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Vollständige Version anzeigen : Schule in den 70-ern


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Zazie
19.08.2003, 21:11
Nee, der Fleischsalat bestand aus gestiftelten Schinkenstückchen und Gurkenstückchen in Mayonnaise (oder schreibt man jetzt Majonäse?). Keine Ahnung, was sonst noch drin war; es schmeckte jedenfalls. Bis eben zu jenem einen Brötchen, das mich so krank machte. Danach habe ich das Zeug nie wieder angerührt. Es gibt ihn aber nach wie vor abgepackt im Supermarkt-Kühlregal.

Nachtrag zur Gesamtschul-Terminologie: Eine Klasse war keine Klasse, sondern eine Kerngruppe. Und in dieser wurde man lediglich in Fächern wie Gesellschaftskunde (also Geschichte und Erdkunde), Arbeitslehre, Kunst und Sport unterrichtet. Gegner der Gesamtschule bemängeln oft die fehlende Klassengemeinschaft. Ich fand's nicht schlimm, war schon immer Individualist und außerdem war's doch cool, so viele Mitschüler aus verschiedenen Klassen kennen zu lernen.

Ach, und Erich Kästner ist im Sommer 1974 verstorben. 75 Jahre ist er geworden.

Morddeich Mole
19.08.2003, 23:06
Zu Fleischsalat fällt mir eben ein: Es gab diese Dick&Doof-Folge, wo beide im "Waldorf Astoria" absteigen. Am gleichen Abend (ca. 1978?) holte meine Mutter eine Art Fleischsalat aus dem Kühlschrank, der "Waldorf-Salat" hieß. Mein Mutter sagte: "Ja, dieser Salat kommt aus *diesem* Hotel." Natürlich wusste ich auch als Kind: Nicht *dieser* Salat - aber immerhin. Ich war schwer beeindruckt... ;-)

Das war Offtopic, ich weiß.

Deshalb noch was aus meiner "Erich-Kästner"-Grundschule: Es gab früher - in den geburtenstarken Jahrgängen - sog. "Baracken"! Das waren zus. Klassenräume in einer Art Bungalow-Form. In Spitzenzeiten gab es 3 Stück bei uns, 2 neue "Ferienbungalows" und eine Baracke aus den End-60ern komplett aus weiß-grauem Holz. Die war sehr schön und dazu lag sie am Waldrand. Dort wurde auch viel geschmokt und die Wände außen waren voller Kreuze etc.

EDIT: Blackout - keine Ahnung ob Waldorf mit 2 f und Baracken mit 2 r %)

Spleen
20.08.2003, 19:53
Der Waldorf-Salat ist doch nach Statler und Waldorf aus der Muppet-Show benannt, oder?

pit1962
22.08.2003, 10:54
Tja, bei Androhung drakonischer Strafen auf keinen Fall das Schulgelände verlassen. Wo hätte man denn rauchen sollen? In der Klassse?
Zum Glück gab es hinter unserer Schule eine großzügige Schrebergartenanlage, aus welcher man sich je nach Jahreszeit auch mit Kirschen, Erdbeeren, Äpfeln und Pflaumen versorgen konnte.
Unser bevorzugter Raucherplatz befand sich am Eingang des beschriebenen Gartens, leider war dort auch der Zufahrtsweg zum Lehrerparkplatz, aber man muss sich ja nicht immer erwischen lassen.
Das Raucherzimmer, welches der Oberstufe vorbehalten war, lud eher zum Rauchenabgewöhnen ein (iiihh!!).

Lelani
22.08.2003, 14:26
Bei uns gab´s eine Raucherecke und die war vor dem Chemieraum. Wenn wir zum Musikunterricht gingen kamen wir immer an der Raucherecke vorbei und wir schauten immer nach den Jungen die dort standen. Die fanden wir sehr cool - weil sie rauchten. Wie dumm wir waren.

Wenn man rauchen wollte mußten die Eltern eine Erklärung unterschreiben dass sie es auch erlaubten ( wir wurden erst mit 21 volljährig). Das war so was von stressig. Da rauchte man schon jahrelang und um in der Schule rauchen zu können mußten die Alten einen Wisch unterschreiben. Dabei hatten die Altvorderen doch meistens gar keine Ahnung das der Nachwuchs qualmte.
Also stieg man in der Pause über den Zaun und ging zum nächsten Kiosk, Cola trinken und rauchen.

Morddeich Mole
27.08.2003, 00:51
Kennt denn niemand außer mir diese sog. "Barracken" oder "Pavillions" (so hießen diese am Gymnasium der hedonistischen 80er)?!

Die Dinger waren doch interessant. Man konnte sogar darunter kriechen!
Manchmal war auch Freistunde, weil sich unter einer der Barracken/Pavillions ein Wespennest befand.

Zazie
27.08.2003, 09:40
Ein Pavillon oder eine Baracke auf dem Schulgelände? Nie gesehen. Was war denn das? Aber wie ich bereits erwähnte, das Gymnasium, auf das ich zunächst ging, befand sich in einem alten Fabrikgebäude und sah einem Knast nicht unähnlich. Die Gesamtschule danach war in den 70-ern topmodern und hatte den Look eines Space Shuttles. Da war kein Platz für Baracken und Pavillons.

Einzig die allererste Grundschule, die ich besuchte, hatte Klassenräume in Baracken. Das Hauptgebäude war damals schon uraltes Backstein. Vor meinem inneren Auge sehe ich die antiquierte Turnhalle mit den ebenso antiquierten Umkleiden; dort war ich später noch ab und zu, weil dies die Trainingsstätte von meines Vaters Judoverein ist. Einzig die speckigen lederüberzogenen Matten von einst dürften inzwischen neueren Modellen gewichen sein. Die Baracken-Klassenräume gibt es heute noch und immer, wenn ich sie beim Vorbeifahren sehe, denke ich daran, wie ich in einer von ihnen einst saß, meine ersten Schreibübungen machte und im Rechnen gleich versagte.

Drunterkriechen konnte und kann man allerdings nicht.

Klicker-Klacker
27.08.2003, 09:54
Diese Barracken oder Pavillions findet man heute noch auf einigen Frankfurter Schulen.

Nächstes Jahr wird unsere Schule wohl in Containern ausgelagert, freue mich schon drauf... :( :( :(

Elwood
27.08.2003, 20:54
Meine Grundschule war ein ehrwürdiges Gemäuer aus dem späten 19. Jahrhundert. Sie stand gegenüber unserer damaligen Wohnung und war mit 130 Schülern die kleinste öffentliche Schule Hannovers.

Vor einigen Monaten gab es einen kleinen Pressewirbel, nachdem auf dem Dachboden das Skelett eines Kleinkindes gefunden wurde. Die Ermittlungen wurden sehr bald ergebnislos eingestellt, nachdem erkannt wurde, daß die Leiche in der Papiertüte eines Kaufhauses verpackt war, welches unter diesem Namen nur bis zur "Arisierung" 1935 bestand und letztlich im Sommer 1943 zerbombt wurde.

Morddeich Mole
27.08.2003, 23:07
Huuuuhhhh! Ist ja gruselig. Wer weiß was man unter den Pavillions finden würde... ganz geheuer war mir das eh nie. Unter so ein Ding zu kriechen ist GENAU SO wie bei der Veranda-Szene in Stephen King's ES - die mit dem Aussätzigen unter der Veranda des Abbruch-Hauses in der Neibolt-Street... *bibber*

Elwood
27.08.2003, 23:33
...was sich unter Pavillions finden wird, ist jedem klar, der Louis de Funes-Filme kennt. Die Idee ist ganz alt, wird aber immer wieder gerne genommen.

Werrnerr
27.08.2003, 23:41
An unsere Schule wurde ein Pavillion 1972 errichtet, da das altehrwürdige Gemäuer zu klein wurde. Dieses Pavillion stand in einer Entfernung von 50 Metern vom Hauptgebäude entfernt, außerhalb des Schulhofes. Da das Schulgebäude aber immer noch zu klein war, wurden dann 1974 zwei weitere Räume der benachbarten Grundschule fürs Gymnasium annektiert. In einem dieser Räume saßen wir. Nun hatte aber die Grundschule andere Pausenzeiten, sodass das Pausenklingeln nicht uns galt. Wir waren dann 5 Minuten später dran. Doch für uns gab es kein separates Pausenklingeln an dieser Grundschule. Und so gab es regelmäßig Meinungsverschiedenheiten mit den Lehrern über die Dauer von 5 Minuten. Unser Argument: von diesen 5 Minuten müsse man ja wohl 2 Minuten abziehen für die Zeit, die wir von der Grundschule zum Schulhof des Gymna´siums benötigten. Wir hätten ja unter diesen Bedingungen eine kürzere Pause. Leider verstanden nicht alle Lehrer unsere Argumente.

Morddeich Mole
31.08.2003, 22:48
Die Pavillions gibt es alle nicht mehr: Den schönen Holzpavillion, der irgendwie an ein Südstaatenhaus erinnerte, haben irgendwelche Asis angezündet. *GRRR* Die Pavillions am Gymnasium sind auch weg - da stehen jetzt Mülltonnen. Schon krass, dass es heute so wenig Schüler (Gymnasiasten?) gibt. Mir fiel nämlich noch ein, dass Anfang der 80er nicht mal die 3 zusätzlichen Pavillions ausreichten und die Unterstufe komplett in eine andere Schule verlegt werden musste...

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Zurück zu den 70ern - Grundschulzeit: Wir hatten tatsächlich "Klassenvögel"! Das waren 2 Kanarienvögel und 2 Wellensittiche, die im Klassenraum einen mordsmäßig großen Käfig wohnten. Manchmal erschwerten sie sogar den Unterricht, wenn sie sich attackierten... In den Ferien musste einer von uns die Milbenmutterschiffe mit nach Hause nehmen. Ich hab sie 1x im Herbst nehmen müssen. Ich weiß heute noch, wie lecker der Vogelsand nach Lakritze roch... :o)

Zazie
01.09.2003, 12:04
Oh ja, in den 70-ern gab's teilweise eine echte Schülerschwemme. Im 3. Grundschuljahr gab es in meiner Klasse 40 Schüler! Heute undenkbar! In der 7. Klasse Gymnasium waren es immerhin auch 35 Schüler. Es war eine Russisch-Klasse, also eine, die überwiegend aus Schülern bestand, die Russisch als zweite Fremdsprache lernten, aufgefüllt mit einer kleinen Gruppe Französisch-Schüler. So hatte ich schon von Anfang an einen tollen Start in die Sprache. Kein Wunder, dass ich darin mal richtig gut geworden bin. Als einziges Lichtblick-Fach sozusagen. Jedenfalls, der eine oder andere Französisch-Schüler wurde gefragt, ob er denn nicht vielleicht in die Parallelklasse wollte, um die Schülerzahl zu senken.
Gang und gäbe war es damals auch an Gymnasien, die neuen Klassen, also in Berlin die 7., in nahe gelegene Grundschulgebäude auszulagern, weil das Gymnasiumgebäude keinen Platz für sie hatte. An meinem Gymnasium gab es zwei Jahre nach meiner "Einschulung" dort sieben 7. Klassen! An der Gesamtschule gab es zwei Klassenzüge mit je vier Klassen, das machte auch wieder acht Klassen pro Schuljahr.

Klassentiere - wir hatten eine Zeitlang mal ein Kaninchen und ein Meerschweinchen, so in der 4. Klasse. Aber irgendwann kam dann das Schreiben von was-weiß-ich-für-einem-Amt, das uns mitteilte, dass wir keine Tiere in der Klasse haben durften. Also wurden die beiden von irgendwelchen Klassenkameraden übernommen.

Lelani
01.09.2003, 13:34
Ich kann mich erinnern, daß es in unserer Schule ein großes Terrarium gab, das konnte man vom Schulhof her einsehen. Und dann gab es im Innenhof einen Teich, mit Schildkröten.

Als ich zum 30 jährigen Klassentreffen wieder einen Besuch auf dem Schulgelände gab mußte ich feststellen, daß im ehemaligen Terrarium Blumen wuchsen und der Teich trocken war. Alles sehr ungepflegt.

Frau Gerneklein
05.09.2003, 13:32
Bei uns gabs - aufgrund der enorm hohen Geburtenrate meines Jahrgangs - auch Behelfsbunker. Nein, Pavillions waren das nicht. Dünne wände. Riesige Klassenzimmer (wir waren immerhin 42 Schüler/Klasse!). Ich bin Einzelkind, war nie im Kindergarten und entsprechend sind meine Erinnerungen an die ersten 2 Schuljahre. Ich hab richtige Phobien ;-) .

Z.B. gabs wohl Anfang der 70er den Film "Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung" (was für ein Titel!). Das Titellied davon (von James Last befürchte ich) war auch Anfangslied einer allmorgendlichen Radiosendung auf Bayern 1 (grmpf) und ich hab zu der Zeit immer gefrühstückt (NesTea und Nutellabrot - auch so eine rotes Ausrufezeichen seit meiner Kindheit). Ich nehme heut noch Reißaus, wenn ich das irgendwo höre. Oder dieses "PopCorn".. keine Ahnung, wie das Lied heißt. *schüttel*

Unser Hausmeister in der Schule hatte Goldfasane - hats aber auch nicht rausgerissen.

Tetrapak. Pyramidal. Sunkist. Kaba (zur Schulspeisung - Semmel mit Tetrapak-Kaba brrr, gebracht in einem roten Eimer). Ja und diese klebrigen Schaumwaffeln (rosa-weiß-gestreift). Irgendwann mal Dreh&Trink (das gibts ja wieder - was ein Glück).

Die Plättchen hießen "Logema" - falls das noch nicht erwähnt wurde und ich hatte eine Lese-Schreib-Buch namens "Uli der Fehlerteufel".

Zazie
05.09.2003, 14:01
Boah, 42 Schüler und das gleich in den ersten beiden Schuljahren, das ist echt der Hammer. Das muss wirklich damals so die Zeit gewesen sein, du bist ja auch fast mein Jahrgang. Ich bin auch Einzelkind, war aber vor der Schule ca. 1 1/2 Jahre im Kindergarten, daher war das Trauma für mich nicht so schlimm, das erlitt ich dann erst sehr viel später :-) Erzähl, wie und wodurch entstanden deine Phobien?

In meinen Zeugnissen steht seit der 2. Klasse "beteiligt sich an den mündlichen Gesprächen zu wenig", und das bis ganz zum Schluss. Möchte man nicht meinen, wenn man mich kennt :-) Aber ich war eben mehr der individuelle Stillarbeiter und traute mich nicht, vor meinen 39 Klassenkameraden den Mund aufzumachen. Später dann pennte ich eigentlich nur noch die meiste Zeit im Unterricht.

Frau Gerneklein
05.09.2003, 14:15
Ja genau. Stand bei mir auch bis zur 4 Klasse in der Art im Zeugnis. Und ich bin ja genau am Stichtag bzgl. schulfähiges Alter geboren. Folglich war ich immer die Jüngste. Furchtbar. Wirklich.

Meine Phobieen entstanden allein durch den Zusammenhang mit den Erlebnissen damals. Ich hab dieses Lied z.B. ja nur gehört, wenn ich vor der Schule gefrühstückt habe. Und das war halt immer Nutellabrot und NesTea.

Auf meinem Schulweg musste ich über eine kleine Holzbrücke (die war im Winter immer ganz rauhreifig - ich mag den Anblick von Rauhreif auf Holz immer noch nicht). In der Nähe ist eine Brauerei. Es roch irgendwie "nach frischen Semmeln". Heute weiß ich, dass das Malzgeruch war. Grauenhaft.

Meine Schulkameraden waren zum Großteil genauso verschüchtert, wie ich. Einige aber rotzfrech zu unserer Lehrerin. Die hat - so kams mir zumindest damals vor (sie fehlte so oft) - mindestens 3x jährlich ein Kind entbunden. Frau Barth hieß die und war furchtbar. Riesiggroß, hager, elend streng (sicher nur überfordert) und hat immer geschrieen. Und damals gabs noch diese Zeigestäbe aus Bambusrohr. Eigentlich zum Zeigen gedacht. Aber wenn man nicht aufgepaßt hat oder geschwätzt, dann wurde der schon mal aufs Pult geknallt. Sie hat sehr viele davon verbraucht, glaub ich.

Während ihrer Fehlzeiten - waren wie gesagt recht viele - hatten wir eine liebe Referendarin. Auf die ging dann ein Schüler mit dem Stuhl los. Boah war ich geschockt. Die Lehrerin hat nur geheult und ab da haben sich Mütter abgewechselt und hinten sitzend in der Klasse "Wache" geschoben. *kopfschüttel* Ich krieg heut noch Magenweh bei der Erinnerung.

Zazie
05.09.2003, 14:38
Um Himmelswillen, in welchem Stadtteil Münchens bist du denn zur Grunschule gegangen? Ich kenne mich da aus, habe gerade dieses Jahr 16 Jahre Leben in München beendet.

Frechheiten gegen Lehrerinnen gab es bei uns auch des öfteren. Es war halt die Grundschule des Neubau-Wohnsilos, da gab es einiges an Sozialfällen. Ich war schon geschockt, als einer mal zur Lehrerin sagte "Sie können mir mal am Arsch lecken" und "Sie haben wohl 'nen Vogel". Der selbe Schüler hat sich auch mal seine Handfläche mit roter Kreide eingerieben und die dann der Lehrerin auf dem Rücken geklatscht, voll auf die weiße Seidenbluse natürlich. Dann gab es wieder ein paar Typen, die im Unterricht wie Tarzan durch den Klassenraum geklettert sind, auf die Fensterbretter und über die Tische, und die Lehrerin stand vollkommen machtlos daneben. Tätliche Übergriffe gegen Lehrerinnen hat's aber in meiner Klasse keine gegeben.

Meine allererste Grundschullehrerin war streng, aber herzlich. Eine hervorragende Lehrerin für Schulanfänger, an die ich mich auch heute noch gerne erinnere. Dann wechselte ich die Grundschule und ich bekam so eine typische 70-er Jahre Pädagogin, die uns Kinder lieber spielen ließ, anstatt uns das ABC beizubringen. "Sie sind doch noch so klein, sie wollen doch spielen", hieß es dann. Wahrscheinlich machte ihr das einfach weniger Arbeit. Im Grunde waren mir die strengeren Lehrer in der Grundschule viel lieber, bei denen lernte man wenigstens was.

Ich bin Anfang des Jahres geboren und somit immer eine der Ältesten gewesen. Ausgesehen habe ich in der 1. Klasse jedoch wie ein Kind, das erst in 2 Jahren schulpflichtig wird. Wie PPP hier mal vor langer Zeit schrieb: Sie war die Kleinste in ihrer Klasse und selbst die Kinder in der Klasse darunter waren alle größer als sie. Gleiches galt auch für mich. Und glaub mir, das war noch viel schlimmer zu ertragen. Nicht für voll genommen zu werden. Immer "Die Kleene" und damit doof zu sein. Dabei war ich sehr gut in der Grundschule und somit vielen groß gewachsenen Kindern geistig überlegen, aber danach bemaß einen keiner. Oder aber man wurde "niedlich" gefunden, das gleichaltrige, aber große und kräftige Mädchen sah mit Mutterblick milde lächelnd auf einen herab, verwuschelte einem die Haare gerade so, wie Erwachsene dies manchmal taten, versuchte gar, einen durch die Gegend zu tragen... grau-en-voll!

Frau Gerneklein
05.09.2003, 14:47
Ich bin im Münchner Süd-Osten aufgewachsen (groß geworden sag ich lieber nicht, weils einfach nicht zu mir passt ;-) ). Ich wohne da immer noch - und das gern und absichtlich.

Dieser Angriff auf die Lehrerin war ja so gesehen ein einmaliges Ereignis. Und das von einem Schüler, der die Klasse wiederholen musste. Ich weiß heut noch seinen Namen - so sehr hat sich das bei mir eingebrannt. Wahrscheinlich kann sich von den anderen keiner mehr dran erinnern. Ich war einfach ein schüchternes, liebes, schmales Kind, das extrem geschockt war von allem bisher nicht Gekannten.

Das mit kleinen Mitschülern kenn ich auch. Wir hatten eine bei uns (die war bis zur 10. bei mir immer in der Klasse und ich bin heut noch froh darüber), die war extrem klein und blieb es irgendwie - trotz Wachstum - immer. Aber ich hab die wirklich gern gehabt und wir waren sehr gute Freundinnen. (Was sie wohl heute macht??). Ich hab sie bewundert, weil sie irre schnell an diesen vermaledeiten Seilen hochklettern konnte (ich hing da wie ein Sack dran). Und die Jungs fanden sie auch immer süß. Doch, die wurde immer ernstgenommen. Sie war aber auch selbstbewusst. Schon damals. Aber nett selbstbewusst. Ich mag kleine Menschen ;-)

Zazie
05.09.2003, 15:01
Ich habe 13 meiner 16 Jahre in Hasenbergl gewohnt und war es zum Schluss einfach leid, mich ständig als Ghettobewohner titulieren zu lassen. Darum und noch aus einigen Gründen mehr bin ich wieder zurück in meine Heimatstadt.

Klein sein ist eine Sache, aber dann auch noch sehr viel jünger und kindlich aussehen, das ist eine andere. Ich war obendrein noch so schmächtig, dass man mich des öfteren einfach übersah. Die Jungen fanden mich auch zu kindlich und uncool, um sich für mich zu interessieren, dabei war ich gar nicht mal unselbstbewusst. Ich trug ja auch meine verrückten Ohrringcreationen und kleine Sternchen auf die Brillengläser geklebt. Wie gut, dass es Clogs mit hoher Holz-Plateausohle und hohen Absätzen gab, die glichen das dann wieder ein bisschen aus.

Ja, und im Sportunterricht war ich die Allerletzte. Immer ganz hinten dran. Nie über den noch so niedrig eingestellten Bock drübergeschafft, nie eine Urkunde bei den Bundesjugendspielen und auch das Sportabzeichen nicht geschafft. Ich habe jetzt noch Albträume vom Gulag Sportplatz und von der Folterkammer Sporthalle mit Turngeräten. Aber das steht hier alles schon ausführlich drin :-)

Frau Gerneklein
05.09.2003, 15:12
Bockspringen :-o . Furchtbar! Sportunterricht überhaupt. Und hallo, ich war überhaupt nicht unsportlich. Geräteturnen mochte ich. Stufenbarren, Schwebebalken, Bodenturnen. Jawoll. Fein.

Aber Werfen, Laufen, Springen, Zirkeltraining hab ich sowas von gehasst. Und diese blöden Bundesjugendspiele erst. Ich hab da auch nur einmal eine Siegerurkunde bekommen. Ich glaub, das war wegen Staffellauf in der Mannschaft. Ich war auch immer bei den letzten die ausgewählt wurden, wenns ums Mannschaftbilden ging.

Außer bei Völkerball. Da war ich richtig gut.

Und ich bin im heute noch angeblich mit dem Hasenbergl verfeindeten Neuperlach aufgewachsen. Ich kenn die Sprüche bzgl. Ghetto und so. Regt mich auf sowas. Pah.

The Hoople
05.09.2003, 16:15
topic off
War das die Forschungsbrauerei? Ich hab da auch mal 13 Jahre gewohnt und er Geruch war manchmal wirklich abartig.

Viele Grüße
The Hoople

Morddeich Mole
06.09.2003, 01:46
Frau Gerneklein: Ja "Popcorn" hieß dieser Elektro-Schmock. Die "gute" Version ist von einem "Mister K.", sonst sind dafür "Hot Butter" verantwortlich. Daher rühren meine 70er-Depressionen. Ebenso von "Biskaya", "Telstar", "Qxygen Part 1 - 209374839" u.ä.

@Sport: Völkerball ist ein ganz gemeines Kriegsspiel. Opfer sind stets Mädchen und alle, die sich nicht flott bewegen können oder die nicht gut werfen können. Also mich! :-(

Ich hasse ebenfalls Sport! Bin stolz auf meine 5 - in der Berufsschule...

The Hoople
06.09.2003, 10:54
Popcorn stammt im Original von Gershon Kingsley (eigentlich Gustav Kasinski). Der kam aus Bochum und landetet über Jerusalem irgendwann in New York und machte dort Karriere als Avantgardist und Broadway-Komponist mit insgesmat 92 aufgenommen LP's. 1962 stellte er das erste elektrocische Orchester zusammen. Eine dieser Kompositionen war halt Popcorn. 1972 kam Stan freberg auf die Idee, dies mal vollelektronisch aufzunehmen. Dies tat er unter dem Namen Hot Butter. Per Zufall wurde dies dann der große Hit.

Aus jedem Land gab es dann zig Versionen. Die zweiterfolgreichste kam von Anarchic System alias Pop Concerto Orchestra (mit einem ganz jungen Richard Claydermann). Auf der B-Seite gab es da eine gesungene Version. Unterscheiden konnte die meisten Aufnahmen meist nur am Anfang. Erfolgreiche Versionen gab es noch von Mister K, Fresh Cream, Revolution System, Popcorn Makers (alias Lucifer's Friend), Rob Hunter, Jam und Tom Spencer. Die Thunderbirds aus Saarbrücken dachten sich einen besonderen Clou, der aber nach hinten losging. Sie packten ihre Single in das französische Album-Design Cover von Hot Butter, schrieben dann groß Popcorn drauf sowie den Titel der B-Seite und dann ganz klein in der Ecke den Bnadnamen. Die B-Seite hieß Hot Butter. Sie mußten dies aber dann überkleben. Als der französische Beatnik Antoine auf deutschen Schlager umschwenken wollte, nahm er eine deutsch gesungene Version davon auf. Und in der DDR gab es eine Aufnahme vom Orchester Volkmar Schmidt. Auch wenn man es nicht glauben mag, Popcorn war revolutionär - es war der vollelektronische Song in der Hitparade.

Entschuldigung wegen offtopic - aber die Antwort von MM brachte mich dazu.

Und außerdem finde ich Popcorn klasse.

Viele Grüße
The Hoople

Morddeich Mole
06.09.2003, 15:46
Danke für die Infos! Das ist ja fast wie Pata Pata, von dem es weit über 100 Versionen gibt. Götz Alsmann hat es letztens geschafft 30 davon hintereinander im Radio zu spielen!
Kannte Popcorn nur von Hot Butter/Mister K... und fand beide Versionen schlecht. Ich mag das Lied einfach nicht, auch wenn es in der Mitte wie Philip Glas klingt. Sorry.

So - zurück zum Thema! ;-)

Frau Gerneklein
06.09.2003, 16:47
Jawoll, es war die Forschungsbrauerei. Und oh ja. Es hat gestunken und tut es leider immer noch hin und wieder. Aber als Kind ist mir das wohl mehr aufgefallen (da war ich noch seltener mit dem Auto unterwegs ;-) ).

Ich fand Völkerball super. "Kaiser-welche-Fahne-weht-heute". oder "Ochs-am-Berg". Doch letztlich hatten diese Jahre auch was Gutes. Ab der 3. Klasse gings mir ja besser. Aber gern war ich nie in der Grundschule.

Zum Glück kam ich ja dann in die Orientierungsstufe. DAS war Leben pur!

Spleen
06.09.2003, 18:32
Stimmt, Klasse fünf (damas noch "Sexta") fand ich auch viel schöner: Englischunterricht, im Bus (!) zur Schule fahren, nach der Schule kurz in die Innenstadt zum Pommesessen, bei den Zeitschriftenhändlern nach Comics gucken, das hatte was!

Zazie
06.09.2003, 21:37
Bei mir war's genau umgekehrt: ich war leidenschaftliche Grundschülerin, wurde immer leidenschaftlicher mit der Zeit. Und habe sehr geweint, als sie zu Ende war (wie bereits erwähnt, in Berlin nach der 6. Klasse). Ehrlich wahr, es gab Ferien, in denen ich nicht verreiste, Ostern, Herbst und Weihnachten und in denen ich mich königlich langweilte und den Countdown bis zum ersten Schultag zählte. Englisch ab der 5. Klasse, na klar, in 10-15 Minuten zu Fuß dort sein, auf dem Rückweg durchs Einkaufszentrum latschen und noch schnell einen Dreh in den Plattenladen oder zu Woolworth in die Modeschmuckabteilung - DAS hatte was.

Dann kam ich aufs Gymnasium, mir wurde notenmäßig kaum noch was geschenkt, ich schrieb die ersten Fünfen und Sechsen meines Lebens und so ging's dann weiter bis zu meiner unehrenhaften Entlassung wegen zweimaligem Sitzenbleiben. In der Siebten und Achten war es wenigstens mit den Klassenkameraden noch lustig, später war's dann irgendwie anders. Nee, das wirkliche Leben war das nicht...

Spleen
07.09.2003, 19:42
Arme Zazie! So unterschiedlich kann das ablaufen. Unsere dörflichen Grundschulfräulein legten hauptsächlich Wert auf Anpassung, das war nie meine Stärke. Mit älterer Schwester (die wusste, was Pop-Art war und mit mir Comics las) und Dialekt sprechenden Eltern war ich eine Art Alien dort. Im Gymnasium gab´s auch Einsen (hätte die unsichere Grundschulhippe nie gegeben) und wie gesagt, Schulwegmäßig war´s bei mir auch umgekehrt...

Zazie
07.09.2003, 21:34
Einsen auf dem Gymnasium? Was war das? :-) Nun ja, übertreiben wir nicht, es gab sie sogar für mich. Ganz besonders toll war es, wenn unser gestrenger Herr Englischlehrer die Hefte mit der Klassenarbeit zurückgab. Man wurde aufgerufen und musste sie sich bei ihm abholen. Wer es nicht so gut getroffen hatte, erntete einen entsprechenden Blick vom Lehrer. Ich aber bekam so manches Mal ein "Zazie: beste Arbeit, Eins!" und ging vom Applaus der Klasse begleitet zurück an meinen Platz. In Französisch triumphierte ich ähnlich. Diese beiden Fächer waren aber wie gesagt die Highlights und Lichtblicke meiner ansonsten trostlosen Schulkarriere. Ach ja, und wenn mir in Kunst mal was ganz gut gelungen war, gab's auch Einsen und Zweien, dafür aber beim nächsten Mal eine Fünf, wenn mir ein Thema mal wieder überhaupt nicht lag.

Spleen
10.09.2003, 18:34
Mir fällt gerade was Schulisches ein: unser Biolehrer (ziemlich in Ordnung) fing mal ein Zettelchen ab, auf dem wohl sowas stand wie "Grinse, wenn du es auch willst". Er grinste darauf ca. eine Viertelminute. Das Komische ist nur: wir waren eine reine Jungenklasse! :?