehlerteufel ?
Heftumschläge: War das nur eine Macke meines Klassenlehrers oder typisch für die gesamte Epoche? Für jedes Fach war der Hefttyp und die Farbe des Umschlags vorgeschrieben. Mathe kariert mit gelbem Umschlag, Deutsch liniert mit dunkelblauem Einband etc.
Nix da mit Kollegblock und Lose-Blatt-Sammlung.
Zu Beginn jedes Schuljahres sollte man ein Hausaufgabenheftchen kaufen, so eine Art Kalender, in den man für jeden Tag die Hausaufgaben eintragen konnte. Daran konnte ich mich nie gewöhnen (und habe heute auch noch keinen Organizer http://www.alles-bonanza.de/ubb/wink.gif )
Wer während der Stunde was verbockt hatte, durfte wählen zwischen einer Stunde nachsitzen oder ein paar Stockhieben auf den Allerwertesten!
Firmian Maierhofer
14.03.2000, 15:58
Na klar, so ne gelbe Mütze (die Mädels Kopftücher) hatte ich natürlich auch. Mit einem grünen Kreuz der Verkehrwacht drauf. Ich trug es mit Stolz wie eine Uniform. In der 1. Klasse sah ich erstmalig die 'Feuerzangenbowle' und entdeckte dort, daß schon damals die Schüler Mützen trugen (wenn auch andere).
'Uli, den Fehlerteufel' kenne ich auch, und die 'logischen Blöcke' (von Redselig als 'rote und blaue Plastikteile' verunglimpft). Und natürlich die Schablone. Ich fand aber doof, daß es da nur eine einzige eiförmige 'Menge' gab, die meistens zu klein war.
Und in unserem Lesebuch waren die ersten Personen Hans und Suse sowie der Hund Rolf.
Aber Stockhiebe waren bei uns in Hessen wirklich undenkbar! Nachsitzen gab's genausowenig, es gab lediglich 'in der Ecke stehen' für kleinere Vergehen (speziell Schwätzen) und 'Sonderaufgaben' für schwerere Vergehen wie Hausaufgaben vergessen.
Firmian Maierhofer
14.03.2000, 16:09
Bei Mathe-Textaufgaben bestand die Lösung aus drei Teilen. Als erstes mußte man die richtige Frage erraten.
Ein Beispiel: Text: 'Herr Müller kauft drei Tafeln Schokolade und zwei Flaschen Bier. Eine Tafel Schokolade kostet zwei Mark', eine Flasche Bier fünfzig Pfennig.'
Die Lösung:
Ich frage: Wieviel muß Herr Müller bezahlen?
Ich rechne: 3 * 2,00 = 6,00
2 * 0,50 = 1,00
6,00 + 1,00 = 7,00
Ich antworte: Herr Müller muß 7,00 DM bezahlen.
Keine Ahnung, wie das heute so ist....
Firmian Maierhofer
14.03.2000, 16:10
Noch was: In der dt. Grammatik hatte die Endung für jeden Fall eine andere Farbe. Wessen-Fall (Genetiv) war gelb, das hat man auf dem weißen Papier fast nicht gesehen. Wen-Fall war braun, die anderen weiß ich nicht mehr.
Joerg Puffaldt
14.03.2000, 17:53
Super, die Grammatikfarben hatte ich schon vergessen, stimmt aber.
Ich glaube, Akkusativ war blau und Dativ rot. Ein Wahnsinn http://www.alles-bonanza.de/ubb/smile.gif
5. Klasse Englisch, erster Satz:
Hello, I'm Colin.
Familie Scott, Linda & Colin...
Hund und Katz' waren - glaube ich - Toby und Tibby.
Firmian Maierhofer
14.03.2000, 18:03
Ich glaube, ich habe da Unsinn erzählt, der gelbe könnte auch der Dativ gewesen sein (vielleicht hatten wir eine andere Quelle, Joerg...)
Latein 1979: Marcus currit. Lucius currit. Marcus vincit. Lucius dolet. Spes saepe fallit. - Mein Großvater war entsetzt, dass wir nicht mit rosa, rosae anfingen. Ob die Ianua Nova heute noch benutzt wird? Damals war sie, glaube ich, ganz neu.
was sind denn das für komische rote und blaue Kisten gewesen? Wir haben rechnen mit dem Rechenkasten gelernt, verschiedene lange Holzstäbchen, die die Zahlen symbolisierten. Die 1 war ein kleiner weißer Würfel, die 2 war rot, so lang wie 2 Würfel, die 3 grün, die 4 lila etc.
Ich kenne noch ein schönes Gedicht aus meinem Leselernbuch:
Roller Roller Ratatat
Wenn Robert einen Roller hat
dann rollt er durch die ganze Stadt
Roller Roller Ratatat
Harald Leinweber
15.03.2000, 00:51
Guten Tag!
ich hatte Nachhilfe in Latein.
Da habe ich die unregelmässigste lateinische Deklination (oder war es Konjugation?) gelernt:
stehlere
klauo
momopsi
langfingeratus
Beachte die Stamm-Reduplikation!
Irgendwie habe ich dann doch noch das Grosse Latrinum bekommen. Wer weiss, wozu es gut war.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Harald Leinweber
Hanne Soya
15.03.2000, 10:04
Diiie Konjugation gefaellt mir!
Uebrigens gibt es von Jacques Brel ein schoenes Lied, 'Rosa', in dem die Konjugation den Refrain darstellt.
Und, ja, Schule - das Thema musste ja kommen!
So ein Kopftuch habe ich seinerzeit auch erhalten, und in der ersten Zeit wurden wir immer von Schuelerlotsen ueber die grosse Kreuzung vor der Schule gelotst. Passend zu Kopftuch/Muetze erhielten wir auch eine Single von Rudi/Robby (?) und seinen Freunden, sowas wie 'Wenn ich in die Schule geh''. Das Lied machte nochmal auf alle Verkehrsregeln aufmerksam, 'erst links, dann rechts, dann wieder links' usw. Keine schlechte Idee, nur viel zu artig gestaltet - war ich doch laengst in meiner Alice Cooper, Slade und Gary Glitter-Phase...
Und die Heftumschlaege und sonstigen Auflagen in Bezug auf Art und Groesse der Hefte , jaja... (erst im Gymnasium durften wir auf DIN A4 umsteigen). Ich glaube, unser Diktatheft musste rot eingeschlagen sein. Ansonsten durften wir Schueler mit rot nicht viel machen, schon gar nicht schreiben, denn rot waren ja die Korrekturen der Lehrer. Wir durften nur blaue Tinte, aber trotzdem keinen Tintenkiller - mein Lieblingsschreibutensil - benutzen. Hatten wir etwas falschgeschrieben, mussten wir es einklammern. Durchstreichen durfte man wiederum auch nicht. Ordentliche Heftfuehrung war schliesslich das A und O von wasauchimmer.
Unsere Lehrerin war zwar ultrastreng (sie hasste ihren Beruf, war aber als Pianistin nunmal gescheitert - von dem Schlage hatte ich mehrere Lehrer), aber geschlagen hat sie nicht. Hoffe ich jedenfalls, denn es gab Situationen, wo sie mit aufmuepfigen Schuelern vor die Tuer ging, und wer weiss, was sich da abspielte...
Entsprechend hatte ich ziemlichen Bammel vor ihr, was sich an meinem Hausaufgabenheft ablesen liess: In dieses schrieben die Eltern auch Entschuldigungen, die der Klassenlehrerin dann zum Gegenzeichnen unterbreitet wurden. Was ich da viel an ploetzlichen, heftigen Fieberanfaellen hatte! Und meine beste Freundin mauserte sich von der Legasthenikerin zum Rechtschreib-As, nachdem wir diese Lehrerin los waren.
A propos Rechtschreibung: Der erste Satz unserer Fibel war selbstverstaendlich das legendaere 'tut tut tut, ein Auto'.
Ich wurde 1970 eingeschult. Und unser erstes Lesebuch in der Grundschule war knallrot und hieß: 'Fangt fröhlich an!' Die Kinder, die in dem Buch vorkamen, hießen Axel, Uwe, Sabine und Eva. Und der Bär hieß Tapp.
Hier noch ein kleines Zitat aus dem Buch zum Thema Spielen/Freizeitbeschäftigung der Kinder:
'Uwe fährt mit dem Auto.
Axel fährt mit dem Roller.
Sabine fährt mit dem Puppenwagen.
Eva fährt mit dem Puppenwagen.'
Ganz klare Rollenverteilung!!
(Beitrag wurde von heute am 27.03.2000 um 04:19 Uhr bearbeitet.)
Hanne Soya
10.04.2000, 11:37
Unter dem Einfluss dieses wunderbaren Forums fallen mir doch hie und da immer neue (= alte, verdraengte) Unsaeglichkeiten aus meiner Kindheit ein.
Folgendes passt wohl vom Thema am ehesten zu 'Schule', obwohl ich auch geneigt waere, es zu 'Poesiealbum' oder 'Hanni und Nanni' zu packen, so grauslich, wie es war.
Es handelt sich um den 'Maedchenclub', den ich mit ein paar Freundinnen in der ca. dritten Klasse gegruendet habe (d.h., also, meine Idee war das bestimmt nicht!). Der 'Maedchenclub' sollte dem Pfadfindermotto von den guten Taten folgen und hielt sich ca. drei Tage, was immer noch deutlich zu lang war. Nachdem irgendwie die Idee zum Club in Umlauf gebracht wurde (Tag 1), planten wir ein konspiratives Treffen (Tag 2) mit Abenteuer-Komponente: Im Garten einer Freundin wurde ein Zweipersonenzelt aufgebaut, und in das quetschten wir 6-8 Maedchen uns hinein. Dazu eine Tuete der guten Ibu-Chips von ALDI fuer 79 Pfennig. Als erste Tat beschlossen wir, einer gebeutelten Lehrerin zu helfen (daher die Schulthematik). D.h., ob sie gebeutelt war, weiss ich bis heute nicht, aber sie machte stets einen aeusserst zerknirschten Eindruck, war extrem wortkarg und hat im Verlauf des Schuljahres ca. 1-2mal gelaechelt. Der Frau musste geholfen werden, klare Sache. Wir beschlossen also, man koennte ihr mal einen Blumenstrauss schenken. Gesagt, getan: Lehrerin bekam Blumenstrauss in die Hand gedrueckt (Tag 3), reagierte mit einem gequaelten Laecheln und einem 'aber ich hab' doch gar nicht Geburtstag' und dachte wahrscheinlich, 'wollen die mich verarschen oder was?!' Die Jungs in unserer Klasse waren verstaendlicherweise verstoert ueber soviel Schleimertum, und ueber den 'Maedchenclub' hat fortan keine von uns mehr ein Wort verloren. War auch besser so...
Uff, nun bin ich es los (Seufzer der Erleichterung)!
Konstantin Opel
10.04.2000, 17:07
Für die rheinland-pfälzischen ABC-Schützen der frühen Siebziger begann das Lesenlernen mit den Worten
Peter ruft Flocki.
Flocki kommt nicht.
Da kommt Flocki.
Zur Einschulung kam ein Fotograf mit einer Mecki-Puppe, die größer war als die Kinder, die sich mit ihrer Schultüte davorstellten. Der Mecki trug eine Tafel um den Hals, Aufschrift: 'Mein erster Schultag 1974.'
Mein Foto existiert noch: skeptische Augen unter schwarzer Ponyfrisur. Orangefarbenes Hemd, braune Hosen. Gürtelschnalle aus Metall, größer als die Kinderhände. Ranzen aus Kunststoff in Orange; Scout-Zeitalter noch nicht angebrochen. Inhalt: unter anderem eine Kunststoff-Tafel, nur in gewissem Maß biegsam (wurde ausprobiert. Gab Ärger). Schultüte in Rotmetallic, Inhalt: PEZ-Box mit Goofy-Kopf und Blechmodell eines Mercedes 450 SE mit schnurrendem Reibrollen-Antrieb.
Erste Schreibübung: immer wieder 'Tüte' auf der Tafel.
Stärkste Erinnerungen? Bohnerwachs-Geruch und beigefarbenes Linoleum auf dem Boden. Zwei-und-Zwei-Stehen vor dem Schulpavillon. Religions-Lehrerin, der ungestraft die Hand ausrutscht. Sachkunde-Lehrer, der ein tot geborenes Ferkel vom Bauernhof besorgt und im Unterricht seziert. Und Strafarbeit: zehn Seiten 'Wie ich mich im Unterricht verhalte'; ohne Doppelungen. Frontal-Unterricht mit Toilettenverbot außerhalb der Pausen ('undiszipliniert').
Ist das wirklich erst 25 Jahre her?
Frau Antje
10.04.2000, 17:39
Liebe Freunde,
Ich wurde '76 eingeschult. Uli, den Fehlerteufel hatten wir natuerlich auch und auch die Kopftücher und die Rechenspiele. Kennt Ihr noch den Lueck-Kasten? Das waren Plastikvierecke (vorne Zahlen, hinten was farbiges), mit den dazugehoerigen Heften konnte man Rechenaufgaben loesen und entsprechend der Lösungen, die Plastickvierecke anordnen. Wenn man alles richtig gemacht hatte, entstand auf der Rückseite ein buntes Muster. Ich habe immer nur die ersten Aufgaben gelöst, und sobald ich erkennen konnte, welches Muster das gibt, nur noch das Muster ergänzt.
In der ersten Klasse mußten wir in das Brause-Heft (oder so ähnlich) lauter Bögen und Buchstaben in Schönschrift schreiben, das fand ich schrecklich.
Später - in meiner Rüpekphase - war zum Glück mein Vater mein Klassenlehrer. Da ich, immer wenn ein Regelverstoß (zum Beispiel bei regen auf die Wesen gehen) stattfand, mit dabei war, hat er nicht so hart gestraft - der Gerechtigkeit halber die anderen natuerlich auch nicht. Damals wäre ich sooo gern ein Junge gewesen...
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In diesem Sinne grüßt
Frau Antje
redselig
10.04.2000, 18:42
Ach ja, der erste Schulranzen: Orange mit zwei schwarzen Katzenköpfen an den Schnallen, denn die Katzenaugen waren mein sehnlichster Wunsch gewesen. Das Ding war sehr schnell im Eimer, aber wie hat man die Kinder bedauert, die mit den alten braunen Lederranzen der vorigen Generation in die Schule geschickt wurden. Ein gestörtes Verhältnis zum Sportunterricht hatte ich von dem Moment an, als ich wegen des Turnbeutels, den meine Mutter sparsamer- oder kreativerweise aus einem Küchenhandtuch genäht hatte, ausgelacht wurde. Auch mit der Schultüte gab es Ärger. Sie war blaumetallic mit einem seilspringenden Mädchen drauf - soweit in Ordnung, wenn es auch Kinder gab, die mit Filz bezogene Schultüten hatten (aber dafür nachher mehrfach durchfielen *rachsüchtig grinse*). Aber das gelbe Krepppapier oben hatte meine Mutter nicht mit einer Schleife versehen, sondern nur mit Tesa zugeklebt... gab auch so ein Ätschebätsch-Erlebnis. Der Inhalt war dafür weniger enttäuschend, auch ein PEZ natürlich, und am allerschönsten: Sowas wie diese Einkaufszettelhalter mit Papierrolle (wie heißt so ein Gerät eigentlich offiziell), etwa 20 cm breit, auf dem man Bildergeschichten 'am laufenden Band' malen konnte!
quote:[/SIZE]<HR>Peter ruft Flocki.
Flocki kommt nicht.
Da kommt Flocki.[/B][/QUOTE]
Und das Mädchen hieß Ursula und die Katze Muschi (wer lacht hier? http://www.alles-bonanza.de/ubb/wink.gif )
Ich weiß noch genau, wie ich eines Tages munter heimhüpfte und schon am Gartenzaun rief: 'Mama, heute habe ich das Wörtchen 'und' gelernt!'
Übrigens besitze ich diese 'Meine erste Fibel' noch heute! Ein fast quadratisches Format, broschiert und natürlich in...orange!
Schön war's! in vier Jahren wird meine Tochter eingeschult; mal sehen, was dann so abgeht!
redselig
08.05.2000, 02:34
Die Junkfood-Rubrik brachte mich gerade auf den Schwimmunterricht, unter dem ich gelitten habe... und von da ist es nur ein kleiner Schritt bis zu der alten Turnhalle, die zu meiner Zeit noch in Gebrauch war, später aber in eine Mensa samt Aula umgewandelt wurde: Rundbogenfenster, vor deren normalem Fensterglas weiße Netze hingen, um sie vor verirrten Bällen zu schützen, obwohl bereits ein Schild darauf hinwies, dass Ballspiele aus baulichen Gründen verboten seien, abgewetztes Parkett, hohe, graue Flügeltüren und ein finsterer Umkleideraum, an den sich Räumlichkeiten anschlossen, die noch in Frakturschrift folgendermaßen bezeichnet waren: 'Douchen', 'Pissoirs' und 'Aborte' (glaube ich mich wenigstens zu erinnern...)
Der Altbau des Gymnasiums war ähnlich altehrwürdig, was mir immer gefiel, wenngleich ich mal die ausgetretenen Treppen runtergefallen bin. Die Grundschule dagegen dürfte aus den 50er Jahren gestammt haben, jede Menge Glas, die Klassenzimmertüren nicht nur numeriert, sondern auch mit kleinen Fresken unterscheidbar gemacht (ich habe in 'dem Zimmer mit den drei Mäuschen' die Grundlagen zu meiner Bildung gelegt), automatische Jalousien und auf einem der Flure ein mosaikgeschmückter Brunnen.
redselig
08.05.2000, 18:00
Unsere Handarbeitslehrerin hat uns einmal zwei Stunden lang ihre Erlebnisse im und nach dem Zweiten Weltkrieg (sie war irgendwo aus dem Osten geflohen) erzählt. Das war ungefähr so spannend wie die ersten Karl Mays, die ich mit ungefähr acht Jahren in einem Gomadinger Stockbett (s. Urlaub) las und darüber die Zeit vergaß; ich glaube, vor lauter Panik habe ich in diesen zwei Stunden zwei Stofftiere fertiggestellt. Besonders beeindruckend war die Geschichte von dem 'wilden Fleisch', das in einer Schusswunde gewuchert habe und immer wieder weggeätzt worden sei. Ganz Mutige, zu denen ich nicht gehörte, durften dann auch noch diverse Narben und ein wanderndes Metallstück im Leib dieser Lehrerin betasten.
Eine andere Lehrerin, ebenfalls schon älter, hatte noch ein kleines Zeigestöckchen, das sie einem gerne in den Bauch bohrte, wobei sie einen durchbohrend ansah und ihre Fragen stellte. Im Religionsunterricht stellte sie uns in Vierergruppen vor die Klasse und ließ uns die auswendiggelernten Lieder aufsagen, die anderen mussten uns auf die Münder gucken, ob auch keiner mogelte, und durften ggf. ihren Verdacht äußern. Dann musste man noch einmal einzeln sein Wissen unter Beweis stellen. Ich geriet auch einmal bei ihr in den Verdacht, meine Illustration des Untergangs der ägyptischen Truppen im Roten Meer (?) unter dem Einfluss von Hokusais Woge gemalt zu haben, die ich aber damals wirklich noch nicht kannte!
Also ,
wir hatten einen Deutschlehrer, Herr J., der liess uns Balladen auswendig lernen. Wer das besonders gut konnte, bekam ein Honigbonbon ( auf seinem Schoß sitzend ((Anmerkung von frida )), heute wär das wohl nicht mehr möglich, ohne als Päderast geoutet zu werden ( Aber das Ganze geschah ja auch auf einer Nonnenschule ( Frida)).
Da wir im katholischen Emsland aufwuchsen ( als Protestanten( Frida)), hatte diese Sache ja vielleicht auch einen besonderen Reiz.
Schönen Gruß von Krissi und Frida, die bei einem Glas Rotwein zusammen sitzen.
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