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Vollständige Version anzeigen : Schule in den 70-ern


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Zazie
13.08.2001, 11:36
Hi,
Wie war das damals bei euch in der Schule? Als Schlagwort habe ich oft 'Mengenlehre' gehört, das war wohl echt 70-er. Wie habt ihr das aufgenommen? Und eure Eltern? Ich kann mich noch erinnern, es gab so einen Kasten mit Plättchen in Gelb, Rot und Blau und dann gab es noch einen, 'Logische Blöcke', die hatten auch diese drei Farben, es waren aber keine Plättchen, sondern eben echte Plastikblöcke, von denen es dicke und dünne, große und kleine sowie raue und glatte gab.
Habt ihr auch mehrere Schulreformen durchgemacht? Bei uns gab es damals fast jedes Jahr irgend welche mehr oder weniger intelligenten Neuerungen. Und wenn ich mich recht erinnere, war die ganze Grundschule bisweilen ein ziemlich chaotischer, unorganisierter Haufen...
Wie waren eure Lehrer? Eher streng oder eher so moderne Sozis oder beides? Habt ihr ihnen nette Streiche gespielt und wart manchmal richtig unerträglich? :-)
Ich glaube, in den 70-ern kam auch das System der Gesamtschule auf. Ich kam erst Anfang der 80-er auf eine solche, nachdem ich auf dem Gymnasium kläglich versagt hatte :-) jaja, heute kann ich drüber lachen, damals fand ich das weniger witzig. War jemand von euch auch auf der Gesamtschule und wie habt ihr's erlebt?
So, das sollten ein paar Anregungen sein. Euch fällt sicher noch vieles mehr zu eurer Schulzeit ein :-)
Viele Grüße
Zazie (ja genau, die mit dem Schultrauma)

Klingeltonkomponist
13.08.2001, 12:24
Sehr geehrte Zazie,
möglich, daß Sie zum einen die sog. LÜK-Kästen meinen. Auf der einen Seite dieser Plättchen befindet sich eine Zahl, auf der anderen Seite sind sie diagonal bunt gefärbt. Im Aufgabenbuch hat man dann die Fragen richtig zu beantworten, wie: was frißt das Kaninchen? Wie viele Jahre stehen auf Raubüberfall mit Todesfolge? und die Plättchen dazu in den Kasten zu legen. Soweit alles fertig ist, klappt man den Kasten zu, dreht ihn und öffnet ihn von der anderen Seite. Falls alles richtig ist, gibt es ein schönes Muster, ansonsten ist man der Verlierer und Bürokaufmann werden. LÜK-Kästen gibt es übrigens noch immer.
Die anderen Kästen, die Sie möglicherweise meinen, wurden von der Firma Klett hergestellt, aus hellblauem Plastik mit kleinen Holzsteinen, die Zahlen symbolisierten. Der Einer war weiß, der Zweier rot, der Dreier hellgrün (?), dann kann ich mich noch an einen braunen Stab und einem aus Orange (10?) entsinnen. Mit diesen Dingern konnte man Addieren üben (hintereinanderlegen), Multiplizieren (ja, übereinander legen!) und auch noch alles weitere bis zu den komplexen Zahlen und die Lösung des Fermatschen Problems.
Das nur am Rande.
Mit besten Grüßen
Klingeltonkomponist

Zazie
13.08.2001, 13:01
Nee, also diese Kästen waren weder-noch. LÜK, davon habe ich mal was gehört; in meiner Schulzeit gab es das definitiv nicht. Ich weiß nicht mehr, was wir mit den Plättchen angefangen haben; die Logischen Blöcke dienten einzig und allein der Mengenlehre. Zahlen wiesen weder die Plättchen noch die Blöcke auf und zum Zeitpunkt der Mengenlehre hatten wir von Addieren und Subtrahieren noch keinen Schimmer.
Jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir gaaanz dunkel wieder ein, was wir möglicherweise mit den Plättchen gemacht haben. Die wurden in irgend einem bestimmten Muster zusammengesetzt, dann musste das Ganze um 90 Grad verschoben und genauso wieder reproduziert werden. Irgend sowas muss es gewesen sein.
Ich weiß auch noch, in meinem ersten halben Jahr Grundschule lernte ich das Schreibschrift-Alphabet. Dazu mussten wir aus den Buchstaben regelrechte 'Gemälde' machen, ganz groß und bunt aufs Papier gemalt. Dann wechselte ich durch Umzug die Grundschule, und plötzlich wurde ausschließlich Druckschrift gelehrt, und das mit so kleinen Buchstabenplättchen und nachher Wörtern. War schon seltsam, wie die Methoden in ein und dem selben Stadtbezirk sich von Schule zu Schule unterschieden.
Viele Grüße
Zazie

Pectoralis
13.08.2001, 18:25
Zum Thema Mengenlehre hatte ich mich im 'Taxi'-Strang schon geäußert. Ich fand sie gar nicht so schlimm, im Gegenteil überaus logisch (da zeichnete sich wohl schon meine Mutation zum Vulkanier ab).
Beim Thema Lehrer ist es sehr interessant, meine Erfahrungen und die meiner Schwester zu vergleichen. Sie kam 1969, ich 1974 an die selbe, 'ganz normale' Grundschule. Ihre Klassenlehrerin kam direkt von der Uni, hatte einen kleinen Sohn namens 'Benno' (nach B. Ohnesorg), war sehr nett, unterrichtete aber völlig 'antiautoritär' und am ausgiebigsten Sexualkunde. Meine Mutter war mal auf ihre Einladung zum Zuhören im Unterricht und kam völlig entsetzt darüber zurück, dass die Kinder während des Unterrichts unbehelligt über Tische und Bänke gingen. Später hörten wir, dass sie sich mit der Zeit ins völlige Gegenteil verwandelte!
Meine Lehrerin war auch erst Mitte 20, kam aber aus Nürnberg (in Bayern kam die 68er Welle wohl später oder überhaupt nie an). Wir mochten sie gerne und hatten großen Respekt vor ihr, aber sie war wirklich SEHR streng!
Später waren wir beide am selben altsprachlich-humanistischen Gymnasium, und da war dann auch noch in den 80ern eine ganz ulkige Situation zu beobachten: Die Lehrer, meist in den Dreißigern, waren allesamt politisch links eingestellt (und auch nicht sehr autoritär, die Refendare haben wir alle fertiggemacht), die Kinder dagegen ziemlich konservativ - zum Teil wohl durch ihre Elternhäuser, vielleicht aber auch schon im Rahmen einer Art 'Konterreaktion'...?

Moose
13.08.2001, 19:18
Eine Menge ist Zusammenfassung von unterscheidbaren
Objekten zu einem Ganzem.
Ich hatte damit wirklich keinen Spaß.

peterthomassuschny
13.08.2001, 19:20
@Zazie
Die modernen Lehrer waren unpolitisch bzw. würden sie heute grün wählen.
Ich habe bis zur Matura (bzw. Abi) acht Schulen verschlissen (3 Volksschulen, 2 Gymnasien, 3 Handelsakademien) und ich will nicht parteipolitisch sein. Aber die 2 wohl konservativsten und ungutesten Direktoren waren große Kreisky-Verehrer und bekennende Sozis. Kleines Beispiel: ein Klassenkollege trug im III. Jahrgang HAK ein T-Shirt mit 'Sex Pistols'. Darauf meinte der Schultyrann, der uns 'freundlicherweise' im Maturajahr in 'Kaufmännisch Rechnen' übernahm und sich nicht zu blöd war, zu verlangen, wir sollen unsere Hausübungshefte violett einzupacken (weil er ein Austria Wien Fan ist), 'Leber, das sind zwei sehr böse Worte'. Das zum Thema 'Sozis und modern'. Weitere Beispiele kenne ich zu hauf.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
www.r60.net

Lelani
13.08.2001, 19:54
Als ich in die 1. Klasse kam und wir lesen lernten standen in meinem ersten Lesebuch die ersten Sätze: Tut,tut,tut ein Auto. Grete fährt im Auto, tut. Wir mußten zum Schreiben lernen zuerst Schwingübungen machen. Seiten voller Bögen. Zuallererst, vor der Schreibschrift lernten wir Sütterlin-Schrift (ich kam 1961 in die Schule). Später kam dann Schreibschrift dazu. Wir schrieben alle mit Bleistift. Wer einen Füllfederhalter haben sollte bestimmte die Lehrerin. Sie beurteilte das Schriftbild und benachrichtigte die Eltern einen Füller zu kaufen. Leider versuchte man mich auf Rechtshänder umzuschulen, was zumindest beim schreiben auch gelang, und ich habe mich so geschämt als eine der letzten in der Klasse einen Füller zu bekommen.
Wir waren übrigens der letzte Jahrgang der eine Aufnahmeprüfung zur Realschule machen mußte. Wir waren dann auch der letzte Jahrgang der eine Abschlußprüfung zum Erreichen der mittleren Reife ablegen mußte.
(Beitrag wurde von Lelani am 13.08.2001 um 18:59 Uhr bearbeitet.)

Bibo
13.08.2001, 21:10
Ich hatte ein sogenanntes Miekätzchen als Lehrerin in der Grundschule, also eine Lehrerin, die nicht ganz den üblichen Ausbildungsweg genossen hatte, bzw. mehr Fächer (eigentlich alles) unterrichtete, als sie studiert hatte. (Miekatz war die damalige Bildungs?Ministerin in NRW, die das ermöglichte).
Tja und so kam es, dass wir zwar waaahnsinnig viel über unsere Heimatstadt gelernt haben (zweitgrößter Binnenhafen in Europa, alte römische Ansiedlung ...), aber höchst selten Musik oder andere 'Nebenfächer' hatten. Wäre ich nicht im Jugendmusikwerk gewesen, hätte ich von den paar Stunden keine Noten lesen gelernt. Im Sportunterricht hatte sie immer Stoffschuhe mit einem großen Stroh-Keilabsatz an, hat auf das Tambourin gehauen und mit uns wahlweise 'Wer hat Angst vorm schwarzen Mann', Brennball oder Völkerball gespielt. Sie war auch sehr unfair, hatte erklärte Lieblinge und zoffte sich mit anderen und 'mobbte' diese auch, v.a. sozial schwächere Schüler.
Als wir dann im 4. Schuljahr eine ausgebildete Mathe und Sportlehrerin bekamen, gingen unsere Noten erst mal in den Keller!
(Beitrag wurde von Bibo am 13.08.2001 um 22:46 Uhr bearbeitet.)

peterthomassuschny
13.08.2001, 22:00
@Lelani
Das hatte meine Schwester (*1957) auch noch für die AHS (= Gymnasium) zu erledigen, ich hatte (das gabs glaube ich noch bis in die 90er) einen schriftliche 4-Stunden-Test für die Handelsakademie, das war aber schon die Oberstufe.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Zwicki
13.08.2001, 22:04
Ohja, Schule ist ein Abendfüllendes Thema. Ich bin 66 eingeschult worden und auch wir durften erst mit Bleistift und dann, wenn die Schrift einigermaßen war, mit Füller schreiben. Unsere Fibel begann auch mit 'Tut tut tut ein Auto', mit Grete und Jochen. Altdeutsche Schrift haben wir auch gelernt. Mit Hilfslinien und so. Aufklärungsunterricht war bei uns sehr beliebt. Am beliebtesten waren bei uns die Lehrer, die streng und gerecht waren. Wir hatten mal eine Referendarin, die sehr nachgiebigwar und sich kaum durchsetzen konnte. Die Ärmste musste sich einiges gefallen lassen. Obwohl wir wohl noch relativ harmlos waren. Dann hatten wir eine Lehrerin, die abwechselnd nett und cholerisch war. Die flippte von einer Sekunde auf die nächste aus. Vor der hatten fast alle Schiss. Außer die, die ihre erklärten Lieblinge waren. Es gab auch einen Lehrer, der tierisch über den Flur brüllen konnte. Der rannte auch oft ganz cool mit Kippe zwischen den Fingern über die Gänge. aber den haben alle geliebt. Naja, fast alle. Der hat auch guten Unterricht gemacht. Dann gabs natürlich auch die hübschen Lehrer, für die wir Mädels geschwärmt haben. Und unser Rektor war ein Rektor aus dem Bilderbuch. Immer korrekt gekleidet, mit Weste und so, zu jedem gleich freundlich und hat, wenn er mal einspringen musste, richtig guten Unterricht gemacht. Bei uns hat er mal Kochunterricht gegeben. Sehr lustig. Trotzdm hatten wir alle vor ihm einen enormen Respekt, weil er konnte auch anders. Aber das konnte man bei ihm sehr gut einschätzen. Und dann unser Klassenlehrer. Einige von uns (ich auch) hatten ihn von der ersten bis zur letzten Klasse. Er war einer der Besten an der Schule. Leider hat er sich vor einigen Jahren das Leben genommen. Kurz vorm Ruhestand.
Ansonsten ging mir Schule damals meistens auf'n Keks. Am besten war immer das Treffen von Freundinnen und so. Unterricht? Pffff!
Heute denke ich anders darüber. Deshalb habe ich meine Umschulung vor einigen Jahren auch richtig genossen.
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Viele Grüße, zwicki

Lelani
15.08.2001, 07:16
Notenlesen habe ich in der Schule auch nicht gelernt. In der Grundschule hat man uns mal beigebracht was eine Tonleiter ist. Ich habe auch Blockflötenunterricht gehabt ( wer nucht) œnd klar gab«s da Noten, aber ich konnte damit nichts anfangen und die Lehrerin hat vorausgesetzt das wir das können. Also habe ich nach Gehör gespielt. Wir hatten einen Schulchor, aber das war der ganze Musikunterricht. Selbst in der Realschule beschränkte sich der Lehrer für die Zeugnisnotengebung auf das vorsingen. Französisch zu lernen hatte ich keine Lust und wer diese Sprache nicht lernen wollte der bekam extra Englisch Unterricht. Diese Sprache war sowieso 'in'. Also haben wir uns im Französisch Unterricht dumm angestellt - und schon waren wir raus. Aber der Lehrer war sowieso gestört, er sabberte und hatte immer Spuckebläßchen in den Mundwinkeln was wir furchtbar komisch fanden, von 45 Minuten Unterichtszeit brauchte er 30 Minuten um uns von seinem Einsatz im Krieg in Frankreich zu erzählen. Unser Geschichtslehrer tauschte während des Unterrichts mit uns Briefmarken, der Kunstlehrer warf mit Kreide - manchmal auch mit Schlüsseln. Der Mathelehrer redete gar nicht mit uns, der kam in die Klasse, sagte: Schulübung am' Schrieb seinen Stoff an die Tafel und kümmerte sich nicht darum ob man das verstand was er da machte oder nicht. Alle 2 Tage gab es eine Klassenarbeit. Ich hatte schreckliche Angst vor ihm und seinem Unterricht.
Aber unsere vielen Klassenreisen waren toll, nach Mölln, Bodenwerder, Berlin.

Pectoralis
15.08.2001, 10:27
Danke, Lelani! Meine Gedächtnislücke hat sich geschlossen: Meine Fibel begann auch mit 'Tut, tut, tut...'.
Da ich später Musik studierte, habe ich diesen Unterricht noch in guter Erinnerung: Wir hatten eine richtige 'Nur'-Musiklehrerein, die auch sehr engagiert war, irgendwann unterrichtete das aber auch mal unsere Klassenlehrerin. Ich weiß noch, dass wir in einem Lesebuch eine Zeichnung hatten, auf welcher ein Cello mit einem großen Loch (wie bei einer Gitarre) dargestellt war und sie behauptete, das wäre so!

patti
16.08.2001, 10:28
Um nochmal auf die Mengenlehre zurückzukommen: ich wurde 76 eingeschult und kam somit ebenfalls in den Genuss.
Wofür diese bunten Formen (Dreiecke, Quadrate, Kreise, Rechtecke in verschiedenen Farben, Dicken und Größen) gut waren, weiß ich aber leider auch nicht mehr.
Ich kann mich noch erinnern, dass zwei Mengen mit z.B. Kreisen darin nicht dadurch verglichen wurden, dass man die Kreise einfach gezählt hätte (Zählen spielt in der Mengenlehre keine Rolle!), sondern mittels Verbindungsstrich von einem Kreis in der einen Menge zu einem Kreis in der anderen. Da, wo am Schluss noch Kreise übrig waren, waren mehr.
Dann erinnere ich mich noch an die Schnittmenge: gelb in Menge A, Kreis in Menge B und folglich kamen die gelben Kreise in die Schnittmenge.
Lustig fand ich, dass es damals ein ziemlicher Aufschrei seitens der Eltern gab, da sie das Ganze überhaupt nicht kapiert haben und es wohl sehr erniedrigend ist, wenn man als Erwachsener nicht mal mehr den Stoff der 1.Klasse nachvollziehen kann. Die Kinder hatten damit meines Wissens aber keine Probleme (die konnten ja auch noch nicht 'richtig' Rechnen).
Weiß jemand, was das alles sollte? Es hat sich ja wohl nicht lange gehalten - meine Schwester, die fünf Jahre später in die Schule kam, hatte keine Mengenlehre mehr.

patti
16.08.2001, 10:28
(Beitrag wurde von patti am 17.08.2001 um 10:35 Uhr bearbeitet.)

Zazie
16.08.2001, 13:34
Ich weiß nicht mehr genau, wie ich die Mengenlehre aufgenommen habe, aber wahrscheinlich ganz locker, so als 7-Jährige. Ich denke mal, sie diente dazu, das logische Denkvermögen zu schulen. Bei der Mengenlehre ging das glaube ich auch noch einigermaßen gut bei mir. Wie ich an anderer Stelle schon mal erwähnte, in meinem Zeugnis der ersten Klasse steht darüber 'In Mathematik ist sie um Klärung der Sachverhalte bemüht, sie kommt dabei auch zu eigenständigen Lösungen'. Was immer das heißen mag... waren meine eigenen Lösungen nun richtig oder nicht?
Meine Matheschwierigkeiten begannen erst, als Zahlen ins Spiel kamen, also ab der 2. Klasse. Die Mathebücher aus der Zeit hießen 'Wir lernen Mathematik' von Neunzig und Sorger. Weiß ich noch ganz genau. Ich hatte damals auch schon einen richtigen Mathelehrer, der aber ziemlich luschig war und so habe ich gleich zu Anfang in Mathe nix gelernt. Erst ab der Dritten hatten wir eine resolute Lehrerin. Bei der holte ich dann auf und oh Wunder, ich schrieb sogar mal Einsen bei ihr. Meine erste und einzige Grundschul-Fünf allerdings auch!
Überhaupt, die Lehrer. Bei uns war das so gemischt, teilweise streng, teilweise luschig. Meine allererste Grundschullehrerin war eher vom alten Schlag und sehr gut. Nach dem Schulwechsel dann so eine Sozi-Tussi, die uns die ganze Zeit spielen ließ. Bis zur Vierten gab es jedes Jahr eine neue Klassenlehrerin und auch andere Fachlehrer, sofern vorhanden - hab ich schon erwähnt, dass meine Grundschule ein ganz chaotischer Haufen war? Meine Mutter, damals schon sehr engagiert und mit Haaren auf den Zähnen, warf unserer schwergewichtigen Direktorin mal vor, sie wäre unfähig, eine Schule zu leiten (womit sie ja Recht hatte, nur traute sich niemand außer ihr, ihr das so deutlich vor die Glocke zu knallen). Die fand das gar nicht gut, erteilte meiner Mutter Hausverbot, verließ dann bald die Schule und ging in die Schulpolitik. Und ab da herrschte dann wirklich mehr Ordnung und wir behielten unsere Klassenlehrerin wenigstens von der Vierten bis zum Schluss (in Berlin also bis einschließlich sechste Klasse).
Und dann gab es da die leicht cholerische Deutschlehrerin, von der ich einmal dachte, sie würde mir gleich ins Hemd springen, da ich mal einen Teil der Hausaufgabe nicht gemacht hatte, der Sportlehrer, der ebenso cholerisch war, eine andere, sehr strenge und korrekte Deutschlehrerin, zuerst gehasst, dann gemocht, die mütterlichen Typen, die Meckertanten... kurz, viele gemochte und einige gehasste Lehrpersonen.
Sportunterricht - bei uns lief es so ähnlich wie bei Bibo. Oh wie gut kann ich mich an das Tambourin mit Schläger erinnern! Habe ich damals schon gehasst: bum... bum... bum... = gaaanz langsam laufen, bumbumbum = rennen und das alles im Takt der Pauke. Erinnert mich sicher nicht zu Unrecht an Galeerensträflinge und diente sicher nur einizig und allein dazu, dem Lehrer so wenig Arbeit wie möglich zu machen. Ja, und dann jedes Jahr diese Wehrmachtsübungen, äh, Bundesjugendspiele! Wüüüürg! Aber guckt mal ins 80-er Forum, da gibt es dazu einen sehr ausführlichen und aufschlussreichen Strang; die BJS hat wirklich niemand gemocht und Völkerball und andere seltsame Ballspiele auch nicht.
Ich habe den Schulsport gehasst. Aus vollem Herzen. Und so oft wie möglich meine Sportsachen vergessen.
Musik - das fand bei uns auch nur sehr light statt. Da gab es wohl mal einen Musiklehrer, den Herrn Weißbrodt, der war ganz witzig. Der brachte uns den Karneval der Tiere nah und konnte tolle Jojo-Tricks. Er fand mich damals begabt genug, Blockflöte zu lernen (war ja auch so 'ne 70-er Mode, die Blockflöte... ist das heute immer noch so?), aber irgendwie wurde daraus nichts. Jedenfalls, das war der einzige Musiklehrer, der diese Bezeichnung verdiente. Abgesehen davon fand Musik entweder gar nicht statt oder aber es wurde gesungen und sonst gar nichts. Später, ab der 5., bequatschten wir unsere Klassenlehrerin (die auch 'Singen' gab) immer, dass wir Platten hören (meistens Abba) und tanzen durften, und meistens durften wir. Noten lernte ich erst in der 7. Klasse Gymnasium, aber ich habe das nie ganz kapiert. So bleiben Noten auch heute noch eine völlig unbekannte und unverständliche Sprache für mich. Aber ich kenne jemanden, der auch Null Notenkenntnisse hat und ein hervorragender Toningenieur geworden ist :-)
Viele Grüße
Zazie

Bibo
16.08.2001, 14:12
@Zazie: Oh ja, Sport habe ich auch gehasst!!! Und Bundesjugendspiele erst recht!
@patti: Ich glaube, Mengenlehre war so eine Vorbereitung auf die Wahrscheinlichkeitsrechnung, jedenfalls fühlte ich mich wieder daran erinnert, als wir das auf dem Gymnasium so ab der 8. Klassse begannen (übrigens auch so'n Thema, was Eltern wenig sagte!)
(Beitrag wurde von Bibo am 16.08.2001 um 13:13 Uhr bearbeitet.)

The Hoople
16.08.2001, 19:25
Nun, ich hatte das Pech, auf ein Gymnasium zu gehen, das den Ehrgeiz hatte, im Sport immer die Nummer Eins zu sein und bei 'Jugend trainiert für Olympia' immer die vorderen beiden Plätze zu belegen. Die Leute, deren Sport nicht so lag, wurden auch schon mal aufs übelste beschimpft. Ich möchte nichts gegen diese Schule sagen, im Gegenteil, ich hab mich da immer wohl gefühlt - außer beim Sport. Da wurde einem auch nichts gezeigt, keine Technik oder ähnliches.Man mußte alles schon so können. Die einzige pädagogische Fähigkeit dieser Lehrer war es zu wissen, wie man eine Stoppuhr richtig herum hält. Ich bin ja für Sport als körperlichen Ausgleich, aber muß es denn immer sofort Leistungssport sein? Noch schlimmer waren die Winter, dann stand Geräteturnen auf dem Programm. Mann, habe ich das gehaßt. Und für viele Jahre haben sie einem den Spaß am Schwimmbad vergällt.
Gut, daß das vorbei ist.
Viele Grüße
The Hoople

Bibo
16.08.2001, 20:10
Genau! Du hast ja so Recht! Im Sport, und besonders bei den Bundesjugendspielen, wurde immer erwartet, dass man alles schon konnte!!! Also waren natürlich diejenigen im Vorteil, die (z.B. dank Vereinssport) bereits eine gute Kondition, Kraft und die entsprechende Technik konnten! Stell dir mal vor, das wäre im Musikunterricht auch so gewesen: Jeder bekommt ein Instrument in die hand, der Lehrer geigt 2 mal vor und dann wird bewertet! Das hätten ja auch nur die gekonnt, die bereits außerschulisch ein Instrument lernten!!!
Ich oute mich hier jetzt mal, nie eine dieser Urkunden bei den Bundesjugendspielen erhalten zu haben!!! Lange Jahre war das immer eine Schmach, wenn die Urkunden ausgeteilt wurden... Ich gehöre auch zu denjenigen, die immer als letzte in die jeweilige Brennball- Volleyball oder was auch immer für ne Mannschaft gewählt wurde. Dabei bin ich gar nicht mal so unsportlich, ich hab damals nur einfach keine richtige Ballsport oder Leichtathletik_Technik gelernt und Kondition und die Muskulatur wurde beim Schulsport ja auch nicht aufgebaut.

Pectoralis
16.08.2001, 20:48
Zunächst einmal, Zazie: Auch ich hatte meine einzige 5 in Mathe, je eine in der Grundschule und am Gymnasium. Mengenlehre fand ich, wie gesagt, gar nicht so schlecht, jedenfalls habe ich mich ehrlich gewundert, als alle Eltern jammerten, das würden sie 'nie kapieren'. So. Das mit der Mengenlehre sollten wir jetzt vielleicht mal abschließen.
Sport: Bibo, ich schließe mich deinem 'Outing' an - ich hatte nie auch nur eine Siegerurkunde! Wie auch? Ich war nie sonderlich ehrgeizig oder begabt, es hat aber auch nie jemand versucht, uns in Schlagballwurf, 50-m-Lauf oder Weitsprung so etwas wie eine Technik beizubringen. Im Gymnasium hatten Jungs und Mädel getrennt Sport, d.h. es wurde bei uns fast ausschließlich FUSSBALL gespielt, wofür ich mich noch nie begeistern konnte. Deswegen und vor allem, weil ich am Samstagabend statt der Sportschau lieber die Waltons guckte, galt ich damals immer als unsportlich.
Während ich heute viermal die Woche ins Fitness-Studio renne und eigentlich auch als sportlich gelte, wurden die damaligen Sportskanonen bereits bei der Musterung wegen kaputter Knie etc. aussortiert...
In Illies' 'Generation Golf' (lese ich gerade, finde ich amüsant, aber nicht NUR gut) wird dieses Thema übrigens auch recht ausführlich behandelt. Um mir noch eins draufzugeben, betont er, die Siegerurkunden wären im Grunde nur Trostpreise für die Flaschen gewesen. Danke, ich hatte nicht mal so eine!!!

Bibo
16.08.2001, 21:38
Eine ganz peinliche Geschichte zu den Bundesjugendspielen: Wir hatten -angeblich - 1000Meter-lauf gemacht und dafür hatte ich eine sensationelle Zeit. Also dachte ich mir, na gut, dann läufste jetzt mal 1000m. Ich hatte sonst 100m vorgezogen, das war schneller vorbei.
Als wir am besagten Tag im Stadion ankamen und die anderen sagten: kommt, wir laufen uns mal ein ne Runde, ging mir schon die Puste aus. Dann der Horror: Der 1000m-Lauf war ganz zum Schluss UND I C H war von Anfang an die A L L E R L E T Z T E!! Na ja, die gesamte Schule schaute also bei meiner Schmach zu. Dann dachte ich noch versehentlich, die Startlinie der 100m-Läufe wäre die Ziellinie und hörte auf zu laufen, was eine unserer Nonnen dazu veranlasste, wild ekstatisch auf der Bahn herumzuwinken und zu rufen: Koooom, das schaffst du auuuch noooch!!! Duuuuurchhaaalten!!!
Also, wenn die Sportlehrerin uns nich n' 600m-Lauf als 1000m-Lauf verkauft hätte, wäre ich mit meiner 100m-Zeit (zugegebenermaßen auch peinlich lahm) besser gefahren!

Zazie
17.08.2001, 13:04
Hahahahaaaa, willkommen im Club ihr Sportskanonen, ich habe mich köstlich über eure Sporterlebnisse amüsiert :-) wie schön, dass ich nicht die einzige war. Ehrgeizige Zicken beim Ballspielen, die einen hinterher zur Schnecke gemacht haben, als Letzte in die Mannschaft gewählt werden - genau so war's! Ich empfehle euch wärmstens den Strang 'Bundesjugendspiele' im 80-er Forum. Jetzt noch wärmer als vorher, nachdem ich weiß, wie viele Sportskanonen hier sind :-) Von Sportmuffeln für Sportmuffel gemacht sozusagen. Urkunde bei den Bundesjugendspielen, was is 'n das? Ich hab noch nicht mal den Freischwimmer!
Pectoralis, in Mathe war und bin ich ein vollkommener Analphabet. Muss wohl von Anfang an schief gegangen sein bei mir. Ich sag's ja, diese Mengenlehre! Ist immer toll, wenn ich Rechnungen schreibe. Die rechne ich dann 5x nach und bekomme 5x das selbe Ergebnis. Schicke das Ding weg und kurz darauf ruft der Kunde an, 'Da ist ein Fehler in Ihrer Rechnung.' Oder aber ich rechne 5x nach und bekomme 5 verschiedene Ergebnisse. Trotz Taschenrechner versteht sich. Am Gymnasium - ist auch noch 70-er - hatte ich aber auch schon ein paar Fünfen mehr als nur in Mathe... und ein paar vier minus minus minus...
Ich wäre selber gerne Lehrerin geworden. Und in Anbetracht dessen, dass ich ganze zwei Ehrenrunden gedreht habe, wäre ich sicher gar keine schlechte geworden.
Viele Grüße
Zazie, die heute noch froh ist, dass es vorbei ist

Nevergrewup
17.08.2001, 13:04
Liebe Freunde, mich befällt ein wohltuendes Gefühl, wenn ich nach vielen Jahren endlich lesen darf, daß ich nicht der einzige war, der bei den Bundesjugendspielen immer ohne Urkunde nach Hause radelte. Oh, was habe ich diese Veranstaltung gehaßt, ich konnte weder schnell rennen und auch nicht sonderlich weit werfen, das Springen in feuchte Sandgruben war mir ein Greuel und die Stange bei der Hochsprunganlage schepperte schon nach unten, wenn ich mich ihr nur näherte. Tja, als Dank gab es höchstens hämische Blicke von Mitschülern, was doch für widerliche Tage diese Spiele waren...
(Beitrag wurde von Nevergrewup am 17.08.2001 um 13:55 Uhr bearbeitet.)

Spleen
17.08.2001, 19:37
Der einzige ohne Urkunde? Nicht, solange der Spleen unter Euch weilt! Hatte ich auch nie. Meine besten Bundesjugendspiele waren in der 10, da bin ich mit einem Kumpel früher abgehauen, um in der Nähe eine RTL-Roadshow ('Zwölf Uhr mittags') mitzubekommen. Wir haben sogar bei einem Musikquiz mitmachen dürfen, aber gewonnen haben wir nichts.

Bibo
17.08.2001, 20:39
Ach, wie schön, ich bin nicht allein! Was hätten wir für ne nette Ballmannschaft sein können, gemütlich den Ball n bischen hin und herwerfen, zwischendrin mal ne Picknickpause. Und die Bundesjugendspiele: Mal n bischen in die Sandgrube hopsen; gucken, wer am lustigsten die Latte beim Hochsprung herunterpurzeln lässt und die originellsten Lauftechniken werden mit Freibier prämiert (oder Afri-Cola oder so)...

Lelani
17.08.2001, 20:45
Hihihihi, noch jemand ohne Urkunde, liebe Gemeinde, ich fühle mich wohl bei euch! Für mich hat das Grauen einen Namen: Bundesjugendspiele! In allen Arten Sport war ich eine glatte Niete. Geräteturnen - AUA! Ich rannte auf den Kasten los, sollte einen Sprung darüber machen, hatte Angst, rannte gegen den Kasten, warf alles um. Als man mich zwischen den Einzelteilen des Sportgerätes herausgepult hatte war mein Kopf rot vor Scham, denn die ganze Klasse machte sich lustig über mich, der Lehrer übrigens auch. Ich habe meine Mutter dann überredet mir für Geräteturnen immer eine Entschuldigung zu geben. Ich erfand tausend Wehwehchen, der Lehrer hat es akzeptiert, Hauptsache Mutter hatte unterschrieben das ich nicht teilnehmen konnte. Der Unterricht fand immer in der Frühstunde statt: Um 07.00 Uhr! Einmal traten wir gegen andere Schulen im Schwimmwettbewerb an. Ich war in der Mädchenmannschaft die 5. Ersatzschwimmerin. Ich war glücklich, denn somit sah ich keine Chance dranzukommen. Ich kam dran! Ich schwamm um mein Leben, aber da ich die elegante Wende nie gelernt hatte und auch nicht kraulen konnte, hatte ich keine Chance. Ich war danach 2 Tage krank - aus Angst davor ausgelacht zu werden.

Zwicki
17.08.2001, 22:21
Mit Mathe stand ich auch immer auf Kriegsfuss. Schrecklich. Bei den Winter-BJS habe ich tatsächlich mal 'ne kleine Urkunde bekommen. Turnen mochte ich. Ich durfte sogar mal vorturnen. Aber Leichtathletik, pfui, bäh. 100m-Lauf ging noch. Den hab' ich noch gut hingekriegt. aber sonst. Vonwegen werfen, springen oder so. Nee nee, ohne mich. Ballspiele mochte ich auch gerne. Fand es aber total daneben, wenn die Mädels, die im Handballverein waren, dann das Zepter schwingen wollten. 'Nein, du musst da und da hinlaufen'. 'Ich lauf hin wo ich will. Du hast mir gar nix zu sagen'. Voll bockig. Korbball habe ich gehasst. Ich habe diesen Drecksball nie in' Korb bekommen. War wohl 'ne reine Kopfsache. Mir war völlig schleierhaft, wie so'n Ball in den Korb passen sollte. Hat natürlich auch nie geklappt.
Ansonsten gabs natürlich auch Raucherecken, Schulbrottauschen und wichtige Gespräche auf'm Klo.
------------------
Viele Grüße, zwicki
'Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte' (Autor fällt mir momentan nicht ein, gibts aber)



(Beitrag wurde von Zwicki am 17.08.2001 um 21:23 Uhr bearbeitet.)

Zazie
18.08.2001, 00:34
Bibo das war 'ne gute Idee, es hätte damals Komik-Bundesjugendspiele geben müssen. Ehrenurkunden für all diejenigen, die sich am dusseligsten anstellen, gemessen am Lachpegel der Zuschauer, die natürlich auch drankommen und ihre lustig anzusehende Unsportlichkeit unter Beweis stellen müssen. Sprich, jeder macht sich vor jedem lächerlich und ist bemüht, dabei möglichst doof auszusehen. Lachmuskeltraining!
Aber mal ehrlich - 95% aller Forumsteilnehmer scheinen ernsthaft vom Sportunterricht und den BJS traumatisiert zu sein. Da ist der Schulstrang im 80-er Forum, wo die Diskussion schnell auf Sportunterricht kam. Da ist der BJS-Strang, der sehr regen Zulauf hatte. Und das hier ist ein ganz allgemeiner Schulstrang - flupp, schon wird allerwärts vom Sportunterricht erzählt. Und immer nur negativ! Wo bleiben denn diejenigen, die Einsen und Zweien in Sport hatten? Die Sport-Leistungskursler? Also dieses Forum sollten wirklich alle Sportlehrer lesen und die, die es werden wollen.
Viele Grüße
Zazie

(Beitrag wurde von Zazie am 17.08.2001 um 23:37 Uhr bearbeitet.)

rz
18.08.2001, 03:49
Leute mit schnellen Beinen haben eben kein Sinn für Interesse an schönen Dingen wie Comic-Lesen, Filmen oder guter Muke!
rz
(Bestzeit 100m: 15,6sec

Pectoralis
18.08.2001, 16:27
Tja, so ist das! Bei mir kam noch dazu, dass mein Vater, dem in seinem Leben nach eigener Aussage 'die Bewegung mit zunehmendem Alter immer mehr Spaß' gemacht hat - d.h. er war in der Schule genau so eine Flasche wie ich - exakt zu meiner Schulzeit mit Sportabzeichen und sowas angefangen hat. Er hatte vergessen, wie es in seiner Kindheit damit aussah und sich irgendwie in den Kopf gesetzt, ich müsse nun auch eine Sportskanone sein. Trotzdem ich ihn klipp und klar darüber aufklärte, dass er das vergessen könne, fragte er mich nach jeden BJS naqch 'meinen Werten'. Ich habe sie ihm ein einziges Mal mitgebracht, und angesichts seines zusammenfallenden Gesichts war dies das letzte Mal.
Späte Genugtuung: Neulich erfuhr eine Frau im Fitness-Studio von meinem Beruf, woraufhin sie meinte: 'Was, ich dachte immer, er wär Leistungssportler oder so - bei der Figur!' Ich wünschte, mein Sportlehrer oder all die (heute invaliden) Sportskanonen meiner Klasse hätten danebengestanden...

Spleen
18.08.2001, 19:43
Es gab (in US) mal eine Hanna-Barbera- Serie namens 'Laff-a-lympics' (also 'Laugh Olympics'), mit Yogi, Bubu, Scooby Doo und den meisten anderen. Anscheinend könnten wir die Realversion davon geben!! Schade, dass wir uns damals noch nicht gekannt haben! Ich habe immer Churchill zitiert: 'No sports', oder auf Buddhas Verdienste trotz seiner Körperfülle verwiesen.
Ich habe mal beim Fußball im Sportunterricht ziemlichen Ärger bekommen, weil ich mit meinem Co-Verteidiger und Freund viel lieber über das neueste 'KAPUTT' gefachsimpelt habe, als auf en &%$%&-Ball zu achten. Hihi. Die faulsten Verteidiger der Nation. Ich war immer Verteidiger... So ähnlich wie Lucy als Outfielder in Charlie Browns Baseballmannschaft. Heute kann ich drüber lachen, vor allem seitdem dann die ganzen vielversprechenden Sportskanonen in der Mittelstufe das Rauchen und Saufen anfingen und ihre Karriere ohne Olympiateilnahme als Mantafahrer beendeten. Hihi http://www.alles-bonanza.de/ubb//wink.gif

Zazie
19.08.2001, 20:39
Hihi, es sieht ganz so aus, als hätte rz Recht :-) aber seien wir mal ehrlich, wir, die uns für eben diese schönen Dinge interessieren, wir haben langfristig gesehen mehr davon. Meine beste Freundin damals war eine absolute Sportskanone. Alles, alles hat sie gemacht. Ich beneidete sie, weil sie immer so schön turnen konnte, sie dagegen beneidete mich, weil ich so schön zeichnen konnte. Heute macht sie überhaupt keinen Sport mehr und schon damals hatte sie irgend welche Sehnenscheideentzündungen in den Armen und lief ab und zu mal mit verbundenen Armen rum. Ich zeichne zwar auch nicht mehr, habe aber viel mehr von meiner eher künstlerischen Tendenz - und keine körperlichen Schäden.
Pectoralis, mein Vater ist auch eher sportlich, aber 'meine Werte' wollte er dennoch nie sehen. Er war und ist ein sehr guter Judoka, was Klein-Zazie auch machte und bald frustriert an den Nagel hing. Später dann wollte er mich ab und zu mal dazu animieren, mit ihm joggen zu gehen, aber das konnte er gleich vergessen. Also gingen wir hin und wieder zusammen schwimmen oder, noch früher, schlittschuhlaufen. Meine Mutter war schon immer die Unsportlichkeit in Person; insofern bekam ich Verständnis von meinen Eltern, wenn ich in Sport nicht gut war. Meine Mutter hat bloß immer dafür gekämpft, dass ich keine Fünf ins Zeugnis bekam später auf dem Gymnasium.
Viele Grüße
Zazie

Spleen
23.08.2001, 19:49
Lateinunterricht war immer der Hammer! So was von ööööde! Und keiner hat sich was dabei gedacht. Wir waren gewohnt, tagaus tagein Cäsar zu übersetzen. Ich glaube, wir haben fast das ganze 2. Buch durchgehechelt, mit einiger Unterstützung durch die altertümlichen 'Pons'-Spickbüchlein! Gähn!

Nevergrewup
24.08.2001, 01:07
Den Cäsar und seinen Wälzer über die gallischen Kriege hatten wir auch, wobei ich permanent an Asterix denken mußte, um wenigstens etwas Gefallen an diesem zähen Stoff zu haben. Desweiteren fallen mir noch die Rededuelle zwischen Cicero und Catilina ein, die gab's bei uns in der Mittelstufe. Ich fand Latein furchtbar langweilig und habe es nur mit viel, viel Mühe zum Großen Latinum gebracht. Weitere Fremdsprachen an meiner Schule (privates Kloster-Gymnasium) waren übrigens Alt-Griechisch und Hebräisch, oh dear...

Zazie
24.08.2001, 13:51
Hebräisch, wow!
Mein Lateinunterricht-Beginn fällt grade noch so in die 70-er. Wir hatten eine sehr strenge, aber gute Lehrerin. Die hat immer viel über das alte Rom und griechisch-römische Mythologie erzählt, das war interessant. Ich hab's auch bis zum Großen Latinum gebracht, aber viel Freude hatte ich an Latein nicht. Später an der Gesamtschule hatte ich halt einen coolen Lehrer, der dankbar war, dass wir in seinem Kurs geblieben waren (einige wanderten ab, denn die Alternative hieß Darstellendes Spiel; wer konnte da schon nein sagen: nur einige vom harten Kern, wozu ich gehörte). Damit wir Verbliebenden auch alle eine gute Note bekamen, hat er uns immer sehr geholfen, auch in den Klausuren. Von Latein ist bei mir absolut Null übriggeblieben. Aber es war sehr hilfreich, um Italienisch und Spanisch zu lernen.
Aber wo wir grade bei meinen ersten Gymnasiumsjahren sind (ab '77 ging's damit los bei mir)...
Ich hatte ja so einige Hassfächer an der Schule. Eines davon hieß Geschichte. Hab ich von Anfang an gehasst wie die Pest! Jetzt werdet ihr vielleicht sagen, haha, so'n Quatsch, da muss man doch nur auswendig lernen. Aber meine Blockade war so groß, dass ich selbst das nicht packte. Mein Hirn weigerte sich standhaft, irgend was aufzunehmen, was vor meiner Zeit stattgefunden hatte.
Und Physik. Mein erster Physiklehrer sah total wild aus und war auch so. Sein Unterricht war seiner Meinung nach der wichtigste überhaupt. Wer bei ihm schlecht war, erhielt von ihm die Bezeichnung 'Todeskandidat'. Ich gehörte auch dazu, natürlich.
Eine ziemlich fuchsige Erdkundelehrerin hatte ich auch. Sie war recht nett, aber sie schrieb immer mal unangesagte Tests (in Berlin gibt's das Wort 'Ex' bis heute nicht). Mit anderen Worten, man hatte um jeden Preis vorbereitet in ihren doofen Unterricht zu kommen, was ich meistens nicht war.
War bei euch auch die mündliche Beteiligung so wichtig? Bei uns total, und ich meldete mich, außer in den Fremdsprachen, immer viel zu wenig. Steht schon seit dem 2. Schuljahr in meinem Zeugnis und zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche darauffolgende. Musstet ihr viel auswendig lernen? Ich höre manchmal, hier in Bayern reicht es, wenn man was auswendig lernt und das dann dem Lehrer vorbetet und schon hat man 'ne gute Note im Mündlichen. In Berlin war das ganz anders, da war Diskussion und das alles gefragt und mir lag das überhaupt nicht.
Ja und wenn ich mich mal meldete, dann kam ich garantiert nicht dran! Grmpf!
Viele Grüße
Zazie

Spleen
24.08.2001, 19:37
Den Verdacht hatte ich bei den Bayern immer! Höhö, und dabei sind die so stolz auf ihre strengen Standards. http://www.alles-bonanza.de/ubb//biggrin.gif
Kennt Ihr den auch:
(1. Stunde im Fach Geschichte)
Lehrer: 'Wir schreiben KEINE Arbeiten.'
(Allgemeines Aufatmen der Schüler)
L:: 'Nur manchmal einen Test.'
(Schüler grummeln enttäuscht.)
Tests gibt«s ja eigentlich auch nicht. Das hieß in NRW offiziell 'Schriftliche Überprüfung der Hausaufgaben'. Es lebe der Euphemismus!

Bibo
24.08.2001, 20:16
An der Gesamtschule heißt ne Arbeit Test und der mir bisher geläufige Test heißt Lernzielkontrolle.
Hauptsache immer wieder ein neues Wort...
(Beitrag wurde von Bibo am 24.08.2001 um 19:17 Uhr bearbeitet.)

Zazie
25.08.2001, 11:22
Bibo erzähl, wie unterrichtet es sich so an einer Gesamtschule? Ich dachte, dieses 70-er Projekt gibt's schon fast gar nicht mehr und wenn, dann nur in Berlin. Ich habe nach meinem Rausschmiss vom Gymnasium (schlechte Noten, nicht etwa schlechtes Betragen, ich war 'ne ganz Artige) ja auch die Gesamtschule besucht, was mir letztendlich mein Abi gerettet hat. Zuerst war ich sehr skeptisch, aber letztendlich finde ich das System gar nicht schlecht. Es bietet doch viele Chancen auch für diejenigen, die zu Anfang nicht so gut sind. Oft lautet der Vorwurf, dass es keine richtigen Klassen in dem Sinne gibt und daher auch keine Klassengemeinschaft, aber ich war damals schon Individualist und habe das ohnehin nicht so stark gebraucht.
Viele Grüße
Zazie

Bibo
27.08.2001, 19:01
@Zazie: Ich unterrichte an einer Rieeeesenschule mit sehr vielen Schülern aus sozial schwachen Familien. Da erzieht man fast mehr grundsätzliches und SOZIALES Verhalten, als man Wissen vermitteln kann.
Ich finde durch die Größe des Systems das Ganze eher lähmend, nach dem Motto: Viele Köche verderben den Brei; so ist das auch dort oft mit den ständigen Konferenzen, zu konkreten Ergebnissen kommt man fast nie. Das klassische Gymnasium krankt sicherlich auch an einigem, vor allem an Lehrern, die sich als verhinderte Akademiker fühlen und eben nicht als Pädagogen.
Hier in NRW ist die Gesamtschule politisch forciert und das schon seit Jahrzehnten - konkret seit den 70ern. Das ist auch ein Nachteil; man kann über dieses Konzept (meiner Meinung nach vom ursprünglichen Ziel her ein gescheitertes Konzept) nicht mehr sachlich diskutieren, wenn man in der SPD ist, MUSS man die Gesamtschule mögen und in der CDU MUSS man sie hassen...

Zazie
06.10.2001, 00:45
Mir fällt da grade was ein, was mich als Erstklässlerin mal wieder mathetraumatisiert hatte.
Meine Mutter war zu Anfang immer so fies, mich über meine normalem Hausaufgaben hinaus noch mehr machen zu lassen. So zog sie z. B. auf ein Blatt für Schreibübungen auch noch auf der Rückseite Linien, auf dass ich die auch noch mit Schreibübungen füllte. Nun hatten wir da ein Blatt mit Mathekram, ich glaube, es war diese Plättchengeschichte, wo man die Plättchen auf bestimmte Art und Weise anordnen, nachzeichnen und dann um soundsoviel Grad drehen und reproduzieren musste. Dieses Blatt war beidseitig bedruckt und der Lehrer sagte ausdrücklich, wir sollten als Hausaufgabe nur die eine Seite machen, nicht etwa die andere Seite, weil er damit etwas anderes vorhatte. Das hatte er nicht so deutlich gesagt, aber durch seine Art, es zu sagen, war es klar. Eben dies konnte ich meiner Mutter mit meinen 7 Jahren nicht verklickern und so bestand sie darauf, dass ich beide Seiten machte. Ja, und am nächsten Tag stauchte der Lehrer mich dann unangespitzt in den Boden, wie ich denn dazu käme, die andere Seite auch zu machen, er hätte doch extra gesagt usw... woraufhin mir wiederum die Worte fehlten, ihm beizupulen, dass mich meine Mutter dazu genötigt hatte, die zweite Seite auch zu machen, weil sie mir nicht glauben wollte, dass diese vielleicht für was anderes vorgesehen war.
Und da soll man kein Schultrauma kriegen!
Viele Grüße
Zazie

DrMusic
06.10.2001, 01:31
...ich glaube, ich hatte damals in der ersten Klasse als i-dotz schon so eine Art 'Plättchenphobie'.. die man anfangs wohl nicht so recht erkannte. 1972 eingeschult kann ich mich noch an 2 Blechbüchsen mit Plättchen erinnern, von denen ich immer irgendwelche verloren hatte.... Eine beinhaltete lauter kleine runde Plättchen (einseitg blau, umseitig rot lackiert) die andere hatte lauter verschiedenfarbige Formplättchen. Aber was wir damit anstellen mussten, das habe ich entweder verdrängt oder vergessen.....
DrMusic
(Kind der 70er)
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...you may say i'm a dreamer, but i'm not the only one. (John Lennon)

Prof_Bienlein
06.10.2001, 02:17
Mein Neffe hat neulich auch schon eine Seite mehr bei den Hausaufgaben gemacht (1.Klasse!). Die Lehrerin schrieb daneben: 'Nicht vorarbeiten!'
Er schrieb daneben: 'Doch vorarbeiten!' - Was soll nur aus ihm werden???

Zazie
06.10.2001, 12:03
Dein Neffe hat freiwillig vorgearbeitet? Boah, der wird mal ein guter Vorarbeiter! :-)

Spleen
06.10.2001, 20:14
Keine Sorge, das vergeht wieder! Meine Nichte ist momentan auch so ein Overachiever (auch 1. Klasse!) Die nimmt sich immer die schwierigsten Matheblätter mit und ihre Mutter muss sie ihnen erklären!

peterthomassuschny
06.10.2001, 22:04
@Dr. Music
Bin zwar nicht besonders in Mathe, habe aber in Rechnen aufgepaßt: 1972 eingeschult heißt Jahrgang 1966 (oder zwischen 9/ und 12/1965 geboren): also Kind der 60er, Schulkind der 70er.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
ein anderer 68er (1962 geboren und daher 1968 eingeschult, die 'normalen' 68er haben in Ö eh nicht viel angestellt, der Günther Bruhs hat ein bißchen bei einer 'Aktion' in der Uni auf den Tisch geschissen und zur Bundeshymne onaniert, dafür hat er dann Haftstrafe erhalten, hat sich aber durch Flucht nach Deutschland dieser wiedersetzt.
Heute illustriert er Kinderbücher, ich hoffe, er malt keine Zumpferln hinein, aber das macht dafür der Deix, aber eher im 'Profil', der ist aber höchsten Jahrgang 1950, der war 1968 noch zu jung, aber wahrscheinlich sogar zwischen 1950 und 1953 geboren).

DrMusic
18.10.2001, 20:23
@ pts
Du hast Deine Matheaufgaben richtig gemacht.
Dr.Music
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...you may say i'm a dreamer, but i'm not the only one. (John Lennon)

Castafiore
19.10.2001, 16:06
Sagt mal, Ihr Lieben, kennt einer von Euch auch noch die LÜK-Kästen? Diese flachen Plastikdinger mit einzelnen kleinen, quadratischen Plättchen drin, auf denen irgendwelche kryptischen Zahlen standen, und wenn man sie den Rechenaufgaben gemäß hingelegt hat und sie mit Hilfe des Kastens auf die andere Seite gedreht hat, gab es ein wunderschönes Karomuster in rot-grün-blau (vorausgesetzt, man hat richtig gerechnet, bei vielen meiner Mitschüler sah das dann eher psychedelisch-wirr aus!).
HUCH!
Wie unangenehm, damit wurde dieser Strang ja einst eröffnet! *erröt* Na ja, egal, ich mußte mich von diesem Trauma einfach befreien. Danke für Eure Geduld!
(Beitrag wurde von Castafiore am 19.10.2001 um 15:09 Uhr bearbeitet.)

Zazie
19.10.2001, 21:44
Also bei uns in Berlin hat es diese komischen Kästen nicht gegeben, nie und nimmer nicht!
Haben wir eigentlich schon Matrizen erwähnt? Die dürften heute, im Zeitalter von Druckern und Hightech-Kopierern, auch der Vergangenheit angehören. Schließt die Augen und stellt es euch vor: Ihr sitzt in der Schule und bekommt Blätter einer frisch gezogenen Matrize ausgeteilt. Na, könnt ihr sie riechen? Das war schon ein Duft, davon konnte man richtig stoned werden, so geschnüffelt haben wir an den Blättern. Auch jetzt noch kann ich mich genau daran erinnern. Es ist einer der Gerüche, die ich wohl nie im Leben vergesse.
Viele Grüße
Zazie

Rattunde
19.10.2001, 23:06
Den Lük-Kasten gibt es heut immernoch.Natürlich in tausend(naja,fast) Variationen.Wir haben damals aber nicht mit dem Lük Mengenlehre gelernt,sondern mit ausgestanzten Kreisen,Dreiecken ect. in verschiedenen Grössen und Farben.Die sind einem dann immer im Ranzen rumgefallen. Unsere Eltern mussten sogar einen Kurs in Mengenlehre machen,weil wir der erste Jahrgang in der grundschule ware,der das gelernt hat. Ausserdem kann ich mich noch dran erinnern,dass wir jeden Morgen Eimer mit Bricketts aus dem Keller ins Klassenzimmer tragen mussten ,um den Kohleofen einzuheizen.Nach einem halben Jahr sind wir dann in ein neues Schulgebäude eingezogen,so ein weißer,verwinkelt gebauter Backsteinbau,mit Flachdach,innen und aussen unverputzt,war damals wohl ziemlich modern.
An zwei richtig fiese Lehrer/in kann ich mich auch noch erinnern. Der eine hat immer mit Kreidestückchen auf uns geworfen,wenns mal nicht so leise war(und natürlich auch getroffen,autsch!).Die andere Lehrerin hat uns mit ihren langen Fingernägeln ins Ohrläppchen gepetzt,bei meiner Freundin hat«s sogar mal geblutet!
Aussredem gings natürlich Sonntags morgens in die Kirche ,rechts die Jungs,links die Mädchen,1.Klase-1.Reihe,2.Klasse.....
und immer hat irgendeine alte Frau sich duzu gesetzt und von hinten Kopfnüsse verteilt,wenn`s zu unruhig wurde. Das Schlimmste war wenn der Pfarrer dich von der Kanzel aus beim Namen gerufen hat und du dich wegsetzen musstest!!!!
Grüsse Rattunde

Nevergrewup
20.10.2001, 01:31
Genau, das Riechen an den frischgezogenen Matrizen war ein echtes Ritual. Auch wenn die Angst vor der Mathe-Arbeit noch so groß war, wurden die gerade ausgeteilten Blätter erst mal ausgiebig beschnüffelt und einige Witzbolde machten dann sogleich einen auf mega-stoned. Tja, wenn man sich anschließend den gestellten Mathe-Aufgaben widmete, wich der Spaß bei den meisten Leutchen vollständig und machte einer gewissen Panik Platz, vor allem bei mir war das immer der Fall....

Prof_Bienlein
20.10.2001, 16:00
Der Matritzengeruch ist auch mir noch sehr vertraut.
Aber, arme Rattunde! War das wirklich erst in den 70ern? Oder warst du in Bayern? Oder in Südwestafrika? So autoritär ging es bei uns in Hessen jedenfalls nicht zu.

peterthomassuschny
20.10.2001, 16:50
@Prof-Bienlein
In Hessen vielleicht nicht, aber in Wien, das seit 1919 (außer 1934 - 1938 und 1938 - 1945) immer sozialdemokratische Bürgermeister gab, wurde Ende der 60er (ich kam im legendären Jahr 1968 in die erste Klasse Volksschule) und Anfang der 70er gerade in Religion gerne hingehaut.
Ich durfte in einer Stunde einmal als Gast drinnensitzen (in Wien waren die natürlich auch tolerant), das war in der dritten Klasse, also 1970/71 und der Pater war sehr interessiert und wollte wissen, ob ich schon einmal in Israel gewesen war. Auf meine Verneinung meinte ein anderer, 'Vielleicht schon einmal im Gedanken' und erhielt gleich ein Kopfstück, also zimperlich waren die bei uns Katechet geheissenen Herren nicht, ich habe von einem anderen Katecheten im selben Schuljahr einmal ein Kopfstück auf einem Schulausflug erhalten, als ich mit einem Mädchen gestritten habe, mit der ich mich auch in der Gymnasiumunterstufe nicht besonders verstand (sehr wohl aber, seitdem ich sie mit 17 wieder in der Tanzschule traf und zweimal bei Volksschulklassentreffen 1994 und 1996, seit sie mit 19 das erste Mal schon Mutter wurde ist sie viel netter, lag wahrscheinlich am Ehrgeizstreben ihrer Mutter, die - wie meine Mutter erst vor wenigen Wochen erzählte - den eigenen Mann als Versager sah und dabei irgendwie die Tochter zu ihrem 'Vorzeige-Zirkuskind' oder so ähnlich dressieren wollte).
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Rattunde
21.10.2001, 00:13
Lieber Prof_Bienlein!
Es war Hessen!Leider weiss ich nichts über den damaligen Schulalltag in Rheinland-Pfalz ,sonst könnte man sagen,da ist was von der anderen (ebschen) Rheinseite rüber geschwabbt!
Mein Sohn hat jetzt in der 6.Klasse meine ehemalige Mathelehrerin,die ich schon in der 6. hatte und meine Tochter eine Lehrerin die zu meiner Zeit schon an der Grundschule war,aber das sind natürlich zwei von den lieben Lehrkräften.Ist aber schon witzig.
Grüsse Rattunde

Rattunde
23.10.2001, 23:21
Gerade fällt mir noch eine riesige Ungerechtigkeit aus meiner Schulzeit ein.Die Jungen hatten Werkunterricht und wir Mädels musste Handarbeitsunterricht machen.
Topflappen häckeln,Teddybären stricken,ein Nähetui nähen und mit Kreuzstichen besticken,ect.ect.Besonders unsere Handarbeitslehrerin in der Unterstufe(Kath.Mädchenschule) war für mich ein Horror.Sie war eine richtig verbiesterte Nonne mit einer unsäglich schrägen,schrillen Stimme.Nie werde ich ihren Standardspruch vergessen:'Langes Fädchen,faules Mädchen'(würg).
Die Jungs dagegen bastelten so tolle Sachen wie Holzflugzeuge,Vogelkästen,und durften hämmern und sägen und Krach machen .
Ganz schön fies!
Grüsse Rattunde

Elwood
23.10.2001, 23:49
@Rattunde: du hast recht, das Thema paßt hier besser rein. Handwerklich war ich nie so begabt, künstlerisch erst recht nicht. Aber wie ich schon im Barbie-Strang postete, konnte ich gut häkeln und habe die Grundschul-Topflappen heute noch in Benutzung.
Wir wenigen Jungs in den Textil-Kursen (so hieß Handarbeiten später) haben auch 'Autorennen' veranstaltet. Man bemalte ein Blatt Papier mit einem möglichst kurvigen Renn-Parcours, legte das Blatt unter die Nähmaschine und 'gab Gas'. Wer die Nadel am schnellsten und ohne Verlassen der Strecke über die Runde führen konnte, hatte gewonnen.
Die Zeit wurde mit den neuen, ultracoolen Digitaluhren, die jeder haben mußte, genommen.

Zazie
24.10.2001, 02:26
Hahahaaaa, Klasse Elwood, euer Nähmaschinenwettrennen! :-))) Noch besser wäre das ja gekommen, hättet ihr anstelle von elektronischen Maschinen solche alten mit Tretpedal gehabt, da wäre der Sieg noch wohlverdienter gewesen.
Nähmaschinen, sowas gab es bei uns gar nicht. Ich hatte nur ein einziges Jahr Handarbeitsunterricht (parallel dazu lief Werken) und das war in der 6. Klasse, in Berlin noch Grundschule. Soweit ich mich erinnere, gab es keine standardmäßige Geschlechtertrennung, aber es sah dann doch so aus, dass nur Mädchen handarbeiteten und nur Jungen werkten. Nun ja, ich war gut in dem Fach. Ich handarbeitete gerne, liebte es, zu experimentieren, hatte aber null Ausdauer. Später in den 80-ern, als stricken total hip war, produzierte ich ein paar sehr unförmige Pullis. Meistens musste meine Mutter sie fertigmachen. Nähen tue ich heute noch ganz gerne, das lernte ich aber erst in den 80-ern. Bei uns im Handarbeitsunterricht wurde meistens gestickt und gehäkelt und das war's schon. Natürlich gab es die obligatorischen Tempotüchertäschchen und einmal sollten wir eine Tasche häkeln. Meine war rund, aus meliertem Garn, das gab einen ganz irren Effekt und eine gute Note. Das Fach hieß 'Nadelarbeit' und war irgendwie überhaupt nicht wichtig. Später am Gymnasium (ab 1977) gab es in der 7. Klasse noch zwei Stunden Werken, das fand ich auch meistens gut. Es wurden Masken aus Gipsbinden hergestellt und mit Ton irgendwas geformt. Der nächste 7. Jahrgang hatte dann schon kein Werken mehr, stattdessen fing der schon mit Physik an, was wir erst in der 8. bekamen. Verdammt schlechter Tausch!
Viele Grüße
Zazie

Ruby
26.10.2001, 01:31
Hätte ich bloß diesen Strang nicht gelesen! Heute nacht habe ich wieder von der Schule geträumt, merkwürdigerweise genau andersherum, als wie es wirklich gewesen war: In meinem Traum hatte ich in Mathe ein Brett vor'm Kopf, und beim Basketballspiel hechtete ich todesmutig dem Ball hinterher.
Im Schulsport war ich auch keine Leuchte, obwohl ich schon immer viel für z.B. Radfahren, Schlittschuhlaufen, Schwimmen, Hundespaziergang etc. übrig hatte. Ein Stubenhocker war ich noch nie. Aber ich sah einfach keinen Sinn darin, wie verrückt hinter einem Ball hinterherzulaufen und dabei mit den 'Brocken' aus unserer Klasse zusammenzurempeln. Und Geräteturnen - Kotz!
Aber trotzdem habe ich in meiner Schulzeit eine (1) Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen bekommen, und das kam so: In der zehnten Klasse fanden unsere Bundesjugendspiele im Stadion einer anderen Schule statt. Das Stadion lag direkt an einer Au, und der Platz war voller Riesen-Regenwürmer. Zum Glück hatte ich meinen Body Guard dabei, so daß mir keiner einen in den Nacken stecken konnte. Aber beim Laufen und auch beim Springen machte ich mit einem kleinen, lustigen Mitschüler ab, er sollte mit einem Regenwurm hinter mir herlaufen. Es klappte, ich lief eine (für mich) super Zeit, und auch beim Springen hatte ich ordentlich Schubrakete. Dieser sportliche Triumph blieb aber ein Einzelfall. Der einzige Lichtblick war später in der Oberstufe der Jazzgymnastik-Kurs. Das einzige Mal, daß ich im Sport eine 'zwei' hatte.
So, das wollte ich noch anbringen, aber dieser Traum verfolgt mich wieder den ganzen Tag...

Zazie
26.10.2001, 01:59
'Ne Siegerurkunde hat sie errungen, diese Sportskanone... pfui Ruby, schäm dich was! :-)
Ansonsten war ich ähnlich wie du, mein einziger Gymnastik-Grundkurs in der Oberstufe hat mir auch meine Sportnote gerettet. Als ich aufs Gymnasium kam, hatten wir in der Woche 2 Sportstunden. Nun hieß es, wir Schüler hätten Anrecht auf eine 3. Sportstunde (wobei aber niemand gefragt wurde, ob er von diesem Recht wirklich Gebrauch machen wollte, mit anderen Worten: Die 3. Sportstunde war kein Angebot, sondern einfach nur ein Gebot; es war Pflicht, dieses großzügige Angebot anzunehmen, ob wir wollten oder nicht). Diese 3. Sportstunde gestaltete sich in dem Maße, als dass wir alle 2 Wochen einmal nachmittags 2 Stunden Sport hatten. Hierzu mussten wir uns eine so genannte 'Neigungsgruppe' aussuchen. Derer gab es so einige, aber die einzige, die für mich (und die meisten anderen Mädchen) in Frage kam, war Jazzgymnastik. Das hat auch wirklich Spaß gemacht. Aber leider, es dauerte glaube ich noch nicht mal ein ganzes Schuljahr, dann hatte es sich ausgejazzdanced, weil die Lehrerin schwanger war oder sowas, jedenfalls war sie temporär nicht da und keine andere konnte oder wollte das übernehmen - welch Schmach für einen Sportdragoner, der was auf sich hält! Jazzgymnastik, so ein Kleckerkram! Die Alternative dazu hieß - na was wohl, Ballspiele, Ballspiele und nochmal Ballspiele, heul!!! Einige Jahre später gab es dann Rock 'n Roll im Angebot, das hätte so schön sein können, wenn ich nicht den größten Hämpfling überhaupt als Partner gehabt hätte (und ich selber war schon immer so 'ne Abgebrochene). Naja, besser als das blöde Volleyball war es allemal. Nichtsdestotrotz, ich habe die 'Neigungsgruppe' geschwänzt, wo ich nur konnte. Das ging auch einigermaßen, weil die Kontrollen da nicht so streng waren und es auch keine Noten gab.
Über Alternativsportarten habe ich mich schon im Bundesjugendspiele-Strang im 80-er Forum ausführlich ausgelassen. Denn ich war zwar weitgehend schon ein Stubenhocker, aber dennoch gab es Sportarten, die mir gefielen und die ich gemacht hätte (genau Ruby, Fahrradfahren, Schlittschuhlaufen, aber mir hätte auch Judo gefallen).
Viele Grüße
Zazie

DrMusic
26.10.2001, 01:59
Puuuhhh... was für lange Postings ich in diesem Strang immer lesen muss....
Kommen wir mal wieder weg vom Sport - ich hatte früher auch diverse Ehren- und Siegerurkunden 'ergattert', aber irgendwie habe ich das nur wegen der Noten getan - der Ehrgeiz des Sports wegen an sich war nicht so ausgeprägt...
Ich hatte über diese Plättchen zuletzt geschrieben. Also, ich habe die Grundschulphase in NRW mitgemacht und bin dann später, Mitte der 70er nach Hessen umgezogen. Die Plättchen gab es wohl überall, genau wie die Mengenlehre (die meine Eltern so gehasst haben, weil nicht verstanden) Sie gehörten in so kleine ote oder blaue Blechkästchen, aber haben sich dennoch immer so gerne im Tornister (in Hessen hat man dann 'Ranzen' gesagt) selbständig gemacht und immer haben einige gefehlt. Vielleicht war's auch meine Schlampigkeit. Den Religionsunterricht haben wir dann immer von dem örtlichen Pfarrer selbst erteilt bekommen - da konnte man gut 'schleimen' und sich eine gute Note ergattern, wenn man glaubhaft gemacht hatte, wie 'gläubig' man doch sei....
Mein Grundschullehrer war noch von der ganz harten alten Sorte. Damals schon weit über 60 hatte er selbst 1972 noch einen Rohrstock für unartige Schüler... Da hiess es dann öfters: *** - ziehe deine Brille ab und schau mich an! Dann gabs Schläge auf die Finger.... Sollte man nicht für möglich halten, aber ich habe das selbst miterlebt.
So, bevor ihr jetzt zuviel lesen müsst mach ich mal eine Pause und erzähle nächstes Mal weiter....
Dr.Music

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Ruby
27.10.2001, 01:16
Hat schon jemand was über Klassenfahrten geschrieben? Die gehörten doch auch zur Schulzeit dazu!
Wir waren in der 6. Klasse in Hörnum auf Sylt: endlose Dünenwanderungen im April, Fahrt mit dem Kutter zur Hallig Hooge, während der einige die Fische fütterten wegen des Seegangs. Am besten waren abends die Discos, (fast) die ganze Klasse war engtanz-begeistert. Am schlimmsten war das Essen in der Jugendherberge: versalzene Suppe, 'Heimweh-Fleisch' (wegen der Sehnen), pappige Nudeln... Am besten, man deckte sich morgens gleich reichlich mit Brötchen ein. Und immer dieser rote Früchtetee!
In der 10. (ok, war schon 1981, im September) waren wir mit den Fahrrädern im Weserbergland unterwegs. Mit der Bahn nach Kreiensen, dann mit den Rädern zu den Jugendherbergen in Bad Gandersheim, Polle und Springe. An diese Klassenfahrt habe ich noch viele gute Erinnerungen, zumal ich bei einem der Pärchen dabei war, die sich ja bei solchen Fahrten immer finden (hielt sogar noch über 8 Monate danach). Mit Engtanz-Discos war natürlich nichts mehr, dafür hingen die Jungs in den Mädchenzimmern herum und umgekehrt. Morgens wurden wir immer mit einem Kate Bush-Song geweckt, der aus den Lautsprechern tönte (wie hieß der wohl noch???). In Goslar hatte ich mich an Apfelstrudel mit Vanilleeis überessen, und bei der Besichtigung einer Burg bin ich voll Karacho mit dem Fahrrad einen Berg hinuntergestürzt. Ich hing zitternd an einem Baum, während das Fahrrad abwärts schlitterte. Aber mein Held rettete mich. Toll war auch der Zusammenhalt bei Fahrradpannen, oder wenn die obersportlichen Rennradbesitzer bei längeren Steigungen ihre Räder ausliehen und sich selbst mit einem Hollandrad den Berg hinaufkämpften. Bei dieser Klassenfahrt kann ich sagen, daß sie wirklich zur Festigung der Klassengemeinschaft beigetragen hatte, wie das immer so schön theoretisch gesagt wird. Schwelg!

Lelani
27.10.2001, 01:41
Roter Früchtetee , in großen Kannen. Den gab es wohl in allen Schullandheimen und Jugendherbergen. Ich mag ihn bis heute nicht.

Zazie
27.10.2001, 01:41
In der 6. fuhren wir ins Schullandheim nach Weißenstadt im Fichtelgebirge, das Haus gehörte dem Berliner Bezirk Spandau oder so. Jedenfalls gibt es kaum einen Spandauer Schüler, der noch nicht dort gewesen ist.
In der 8. Gymnasium machten wir tatsächlich zwei Wochen Reiterferien im Altmühltal, dass das was für mich war, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen! Toll, wenn man eine reitende Lehrerin hat. Jeder von uns hatte ein Pflegepferd, das wir putzen und versorgen und dessen Box wir misten mussten. Wer nicht hätte reiten wollen, hätte auch nicht gebraucht, aber es ist ausnahmslos jeder mitgeritten, vom damals-schon-Macho bis hin zum letzten Streber. Aber auch abgesehen vom Reiten war es eine tolle Klassenfahrt. Es war kein richtiges Haus, in dem wir wohnten, sondern es gab kleine 4-er und 6-er Bungalows, die durch eine Straße vom Hauptgebäude und den Ställen getrennt waren. Das war für nächtliche Besuche optimal, denn die Lehrer wohnten im Hauptgebäude und hatten deshalb nicht solche Kontrolle über uns und wir konnten auch niemanden durch Lärm stören. Bei den Pärchen war ich im übrigen nie dabei, ich war absolut nicht das, wovon Jungen träumten.
Mit der selben Klasse wollten wir ein Jahr später ein paar Tage in einer Berliner Jugendherberge verbringen, die sich nahe am Waldrand befand. Sowas machte man in Berliner Schulen des öfteren, so eine kleine Freizeit von ein paar Tagen, wo es sich nicht lohnte, über den Transit nach Westdeutschland zu reisen. Aber wir benahmen uns so dermaßen unmöglich - ich natürlich nicht, ich war ein wahrer Engel! :-))) - , dass unsere Lehrerin die Sache nach einer Nacht abbrach. Wenn ich diesbezüglich erwähne, dass gleichzeitig mit uns eine Gruppe Jungen aus Schwaben in der Herberge weilte, so wisst ihr alles. Pubertierende Achtklässler halt!
An den Früchtetee kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl weil ich in Streik getreten wäre, hätte es den gegeben. Ich mag ihn überhaupt nicht.
Viele Grüße
Zazie

Ruby
30.10.2001, 20:29
Was man schon so alles verdrängt hatte: So 1977/78 hatten wir doch alle Slime, dieses quietschgrüne Wabbelzeug in der Tonne. Ich hatte damals unser Klassenfoto als Poster an meiner Zimmerwand hängen. Wenn ich eine Wut hatte, habe ich mit dem Slime Zielwerfen auf meine zwei Lieblingsfeinde oder unseren Klassenlehrer (Sport und Erdkunde, ausgerechnet) gemacht. Sah recht nett aus, wenn der grüne Schleim so zäh von den Gesichtern herunterlief. Leider landete der Klumpen dabei auch manchmal auf dem Teppich und war später voller Fusseln. Den rosa Slime mit Würmern habe ich leider nie bekommen.

Bryan
30.10.2001, 22:30
@Ruby
Hi, jetzt muss ich mal abschweifen:
1976 kam ich in die Lehre. Im Büro unserer Firma sassen zwei ältere Damen, ich war im ersten Lehrjahr nebenan im Packraum beschäftigt. Eines Tages ging ich ins Büro, mimte einen Niesanfall und anschliessend sah man den grünen Slime an meiner Hand und meinem Arm hinunterlaufen. Ich musste dann allerdings zum Chef und nachdem ich noch Probezeit hatte, wäre es fast schiefgegangen.
Grüße vom Bryan

Spleen
31.10.2001, 17:56
Iiiiiiiih. Lol! http://www.alles-bonanza.de/ubb//wink.gif

Zazie
31.10.2001, 20:27
Meine persönliche Slime-Geschichte könnt ihr im dafür vorgesehenen Strang (mittlerweile ziemlich weit unten) nachlesen. Aber so 'ne ähnliche Posse wie Bryan hat mein damaliger Klassenkamerad auch gemacht, wenn wahrscheinlich auch nicht so perfekt simuliert wie von Bryan :-)
So, neues Thema, was mir gerade einfällt.
Hattet ihr auch einen Clown in der Klasse, freiwillig oder unfreiwillig? Unserer hieß natürlich Thomas, war nicht ganz freiwillig komisch und als wir letztes Jahr Klassentreffen vom Gymnasium hatten, konnte jeder von uns noch eine Knallschote von ihm erzählen. Er sah schon sehr lustig aus. War körperlich weiter als manche andere, dafür lag er geistig etwas zurück (ist dann auch in der 8. sitzen geblieben, hat dann aber doch Abi gemacht). Oftmals war er mit hellblauen Stoffhosen angetan, die ziemlich prall am Hinetrn saßen und man dachte immer, sie drohen gleich zu platzen. So wie PeterLu französisch vorlas, so las Thomas englisch vor: mit th überall, nur nicht da, wo es wirklich hingehörte. Er lernte als zweite Sprache Russisch (wir waren eine Russischklasse mit einer Handvoll Französisch-Schülern) und da muss es sich ähnlich verhalten haben. Leider habe ich das nie erlebt, weil ich Französisch lernte. Einmal stand er an der Tafel - ich weiß nicht mehr, in was für einem Unterricht. Während er da stand, lief eine Diskussion. In dem Moment flog ein Flugzeug über die Schule hinweg. Thomas starrt mit offenem Mund und seligem Blick aus dem Fenster auf den Flieger und jauchzt ˆ la Teletubby: 'Ooooooh!', natürlich mitten in der Diskussion. Ganz toll war er auch einmal im Musikunterricht. Wir nahmen gerade die verschiedenen Musikinstrumente durch und waren bei der Harfe angekommen. Unser Lehrer, schon etwas älteres Semester und ein echtes Original, fragt in die Runde:'Weiß denn jemand, wer die Harfe erfunden hat?' Thomas meldet sich, kommt dran und sagt furztrocken:'Herr Harfe.' Brüll! Thomas, entrüstet:'Na ist doch oft so, dass Sachen nach ihrem Erfinder benannt werden!' Sein Spitzname gestaltete sich folgendermaßen: Dimitri (sein Name im Russischunterricht; die Schüler erhielten alle russische Namen) Howiwer (seine persönliche Art, das englische Wort 'however' auszusprechen) Harfe (wegen Herrn Harfe).
Thomas, solltest du hier sein und dich wiedererkannt haben, dann melde dich! Du warst einmalig! :-)
Viele Grüße
Zazie

Elwood
31.10.2001, 22:50
Ja also öööh, für das Blödsinnmachen und Unsinnerzählen war ich ein klein wenig berüchtigt (wenn auch mehr in den 80ern) - einiges wurde mir noch vor einem Jahr auf der 10-jährigen Abi-Feier vorgehalten.
Wenn es mir in Mathe zu doof wurde (also immer - ich konnte die letzten Jahre nur unter Mühen eine schwache 5 halten) provozierte ich eine Grundsatzdiskussion mit dem Thema 'Wozu brauchen wir diese Scheiße im späteren Leben?' Die Lehrerin wurde sauer, konnte aber auch keine befriedigende Antwort geben.
Was das Flugzeug angeht, so hatte ein Klassenkamerad in den hochpolitischen 80ern mal eine heftige Polit-Diskussion mit einer fanatisch friedensbewegten Lehrerin losgetreten, als ein Militärflugzeug im Tiefflug über die Schule schoß und er nur sagte: 'Die Russen kommen'. Au ha, da war was los.
Mit das erste Mal, daß ich wegen dummer Sprüche Ärger bekam, war noch in der Grundschule (noch in den 70ern), als wir eine Woche in einer 'Freiluftschule' waren - nix anderes als ganztags in einer Art Schullandheim mit Unterricht, wohin wir aber
täglich mit dem Bus fuhren - um mal kurz abzuschweifen: exakt dieser 60er-Jahre Büssing-Bus steht seit 1982 im Straßenbahnmuseum in Sehnde bei Hannover.
Zurück zum dummen Spruch: da unsere Lehrerin eine fanatische Katholikin war, mußten wir vor dem Essen beten (was mich als Atheistenkind schon damals erbost hat). Einmal gab es warmen Krautsalat, also ein brutales Brechmittel, und ich ließ mitten im Gebet den Satz ab: 'für diesen Schweinkram ist nicht der liebe Gott, sondern die Stadtküche Hannover zuständig' - schon recht heftig für einen Neunjährigen. Meine Fresse, was ist die Lehrerin wild geworden.
Richtig sauer war sie auch mal, als ich während der Proben zum Krippenspiel (ich war Erzähler und dritter Hirte) in der 4.Klasse einen (etwas unterbelichteten) Drittklässler
zuerst verarscht habe: wir mußten einen großen Stapel Bücher holen, den ich ihn mit den Worten 'Ich trage die Schlüssel und somit die Verantwortung' alleine schleppen ließ, und später zum Heulen gebracht habe, als er (für dritte Klasse wirklich sehr holperig) vorgelesen hat und ich ihn anpupste: 'Lies doch mal richtig'. Am nächsten Tag hat sich sogar seine Mutter beschwert. Die darauf folgende Standpauke hat ewig gedauert, vor allem, weil ich mir davon nichts angenommen habe und nur gesagt habe, daß man in der dritten Klasse schon flüssig lesen sollte, und daß das Gestottere mit dem Finger auf der Seite nervt.
Na ja nun, es blieb wirklich nichts hängen, noch heute bin ich unter Freunden und Kollegen für meine Boshaftigkeit berüchtigt. Aber in meinem Beruf als Schadenregulierer kann man diese Fähigkeiten verfeinern: ein giftiger Ablehnungsbrief an einen dösigen Anwalt baut einen für den Rest des Tages richtig auf.

Zazie
31.10.2001, 23:50
Elwood, ich sehe schon, du warst schon früh eine starke Persönlichkeit. Hat mir gefallen! Recht hattest du, was den schlechten Leser anging! Aber am besten hat mir gefallen, dass du ein lausiger Matheschüler warst. reicht Elwood die Hand Ich war und bin die allergrößte Mathe-Analphabetin (da gib's einen Fachausdruck für, hab ich aber vergessen) und fragte mich auch dauernd, wozu ich diesen ganzen Scheiß mal brauchen würde. Zu Recht, denn ich habe bislang nie was anderes gebraucht als die Grundrechenarten. Allenfalls der eine oder andere Begriff der Mathematik kommt mir beim Übersetzen mal unter. Aber ich war 1) so eine schlechte Schülerin (nicht nur in Mathe) und 2) hatte ich nicht deine große Klappe, will heißen, ich habe still gelitten, war eine schweigende Rebellin und habe im Unterricht meinen Mund gehalten. Jedoch, wären wir beide zusammen zur Schule gegangen, hätte die Lehrerin sich wahrscheinlich ein Meckerduett anhören müssen.
Viele Grüße
Zazie

Lelani
01.11.2001, 09:25
Ich war auch still, lieb, blond,klein und die Jüngste der Klasse-immer. Lehrer ( und manchmal auch Mitschülerinnen ) liebten es mir über die Wange zu streicheln. Ja, so konnte ich meine wahren Aktivitäten tarnen, denn ich war ein Anstifter. Ich habe immer einen Dummen gefunden der meine Ideen umsetzte und den Ärger bekam. Ich konnte das denen auch so rüberbringen, daß sie dachten es wäre ihre Idee gewesen. Einmal haben wir alle Tische und Stühle in den Schulgarten gebracht weil ich Unterricht im Freien machen wollten, der Biolehrer ist nicht mehr geworden als er plötzlich in einem leeren Klassenzimmer stand.
Mathe hat ohne mich stattgefunden, ich las unter«m Tisch die BRAVO. Trotz intensivem Nachhilfeunterricht bin ich nie über eine 5 hinausgekommen.
Auch heute gebe ich offen zu, laß andere Kollegen sagenhafte EXEL Tabellen bauen, ich bin der Meinung man muß nicht alles wissen, Hauptsache man kennt jemanden der was weiß.

Elwood
01.11.2001, 10:29
@Lelani: das mit dem Anstiften trifft auch auf mich zu. Geprügelt habe ich mich nie, ich habe immer Doofe gefunden, die ich besabbelt und angestiftet habe. Wenn es dann Ärger gab, habe ich mich vornehm im Hintergrund gehalten.
Erst neulich behauptete ein langjähriger Kollege, daß ich, wenn ich mit ihm auf einer Schule gewesen wäre, pausenlos von ihm verdroschen worden wäre. Er ist eben mehr der direkte Typ. Ich entgegnete nur, daß es so weit nie gekommen wäre, weil ich eben nie als Schuldiger aufgefallen bin.
Zu Bundeswehrzeiten habe ich es mit dem 'TTV' (Tarnen, Täuschen, Verpissen) auf die Spitze getrieben. Aus Langeweile und Ärger, daß ich doch nicht Zivi gemacht habe, war ich für dumme Sprüche und 'freie Interpretation' von dienstl.Anweisungen berüchtigt. Auch hier fand ich Leute, auf die ich alles möglich abwälzen konnte. Allerdings muß ich dazu sagen, daß ich mit meinem Redetalent auch Kameraden geholfen habe, die Ärger bekommen haben und sich nicht richtig wehren konnten. Es gibt ja Leute, die immer einen drüber bekommen, obwohl sie unschuldig sind, nur weil sie nichts sagen können.
Aber die Renitenz führte zum Erfolg (daß ich nicht befördert wurde, kratzt mich nicht): Häufig wurde ich mit verantwortungsvollen Tätigkeiten wie Kellerwischen, Bürgersteigefegen, Autowaschen etc. beauftragt (manchmal lag ich während der Dienstzeit auch nur im Bett). Hauptsache, ich war den Vorgesetzten nicht im Weg und nervte diese. Für alle Beteiligten das Beste: die regten sich nicht auf, und ich konnte eine ruhige Kugel schieben.
Andererseits: was habe ich mich kaputtgelacht, als einmal mein Chef mit erhobener Faust vor mir stand und sagte: 'Wenn ich nur könnte, nur einmal könnte'
und ich entgegnete: 'Pech ,is nich, bin eben ein Staatsbürger in Uniform'.

Ruby
01.11.2001, 11:53
Zazie, danke für den Hinweis auf den Slime-Strang. War echt amüsant!
Zu Bryan's Geschichte und zum Thema 'Klassenclown' fällt mir noch folgendes ein: Wir hatten einen Hartmut, Hardy genannt, der verbrachte ganze Unterrichtsstunden als rumpelndes Gespenst im Klassenschrank. Einmal aß er Kartoffelpüree mit blauer Speisefarbe. Daraufhin ging er in die Teestube (gemütlicher Raum mit alten Sofas, Teppichen, alten Tischen, Postern... und angeschlossener kleiner Teeküche), wo in der Pause einige Leute der Oberstufe herumhingen. Hardy kotzte das blaue Kartoffelpüree (mit voller Absicht!!!) mitten auf den Teppich der Teestube. Die Oberstufler waren entsetzt, und Hardy feixte. Wer den Kotzfleck wegmachen durfte, weiß ich nicht mehr, aber die blaue Farbe auf dem Teppich erinnerte noch jahrelang an seinen Streich, den ich mit gemischten Gefühlen betrachtete.

Castafiore
01.11.2001, 17:13
Ach, Kinder, was kann ich Euch gut verstehen! Bei mir war das ja ähnlich, ich glaub', das hängt mit den rechten und linken Gehirnhälften zusammen, von wegen technisch-mathematisch oder sprachlich-musisch begabt. Bei mir war's letzteres. Das schlimmste waren für mich zum Schluß der Oberschule die binomischen Formeln. Ich weiß bis heute nicht, wozu man einen solchen Scheiß ('tschuldigung) braucht! Lesen konnte ich schon in der ersten Klasse fließend, auch die kompliziertesten Texte, und Fremdsprachen fielen mir auch immer leicht.
Elwood, ich kann Dich so gut verstehen, mich hat das sowas von genervt, wenn meine Klassenkameraden teilweise noch in der vierten Klasse den Finger auf den Buchstaben hatten und dann auch noch eine Viertelstunde für ein zusammengesetztes Substantiv benötigten! Und dann auch noch die Bundesjugendspiele!!! Ich finde das bis heute eine Schweinerei, daß es solche Wettbewerbe für Sport gibt aber nicht für Kunst/Zeichnen, wo ich natürlich immer '1' stand. Übrigens sind diese Bundesjugendspiele eine Erfindung der Nazis und könnten m. E. mit allem übrigen Rechts-Kram endlich ausgemistet werden! So! Ich glaube, mich interessierte kein Fach, in dem ich nicht irgendwie kreativ werden konnte. Auch in Chemie (die ganzen Formeln *STÖHN*) und Physik, diese ganzen unumstößlichen Gesetze, nein das war nichts für mich sensibles und freiheitsliebendes Kind! Wo ich heute - wenn ich denn noch einmal zur Schule müßte - besser aufpassen würde, das wäre Geschichte. Hat mich damals nur gelangweilt, heute finde ich es hochspannend, was früher so alles auf der Welt passiert ist.
Hatte jemand von Euch einen sadistischen Musiklehrer? Wir hatten einen kleinen Franzosen, der ließ Jungs in Dreiergruppen Lieder einstudieren und vorsingen und hat diese dann benotet. Auf der Oberschule wohlgemerkt, in einem Alter, in dem Jungs üblicherweise den Stimmbruch durchleiden...

Elwood
01.11.2001, 17:47
Musiklehrer haben und hatten, wie auch Handarbeits- und Kunstlehrer, immer Akzeptanzprobleme, bei Schülern, aber auch bei Kollegen, die meinten, daß das keine 'richtigen' Fächer wie z.B.Mathe, Deutsch und Englisch sind. Das habe ich schon oft gehört, sei es von Erzählungen meiner Mutter aus deren Schulzeiten, aber auch von Lehrern selber.
Musikalisch war ich nie begabt, habe Musik auch früh abgewählt. Aber ich bekam mal eine 3, weil ich nicht ganz so viel Scheiß wie andere gemacht habe. Die Lehrerin bezog meine aktive Teilnahme auf eine Äußerung, die schon Monate her war.
Einmal fand ich Religionskunde (nicht Religion, war ja schon immer ein Heidenkind) so langweilig, daß ich nur still dagesessen und noch nicht einmal gestört habe.
Ich bekam eine 2, und die Lehrerin begründete das bei der Besprechnung, daß ich eher ein ruhiger Typ sei. Aber wenn ich mal was sagen würde, dann hätte dies Hand und Fuß. Ich werde es nie vergessen: 25 Klassenkameraden starrten mich stumm mit großen Augen und offenen Mündern an.
Auch diese haben das nicht vergessen: obwohl das schon 15 Jahre her ist, war diese Einschätzung der Lehrerin letztes Jahr bei der 10-Jahre-Abi-Feier noch allen damals Beteiligten bekannt.

Bryan
01.11.2001, 18:56
Ja, Klassenclown war ich auch mal...
(aber leider nur ein Jahr lang, dann bin ich vom Gymnasium geflogen)
Das war, als ich von der Kleinstadt(ca. 25.000 Einwohner) auf das Gymnasium der Nachbarstadt (ca. 100.000 Einwohner) gewechselt war. Niemand kannte mich hier und ich wollte doch (mit 15 Jahren) imponieren und beliebt sein. Also hab«ich alles gemacht, womit ich meine Mitschüler erheitern konnte. Ich bin in der Religionsstunde mindestens fünf mal vom Stuhl gefallen(natürlich gekonnt), habe dumme Gesichter an die Tafel gemalt und die Namen von Mitschülern drunter geschrieben, den Musiklehrer geduzt, laut gerülpst, und den Unterricht gestört, wo es nur eben ging. Einmal liess ich mich (ähnlich wie in Ruby«s Geschichte) halb freiwillig in den Klassenschrank sperren. Als ich jedoch merkte, daß in der schon begonnenen Englisch-Stunde eine Extemporale geschrieben wurde, wollte ich wieder heraus. Die Englischlehrerin wurde ob meines Geschreis sehr ärgerlich und fragte, wer denn der 'Bauchredner' sei. Als ich endlich 'entdeckt' wurde, beschloss sie, mir eine sechs zu geben. Tja, und die 'Quittung' für mein Verhalten bekam ich dann am Ende des Schuljahrs: als ich in zwei Fächern 'auf der Kippe' stand, erhielt ich die Fünf, und nachdem ich die Klasse schon wiederholt hatte, mußte ich das Gymnasium verlassen.
Grüße vom Bryan

Stahlratte
02.11.2001, 20:56
@Zazie : Der Fachausdruck für die Unfähigkeit, rechnen zu können, heißt Akalkulie (mußte ich in meiner Ausbildung lernen, deswegen weiß ichs)
Ansonsten war ich auf einer einer echt finster-reaktionären Privatsachule (ich mußte aus verwandschaftlichen Gründen dahin - das Teil gehörte meinem Onkel).
Die (zum größten Teil stinkreichen) Eltern mußten bei Anmeldung ihrer Kids einer Schulordnung zustimmen, die sich besagter Onkel ausgedacht hatte : verboten war alles, was er als 'modische Entgleisung' (der Ausdruck ist zitiert!!!) definierte- will heißen: lange Haare und Bärte bei Schülern, Miniröcke bei Mädels (bei Jungs kam das i.d.R. nicht vor) sowie die irgendwann so modernen Holz-Clogs, da ihn der Krach von 200 Schuhpaaren auf Steintreppen nervte.
Zur Einhaltung dieser Regeln ging mein Onkel jeden Mittag (es war eine Ganztagsschule) durch sämtliche Klassen, wir mußten aufstehn, er machte Haar- und Gesichtskontrollen und schickte Missetäter gegebenenfalls zum Friseur/Barbier/Modeberater.
Eine weitere Besonderheit waren die zahlreichen pensionierten Lehrer, die ihre karge Beamtenpension auf dieser Privatschule aufbessern konnten. Aufklärung in Bio hatten wir zuerst bei einem 79-jährigem Pauker (zum Glück war ich von zu Hause schon infromiert, wer weiß, welch nachhaltige Schäden diese einseitige,antiquierte Version der menschlichen Sexualität ansonsten hinterlassen hätte...).
Im Nachhinein denke ich, diese Schule hatte viel von der Atmosphäre, die in der 'Feuerzangenbowle' (ich meine den Roman) rüberkommt.
P.S. : Wenn jemand diese Schule erkennt und gar ein Leidensgenosse ist, fände ich ein Outing echt geil !
Gruß an alle Überlebenden
------------------
Bolivar DiGriz

Zazie
03.11.2001, 23:51
Lelani, wäre ich mit dir in eine Klasse gegangen, wärst du garantiert nicht die Kleinste gewesen, denn das war ich ja schon. Der Witz war, die Jüngste war ich gar nicht, denn ich habe gleich Anfang des Jahres Geburtstag. Aber ich war winzig, schmächtig und sah sehr jung aus. Mir strichen die Lehrer nicht über die Wange, tätschelten mir aber den Kopf und beschützten mich. Größere, stämmigere Klassenkameraden führten sich ab und zu mal als meine Mutti auf, wuschelten mir durch die Haare, bedachten mich von oben herab mit zärtlich-nachsichtigen Blicken und wollten mich knuddeln. Furchtbar sowas! Kreative Ideen, so wie du mit dem Unterricht draußen, hatte ich aber nicht. Ich war immer eine sehr artige, ruhige Schülerin. Zu ruhig; diese Bemerkung zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Schulzeugnisse. Ich konnte aber auch sehr wütend werden. Einmal habe ich richtig mit der Faust auf den Tisch gehauen, weil ich mich ständig meldete, aber nie dran kam. Hach, war die Lehrerin schön geschockt! :-)
Sehr oft wurde ich auch von den Jungen geärgert, aber da ich so schmächtig und schwach war (sagte ich mir jedenfalls; ich hatte Null Selbstbewusstsein), konnte ich mich nicht wehren und bevorzugte es, mich bei einer Lehrerin auszuheulen, die die Jungs dann zusammenstauchte. Aber einmal! Einmal wurde es mir mit einem zu bunt, weil er mich einfach nicht in Ruhe ließ (das waren die Zeichen dafür, dass er in mich verknallt war, sagte meine Mutter und es war tatsächlich so). Da habe ich ausgeholt und ihm voll eine geknallt. Aber ansonsten war ich lieb, brav und angepasst. Erst mit zunehmendem Alter habe ich meine Aggressivität schon mal ausgelebt.
Jaaa, und dann der Nachhilfeunterricht! Grau-en-voll! Mathe und Physik. Mein Vater schleppte mal eine an, ich fand sie von Anfang an unsympathisch. Ich konnte schon damals nichts mit spießig anmutenden Leuten anfangen. Dann bekam ich einen Nachhilfelehrer, der war ganz in Ordnung. Nicht dass sich meine Noten in den Fächern sehr viel besserten. Aber wenigstens war er mir nicht unsympathisch. Danach bekam ich so eine Grundschullehrerin, ein echter Blaustrumpf. Die ist an mir schier verzweifelt, weil ich teilweise einfache Sachen nicht wusste. Und ich musste mehr als einmal mit den Tränen kämpfen... furchtbare Zeit! Aber du hast vollkommen Recht, wenn man's nicht kann, sollte man es nach Möglichkeit delegieren. Mach ich auch immer. Nur meine Rechnungen muss ich alleine schreiben, das finde ich schon furchtbar genug! :-)
Castafiore, da können wir uns ja die Hand geben, was unsere Begabungen angeht. Mir ging es ganz genauso wie dir. In Lesen und Schreiben war ich immer sehr gut. Hab ja schließlich zwischen 9 und 11 meinen ersten Roman geschrieben *grins* :-) In Kunst war ich mal so, mal so. Wenn mir das Thema nicht gelegen hat, ja dann war halt nix. Aber wenn doch, dann war ich wirklich gut. Wie ich schon erwähnte, bei uns gab es ja auch noch Werken. Und was die Bundesjugendspiele angeht, da hast du ein wahres Wort gesagt. Wehrsportübungen, ich sag's ja immer! Warum nur keine Kunstwettbewerbe? Es gab doch glaube ich auch Musikwettbewerbe oder doch zumindest Schulorchester, Chöre und andere Darbietungsmöglichkeiten, wo man zeigen konnte, dass man gut war? Ach, da fällt mir zu Kunst gerade was ein, wo ich auch 'ausgestellt' wurde. In der Kongresshalle in Berlin. Es war eine Ausstellung von Schülerwerken zum Thema Wohnraum. Ein Bild von mir war dabei. Mann was war meine Oma stolz auf mich! 'Opa, soooo groß war die Säule, an dem das Bild hing, so breit wie unsere Waschmaschine!'
In Geschichte würde ich jedoch auch heute nur noch abpennen. Mich hat es einfach von Anfang an zu Tode gelangweilt und ich habe eine totale Blockade dagegen.
Musik - wie ich schon mal erwähnte, in der Grundschule war der Unterricht quasi eine Farce oder nicht existent. Am Gymnasium bekam ich dann gleich scharfen Wind von vorne. Der Lehrer war schon etwas älter und recht streng - aber er war ein Original und gehört zu jenen Lehrern, die ich nie vergessen werde, trotz allem Rumärgern mit ihm. Denn er befand, dass ich das absolute Gehör hätte, somit ein Genie wäre und doch unbedingt Geige spielen sollte (ich war bereits 13 Jahre alt). Wäre ich insgesamt eine bessere Schülerin gewesen, hätte sich das vielleicht machen lassen (ich wäre ja mehr für Klavier oder Gitarre gewesen). Aber stattdessen brauchte ich Nachhilfeunterricht... Mathe und Physik sind schuld, dass ich keine berühmte Musikerin geworden bin! Ansonsten war ich in Musik nur mittelmäßig, weil es vieles gab, was ich nicht verstand - sehr zum Verdruss meines Lehrers, der mich immer beschwor, ich könnte eine Eins bei ihm haben. Bis heute kann ich keine Noten. Einige Jahre später bekamen wir übrigens so einen jungschen Schnösel als Lehrer, der befand, dass alles, was ich anpackte, vorschlug und anbrachte, von vornherein Mist war. Ich bekam bei ihm einfach keinen Fuß auf den Boden. Einmal wollten wir zu Weihnachten den Schneewalzer als Glasorgel darbieten. Ich sollte unter den Glasspielern sein, fiel aber an einem Übungssamstag wegen Krankheit aus. Schwupp, schon holte er jemand anderes in die Gruppe und ich war draußen. Dann folgte eine künstlerische Darbietung von Ravels Bolero. Ich bin ja nun wirklich kreativ. Aber meine Ideen taugten in seinen Augen alle nichts. Kurz und gut, ich blieb u. a. wegen Musik das zweite Mal sitzen. Muss man sich mal vorstellen: wegen Musik! Wenigstens hat die Sache mit dem Gehör mir beim Sprachenlernen geholfen. Und vielleicht lerne ich ja im Alter doch nochmal Klavier oder sowas.
Bryan, Leidensgenosse, du bist auch zweimal sitzen geblieben... bei mir war es allerdigs wirklich wegen schlechter Leistungen. Mein Betragen war nämlich 'stets einwandfrei', so stand es im Zeugnis. Ich war wie gesagt eine stille Rebellin oder besser gesagt eine still leidende. Mich kotzte die (Ober-)Schule an, aber eben weil ich schlecht war, musste ich die Klappe halten. Aber außerhalb der Schule konnte ich aufdrehen, da hat sich so mancher gewundert! Ich wurde Freak genannt, tanzte auf Feten wie ein Derwisch (oder halt knallige Stehblues) und konnte sämtliche Texte des Nina Hagen-Albums auswendig (das berühmte mit dem Porträt der rauchenden Nina vorne auf dem Cover) und stellte dies einmal auf einer Klassenfete unter Beweis, auf der 'TV-Glotzer' gespielt wurde. Meiner Klassenlehrerin ist die Kinnlade runtergefallen!
Stahlratte, das mit dem Aufklärungsunterricht durch deinen senilen Biopauker, das wollen wir jetzt aber bitte genauer wissen! :-)
Viele Grüße
Zazie

Stahlratte
07.11.2001, 20:12
@Zazie
Okay, Du wolltest mehr über den Aufklärungsunterricht meines Biolehrers wissen :
Der gute Mann war eigentlich dafür bekannt, daß er bei geringsten Anlässen explosive Wutanfälle darbietete, mit hochrotem Kopf und megabasstiefer Schreistimme. Als es allerdings 'zum Thema' kam, wurde er gaanz leise, nuschelig und dozierte mit permanent vor Scham gerötetem Kopf - das kriegte ich ehrlich gesagt in meinem zartem Alter nicht auf die Reihe. ausserdem erwartete ich auch zu diesem Thema anschauungsmaterial (er war berühmt dafür, von seinem Metzger alle möglichen Schweinereien mitzubringen ,z.B. Lungen, die einer mit dem Strohhalm aufblies,
Schweineaugen, Schweineleber etc.).
Von ihm stammt auch mein Lieblings-Eintrag ins Klassenbuch (ich weiß nicht, wie das bei euch hieß 'Tadel' oder 'Verweis' oder was?);
'L. beschäftigt sich mit unterrichtsfremden Gegenständen'. Der Gegenstand war meine erste Liebe, eine Klassenkameradin...
Gottseidank wechselte mit dem Schuljahr (von der 5. zur 6.) auch der Biolehrer - die Lehrerin hatte das Thema(und die 36 sich in der anfangsphase der Pubertät befindlichen SchülerInnen) wesentlich besser im Griff und wurde nicht bei jedem Satz puterrot!!!
------------------
Bolivar DiGriz

(Beitrag wurde von Stahlratte am 07.11.2001 um 20:13 Uhr bearbeitet.)

Castafiore
08.11.2001, 10:46
So 'was cholerisches von Lehrer hatte ich als Klassenlehrer (Mathematik und Chemie) in der Oberschule. Eigentlich gar nicht so'n übler Charakter, aber doch sehr irritierend, wenn er auf einmal still wurde, sich erst mit dem Rücken zu uns drehte, sich dann um 180¡ warf und mit dunkelviolettem Kopf und bis zum Platzen angeschwollenen Schläfen derart losbrüllte, daß einem die spraygestärkten Haare vom Kopf zu wehen drohten. Und das, wo ich schon als zarter Teenager ein schwaches Nervenkostüm hatte. Ich vermute 'mal, daß er der Auslöser meines Traumas bezüglich alter Männer mit lauter Stimme sein muß... Ist hier zufällig ein Psychiater anwesend???

Lelani
08.11.2001, 14:36
Unser Musiklehrer hatte einen Tick, so nennt man doch nervöse Zuckungen, oder?
Je nervöser er war desto heftiger zuckte eine Gesichtshälfte.
Er war ein hagerer Mann mit schütterem Haar, wenn er Klavier spielen durfte dann war er glücklich. Leider hatte er Schüler die mit seiner Art Musik zu unterrichten nichts anfangen konnten. Meistens sangen wir irgendwelche Volkslieder-Instrumente?Chor?Fehlanzeige!
Also war Musikunterricht zum ausruhen oder Schularbeiten machen da. Beliebt war der Platz hinter den dicken Vorhängen auf der Heizung, man war da, wurde nicht gesehen, konnte Schularbeiten machen oder Bravo lesen und wurde in Ruhe gelassen.
Wenn der Lehrer das mitbekam, dann wurde aus ihm das HB-Männchen, er lief hochrot an - und fing, wie alle hilflosen Lehrer, an zu schreien. Das Zucken in seinem Gesicht verstärkte sich und er entblößte seine Pferdezähne.
Alkalkulie - Danke, nun weiß ich, ich bin nicht doof, nur etwas gestört.

Zazie
08.11.2001, 15:23
Jaja, brüllende Lehrer...
An einen kann ich mich noch erinnern, das war gottseidank nicht meiner. Er hatte allerdings keine andere Wahl als Schreien, denn der Arme sah aus wie Jerry Lewis und wurde dementsprechend überhaupt nicht ernst genommen. Ich denke mal, ohne sein Äußeres wäre er ein ganz anständiger Lehrer gewesen, aber so musste er sich durch Strenge Respekt verschaffen. Ich glaube, ich hatte irgendwo schon mal über ihn geschrieben, jenen Lehrer, der Hofmann hieß, von den Schülern den Beinamen 'Bauer' bekam und von der Mutter einer Freundin vor einem anderen unserer Lehrer mal als 'Bauer-Hofmann' bezeichnet wurde. Er gab Chemie und Mathe und so trug es sich zu, dass wir einmal im Physikraum saßen, der gleich an den Chemieraum grenzte. Wir waren ausnahmsweise mal ruhig, weil wir gerade was vom Lehrer diktiert bekamen. Plötzlich donnerte es von nebenan: 'JETZT SEID DOCH MAL RUHIG!' Und das mit so einem Organ, dem niemand anders gehören konnte als Hofmann. Mit unserer Ruhe war es dahin, denn wir mussten natürlich über diese Unterrichtsstörung anderer Art lachen.
Dann hatte ich einen Lehrer, dem ich meinen Flug vom Gymnasium mit verdanke. Er war erst mein Englisch- und später mein Deutschlehrer. Etwas älter, schon immer streng, aber ein wirklich guter Lehrer, der auch Spaß vertragen konnte. Aber irgendwann war damit Schluss und er fing an, immer öfter rumzubrüllen und uns Schüler richtig zu beleidigen. Wahrscheinlich hatte er die Nase gestrichen voll vom Schuldienst und benahm sich deshalb so daneben, um bald gehen zu dürfen. Nun, ich wurde ein Opfer seiner Strategie. Denn ich sagte im Deutschunterricht gar nichts mehr - es langweilte mich sowieso zu Tode, aber ich hatte auch Angst vor dem Lehrer. Meine Klassenarbeiten waren 'wegen der wenigen Rechtschreibfehler' immer im Viererbereich. Mündlich bekam ich jedoch eine glatte Sechs verpasst. Insgesamt gab das eine Fünf, und aus war's mit dem Gymnasium. Oh mann, ich hätte mich am liebsten aus dem Fenster geschmissen...
In Musik haben wir auch gesungen. 'Bunt sind schon die Wälder' und 'Ach bittrer Winter wie bist du kalt' und solche Sachen. Der Lehrer (nicht der fiese junge Hüpper; der davor, der ältere) begleitete uns auf dem Flügel. Nun hatten wir einen in der Klasse, der konnte 'böse Lippenmusik' machen. So wie in Frank Zanders 'Oh Susi', dieses Lied mit den vielen absichtlichen Zensurgeräuschen. Da gab es eine Stelle, die hieß 'Die Nacht war klar, der XXX war kalt, ich *blpblp* sie im Eichenwald'. Genau dieses 'blpblp' konnte der Typ perfekt machen. Einmal machte er also mitten in 'Bunt sind schon die Wälder' so ein blpblp dazwischen. Der Lehrer brach das Lied sofort ab. 'Wer war das?' Und als er den Übeltäter ausgemacht hatte, hielt er ihm Zeigefinger und Mittelfinger in einem Victory-Zeichen vor die Nase, was hieß: Zwei Seiten Strafarbeit. Es gab auch die Variante mit vier Fingern für den Wiederholungstäter, das bedeutete vier Seiten Strafarbeit. Aber wenigstens - dieser Lehrer hatte von Natur aus ein lautes Organ. Aber er hat die Schüler nicht angebrüllt!
Später an der Gesamtschule gab es einen Chemielehrer, der mir bisweilen Angst einflößte. Er war ziemlich klein geraten und litt wohl unter Komplexen deswegen. Einmal wurde er aus Versehen von einem Klassenkameraden angerempelt, der viel größer war als er. Er hatte sich mit ein paar Typen vor der Tür des Chemieraums gekabbelt und war gegen den gerade ankommenden Lehrer geschubst worden. Mein Gott! Ich habe gedacht, ich habe das leibhaftige HB-Männchen vor mir! Der Lehrer befahl dem Jungen, ihm unverzüglich aus den Augen zu gehen und es ja nicht zu wagen, heute zu ihm in den Unterricht zu kommen, da er ihm ansonsten alle Knochen brechen würde. No comment!
Äh, wo ist eigentlich Bibo, unsere Lehrerin?
Viele Grüße
Zazie

Viele Grüße
Zazie

Spleen
08.11.2001, 19:06
Bibo? Hab ich lange nicht gelesen. Aber im 'Bibo-Sesamstraßen'-Strang ist noch «ne Info für dich, Zazie!
Muss ja wirklich lustig gewesen sein bei Euch!

Ruby
08.11.2001, 19:12
Einen brüllenden Lehrer hatten wir auch, und zwar in Englisch. Da ich recht sprachbegabt war, hatte ich von ihm wenig zu befürchten, aber die Fünfer-Kandidaten (Sechser-Kandidaten gab es bei ihm auch) hat er teilweise zum Heulen gebracht mit Sprüchen wie 'Du bist zu doof, ein totes Huhn in'n Graben zu schubsen', und das mit voller Lautstärke direkt in's Ohr des 'Opfers'!
Unsere Französisch-Lehrerin war auch ziemlich furchteinflößend. In ihrem Unterricht war meist Ruhe, obwohl wir die lauteste der Parallelklassen waren. Eine Englisch-Lehrerin haben wir mal soweit gebracht, daß sie heulend unter'm Schreibtisch saß. (Damals fanden wir's lustig.) Sie holte sich dann Rat bei 'Madame Lehmann', hat aber wegen mangelnder Autorität nicht viel genützt. Die Madame erwischte mich einmal dabei, wie ich einen meiner Zöpfe wie einen Propeller drehte und sagte, gleich hebe ich ab. Sie fand das gar nicht lustig und brummte mir einen Text zum Auswendiglernen auf. Ich wollte mich nicht blamieren, lernte den Text supergut und bekam sogar noch eine '1' dafür notiert, obwohl es ja eine Strafarbeit gewesen war. Den Text kann ich heute noch: 'Daniel est dans la chambre de Monique. Ils écoutent des disques. Ils aiment la musique pop....'
Beliebt waren damals auch die 'Pusterohre', Filzstiftröhren, durch die durchgekaute Tempotuch- oder Papierklumpen gepustet wurden. Eklig! Unsere Jungs hatten einmal den ganzen Physiksaal damil vollgesaut, und der Physiklehrer (Schlapkohl, hieß echt so!) verdonnerte uns zum Saubermachen. Da die Verursacher sich stur stellten und wir anderen es nicht einsahen, ihren Dreck wegzumachen, zog sich die Sache ewig hin. Ich und einige andere wollten aber nicht unseren Zug verpassen und hauten einfach ab, weil wir ja auch nicht die Klumpen durch die Gegend gepustet hatten. Am nächsten Tag hatten wir einen Tadel im Klassenbuch stehen wegen 'Insubordination', meines Wissens ein Ausdruck der Bundeswehr für Befehlsverweigerung.
Ein Biolehrer an unserer Schule hieß übrigens 'Hanfried Hünerberg', ehrlich!
Und ein Lehrer, der Deutsch und Geschichte unterrichtete, wurde später in einem Supermarkt erwischt. Er hatte seinen Parka innen mit kleinen Haken präpariert und an diesen alle möglichen Wurst- und Käsepäckchen aufgehängt. Beim Weg durch die Kasse wurde er leider geschnappt. Ein richtig organisierter Kleptomane also.
Der oben erwähnte Englisch-Lehrerin haben wir mal Anisbrot angeboten, das mit Rizinustropfen präpariert war. Am nächsten Tag war sie krank. (Finde ich im nachhinein ziemlich fies.)

Elwood
08.11.2001, 22:11
Wir haben mal im Klassenraum eine Schneeballschlacht veranstaltet. Während einer Freistunde im Winter blieb einmal der Raum auf. Einige von uns warfen von draußen große Schneeblöcke rein (1.Stock) und wir tobten uns richtig aus. Das Gesicht der Lehrerin, als sie die nächste Stunde hereinkam, hätte man fotografieren sollen.
Im Sommer haben wir uns gerne mit Wasserbomben (mit Wasser gefüllte Luftballons) beworfen. Einmal, als alles, inkl.uns triefte kam natürlich die Frage seitens der Lehrerin, was denn pasiert sei. wir konterten, daß irgendwer über Nacht das Fenster aufgelassen habe, und daß es eben reingeregnet hat. Sie sagte nichts weiter, vielleicht hat sie es sogar geschluckt. Bei Lehrern weiß man nie.
Übrigens, bei uns in der Versicherungswirtschaft haben Lehrer den denkbar schlechtesten Ruf. Sie sind weltfremd, haben keine Ahnung vom praktischen Leben, erst recht nicht in der Wirtschaft, sind umständlich, kleinkrämerisch, hören nie zu, haben aber immer Recht, etc. Letztens, als ein Versicherungsnehmer sich mal wegen irgendwas bescheuert angstellt hat, sagte der Vertreter nur zu mir: 'Es ist ein Lehrer' - und alle Fragen erübrigten sich. Ich habe schon Schadenmeldungen mit dem Warnhinweis 'Achtung Lehrer' bekommen.
Die o.g.Aussagen über Lehrer habe ich von Lehrern selbst schon bestätigt bekommen. Es ist eben das Problem, daß man Zeit seines Lebens nicht aus dem Schulbetrieb herausgekommen ist.

Zwicki
08.11.2001, 22:29
@ Zazie
ich bin so froh, daß ich nich die Einzige bin, die in Mathe so ziemlich nix kapierte. Wenn ich schon Prozentrechnen, Dreisatz oder dergl. höre, kommt mein tief vergrabenes Trauma sofort an die Oberfläche und alles sträubt sich in mir dagegen. Obwohl es auch sehr darauf ankommt, wie jemand es erklärt. Obwohl schon sehr wohlwollende Freunde es mir beuzubringen versuchten. nach spätestens einer halben stunde qualmt mir der kopf und ich gebs auf. Mut zur Lücke sag ich nur!
Dafür kann ich ganz gut tanzen und habe außerdem mehr Spass an gepflegter Konversation.

------------------
Viele Grüße, Zwicki

Zazie
08.11.2001, 22:39
Also Lehrer sind wirklich ein unerschöpfliches Thema, schade dass Bibo grade nicht hier ist :-)
Stahlratte, bei uns gab es einen Unterschied zwischen einem Klassenbucheintrag und einem Tadel. Ersterer konnte beliebig oft vorkommen und zog dann meistens eine Konsultation der Eltern und eine dementsprechende schriftliche Bewertung im Zeugnis mit sich. Ich denke mal, der Klassenbucheintrag ist das, wozu man hier in Süddeutschland 'Verweis' sagt. Ein Tadel war schon seltener, da musste man sich schon einen größeren Klops geleistet haben. Ein Tadel stand unter 'Bemerkungen' im Zeugnis eingetragen. Es hieß, bei drei Tadeln flog man vond er Schule, ich kannte aber niemanden, der so viele hatte und dies bestätigen konnte. Einmal verteilte unsere Klassenlehrerin auf einem Wandertag einen kollektiven Tadel an eine Gruppe Klassenkameraden, die beim Wandern aus irgend welchen Gründen weit zurückgeblieben waren, sprich: sich abgeseilt hatten. Der Witz war, der gesamte Streberclan der Klasse war dabei! So prangte zwischen lauter Einsen und Zweien der Vermerk auf dem Zeugnis 'Thomas ist einmal getadelt worden', hihi :-)
Einer der besten Lehrer meines Lebens war mein Biolehrer - ich glaube, ich hatte ihm schon an anderer Stelle mal gehuldigt. Dieser Lehrer, damals so Anfang 30, schaffte es, dass keiner von uns schlechter als 3 stand, und das mit einem trotz allem sehr anspruchsvollen Unterricht. Er machte sich schon mal obenrum frei, um Brust- und Bauchatmung zu demonstrieren. Bei ihm habe ich wirklich fürs Leben gelernt, denn selbst jetzt, 24 Jahre später, weiß ich noch ganz genau, was wir damals durchgenommen haben. Jedoch - die Besten sterben jung: Ausgerechnet dieses Juwel von einem Lehrer musste tödlich verunglücken. Was danach kam, konnte nur noch schlechter sein. Und es kam sehr schlecht: So eine junge, fade, unscheinbare Trulla mit schrecklich quäkiger Stimme, von einem meiner Klassenkameraden liebevoll 'Brotspinne' genannt. Wir waren alle abgrundtief frustriert und dementsprechend musste sie sich ab und zu mal anhören, um wieviel besser ihr verstorbener Vorgänger doch war. Wie war das mit heulend unterm Schreibtisch sitzen? Gut, lustig fand ich das nicht gerade, aber Mitleid hatte ich auch keins. Diese Frau hatte so dermaßen ihren Job verfehlt. Und das schlimme war, ich wurde sie jahrelang nicht los, sie kam stets zurück wie ein Bumerang. Es kamen noch ein paar andere Biolehrer, die aber nur Gastspiele bei uns gaben, und wupp, am nächsten Tag stand schon wieder die Brotspinne vor der Klasse... nee Spleen, lustig war es weiß Gott nicht immer gewesen.
So nette Sachen wie Rubys Englischlehrer verteilte, gab's bei uns auch von zeit zu Zeit. Eben jener besagte Deutschlehrer bollerte uns manchmal mit 'mann, was seid ihr doch für Flaschen' an. Mich hat einmal ein Mathelehrer blöd angeredet: Ich war gerade dabei, meinen Vordermann ein bisschen zu ärgern und wurde prompt von dem Lehrer aufgerufen. Ich hatte natürlich keine Ahnung. 'Die Zazie hat heute wieder nur Scheiße im Kopf! Aber wenn sie mal was sagen soll, dann weiß sie nichts!' Mich brachte diese Bemerkung auch zum Heulen, der Lehrer entschuldigte sich hinterher. Aber solche Dinger rutschten ihm öfter raus. Zu einer früheren Freundin von mir soll er (nach meinem Ausscheiden aus der Schule) gesagt haben 'A., am besten, Sie lassen es sein, heiraten und bekommen mindestens drei Kinder.' Das hat be ihr auch zu Tränen geführt. Der Witz war, sie hat den Rat dieses Mathelehrers später befolgt und müsste inzwischen mindestens 4 Kinder haben.
Viele Grüße
Zazie

Elwood
08.11.2001, 22:51
@Zwicki: mitnichten bist Du allein. Ich war in Mathe immer der Schlechteste des ganzen Jahrganges. Abgesehen davon, daß ich einen Haß drauf hatte, weil ich nichts begriffen habe - und nicht den Sinn darin sah, es überhaupt zu begreifen, konnte ich einfach nicht in die Materie eindringen (und das, obwohl Mutter, Onkel und Tanten alles studierte Naturwissenschaftler sind).
Ich schrieb Sechsen, obwohl ich geübt und zu allen Aufgaben was geschrieben habe. Als ich es geschafft habe, bei der Kurvendiskussion einmal statt einer Wellenlinie (Oszillation) exakt eine Schleife zu berechnen und aufzuzeichnen, habe ich beschlossen, es sein zu lassen. Ich habe bei Klausuren den Namen draufgeschrieben und das leere Blatt abgegeben. Natürlich war das auch eine Sechs - aber ich hatte keinen Streß mit dem Üben und obendrein zwei Freistunden.
Ich konnte mich immer auf eine schwache Fünf mit einem Punkt retten (Minimum, weil sonst der Kurs nicht zählte), weil ich ungefähr einmal im Halbjahr einen Geistesblitz bekam, an die Tafel marschierte und einen komplizierten Sachverhalt erklärte. Wenige Sekunden danach wußte ich wieder nichts, auch nicht, was ich da von mir gegeben habe.
Die Zensur: schriftlich null Punkte, mündlich einen Punkt (jeweils der Geistesblitz), zusammengenommen ein halber Punkt, der wurde zu einem Punkt (Fünf minus) aufgerundet, der Kurs zählte und ich konnte Mathe nach der 12.Klasse endlich abwählen.
P.S.zu dem o.g.Punkt 'der Schlechteste'. Ich war an einer Kooperativen Gesamtschule, d.h.in Prinzip normale Schulzweige, nur eben in einem Gebäude, und Sport, Werken, etc.war gemeinsam. Schon in der 7.Klasse des Gymnasiums sagte die Lehrerin meiner Mutter, daß ich nicht nur der Mathe-Schlechteste des Gymnasialzweiges, sondern aller Zweige war. Was soll's, trotzdem habe ich eine kaufmännische Ausbildung mit Aufbau-Studiengang geschafft (mit Durchhängern in Mathe und Buchführung).

Spleen
09.11.2001, 19:12
Hihi, Ruby, wir hatten das gleiche Französischbuch. 'Etudes Francais. Cours de base' Mit den Lerocs, die dauernd nur eingekauft oder gegessen haben, nicht?
Zu schlechten Noten sag ich hier besser nichts. http://www.alles-bonanza.de/ubb//smile.gif

Ruby
09.11.2001, 20:01
Spleen, sind die Lerocs nicht auch mal umgezogen? Duster erinnere ich mich an 'Un camion arrive. Ils veulent déménager.'
Gerade fällt mir ein Horror-Erlebnis der 5./6. Klasse ein: Ein Junge, den ich nicht leiden mochte (Rainer), war in mich verknallt und gab dies auch bei jedem Wahrheit oder Tat-Spiel bekannt. Wir hatten eine Vertretungsstunde in Englisch, und die Lehrerin hatte die 'tolle' Idee, zwei Leute sollten nach vorne kommen und sich gegenseitig beschreiben, you have brown hair, you have blue eyes etc. Natürlich wählte sie gerade diesen Rainer und mich aus. Da der Depp meine Augenfarbe nicht erkennen konnte, kam er immer näher heran und die ganze Klasse feixte: 'Näher ran! Dichter! Küßt Euch!' Noch heute kannn ich seinen Mundgeruch riechen, bäh!

Zazie
09.11.2001, 20:01
Ach Elwood, es ist einfach köstlich, was du erzählst :-) und spricht mir voll und ganz aus der Seele. Vor allem das mit dem nicht in die Materie eindringen können und keinen Sinn darin sehen, es zu begreifen. Aber ich sehe schon, die allerschlechteste in Mathe scheine ich doch nicht gewesen zu sein. Wären wir in einer Klasse gewesen, hättest du mich wahrscheinlich noch getoppt im Mathe-Schlechtsein. Wegen diesem Scheißfach habe ich zwei Schuljahre wiederholt! Unnötig zu sagen, ich habe es abgewählt, sobald es möglich war. Vorher hatte ich allerdings auch mal ein paar Geistesblitze. Ich hatte tatsächlich einmal 4 Punkte im Abizeugnis, das war zwar ein Ausfall, aber schon mal keine 5 mehr! Und in der Mittelstufe hatte ich es auch bisweilen geschafft, mal keine 5 zu kriegen. Aber das war hart, verdammt hart! Genauso schlimm war Physik, wenn es ums Berechnen von irgend welchen Sachen ging, ging dir doch sicher genauso, was?
Und Chemie - im letzten Semester vor der Abwahl machte ich es ähnlich wie du, um mir meinen Anwesenheitspunkt zu holen. Ich versuchte zwar noch halbherzig, irgend was zu lernen, aber das war von vornherein vergeudete Zeit. Gottseidank war das damals ein sehr cooler Lehrer.
Genau, Etudes Francaises, Cours de Base. La famille Leroc est sur le balcon. Elle habite Rue Ernest-Lacoste. Ich kann mich noch an viele Geschichten aus dem Französischbuch erinnern. Naja, in Französisch war ich der Star! Zu Anfang war ich nur gut. Aber als ich dann anfing, nach Frankreich zu fahren, war ich blendend. Einmal hat mir eine Lehrerin sogar ein Interview mit France Inter vermittelt, da war so ein Journalist, der was über Berlin hören wollte. Das Interview ist durch mehrere Klassen gegangen. Vom Französischen her war es gut, aber inhaltlich war es wahrscheinlich nicht so knorke. Der Typ wollte die ganze Zeit was über Politik und Geschichte und so'n Quatsch wissen, während ich, 18-jährig, ihm viel lieber die Szene in Berlin nahebringen wollte, weil das doch viel wichtiger zu wissen war und mir Politik und so total am Arm vorbeiging. Wen interessierte es schon, ob es Hitlers Bunker noch gab oder wer Daniel Cohn-Bendit war (wusste ich mit 18 nicht) oder ob man sich als Schüler untereinander über den Marxismus unterhielt! Aber wenigstens, ich war in ganz Frankreich im Radio zu hören :-)
Meine Abiklausur in Französisch war brillant und mein Lehrer hat sie aufgehoben. Um sich an bessere Zeiten zu erinnern, wie er sagt. Ein paarmal durfte ich meinen Lehrer sogar vertreten. Einmal war die Lehrerin vom Französischkurs nicht da, der lief parallel zu unserem Latein. Also durfte ich Latein schwänzen und dafür Französisch unterrichten. Dann hatte ich mal Freistunden, sagte der Lehrer 'ich hab heute keine Lust, willst du nicht unterrichten?' Und dann habe ich mir seine Klasse vorgenommen, die das richtig lustig fand.
So, nach all der Schmach in Mathe, Physik, Chemie, Deutsch, Musik, Bio etc. musste ich mich auch mal selbst beweihräuchern. Jaja, werdet ihr sagen, die Zazie gibt ganz schön an mit ihrem Französisch. Aber vergesst nicht Leute, ich bin zweimal sitzen geblieben, da muss man doch was haben, um sich zu trösten :-)
Viele Grüße
Zazie

Spleen
10.11.2001, 19:25
Hihi, la génération Leroc! Sowas verbindet!Stimmt, umgezogen sind die Lerocs auch, mit André dem Möbelpacker! Damit haben wir unseren André immer hochgenommen.
Am hirnrissigsten fand ich die Leroc-Story, in der sie ein Tablett ins Wohnzimmer mit lauter verschiedenn Getränken und nur einem Eis (!) kriegen, und sich dann nicht die Kinder um das Eis prügeln, nein, Mutter isst es als vorletzte ihrem Mann weg! http://www.alles-bonanza.de/ubb//smile.gif
(Beitrag wurde von Spleen am 10.11.2001 um 19:27 Uhr bearbeitet.)

Bryan
10.11.2001, 22:13
@Zazie und Elwood:
Der allerschlechteste in Mathematik war ich, jedenfalls in der achten Klasse: da hab«ich mal eine 6- (Sechs minus!!!) geschrieben und der Mathe-Lehrer wollte sie als 6,3 werten.
Mein Vater musste damals bis zum Ministerialbeauftragten gehen, damit es 'nur' als 6,0 gewertet wurde.
Grüße vom Bryan
(Beitrag wurde von Bryan am 10.11.2001 um 22:16 Uhr bearbeitet.)

Zwicki
10.11.2001, 22:44
@ Elwood, Zazie und Bryan
was soll ich sagen? Danke! Danke! Danke! Es gibt noch welche, denen es genauso erging.
------------------
Viele Grüße, Zwicki

Zazie
10.11.2001, 22:45
Bitte, wie schafft man denn die Glanzleistung einer sechs minus? Leeres Heft abgeben und dann auch noch 'ne blöde Bemerkung reinschreiben oder Lehrerkarikatur reinmalen? Heft ankokeln? Klausurbogen zusammenknüllen und abgeben?
Naja, ein Bekannter von mir erzählte mal, sein damaliger Sportlehrer hätte die Note 7+ eingeführt... auf was Lehrer so alles kommen.
Spleen, ich kann mich noch gut an die Geschichte erinnern, wo Daniel Leroc die Mathearbeit nicht mitschreiben konnte und deshalb vorgab, Zahnschmerzen zu haben. Also ist er nächsten Tag zum Zahnarzt, der ihm tatsächlich einen Zahn plombierte. Dann kam er nach Hause und erfuhr, dass die Mathearbeit nicht geschrieben wurde. Und einmal sind sie losgezogen und haben für Monique ein Paar Schuhe gekauft. Monsieur Leroc parkte seinen Citroen in einer grauen, tristen Straße. Ach, und einmal war Monsieur Leroc krank. Er hatte la grippe. Aber er wollte dringend ein Kotelett essen und eine Kippe rauchen, weil ihm die Milchsuppe langsam auf den Geist ging. Aber da kam auch schon der Arzt ins Haus - zut alors! - und er musste Essen und Fluppen schnellstens verschwinden lassen.
Und wer hat mit Learning English - Modern Course Englisch angefangen? Dort begleitete einen die Familie Scott mit den Kindern Linda und Colin und Katze Tibby und Hund Toby. Aber dazu schrieb ich schon mal was im 80-er Strang. Da waren auch nette Geschichten drin. Jedenfalls, als ich mit Englisch anfing, wann war das gleich... 1975, da war Learning English das topmoderne Lehrbuch. Unsere Grundschule hatte ja irgendwie einen ätzenden Ruf. Aber nachher auf dem Gymnasium waren wir die einzigen, die das Learning English-Buch gehabt hatten und nicht mehr Peter Pim and Billy Ball.
Ich frage mich gerade, wie die Bücher heute aussehen. Wie ich ja von einigen Seiten gehört habe, es gibt sie noch. Aber hören die Leroc- und die Scott-Kinder immer noch Platten oder mittlerweile CDs? Da muss doch zwangsweise was upgedated worden sein, die Schüler von heute wissen doch gar nicht mehr, was ein Plattenspieler (électrophone, record player) und 'disques' und 'records' sind. Disques? Disketten oder sowas? Records? Datensätze? Hä, und das hören die?
Viele Grüße
Zazie

Spleen
11.11.2001, 08:06
Guutes Gedächtnis, Zazie! Stimmt, einige Geschichten waren ganz nett, wurden bei uns aber immer so zerkaut, dass nachhher keiner mehr Spaß daran hatte. Es gab doch noch irgendwas mit Skiausflug, nicht? Da wurden auch 'disques' gehört.
In Englisch hatte ich wohl den Vorgänger 'Learning English', mit Mr. Fog (dem Lehrer) und der Familie Dent. Das zweite Buch hatte keine Kontinuitätsfamilien mehr sondern kleine Texte über englische Geschichte: Magna Carta, 1066, Beowulf, Caractacus. Das würde man heute keinem Kind mehr zumuten. Der Trick war immer einfach, diese Dreiviertelseite auswendig zu lernen, schon hatte man die nächste Arbeit in der Tasche! Peter Pim und Billy Ball ist ja noch richtig Nachkriegszeit! Ich hab eine Diaserie von denen, schöne 50er-Comic-Illustrationen!
Englisch hab ich gerne gemacht. Ich war durch 'Sesame Street', Peanuts (es gab Original-Peanuts-TBs in der Buchhandlung) und englische Asterixübersetzungen sehr motiviert dafür und habe meinen Englischlehrer immer mit meiner aus der Sesamstraße abgeschauten Amerikanischen Aussprache und dem dort erlernten Vokabular ins Staunen gebracht. 'Cookie?'

Elwood
11.11.2001, 17:08
Wo Ihr Aussprache und Slang-Versionen ansprecht: Zazie, mein Französisch ist mehr rudimentär, da ich es als Lateiner nur drei Jahre gehabt und danach kaum ausprobiert habe. Aber ein Belgier aus meinem Alt-Auto-Club hat mir gesagt, daß ich auf französischen Oldtimermärkten, wenn ich nach Sachen für meinen VW K 70 frage, immer K 'soixante-dix' und nicht 'septante' sagen soll. Weil 'septante' belgischer Slang ist, und dann manchmal die Händler bockig werden und nichts verkaufen wollen, weil sie Belgier nicht leiden können.

peterthomassuschny
11.11.2001, 23:05
Also die Familie Leroc hatten wir auch im Französischbuch in der Handelsakademie, in Englisch hatten wir in der HAK gar keine Familie mehr, aber im Gymnasium hiessen die Helden Ann and Pat. Genauer genommen Blackwell.
Die Helden der Volksschule schreibe ich Jung-68er in den 60er-Strang, Ordnung muß sein.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Zazie
11.04.2002, 11:46
...so Pit, hier haste. Viel Spaß!

pit1962
11.04.2002, 12:51
Well done, Zazie !!
Ich erinnere mich jetzt zuerst wieder an Mr. Fog, der auf einer zum Buch gehörenden Schallplatte sogar gesungen hat: "Good morning, good morning, good morning to you, good morning, Mr. Miller, and how do you do?"
Den Englisch-Unterricht habe ich besonders geliebt, vor allem, weil ich da nicht einen Finger krummachen musste. Schuld daran waren drei superbe England-Urlaube in Poole/Dorsetshire zwischen 1975 und 1977. Meine Faustregel lautet noch heute: Drei Wochen England ersetzen mindestens ein halbes Schuljahr.
Bei Französisch ging's ein bisschen anders ab. Das hat mir damals keinen Spaß gemacht, weil ich da ja hätte lernen müssen. Seit August 2001 besuche ich das Abendgymnasium in Bochum, aber dort hat High-Tech noch keinen Einzug gehalten. Lektionen hört man sich weiterhin von Kassetten an.
Die Erinnerung an die Lerocs ist auch recht verblasst. Im Moment fällt mir der Gang auf den Markt ein, aber die lustigste Vokabel ist für mich "matelas pneumatique" geblieben. Ansonsten gab's in meiner ersten Gymnasialzeit nicht so viel Lustiges. Kein Wunder bei so vielen Ehrenrunden, wie Niki Lauda Weltmeistertitel eingefahren hat. Und von meinen bis heute nicht vorhandenen Mathe-Künsten berichte ich später mal.
Übrigens, das Vieh, gegen das Beowulf im Englisch-Buch kämpfen musste, hieß Grendel. David Dent behauptete er könne jede Menge Pflaumen essen, denn er habe einen "stomach of an ox". Eine Robin Hood-Geschichte war auch dabei. Drei junge Burschen sollten wegen eines kleinen Diebstahls oder wegen Wilderns aufgehängt werden. Der Sheriff von Nottingham sagte, Unheil ahnend: "The sooner they will be hanged, the better it will be." Keine Sorge, happy end: Robin Hood und seine Kumpels überwältigen natürlich die Normannen und schneiden die Jungs vom Strick ab.

Spleen
11.04.2002, 18:00
Jaaa, Pit! Völlig richtig! Und die schrecklichen Übungsteile im "Learning English"! Die Robin-Hood-Lektion hatte Halsbrecher-Sätze im Conditional. "Wenn ich der Sheriff gewesen wäre, hätte ich... " Brrrrr! Damals übersetzte man noch Deutsch-Englisch!

In der Übersetzung zu "Beowulf" ging es um Grendels Mutter, die in Heorot (der Halle der Helden) aufkreuzt, um den Arm ihres Sohnes zurückzuerobern. Wie gesagt: kein Wunder, dass wir noch keine Horror-Filme brauchten...

"Matelas pneumatique " war bei uns auch sehr lustig, weil der Name eines Mitschülers in dem Wort mehr oder weniger enthalten war, kicher!

pit1962
11.04.2002, 18:40
Wenn auch noch Grendels Mutter auftaucht, wird bestimmt jeder den Arm freiwillig rausrücken.
Eine Sache gibt mir mal wieder zu denken: In meinem Posting habe ich erwähnt, dass ich das Abendgymnasium besuche, also im Moment vergleichbar mit der Klasse 11. Dort lernt man solche Sätze wie: "If I had left my house earlier, I wouldn't have come too late." Sowas hatten wir doch im sechsten Schuljahr, kein Wunder, dass die Klausuren so günstig ausfallen.
Was mir noch einfällt: Im Französischen sage ich bis heute dauernd: "Nous allons, vous allez, ils allons." "Ils vont " fehlt in meinem Sprachschatz. Die Leroc-Geschichte "Au marche" (sprich: oh marschee, accent musste Dir denken) ist wirklich als einzige hängengeblieben

pit1962
11.04.2002, 20:08
Jetzt kann ich ja noch ein paar von den Sachen loswerden, die mich seit fast 30 Jahren verfolgen: "Die Tür geht auf, ein Bauch kommt rein, das kann ja nur der ...... sein." Das war unsere interne Begrüßung für unseren Erdkunde- und Geschichtslehrer. Er war noch einer der Harmloseren, hat aber mit uns in jeder Geschichtsstunde noch einmal den Russlandfeldzug (die "Operation Barbarossa", diesen Terminus benutzte er immer noch) verloren. Etwas extremer war einer unserer Mathelehrer. Von diesem Mann vermutete ich schon damals, dass er in der Wehrmacht Offizier war. Seine ganze Haltung sprach dafür. Herr S. hatte im 2. Weltkrieg eine Hand verloren und, wie er uns versicherte, die ganzen fünfeinhalb Jahre bei einem Fronttruppenteil gekämpft. Gelernt hatte er aus dieser Zeit nichts, der alte Geist war geblieben. Ein ganz schlimmer Finger war einer der Biolehrer. Herr T. fand nichts dabei, Schüler als Juden zu beschimpfen, den Direktor hat das auch nicht gestört. Herrn T. hätte ich durchaus zugetraut, dass er in der Zeit weitaus schlimmere Dinge angestellt hat, als gegen einen gleichwertigen Gegner zu kämpfen. Er verzog nie eine Miene, womöglich zu einem Lächeln und machte durchaus einen unheimlichen Eindruck.
Mir war die Schule an jedem einzelnen Tag zuwider, gemocht habe ich nur meine Englischlehrerin Frau K., die heute am Bochumer Weiterbildungskolleg die Tageskurse in Englisch betreut. Eine ausgezeichnete Pädagogin. Für die Erdkundestunde hatten wir den schon damals recht angestaubten "Seydlitz", aus dem ich als einer der besseren Englischschüler mal eine Rede von Fidel Castro übersetzen musste.
Ach ja, die Englischlehrerin Frau K. hat es sogar toleriert, dass ich einen 20 cm großen Che Guevara auf meinen Tisch malte. Mit schwarzem Edding!! Ihre zu der Zeit wohltuende linke und liberale Einstellung war für mich wie ein Balsam.

Prof_Bienlein
13.04.2002, 00:02
Ich sehe, du bist ein paar Jährchen älter als ich. Bei uns war es Ende der Siebziger nämlich schon umgekehrt: 68er als Lehrer (die armen Referendare mit ihrer antiautoritären Art haben wir alle fertig gemacht), die Kinder dagegen schon kleine Konterrevolutionäre...

Spleen
13.04.2002, 08:00
Ich hab genau den Zwischenschritt mitbekommen: auf der einen Seite die Alten mit Halbglatze und Anzug, bei denen man Strafarbeiten schreiben musste, auf der anderen Seite die neuen, "suspekten" Lehrer, bei denen es nie richtig ruhig war und viel rumgelabert wurde. Die richtig Guten waren die in der Mitte, die noch nicht völlig verholzt, aber auch nicht sooo sehr hippiemäßig drauf waren. Bei denen funktionierten sogar die Klassenarbeiten...

pit1962
13.04.2002, 10:31
Hört, hört, der Spleen hat wieder mal recht.
Bei uns gab es auch ein paar solcher Lehrer, die eine natürliche Autorität ausstrahlten und trotzdem sympathisch wirkten und nicht so bösartig wie die Weltkrieg I-Teilnehmer. Zu den Referendaren: Ich hatte das Gefühl, ich müsste diese völlig Antiautoritären bedauern wie eine Horde von Dorftrotteln. Die haben sich da hingestellt, rumgelabert und versucht, eine von der Kette gelassene Klasse zu übertönen. Das war vergebliche Mühe.

Elwood
13.04.2002, 12:54
Da ich noch ein wenig jünger bin als der Prof., habe ich ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie er. An meiner rot-grün orientierten Gesamtschule in Niedersachsen gab es fast keine Lehrer des alten Schlages mehr. Die meisten waren schon in Rente. Die noch im Schuldienst befindlichen blieben lieber bei den altehrwürdigen Gymnasien. Sofern versprengte von ihnen in Gesamtschulen auftauchten, wurden sie oft von den - mittlerweile tief im Staatsdienst verwurzelten und etablierten - Alt-68ern weggeekelt.
So schrecklich glücklich waren wir mit den Locker-Flockis aber auch nicht. Bei zu luschigen Schlaffis nutzte man in den unteren Klassen die Freiheiten schamlos aus. Später aber, als es in Richtung Abi ging, merkten wir erschreckt, daß wir viel zu wenig gelernt hatten und daher zum Teil vor Prüfungen in ernsthafte Schwierigkeiten kamen. Es gab auch Mitschüler, die so an den lauen Unterricht gewöhnt waren, daß sie später, als es ernst wurde, nicht mehr die Kurve bekommen haben.

Oft haben wir Schüler den Unterricht bei den "altehrwürdigen" Lehrern mehr geschätzt. Bei diesen gab verhältnismäßig mehr Enthusiasten, die Spaß daran hatten, Wissen (schulisches, wie auch was für's Leben) zu vermitteln. Da haben wir wenigstens was von gehabt. Selbt heute erinnere ich mich gelegentlich in den verschiedensten Situationen an Sachen, die ich dort gelernt habe. Von den Schlaffis habe ich meist Namen und Gesicht vergessen.

Außerdem stellten sich die betont Antiautoritären oftmals als Arschlöcher heraus, wenn es um "harte" Themen wie z.B.Zensuren ging. Das paßte absolut nicht mit der üblichen krampfhaften Lockerheit zusammen. Da waren die alten Reaktionäre besser. Die Fronten waren geklärt und man wußte, wo man dran war (mal war es gut, mal nicht).

Prof_Bienlein
13.04.2002, 14:50
Der Vollständigkeit halber wollen wir anmerken, dass es natürlich auch hier nicht nur Schwarz und Weiß gab, will sagen: In Anbetracht der haarsträubenden Stories von Pit muss ich festhalten, dass von unseren Lehrern "Alten Schlages" die wenigsten "reaktionär" waren. Solche Sprüche wie die von ihm geschilderten wären bei uns in den Jahren nach 1978 (als ich an's humanistische Gymnasium kam) undenkbar gewesen!

Deine Schilderungen bezüglich der Erfahrungen mit den Lehrern dieses oder jenes Schlages, Elwood, kann ich von unserer Warte aus nur bestätigen!

pit1962
13.04.2002, 15:04
Sicherlich gab's auch Grautöne. Keiner der alten Knochen ist jeden Tag wie ein Berserker durch die Klasse gestampft oder hat nur rumgebrüllt. Von den betont Antiautoritären, die Elwood erwähnt, waren zu Beginn meiner Gymnasialzeit noch keine angeschwemmt worden. Ein ganz schlimmes Sporthalbjahr ist mir auch noch in Erinnerung: Wir haben bei einem basketballverrückten Lehrer monatelang diese von mir niemals geliebte Sportart ausüben dürfen. Leichtathletik und Fußball fielen flach. Meiner geringen Körpergröße kam Basketball auch nicht entgegen. Fußball fand' ich sowieso besser. Bei einem Freundschaftsspiel gegen eine Parallelklasse sind mir mal sechs Tore gelungen. Das hat vor allem meinen Mitschülerinnen gefallen.
Zur Ehrenrettung meiner Lehrer muss ich aber sagen, dass es mir als Schuldirektor auch nicht gefallen hätte, wenn einer meiner Schüler mit dem Mofa (wer wohl?) durch die Klasse gefahren wäre. Handelte sich um eine Wette um DM 30,-. Dafür gab's zwei LP's.

Zazie
15.04.2002, 13:37
Oh oh Pit, willkommen im Club der Schultraumatisierten! Wie oft hat Niki Lauda denn gewonnen bzw. wie oft bist du sitzen geblieben? Ich hatte es auch einzig einem meiner ersten Französischlehrer und meinen besonnenen Eltern zu verdanken, dass ich schließlich doch noch Abitur gemacht habe, über Umwege. Ich hätte sonst keine Peilung gehabt, was ich werden wollte.

Wo wurde denn mal das Thema Hausmeister angesprochen? Hier oder bei den 60-ern? Jedenfalls, das war auch so ein Menschenschlag für sich. Der in der Grundschule war noch recht jung, aber ständig gegen die Schüler eingestellt. Muss wohl an den vielen Asos gelegen haben; davon gab's viele, denn die Schule lag mitten in einer echten Betonwüste des sozialen Wohnungsbau. Da wurde gemeckert, gebrüllt... einmal standen wir nach einer BG (Bildnerisches Gestalten)-Stunde mit den Tuschkästen im Mädchenklo, um diese sauberzumachen. Plötzlich kommt der Hausmeister rein und beschuldigt uns laut pöbelnd, wir würden alles versiffen. Hat unsere Namen aufgenommen und uns angedroht, unsere Eltern bekämen jetzt "einen hübschen kleinen Brief". Diese Worte und der süffisante Tonfall, den er dabei drauf hatte, sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Irgendwie müssen wir aber wohl doch von der Lehrerin die Absolution erhalten haben, schließlich waren wir wirklich nur am Tuschkasten auswaschen gewesen.

Der Typ vom Gymnasium trug den Namen Nathan und genauso sah er auch aus: Alt, weißhaarig, schrullig, wortkarg und wenn er redete, dann meistens irgendwas Pampiges. Allein der Hausmeister von der Gesamtschule war cool, trotz der Sozialfälle, die es an dieser Schule zuhauf gab.

We don'n need no education
we don't need no thoughts control...

(kommt gerade im Radio, passt doch.)

pit1962
15.04.2002, 14:17
Jaja, Zazie,
der Niki war dreimal Weltmeister, zweimal für Ferrari und einmal mit 'ner anderen Kiste. Kannste Dir Deinen Reim draufmachen. Seinerzeit konnte ich mich wirklich schlecht konzentrieren und meine Faulheit kam noch dazu. Manche Fächer habe ich aus dem Ärmel geschüttelt, bei manchen ging's überhaupt nicht (Mathe geht jetzt noch nicht, gleiche ich mit Deutsch, Englisch, Französisch und Geschichte aus).
Unser Hausmeister: fett, Seitenscheitel, mit einem ekelhaften Grinsen, mit einem ca. 60 Kilo schweren Rottweiler (wie der Hund in das "Omen") bewaffnet und Reifenventile aus den Fahrrädern herausschraubend, die nach seiner Meinung am falschen Platz standen.
Abitur gibt's bei mir in zwei Jahren. Wer möchte dann zu meiner Abi-Feier kommen?

Bibo
18.04.2002, 16:17
In den 70ern war ich ja noch auf der Grundschule. Wir hatten ein sogenanntes "Miekätzchen"als Klassenlehrerin, also eine Lehrerin, die fast alles unterrichtete, obwohl sie fast nix davon studiert hatte. Das merkten wir besonders schmerzlich in Mathe und Sport, wo ab dem 4. Schuljahr eine in diesen fächern ausgebildete Lehrerin kam. Aber schon vorher, als einmal unser Hausmeister eine Vertretungsstunde in Sport geben musste (ich glaube, das Miekätzchen kam und kam nich mit ihren Strohschühchen und dem Tambourin zum üblichen "Wer-hat-Angst-vorm-schwarzen-Mann-Spiel) , kamen wir plötzlich ganz schön ins Schwitzen, weil außer den Vereinssportlern keiner wußte, wie man mit so nem komischen Holzsprungbrett einigermaßen unverletzt über son riesen Holzkasten kam. Der Hausmeister, seines Zeichens wohl auch Vereinsturner, hat uns ganz schön Dampf gemacht in der Stunde, wir sind völlig platt zurück in den nächsten Unterricht (wer weiß, vielleicht war das Kalkül, damit endlich mal alle die Schnauze hielten...)

Zazie
18.04.2002, 18:02
Pit, ich sehe schon, da gibt's noch mehr Schultraumatisierte als mich, denen es noch schlimmer ergangen ist... mit dem Unterschied, in die Grundschule bin ich sehr gerne gegangen. Ja, zeitweise sogar leidenschaftlich gerne. In den Ferien war mir oft stinklangweilig. Klar, als Einzelkind. Dementsprechend waren meine Zeugnisnoten da auch sehr gut - gut - und ein bisschen befriedigend, aber nie schlechter. Bis auf die erste Fünf meines Lebens, in einer Mathearbeit natürlich. Latente Dyskalkulie - heute weiß ich das auch! Pit, diesbezüglich können wir uns die Hand reichen: Ich habe Mathe nie kapiert, absolut nie. Auch nach der soundsovielten Wiederholung nicht. Eher hätte ich wohl Chinesisch gelernt. Wir sind halt eher ein Esprit de Finesse als ein Esprit géométrique :-)

Bibo, solche Lehrerinnen (meistens waren es Damen, irgendwie gab es schon immer sehr wenige GrundschulLEHRER) wie deine, die fast alle Fächer unterrichtete, hatten wir zeitweise auch. Vor allem in den ersten Schuljahren. Allein der Mathelehrer (tatsächlich ein Mann) war separat. Und zum Teil der/die Musiklehrer/in, sofern wir überhaupt Musik hatten, denn das kam in der Grundschule absolut viel zu kurz. Auch später gab's in der Grundschule wenig Fachlehrer bei uns, im Gegensatz zur weiterführenden Schule, wo fast alles Fachlehrer waren.

Und Schulsport - ürrrrg, da sind wir wieder bei unserem Lieblingsthema! Da sind wir uns ja alle einig, dass der Sportunterricht absolut aso war.

Spleen
18.04.2002, 18:34
Definitiv Eurer Meinung. Wie wärs mit virtuellen Bundesjugendspielen? Oder einer Sportstundensequenz im 70er-Roman?

Zazie
18.04.2002, 18:47
Ja ja ja, virtuelle Bundesjugendspiele!

pit1962
19.04.2002, 09:40
Als Jungs hatten wir es ein wenig besser als die Mädels unserer Klasse. In den Wintermonaten konnten wir wenigstens Handball oder Hallenfußball spielen, während unsere Schulfreundinnen sich in Gymnastik mit Reifen und Bällen produzieren durften. Im Sommer ging's natürlich raus zur Leichtathletik. Fußball wurde auch dann gespielt. Da ist der kleine Pit "die Blutgrätsche" dann meistens vom Platz geflogen.
Mathematik und ich, zwei Welten treffen aufeinander!! Eher gibt's den Weltfrieden, als dass ich dieses Fach kapiere.
Haste fein ausgedrückt, Zazie, das mit dem "esprit de finesse". Hört sich auch elegant an.

pit1962
19.04.2002, 09:43
Der Herr auf dem Bild konnte Mathe besser als ich, sonst hätten wir heute keine Scannerkassen und Arbeiten mit einem Laserstrahl könnte man sich auch abschminken.

Zazie
19.04.2002, 11:31
Was heißt hier "Jungen hatten es im Sport besser als Mädchen"? Ich wäre dankbar dafür gewesen, hätte ich Gymnastik mit Bällen, Kegeln und Bändern zu schöner Musik machen dürfen. Aber nee... Völkerball musste ich spielen, das allergrößte Aso-Ballspiel, das es gibt! Ab und zu gab's auch mal Ball-über-die-Schnur, so eine Art Volleyball-Vorläufer, oder auch Brennball, so eine Art Baseballverschnitt. Ich war eine absolute Doppelnull im Ballspielen, lediglich bei letzterem Spiel hatte ich noch ein bisschen eine Chance. Ich warf den Ball nie in die Mitte, sondern legte ihn vor meinen Füßen ab und rannte dann los :-)

Das mit Mathe und dem Weltfrieden hast du sehr richtig ausgedrückt Pit. Genauso isses! Ich sag's ja, eher hätte ich Chinesisch gelernt oder, noch besser, Japanisch das hätte wenigstens noch was gebracht in meinem Leben, nämlich einen tollen Job.
Ein paar Albtraumthemen: Körperberechnung, Flächenberechnung, Berechnung rechtwinkliger Dreiecke (Tangente - Tangente - Hypotenuse, a quadrat plus b quadrat gleich c quadrat), der Satz des Thales (jeder Winkel im Halbkreis ist ein rechter), die Gauß'schen Zahlenreihen... jaaaa, theoretisch weiß ich das alles (ist mir beim Übersetzen hilfreich, da kann sowas schon mal vorkommen). Aber das Berechnen selber - vergiss es :-) Jedoch, du wirst lachen, in meinem Abizeugnis gibt es von einem Semester eine Mathenote, die nicht ganz so unter aller Sau war. Sehr zu meiner eigenen Überraschung muss ich da wohl mal, wenn ich mich recht erinnere, eine Klausur mit ganzen 6 (sechs!) Punkten geschrieben haben.
Übrigens, das mit "jeder Winkel im Halbkreis ist ein rechter" habe ich mir neulich mal beweisen wollen. Es war wie in meinem ersten Schuljahr: "In Mathematik ist Zazie um Klärung der Sachverhalte bemüht, sie kommt dabei auch zu eigenständigen Lösungen".

pit1962
19.04.2002, 11:49
Auch um Völkerball würde ich keinen beneiden. Superätzendes Spiel.
Aber noch eine kleine Bemerkung zum Thema Mathe: Wenn ich jetzt in der Schule den Hauch eines Funkens, par exemple den Satz des Pythagoras, kapiert habe, so ist das der Verdienst meiner Frau. Sie ist Chemieingenieurin und beherrscht das Thema Mathematik aus dem effeff. Unser Mathelehrer, der sich doch irgendwie rührend um uns bemüht, hat bei mir im Unterricht noch keinen Ansatz zu konstruktiver Mitarbeit erkennen können. Wäre es möglich, würde ich mir glatt noch eine dritte oder vierte Fremdsprache aufhalsen lassen, um das Fach Mathematik loszuwerden. Jeder macht halt das, was er am besten kann.

Knappe Wamba
19.04.2002, 13:29
Also in den 70´ern war ich auch noch Grundschüler. Wir hatten in der ersten Klasse ein Lese-/ Arbeitsbuch das "Uli der Fehlerteufel" hieß. Der kleine Teufel machte immer faxen und war immer in den Ecken oder ganz am Rand des Buches abgebildet. Das war schon für uns ziemlich lustig. Ich frage mich, ob es das auch außerhalb von NRW gab oder es heute vielleicht noch gibt?
Unsere damalige Klassenlehrerin (1. und 2. Klasse) hieß Fr. Rabe und wir waren Ihre letzte Klasse, nach uns ging Sie in Rente. Sie trug immer so typische Alt-Frauen Kleider in braun-beigen 70´er Muster. Ich hab mir erst letztens bewußt gemacht (OH Schande!)das Sie mir das Lesen und Rechnen beigebracht hat. Nicht ein anonymes Schulsystem mit Klassenvorständen, sondern die liebe (ja unsere) Fr. Rabe, die Ihr Leben dazu verschrieben hatte, kleinen Kindern das Lesen und Rechnen beizubringen. Ich kann gar nicht sagen ob Sie noch lebt. Meine Hochachtung, Frau Rabe.

pit1962
19.04.2002, 17:53
Ich möchte auch einmal anmerken, dass es in der Zeit um '78 an unserer Schule sehr unvorteilhaft war, den Namen "Neumann" zu tragen. Jeder mit diesem Namen wäre sofort mit dem segelohrigen, zahnlücketragenden Alfred E. Neumann, der Titelfigur des Magazines "MAD" in Verbindung gebracht worden. Ich habe diesen Comic geliebt, weil da so schön rumgeätzt wurde.

Prof_Bienlein
19.04.2002, 17:54
"Uli" kenne ich auch noch - das war, glaube ich, ein Buch in teuflischem Rot.

Und nochmal zu Mathe: Das scheint ja wirklich für die meisten das Horrorfach gewesen zu sein! Auch ich bekam meine einzigen beiden Fünfen für Mathearbeiten, je einmal in der Grundschule und am Gymnasium.

pit1962
19.04.2002, 18:09
Das ist nicht nur das Horrorfach geesen, Balduin, das IST es noch und wird's vermutlich auch bleiben.

Spleen
19.04.2002, 21:03
Vom Platz geflogen, Pit? Bin ich nie, allerdings galten Meikel und ich als die faulsten Verteidiger der Schule. Wir standen meistens am Tor rum und sahen zu, dass wir Abstand vom Ball hielten. Wir haben uns aber immer großrtig unterhalten. Nur unser Sportlehrer hatte meist was dagegen. Sportlehrer mussten damals noch gar nichts können, die organisiereten einen Ball und schickten uns von März bis Dezember auf den Platz. Doll pädagogisch. :D

pit1962
19.04.2002, 21:59
Ich hab' ja auch den Verteidiger gemacht, damit ich nicht in die Verlegenheit kam, mich zuviel bewegen zu müssen. Als Freistoßschütze war ich aber gefragt.

bluethunder01
20.04.2002, 00:16
Schule..dazu fällt mir noch am ehesten ein, das ich nach der 8. Klasse 1977 vom altsprachlichen Gymnasium geflogen bin. Jahrelang Latein gelernt..alles für die Katz. Zitat einer Studienrätin
beim Elternsprechtag zu meiner Mutter: "Ihr Sohn und sein Freund, der xxxx, das
werden die Terroristen und Bombenbauer von morgen."
So schlimm war ich nun wirklich nicht, aber irgendwie war das
Kollegium der Schule wohl anderer Meinung.
Die nächsten zwei Jahre bis zum Abschluß der Realschule waren
zwar nicht von den besten Noten gespickt, was wohl in erster Linie an meiner häufigen Abwesenheit lag, waren alles in allem recht unterhaltsam. Es gab an dieser Realschule drei Kurse mit den Schwerpunkten Sprachen,Naturwissenschaft und Sozialkunde. In dem Sozi-Kurs saßen dann die ganzen Chaoten,
die von den anderen Fächern keine Ahnung hatten und die
Sozi-Geschichte als einfachste Lösung ansahen.
Um es kurz zu machen, frisch vom Gymnasium geflogen landete
ich auch dort und nach kurzer Zeit waren jegliche gute Vorsätze
von nun an alles besser zu machen verflogen.
Trotz allem habe ich den Abschluß 1979 mit einem passablen
Schnitt geschafft und denke heute gerne an die
"superjeile Zick"(Supergeile Zeit - für alle nicht-kölschen)

Spleen
20.04.2002, 07:53
Alaaf, thunderer! Mer losse dr Dom in Kölle!
Stimmt, Sozialkunde/Politik und Pädagogik waren die Superlaberfächer. Witzig waren auch die Literaturkurse. So richtig mit viel Theorie. Wer auf die Idee gekommen war?

pit1962
20.04.2002, 09:07
YO Bluethunder, Dein Beitrag hat mir die Erinnerung an einen Schulausflug nach Köln 1978 zurückgebracht. Dort haben wir Kölns wichtigste Sehenswürdigkeit ausgiebig studiert. FRÜH AM DOM!! Für alle Nichteingeweihten, das ist eine der urigsten Kneipen, die ich jemals kennengelernt habe.
In die terroristische Ecke wäre ich Ende der 70er auch gedrängt worden, aber nur dann, wenn man mich nach meinem Anschlag (mit Plaka-Farbe) auf eine Schulmauer auch erwischt hätte. Dazu hätte man allerdings früher aufstehen müssen.

Bibo
20.04.2002, 15:32
Zazie, ich war auch eine Doppelnull bei Ballspielen. War Völkerball das Spiel, wo man andere bewerfen bzw. abgetroffen werden musste oder Brennball? Das war das einzige, was ich nämlich beherrschte: Vor dem Ball wegrennen und nicht getroffen zu werden! Auch Kugelstoßen gehörte zu meinen Spezialitäten: Ein Wunder, dass meine Zehen alle heil blieben, die Kugel flog bei mir nämlich nie weit.

Und zu Mathe: Eigentlich ja eine Art Sprache, (zugegebenermaßen sehr abstrakt). Ich fand das immer ein großes Manko, dass sie im Matheunterricht (fast) jeglicher Anwendung beraubt wurde. Leider genoß ich am Gymnasium dann 4 Jahre lang einen Mathetheoretiker, der JEDES Thema mit einem Beweis einführte. Damit war das Thema dann für mioch direkt wieder erledigt...

Spleen
20.04.2002, 18:16
Wir wären ein prima Turnverein, Bibo!

pit1962
20.04.2002, 18:53
So einen Mathetheoretiker habe ich heute noch als Lehrer. Da muss man ja Bertrand Russel sein, um das zu begreifen.

wummi
21.04.2002, 13:13
das ist ja herrlich hier. gerade frisch entdeckt den strang. aber besser spät als nie.

nun oute ich mich auch hier (remember: alle scheinen wassermänner zu sein).

auch bei mir wurden wegen mathe aus einem jahr zwei.

und vor mir liegt sie, die bibel. mathematische tafeln kurzausgabe mit formelsammlung a von sieber , incl. mathematische begriffe und formeln. ernst klett verlag stuttgart.

trigonometrie, vektoren im anschauungsraum (wie das schon klingt), kegelschnitte , parabeln, hyperbel, polynome usw.usf. wahllose begriffe aus dem o.g. buch. purer horror für mich. trotzdem habe ich das buch, aus lauter respekt vor all dem ‚wahnsinn’ darin, aufgehoben

noch heute verstehe ich bezüglich mathe nur bahnhof. ähnlich verhält es sich mit physik und chemie(was bei mir immer zu problemen bei der astronomie führt, die ich hobbiemäßig ganz gern betreibe – allerdings mangels möglichkeiten eher selten und wenn, dann spartanisch).

dafür war ich in sport recht gut. 1974 in der vierten klasse war ich bei den bundesjugendspielen sogar drittbester von unserer ganzen schule. was war ich stolz(ich glaube ich bin es heute noch, sonst würde ich es hier wohl nicht anpreissen wie sauer bier). die ehren-urkunde trägt die unterschrift von roman herzog. der war damals kultusminister in baden-württemberg. auch bei ballspielen jeglicher art war ich immer begeistert dabei . völkerball, brennball, fußball, handball, volleyball. klasse. und immer noch besser als am reck zu verhungern(turnen war nur tlw. mein ding).

zurückblickend betrachtet war die grundschulzeit sehr schön. da war ich auch noch erfolgreich – auch wenn es bei den textaufgaben im rechenunterricht schon losging zu kriseln.
ich hatte nette lehrerinnen(ich habe die alle gemocht), bis auf einen alt-nazi, der uns versuchte altdeutsche schrift beizubringen und berüchtigt war für züchtigungen - und das 1973. allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, das er in unserer klasse grob gewalttätig wurde, er war wohl nur sehr herrisch und autoritär.

mit bravour schaffte ich es damals auf das gymnasium, doch dann ging es bergab. nach der zehnten habe ich es aufgegeben –auch wenn die nette psychologin am oberschulamt, die mit mir iq-tests gemacht hat, meinte, dass ich doch weitermachen sollte oder auf eine fachgebundene oberschule gehen könnte. hätte ich keine lehrstelle bekommen, wäre ich wohl weiter zur schule gegangen. gottseidank hatte man damals automatisch mittlere reife. vor den realschülern hatte ich immer grossen respekt, als die ihre prüfungen zur mittleren reife ablegen mussten. keine ahnung , ob ich das geschafft hätte.

manchmal trauere ich dem verpassten abitur natürlich nach. wenn ich näher nachdenke ist es immer komisch festzustellen, welche leute aus meinem freundes- und bekanntenkreis im gegensatz zu mir alle das abitur geschafft haben. eigentlich erstaunlich.

kurzer einschub: pit. vor dir und all den anderen, die das abitur nebenher nachmachen, habe ich hohen respekt.

aus den sommerferien kam ich immer mit grosser hoffnung, das nun alles besser wird, zurück.
leider war dem nicht so. relativ schnell versackte man wieder in alte schemen. kurz vor den klassenarbeiten anfangen zu lernen und im unterricht nicht nachzufragen, wenn man den stoff nicht so richtig kapiert hatte. so konnte das nichts werden.


die lehrer auf dem gymnasium habe ich fast alle als typisch 70-er jahre mäßig in erinnerung.
also relativ liberal eingestellt. und ich meine mich erinnern zu können, dass das auch alles wunderbar funktionierte. irgendwie war es wohl so, dass wir aus einer zeit kamen, in der man wahrscheinlich noch einen gewissen automatischen respekt vor lehrern hatte. das hielt einen dann wohl zurück totalen blödsinn zu machen. alles in allem waren wir schüler damals sehr gesittet.
die referendare gegen ende der siebziger waren dann noch liberaler. kumpelhaft bisweilen. und viele männliche davon langhaarig. vor allem das war der damalige große unterschied zwischen den lehrer- generationen.

mit dem pausenläuten kam oft das glück, noch einmal davon gekommen zu sein, aber auch der hier im strang schon angesprochene hausmeister. das waren im gegensatz zu den damaligen lehrern immer richtig autoritäre alte säcke. zumindest kam es einem so vor. immer wurde geschumpfen. was mir im nachhinein irgendwie auch logisch erscheint, denn der hausmeister hatte für ordnung zu sorgen und das alles reibunglos funktioniert. sauberkeit inclusive. wir schüler waren also die natürlichen feinde eines jeden hausmeisters.

freundschaft geschlossen habe ich neben sport noch mit deutsch und englisch. das waren wohl die erfolgreichsten fächer die ich hatte.

mit latein(wegen mathe hatte ich lieber den sprachlichen zug gewählt) ging es sich in der siebten klasse auch noch gut an. doch dann der große absturz. ich habe nichts mehr kapiert und zu einer vier hat es nur gereicht, weil ich pro halbjahr einmal komplett abschreiben konnte. Da hatte ich dann immer eine zwei. sonst eine sechs. und mit meinen geben reclam heften (de bello gallico auf deutsch) zum spicken, war ich dann glücklicherweise mündlich relativ aktiv. für mich trotzdem bis heute unverständlich, dass der lehrer scheinbar nicht gecheckt hat, das ich abschreibe....

generell war das wer-und-wie-von-wem-abschreiben zu organisieren mit das wichtigste um im schulalltag zu überleben.

schulbusse. das ist auch so ein thema. ich wohnte ja auf dem land und mußte daher mit dem bus zur schule. jeden morgen der gleiche streß um den bus bloß nicht zu verpassen. stand man dann an der bushaltestelle, hoffte man dagegen auf eine richtig tolle verspätung des schulbusses, damit man den unterricht -zumindest tlw.- verpaßt. schlimm war immer das gedrängele um die freien sitzplätze. wie eine horde wilder mit viel geschrei stürzten sich alle auf die viel zu schmale eingangstür. das war überlebenskampf pur. die busfahrer mußten da schon viel über sich ergehen lassen. einige waren dazu aber nicht bereit und stellten jeden schulhausmeister in den schatten.
ich beneidete immer die amerikanischen kinder, die in unserer kleinen stadt wohnten. die wurden immer mit einem tollen bus zur schule in den barracks abgeholt. und jeder hatte einen eigenen sitzplatz.....

pit1962
21.04.2002, 14:37
Toller Beitrag, Wummi. Echt aufschlussreich, so den Schullebenslauf von anderen Leuten zu lesen.

Zazie
21.04.2002, 19:37
Wummi, willkommen im Club der Dyskalkuliker. Und - da haben wir ihn ja, DEN EINEN, der gut in Sport war! :-)

Ja, nachdem ich in Mathe absolut nichts verstand, kam ich auch mit Physik und Chemie nicht klar. Aber überhaupt nicht. Erst später, als es darum ging, nicht dauernd was berechnen zu müssen, schaffte ich es, nicht dauernd Ausfälle zu produzieren. Aber die Geschichte der Stoffe, deren Atome alle bestrebt waren, eine Edelgasschale zu erreichen... und das Berechnen von Flaschenzügen und hydraulischen Pressen... mann bin ich froh, dass das vorbei ist! Die Formelsammlung, das Buch des Wahnsinns, ich habe laut auflachen müssen, als du das schriebst :-)

Lateinm dazu schrieb ich bereits was. Ich habe es allein meinem coolen Lehrer zu verdanken, dass ich darin eine gute Note und den Vermerk "großes Latinum" im Abizeugnis hatte. Wäre ich nicht zur Gesamtschule gewechselt und hätte ich diese gestrenge Gymnasiums-Lateinlehrerin behalten, wäre ich gnadenlos baden gegangen. War wohl alles so vom Schicksal vorbestimmt, dass ich zwar spät, aber dennoch und anständig Abi machen sollte. Ansonsten, auch meinen vollen Respekt für die Abendschüler. Ich hätte mich sicher nicht dazu aufgerafft. Wahrscheinlich hätte ich über Umwege doch den Beruf gelernt, den ich jetzt habe, denn das geht.

Langhaarige Lehrer hatten wir glaube ich nicht. Jedenfalls nicht so richtig langhaarige. So welche mit an Afro- oder Jesuslook grenzender Matte jedoch schon. Und Rauschebärte hatten einige!

Gut, dass du das Thema spicken und abschreiben angesprochen hast. Hatten wir das schon? Ich hätte da so einiges dazu beizutragen, denn ich war the queen of spicken. bin auch nie erwischt worden. Wie habt ihr am liebsten gespickt? Wer ist erwischt worden?

The Hoople
21.04.2002, 19:45
Wenn sich hier schon alle outen, tu ich es auch mal:

In Sport war ich eine absolute Null. Beim Sportabitur in Leichtathletik kam ich auf 69,5 Punkte. Die Grenze von 6 auf 5 lag bei 130 Punkten. Dafür habe ich beim Handball beim Werfen auf einen 1m-Durchmesser-Kreis auf der Wand zehnmal von zehn Würfen getroffen - 5 aus dem Stand und 5 aus dem Lauf. Das gab dann wenigstens eine 5+.

Mathe habe ich geliebt. Habe ich dann auch studiert. Bin ich jetzt ein Außenseiter? Letztens habe ich mal wieder ein Mathebuch aus der Oberstufe in der Hand gehabt, da mein Kumpel Nachhilfe gibt. Hat wirklich Spaß gemacht, da mal wieder drin zu lesen.

Viele Grüße
The Hoople

pit1962
21.04.2002, 19:57
Bist kein Außenseiter, Hoople. Bei mir genießen Mathekünstler allergrößte Bewunderung.

wummi
21.04.2002, 21:56
ja, in sport war ich wirklich nicht schlecht. nicht herausragend, aber gut und das eigentlich bis ich zivildienst angefangen habe. danach ging's 'bergab'. sex and drugs and rock'n'roll. gut, so schlimm war's nun auch wieder nicht. aber vom sport habe ich (leider) die finger gelassen. zu lange wahrscheinlich. aber das wäre jetzt stoff für die achtziger und die neunziger.

@hoople. auch von mir allerhöchste hochachtung.

gesamtschulen gab es im gestrengen schwabenländle leider nicht.
allein wegen meiner gescheiterten schulgeschichte, bin ich bis heute eigentlich ein verfechter dieser schulform, denn ich denke nach der vierten ist es einfach zu früh, zu sagen wohin der weg gehen soll. diese meinung von mir, scheint aber heutzutage gegen den trend zu sein.

es gruesst ein 'dyskalkulierer' (nette wortschöpfung, zazie, das wäre doch auch ein guter nickname. wir müßten allerdings durchnummerieren....)

Zazie
22.04.2002, 10:09
Keine Wortschöpfung Wummi, sondern der offizielle Begriff für die Rechenschwäche, das Pendant zur Legasthenie halt.

Ich bin voll und ganz deiner Meinung, was den frühen Entscheidungszwang für die weiterführende Schule und die Gesamtschule angeht. In Berlin ist ja erst die 7. Klasse nicht mehr Grundschule, aber selbst das ist noch zu früh. Mit 12 hat man gerade den ersten Pubertätsschub; ich kann mich erinnern, für mich war der Schulwechsel aufs Gymnasium äußerst traumatisierend.
Weiterführende Schule mit 10 Jahren - ich finde das so einen Blödsinn! In dem Alter weiß man noch überhaupt nicht, wo es eines Tages langgehen soll und man wird vollends von den Eltern fremdbestimmt. Oft schicken sie ein nur mittelmäßig oder gar unbegabtes Kind aufs Gymnasium, mit dem Resultat, dass es schon in ganz jungen Jahren mit Nachhilfeunterricht gequält wird, wo es doch eigentlich noch spielen, sich bewegen sollte. Und meistens bringt die Nachhilfe dann doch nichts, weil das Kind dann in höheren Klassen abstürzt, so wie Pit und ich. In Bayern gibt es einen sehr ironischen Spruch (es gibt - bzw. inzwischen gab - in München nur eine Gesamtschule): "In Bayern gibt es auch die Gesamtschule. Sie heißt Gymnasium." Das sagt ja wohl alles... wenn hier die Gymnasium-Kinder nicht so funktionieren, wie sie sollten, werden sie auf die Privatschule geschickt, sofern die Eltern sich das finanziell erlauben können. Da machen sie dann mit links Abi. Hab ich schon des öfteren gehört, es ist ein regelrecht mit Geld erkauftes Abi. So wird Bildung doch wieder was Elitäres für Leute mit Geld.
Mit meinem kanadischen Mitbewohner habe ich öfters über das deutsche Schulsystem diskutiert; er hat das im Deutschunterricht gelernt. Er ist echt entsetzt darüber. Nur die Noten und die Prüfungen zählen und wenn da jemand schlecht ist (kann ja auch z. B. aufgrund familiärer Probleme sein), wird er aufs Hauptschulgleis abgestellt und kommt da nicht mehr weg. "Hätte ich in Deutschland Kinder, ich würde sie auch aufs Gymnasium schicken, ob sie wollen oder nicht. Ich würde schließlich die beste Ausbildung für sie wünschen." Nun ja, ich habe ihm erklärt, dass man keineswegs immer auf einen Schultyp festgelegt ist, wenn man dort einmal gelandet ist.

Früher habe ich ja auch nicht viel von der Gesamtschule gehalten. Bei uns im Bezirk gab's auch überhaupt keine guten. Die hatten alle einen ätzenden Ruf von wegen Waffenbesitz, Rauschgift und andere Asozialitäten. Also bin ich am ganz anderen Ende von Berlin gelandet, von einer Mauerseite zur anderen sozusagen. Was mir jeden Tag insgesamt 3 Stunden Bus und U-Bahn quer durch die Stadt bescherte, das Grauen schlechthin! Aber ich hab's durchgezogen, ich sagte mir, würde ich eine Lehre machen, könnte ich mir meinen Ausbildungsort auch nicht aussuchen.
Jedenfalls, nachdem ich auf der Gesamtschule war, konnte ich auch nicht anders als das System zu verfechten. Mehrere für die Realschule Vorgesehene machten Abi. Sogar ein paar, die vorher für die Hauptschule vorgesehen waren, einfach weil sie mit zunehmendem Alter motiviert waren. Na und ich, die ewige Schulversagerin, die Todeskandidatin, ich habe es auch gepackt.

Ach hätte ich doch bloß was zu sagen... ich sollte in die Schulpolitik gehen!

Hoople, klar bist du mit deiner Mathebegabung ein Außenseiter hier, aber wie du siehst, ein allseits bewunderter :-)

pit1962
22.04.2002, 10:40
In den 70ern spielte doch auch das Prestigedenken vieler Eltern eine Rolle, ob nach der vierten Klasse ein Kind aufs Gymnasium geschickt wurde. Bei mir war das nicht so, denn ich landete auf so einer "höheren Lehranstalt" auf Empfehlung meiner Grundschullehrerin. Meine Eltern gaben dieser Empfehlung nach und meldeten mich auf der Freiherr-vom-Stein-Schule an. Am Anfang recht erfolgreich, bewegten sich die Tendenzen meiner Noten im Lauf der Zeit immer weiter nach unten. Nachhilfe in Mathe hat überhaupt nichts genützt, fast überflüssig zu erwähnen, dass ich dann neben Mathematik auch in den naturwissenschaftlichen Fächern gescheitert bin. Es war seltsam, dass ich in den Sprachfächern und solchen Sachen wie Erdkunde oder Geschichte anderen Mitschülern immer meilenweit voraus war, in den naturwissenschaftlichen aber nicht einmal Ansätze begriffen habe. Ob ich jemals, z. B. bei den Sprachen, zu den Höherbegabten gehört habe, weiß ich nicht und werde es nie erfahren, aber in dieser Beziehung habe ich vielleicht noch Glück gehabt. In ganz früheren Zeiten landeten etwas Höherbegabte, die aufgrund ihrer Unterforderung dem Unterricht nicht mehr folgten und permanent störten, nicht selten auf einer Sonderschule.
Noch was: Um 1974 kam bei uns das Gerücht auf, dass jemand, der gut in Mathe ist, auch gut in Latein sein müsse. Wo war denn da der Zusammenhang? Mir war's recht: Weil ich in Mathe nie besser als 5 stand, hab' ich doch lieber Französisch gewählt. Noch heute muss ich für Franze keinen Handschlag tun und es klappt trotzdem.
Non scolae sed vitae discimus!!

Zazie
22.04.2002, 13:12
Bei euch gab's auch eine Freiherr vom Stein-Schule? Bei uns auch und dieses Gymnasium hatte in meinem Bezirk den Ruf, das verknöchertste, strengste, altbackenste Bildungsinstitut überhaupt zu sein. Und da war auch was dran: Ich gab mal einem Mädel Französisch-Nachhilfe. Ihr Französischbuch stammte aus den 40- er oder 40-er Jahren und mein eigener Französischlehrer hatte damit schon französisch gelernt. Auch wurde im Zeugnis noch die "Handschrift" bewertet. Von dieser Schule gab es zweierlei Aufkleber. Einmal die offiziellen mit der Aufschrift "Freiherr vom Stein-Gymnasium", der ein bisschen aussah wie diese amerikanischen College-Sweatshirts ("Harvard"), und einmal die inoffiziellen: "Frust und Schleim auf der Stein" :-))). Viele Schüler sind von der Stein auf andere Gymnasien gewechselt; ich hatte viele Freunde und Bekannte, die dort gequält wurden. Andere, vor allem ehemalige Stein-Schüler älteren Jahrgangs behaupteten, mit einem Zeugnis von der Stein sei man in ganz Berlin gut angesehen, weil dies ja so eine tolle Eliteschule sei...

Das mit deinem Scheitern in den naturwissenschaftlichen Fächern hätte auch von mir geschrieben worden sein können. Mir ging es haargenau so. Allerdings war ich auch teilweise in den Fächern schlecht, in denen du gut warst, einfach deshalb, weil ich so vollkommen desinteressiert war. In Erdkunde habe ich auch immer irgendwie gelitten; heute wäre ich wahrscheinlich besser darin. Wie ich schon mal schrieb, die eine Erdkundelehrerin verlangte, dass wir stets vorbereitet in ihren Unterricht kamen, da unangesagte Tests drohten. Bei ihrer Nachfolgerin hatte ich immer das Gefühl, sie würde unter Drogen oder Tabletten oder so stehen, denn sie hätte genauso gut einen Schrank aufmachen und da reinlabern können. Unterricht war das beim besten Willen nicht zu nennen. Sie schrieb lediglich Stichwörter an die Tafel, weil irgendein blöder Prüfer zuvor mal ihre schönen Tafelbilder kritisiert hatte. Ich machte immer nur Blödsinn mit meiner Freundin und ansonsten schlief ich. Der absolute Brüller war aber, als sie einmal eine Schülerin aufrief, die es seit einem halben Jahr nicht mehr bei uns in der Klasse gab. Sie hatte sie mit "Note 4" in ihrem Büchlein weitergeführt.
Über meine Geschichtsblockade schrieb ich auch an anderer Stelle schon mal. Es war mir seit der Grundschulzeit absolut unmöglich, irgend etwas darüber in meinem Kopf zu behalten. Meine Mutter versuchte, mit mir zu lernen: SIE konnte den Stoff nachher, ich nicht. Heulen, Zähneklappern, nicht besuchte Klassenfeten und Vaters Faust auf den Tisch und sein Machtwort "ich hab die Faxen dicke! Wenn du nicht lernen willst, nehmen wir dich eben von der Schule! Unseretwegen musst du kein Abi machen!" waren mein Leidensweg. Ich WOLLTE ja lernen. Aber ich hatte eine totale Lernblockade. Erst später sollte ich darin Nachhilfe von immer noch dem selben bereits erwähnten Französischlehrer bekommen. Und der prügelte mir den Stoff mit einem strengen Lernprogramm regelrecht ein. Mit Erfolg! Ich sag's ja, der hat mein Abi gerettet...

Jedoch, in den Sprachen war ich toll. In Französisch war ich schon am Gymnasium der Star. In der Gesamtschule habe ich ein paarmal meinen eigenen Lehrer vertreten dürfen. "Ach Zazie, du hast doch jetzt Freistunde, haste nicht Lust, meine Klasse zu unterrichten?" Und die Schüler hinterher: "Zazie, wann unterrichtest du mal wieder? Bei dir ist es lustiger als bei Herrn P.". Doch, ja, ich wäre gerne Lehrerin geworden...
Mit Englisch verhielt es sich ähnlich wie mit Deutsch: Mein Enthusiasmus ließ nach, als es an Literatur und dessen Interpretation ging. In Grammatik, Rechtschreibung und Aufsätzen war ich nämlich sehr gut. Dennoch war ich in Englisch bis zum Schluss gut, während ich in Deutsch immer schlechter wurde. Habe ich schon erzählt, dass ich u.a. wegen Deutsch vom Gymnasium geflogen bin? Meine Abinoten sind auch unter aller Kanone.

Die Verwandtschaft von Latein und Mathe? Ja, zu Anfang habe ich die auch nicht verstanden. Ich war gut bis mittelmäßig in Latein, alles war eine Sache des Lernens und manchmal kam ich nicht dazu, weil ich für eine Klassenarbeit lernen musste, die wichtiger war. Aber meine Lehrerin war von mir überzeugt. Diese Verbindung zwischen Mathe und Latein hörte ich von vielerlei Seiten, auch von dieser Lateinlehrerin. Später wurde mir dann auch klar warum: Das logische Denken war in beiden Fächern gefragt. Man musste analysieren und kombinieren können und sowohl Mathe als auch Latein folgen bestimmten Regeln (zum einen Formeln, zum anderen Grammatik). Wie bereits erwähnt, ich habe Latein zum Schluss auch nicht mehr kapiert. Aber die Mathe-Leistungskurslerin in unserem Lateinkurs war auch in Latein gut und hatte damit keine Probleme.

Ansonsten, Prestigedenken von Eltern - ich habe zwei solcher Fälle kennen gelernt, in denen Hauptschülerinnen aufs Gymnasium gequält wurden. Die eine war wirklich nicht besonders helle, aber sie war naturwissenschaftlich interessiert und nicht schlecht darin. Sie ist im ersten Oberstufenjahr aus dem Rennen geflogen, hat aber einen Beruf erlernt, der ihren Fähigkeiten entspricht. Die andere war, wie ich, auf der Gesamtschule gelandet und hatte bis zum Abi durchgehalten. Aber das schaffte sie dann nicht, auch nicht beim zweiten Anlauf. Tja, so kommt's dann. Sie schaffen es dann halt wirklich nicht. Ich denke mir, besser wär's gewesen, hätten die einen guten Realschulabschluss gemacht, denn das hätten sie zweifellos geschafft.

Übrigens rege ich mich immer wieder darüber auf, wie hier in Bayern an der Realität vorbeigegangen wird. Da lernen die Schüler als erste (!) oder zweite Fremdsprache Latein. Das ist doch krank! Im Zeitalter der EU, wie kann man nur eine tote Sprache lernen! Das humanistische Gymnasium oder aber Latein als zweite Sprache ist absolut die Norm hier. Als Berlinerin kann ich da nur den Kopf schütteln: Kaum einer ging aufs humanistische Gymnasium (das war für die überaus begabten Schüler, die gingen schon mit der 5. Klasse dorthin, eben wegen Latein) und überhaupt war Latein allenfalls 3. Fremdsprache, man konnte wählen zwischen Latein oder zwei naturwissenschaftlichen Fächern. Ich habe gehört, in Süddeutschland wird den Schülern von den Lehrern eingeimpft, wenn sie Latein lernen, gehören sie zu einer Art intellektueller Elite. In Wirklichkeit ist der Freistaat sicher nur um seinen Priesternachwuchs besorgt :-)

pit1962
22.04.2002, 15:12
Tja, Zazie, in den Genuss, einmal etwas unterrichten zu dürfen, bin ich erst vor ein paar Wochen gekommen. Unser von mir sehr geschätzter Deutsch- und Geschichtslehrer, der nicht einen Satz von sich gibt, ohne ironisch zu sein, bat einen der Studierenden (so wird das bei uns genannt, also weder Schüler noch Student, wahrscheinlich, damit wir nicht in den finanziellen Genuss einiger Vergünstigungen von Studenten kommen), sich vor die Klasse zu stellen und zum Ende des 1. Weltkrieges, des Vertrages von Versailles und der Weimarer Republik vorzutragen. Meinem Lehrer und meinen Schulkollegen hat's anscheinend Spaß gemacht, sodass ich bis zum Ende der Stunde vortragen konnte. Nur einmal waren meine Mitschüler etwas verdutzt, als ich in etwas schärferer Form um Ruhe in der Klasse bat. Mein Lehrer hatte nur zu bemängeln, dass ich bei Vorträgen zum Abschweifen neige und beim Thema "Weimarer Republik" bis zu Julius Cäsar zurückgehe.
Meine altes Gymnasium, benannt nach dem preußischen Reformer Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, war in der 30ern noch eine eine "Höhere Töchterschule" und mutierte erst später zu einem "gemischten" naturwissenschaftlichen Gymnasium. Ein Porträt des Freiherrn vom Stein hing in der Eingangshalle der Schule und ich weiß beim besten Willen nicht mehr, wer diesem würdigen Herrn mal eine Brille gemalt hat.
Ein Mitschüler von mir ist tatsächlich bis zum Abitur geprügelt worden, wenn er mal eine 3 in einer Klassenarbeit hatte, war der Teufel los. Er brach in ein richtiges Gebrüll aus und traute sich nicht nach Hause. Der Bursche hat tatsächlich sein ganzes Leben lang gelernt und so seine Jugend weggeworfen. Heute ist er irgendwo in NRW Richter, ich kann mir vorstellen, wie er mit versteinertem Gesicht an einem Richtertisch sitzt.
Dem Sohn eines Bekannten meiner Eltern sollte ich in Englisch nachhelfen. Die Erinnerung daran ist etwas dunkel geworden, jedenfalls hatte Nachhilfe bei diesem völlig untalentierten Jungen keinen Sinn. Das war das, was ich mit Prestigedenken meinte.
Logisch denken? Kombinieren? Nee, passe, ich bin mit Französisch bestens bedient. Was bei mir vielleicht eine Vermutung nach Sprachtalent bestätigt: Ich kann nicht eine einzige Grammatikregel, weder in Deutsch, noch in Englisch oder Französisch, und ich konnte auch noch nie eine. Kommt alles aus dem Bauch heraus und erweist sich dann als richtig.
Soweit ich weiß, gibt es bei uns in NRW immer noch die Regelung, dass es auf einem humanistischen Gymnasium ab der 5. Klasse Latein gibt und ab der 8. Klasse Altgriechisch. Wenn jemand aktuellere Informationen hat, kann er dies ja korrigieren. Ich jedenfalls hätte nie Latein gewählt. Um zum Beispiel Geschichte studieren zu dürfen, genügt in NRW der Nachweis über soundsoviele Jahre in einer zweiten Fremdsprache. Also: Französisch. Und Latein..................., das kann man auch woanders lernen.
Et nunc reges, intelligite erudimini, qui judicatis terram.
(Aus "Asterix bei den Olympischen Spielen")

Elwood
22.04.2002, 20:51
@Zazie: wo hier das Thema Gesamtschulen angesprochen wird: zumindest in Niedersachsen muß man zwischen zwei Versionen unterscheiden, der "Integrierten Gesamtschule" (IGS) und der "Kooperativen Gesamtschule" KGS). Erstere ist eine "richtige" Gesamtschule ohne Zweige, in der KGS dagegen sind die Klassen immer nach Zweigen aufgeteilt, nur Fächer wie Sport, Musik, etc. werden übergreifend unterrichtet. Es ist nur alles unter einem Dach.
Ich habe 7 Jahre auf einer "KGS" verbracht, inkl. Abi, und mein Fazit ist, daß das System der Gesamtschule an sich, aber speziell der IGS Humbug ist. Es gibt Schüler verschiedener Leistungsstufen und es bringt nichts, durch Zusammenwerfen da irgendetwas zu kompensieren zu versuchen. Bei uns gab es durchaus häufiger Sticheleien a la "doofer Hauptschüler" und "arroganter Gymmi-Schnösel aus gutem Hause", deshalb wurden im Lauf der Jahre immer weniger Fächer übergreifend unterrichtet. Und in den 70ern und 80ern war die Hauptschule noch nicht so tief unten, wie sie es jetzt ist! Unwillig und/oder unfähige Schüler ziehen den Standard nach unten, da ist so (ich schaffte es aus bereits erwähnten Gründen, den Matheschnitt nach unten zu ziehen - als Gymnasiast zweigübergreifend).
Die Differenzen gab es auch im Lehrerkollegium. Grund- und Hauptschullehrer haben andere Studiengänge als die Studienräte, die Gymnasiallehrer - und das zieht Reibereien nach sich. Ich erinnere mich daran, daß es ein Hauptschullehrerehepaar gab, die hochgradig aggressiv reagierten, wenn Andere (egal ob Lehrer oder Schüler) über ihre Hauptschüler herzogen. Machte man als Gymmi Sprüche, brüllten sie rum und rannten sofort zum jeweiligen Klassenlehrer. Als mein Freund und ich mal Entsprechendes losgelassen hatten (ich halte meine Fresse aus Prinzip grundsätzlich nicht), und die üblichen Folgen folgten, lachte sich unsere Lehrerin hinterher schlapp und meinte nur: "Recht habt Ihr".

Und die Trennung nach der 4.Klasse ist m.E.auch berechtigt. Ich habe auch eine niedersächsische Spezialität mitgemacht, die "Orientierungsstufe". Die 5. und 6.Klasse verbrachte man da, erst danach wurde getrennt - alles für die Wurst! Im nachhinein hat sich in diesen zwei Jahren so gut wie nie ergeben, das Schüler andere Erwartungen erfüllten, als nach der 4.Klasse. Zweigwechsel gab es später genauso, wie auch woanders, wo nach der 4.getrennt wurde. Das waren nicht nur meine Erfahrungen, sondern von zig anderen Schülern, Eltern und Lehrern. deswegen wird in NDS nun schon seit unendlichen Jahren diskutiert, die OS wieder abzuschaffen. Sollen sie es man tun. Ich bin jetzt zwar NRWler, aber als Betroffener kann ich sagen, daß sich das spätere Trennen absolut nicht lohnt.

wummi
22.04.2002, 21:45
hallo ihr zwei,

also zazie, mein fremdwörterbuch ist von 1974 und damals scheint es dieses wort, dieses dyskadingsbums(man ist das schwer auszusprechen und auszuschreiben) noch nicht gegeben zu haben. wird mal zeit, dass ich mich fremdwörterbuchmäßig 'update'.

so, jetzt weiss ich auch warum es bei mir in latein genauso wenig geklappt hat, wie mit latein. obwohl, eigentlich hat es relativ lang gedauert bis ich in latein abgestürzt bin (ich hatte latein schon ab der 7.klasse, denn wegen mathe hatte ich ja den sprachlichen zug gewählt. ab der neunten kam dann noch französisch dazu). eigentlich so richtig erst in der zehnten. in mathe war schon in der sechsten sense. der logos halt.

komisch auch, was von latein übriggebleiben ist: rusticus laborat. der erste satz in unserem lateinbuch. der erste satz den ich gelernt habe und der einzige den ich behalten habe (außer natürlich den sprüchen in den asterix heften. hi spleen, deine comics sind doch zu was nütze, aber davon wirst du ja eh überzeugt sein).


pit, das mit dem prestigedenken der eltern habe ich so schlimm nicht in erinnerung. klar, gab es das auch schon damals. aber eigentlich gerade die siebziger waren noch eine zeit, in der es noch kein versagen war, auf die hauptschule zu gehen. von den leuten, die damals auf die hauptschule gegangen sind, wurden die meisten doch handwerker. und ehrlich gesagt auch hier wieder höchsten respekt. ich stelle mir gerade vor, wie ich als elektriker, sanitärfachmann oder kfz-schlosser meine kunden zur verzweiflung bringe - und mich gleich mit. oder, hah, bauarbeiter. ich habe bis heute noch nicht kapiert wie man gebäude nach einem plan bauen kann. machmal stehe ich vor baustellen und wundere mich. habt ihr mal lehrbücher von solchen berufen gesehen? ich verstehe da nur bahnhof.
heutzutage hauptschüler zu sein, scheint dagegen ein ticket für die arbeitslosigkeit zu sein.

lernblockaden hatte ich natürlich auch.
das schlimmste war wohl, es muß so dritte oder vierte klasse gewesen sein, als ich ein gedicht auswendig lernen mußte( ich glaube es war dieses april, april gedicht oder eine variante davon, es war auf jeden fall lang). ich tigerte mit meinem buch durch die wohnung murmelte das gedicht vor mich hin und blieb immer an einer bestimmten stelle hängen. ich wurde fast wahnsinnig. und ich hatte richtige angst, dass ich das nicht hinbekomme, denn wir mußten das gedicht am nächsten tag vor der gesamten klasse vortragen. irgendwann, als ich nach stunden des selbst-quälens immer noch nicht den kompletten text auswendig konnte, fing ich an zu weinen. das gedicht habe ich dann im laufe des tages doch noch gepackt.

liebe gruesse
wummi

Prof_Bienlein
23.04.2002, 00:59
@ Wummi
Hattest wohl ein anderes Lateinbuch als ich, bei mir war der erste Satz "amicus vocat".

Und, liebe Zazie, ich widerspreche dir ja nur sehr ungerne, aber ich finde Latein als erste Fremdsprache keineswegs "krank"!
Auch am, wenn ihr so wollt, recht verknöcherten Frankfurter Lessing-Gymnasium war dies Pflicht, bevor man sich in der Quarta (so hieß das bei uns übrigens wirklich noch) zwischen Englisch und Französisch zu entscheiden hatte und man dann in der Obertertia Altgriechisch lernen MUSSTE - Letzteres machte mir zwar bis zu einem gewissen Grade Spaß, aber freiwillig genommen hätte ich es nicht, und raten würde ich auch keinem dazu (ist auch an dieser Schule mittlerweile Wahlfach), denn zu meiner Zeit verließen die Lessing-Schüler ihr "Institut" am Ende mit Kenntnissen in nur einer modernen Fremdsprache, was definitiv zu wenig ist.
Und doch - Latein als Grundstock ließ mich später Französisch und Italienisch, davon bin ich überzeugt, wesentlich leichter lernen. Und nicht nur das, es war mir auch hilfreich bei einem NNebenjob im medizinischen Bereich und bei vielen Gelegenheiten des täglichen Lebens!

Ach ja, und die Sache mit dem Abschreiben.

In Chemie hatten wir immer nur weltfremde, zwar auf ihrem Fachgebiet sehr bewanderte, pädagogisch aber völlig unfähige Lehrer (oder lag es doch an mir...? ;-) ), und so habe ich die grundlegenden Dinge dieser Wissneschaft eigentlich nie ganz verstanden. Das ging noch vielen in meiner Stufe so, was aber nicht weiter schlimm war, denn wie überall hatten wir auch hier in jeder Klasse bzw. jedem Kurs so drei, vier Naturbegabungen, die uns netterweise alles abschreiben ließen. Je nachdem, wie sehr der Lehrer bei jener Klausur aufpasste, reichte es so jedesmal zumindest zu einer befriedigenden oder gar guten Note. Einen Chemiekurs mit 11 Punkten brachte ich am Ende sogar ins Abitur ein...

Erwischt worden bin ich einmal, das heißt, eigentlich war ich unschuldig, aber man nahm mir trotzdem das Heft ab:
Ein ziemlich fauler Mitschüler hatte sich in einer Mathearbeit in den Kopf gesetzt, von MIR abzuschreiben. Als er immer wieder drängelte "Ey, was hast'n du bei der Aufgabe Soundso?!" und mich dabei gehörig nervte, zischte ich ihm wohl irgendwann eine Idee zu deutlich zu: "Weiß ich selbst nicht, Mensch!" Daraufhin kam von vorne die Stimme unseres Geschichtslehrers, der diesmal die Aufsicht führte: "Wenn Sie das noch einmal versuchen, nehme ich Ihnen beiden die Hefte ab." Leider gab mein Kollege ein freches Lachen zur Antwort. "Was, Sie lachen auch noch? Geben Sie her!" Und damit waren unsere beiden Hefte kassiert. Ich glaube, ich hätte sowieso nicht weitergewusst, und der Mathelehrer ließ sich auch später überzeugen, meine Arbeit zumindest soweit zu werten, wie ich gekommen war (gab dann 9 Punkte oder so), aber an der Schule war das schon so etwas wie eine kleine Sensation, weil ich ansonsten eigentlich als der galt, von dem (außer in Chemie) sonst immer alle anderen abschrieben.

Dieser "gute" Ruf war teilweise ganz praktisch, und gegen Ende der Schulzeit kam ich auch allmählich auf den Geschmack, seine Vorteile zu nutzen. Auf der Griechenlandfahrt wären die Lehrer z.B. nie auf die Idee gekommen, MEIN Zimmer zu kontrollieren, in dem mein Kumpel und ich aber auch nach einer deutlichen Warnung an alle mehrfach Besuch hatten.
Und irgendwann hing an einem Vormittag ein Zettel am Schaukasten "Mo, 22.6., Englisch-LK 7./8. Std. fällt aus", darunter das gefälschte Kürzel des Studienleiters.
Man erzählte mir am nächsten Tag, das die Lehrerin stinksauer mit den einzigen beiden verbliebenen Schülern mit dem Zettel in der Hand diskutiert hatte, wer sich dieses Ding geleistet haben könnte. Man kam gleich auf den üblichen Stufen-Clown (der aber in dem Fall unschuldig war), nur eine meiner dienstältesten Mitschülerinnen meinte: "Das ist doch die Schrift vom Balduin (Name von der Red. geändert)!" Daraufhin die Lehrerin: "Quatsch, der BALDUIN macht doch sowas nicht!"
Ein Nachspiel wurde großartig angekündigt, verlief aber auch angesichts der wenigen verbliebenen Wochen vor der Unterrichtsende im Sande...

pit1962
23.04.2002, 09:09
Tja, liebe Kollegen dieses Diskussionsforums, auch meiner Meinung nach ist ein Hauptschulabschluss heute nur noch einen Dreck wert. Ist nix dran zu ändern. Ihr erinnert Euch bestimmt noch an die Redewendung: "Wenn Du jetzt nicht anständig lernst, kannst Du höchstens mal als Straßenfeger gehen.". Selbst an diese hochzuachtende Tätigkeit ist heute nicht mehr so einfach zu kommen (in NRW wäre eine SPD-Mitgliedschaft sehr hilfreich, Vitamin B nützt in jedem Bundesland). Mein Vater hat vor ungefähr dreißig Jahren in weiser Voraussicht behauptet, dass man irgendwann auch für das Erlernen von Handwerksberufen ein Abitur brauchen würde oder das es zumindest nützlich wäre, eins zu haben und wurde dafür von der halben Verwandschaft ausgelacht. Sein Sohn wollte davon allerdings nicht wissen und hat sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt. Bis zum Lesen der Beiträge von Elwood, Wummi und Prof. Bienlein wusste ich überhaupt nicht, dass es in jedem Bundesland soviele unterschiedliche Schulmodelle gab und gibt. An unserem Abendgymnasium läuft im Moment eine heiße Diskussion über die Privatisierung unserer Schule. Als Mitglied der Schulkonferenz durfte ich mich über dieses Vorhaben gestern vom Schulleiter informieren lassen. Natürlich eine feine Sache, so eine Selbstverwaltung, auf der anderen Seite macht man sich bestimmt sehr von dem jeweiligen Sponsor abhängig (für uns kämen die Firma Aral und die Bertelsmann-Stiftung in Frage), aber das gehört ja auch nur bedingt hierher.
Mit dem völlig sinnfreien Auswendiglernen von Texten hatte ich als Schüler keine Probleme, habe mich aber schon damals gefragt, wem sowas nützen soll. Gedichte auswendiglernen war doch schon in den 70ern ein Überbleibsel aus Kaisers Zeiten. Auch als Schüler im Musikunterricht vor der Klasse zu stehen und etwas vorzusingen, fand ich als Elf- oder Zwölfjähriger oberpeinlich. Der Stimmbruch kam uns geplagten Sängern dann aber bald zu Hilfe.
Bei uns war mit dem Prestigedenken ihrer Eltern behaftete Schüler sehr verbreitet. Die Mutter eines Schülers unserer Klasse, den ich schon von der Grundschule kannte, hat uns dann auch aufgezeigt, was das Wort Korruption bedeuten kann. Alles fing mit dem Spenden von riesigen Adventkränzen und ähnlichem Schmuck in der Grundschule an. Möglicherweise gab's später auch Geldzuwendungen für die Lehrerschaft, weil dieser Schüler sich wirklich jede Unverschämtheit erlauben konnte. Auf welchem Weg dieser Holzkopf sein Abitur (mit einem sehr guten Durchschnitt, denn er ist Arzt geworden) geschafft hat, liegt für mich auf der Hand. Solche Fälle hat es bestimmt überall gegeben, aber dieser hat geradezu zum Himmel gestunken.

Zazie
23.04.2002, 11:46
Siehst du Elwood, so haben wir unterschiedliche Erfahrungen mit der Gesamtschule gemacht. Ich finde das System nach wie vor gut, aber verbesserungswürdig. Was den Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende ab der 5. Klasse angeht, da bleibe ich allerdings bei meiner Meinung: Es sind 2 Jahre weniger Kindheit, vor allem für diejenigen, die aufs Gymnasium wechseln. Übrigens, die Sprüche vom doofen Hauptschüler und strebenden Gymmi-Klugscheißer waren auf der Gesamtschule weitaus weniger verbreitet als an getrennten Schulen. Aber was das sowie das Herabschauen der Lehrer aufeinander angeht, da sollten wir vielleicht mal Bibo fragen wie das bei ihr auf der Gesamtschule so ist.
Mein früheres Gymnasium lag in direkter Nachbarschaft mit einer Hauptschule. Die Schulhöfe waren getrennt, aber man musste über den Hauptschulhof, um zu uns in die Schule und zu "unserem" Fahrradständer zu kommen. Da wurde dann glatt eine dicke fette Linie gezogen, um strikt zu trennen, was Hauptschul- und Gymnasialterritorium war. Diese Linie wurde uns "von oben" auferlegt und sie hat auch zu einiger Empörung der Schüler beider Seiten geführt. Wie ich mehrfach hörte, diese Demarkationslinie gab es in anderen Schulen auch. Ja, und ich hatte natürlich voll den Standesdünkel gegenüber der Hauptschüler. Ich ging noch nicht mal auf den Hauptschulhof rauchen, so wie andere Gymmis. Bis ich dann in einer Gesamtschule landete und ein Jahr lang täglich Umgang mit ihnen hatte.

Hauptschulabschluss = Direktzug in die Arbeitslosigkeit? Nun ja, es gibt ja auch noch den Quali und der eröffnet doch noch so einige Möglichkeiten. Ein Mädel, das ich kenne, hat den gemacht und macht jetzt mit Erfolg eine Bürolehre. Mein früherer Nachbar, damals 17-jährig, hat auch Quali gemacht. Allein die Tatsache, dass er jetzt, mit 21, noch nicht seinen Wunschberuf gefunden hat, hat ihn bislang von einer Ausbildung abgehalten. Möglichkeiten hätte er schon gehabt. Ich glaube aber, für Mädchen mit Hauptschulabschluss ist es einfacher. Die werden dann meistens Friseuse, kosmetikerin, Kinderpflegerin oder sowas und sind recht zufrieden damit (ohne Abi wäre ich vielleicht auch Friseuse geworden, ich finde den Beruf weniger schlecht als seinen Ruf). Deshalb würde ich sagen, ja, Hauptschulabschluss ist problematisch, aber mit Quali doch um einiges chancenreicher.

Bienlein, das ist es, was ich mit "krank" meine: Nur eine Fremdsprache. Und ich stehe dazu, ich finde es irrsinnig, als erste "Fremdsprache" Latein zu lernen. Die Kids sollen lieber mit einer lebendigen Sprache anfangen, und zwar möglichst früh (steht ja gerade zur Debatte). Wer Sprachen mag und darin gut ist, wird später freiwillig Latein lernen. Und die anderen entwickeln sich mehr zum Esprit géométrique, die sind daran nur selten interessiert. Mir hat mein Großes Latinum nie irgendwas gebracht, weder beruflich noch sonstwo. Ah ja, als ich in München mal kurz Romanistik studierte, blieb mir der Lateinkurs erspart, denn ein Latinum war Pflicht. Ich habe kurz vorm Abi Italienisch in Eigenregie gelernt und dann Spanisch an der Uni und die beiden Sprachen habe ich allein auf Französisch aufgebaut. Latein war mir dabei nur begrenzt hilfreich. Kurz und gut, ich hätte darauf verzichten können. Am Gymnasium hatte ich in der 9. Klasse die Wahl zwischen Latein, Darstellende Geometrie und, damals ganz exotisch, Informatik. Ja, was wählt man als anerkannter Dyskalkuliker wohl! :-) Nach meinem Sitzenbleiben fiel DG weg und man hatte stattdessen die Wahl eines verstärkten Biologieunterrichts. Was mich natürlich auch nicht interessierte, ich war so schon bedient genug davon. An jenem Gymnasium wurde neben Französisch als zweite Fremdsprache Russisch angeboten (wohlbemerkt, es war in Berlin-West). Hätte ich in der 9. Klasse die Wahl gehabt, anstatt Latein Russisch zu machen, hätte ich das sofort gewählt, aber das ging leider nicht. Im Gegensatz zu euch ist von meinem Latein nichts, absolut gar nichts übrig geblieben, noch nicht mal Asterix. Naja, doch: "Morituri te salutant", "Mens sanis in corpore sano" (das war jetzt bestimmt der falsche Fall), "in dubio pro reo" und den bereits erwähnten Spruch "Non scolae sed vitae discimus" (aber da habe ich schon bei Pit spicken müssen, alleine hätte ich das schon nicht mehr zustande gebracht).

Gedichte auswendig lernen und Vorsingen gab es bei uns nicht. Ein einziges Mal mussten wir was auswendig lernen: John Maynard war unser Steuermann... Gesungen hat ausschließlich die gesamte Klasse. Hätte ich alleine vorsingen müssen, ich hätte mich geweigert, einen Hustenanfall vorgetäuscht oder irgend sowas.

Spicken - schreib ich gesondert was drüber, sonst wird's zu lang.

pit1962
23.04.2002, 12:03
Das mit der Demarkationslinie ist schon ein Hammer. Aber kein Wunder, dass dann beidseitig Vorurteile entstehen. Ich würde das mit der Fremdsprache "so früh wie möglich" auch befürworten. Allerdings: So hysterisch, wie sich die Deutschen gerne benehmen, wird man bei Forderung nach mehr Unterricht in deutscher Rechtschreibung vielleicht in die nationalistische Ecke gedrängt. Traurig!!
Übers Spicken schreibe ich nix. Das habe ich mich früher nämlich nicht getraut.

Zazie
23.04.2002, 12:23
Hahaha Pit, den Spruch mit dem nicht anständig lernen und dann Straßenfeger - ich merke schon, ich bin nicht als einzige mit sowas in der Art gequält worden :-) Mein Vater mischte sich nicht oft in meinen Schulkram ein. Aber wenn er die Nase voll hatte, malte er immer schwarzweiß: Entweder ich machte Abi oder gar keinen Abschluss. Dazwischen gab's nichts für ihn (natürlich schon, aber nicht, wenn er mal wieder mit der Faust auf den Tisch und so). "Wir nehmen dich von der Schule und dann kannste Tellerabräumerin in der Hertie-Kantine werden!" Und immer, wenn wir mal in besagter Kantine waren, in Richtung Tellerabräumerin blickend, fies grinsend: "Guck mal Zazie, so wirst du auch mal enden!" Später dann, als im Studium Probleme auftraten: "Entweder du ziehst das durch oder du wirst Madame Pipi am Hauptbahnhof! Da wirst du ja vielleicht noch eine Chance haben mit deinen Fremdsprachenkenntnissen!" Ich trag meinem Vater heute noch seine Schwarzweißmalerei nach, wenn auch nicht so ganz ernst. "Immer musstest du entweder-oder sagen. Dazwischen gab es doch noch andere Möglichkeiten!" Und er: "Naja, aber ab und zu ein Tritt in den Hintern, das musste damals schon sein, das weißt du doch, sonst wärst du wirklich in der Hertie-Kantine gelandet oder am Bahnhofsklo." Nun ja, mein Vater war schon immer the king of Provokation.

Ja, und ich war die Queen of spicken.
Ich wurde nie erwischt. Nie. Auch niemand, der von mir abschrieb.
In der Grundschule war spicken und abschreiben ja noch richtig verpönt. Da wurde freiwillig die Federtasche oder, noch besser, der Atlas aufgeklappt als Sichtschutz in die Tischmitte gestellt, so dass der Tischnachbar bloß nicht rübergucken kann (die Tischlänge wurde bisweilen sogar peinlich genau von uns Schülern bemessen, damit jeder gleich viel nutzbare Fläche hatte). Wie unkollegial, war das bei euch auch so?

Später dann entwickelte ich aus der Not heraus zahlreiche Spicktechniken. Zunächst trainierte ich meine Augäpfel auf Extrempositionen nach rechts und links sowie Weitsichtigkeit nach vorne. Dieses Training hat mir später im Studium noch geholfen zu überleben, denn da war bei Prüfungen oft: Ein Platz besetzt, einer unbesetzt, einer besetzt... Dann entdeckte ich Lineale und Normalparabelhüllen als Spickerträger. Ich hatte damals so feines Papier aus Frankreich mit vielen dünnen Linien, fast wie Millimeterpapier. Diese Linien konnte man mit einem sehr spitzen Bleistift prima mikroskopisch klein vollschreiben. Ich beherrschte das sehr gut. Dann wurde der Spicker aufs Lineal geklebt bzw. in die Hülle der Normalparabel geschoben und das Ganze kam dann ins Schlampertäschchen. Das wurde so aufgestellt, dass man jederzeit reingucken und darin rumwühlen konnte, was ja nicht weiter auffiel. Näherte sich die Aufsicht, wühlte man den Spicker halt wieder unsichtbar unter die Stifte. Einmal in einer Physikarbeit habe ich die Unterseite einer meiner Holzclogs mit einem Spicker präpariert und mich dann ganz nach hinten in den Raum gesetzt. Der Lehrer noch: "Jahaaa, die Zazie ist ein ehrlicher Mensch, die setzt sich alleine ganz nach hinten!" Hähä, hätte der gewusst! Dort hinten konnte ich dann unauffällig meinen Clog umdrehen und vom deutlich beschriebenen Spicker abgucken.
Einmal hat der ganze Französisch-Leistungskurs mit Kreide einige verschlüsselte Daten für alle sichtbar an eine Wand geschrieben, weil die für die Klausur gebraucht wurden. Was auch sehr beliebt war: Mehr Klausurpapierbögen mitnehmen als man brauchte und die dann vor der nächsten Klausur mit Bleistift zum Spicker umfunktionieren. So lag dann eben ein als Konzept mit Bleistift vollgeschriebener Klausurbogen auf dem Tisch. Ist nie aufgefallen, was das in Wirklichkeit war; der Lehrer meinte sogar mal zu einer "das ist gut, dass du dir ein Konzept erstellst, so habe ich das früher auch immer gemacht." Grins!
Einem Schulkameraden in einem höheren Semester habe ich gar seine gesamte Französischklausur vorgeschrieben. Es war allgemein bekannt, was das Thema war. Also schrieb ich vor, er schrieb auf Klausurpapier ab, schrieb in der Klausur irgendwelchen Quatsch, tauschte ratzfatz die Bögen aus und hatte eine Supernote.
Bei Oberstufenklausuren war es erlaubt, 3x "auf Toilette zu gehen". Verließ jemand von uns den Raum, dann meistens nicht mit dem Ziel Klo, sondern Oberstufenraum, wo einige Bücher und Unterlagen zur Klausur deponiert waren.
Des öfteren habe ich auch mal souffliert und da wundert es mich besonders, dass die Lehrer das nicht gemerkt haben. In Latein habe ich mal meinem unvorbereitetem Tischnachbarn alles vorgesagt, was ihn an dem Tag gerettet hatte. Und ein andermal habe ich in Chemie souffliert - ja, doch, ehrlich wahr, manchmal konnte ich, nach soundsoviel wiederholten Schuljahren, sogar mal in Chemie was besser als die anderen.

Streithaehnchen
23.04.2002, 13:20
Meine Mittagspause ist gleich zu Ende, aber zu DIESEM Thema muss ich einfach noch schnell was schreiben:

Ich war nach der Grundschule auf einer Nonnenschule, einem Gymnasium. So streng wie in früheren Zeiten war es zu meiner Zeit dann dort nicht mehr, seit 1975 wurden auch Jungs aufgenommen. Als ich 1977 dorthin kam, waren die unteren Jahrgänge schon einigermaßen durchmischt, aber das Verhältnis Mädchen zu Jungs betrug 2 : 1.
Die meisten Lehrer waren weltlich, aber die Direktorin war eine Nonne, und es unterrichteten auch noch einige. Schwester Eduarda sprang in der Unterstufe gerne ein und unterrichtete bei Stundenausfällen Schönschreiben. Ein oberzickiges Modell gab sogar in der Oberstufe den Englisch-LK.
Sexualkundeunterricht gab es wie an anderen Schulen auch, aber den Mädchen war es z.B. verboten, rückenfreie Tops oder Miniröcke zu tragen. Es herrschte schon Zucht und Ordnung bei uns, zum Querdenker wurde man eher nicht erzogen.
Positiv war jedoch, dass es recht friedlich zuging, es gab auch keine Sachbeschädigungen wie auf der örtlichen Gesamtschule ( Ende der 70er noch als ultrarot verpönt - da hätten mich meine Eltern niemals hingeschickt... ).
Zu den Theem Latein und Spicken schreibe ich später noch mal, das wird jetzt zu lang - ich hätte noch seitenlang Stoff!

pit1962
23.04.2002, 13:58
Tellerabräumerin bei Hertie!!!! Damit haste mir heute den Tag gerettet, Zazie. Einfach Klasse!! Ich erinnere mich jetzt auch an diese Verbarrikadierungen des Sitzplatzes, wo keiner den anderen abschreiben ließ (Mr. Bean bei der Matheprüfung) oder das bereits hingeschmierte mit der Hand zuhielt. Sowas gab's bei uns aber höchstens in der Grundschule, später verhielt man sich dann solidarischer.
Sexualkundeunterricht, Streithähnchen? Wir hatten so verklemmte Vogelscheuchen als Biologielehrer, dass da so ein Unterricht garnicht hätte zustande kommen können.

Streithaehnchen
23.04.2002, 14:10
Das Sexualkundethema wurde sogar mehrfach und recht ausführlich beackert. Der Biolehrer war aber auch normal ( also keine Nonne ), so dass ihm das sicher nicht besonders unangenehm war ( obwohl, so vor einer Horde pubertierender, gackernder 14jähriger... ). Allerdings gab es bei uns nichts praxisbezogenenes, wie das Hantieren mit Kondomen oder so. Das wäre dann wohl doch zu weit gegangern.
Die Abschreibbarrikaden gab es früher auch, allerdings eher in der Grundschule: Etui zwischen den Einzelplätzen aufbauen und so.... Das habe ich auch praktiziert, ich war in der Grundschule soundso ziemlich leistungsorientiert und ultrafleißig. Das erstreckte sich auf alle möglichen Bereiche: Im Kindergottesdienst bin ich mal von einer Oma als besonders fleißiges Kommunionkind gelobt worden ( weil ich auf alle Frages des Pfarrers eien Antwort wußte und mich bei jeder Frage eifrigst und fingerschnipsend gemeldet habe ). DAS ist mir heute peinlich, aber das ist ein anderes Thema.

Zazie
23.04.2002, 14:22
Sexualkundeunterricht? Kann ich mich nur ganz vage dran erinnern, das meiste erledigte sowieso die Bravo. Und diese Biolehrerin, die wir damals hatten, "Brotspinne" genannt (ich schrieb zuvor schon mal von ihr; eine furchtbare Person), hatte kaum Ahnung davon. Allenfalls das Zustandekommen eines Menschen hatte sie noch drauf. Na so wie DIE aussah, nämlich sehr harmlos (hier in Bayern würde man sagen "auf der Brennsuppn dahergschwommen"), konnte man ja auch nichts anderes erwarten. Ich wundere mich heute noch, wie die es zu einem Ehemann gebracht hat.

Anschauungsunterricht mit Kondomen usw. gab's bei uns auch noch nicht. Einmal sollten wir einen Aufklärungsfilm sehen, der, wie es hieß, ein bisschen offenherziger sein sollte. Dazu mussten wir extra eine unterschriebene Einverständniserklärung unserer Eltern mitbringen, dass wir das auch sehen durften. Tja, und was war dann das Freizügige daran? In der Einleitung las ein Schüler im Unterricht heimlich Pornohefte und wurde dabei erwischt. Man erhaschte einen ca. 3-sekündigen Blick auf das besagte Heft und das war's dann schon. Wo blieben da nur die sexuell befreiten 70-er? Immerhin war dieser Film schon Anfang der 80-er.

Streithaehnchen
23.04.2002, 14:25
Ach ja, die BRAVO! Die war bei uns verboten!

pit1962
23.04.2002, 14:47
In unserer Klasse kursierte anno '78 mal ein "Playboy", das Heft war natürlich an irgendeinem Kiosk geklaut worden (wer hatte seinerzeit schon DM 6,- für sowas übrig, außerdem verjährt, Herr Staatsanwalt). Einer meiner Mitschüler ließ sich natürlich beim ungeschickten Ausklappen des Centrefolds erwischen und dann war der Teufel los. Der Direktor wurde alarmiert und verkündete uns, wir seien eine Horde geiler Stiere und sollten uns in Grund und Boden schämen.
Ehrenwort. ICH habe in dem Heft nur die Witze gelesen. Was der Direktor damit gemacht hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
Das "Weiterkommen" an unserer Schule wurde auch dadurch vereinfacht, dass man an der richtige Stelle über Lehrerwitze lachte, z. B. Witze über "Neger", "Juden", (sic!) oder andere sogenannte Primitivrassen. Das war schon damals nichts für mich, ich fühlte mich einfach unbehaglich, heute weiß ich warum.
Übrigens, das Wissen in Geschichte ist auch heute mehr als mager. Gestern durfte ich mir im Geschichtsunterricht von einem Mitschüler anhören, dass die Anfänge der Hitlerzeit auch Gutes mit sich brachten (Beseitigung der Arbeitslosigkeit, KdF-Reisen, Autobahnen). Aber um welchen Preis!! Kurz vor meinem völligen Ausrasten hat unser Lehrer dieser Sichtweise dann einen Riegel vorgeschoben.

Prof_Bienlein
23.04.2002, 17:32
Zazie, es schreibt sich "scHolae" - :-b

Entschuldige mein Klugscheißertum, aber es war zu verführerisch, weil du gleichzeitig betonst, ohne Pit hättest du es nicht hingekriegt. Habt ihr eigentlich auch "MAD" gelesen? Da gab es mal eine Leserzuschrift (ich war bei denen nie sicher, ob sie echt oder fingiert waren), in welcher jemand einen Lateinfehler korrigierte. Alfred E. Neumanns Antwort: "Marcus (so hieß der Schreiber) Klugscheisserus est!"

Und, Zazie: Pass auf, wem du deine Spickgeschichten erzählst! Wie ist noch die Verjährungsfrist, innerhalb derer man jemandem noch sein Abi wegen erwiesenen Betruges aberkennen kann? Und denk dran, PTS ist nur vom SCHREIBEN ausgeschlossen... ;-)

Nochmal zum Spicken: Wir hatten ein halbes Jahr einen Latein-Referendar mit Brillengläsern wie Weizenglasböden, da war es kein Kunststück für meinen Nachbarn, den Text meiner Lateinarbeit zusammengeknüllt zu dem völlig alleine dasitzenden Klassen-Schlechtesten hinüberzuwerfen.
Jedem dienstälteren Lehrer wäre dessen Eins verdächtig gewesen, aber jener arme Referendar verkündete dem Kandidaten, der in der betreffenden Stunde zu spät kam, gleich beim Hereinkommen mit freudiger Anteilnahme: "Friedrich, ich hab's gerade gesagt, du hast eine Eins minus. Nur zwei Flüchtigkeitsfehler hast du gemacht!"
Als der daraufhin dreist-schlagfertig bekannte: "Naja...ich war so aufgeregt..." und ein brüllendes Gelächter losbrach, begann der Lehrer wohl zum ersten Mal, Verdacht zu schöpfen.

Elwood
23.04.2002, 20:46
Beim Schummeln hilft immer die einfachste Methode, die Zazie schon erwähnt hat. Zuhause Konzeptpapier mit den wichtigsten Stichpunkten vollmalen und nach Beginn der Klausur auf dem Tisch deponieren. Wichtig: gleiches Papier, gleicher Stift wie "in echt", krakelig, eben schmierblattmäßig schreiben und auch nicht sofort, sondern erst nach ca.15 Min. herausholen. Bei uns ist einer in der Vor-Abi-Klausur erwischt worden, der 2 Minuten nach Beginn ein akkurat eng beschriebenes Schmierblatt (inkl.Textmarker-Stellen und Lineal-Unterstreichungen) auf dem Tisch liegen hatte - selbst schuld.

In der Berufsschule und auch im späteren Aufbaustudium saß ich manchmal ganz vorne, Tisch an Tisch mit dem Lehrer/Dozenten. Auch hier gibt es eine ideale Schummel-Gelegenheit: die Unterlagen im unteren Fach verstecken. Von vorne sieht man nichts, weil der Lehrertisch davorsteht, und wenn der Aufpasser von hinten oder der Seite zu nahe kam, pflegte ich mit übergeschlagenen Beinen (Unterschenkel parallel vor der Tischkante) zu sitzen - und nichts war zu sehen. Wenn man spickte, lehnte man sich zurück (wichtig!), tat so, als ob man auf die Arbeit sah, schielte aber auf das hervorgezogene Blatt im unteren Fach. Praktischerweise trug ich schon immer eine stärkere Brille, seit vielen Jahren auch eine mit selbsttönenden Gläsern (je Sonnenschein, desto Spickerei)

Lange nutzte ich Scoutranzen und später Taschen, die oben zu öffnen waren - viel besser als Öko-Täschchen, Koffer, Ledermappen, etc. Denn bei Arbeiten standen sie offen neben den Platz, darin in und zwischen Mappen Loseblattsammlungen der Unterlagen. Unauffällig mit langen Fingern und unauffälligem Blick das Passende herausgesucht und dann von oben reingeschielt. Ab und zu war ich auch ganz dreist und nahm die Tasche mit den Worten auf die Knie "Oh, wo ist den mein Geodreieck (Taschenrechner, Gesetzestext, o.ä.)?" und wühlte demonstativ vor allen Leuten darin herum.

In der Oberstufe halfen uns auch einmal Leute aus dem Parallelkurs, die kurz vorher die Klausur geschrieben hatten. Plötzlich brüllte es von draußen herein: "Es weiß doch jeder, daß die Quadratwurzel so und so berechnet werden muß". Mit als Matheversager half das trotzdem nix, aber es war doch nett gemeint.

pit1962
24.04.2002, 09:21
Hi folks,
wenn der Balduin hier schon so anfängt (hihi), dann kann ich ja auch sagen, dass es "Mens sana in corpore sano" heißt, das weiß ich ebenfalls aus "Asterix bei den Olympischen Spielen". Wie habt Ihr das alles nur so hingekriegt mit dem Spicken? Ich war dazu entweder zu dämlich oder zu ängstlich.

Knorke (Käpt´n)
24.04.2002, 10:39
Oder beides?


(jaja, ich weiß, mach ich auch nie wieder.War aber einfach zu verlockend)

Zazie
24.04.2002, 10:42
Seht ihr, ich hab's ja gesagt, von meinem Latein ist absolut nichts übrig geblieben!

Bienlein, jaja, mach mir nur Angst, nähre nur meinen Kein-Abitur-Albtraum... im übrigen habe ich beim Abi selber kein einziges Mal gespickt. Immer nur vorher, meistens bei Bio und PW (Politische Weltkunde) und dann ganz früher in der Mittelstufe auch in Physik und Chemie. In den anderen Fächern hatte ich es nicht nötig oder es gab nichts, was auf einen Spicker geschrieben werden konnte (Deutschklausur oder sowas) oder aber es hätte sowieso nichts gebracht, weil ich ohnehin nichts verstanden habe.

Elwood, am Gymnasium war es auch oft so, dass ein Test für mehrere Klassen mit gleichem Lehrer galt. So hatten wir z.B. mal einen Physik- und Chemielehrer gemeinsam mit einer anderen Klasse. Jeweils diejenigen von uns, die den Test als erstes schrieben, reichten die Fragen weiter. Meistens waren das die anderen. Und einmal hat's daraufhin so ein tolles Testergebnis in unserer Klasse in einem der beiden Fächer gegeben - selbst ich hatte eine 3 - dass der Lehrer ganz platt war. Aber er kam uns schnell auf die Schliche. Gesagt hat er kein Wort, dafür hat er uns im nächsten Test gründlich in die Pfanne gehauen.
Aber der Typ mit dem Klausurpapier-Spicker, den er noch mit Marker bearbeitet hat - wie kann man nur so blöd sein! Das ist ja eine Schande für die gesamte Spickerzunft!

Ab und zu habe ich in Mathearbeiten versucht, "zu eigenen Lösungen zu kommen". War eine Art der Rechnung gefordert und ich konnte die nicht, dafür aber eine andere, die zum gleichen Ergebnis führte, nahm ich die und schrieb das dann als Kommentar daneben. Leider hat's mir nicht viel gebracht, aber ich wollte doch zumindest, dass die Lehrpersonen sehen, dass ich mich bemüht habe.

Pit, es stimmt schon, zum Spicken braucht man eine gewisse Portion Forschheit. Und Training und Reaktionsfähigkeit natürlich. Ich muss sagen, mir haben meine Spicker über so manche Klausur geholfen, die ansonsten auf jeden Fall schlechter ausgefallen wäre. Aber ich glaube, in den Fächern, wo Spicker angebracht waren, hättest du sowieso keinen gebraucht und in Mathe hätt's eh nichts gebracht.

pit1962
24.04.2002, 10:56
Nanana, Käpt'n, mal nicht gleich meinen Ansatz zur Selbstkritik so schamlos ausnutzen, ja?
So ist es heute noch, Zazie. Die Zeiten, in denen ich mich vorm Spicken gefürchtet habe, sind nätürlich vorbei. Bei der letzten Mathe-Klausur habe ich vier Spicker benutzt und schon zu Hause gemerkt, dass ich sie teilweise falsch angewendet habe. Mehr als eine 4- kommt dabei nicht raus. In den anderen Fächern brauche ich keine, das würde mich nur aufhalten.

Prof_Bienlein
24.04.2002, 14:25
In der Stufe meiner Schwester haben sie unseren armen, alten, sächselnden, zerstreuten Chemie-Lehrer einmal böse hereingelegt: Sie kopierten sich das Aufgabenblatt der letzten Arbeit einer Parallelklasse, die bei ihm den selben Stoff durchgenommen hatte, und natürlich eignete sich jeder vorher auch die Lösungen an.
Am Tag der Klausur ließ jeder nun das originale Dokument verschwinden und schaffte unauffällig die Kopie der alten Arbeit auf den Tisch.

Zu Hause nun bemerkte der Lehrer, ein, wie gesagt, äußerst zerstreuter und obendrein sehr gutmütiger Zeitgenosse, "seinen" Irrtum, freute sich über den guten Durchschnitt und entschuldigte sich in der Stunde der Rückgabe, er habe aus Versehen ein altes Arbeitsblatt verwendet, aber die Schüler seien ja trotzdem klar gekommen...

Bergmann
24.04.2002, 14:36
In den 70er ging ich zur Abendschule für Chemotechniker. Unser Dozent für organische Chemie war so faul das er uns Schüler ernsthaft bat, für die Abschlußprüfung 40 Fragen zu erarbeiten von denen er dann 20 aussuchen würde. Naja die Prüfung in organischer Chemie haben dann wenigstens alle bestanden.

Gruß Bergmann

pit1962
24.04.2002, 14:45
Das war aber zuvorkommend.
Ein Schulkollege von mir hat sich öfters freiwillig zum Spülen der Reagenzläser gemeldet. Dann war er im Chemielabor allein, während wir in der Klasse saßen. Mir war das sehr verdächtig, weil mein Kumpel V. sich sonst nie zu etwas freiwillig gemeldet hat. Und richtig, er hat aus den Schulvorräten hier und da mal ein Pülverchen abgezweigt. Später wurdem dann verschiedene Ingredenzien gemischt und mit einer Zündschnur als Zeitverzögerung angesteckt. Eine grelle Flamme zeigte mir an, dass Magnesium dabei gewesen sein muss und die Rauchentwicklung war atompilzähnlich.
Tja, der Pit hatte schon immer nur Mist im Kopf, radioakive Elemente waren aber wohl nicht dabei.

Streithaehnchen
24.04.2002, 14:57
Physik und Chemie gehörten nie zu meinen Lieblingsfächern - eher im Gegenteil. Was bei den Nasen, die uns in diesen Fächern unterrichteten, aber auch kein Wunder ist. In einem Physiktest hat mal fast die gesamte Klasse kläglich versagt: Mehr als die Hälfte hatte ein 5 oder 6.

Naja, war ja nur ein Test! Wir fanden das eher lustig und haben den unteren Teil der Blätter mit den Bemerkungen des Lehrers und den Noten abgeschnitten und bei uns in der Klasse ans schwarze Brett gehängt.

Elwood
25.04.2002, 00:27
Einen sehr bequemen Dozenten hatte ich während meiner Berufsschule (Anm: der Unterricht war geteilt, ein Teil in der Berufsschule, ein anderer in einer Privat-Akademie, wo Leute aus Versicherungen oder anderen Unternehmen, aber auch Lehrer unterrichten, was aber letztlich in puncto Unterrichtsstoff und Prüfungsvorbereitung egal war, Hauptsache, der Stoff saß halbwegs).
Es war der Dozent für Krankenversicherungen, hauptberuflich irgendein Abteilungsleiter. Er unterrichtete das Thema seit 25 Jahren - und nahm immer die selben Fragen für die Klausuren. Wenn man bei ihm was schrieb, konnte man jeden Beliebigen, der im Raum Hannover Vers.kaufmann gelernt hatte, nach seinen alten Arbeiten fragen - es paßte immer.

Nun ja, ich war derjenige, der das schön eingespielte System versaut habe, ich gestehe es. Kurz vor einer dieser Klausuren saß ich schon da und schaute meine Unterlagen durch. Der Dozent war auch schon da. Plötzlich sprang er auf "Was haben Sie denn da?". Ich versuchte ein schwaches "Ach, nichts" und schob meine Zettel zusammen, aber er zog seine alte Klausur heraus.
Die Klausur fiel aus und wurde nachgeholt. Alle waren sauer, die Mitschüler, die natürlich auch bestens präpariert waren, und der Dozent, der nach 25 Jahren eine neue Arbeit konzipieren mußte.

Prof_Bienlein
25.04.2002, 17:59
Ein Sprengsatz aus verschiedenen Chemikalien spricht ja noch für einen gewissen wissenschaftlichen Ehrgeiz.
Da war ein Schüler drei oder vier Stufen über mir schon einfallsloser, der hat im Physikunterricht einen D-Böller gezündet. Wer sich damit noch auskennt, weiß, dass so etwas einen markerschütternden Knall verursacht, der vor allem unvorbereitet schon so etwas wie einen Schock auslösen kann. Die ganze Klasse inklusive Lehrer war dementsprechend auch käseweiß und zitterte wie Espenlaub, der Unterricht wurde natürlich abgebrochen, Direktor und Kodirektor nahmen nacheinander jeden einzeln ins Kreuzverhör, dann wurden die gesamte Klasse für den Rest des Tages nach Hause geschickt - bis auf einen, der wurde erst später heimgeschickt, dann aber auch endgültig.

Übrigens ist das der einzige mir bekannte Fall geblieben, dass tatsächlich jemand von der Schule flog (übrigens - kann durchaus sein, dass dies bereits Anfang der 80er passiert ist, aber ihr seid sicher nicht so streng...).

Kladie
25.04.2002, 22:07
Hi Zazie,

Schulreformen? O ja, die letzte, an die ich mich erinnere, war die Oberstufenreform an den Gymnasien Ende der 70er. Ich befand mich damals in einer Art Übergangsjahrgang. Der Lehrplan für uns war noch der "Alte", aber es gab nicht mehr Noten von 1 bis 6, sondern Punkte von 15 bis Null; 15 Punkte gleich 1+, 14=1, 13=1-, Null Punkte gleich 6-. Am Ende standen aber doch wieder Noten von 1-6 in unseren Zeugnissen. Verwirrung total, vor allem bei meinen Eltern. Der 6er in einer Ex war in Wirklichkeit eine 4+. Auch nicht gerade der Auslöser euphorischer Gefühle, aber der Adrenalinspiegel wurde bei meinem Vater immerhin wieder abgesenkt (und mein Taschengeld war gerettet!).

Mengenlehre? Klar, erst vor kurzem musste ich mein längst in die hintersten Register meines Gedächtnisses verschobenen Kenntnisse wieder unfreiwillig auffrischen, als ich meinem Sohn bei den Hausaufgaben helfen musste. Damals in den 70ern am "Gymi" sagte man uns staunenden Schülern, dass die Mengenlehre immer und überall gebraucht würde. Ja, und gerade für uns, die wir uns für einen technischen Beruf interessieren würden (damals wollte ich Lokführer werden!), sei die Mengenlehre unentbehrlich. Nach dem Abi 1977 wurde es dann nichts aus dem Lokführer, ich studierte Maschinenbau und bin heute im 7.Job bei meinem 3.Arbeitgeber tätig. Wenn ich nicht meinem Sohn bei den Hausaufgaben helfen müsste, hätte ich die Mengenlehre fast vergessen. Gebraucht habe ich sie jedenfalls überhaupt nicht. Vielleicht habe ich aber nur das falsche Verständnis für die Mengenlehre, denn ich habe zwar eine Menge darüber gelernt, aber nur eine kleine Teilmenge ist heute noch davon übrig.

pit1962
26.04.2002, 08:49
Wie war das damals mit der Mengenlehre? War das eine diskussionslos aus den USA übernommene Lehr- und Lernform oder war das auf dem eigenen Mist gewachsen?
Ich kann mich nicht erinnern, dass ich sowas mal lernen musste. Bin ich an dieser Form des Lernens soeben vorbeigeschrammt?
Zu meiner (ersten) Schulzeit geisterte oft das Wort "teamwork" durch die Runde. Die Schüler sollten, wie der Name schon sagt, zu mehr Gruppendenken angehalten werden.
Anmerkung: An unserem Weiterbildungskolleg gibt es im Moment heiße Diskussionen um die Privatisierung unserer Schule. Auf Wunsch der in Frage kommenden Sponsoren sollen dann die Schüler mehr Gruppendenken entwickeln, die Lehrer sollen durch diese Firmen entsprechend geschult werden. Zwischenruf meines Geschichte- und Psychologielehrers (57 Jahre alt) auf einer Info-Veranstaltung: "Jetzt fühl' ich mich aber verarscht. Diesen Mist hatten wir doch schon vor 30 Jahren und damals hat er schon nicht geklappt."
Balduin, das mit dem Knaller war aber auch etwas sehr heftig. An unserer Schule hat es meines Wissens nicht einmal einen Verweis gegeben, da hätte man schon ähnliche Sachen anstellen müssen, um zu fliegen. Allein die Androhung eines Verweises bewirkte Wunder.

Kladie
28.04.2002, 00:18
Dass die Mengenlehre aus den USA kommt, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Ich glaube eher, sie ist auf dem Mist eines der Unsrigen gewachsen. Wie dem auch sei: sobald meine Kinder aus der Schule sind, brauche ich sie auch nicht mehr ...

Wehmütig wurde ich heute an eines der erfreulichsten Ereignisse im Schuldasein erinnert: Hitzefrei! Ich kann mich nicht erinnern, dass eines meiner Kinder schon jemals wegen Hitze früher nach Hause durfte (vielleicht liegt es an den Temperaturen, die Sommer in den 70ern waren halt noch richtige Sommer). Bei uns war das förmlich ein Ritual. Der quadratische, farblich zur Wand abgestimmte Flachlautsprecher oberhalb der Tafel knackte vernehmlich. Kurz darauf war deutlich ein "Pffff .... pffff" zu hören. Unser "Direx" (Schuldirektor) hatte nämlich die Angewohnheit, zweimal in das Mikrofon zu blasen, um zu prüfen, ob er "auf Sendung" war, bevor er seine Durchsage begann. Und dann war die wohlbekannte Stimme zu hören: "Achtung, Achtung, Durchsage an Klassen. Heute ab 11Uhr30 ist hitzefrei." Unser Johlen war sicher durch die offenen Fenster in der ganzen Straße zu hören. Früher zu Hause war ich dadurch meistens aber nicht, denn einen früheren Zug konnte ich nehmen. Und so machte ich einen Umweg über die Fußgängerzone und trieb mich in den beiden größten Schallplattenläden der Stadt herum. Eine LP kostete damals zwischen 18 und 22 Mark, aber manchmal war eben doch ein Schnäppchen für 13 Mark drin. Eine LP, die ich mir bei einer solchen Gelegenheit zugelegt habe, war Hotel California von den Eagles. Und genau den Titelsong habe ich heute gehört. Mir gefällt er immer noch.

pit1962
28.04.2002, 00:44
Der Song wird uns auch noch gefallen, wenn wir mal 90 sind, stimmt's? An Hitzefrei kann ich mich kaum noch erinnern. Bei uns ist das wahrscheinlich selten vorgekommen, vielleicht lag das amtliche Thermometer im Kühlschrank.

Kladie
28.04.2002, 01:48
Stimmt!

Also: unser "amtliches" Thermometer hing immer an der Nordseite des Schulgebäudes, immer im Schatten. Zuerst im 1.Stock am Fenster des Physik-Saales (die Temperatur hat wohl etwas mit Physik zu tun) und später am Sekretariatsfenster. Die Verlegung des Thermometers kam nicht (in erster Linie) aus einer Laune des Direktors heraus, sondern infolge einer kleinen (leider nicht unerkannt gebliebenen) Manipulation durch einen meiner Mitschüler. (Soviel übrigens zum Thema "Teamwork", denn ich bin einmal in der Pause vor dem Physikunterricht Schmiere gestanden). Trotzdem gab es immer wieder hitzefrei (wenngleich nicht mehr so oft). Kriterium war, soweit ich mich erinnern kann, dass die Temperatur (im Schatten) bis 11 Uhr auf mindestens 28 Grad Celsius gestiegen war. Nach der Pause hat der Physiklehrer immer die Temperatur abgelesen und ggf. telefonisch an das Sekretariat gemeldet. (Damals waren die einzigen Klassenzimmer mit Telefon, einer Art Wechselsprechanlage, der Physik- und der Chemie-Saal und das Lehrerzimmer bei der Turnhalle).

pit1962
28.04.2002, 10:44
Ich glaub', bei uns gab's an der ganzen Schule nur zwei Telefone, nämlich beim Direktor und in dessen Vorzimmer.
Die Weitergabe einer Temperaturmeldung war sowieso nicht nötig, weil der Direx persönlich über das Thermometer wachte. Manipulation unmöglich!

Elwood
28.04.2002, 11:39
Aber als Oberstufenschüler war man gekniffen: Hitzefrei gibt es nur bis Mittelstufe inklusive. In der 12. mußten wir einmal dableiben, während die Jüngeren gehen durften.

pit1962
28.04.2002, 11:43
Kann ich nich' mitreden, weil ich die Oberstufe nie betreten hab.

Bibo
01.05.2002, 15:21
Zu Elwood und Zazie:

Komme erst jetzt dazu, euch zu antworten. Also in NRW gibt es das Grundschulstudium, das Studium der Sekundarstufe I (5. - 10. Klasse ) und das der Sek II, wobei da fast alle die Zusatzprüfung für Sek. I haben. Da aber kaum jemand der Sek IIler auf dem Gymnasium landet, weil es da kaum Stellen gibt, und viele auf der Gesamtschule (so wie ich), oder auf der Real- oder Hauptschule, vermischen sich alle sowieso. Unsere Gesamtschule ist eigentlich eine riesige Hauptschule im sozialen Brennpunkt, von daher kann ich das Konzept, das ja EIGENTLICH hinter der Integrierten Gesamtschule steckt, eigentlich gar nicht beurteilen (diese 1/3 Mischung haben wir nicht). Was ich aber sagen muss: Das Lehrerkollegium ist, obwohl im Durschnitt nicht gerade jung, WESENTLICH angenehmer als auf meinem Gymnasium während des Referendariats!

So, nun zum Hitzefrei: Meine Freundin hat mal das Thermometer unter heißes Wasser gehalten, damit wir hitzefrei bekamen. Hat unsere Religionsnonne aber gemerkt, nicht akzeptiert und sie in die Ecke gestellt. Zur Strafe für dieses fiese Verhalten ist der werten Schwester dann die Diaschiene in der nächsten Stunde vom Projektor gekracht! Was haben wir uns gefreut! (Kleine Sünden straft der Liebe Gott sofort!)

Und zum Abschauen: Mathe war ja nicht so mein Fach. Meine Formeln standen immer in der Innenseite des Mäppchens (Lederrolle) und mit Bleistift auf die Rückseite des schwarzen Taschenrechners geschrieben, war super...

Heutige Generationen haben da nicht soviel mehr Tricks drauf, ist alles noch das Alte. Abschreiben vom Nachbarn fällt besonders dann auf, wenn beide die gleichen, sehr seltsamen Rechtschreibfehler machen. Im Nachhinein kann ich das natürlich nicht bewerten, aber ich schreibe immer fleißig "Siehe..." daneben und prüfe dann im normalen Unterricht, wer da denn mehr weiß (was aber im Normalfall meist klar ist). Das Täuschen läßt sich nie ganz vermeiden, aber es hilft ja auch nur begrenzt, insofern finde ich die Versuche eher amüsant...

Da fällt mir übrigens noch mein neurotischer Lateinlehrer ein, der mich mal des Pfuschens bezichtigte, als eine Mitschülerin ein Tempo hervorholte und ich eine Sekunde später etwas wegkillerte. Der ist fast ausgerastet, weil wir den vermeindlichen Täuschungsversuch natürlich leugneten.

pit1962
01.05.2002, 17:39
Was ich bis heute nicht verstehe: Warum darf man bei Klassenarbeiten oder Klausuren keine Formelsammlung benutzen? Was ist mit Leuten, die nicht gut auswendig lernen können? Es wird doch wohl am meisten bei Mathe gespickt, oder?

Kladie
02.06.2002, 03:09
Hi, da bin ich wieder nach 2 stressigen Arbeits- und zwei stresslosen Urlaubswochen.

Meine grauen Zellen sagen mir, das es (in der Oberstufe Ende der 70er in Bayern) eine Formelsammlung in Heftform gab, die auch bei Prüfungen benutzt werden durfte. Die gleichen Hirnzellen sagen mir aber auch, dass ich mit dieser Formelsammlung absolut nichts anfangen konnte. Irgendwie stimmt es doch, dass die meisten Spickzettel und wohl auch die meisten Spickereien während einer "Ex" oder einer "Schulz" im Fach Mathe notwendig wurden. Im Nach-Hinein muss ich aber eingestehen, dass das Grundübel darin bestand, dass und die Lehrer die Benutzung dieser Formelsammlung zwar gestatteten, es aber versäumt haben zu erläutern, wie man mit derselben effektiv arbeitet.

Naja, an dieser Stelle viele Dank an meinen Banknachbarn Werner , der ein besseres Mathe-Verständnis als ich hatte und mir in den entscheidenden Momenten die erforderlichen "Einblicke" gewährte.

Mtunga
02.06.2002, 09:22
Bei uns (Schleswig-Holstein) gab es "Schülkes Tafeln".
Ich meine, daß der Einband orange und schwarz war.

pit1962
02.06.2002, 10:42
Ds ist ja gerade der springende Punkt, dass so wenige Mathelehrer gut erklären können. Oder fühle ich mich als völlige Matheniete nur betroffen?

Zazie
02.06.2002, 10:46
Nee, in Mathe hab ich nie gespickt. Das hätte überhaupt keinen Sinn gehabt, ich hab absolut nichts verstanden und konnte demnach auch keine Formeln anwenden. Manch eine Formel wusste ich und ich meine, ich habe die auch ab und zu mal in die Mathearbeit geschrieben, um dies unter Beweis zu stellen. Die Aufgabe anhand der Formel ausrechnen, das konnte ich nicht. Dementsprechend hat mir mein guter Wille mit dem Hinschreiben der Formeln auch keine besseren Noten gebracht.

Bibo, das mit den Lehrern an Gesamtschule und Gymnasium kann ich bestätigen. Insgesamt gesehen waren die an der Gesamtschule um einiges angenehmer als die vom Gymnasium. Ich habe auch dort so einige erlebt, die ich nicht mochte und mit denen ich nicht klar kam. Aber solche unnahbaren Betonköppe, wie sie teilweise am Gymnasium rumliefen, die gab's da nicht. Andererseits habe ich auf dem Gymnasium auch einige wenige echte Juwelen unter den Lehrern kennen gelernt. Der größte unter ihnen, ein Englisch- und Biologielehrer, ist im Alter von 32 tödlich verunglückt. Warum müssen immer die Allerbesten so jung sterben!

Pit, wir SIND Mathenieten, daran lässt sich nichts ändern. Ich muss ganz objektiv sagen, dass ich auch einige gute Mathelehrer hatte. Die meisten waren eigentlich eher angenehm. Aber ich hab nichts kapiert!

pit1962
02.06.2002, 11:05
Ja, ganz recht, bei mir hätten Albert Einstein oder Paul Dirac persönlich zum Erklären kommen können, was hätte das wohl bringen sollen?

Zazie
02.06.2002, 14:02
Mich hat gerade der Schulstrang im 60-er Forum inspiriert, da geht es gerade um Samstagsunterricht (dazu gibt's auch 'nen Extrastrang im 80-er Forum).

In der Grundschule hatte ich jeden zweiten Samstag frei. Das war fein, so durfte ich wenigstens alle 2 Wochen mal freitags die Schlager der Woche bis zu Ende hören, bis 21 Uhr 30.
Im Gymnasium hatte ich jeden Samstag Schule, meistens 3 oder 4 Stunden. Die 4. Stunde war in der 7. Klasse bisweilen Mathe-Förderunterricht, zu dem ich natürlich auch verdonnert war. Aber das war die reine Farce; sie wurde vom bereits erwähnten Bauer Hofmann gegeben, damals ein ganz neuer Lehrer, den niemand ernst nahm (wie auch, bei DEM Aussehen --> Jerry Lewis).
In der Gesamtschule hatte ich jeden Samstag frei, denn Gesamtschule hieß auch Ganztagsschule bzw. für mich, die im 10. Schuljahr dazukam, Fast-Ganztagsschule: Feierabend ab 14 Uhr 30. Ich hatte 1 1/2 Stunden Fahrtzeit, kam erst um 16 Uhr zu Hause an. Das war eine ganz schlimme Umstellung für mich... zwei Stunden später zu Hause, bei den geliebten Platten und Büchern...

Und wenn ich an Samstagsunterricht am Gymnasium denke, fällt mir auch wieder ein, dass wir da in der 7. Klasse Werken hatten. Jawohl, Werken, und zwar die ganze Klasse, nicht etwa Werken und Handarbeiten. Dort wurden Gipsmasken hergestellt - fand ich ätzend, und Gegenstände aus Ton. Ich habe mal ein Pferd modelliert, wofür ich tatsächlich eine Eins bekam. Ja, ich war gut in Werken. Und fand es sehr bedauerlich, dass es ein Jahr später kein Werken mehr gab, sondern stattdessen Physik bereits in der 7. Klasse, nicht wie bei uns ab der 8.

Über Sport und Mathe haben wir uns bereits ausgelassen. Wie sah's bei euch in Kunst aus? Schon alleine die Kunstlehrer, die ich so hatte, sind es wert, dass ich von ihnen berichte. Verschroben, aber allesamt.

pit1962
02.06.2002, 15:30
Den Kunstunterricht fand ich so erbarmungswürdig, dass ich mich mit zweien meiner Schulkollegen freiwillig zu Handarbeit (sic!) gemeldet habe. Dort mussten innerhalb eines Halbjahres einen Schal stricken und ein Paar Topflappen häkeln. Das Häkeln ist mir nicht so gut gelungen, diese Arbeit hat dann meine Schulfreundin Birgit L. im Tausch gegen Englisch-Hausaugaben für mich erledigt.
Die Handarbeitslehrerin war jedenfalls super drauf und hat uns, wären wir strickten und häkelten gruselige Geschichten ihrer Lieblingsautoren Edgar Allan Poe und H. P. Lovecraft vorgelesen. Die Geschichte "Das Ding auf der Schwelle" werde ich schon deshalb nie vergessen.
Im Kunstunterricht mussten wir mal eine Collage zu einem selbstgewählten Thema zusammenbasteln. Unnötig zu erwähnen, dass meine Collage aus Led Zeppelin-Bildern bestand. Es gab damals noch so ein komisches Zeug, dass "Plastika" hieß. Das war ein Kleister, den man mit Wasser anrühren musste. Einmal modelliert und hartgeworden, ließ "Plastika" sich wie Holz weiterverarbeiten. Aus einem Klumpen "Plastika" entstand dann unter meinen mehr oder weniger geschickten Händen eine Büste von George Washington.

Zazie
15.04.2003, 19:41
Vor kurzem fiel er mir wieder ein: der Verkehrsunterricht, den wir in der Grundschule hatten. Gab's den nur in Berlin oder auch anderswo?

So einmal im Jahr betrat anstatt der Klassenlehrerin ein Polizist in voller Montur den Klassenraum. Großes Gejubel der Schülerschaft! Damals ahnten wir noch nicht, dass der eine oder andere von uns einige Jahre später noch auf die "Scheiß-Bullen" schimpfen sollte. Soweit ich mich erinnere, war es stets der selbe Polizist, der uns so Sachen beibrachte wie "An der Bordsteinkante HALT!", was wir dann im Chor mal laut, mal leise zu wiederholen hatten. Und dann lernten wir, dass wir erst links gucken, dann rechts gucken, dann nochmal links gucken und erst wenn kein Auto zu sehen ist, die Straße überqueren sollten. Später waren dann die Verkehrszeichen dran: "Rund und rot ist immer ein Verbot." Einmal kam der KOB genau zu meinem Geburtstag, das war natürlich ein tolles Geschenk für mich!

Zum Verkehrsunterricht fällt mir auch noch der Verkehrsgarten ein, den es bei uns im Viertel gab. Er bestand aus einem Straßennetz mit richtigen Verkehrsschildern und Ampeln in kindgerechter Größe und es galt, sich darin mit Fahrrädern und Kettcars unter Einhaltung der StVO zu orientieren. Natürlich wollten alle Kettcar fahren, das war was Besonderes, denn Fahrräder hatten sowieso die meisten von uns.

Ach ja... und gestern habe ich tatsächlich einen uralten Berliner BVG-Bus aus den 70-ern gesehen, der tatsächlich noch Linie zu fahren schien. Das muss ich mir mal genauer ansehen.

Lelani
15.04.2003, 19:53
Verkehrsunterricht hatte ich schon im Hamburg der 60er. Und der Polizist der damals mit dem "Verkehrskasper" ( den nannte man wirklich so) in die Schulen kam, dessen Stimmer ist zu hören auf einer CD von "Fettes Brot", nämlich beim Lied vom Mitschnacker.

Das nur so für die die Nordisch by Nature sind und Fettes Brot kennen - und den Polizisten dessen Namen ich vergessen habe, muß ich mal Timmy fragen, der kennt ihn.

Elwood
15.04.2003, 21:49
Verkehrsunterricht kenne ich in verschiedenen Versionen.

Einmal im Jahr kam in der Grundschule der Verkehrskasper vorbei, der unter Mithilfe der Zuschauer dem doofen Seppel die Verkehrsregeln erklärte. Zum Schluß wurde Klasse gegen Klasse gequizzt.

Ab und zu kamen wir alle mit dem Fahrrad zur Schule. Dann suchten wir uns eine ruhig gelegene Straßeneinmündung und übten korrektes Abbiegen. Vorgestern morgen erinnerte ich mich noch daran, als ich von einem scharfen "Kevin, geh sofort vom Rasen runter" aufgeweckt wurde - mein Domizil liegt so verkehrsunterrichtsgünstig, daß alle paar Wochen klassenweise vorm Schlafzimmerfenster Abbiegen rechtsrum und linksrum gedrillt wird.

Einmal fuhren wir mit einem Bus durch die Stadt und bekamen den Straßenverkehr im allgemeinen und den Schilderwald im besonderen erklärt. Mich interessierte in erster Linie der Bus - ein echter 50er-Jahre-Bus mit verglastem Dach. Ende der 70er war das schon selten.
Und die Bezeichnung "rechteckiges Spiegelei" hat sich bei diesem Event tief eingebrannt - die Eselsbrücke, wenn man überlegt, wie das Vorfahrtszeichen aussieht.

Den Verkehrskindergarten kenne ich auch. In Hannover war (ist?) dieser im Wülfeler Radstadion. Ich gestehe, daß ich einen fiesen Trick angewandt habe, um länger Kettcar fahren zu können: ich habe -im Stile eines echten Versicherungsbetrügers- Unfälle inszeniert.
Ich paßte auf, wenn Mitschüler unachtsam waren, bin dann vorgeprescht und habe mich rammen lassen. Der "Verursacher" bekam Schimpfe, weil er die gerade gebimsten Regeln nicht beachtet hatte, und mein "Schreck" wurde mit einer weiteren Runde Kettcarfahren getröstet. Zweimal habe ich mein Kettcar so zerschrotet (zerschroten lassen natürlich), daß ich ein anderes bekam - und natürlich eine weitere Viertelstunde fahren durfte. Es war ja nicht gerecht, wenn alle anderen Straßenverkehr spielen durften und der kleine Elwood als unschuldiges Unfallopfer nicht mitmachen konnte.
Gnihihihi.

Hildchen
16.04.2003, 22:10
Hat man Euch damals auch erzählt, dass das "Fußgänger"-Schild nicht bedeutet, kleine Mädchen sollten mit Männern mit Hut mitgehen? Kann aber auch sein, dass das noch Ende der sechziger war, als die Schilder auf Mädchen mit Frau umgestellt wurden.

Spleen
18.04.2003, 08:15
Ja, das muss Anfang der Siebziger oder Ende der Sechziger gewesen sein. Der Mann mit dem Sandemann-Kalabreser wurde durch eine Frauensilhouette mit bedenklich kurzem Rock ersetzt. Später wurde ein neutrales Kugelkopf-Männchen daraus.

An den Verkehrskasper erinnere ich mich noch gut. Ich hab ihn mal in einem Kaufhaus in Aktion erlebt. Die Stories waren immer etwas mürbe-moralisch. Beeindruckend war sein Gegner, der "dicke Verkehrs-Mops", eine dämonische Schurkenfigur, die dicker wurde, wenn Kinder zu Schaden kamen. brrrr

Spleen
28.04.2003, 19:16
Ich hab tatsächlich meine beiden ersten Englisch-Lektüren wiedergefunden! Die Reihe hieß "It´s fun to read" (1970 gedruckt). Die Stories, durch die wir uns bei einem recht strengen Englischlehrer in Klasse 5 und 6 quälten, hießen "Green Lightning, the Soap-Box Racer" (Seifenkistlrennen, eher im 50er-Stil illustriert) und "The Shop in Silver Street" (eine eher flaue Detektivstory um einen geheimnisvollen Briefmarkenladen). Ich weiß noch gut, wie wir in Panik ganze Passagen auswendig lernten, weil die Klassenarbeiten reines Abfragen von Textwissen waren. Wahnsinn!

DrMusic
29.04.2003, 20:54
Mein Englischbuch der Klassen 5,6, und 7 war "Learning English" - Modern Course. Die Hauptdarsteller waren die Londoner Familie Scott mit den Kindern Colin und Linda, einem Hund und einer Katze. Der Sohn Colin war Arsenal-Fan - daran kann ich mich noch erinnern....

Zazie
29.04.2003, 22:21
Genau diese Englischbuchreihe hatte ich auch. Die Katze hieß Tibby und dr Hund Toby! Ich erinnere mich noch an die Geschichte von dem Jungen oder dem Mädchen, der/das neu in ein Children's Home kommt, oder war es eine Boarding School? Jedenfalls fragte der Neuankömmling ein paar Alteingesessene über die Örtlichkeit aus, was es dort so zu essen gab (soggy maccaroni and mushy peas - nee Quatsch :-)) und ob auch mal richtige Feten (proper parties) gefeiert wurden. Und dann die Geschichte von jenem Mädchen, das aus lauter Verknalltheit ein Transistorradio (jaja, sowas hatte man damals) als Geburtstagsgeschenk geklaut hatte und sich dafür vor dem Jugendgericht zu verantworten hatte. Und dann gab's da noch die Geschichte von der Apollo 13 und ich fragte mich schon damals, warum ich solche Vokabeln wie "lunar module" zu lernen hatte, denn selbst jetzt als technische Übersetzerin ist mir der Begriff nie wieder untergekommen. Soweit ich mich erinnere, habe ich diese Englischbücher schon einmal weiter vorne in diesem Strang erwähnt.

Spleen, das auswendig Lernen von Textpassagen erinnert mich an die erste Nacherzählung, die ich als Klassenarbeit geschrieben habe. Muss in der 5. Klasse gewesen sein. Es ging um die Geschichte "Die Nacht im Hotel" von Siegfried Lenz und da schon lange vorher bekannt war, dass die Klassenarbeit von dieser Geschichte handeln würde, lernte ich sie zu einem Teil auswendig. Dies war jedoch nicht gefragt, denn wir sollten sie eher mit unseren eigenen Worten nacherzählen. Deshalb gab's auch nur eine 3+. War im übrigen auch eine sehr strenge Person von einer Deutschlehrerin - aber gut war sie.

Spleen
30.04.2003, 18:35
Jaja, wie man´s macht, macht man´s falsch. Ich erinnere mich noch gut an die einzige Arbeit in meiner Schullaufbahn, die wiederholt werden musste, weil sie offenbar hanebüchen ausfiel. Es ging um "summary" und der Text unseres Hippy-Englischpaukers war so ausgefallen, dass es überhaupt nicht klappte... Bis zu meinem Heft war er allerdings gar nicht gekommen, bevor er´s aufgab, da war nicht ein einziger roter Strich drin...

Euere Englischbücher klingen schon richtig modern. De hatten bestimmt schon Farbbilder!

Zazie
30.04.2003, 20:58
Nee, hatten sie nicht. Ich kann mich auch nur an Zeichnungen erinnern, nicht an Fotos.

DrMusic
30.04.2003, 21:23
Farbbilder? Nee - das war alles so türkis eingefärbt (wenn mich nicht alles täuscht) - illustriert heisst das glaub' ich. Aber Farbbilder - da kann ich mich nicht erinnern.....

Zazie
01.05.2003, 11:13
Genau, einen Türkisstich hatten die Bücher. Schon die Einbände waren Türkis. Das Französischbuch gleichen Verlags und gleicher Machart war übrigens rosa. Gab's eigentlich Fotos in den Englischbüchern? Wenn ja, dann waren sie keinesfalls in Farbe.

Spleen
01.05.2003, 20:04
Dann war´s doch so ähnlich wie bei mir. Bei uns gab´s im zweiten Band eine kleine Farbsektion mit Fotos von London, besonders lustig die kleinen Trampel in Schuluniform an der Bushaltestelle! Sonst war alles in hellblau, und bei LeRocs in Französisch allles in so einem komischen Rosabraun!

Trigga
08.05.2003, 20:22
"La telephone sonne. Ici Monique Leroc..." Jawoll, genau!
Wir hatten da mal eine Vertretung in französisch, die wir derart nervten, dass sie irgendwann ein Arbeitsheft nahm (Ihr wisst schon, eines dieser Vorgedruckten to fill in the blanks) und es einfach so zerriss. Dies nötigte uns allen ein trockenes Schlucken ab und fürderhin war die Aufmerksamkeit kaum mehr zu steigern. Meiner Franznote hat das dann aber auch nicht soo viel geholfen.

Spleen
10.05.2003, 07:33
Beliebter Pausenspruch damals: "Madame Leroc geht am Stock!"

Zazie
11.05.2003, 23:13
Also manchmal schießen mir Dinge in den Kopf, von denen ich glaubte, sie seien längst verschüttet.

Gab es bei euch in der Grundschule auch Belohnungs- und Bestrafungssysteme? An eines habe ich mich soeben wieder erinnert, das war in der 3. Klasse. Die Tische waren in Gruppen angeordnet, die auf einem an der Wand hängenden Filztuch verzeichnet waren. Nun gab es rote Filzpunkte mit Klettband hinten und schwarze Punkte mit Klettband hinten. Die guten Tischgruppen bekamen rote Punkte, die Störer schwarze. Die Gruppe, die am Ende des Schultages am meisten rote Punkte hatte, bekam einen Orden verliehen - einen lumpigen Taler aus Pappe am Band, jedes Kind eins. Hätte es wenigstens Schokolade gegeben... aber irgendwie strengten vor allem wir Mädchen uns an, am Ende als Ordenträger hervorzugehen.

Ebenfalls in der 3. Klasse muss die Klassenlehrerin irgendwie mal alle an die Tafel geschrieben haben, die im Unterricht störten. Ich war ja eine stockbrave Schülerin, die allenfalls schlief, aber nie störte. Aber einmal wollte ich es wissen, wie es ist, meinen Namen da stehen zu sehen: Ich blödelte absichtlich rum. Wupp, schon erschien mein Name in der Liste und prompt bekam ich einen Eintrag ins Hausaufgabenheft (jawohl Leute, so kleine Oktavheftchen führte man damals zu diesem Zweck), "Zazie stört den Unterricht durch Schwatzen", den ich zu Hause meiner Mutter vorzulegen hatte. Ich wusste, was in dem Fall zu tun war: Die Hausaufgabenheftseite war rauszureißen, zu zerknüllen und in den Papierkorb zu schmeißen. Ich tat es. Aber kurze Zeit darauf plagte mich mein schlechtes Gewissen. Ich war doch noch nie ein böses Mädchen gewesen, und es jetzt gewesen zu sein, in dieser Rolle gefiel ich mir nicht. Also holte ich die Seite wieder aus dem Mülleimer, entknüllte sie und legte sie, zerknautscht wie das Papier, meiner Mutter vor. Ich glaube, ich habe ihr sogar erzählt, dass ich mit Absicht "den Unterricht durch Schwatzen" gestört hatte, jedenfalls gab's keinen Ärger. Davon abgesehen gab's nicht viel, womit man mich hätte strafen können. Stubenarrest? Fernsehverbot? Man hätte mir schon meine Bücher und Comics oder meine Barbies für eine Weile entziehen müssen; für mich war es bisweilen Strafe, raus zu müssen, vor allem im Winter. Dort geschah es nämlich bisweilen, dass meine Mutter mich regelrecht rausschmiss, damit ich blasse Nase mal etwas frische Luft bekam.

Aber ich weiche ab. Das System mit den roten und schwarzen Punkten verfeinerte unsere Klassenlehrerin in der 4. Klasse (ich hatte in 6 Jahren Grundschulzeit vier verschiedene Klassenlehrerinnen erlebt - auch das war typisch 70-er an meiner Schule!), indem sie für jeden Schüler eine Karteikarte anlegte, in der die Punkte verzeichnet waren. Was es danach für Belohnungen oder Sanktionen gab, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich wirkten sich die Punkte auf die "Allgemeine Beurteilung" im Zeugnis auf. Ich braves Kind hatte ein paar rote Punkte, aber einmal ist mir glatt das Herz in die Hose gerutscht, als ich glaubte, einen schwarzen bekommen zu haben (den ich überhaupt nicht bekommen habe). Es ist schon interessant, mit welchen Mitteln es damals gelang, Grundschüler zu beeindrucken - oder auch nicht. Typische 70-er Pädagogik...

Trigga
12.05.2003, 17:41
Grundgütiger, hast Du ein Gedächtnis! Aber warst Du denn später auch noch so brav?

Bestrafungssysteme? Zuckerbrot & Peitsche? Kann ich mich gerade gar nicht dran erinnern.
Einer hatte mal sowas in der Richtung eingeführt: Es gab zwei Verwarnungen, bei der Dritten flog man dann raus. Was das sonst noch für Konsequenzen nach sich zog entzieht sich meiner Kenntnis. Der Typ hatte das sowieso nicht nötig. Oder sagen wir mal, nur in Ausnahmefällen :-) .
Überhaupt kann ich mich aus dieser grauen Vorzeit nur noch an diejenigen Lehrer erinnern, bei denen ich auch was gelernt habe. Also die, welche mit einer gewissen Ausstrahlung ausgestattet waren, wohl auch mit einer gewissen Strenge, die man aber nur aus dieser Austrahlung erahnen konnte. Massregelungen waren da fast völlig überflüssig.
Doch eine, die liebe Frau Anselment, blieb mir bis heute (zumindest fragmentarisch) im Gedächtnis haften. Sie hatte eher die Methode mit Liebe & Güte. Nicht unerfolgreich. Soweit ich mich erinnern kann, war sie auch die Lehrerin für (fast) alles; machte mit uns Spaziergänge im Frühling, zeigte uns die Tulpen und Narzissen... hach ja. sowas ging halt in der Dorfschule. In Berlin kann ich mir das problematischer vorstellen.

Trigga
12.05.2003, 17:45
Ach ja, bevor mir hier der Alz im fortgeschrittenem Stadium nachgesagt wird: Ich rede hier von Grundschullehrern. Es gibt da später schon noch ein paar mehr, deren Namen ich noch weiß. ;-)

Trigga
12.05.2003, 17:57
Au Backe, da fällt mir jetzt doch noch eine ein, von wegen brav und Hausaufgabenheft. Nämlich die, die wegen mir schliesslich einen Stempel anfertigen lies, mit dem Wortlaut: "Hausaufgaben fehlen! Unterschrift".
Blamabel, könnte man meinen. Aber tatsächlich nur für mich? Wie gesagt, ich hatte auch Lehrer, denen ich wohl gesonnen war.

Spleen
12.05.2003, 18:45
Bei uns gab´s Löschpapier-Fleißzettel, und für zehn davon gab´s ein Heiligenbild! (Nein, es war eine staatliche Grundschule.) Kein Wunder, dass ich dann später Superman-Punkte für den "Supie-Shop" und Gutscheine für den "Donaldkopf" gesammelt habe!

Ich glaube, ich brachte es nur auf ca. 12 Fleißzettel. Das Heiligenbildchen (mit Widmung meiner Grundschullehrerin auf der Rückseite) hab ich noch!

Zazie
12.05.2003, 22:39
Spleen, das mit dem Heiligenbildchen und dann den Donaldkopf, das ist so niedlich, da musste ich jetzt richtig lachen :-) Der Donaldkopf klebte übrigens auch bei mir am Schrank. Die Coupons waren ja nicht schwer zu sammeln, war ich doch großer Fan der LTB!

Trigga, doch, ich war eigentlich meistens eine brave Schülerin. Meine Zeugnisse später am Gymnasium waren oft unter aller Kanone, aber es stand immer drin "Betragen einwandfrei". Ich pennte halt meistens. Die Schule ist mir später so dermaßen am Arm vorbeigegangen und bei meinen miserablen Leistungen konnte ich mir nicht auch noch Renitenz erlauben.
Und das mit dem Naturkunde-Anschauungsunterricht, nun ja, wir haben zwar keine Blumen gezeigt gekriegt, aber es gab ja Wandertage. Und die führten des öfteren in den Stadtforst, wo es u. a. Wildschweingehege gab. Ansonsten haben wir im 3. Schuljahr Bohnen auf der Fensterbank kultiviert. An meine ist sogar eine Frucht drangewachsen, weiß der Geier, wie das passieren konnte. Verirrte Biene? Zu nahe beieinander stehende Pflanzen? Parthenocarpe Bohne?

Ja, einige der Lehrer hatten von Natur aus eine strenge Ausstrahlung. Zum Beispiel jene Lehrerin, die uns diese Siegfried Lenz-Nacherzählung schreiben ließ, die ich mal wo erwähnte. Aber die meisten der damaligen Grundschulpädagogen waren voll und ganz 70-er: antiautoritär-lässig. "Sie sind doch noch so klein, da müssen sie doch auch mal spielen", sagte die Lehrerin der 1. Klasse. Und es wurde viel gespielt und wenig gelernt. Ich kam gerade von einer anderen Grundschule mit sehr energischer Lehrerin und konnte schon viel mehr als meine Klassenkameraden. Außer in Mathe natürlich :-)

Trigga
13.05.2003, 20:52
Fleißzettel! Jetzt wo Du's sagst. Muss ich verdrängt haben, weil ich sie wohl eh nur aus der Ferne sah. :-)

Lelani
14.05.2003, 18:46
Streng gesehen darf ich hier ja nicht schreiben, denn den größten Teil meiner Schulzeit fand in den 60ern statt.

Bitte nicht so streng sein ....

aber als ich das las mit Fleisspunkten und so - also bei uns gab´s goldene, silberne, rote und schwarze Punkte die ins Schulheft geklebt wurden. Für 10 goldene Punkte gab es ein Geschenk der Lehrerin, ich bekam einmal eine kleine Blumenvase und eine Märchenpostkarte mit dem Bild von Schneewittchen. Ich halte diese Sachen heute noch in Ehren.

Was es für die schwarzen Punkte gab? Ich weiss es nicht mehr. Klassenkeile?
Ich denke mal einen Eintrag ins Mitteilungsheft für die Eltern.

Spleen
14.05.2003, 20:16
In der ersten Klasse wurden auch Smileys ins Heft, oder auf die Tafel, gemalt, wenn etwas gut war.

Als Belohnung wurden manchmal Fundsachen aus der Schublade verschenkt.

Und es gab Schulmilch (und Kakao) in Glasflaschen, für 80 Pfennig für eine ganze Woche.

Und Samstags war Schule. örgs!

@ Zazie: Freut mich sehr! Mein Donaldkopf war übrigens an einer Tür in meinem Zimmer zu bewundern. Für den Go-Cart war er zu groß!

Zazie
14.05.2003, 21:00
In der Grundschule war bei uns jeden 2. Samstag Schule. Demnach durfte ich die Schlager der Woche auch nur jeden 2. Freitag zu Ende hören, denn die gingen ja bis 21:30, da musste ich schon im Bett sein. Später auf dem Gymnasium war wirklich jeden Samstag Schule. Und ja, das war brutal, auch für die armen Eltern, die da nicht ausschlafen konnten. Es sei denn, sie überließen es ihren Schulkindern selber, Frühstück zu machen. Ich weiß noch, in der 7. Klasse hatten wir samstags meistens Werken. Und in der 4. Stunde war Mathe-Förderunterricht angesagt, bei Bauer Hofmann alias Jerry Lewis - ich erwähnte ihn bereits. Natürlich war ich auch dafür eingeteilt. Nur brachte diese Stunde überhaupt nichts, weil wir sie einzig dazu nutzten, Bauer Hofmann durch den Kakao zu ziehen. Damals muss er noch recht jung gewesen sein. Soweit ich weiß, ist er mit der Zeit ein ziemlich strenger Pauker geworden, Er hatte wohl keine andere Wahl, um ernst genommen zu werden.

Erst an der Gesamtschule war ich endlich vom Samstagsunterricht befreit. Dafür hatte ich in der Woche länger, was für mich eine Wahnsinnsumstellung war.

Trigga
14.05.2003, 22:42
Ja, auf dem Gymi war plötzlich alles anders. Da gab's den "Putzger" (oder war das der Weltatlas? Muss ich nachgucken, ich hab das Werk noch irgendwo), aus dem wir die Karten abzeichnen mussten, teilweise auch welche aus Luftbildern zusammenpfriemeln. Der Sinn des Ganzen hat sich mir nie so recht erschlossen; rückblickend denk' ich mal, dass es uns beim einprägen der Geographie helfen solte. Aber ich weiss heute noch nicht, ob die Eifel links- oder rechtsrheinisch ist. Hätte mir das damals jemand begründet, hätte ich vielleicht nicht nur stupide abgemalt. Aber wer weiss...

Plötzlich hatte ich auch länger Schule, dafür Samstags nicht mehr. Auf Samstag waren dann die "Arreststunden" gelegt. Die waren so besonders nervig, weil ich für so eine poplige Stunde zwei davon als Hin- und Rückweg hatte.

Zazie
15.05.2003, 10:23
Ja genau, "Nachbleiben" fand auch samstags statt. Ich hatte einen Geschichtslehrer, einen Nordeutschen, der dieses "Nach" in "Nachbleiben" immer wie einen Pistolenschuss aussprach, nicht mit langem a, sondern so in etwa wie "wach". Er ließ z. B. gerne nachbleiben, wenn beim Klingelton nicht alle Schüler in der Klasse saßen. So kam ich dann auch mal in das Vergnügen: Wir hingen vor der Tür rum, es klingelte und während es schrillte, schoss der Lehrer die Treppe rauf. Wir drängelten uns schnellstens in die Klasse, aber er hatte die Schuldigen schon erspäht und schon hieß es: "Eine Stunde Nachbleiben am Samstag." Des öfteren kam es auch vor, dass der eine oder andere Schüler im Unterricht gemütlich auf seinem Stuhl gegen die Wand gelehnt kippelte und dann irgendwann krachend zu Boden ging. Was natürlich auch wieder ein Nachbleibgrund war, Aufsatzthema "warum Kippeln gefährlich ist."

Landkarten nachzeichnen? Sowas gab's bei uns nicht. Wir erfuhren, wie das Erz von Kiruna nach Narvik in Schweden transportiert und dann verschifft wurde, was eine Nehrung mit Haff ist und wo was angebaut bzw. gefördert wurde. Diese Erdkundelehrerin hatte zwar ein freundliches Wesen, war ansonsten aber scharf wie ein Schießhund. Tests ließ sie grundsätzlich immer unangesagt schreiben, sodass wir wirklich immer vorbereitet in ihren ach so wichtigen Unterricht kommen mussten. Sehr gefürchtet die süffisant ausgesprochenen Worte "so, und jetzt alles vom Tisch, wir schreiben einen Test." Wenn in diesem Test wirklich Stoff der vorangegangenen Stunde abgefragt wurde, war ich stets verratzt. Meistens hatte ich eine 5 oder 6 (diese Lehrerin wiederum war irgendwo aus Süddeutschland und sprach 6 immer "Sex" aus. "Das ist Sex!"). Einmal gab sie aber auch Losern wie mir eine Chance (ich war ja nicht die Einzige) und der Test war so konzipiert, dass so einiges aus dem Atlas (Diercke Weltatlas, habe ich noch) rauszusuchen war. Der wurde dann auch prompt 3+.

Erdkunde habe ich nie besonders gemocht. Durch diese Lehrperson habe ich es hassen gelernt. Dabei finde ich Geografie als solche heute sehr interessant.

Spleen
15.05.2003, 18:57
Der "Putzker" war ein Geschichtsatlas. In Erdkunde hatten wir den "Kaiser-Lautensach". Meine Mutter hat sich damals die Hacken abgelaufen, weil ich "Kaiserslautern Sach-Atlas" verstanden hatte. Sowas gab man den Kindern damals auch noch nicht schriftlich. Kopien waren teuer und selten... und rochen nach Eierlikör!

Trigga
15.05.2003, 22:01
Die Matritzen rochen immer nach Alkohol, stimmt.

Kleiner Irrtum: der Putzger war der Seydlitz. Hab ihn gefunden. Copyright 1966. Aber schöne bunte Bildchen.

Spleen
16.05.2003, 18:30
Nachsitzen war irgendwie ja eine doofe Idee. Da mussten die Lehrer dann doch auch länger bleiben.

Meine "Westermann-Fibel" hat übrigens den Umzug auch überdauert! Anno 1967...ooops, falsches Forum. :D

Zazie
16.05.2003, 22:37
Nee, bei uns nicht! Unser Nachbleiben-King nahm den Kandidaten dann mit in eine seiner offiziellen Unterrichtsstunden - das eine Mal bei mir war dies Russisch und alles, was ich verstand, war, dass er uns wohl vor den Schülern mächtig auf Russisch durch den Kakao zog, weil alles lachte - und bedachte ihn mit einem Aufsatzthema.

DrMusic
17.05.2003, 00:44
Was ihr alles hattet....
Die Englisch-Lehrbücher hatten wir hier ja schonmal durchgesprochen. An die meisten anderen Bücher kann ich mich garnicht mehr so recht erinnern.. hm.
Mein Geschichtsbuch (das war seinerzeit mein meistgehasstes Fach) hiess einge Jahre lang "Fragen an die Geschichte".
Die Mathebücher hiessen knochentrocken einfach z.B. "Lineare Algebra 1 +2" - in Deutsch gab es keine Lehrbücher sondern je nach Thema immer irgendwelche Reklamlektüre mit Theaterstücken oder es wurde Böll und Dürrenmatt anhand der Taschenbuchausgaben durchgearbeitet, was mir sehr entgegenkam. Hatte ich doch "Ansichten eines Clowns" schon freiwillig vorher gelesen und Dürrenmatt fand ich auch spannend... zur Verwunderung meiner Lehrer. So hatte ich in Deutsch meist eine 2 oder später kurz vor'm Abi dann immer zwischen 11 und 13 Punkten.
Geschichte, Biologie und Chemie habe ich gehasst wie die Pest.
Aber ich war ja auf einem Wirtschaftsgymnasium mit Leistungsfächern Wirtschaft und Physik. Wirtschaftswissenschaften war mein absolutes Lieblingsfach, die knallroten Lehrbücher hiessen "Mikroökonomie", "Makroökonomie" usw. und das Physikbuch war ein dicker grauer Wälzer, den Namen weiss ich garnicht mehr.

So genug Schule für heut'

Spleen
17.05.2003, 07:42
Meine Biobücher in der Unterstufe waren sehr schöne. Lauter gemalte Tier- und Pflanzenbilder drin! Da schauen meine Nichte und mein Neffe heute noch gerne rein! Auch wenn man Raubtiere dort "Greifsäuger" nannte.

Zazie
17.05.2003, 10:34
"Fragen an die Geschichte", das kommt mir bekannt vor. Hatte ich möglicherweise auch. Geschichte war von Anfang an auch eines meiner meist gehassten Fächer. Wieso eigentlich bei dir, DocMusic? Ich hatte eine Totalblockade dagegen und bekam einfach nichts in meinen Kopf rein. Fruchtlos die Versuche meiner Mutter, mit mir für einen Test zu lernen. SIE konnte es hinterher. Ich nicht. Einmal bin ich dann auch sitzen geblieben deshalb, ich hab nur gepennt und dann natürlich auch schlechte Tests geschrieben. Bis sich mein befreundeter Lehrer der Sache annahm - er war u.a. Geschichtslehrer. Da hatte ich dann nichts mehr zu lachen, denn er ließ mich das Zeug wie ein Drehbuch auswendig lernen. Und wehe, ich konnte es nicht... naja, er hat mir auf diese Weise meine Note einigermaßen gerettet.

Chemie habe ich auch gehasst, sowie auch Physik - ich kapierte nichts, wenn es darum ging, etwas zu berechnen. In der 9. und 10. Klasse wurden die Fächer von meinem Klassenlehrer unterrichtet, der in den Tests immer wollte, das man sehr ins Detail ging. Bei mir stand dann neben allen Antworten immer die jeweilige Rotstift-Anmerkung: Ungenau. Zu ungenau. Viel zu ungenau. Biologie war unterschiedlich und kam sehr auf den Lehrer an. Ich hatte wenige gute Biolehrer, aber bei denen war ich dann auch ganz OK. Einer von ihnen, der Beste, ist leider sehr jung verunglückt. Ein anderer ließ uns hochwissenschaftliche Tests über das Auge schreiben, an denen die meisten von uns scheiterten, weil es schon kaum noch Schulwissen war. Eine Lehrerin, wegen ihres spröden Wesens und ihres entsprechenden Aussehens "die Brotspinne" gennant, ließ uns meistens irgendwelche Texte aus dem Buch abschreiben, um uns ruhig zu halten. Sie hatte das Erbe des verstorbenen Lehres anzutreten und hatte es sehr schwer, weil sie es verdammt schlecht machte. Zum Beispiel Sexualkundeunterricht. Ich frage: "Warum hat man als Frau des öfteren Regelschmerzen?" Antwort: "Ach, das ist alles psychisch." Einzig das Ameisenreferat war lustig, das einer meiner Klassenkameraden (den ich nach 25 Jahren endlich wiedergefunden habe) zusammen mit seinem Vater vortrug. Das hieß, der Schüler las was vom Blatt ab und der Vater erläuterte es näher. Dieses Referat war der Hit und selbst die Brotspinne fand's gut.

Das allerschlimmste Fach aber war und blieb Mathe. Ich kann es nicht oft genug erwähnen. Na und in Deutsch wurde ich schlechter und schlechter, weil ich meistens schlechte Lehrer hatte und auch absolut keine Literatur interpretieren konnte.

Zazie
26.07.2003, 17:56
Doc, du warst zwar schon hier, aber damit dein Strang nicht offtopic wird: Hier ist nochmal der Schulstrang. Stichwort war Gesamtschule.

Morddeich Mole
30.07.2003, 22:48
@Mengenlehre: Es gab auch ein Mengenlehren-Lineal, so ein oranges Ding mit Mengenkreis (=Oval *lol*), Mengenklammern, Teilchensymbolen usw. "drin". Es war also eine Art Schablone... cool, weil man damit schön Sprechblasen malen konnte!

Nevergrewup
01.08.2003, 15:07
Äußerst eigenartig war das Fach (evangelische) Religion. Wenn wir wenigen Protestanten die Klassen zu verlassen hatten und zu unserem Religionsunterricht mußten, habe ich mir oft gewünscht, katholisch zu sein. Bei den Katholiken ging es um handfeste biblische Themen, z.B. der Kampf von David gegen Goliath, der Auszug des Volkes Moses aus Ägypten, die Belagerung der Festung Masada durch die Römer (glaube ich zumindest) etc. etc. Und bei uns? Um stinklangweilige Themen wie Schwangerschaft und frühkindliche Erziehung, Konflikte zwischen den Generationen, die Aufgaben der diakonischen Seelsorge, etc etc. Die Langeweile ließ sich nicht einmal durch das Blättern im Religionsbuch vertreiben, zumal es nicht groß genug war, um darin ein Comicheft zu verstecken, wie wir es oft im Fach Erdkunde taten: Man war angestrengt im Atlas vertieft und las dabei in Wirklichkeit das aktuelle Zack oder den neuen Batman.

Knittkuhl
01.08.2003, 15:20
Der Atlas in der Grundschule diente bei uns meistens als Dach für den "Anti-Abschreib-Bunker". Um sicherzustellen, dass ja niemand bei Diktaten oder Rechenarbeiten abschrieb, baute man sich immer so eine Art Bungalow: Links und rechts ein kleineres Buch und darauf dann - schön ausbalanciert - den großen Atlas. Anschließend quetschte man seinen Deez, die Schreibhand und das Klassenarbeitsheft rein. Unbequem - aber abschreiben konnte keiner!

Nevergrewup
01.08.2003, 16:33
Stimmt, diesen widerlichen Anti-Abschreibwall gab es auch bei uns am Gymnasium. Allerlei Bücher wurden angehäuft und damit nicht genug hielt man noch die linke Hand über die soeben geschriebenen Sätze. Will mich nicht davon freisprechen, daß ich das nicht auch tat, allerdings war ich in den meisten Fächern eine Niete (Mathe und Latein vor allem), so daß es bei mir ohnehin nicht viel abzuschreiben gab...

Spleen
01.08.2003, 19:33
Comics lasen wir unter dem Tisch. Komischerweise fiel das nie auf. Ich habe auf diese Weise bestimmt mehrere "Tom Berry" und "PLOP!"(von Moewig) mitgelesen. Zack oder Asterix war riskant, da größer...

Schlimm waren auch die Grafittis im Chemieraum, da waren die ältesten Bänke. Gerne wurde damals "Time Tunnel" hingraviert, oder leuchtende Kreuze, oder Schimpfworte...

Zazie
01.08.2003, 23:16
Abschreib-Schutzbunker, wie unsolidarisch! Ich stelle mir diese Bücher-Atlaskonstruktion gerade bildlich vor und wie das wohl war, wenn sie mitten unter der Klassenarbeit zusammenkrachte, pataflop :-) Der Atlas, ein Ordner oder die aufgeklappte Federtasche wurde bei uns nur in der Grundschule als Anti-Abschreibwall neben sich aufgebaut. An der weiterführenden Schule gab's das nicht mehr. Aber selbst wenn, ich verließ mich in der Schulzeit selten auf meine Nachbarn (erst im Studium kullerte ich mir die Augäpfel aus, um in bestimmten Fächern notgedrungen vom Nachbarn - vom Dozenten zwei Plätze weiter gesetzt - abzuschreiben). Ich verließ mich einzig und alleine auf mich - und meine Spicker. Denn ich war bekannterweise die Spicker-Queen. Erwischt worden bin ich nie, dazu war ich viel zu raffiniert. Meistens eignete ich mich auch nicht zum Abschreiben, außer in so Fächern wie Englisch, Französisch, Latein.

Graffiti auf den Bänken? Bei uns im Chemieraum war meistens keine eingeritzt, sondern sie bestand aus diversen Filzstiften. Was sollte man auch machen vor lauter Langeweile? Lustig war es, über Graffiti Kontakt zu anderen Leidensgenossen aufzunehmen, die vor oder nach einem in dem Raum schmorten. Eines Tages wurden wir dann auch zum Tischeschrubben verdonnert.
In Berlin waren auch die Buswartehäuschen und die Sitze im Bus immer sehr vergraffitit. Vor allem die im Obergeschoss ganz hinten, sozusagen reserviert für die ganz Coolen. Wir fuhren ja jeden Tag Bus und meistens wurden immer die selben Busse auf den selben Linien eingesetzt. Dementsprechend gab's jeden Tag neue Grüße zu lesen und man grüßte dann zurück. Übel war's, wenn jemand mit weißem Edding geschmiert hatte und man sich dann auf das Werk setzte und der Edding noch nicht ganz trocken war. Heutzutage sind die Sitzbänke nicht mehr mit Skai bezogen, sondern mit so Plüschmaterial, daher müssen jetzt die Fenster hinhalten. Es gibt keinen BVG-Bus, dessen Scheiben nicht großflächig durch eingeritztes Graffiti zerstört sind. Ich find's zum Kotzen, ich habe schon damals nicht in Bussen rumgeschmiert. Allenfalls halt auf dem Tisch im Chemieraum.

kleiner Chemiker
01.08.2003, 23:50
Zazie, danke, Sie sind nicht nur großzügig gegen Knittkuhl, sondern auch gegen unbelehrbare Mitmenschen. Würde mich freuen Sie mal kennen zu lernen.

Bis die Chemie mal stimmt!
Ihr kleiner Chemiker

Zazie
02.08.2003, 01:14
Tja, wärst du mal zu Abbamania aufgetaucht :-)

Spleen
02.08.2003, 18:41
Es gab auch regelrechte Verleumdungen auf diesen Bänken. Nur wusste man nie, wie alt die Eintragungen waren und ob was dran war..

Morddeich Mole
03.08.2003, 22:54
Auf den Chemietischen konnte bei uns nicht geschmiert werden, da sie rot gefliest waren! Kennt jemand solche Tische? Da ging nur ein Stift drauf: Der Bleier. Doof.

Ansonsten bleibt noch zu sagen: "Narrenhände beschmieren Tisch und Wände!" *g*

Auja: Die leuchtenden Kreuze! Die standen meist auf so einem "Hügel" - dargestellt durch einen Halbkreis und waren "dreidimensional" gezeichnet, oder @spleen?

Ende der 70er stand auch auf jedem Tisch und an jeder Wand: AC/DC, KISS oder ZAPPA.

Zazie
04.08.2003, 00:17
Bei uns gab's zwei Arten von Chemieraum: den Hörsaal (hier fand auch oft Bio-Unterricht statt), in dem der Lehrer manchmal Experimente vorführte, und eben jenen rot gefliesten, wenn man selber panschen sollte. Hatte man dort Unterricht, kam man in der Regel sowieso nicht zum Tischebeschmieren.

Genau, AC/DC und Kiss, jeweils mit Strich und den beiden S in Blitzform! Zappa-Fans schien es bei uns keine gegeben zu haben oder aber sie outeten sich nicht. Leuchtende Kreuze auf Hügeln kenne ich auch noch gut. Bisweilen waren auch Hakenkreuze zu finden, die aber, anders als heute, in den meisten Fällen nicht auf eine braune Gesinnung zurückzuführen waren, sondern auf die Tatsache, dass sie irgendwie schwierig und interessant zu malen waren. Ach, dazu fällt mir gerade was ein. Neulich war ich in einem Hotel in Schwerin, in dessen Foyer sich eine uralte Schulbank befand. So ein Holzding mit schräger Schreibplatte, festmontierter Bank und Aushöhlung fürs Tintenfass. Eingeritzt in die Tischplatte war so eine Art einfaches Tic-Tac-Toe, also nur aus einem Kreuz und einer kastenförmigen Umrandung bestehend. Es war deutlich zu erkennen, was dieses Graffito zuvor gewesen war und dass die umrandenden Linien erst nachträglich hinzugefügt worden waren. Graffiti und Schmierereien hat's wohl zu allen Zeiten gegeben... sind in Pompeji eigentlich alte Schulbänke zu sehen?

Elwood
04.08.2003, 18:16
Auf einer metallenen Treppenhaustür war bei uns ein "TRIO" mit den Herz von "Herz ist Trumpf" eingeritzt (erinnert Ihr euch an die kleinen Blinke-Herzchen, die hierzu verkauft wurden?)

Schon Ende der 80er wußten die Kurzen nicht mehr, was oder wer das sein sollte. Ich glaube, das "Trio" blieb bis zur Renovierung der Schule 2001 bestehen.

Trigga
04.08.2003, 20:04
"Spleen liebt Lelani". Verleumdungen dieser Art, wie Spleen?

Wenn man's genau nimmt, gab es schon bei den Höhlenmenschen Graffiti. Nur noch keine Pulte.

Wir ritzten nicht. Wir hatten nur immer einen Edding dabei. Überall, jederzeit und schnell einsetzbar.

Einmal habe ich ein schönes Zappa-portrait auf die Bank gezeichnet und daneben noch einen Satz geschrieben. Jeder konnte sofort wissen, wer da dahinter steckte, was mir aber damals ziemlich egal war.
Alles was passierte war dann auch, daß mein Englischlehrer auf mich zutrat und mich auf eine kleine grammatikalische Unzulänglichkeit in meiner Publikation aufmerksam machte.

Spleen
08.08.2003, 18:38
Vernünftiger Englischlehrer! Ist Euch das schon mal aufgefallen: je trivialer das Grafitti, desto schlechter seine Rechtschreibung (und Grammatik)!

@ Mole: Das dreidimensionale Kreuz auf´m Hügel, genau. Was war das? Nur Jesus Christ Superstar oder etwa irgendein Plattencover, das ich als einziger nicht kenne???

@ Trigga: Bei uns gab´s auch schlimmere Verleumdungen, bis hin zu konkreten Benennungen von Straftaten. Nur: keiner wusste von wem und ob wahr...

Morddeich Mole
09.08.2003, 00:31
Woher diese Art Kreuze stammen möchte ich auch gerne wissen! Auf jeden Fall waren die zwischen 1975 - 80 überall dort präsent wo *Rocker* am Start waren, die noch nicht mal Mofa fahren durften... LOL...

Viele Inschriften wurden auch per Feuerzeug in die *zu niedrige* Decke gebrannt. Doch der Rest war meist ziemlich aufwändig in Holz geritzt oder per Edding niedergeschrieben. "Wissen ist Macht, nichts wissen macht nix" usw. war damals auch in der Gymnasialen Unterstufe beliebt...

In der Grundschule dagegen war sowas zumindestens bei uns total tabu! Der Urheber schien jederzeit ausmachbar zu sein...

Trotzdem war die ganze Toilette von Z.z.Z. vollgekrakelt. Und die Täter sind nie gefasst worden. Komisch - denke manchmal dass älter-gewordene Schüler beizeiten zurückkommen und die Sache in die Hand nehmen... :-)

Spleen
09.08.2003, 18:16
Rockersymbol? Könnte hinkommen. Man sieht das Zeichen im Sommer noch gelegentlich als kunstloses Tattoo...

Zazie
14.08.2003, 21:56
Specially for KlickerKlacker!

Klicker-Klacker
15.08.2003, 18:58
Danke Zazie, deß soll bestimmt ein Wink mit dem Zaunpfahl sein... *grin*

Naja, ich werde nun öfter hier rein schauen und dann auch schön brav in die Threads schreiben, in die das jeweilige Thema gehört.
:-D

Spleen
15.08.2003, 19:32
War übrigens auf der ersten Seite, höhö!

Klicker-Klacker
15.08.2003, 20:00
So nach dem ja Zazie so nett war mich auf diesen Thread zu „stumbe“, schreibe ich auch gleich mal was rein... LOL
Als erstes oute ich mich auch mal Bundesjugendspieleversager. Obwohl ich damals im Verein Fußball spielte. Das einzige was ich konnte, war diesen komischen Ball verdammt weit werfen. Aber 100 Meterlauf und Weitsprung... Keine Chance...
Mein Lieblingsfach war Geschichte. Da fuhrwerkten meine Klassenkameraden noch auf Seite 5 rum, da hatte ich das Geschibuch schon drei mal durch gelesen und ließ beim Unterricht Sachen einfließen, die erst Jahrhunderte später kamen, aber irgendwie im Zusammenhang standen... Mit Mathe stand ich immer auf dem Kriegsfuß... Aber ansonsten war ich wohl der faulste Schüler vom Schuldorf...
Geraucht wurde entweder auf den Schülertoiletten (egal ob Mädels oder Jungs. Klassisch das Gesicht der Sportlehrerin, als 7 Jungs aus dem Mädelsklo kamen...) oder im nahe gelegenen Wald. Später gab es eine Raucherecke, in der man mit elterlicher Erlaubnis ab 16 rauchen durfte)
Neben dem allseits bekannten rumpusten von mit Spucke aufgeweichtem Papier mit einem leeren Tintenkiller, wollte ich mal den Scherz des Jahres bringen und habe die Tafel mit Schmierseife eingeschmiert... Hehehe...
Bei uns gab es auch noch Lehrer, die Ohrfeigen verteilt haben... Oder Sportlehrer die mit „hausmeisterwürdigem“ Schlüsselbund nach Schülern warfen... Als Ausgleich bekamen wir mal „68er“ als Referendarinnen... Was aber auf die Dauer auch nicht prickelnd. Die wurden auch arg fertig gemacht und nach einigen Monaten hatten wir anstatt der Referendarinnen unseren Klassenlehrer... Lustig war nur das ich eine von denen nach der Schulzeit bei einem Konzert von Franz K gesehen hatte. Wir trunken ein Bier zusammen und ich habe sie erfolglos angebaggert... ;-D
Diese Barrikaden bei Klassenarbeiten waren bei uns auch üblich, aber sie hielten sich nicht lange.
Was bei uns sehr oft vorkam, waren Bombendrohungen... Heute finde ich das nicht so witzig (vor allem als Schulhausmeister), aber damals hatte man sich darüber gefreut z.B. recht früh schon im Schwimmbad zu sein.
Ich kann mich dunkel erinnern mal in so einem Verkehrspark gewesen zu sein. Dort konnte man entweder mit einen Rad oder Ga-Kart fahren. Machte man alles richtig, gab es einen Fahrradführerschein.
Ach ja, meine Schulbücher waren alle mit Vorder- und Rückseiten von der Bravo eingeschlagen.
Und Hausaufgaben wurden prinzipiell vor der Schule abgeschrieben.
Standartsatz im Klassenbuch: „Robert stört den Unterricht“... Ich würde gerne mal unsere alten Klassenbücher lesen....
Das berühmte Strahlenkreuz auf der Insel... Gibt es heute auch noch, nur mit Edding... Oder das LOVE mit diesen „Luftballonbuchstaben“, also ein langes L und auf dem „Fuß“ stand dann OVE. Und die Herzen mit den Initialen... Natürlich auch die Interpreten... Bei mir auf der Bank stand die ganze Bravo Hitparade eines Schuljahres... LOL Auf ganz alten Bänken auf unserer Schule finde ich heute noch KISS und AC/DC.


@Spleen: Echt? Ops...

Spleen
16.08.2003, 08:17
Klasse, außer Wummi ist hier offenbr kein Sportfreak anzutreffen! Bundesjugendspiele waren für mich immer der lngweiligste und unangenehmste Tag des Jahres, später nur übertroffen von "Schießtagen" beim Bund. Da musste man auch ewig lang draußen herumstehen.

Vieles deiner Erzählungen kommt mir bekannt vor. Ich hatte allerdings einen Hippie-Klassenlehrer ab Klasse 7. War das ein Chaos: Lautstärke, Rumgelabere und trotzdem schlechte Noten für die Schwachen. Dann schon lieber die alten Herren mit Jackett und Krawatte.

Klicker-Klacker
16.08.2003, 15:13
Spleen: Langweilig war kein Ausdruck... Immer diese Warterei... Naja, dafür kam den Mädels etwas näher... ;-)

Zazie
16.08.2003, 15:45
Habt ihr auch an der Sportabzeichen-Prüfung teilnehmen müssen? Ich war eine der wenigen der Klasse, die noch nicht mal die bestanden hat. Aber diese kleine Anstecknadel und das Stück Papier dazu waren mir sowas von wurscht wie nur irgendwas.

Spleen
16.08.2003, 18:43
Sportabzeichen-Prüfung? Igitt! Das muss berlinerisch sein. (Oder gab´s das sonstwo auch noch? Ich schließe nie aus, dass bei uns in Rummelsdorf nur die Lehrer zur Durchführung zu faul waren... ) Gab´s bei uns nicht. Ich hab auch beim Bund die Sportwettkämpfe zu umgehen gewusst. :)

Nevergrewup
17.08.2003, 22:42
@Klicker Klacker

Hausaufgaben wurden auch bei uns frühmorgens vor Unterrichtsbeginn abgeschrieben, allerdings hatte man ein gewaltiges Problem, wenn bis zur letzten großen Pause vor der entsprechenden Unterrichtsstunde noch niemand gefunden hatte, der bereit war, einem die Hausaufgaben zur Verfügung zu stellen. Auf dem Schulhof die Hausaufgaben abzuschreiben, war zu risikoreich, da der Aufsicht habende Pauker auf diesen verbotenen Vorgang aufmerksam werden konnte. Also verkroch man sich aufs Klo und schrieb in der engen Kabine ab... na ja, so gut wie es ging halt. Ein ebenfalls absolut verbotener Vorgang war das Verlassen des Schulgeländes, um den Tante-Emma-Laden um die Ecke aufzusuchen. In der großen Pause mußte man daher den "Hinterausgang" wählen, um an den Ort der begehrten Süßigkeiten und Abziehbilder zu gelangen: Ein versteckt liegendes Tor wurde überklettert (in Stoßzeiten stand man da regelrecht Schlange ;-)), ein Gemüsegarten wurde durchquert und in geduckter Haltung mußte man ca. 20 Meter entfernt vom Schulhofeingang schnell über die Straße und rein in den Laden, wo sich Schüler aller Jahrgangsstufen in Windeseile die Taschen vollstopften (bin mir sicher, daß da viel geklaut wurde, die alte Frau war doch völlig überfordert) und schnell wieder zurück via "Hintereingang" zur Schule.

Spleen
18.08.2003, 18:51
Also, aus der Abschreibemühle hab ich mich weitgehend rausgehalten, war bestenfalls mal Quelle... Eine Lieblingsbude hatten wir in der Unterstufe auch. Da musste man verbotenerweise vom Schulhof runter, ca. 400m die gleiche Straße lang (völlig ungefährlich). Das haben wir anfangs auch gerne getan: es gab Brause (auf Wunsch mit Leistungswasser! Service!), Eis und die genialen Flugzeugbilder von "Americana". Irgendwann wurden wir erwischt und streng verwarnt, da trauten wir uns nicht mehr. Als wir in die 7 kamen, wechselten wir das Gebäude, da war kein Kiosk weit und breit. Gemein!

Zazie
18.08.2003, 19:22
So ungefährt wie von NGU beschrieben gestaltete sich das Abschreiben bei uns auch. Sehr oft geschah dies auch morgens im Bus, denn viele von uns hatten eine halbe Stunde Busfahrt. Da sah die Hausaufgabe dann ein bisschen verwackelt aus, fiel dem Lehrer aber meistens nicht weiter auf. Auf dem Hof abschreiben war bei uns ebenso gefährlich: immer diese patrouillierenden Lehrer! Im Schulgebäude gab es zwei Kloräume, einer am vorderen und einer am hinteren Aufgang. Letzterer wurde so gut wie nicht beachtet, wohingegen im vorderen auch des öfteren Lehrer auftauchten, um einen Hausaufgaben abschreibenderweise zu erwischen. Also war mein bevorzugtes Ziel das Klo ganz hinten am Flurende und natürlich wurde ich nie erwischt. Ich schrieb gerne Mathe und Deutsch ab und gab dafür gerne mein Englisch und Französisch raus. Eingesammelt und korrigiert wurden die Hausaufgaben am Gymnasium sowieso eher selten, Hauptsache man konnte sie vorweisen, wenn der Lehrer durch die Reihen schritt, um ein Auge darauf zu werfen.

In der Pause das Schulgelände verlassen war auch so ein Unterfangen. Es gab auf dem Schulhof ganz rechts hinten in die Mauer eingelassen ein Türchen, an dem sich auch gerne Raucher aufhielten und durch das man sich, vorsichtig nach rechts, links und hinten blickend, gerne hinaus- und wieder hineinstahl. Wobei man auf dem Rückweg schon mal von der fies grinsenden Pausenaufsicht in Empfang genommen wurde, die auch gleich noch die Rauchertadel verteilte. Einfacher und unauffälliger war es, bei Pausenbeginn gleich in Richtung Hauptschulhof abzuhauen (die Hauptschule war im selben Gebäude, es gab aber getrennte Höfe), die Pause ganz draußen zu verbringen und dann auf dem selben Weg wieder zurück in die Schule zu kommen. Der Eingang vom Hauptschulhof ins Schulgebäude war ebenfalls bevorzugter Aufenthaltsort gymnasialer Raucher, die noch keine 16 waren.

Die Geschäfte nahe bei der Schule befanden sich alle auf der gegenüber liegenden Straßenseite, weswegen es ja wohl auch so streng geahndet wurde, wenn man beim Rausgehen erwischt wurde. Es gab eine Fleischerei, die Bulettenbrötchen verkaufte, und jene Buletten waren so stark gewürzt und knoblauchlastig, dass jeder sofort wusste, wer in der Pause draußen gewesen war. Natürlich gab es auch eine Bäckerei, bei der man Negerkussbrötchen, Schweineohren, Mohrenköpfe und noch allerlei Leckereien mehr kaufen konnte, wenn einem das Pausenbrot nicht mundete.

Klicker-Klacker
18.08.2003, 22:06
@Nevergrewup

Unsere Schula lag / liegt mittem im Wald, also am absoluten Ortsrand. Da gab es keine Läden. Wir waren quasi vom Hausmeister abhängig...

Dafür war es für uns kein Problem zum Rauchen in den angrenzenden Wald zu verschwinden. Das Schuldorf ist so rießig, da langen nicht mal alle Lehrer als Aufsicht...

Morddeich Mole
19.08.2003, 11:03
In der Nähe unserer Grundschule gab es auch keine Trinkhalle (Bude) etc. Nur den Hausmeister mit sehr begrenztem Sortiment: Milch, Kakao oder Buttermilch von Mr. Softy. Das war's...

Dafür konnte man die Milchtüten mit dem Strohhalm aufblasen und dann mit dem Fuß kaputt treten auf das die ganze Chose knallte wie ein Superböller-D. *BLAM!* Klang besonders gut in der sog. "Pausenhalle".
Üblicher und übler Beieffekt war leider: Meistens war noch ein Rest Kakao in der Tüte, die dann umherspritzte oder auf dem Schulfhof in den Boden sickerte. Deshalb stank es dort, wo sich die "Halbstarken" herumdrückten, ekelhaft nach saurer Milch...

Zazie
19.08.2003, 11:24
Ich hör immer "Pausenhalle". Was ist das? WIR hatten sowas nicht, WIR wurden bei Wind und Wetter auf den Hof gescheucht. Nur wenn es allzu stark regnete oder der Hof eisglatt war, durften wir drin bleiben. In der Grundschule war letzterer Fall ja immer ein Grund zum Ärgern. Da hatte es so schön gefroren, man wollte sich jede Menge schöner Schlitterbahnen bauen (oder hatte dies schon am Vortag getan) und dann "klingelte es ab" (so hieß das damals) und man durfte nicht raus.

Wenn ich mich an das Gebäude meines früheren Gymnasiums erinnere, muss ich unweigerlich an Knast denken. Es war eine ehemalige Fabrik mit langen, kahlen Gängen, von denen die Klassenräume zellenartig abgingen, einem Metallgeländer und einer hohen Mauer um den Schulhof. An einer Stelle des Gebäudes befand sich eine Art Türmchen, das gut als Wachtturm durchgehen würde. Na und dann immer der Hofgang und die patrouillierende Pausenaufsicht. Kein Wunder, dass ich heute noch Albträume von der Zeit habe.

Die Gesamtschulgebäude hingegen waren zumeist in topmodernem 70-er Stil gehalten und sahen fast alle aus wie Space Shuttles, mit riesigen Metallröhren und Beton, orange oder rot gehalten. Drinnen war alles mit Teppichfliesen ausgelegt, wie sie auch in manchen Behörden zu finden waren - nur allzu logisch, dass das nicht lange sauber blieb. Es gab eine Klimaanlage, die einem des öfteren ekelhafte Kopfschmerzen zufügte und Essensdüfte durch die Klassenräume schickte, die den hungrigen Schülern um die Mittagszeit Qualen bereiteten. Dann gab es so genannte "Dunkelräume", Räume ohne Fenster, nur mit Neonlicht, in denen man nur eine begrenzte Zeit Unterricht hatte, die sich aber prima zum Filmevorführen eigneten. Und bei Stundenende wurden die Schüler nicht durch ein schrilles Klingeln aus dem Schlaf gerissen, sondern durch einen melodiösen Viertongong. Ach ja, und was schön war: es gab keinen Pausenhof im eigentlichen Sinne, sodass es uns freistand, in den Pausen vor die Tür zu gehen oder drin zu bleiben. Natürlich gab es auch einen "Oberstufenraum", eine Art zutapezierten und verzierten Glaskasten, in dem wir vor einer Klausur unsere Bücher deponierten, um währenddessen die dreimal Pipigeh-Berechtigung auszunutzen und dort nochmal schnell nachzuschlagen. Was auch nicht immer von den Lehrern unbeobachtet blieb.

Morddeich Mole
19.08.2003, 14:13
Jetzt kommt der Witz Zazie: Die Pausenhalle war eine große Halle mit großen Fenstern, in der man sich NICHT aufhalten durfte (während der Pause)! Es sei denn, draußen war Weltuntergang o.ä.

Wofür der Architekt diese riesige Pausenhalle eingeplant hat, ist mir bis heute schleierhaft - wo sie ja nie genutzt wird... ???

In der Pausenhalle hing übrigens ein großes, s/w Photo von Erich Kästner. Vor diesem Bild hab ich als Kind irgendwie Angst gehabt, weil er da so gruselig aussieht...

Siehe hier: http://www.ekg.gp.bw.schule.de/kaestner/ (Nicht meine Schule!)

Nevergrewup
19.08.2003, 14:52
Wenn man nicht wüßte, welch lesenswerte Jugendbücher Erich Kästner seinerzeit geschrieben hat, könnte man vor seinem Aussehen wirklich ein wenig Angst bekommen...

Als ich mit Übergang zur Oberstufe das Gymnasium wechselte, bot die neue Schule unzählige Möglichkeiten, in der Pause den Schulhof zu verlassen. Einfach in die unmittelbar benachbarte Realschule gehen, den Seitenausgang ansteuern, die Straße überqueren und hinein in die Bäckerei, wo Langnese Eis, Mohrenköpfe, Schaumwaffeln, Fußballsammelbilder und Nappos nur darauf warteten, von uns gekauft zu werden.

Zazie
19.08.2003, 15:26
Erich Kästner, einer der Größten überhaupt! Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich über seinen Tod erfuhr. Ich war mit den Eltern in den Ferien an der Nordsee, auf dem Tisch im Zimmer stand das Transistorradio, meine Mutter saß am Tisch, wahrscheinlich mit irgendeiner Handarbeit beschäftigt, ich spielte was oder las. Und da kam sie plötzlich aus dem Transistor, die Nachricht.

Noch was zur Gesamtschule, jene totale 70-er Institution. Als ich dorthin kam, musste ich mich an eine vollkommen neue Terminologie gewöhnen. Es gab F/E-Kurse und G/A-Kurse. Erstere waren für die guten Schüler, zweitere für die schlechteren und an manchen Schulen gab es gar F-, E-, G- und A-Kurse. An der Menge der jeweils von einem Buchstaben besuchten Kurse und der darin erhaltenen Noten wurde dann der Schulabschluss errechnet.
Freistunden hießen nicht Freistunden, sondern AUA, was da stand für "außerunterrichtliche Aktivitäten". Sehr lustig, wenn jemand rief "hey, wir haben AUA" und darauf ein Jubelschrei ertönte. Dementsprechend gab es auch einen AUA-Bereich. Zu dem meiner Schule gehörten zahlreiche Puzzles, Spiele, Kickertische und eine Art kleine Disco, zu der eine Wendeltreppe hinunterführte. Ein Stab von Sozialarbeitern (alle recht nett, keine 68-er, eher älter) sorgte für Ordnung und dafür, dass stets Musik lief und ansonsten konnte man ganz gut mit ihnen quatschen. Zum AUA-Bereich gehörte auch eine Teestube, in der es für ein paar Groschen aromatisierten Tee gab. Da war es am gemütlichsten und auch die Teestuben-Sozialarbeiterin war die netteste von allen. Es gab auch einen Herd und einmal habe ich dort eine Crêpes-Party geschmissen, wodurch prompt der Französisch-Unterricht in die Teestube verlegt wurde. Jener AUA-Bereich meiner Schule war so vorbildlich, so toll gemacht, dass ihn sogar die damalige Berliner Schulsenatorin Hanna "Granate" Laurin einmal besuchte, um sich lobend zu äußern.

Das Schulgelände verlassen, um zum nahe gelegenen Supermarkt zu gehen, brauchten wir eigentlich nicht und es geschah auch nur selten. Den Oberstufenschülern war dies im übrigen auch nicht mehr verboten. Aber in der Schule gab es neben einer Mensa auch eine Cafeteria, die uns mit allem versorgte, was wir so begehrten und was wir im Supermarkt gar nicht bekommen hätten. Es gab Fleischsalatbrötchen (auf das ich mir einmal einen Abend lang die Seele aus dem Leib gereihert habe), Hamburger, Duplo mit Bildchen, Hanuta mit Bildchen, Bockwurst mit Senf und Brötchen, sprich, alles, was das Schülerherz begehrte, wenn das Mensaessen mal wieder ungenießbar war.

Eigentlich hatten wir's schon ganz schön gut an der Gesamtschule.

Klicker-Klacker
19.08.2003, 16:07
Unsere Schule war sehr freizügig gebaut. In den 70ern konnte man vom Kindergarten ab bis zum Abitur im Schuldorf bleiben. Es gab also allle Schulformen (Grundschule, Förderstufe, Hauptschule, Realschule, Gymnasium) in einer Schuel. Außerdem gab es eine Sonderschule und ein Internat. Die letzten beiden gibt es nicht mehr. Und zeitweise war auch ein Berufsschulzweig dort untergebracht, kann mich aber nicht mehr erinnern wann das war und was da unterrichtet wurde.
Die einzelnen Schulformen waren in getrennten Gebäuden unter gebracht, da ganze wurde mit echt großen Schulhöfen und vielen Bäumen getrennt. Überall gibt es kleine Nischen (halbrunde Mäuerchen zum hinsetzen) zum setzen und viele Bänke. Heute gibt es auch viele Spielgeräte. Alles in allem hat mir meine Schule so gefallen, wie sie gebaut war.

Bilder könnt Ihr Euch hier ansehen: http://www.schuldorf-bergstrasse.de/source/start.htm

Schnell noch hier der Link zur Geschichte: http://www.schuldorf-bergstrasse.de/source/dasschuldorf/geschichte.htm

Ha! 2004 wird ja gefeiert! 50 Jahre Schuldorf und meine Klasse feiert das 25jährige Jubiläum der Schulentlassung...

Nachtrag: Hier gibt es tolle Bilder: http://www.schuldorf-bergstrasse.de/source/dasschuldorf/impressionen/impressionen.htm

Nevergrewup
19.08.2003, 16:33
Ursprünglich gepostet von Zazie
Das Schulgelände verlassen, um zum nahe gelegenen Supermarkt zu gehen, brauchten wir eigentlich nicht und es geschah auch nur selten. Den Oberstufenschülern war dies im übrigen auch nicht mehr verboten. Aber in der Schule gab es neben einer Mensa auch eine Cafeteria, die uns mit allem versorgte, was wir so begehrten und was wir im Supermarkt gar nicht bekommen hätten. Es gab Fleischsalatbrötchen (auf das ich mir einmal einen Abend lang die Seele aus dem Leib gereihert habe), Hamburger, Duplo mit Bildchen, Hanuta mit Bildchen, Bockwurst mit Senf und Brötchen, sprich, alles, was das Schülerherz begehrte, wenn das Mensaessen mal wieder ungenießbar war.

Eigentlich hatten wir's schon ganz schön gut an der Gesamtschule.

Hast recht, den Schülern der Oberstufe stand es auch bei uns frei, das Gelände nach Belieben zu verlassen. Am neuen Gymnasium taten das wegen der Unübersichtlichkeit des Geländes aber auch die Mittel- und Unterstüfler.

Fleischsalatbrötchen....so richtig belegt mit lecker Fleischbrät? *würg*

Lesenswert von Erich Kästner sind vor allem die Bücher, in denen er seine Kindheit im alten, untergegangenen Dresden schildert. Wann ist er eigentlich gestorben?