Vollständige Version anzeigen : Familieninterne Wörter
Hier folgt also der im Sesamstrassenstrang angesprochene Aspekt der familieninternen Wörter. Bei und wurde Weissbrot (da von meiner Mutter bevorzugt) Mamabrot genannt und Graubrot (s.o.) Papabrot.
Meine Oma mütterlicherseits wohnte unten im Haus und hieß demzufolge 'Oma unten', die andere wohnte in Heerdt und hieß auch ' OmaausHeerd' (in einem Rutsch gesprochen).
Meine Eltern hießen zusammengefasst immer 'DiePapaundMama'.
Aus irgendeinem Grund nannte ich als Kind eine Schaukel immer 'Schuhstalle'. Süßigkeiten gabs nur abends, sie hießen 'Abendklümbken'.
Es gibt sicher noch einiges, das fällt mir aber derzeit nicht ein. Was habt ihr für familieninterne Begriffe?
@Bibo, Du bist aus dem Ruhrgebiet, nicht wahr? 'Klümkes' sagt man nur hier.
In jeder Familie sind doch Worte oder Sprüche üblich, die irgendwo aufgeschnappt wurden, sei es Kleinkinder-Sprache (meine Freundin wird wild, wenn ich 'Laumfe' statt Schlafanzug oder 'Morteetee' statt Portemonnaie sage)oder Stilblüten von Verwandten.
Wir haben ein paar Ausdrücke von Urlaubsreisen mitgebracht. So heißt eine Camping-Kühlbox bei uns Koelkast - wobei im Holländischen damit ein Kühlschrank gemeint ist. Statt Herumdrehen sagen wir manchmal 'Körseln'. Das kommt vom dänischen 'Körsel', was Kreisverkehr heißt.
Aber Einiges ist auch original 70er, meistens Filmzitate. Im anderen Strang erwähnte ich ja schon das 'Sleep well in your Bettgestell' aus 'Die 2'. 'Die 2', eine ergiebige Quelle. Einen adeligen Bundeswehrkameraden ärgerte ich mit 'Euer Durchlocht' oder 'Hochwürgen'. Das 'schmeckt ja gar nicht mal so gut' ist doch auch daher?
Es müßten die alten Belmondo- oder Louis de Funes-Filme wiederholt werden. Die deutsche Übersetzung war oft sehr gut.
In der DDR wurde meist extra synchronisiert. So fiel bei einem Louis de Funes-Film eine Hitler-Parodie weg. Manchmal war die DDR-Übersetzung auch besser, etwa bei den dänischen 'Olsen-Bande'-Filmen. Deswegen waren die dort auch populärer als im Westen. Das 'mächtig gewaltig' von Kjeld haben Einige übernommen, aber nur diejenigen, die die DDR-Version gesehen haben.
Allein für Filmzitate könnte ein eigener Strang eröfnet werden. Was fällt Euch noch ein?
dolomiti
06.09.2001, 14:24
Ich unterschied meine Omas mit 'Meckioma', weil sie einen Pudel namens Mecki hatte, und 'Opaoma', wie diese Oma noch einen Opa hat. Logisch. Aber eignetlich nicht 70er, sondern Kindheitserinnerungen.
'mächtig gewaltig' heißt im Original übrigens 'skidde god', also 'scheiße gut'. Auch nich richtig 70er, aber wollt ich mal los werden. sorry.
Meine Großeltern bekamen von mir immer jeweils den Beinamen des Stadtteils von Berlin, in dem sie wohnten. So hatte ich einen Opa und eine Oma Gatow und einen Opa und eine Oma Staaken. Ein sehr geflügeltes Wort zwischen meinen Eltern und mir ist 'sagen Sie nichts, Hildegard' aus Loriot's Nudelsketch. Allerdings verwenden wir ihn in ganz anderen Situationen, z. B. wenn mein Vater irgend was gesagt oder gemacht hat und meine Mutter dem widerspricht 'aber das war doch so und so' oder 'aber das geht doch nicht' und dann geht es doch oder aber es war wirklich so. Dann heißt es: 'Siehste, war doch so. Sagen Sie nichts, Hildegard!' Naja und Ernies 'chrchrchr' hatte ich ja bereits erwähnt, so lacht mein Vater immer, wenn er was Witziges gesagt oder gemacht hat. Er meinte, das wäre das Gefeixe des Hundes von Heimtücke aus der Zeichentrickserie 'Tollkühne Männer in ihren wackligen Kisten' (oder wie immer die Serie hieß), bis ich ihn darüber aufgeklärt habe, dass Heimtückes Hund eher 'ffffff' feixt. Ansonsten verwenden wir gerne 'Mühe allein genügt nicht, Frau Sommer', wenn so eine ähnliche Situation auftritt wie einst bei der Kaffeetante. Mein Vater macht auch nach wie vor gerne Kermit nach und ruft dann Muppet-mäßig 'Applaus, Applaus'. Sehr gut war er auch immer im Nachmachen von Adolf Tegtmeier, von dem hatte er in den 70-ern eine Platte bekommen.
Viele Grüße
Zazie
liebe forum(s)gemeinde,
es ist wieder einmal zeit für eine kleine geschichte.
als meine großmutter mütterlicherseits (eine sehr patente frau, die auf mein verlangen hin im wohnzimmer immer 'nebel' machen konnte - mit riesengroßen zigarren!) zu grabe getragen ward, gab es hinterher natürlich auch den unvermeidlichen leichenschmaus. nein, die leiche wurde nicht verschmaust - vielmehr kaffe und kuchen.
es ist in unserer kleinen thüringischen kreisstadt A., in der ich damals noch mit meiner familie lebte, auch heute noch tradition, daß der leichenprediger (gleichgültig, ob konfessionell oder weltanschaulich neutral) zu besagtem leichenschmause eingeladen wurde und auch heute noch wird. in unserem falle handelte es sich um den örtlichen evangelischen pastor.
wer erinnert sich nicht noch an diese schrecklichen sahnesyphons aus metall mit einer druckluftpatrone zum aufschrauben: sahne rein, dingens zugeschraubt, patrone aufgesetzt, festgedreht, druckluft in die flasche, schütteln, fertige schlagsahne raus! eines der mysterien meiner kindheit! funktionierte auch mit getränken und kohlensäurepatronen.
nun, jedenfalls gab es traditionell immer einen klecks sahne auf den fruchtkuchen. die dame des hauses, hier: meine werte frau mama, bot kuchen dar und reichte sahne aus besagtem ungetüm. die frage 'noch etwas sahne, herr pfarrer?!' wurde seitdem in userer familie zum 'nochetwassahneherrpfarrer' als ausruf der hämischen freude, wenn irgendetwas bei tisch während eines familienessens daneben tropft, kleckert, fällt. meine werte frau mama verteilte seinerzeit gleichmäßig weiße tupfen in unterschiedlicher größe auf des herrn pastors schwarzem anzug. reaktionen der trauergemeinde darauf sind nicht überliefert, werden aber gern auf verlangen eruiert.
ich denke, diese geschichte sollte uns ein wenig zuum nachdenken anregen. ich wünsche Ihnen einen schönen sonntag!
camilla
Köstliche Geschichte, Camilla. Wir hatten auch so einen Siphon, weinrot war der...
Ein klassisches Fernsehzitat ist ja sicherlich das beliebte 'Ein Klavier, ein Klavier! Mutter, wir danken dir!', was immer erklang, wenn meine Mutter sich über mangelnde Aufmerksamkeit bezüglich ihrer kulinarischen Köstlichkeiten oder sonstiger Leistungen beschwerte.
Ja Bibo, Loriot ist das Stichwort! Seine Sketche aus den 70ern war mit das Beste überhaupt.
Ist Euch auch schon mal aufgefallen, daß viele Leute (Teenies aber nicht)sich köstlich amüsieren, wenn jemand in einem Bettengeschäft sich bekleidet zur Probe ins Bett legt? Das kommt garantiert vom Loriot-Sketch! Die meisten Umstehenden grinsen eigentlich immer, manchmal kommt sogar der Spruch: 'wenn meine Frau aufsteht, nimmt sie gerne eine Tasse Tee mit etwas Gebäck'. Vor einiger Zeit lag jemand in einem Dortmunder Möbelladen in einem im Schaufenster ausgestellten Bett Probe. Alle Passanten, dann auch der Verkäufer und der Probelieger selber bekamen den totalen Lach-Flash.
Der Spruch 'Ein Klavier, ein Klavier' ist mir mehr in dem Zusammenhang bekannt, daß er fällt, wenn man irgendetwas bekommt oder vorgeschwärmt bekommt, was man nicht leiden kann oder was einen nicht interessiert.
Das Klavier war übrigens ein Geschenk von Berta Panislowski aus Massachusetts - das hatte ich drin, ohne meine Loriot-Platten hören zu müssen.
Auf Anhieb fallen mir noch folgende Loriot-Sprüche ein, die immer wieder gerne genommen werden:
'Vielleicht stimmt ja mit Deinem Gefühl was nicht'
'Lassen Sie das Kind doch mal nach vorn' Bringt diesen mal in einer Menschenansammlung. Viele lachen.
'Mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht!' Kommt gut im Pool oder am Strand
'Herr Otto Mohl fühlt sich unwohl am Pol ohne Atomstrom'
'Als Frau will man was Eigenes haben'
'und dann eröffnet meine Schwester mit dem Papst eine Herrenbutike auf Island'
Wer hat noch mehr?
fritzi66
11.09.2001, 13:53
Loriot?? : 'Sagen Sie jetzt nichts!'
'Aber Sie haben da...'
auweia, die nudel, klasse!!
aber eigentlich isses ja doch das forum für familieninterne ausdrücke.. herrliche idee übrigens!! bei uns gabs 'long vehicle' für jeden LKW auf der autobahn, wegen der holländischen aufkleber!
nette familienanekdote zum thema lebensmittel: meine cousine und ich staubten bei meiner oma immer leckereien ab.eines tages führte es zu einigem gelächter, als klein-silke lautstark in die runde fragte:
'Oma, hast du Würmer?'...haha, hat mich doch damals sehr irritiert!
aber im moment fallen mir keine 70er ausdrücke mehr ein.. werd mal grübeln!
Mein Bruder (12 Jahre jünger) entdeckte irgendwann, daß unsere Katze 'Püppi' ihre Zunge heraushängen ließ, wenn man ihr über den Kopf schubberte. Ganz stolz wollte er uns erzählen:'Wißt Ihr, wie ich das gemacht habe, daß sie die Zunge so raushängen hatten laßt?' (Ganze Familie lag mit Atemnot unter'm Tisch vor Lachen.) Dieses 'raushängen hatten laßt' ist seitdem ein 'Insider-Ausdruck' in unserer Familie. Weitere durch meinen Bruder in der Kinderzeit erfundene und noch heute angewandte Ausdrücke sind:
Böper = Brötchen
Waubier = Schraubenzieher
Ein Wort aus meiner Kindheit ist 'Dusselsuppe' für Fruchtsuppe mit Backobst. Da soll ich gesagt haben, daß ich diese 'Dusselsuppe' nicht essen will.
Als ein Großonkel mir, als ich ca. 6 (?) Jahre alt war, einige Bananen mitbrachte, sagte ich zu ihm:'Deine blöden Bananen kannst Du gleich wieder mitnehmen.', weil ich diese überreifen Dinger nicht mochte und lieber Schokolade oder ähnliches gehabt hätte. Seitdem wir diese alte Anekdote irgendwann herausgekramt hatten, grölen meine Mutter und ich bei jedem Mitbringsel los: 'Deine blöden Bananen kannst Du gleich wieder mitnehmen'.
Zum Thema Loriot (ich weiß, später als die 70er) einige Zitate, die zwischen meinem Mann und mir oft gebraucht werden:
Noch Tietze, Fräulein Kekse?
Pussy, wieviel wiegst Du jetzt eigentlich?
Wo ist der Scheerbolzen für den Trulleberg?
Und von Hape noch:
Melanie, du bist jetzt sofort mau!
Hier könnte ich unendlich weiterschreiben, aber vielleicht ist es für andere etwas ermüdend zu lesen. Deshalb vielleicht ein andermal mehr. Tschuß! (wie Bubu aus den Dschungeldetektiven der Augsburger Puppenkiste)
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Ruby
Einen habe ich doch noch:
Im Chemieunterricht fragte der Lehrer eine Mitschülerin:'Martina, Sie kommen doch vom Bauernhof, Sie können uns soch sicherlich sagen, was Milch ist.' (Seine Frage zielte auf den Begriff 'Emulsion' ab.) Martina daraufhin seelenruhig:'Ich hab' noch nie 'ne Kuh gefragt.' Die Klasse konnte sich die ganze Stunde nicht mehr beruhigen. Immer wieder schrie jemand:'Ich hab' noch nie 'ne Kuh gefragt.' Dieser Ausspruch wird in unserer Familie bis heute immer wieder gern benutzt (im Zusammenhang mit Milch, Bauernhof....)
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Ruby
Stimmt, Elwood, wir lassen im Möbelgeschäft auch immer Loriots Worte los... Aber die Herrenboutique wollte die Tochter mit dem Papst in Wuppertal eröffnen, glaub ich...
Wenn bei uns in der Familie irgendwas erstaunliches passiert war, fragten wir immer in einer Mischung aus Französisch und Rheinisch: 'Qu'est que dat dann?' Woher das kommt, weiss ich nicht.
Jaja, Loriot... so manches von ihm ist auch bei uns zu geflügelten Worten geworden. Was ich auch noch immer sehr gerne sage (auch schon 80-er): 'Das, äh... sieht sehr übersichtlich aus', wenn der Teller viel zu groß für das servierte Gericht erscheint.
Vor einigen Jahren wohnte ein ehemaliger Schulkamerad aus Berlin ein paar Monate bei mir. Er hatte einige Dialoge aus Ödipussi auf Cassette und die hörten wir fast jeden Abend. Klar, dass wir dann mit Zitaten nur so um uns warfen. 'Soll ich dir das Püree nochmal aufbraten?' 'Ich find's ja ganz ganz wunderbar, dass du mit Herrn Weber übst!' 'Mit Ihnen würde ich mich in einer Tonne die Niagarafälle herabstürzen!' usw.
Einen reichhaltigen Zitateschatz gibt es bei uns auch von Gerhard Polt und Jürgen von Manger. 'Willst du dies und das essen oder lieber das und dies?' - 'Beides!'
Viele Zazies
Grüße
PetziPellePingo
14.09.2001, 16:49
Auch von mir gibt«s noch Familienworte:
In Erinnerung an den sagenhaften, bereits erwähnten, Sahnesyphon: Sahne heißt bei uns 'PFT'.
Möchtest du noch etwas 'Pft' versteht bei den Petzis jeder.
Weitere Geschichte mit Vorweg Erklärung.
Wir sind mit den Kindern in Hamburg zu Besuch, und da meine Verwandten im Stadtteil St.Pauli wohnen gehen wir an einem Sonntag mit den Kindern über die Reeperbahn. Mini Petzi, damals 10 und ihr kleiner Bruder schauen sich erstaunt die bunten Bilder nackter Damen an.
Ein Jahr später kaufen wir uns einen Hund. Dieser Hund 'übt' als Welpe schon mal was er als großer Hund tun muß wenn er eine Hündin deckt und die Kinder schauen interessiert zu. Daraufhin fragt Bruder seine Schwester Mini-Petzi was denn der Hund da macht, und die Antwort lautet:
Der Hund macht PauliPauli.
Verstanden?
Ich erklär«s aber gerne noch mal nach 23.00 Uhr.
Ooooch ist das süß! PauliPauli, das klingt doch viel netter als diese anderen blöden, harten Ausdrücke dafür. Ich bin für eine sofortige Aufnahme in den nächsten Duden!
Find ich auch toll!
Schlage aber zur Differenzierung vor:
PaulaPauli bzw. PauliPaula für Heteros und
PaulaPaula bzw. PauliPauli für die anderen.
Erkläre mich völlig einverstanden. Köstlich, diese Variationen!
Auch ein Stichwort: Ödipussi. Okay, der Film ist von 1988, aber zum Grundwortschatz in meiner Büroabteilung (ich bin Schadenregulierer in einer Versicherung) gehört: 'Ist das wieder einer von deinen Bekloppten?', wenn z.B. ein nerviger Außendienstler anruft. Die Aktenschränke, die etwas klemmen, werden als 'Modell Trulleberg' bezeichnet.
So, jetzt fahre ich ins Büro und werde mit meinen Loriot-begeisterten Kollegen ein kleines Brainstorming veranstalten. Ich melde mich dann wieder.
Meine Oma sagte immer sehr berlinerisch 'na nu mach ma Hallweje', was soviel heißen sollte wie 'na nun mach mal Halblang'. Ab und zu sage ich das auch noch. Oder wenn ich mit meinen Tieren rede, dann fühle ich mich auch an meine Oma erinnert.
Vielleicht solten wir mal einen jahrzehnteübergreifenden Loriot-Strang aufmachen, was haltet ihr davon?
Viele Grüße
Zazie
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