Vollständige Version anzeigen : Castaneda in Orange - religiöser Wahn
Dr Dietermronz
24.07.2001, 23:23
Furchtbar, aber wahr, der Bhagwan-Kult eroberte sich die Siebziger. Ich muß bekennen, ich bin ehrlich zu dieser gräßlichen Teestube gelaufen, wo es übrigens recht guten Tee gab (meine Teekenntnis stammt immer noch daher), um den damals (zu Unrecht) nicht unbeliebten Wildkirschtee zu trinken. Natürlich auch, um mich mit den Meditanten herumzustreiten! Was immerhin im Wilde-Rose-Keller dazu führte, daß mich nach längerer Diskussion ein Bhagwan-Freund mit Mala von der Bank schubste, mit den Worten: Willst du wissen, was Aggression ist?
Weniger heldenhaft waren leider meine Begegnungen mit Carlos Castaneda. Dieser vollkommen ungenießbare Krempel war einstens für mich beinahe das Evangelium, mit Èdie Linien der Welt sehenÇ usw. Mein Vater freute sich, daß es in der Pubertät doch irgendwo religiöse Triebe gibt, wenn sie auch in Richtung nicht anerkannter Wundertäter sprießen. Ich will nichts beschönigen, so war es eben.
Und wer hat noch dem religiösen Wahn, anerkannt oder nicht, entweder gefrönt oder tapfer widerstanden? Bitte um Nachricht.
Gerade wollte ich zu Bett gehen, da hab«ich noch diese Nachricht entdeckt:
Natürlich sind mir die Lehren des Don Juan oder die Reise nach Ixtlan bekannt. Am besten ist mir eine Erinnerung aus den siebzigern im gedächtnis haften geblieben, das war beim Open-Air-Festival in kitzingen(Unterfranken): Die 'Sanyassins'(Anhänger von Bhagwhan) verkauften 'Energiebällchen', das waren Kugeln mit Reis, Mandeln, Haferflocken Rosinen etc.
Das ging dann so, daß sie dauernd wie Marktschreier im Mittelalter unterwegs waren 'Energiebällchen, Energiebällchen, Energie...'
Grüße vom Bryan
Klingt ulkig, hab ich aber nicht mitbekommen. Entweder war unsere Stadt zu klein, oder ich noch zu jung dafür. Castaneda hab ich erst in den 80ern kennengelernt, aber da hatte ich schon Star Trek, Elfquest und Dr. Who entdeckt...
Ich hab Carlos Castaneda nie kennengelernt... habe nun die Gelegenheit durch meinen Lebensgefährten, der hat so einige seiner Bücher gelesen.
Dr Dietermronz
26.07.2001, 17:54
Hallo Bryan!
Die Energiebällchen habe ich auch noch gesehen und gehört, aber nicht mehr probiert.
Gehört habe ich auch oft die Redewendung: Ich bin vielleicht bald so weit, Sannyas zu nehmen. (Dies mit lächelnd-heiterem Gesicht. Sannyas nehmen = Bhagwan beitreten.) Dies oft verbunden mit einer Bemerkung des Inhalts, Bhagwan sei wirklich zu allem in der Lage. (Anerkennend gemeint, etwa wenn Bh. einen Katalog mit modischen orangen Anziehsachen herausbrachte, die Models in neckischen Posen.) Ein Sternreporter 'ging nach Poona' und schrieb dann ein Buch 'Ganz entspannt im Hier und Jetzt'. Verpönt dagegen Kopf, verkopft usw. Auch wurde gern vom 'mind' geredet, aber ich weiß nicht mehr, ob 'mind' Verstand (= schlecht) oder 'spirit' (= gut) war. Wer gibt Auskunft?
Freilich wurde nicht immer gelächelt (s.o.), und ihren ökonomischen Verstand wußten die Sannyasins durchaus einzusetzen, indem sie Discos usw. von beachtlicher Größe begründeten.
Das meiner Ansicht nach traurigste Ergebnis derartiger Vereine war, daß viele Leute (incl. ich, obwohl Gegner) mit der Meinung herumliefen, ihr Kopf stehe ihnen im Weg und sie gebrauchten ihn zuviel.
Das ist wohl fast immer ein Irrtum.
Stimmt, hiess der nicht 'Elten'?
Grüße vom Bryan
Andreas Elten hiess der Sternreporter. Der 'Mind' war stets negativ behaftet, wurde als manipuliert betrachtet und war daher nicht vertrauenswuerdig, aber immerhin als nettes Spielzeug geschaetzt. Fand Sanyassins immer erfrischend undogmatisch im Vergleichn zu den Rekrutierungskommandos anderer Gruppen
Als Jungteenie dieser Zeit war ich eher dem 'Flirty Fishing' der Children of God ausgesetzt. Die schickten huebsche Frauen und Maenner in die Staedte und legten es darauf an, junge Menschen in sich verliebt zu machen und sie ueber emotionale Abhaengigkeit der Gemeinschaft zuzufuehren. Hat bei mir zwar nicht funktioniert, aber wir hatten damals echte Muehe zwei Freundinnen zurueck ins echte Leben zu holen bekommen.
Gab es damas nicht in jeder größeren Stadt ein Bhagwan-Café? In Göttingen, der größeren Stadt meiner kindlichen und jugendlichen Umgebung, gab es eines, aber den Namen habe ich vergessen (irgendwas mit einem Baum, meine ich). Eine Disco war irgendwie auch dabei. Da bin ich aber nie gewesen.
Gruß
Paisley
Hi Paisley, die Discos hiessen immer Far Out, die vegetarischen Cafe-Restaurants stets Zorba the Bhudda. Warum das so war/ist und ob es diese gastronomischen Einnahmequellen der Sanyassins in den 70ern schon gab, weiss ich nicht, ich haette als behuetetes Teenie eh nicht hingedurft zu der Zeit. Der olle Bhagwan jedenfalls wird unter dem Namen Osho offenbar weiter veehrt.
Dr Dietermronz
27.07.2001, 13:11
Hallo Paisley,
das war doch in der Angerstraße! (Habe viele Jahre in GÖ verbracht.)
Gruß, Doktor Dieter
Hier in HH haben sie mit ihren Discos erst in den 80ern losgelegt. Im 'Savoy' am Mittelweg war ich damals gern, es war eine echte Alternative zu den dunklen Grotten, in denen man ständig mit den Schuhen in einer Bierlache kleben blieb. Die Bhagwan-Discos waren hell, angenehm gestylt und blitzsauber, fuhren perfekte Tanzmusik auf und zogen ein überwiegend angenehmes Publikum an. Schampus und Cocktails flossen zwar in Strömen, aber es gab trotzdem keine Alkoholleichen, Aggressionen und niveauloses Gebaggere. Für Parties und Atmosphäre hatten die Sannyasins überhaupt immer ein gutes Händchen, vom ganzen Rest mal abgesehen.
In München und Berlin gibt's auch ein Far Out. In Berlin war ich einmal, in München einige wenige Male. Mittlerweile ist das Interieur da drin schon etwas veraltet und es wirkt recht unmodern. Aber in die 80-er haben die Läden gepasst, PeterLu hat sie sehr treffend beschrieben. Außerdem gab es ganz angenehme Musik.
War in den 70-ern nicht auch die Mun-Bewegung groß im Kommen? Die Massenhochzeiten und das alles, kam das zu jener Zeit auf? Kennt ihr jemanden, der Mun in die Klauen gefallen ist? Und Scientology? Die fingen wohl in den 70-ern langsam an und wurden dann in den 80-ern langsam groß, oder? Ich erinnere mich, im Buch Christiane F. sind sie erwähnt, weil Christiane bei denen eine Therapie machte (die natürlich nichts brachte).
Gottseidank, ich kannte und kenne keine Kultopfer und kam selber fast nie in Kontakt damit. Wenn man mal von den Klinkenputzern mit dem Wachtturm absieht :-) Ja genau, wo wir grade dabei sind: 1976 sollte der Weltuntergang stattfinden.
Viele Grüße
Zazie
Rosenkatze
28.07.2001, 04:46
Es gibt noch eine schöne Bhagwan-Disco in Hamburg-Eppendorf mit Namen 'Atisha'. Auch hier findest Du eine schöne, helle und freundliche Atmosphäre, supergute Musik und einen tollen Service. Miesgesichter trauen sich in solche Läden zum Glück nicht hinein! Ach ja, und selbst dann, wenn die nicht besonders große Tanzfläche voll ist, rempelt Dich dort keiner an!!
Ach Rosenkatze, hört sich das schön an. Sollte man mal einen Besuch abstatten.
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Tschüßi Zwicki
Zwicki, am 1.8. abends ist Hamburger Paparazzi-Treffen in der Galerie Tolerance in der Lerchenstrasse, Schanzenviertel (ausnehmend gutes Thai-Restaurant). Näheres in der 'Lounge für die höflichen Paparazzi/Pappentreffen in Hamburg'. Willste nicht mal vorbeischauen? Wird bestimmt nett & lustig.
Oh mein Gott, Herr Lu. Das ist ja der Wahnsinn! Das wäre zu schön. Leider kann ich am 1.8.01 nicht zugegen sein. Gibt es noch einen anderen Termin? Ich schlender mal eben an der Lounge vorbei.
Vielen Dank und mit besten Grüßen verbleibe ich hochachtungsvoll, zwicki
Zwicki, der 25.8 wird als nächster Trmin gehandelt. Zeit und Ort stehen noch nicht fest, aber ich wäre entzückt, Sie zu treffen.
Vielen Dank für den Hinweis auf den Termin, Herr Lu. Ich werde weiterhin die Terminabsprache in der Lounge verfolgen. Das Entzücken ist ganz auf meiner Seite. Einen schönen Abend noch wünscht zwicki
KrautHolg
01.08.2001, 12:37
Ich war 1980 auch mal kurz in Poona, vielleicht drei Wochen lang oder so. Was mich dorthin trieb, waren zwei Gruende. Einmal wollten Bekannte von mir unbedingt dorthin und zum anderen trieb mich die Neugier, denn alle meine Hippie-Freunde redeten kaum von anderen Dingen mehr.
Und wie war's? Im persoenlichen Gespraech zeigte sich Rajneesh Chandra Mohan als hoechst intelligenter Mensch, nur konnte ich seinen Praemissen meist nicht beistimmen.
Die meisten der 5.000 Leute, welche um die Zeit da waren, wuerde ich als 'leicht durchgeknallt' bezeichnen. 'Der 'Mind' war stets negativ behaftet, wurde als manipuliert betrachtet (...)' wie DREA so schoen schrieb. Leider scheint diese Seuche immer noch ihre wildesten Blueten zu treiben.....
Das Essen war ausgezeichnet, der ganze Ashram war sehr stilvoll & schoen gestaltet, die dort produzierte Musik war ebenfalls sehr gut. Einige der Meditationsuebungen, die ich dort (als Skeptiker) mitgemacht habe, waren hoechst effektiv, wenn auch in ihrem Endeffekt voellig unterschiedlich.
Was bei dem einen Gluecksgefuehle & Euphorie verursachte, verursachte bei anderen Nervenzusammenbrueche & Weinkraempfe.
Die Jungs verstanden was von ihrer Arbeit. Kann man vom Rest der Welt ja nicht immer behaupten.....
Insgesammt war es eine interessante Lebenserfahrung, die ich nicht missen moechte. Obwohl ich von meiner Weltanschauung her eher in Richtung Wissenschaft & Materialismus schaue......
@ Zwicki: Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung!
Oh mannomannomann, danke spleen. Ich wusste ja gar nicht, wie mir geschah. Ich trau mich trotzdem nicht im pappen-forum zu schreiben, weil ich so gut wie gar keinen Kontakt zu Promis habe. Ich müsste schon ganz tief graben, dann würden so läppische Geschichten über Jürgen Drews, Witta Pohl und R. Attenborough ans Tageslicht kommen. Aber das sind echt nur winzige Begegnungen.
Viele Grüße, zwicki
@ Kraut: super Geschichte!!!!!!
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...und folget der Flasche.
(Beitrag wurde von Zwicki am 01.08.2001 um 20:26 Uhr bearbeitet.)
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