Vollständige Version anzeigen : Christiane F., Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Ein Buch, 1979 rausgekommen, das damals ziemlich eingeschlagen hat. Plötzlich hielt es jeder in der Hand, jeder hatte es im Regal, und wer es noch nicht hatte, wünschte es sich. Einige bekamen es nicht, weil ihre Eltern es nicht wollten. In der Schule wurde es sehr häufig diskutiert, in Deutsch, Bio, Religion... wir hatten es ausschnittsweise im Biounterricht, als das Thema Drogen angesprochen wurde (lag ja nahe, es war 1979 und wir waren so um die 14 Jahre alt). Die Geschichte der Christiane F. las sich mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination und sehr häufig kam die Kritik auf, durch Lesen des Buches würden es einige Jugendliche nun gerade mal härtere Drogen versuchen wollen. Mich persönlich hat es fasziniert, aber durchweg auf negative Weise. War ich schon immer ein Drogengegner, nach Lesen des Buches war ich es noch mehr.
Kaum ein anderes Buch spiegelt einen Teil des Zeitgeistes der 70-er so gut wider wie Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Es ist nach wie vor eines meiner Favoriten, das ich immer wieder in die Hand nehme, um darin zu lesen - dementsprechend zerfleddert sieht es nach über 20 Jahren auch aus.
Christiane F. war nach Abschluss des Buches noch lange nicht mit den Drogen fertig, wie das Ende möglicherweise suggeriert hat (ich habe es nie so empfunden; sie hatte ja den Drogen nicht vollkommen abgeschworen, sondern war, wie sie es sich einige Zeit vorher gewünscht hatte, wieder auf Kiffen umgestiegen). Sie focht auch danach noch einen jahrelangen Kampf gegen die harten Drogen und ist wohl auch jetzt noch in Behandlung. Inzwischen hat sie einen kleinen gesunden Sohn, der ihr Halt zu geben scheint.
Habt ihr das Buch auch gelesen? Wie habt ihr es empfunden? Habt ihr darüber in der Schule gesprochen?
Auf eure Beiträge freut sich
Zazie
peterthomassuschny
14.09.2001, 18:25
@Zazie
Kann ich jetzt gar nicht schwören, aber den Film habe ich zweimal gesehen, mit David Bowies berühmten Lied 'Heroes - Helden'.
Apropos kleine Rätselfrage: kennst Du auch Ziggy Stardust? Denke aber eher an 1969 bei ZD.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Hi, Zazie. Ja, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo habe ich (Jahrgang 66) damals auch gelesen, steht auch jetzt noch in meinem Bücherbord. Beim Lesen und auch später im Kino fand ich besonders die Szene eklig, wo sie das ganze Bett vollkotzt und es nicht saubermachen kann. Man stellt sich dann den Gestank automatisch dazu vor, wird ja in dem Buch auch immer wieder gern beschrieben. Nervig wurde es, als später wirklich jeder das Buch gelesen hatte und seinen Senf dazugeben mußte, besonders so schlaue Leute, die es 'Bahnhofszoo' aussprachen. Die Schauspielerin, die damals die Christiane F. im Kinofilm gespielt hat, taucht auch heutzutage noch manchmal z.B. in Krimiserien auf, sehr groß, sehr schlank, wirkt etwas männlich (androgyner Typ?). Fällt mir doch der Name nicht ein! Natascha....?
Kurz darauf kam vom selben Autor, Kai Hermann, noch ein ähnliches Buch heraus: 'Andi. Der beinahe zufällige Tod des Andreas Z., 16'. Auch so ein Stern-Buch mit Bildern und in Protokollform erzählt, handelt von einem Jugendlichen in Hamburg, der in eine 'Rocker'-Clique gerät, kriminell wird, von der Schule und aus der Lehre fliegt, keine Perspektive mehr hat und bei einem Überfall auf einen Kiosk erschossen wird. Zuerst dachte ich, noch so ein Buch auf der Christiane F.-Welle (war ja eine Zeitlang ein richtiger Boom und schon fast schick), aber dieses Buch hat mich persönlich eigentlich mehr angesprochen als Christiane F. Gerade anfang dieses Jahres habe ich es noch einmal gelesen, inzwischen natürlich aus einer ganz anderen Perspektive. Ging aber immer noch ganz schön 'unter die Haut'. Kann ich nur empfehlen, das Thema ist ja auch nach wie vor aktuell.
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Ruby
Ich hab«s damals nicht gelesen, weil es bei uns in der Stufe genau die Leute irre fanden, die ich immer doof fand. Ich habe es dann irgendwann mal nach dem Film Anfang der 80er gelesen, aber da war«s schon kein Novum mehr...
Ich kaufte es 1979. Ich weiß gar nicht, woher ich damals mit 14 die Info hatte zu diesem Buch. Ich las es, und nach mir ging mein Buch noch durch die Hände vieler meiner Schulkameradinnen. Zerfleddert - so muß 'Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' wohl aussehen.
Damals empfand ich es so, daß das Buch neugierig auf Drogen macht. Natürlich schreibt bzw. erzählt (Das Buch ist ja aufgrund von Tonaufzeichnungen entstanden) Christiane F. ernüchternd vom Leben und Sterben mit Heroin. Wie der Freundeskreis zerfällt. Wie die Existenz zerfällt.
Aber dennoch: irgendwas in ihren Erzählungen, eine winzige Kleinigkeit, schwang da immer mit, wobei ich das Gefühl bekam, daß F. dieser Szene noch immer nicht abgeschworen hat und sich dort irgendwie wie zu Hause fühlt. Das mag jetzt böses Blut geben - aber so war mein Empfinden. Andererseits: als das Buch geschrieben wurde, war F. 16 Jahre alt...
fritzi66
14.09.2001, 23:17
hallo ruby, die schauspielerin heißt Natja Brunckhorst. ich habe in meinem 'christiane F.'-buch einen 'stern'-artikel über sie deponiert, der in heft 26 1994 war: sie war 14, als sie in dem film mitgespielt hat, mit 24 hat sie eine tochter bekommen (von dem schauspieer Dominic Raacke), mit 25 ist sie an krebs erkrankt.
klar hab ich das buch gelesen und den film gesehen, chronologisch für mich aber doch eher alles 80er... und 'Heroes' von Bowie ist nachwievor eins der besten lieder überhaupt!!
über Christiane F. selber habe ich einen 'stern'-bericht von 1993 gefunden.irre, was man so alles aufhebt...
Nevergrewup
15.09.2001, 03:39
Bist Du zu Deiner Berliner Zeit eigentlich auch im 'Sound' in der Genthiner Str. in Tiergarten gewesen, Zazie? Der Laden spielte ja in dem Buch eine große Rolle, irgendwann Ende der 80er Jahre wurde er geschlossen und nie wieder eröffnet, meines Wissens ist dort heute eine Wäscherei für das nahegelegene Altenwohnheim. Ich war in den 80ern einige Male im 'Sound', die Musik war gar nicht so übel (viel Rock und Metal), daß dort Drogen gehandelt wurden, ist mir allerdings auch nicht entgangen...
Stimmt, das Thema basierte auf einer Interview-Serie im 'Stern', deshalb hatte jeder zumindest halb davon gehört.
peterthomassuschny
15.09.2001, 11:21
Also, liebe Paisley, Deine Probleme hatte ich Gott sei Dank nicht! Ich habe eine Briefmarke aus 1973, da wurde ein halber Kopf einer jungen Dame dargeestellt und die andere Hälfte war ein Totenkopf abgebildet, da habe ich schon mit 11 gewußt: Rauschgift? Nein, nicht einmal Haschisch probieren! Ferner war der bei uns 1981 zu sehen und in der Aufbau-HAK (das waren jene, die nach der Handelsschule die Matura, d. h. das Abi) so wie wir 'normalen' Handelsakademiker probieren wollten, war einer Weihnachten 1980 an einer Überdosis gestorben, den kannte ich flüchtig vom Sehen im Raucherklo, weil er immer gemeinsam mit einem aus seiner
Klasse zusammen war, mit dem ich in der 1. HAK zusammen war und dann die 2. wiederholte (da war ich aber schon in einer anderen Schule) und dann auch in die Handelsschule wechselten. Nachher sahen wir einander wieder.
Ein weiterer guter Freund ist wenige Tage vor Weihnachten 1987 ebenfalls auf diese Weise gestorben (also ein halbes Jahr nach dem 25. Geburtstag), also da konnte ich immer spielend auf diese Versuchung verstehen.
Da halte ich es lieber mit meinem Vater, einem alten Nichtraucher und gelegentlich ein Gläschen trikenden Mann: 'Von allen Lastern sind mir noch die Frauen am Liebsten!'
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Andreas Muhs
15.09.2001, 21:03
Hallo Zazie,
das Buch 'Wir Kinder...' zu lesen war eine Sache, das Gelesene bekam jedoch für mich damals eine tiefere Dimension durch meinen Vater, der zu jener Zeit Justizvollzugsbeamter war und im Drogenknast einige von Christianes Freunden und Leidensgenossen besser kennenlernte. Er konnte den Abkürzungen, wie z.B. Axel F., Detlef R. für mich Leben einhauchen und weiter erzählen, wo das Buch aufhörte...
Details habe ich nicht mehr im Kopf nach über 20 Jahren. Doch in mir bleibt das Gefühl, daß es wenig Hoffnung gibt, wenn man sich ernsthaft mit Drogen einläßt...
peterthomassuschny
15.09.2001, 21:27
Na ja, der Normalverbraucher nicht. Popmusiker, die gute Ärzte haben, konnten wie mein Idol Mick Jagger doch einige Zeit recht gut mit Drogen leben. Der weniger bekannte Hansi Dujmic ('Dewmitch') verdiente nicht so gut, also fanden ihn die Polizisten dann im Frühjahr 1988 tot ihn einem Kastenwagen in Wien. Unser bester Musiker der letzten 20 Jahre, Johann Hölzl, 'Falco', lebte auch ganz gut mit Drogen, bis er im Feber (Februar) 1998, vermutlich auch unter Drogen, beim Verlassen eines Parkplatzes in der DomRep von einem Bus gerammt wurde, wodurch er leider 41 jährig seinen letzten Falkenflug antrat ...
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Lieber PTS,
ich habe keine Probleme.
Ich habe noch nie Drogen in irgendeiner Form konsumiert.
Paisley
Ist zwar eigentlich erst in den 80ern passiert, passt aber zum Thema:
Mit 12 / 13 Jahren wollte ich mir das Buch 'Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' von unserer Stadtbücherei ausleihen. Als ich damit zur Leihstelle lief, drückte mir die Dame dort jedoch statt des Buches ein Blatt Papier in die Hand, auf dem stand: 'Ich gestatte meiner Tochter P. Bücher für Erwachsene auszuleihen - Unterschrift des Erziehungsberechtigten'. Die Frau befürchtete wohl, dass das Buch sich negativ auf meine kindliche Psyche auswirken könnte. Und ich musste extra die drei Kilometer mit dem Fahrrad nach Hause fahren, um diese Unterschrift einzuholen. Ob ich das Buch damals dann tatsächlich auch gelesen habe, bezweifle ich, denn ich war eigentlich wirklich noch zu jung dafür.
Das Schreiben steckt übrigens immer noch hinter meinem alten Büchereiausweis, aber seit dem Vorfall wollte es nie wieder jemand sehen.
peterthomassuschny
16.09.2001, 13:45
@Paisley
Bitte nicht falsch verstehen. Nur neugierig auf Drogen hat mich dieses Buch halt nicht gemacht, daß war ich wie gesagt auch mit 10, 11 Jahren nicht und da hat es auch nichts genützt, daß zu jener Zeit in der HAK von 20 Burschen in der Klasse gute 15 schon Haschisch konsumiert hatten. Auch wenn die anderen 4 enthaltsamen gemeint hätten, da kann eh nichts passieren, sollen sie meinen, ich hatte und habe stets die Angst, auch wenn Hasch vielleicht wirklich nicht ärger ist als ein Alkoholrausch, daß ich im Gefolge meine, ist eh nicht so arg und irgendwann steige ich dann halt auch auf chemische Drogen um.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
@PTS:
Schon wieder o.k.
Ich hätte damals auch keine Drogen konsumiert, selbst wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte dazu. Aber ich war neugierig, wie so ein veränderter Bewußtseinszustand wohl sein könnte.
Das geht mir aber heute noch so.
Es kommt immer drauf an, wer wann mit was zu tun bekommt.
Gruß
Paisley
Paisley, ich denke mal, es war nicht nur dein Eindruck, dass Christiane sich in gewisser Weise nach ihrer Scene sehnte, sondern es war tatsächlich so. Wenn du dich mal an den Schluss des Buches erinnerst, in welcher 'unheimlich coolen' Clique hat sich Christiane erst richtig wohl gefühlt? In der, die Drogen konsumierte. Gut, dort wurde meistens 'nur' gekifft, aber diese Gruppe war es, die von einem 'Drogen-Bauchändler' regelmäßig aufgesucht wurde, der auch Härteres zu bieten hatte. Diese Gruppe war, es, die mit ihr auf einer Wellenlänge lag, eine Gruppe Jugendlicher, die der Realität durch Kiffen entfloh. Später dann lebte Christiane einige Zeit in Griechenland - mit einem Mann, der Drogen nahm. Und so weiter. Sie hat sich immer zu Junkies hingezogen gefühlt. Erst in den letzten Jahren ist Christiane regelmäßig in Therapie, denn sie ist die ganze Zeit doch nicht von den Drogen losgekommen.
Nevergrewup, Gott bewahre, ich war nie im Sound gewesen! In den 70-ern war ich noch zu jung für die Disco, Anfang der 80-er hätte ich von Rechts wegen gedurft, aber nicht von Eltern wegen, und als ich dann damit anfing, hatte es sich auch schon so gut wie ausgesoundet. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, dorthin zu gehen, hatte ich doch das Buch gelesen und wusste, wie es dort aussieht und was dort abgeht. Nein, diese Leute und auch die Musik waren nie meine Welt gewesen; ich habe es nie erstrebenswert gefunden, ins Sound zu gehen. Irgend jemand aus dem Forum erzählte an anderer Stelle mal, dass er öfter im Sound war in den 70-ern, ich weiß aber nicht mehr wer.
Andreas, ich wollte schon fragen, ob vielleicht jemand weiß, wie es den Leuten aus Christianes Clique wohl ergangen sind und ob vielleicht noch welche leben. Kannst du dich noch an irgend was erinnern, was dein Vater dir damals erzählt hat? Übrigens, ich kannte auch jemanden aus dem Buch persönlich, allerdings nicht von den Junkies. Jene Kripobeamtin, zu der Christiane einige Male vorgeladen war und die auch eine Passage im Buch geschrieben hat, das war die Mutter meiner ersten Liebe Eddie (siehe 'Willst du mit mir gehen'-Strang). Etwas später hatte sie für einen Mordsskandal mitsamt Schlagzeile auf der Bild-Titelseite gesorgt, weil sie als Kripobeamtin mit einem ehemaligen Kriminellen zusammen war, und das durfte doch nicht sein damals. Manchmal frage ich mich, ob Eddie wegen der ganzen Geschichte so tief gesunken ist...
Überhaupt waren die 70-er ja irgendwie auch DIE Drogenjahre. Zur Hippiezeit kamen sie auf und wurden verharmlost bzw. für vollkommen ungefährlich gehalten, in Liedern wie Brown Sugar und Lady Jane von den Stones gehuldigt (womit ich nichts gegen die Stones gesagt haben will), bis es dann die ersten prominenten Drogenopfer gab: Janis Joplin, Jimi Hendrix, Keith Moon...
Ich habe mich auch immer gefragt, was für ein Feeling so ein veränderter Bewusstseinszustand wohl sein könnte. Aber ich habe genauso wie Paisley niemals irgend welche Drogen probiert. Sollte es einige gegeben haben, die durch Christianes Bericht (ich habe übrigens das Stern-Interview damals mal im Radio gehört) neugierig geworden waren - verstehen konnte und kann ich das nicht. Bei mir hat die Abschreckung viel zu sehr überwogen. Es genügte schon, mir einfach nur die Bilder anzusehen. So wollte ich auf keinen Fall werden.
Viele Grüße
Zazie
peterthomassuschny
18.09.2001, 07:00
@Zazie
Das höre ich gerne, wenn Du nichts gegen die Stones hast, die 2 mir bekanntesten Drogen-lieder von damals sind aber 'Puff, the magic dragon' von Peter Paul and Mary (deutsch von Marlene Dietrich!) und 'Don«t bogart the joint my friend' (aus 'Easy Rider'), vermutlich von Steppenwolf.
Eindeutig erst in den 80ern der 'Falke', Hansi 'Falco' Hölzel: 'Er geht auf der Straßen, was net wohin, sei Hirn voll Heavy Metall und er ist so hin! Seine Venen sind offen und es riecht nach Formalin, das alles macht eam kan Kummer, weil er is in Wien - ganz Wien macht heut auf Kokain'. Meine medizinisch gebildeten Schwestern haben mir übrigens mitgeteilt, daß das ein schwerer Stuß ist, nach Formalin riecht kein Giftler!
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
PTS, die Stones sind OK, auch wenn ich kein richtiger Fan von ihnen bin. Einige ihrer Lieder gefallen mir sehr gut.
Falco dagegen habe ich nie gemocht, sorry for that. An Drogenliedern brachte er ja in den 90-ern auch noch 'Mutter der Mann mit dem Koks ist da'.
Allerdings, den Drogenzusammenhang mit Puff the magic dragon habe ich nie verstanden.
Viele Grüße
Zazie
Schocker
18.09.2001, 12:43
Es gab damals Lieder, die vermutlich zu Unrecht in den Verdacht gerieten, Drogengenuß zu verherrlichen. Zwei Beispiele sind 'Along comes Mary' von ASSOCIATION und 'Eight miles high' von den BYRDS. Könnte es sein, daß 'Puff the magic dragon' auch dazu gehört? Für mich zumindest klingt das Lied einfach nach Märchen, nicht nach Drogen.
Mit Lucy in the sky with diamonds von den Beatles soll es sich ähnlich verhalten haben. Jeder, der das hörte, dachte sofort: Klar, LSD. Ich habe aber mal eine Geschichte gelesen, nach der irgend eine kindliche Verwandte eines Beatles ein etwas verwirrendes Bild gemalt hatte und auf die Frage, was das darstellen sollte, antwortete: 'Das ist Lucy im Himmel mit Diamanten'.
Auch zu Hotel California soll es eine Drogeninterpretation geben, aber die 'richtige' ist ja wohl eher satanistisch.
Viele Grüße
Zazie
peterthomassuschny
18.09.2001, 19:01
@Zazie
Auch ich bin kein großer Falco-Fan, ich war nur am 1. November 81 bei der 'Ersten' November-Show (von der Ersten Bank, damals noch erste österreichische Spar-Casse-Bank), damals kam er mit diesem Lied auf. Sein erster großer Hit: 'Drah Di net um, der Kommissar geht um', ist natürlich auch ein Drogen-Lied.
@Schocker
Irgendwo war einmal in den letzten 10 Jahren ein Hinweis, 'Little Jacky Paper' soll Slang für das Papier sein, mit dem die Hasch-Zigaretten gedreht werden, genaueres weiß ich aber auch nicht, da müßtest Du einen gut deutsch sprechenden Engländer aus dieser Epoche kennen, der auch die Spezialausdrücke kennt, der kann sicher weiterhelfen.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Wo hier von Bowies Lied 'Heroes' die Rede ist, will ich in die Runde fragen, ob mir jemand die Platte nennen kann, wo er es auf deutsch gesungen hat: 'Helden' ('...und dann sind wir Helden, nur für einen Tag').
Elwood, soweit ich weiß, gibt's doch gar kein 'Helden' oder? Heroes ist englisch gesungen und hat dann diese deutsche Passage. 'Du... könntest du schwimmen... dann sind wir Helden für alle Zeiten. Wir sind dann wir für diesen Tag...' Ich meine, ich bin kein Bowie-Spezialist (obwohl ich ihn mag), aber ein vollständig deutsch gesungenes 'Helden' gibt's meiner Meinung nach nicht. Ansonsten gibt es das Album 'Heroes' und sollte es doch ein vollständig deutsches 'Helden' geben, könnte ich mir vorstellen, dass es da drauf ist.
In dem Film Christiane F. bringt David Bowie übrigens noch einige andere sehr gute Lieder. Wie war das gleich... RebelRebel oder TVC15 oder waren es beide...
Viele Grüße
Zazie
Vielleicht hast Du recht, ich bin auch kein Bowie-Spezialist. Aber es gibt doch auf jeden Fall zwei Versionen, eine nur in Englisch?!?!
Vielleicht hast Du recht, ich bin auch kein Bowie-Spezialist. Aber es gibt doch auf jeden Fall zwei Versionen, eine nur in Englisch?!?!
Elwood, ich glaube, da täuschst du dich. Meines Erachtens gibt es nur diese eine Version englisch mit deutscher Passage. Aber vielleicht sollten wir diese Frage mal im Musikstrang stellen. Mach ich jetzt gleich mal! Ich will das nämlich auch gerne wissen.
Viele Grüße
Zazie
Die Heldenfrage habe ich grad im Musikstrang geklärt.
@Zazie: 'Mutter, der Mann mit dem Koks ist da' stammt schon aus den 20er-Jahren, in denen es überhaupt eine ganze Menge Drogensongs gab (Ein Bekannter von mir hat da mal eine Diplomarbeit drüber geschrieben)
@fast alle: Die Drogendebatte hier finde ich etwas altväterlich, sorry. Kenne etliche Leute, die seit 20 Jahren gemütlich kiffen, im Alltag bestens funktionieren, keine anderen Substanzen anrühren und auch keineswegs 'süchtig' sind.
Aus welcher Sozialpädagogenecke das Klischee von der 'realitätsflucht' kommt, bleibt mir auch ein Rätsel. Als Kiffer entkommt man der Realität sicher nicht, im Gegenteil: Gras / Haschisch sind Stimmungsverstärker und schärfen die Sinnesorgane. Der 'veränderte Bewußtseinszustand' kann sich etwa in der Fähigkeit zeigen, Musik zu 'sehen' und im Kopf die seltsamsten Assoziationsketten zusammenzuschrauben, weil hier Dinge zusammenkommen, die unsere konditionierte Alltagslogik fein säuberlich voneinander trennt. (Ein Ergebnis davon ist u.a. der absurde 'Kifferhumor', der für andere schwer nachvollziehbar ist).
Richtig ist natürlich, dass ein Zuviel von alledem auf Dauer lethargisch und konfus macht.
peterthomassuschny
19.09.2001, 19:31
@Zazie
Den Bowie? Ja, die Idee mit dem Ziggy Stardust war gut, aber der Scherz, daß Hitler der erste Rock«n«Roll-Star war, ist leider auch vom Herrn Bowie. Also: ich will dem Mick Jagger nicht seine gelegentlichen Bettgenossen (wenns einmal keine Frauen sein sollen) nicht einteilen, aber Bowie-Fan könnte ich nicht sein.
@Peter Lu
Jeder nach seinem Geschmack, die einen trinken Alkohol in rauhen Mengen, die anderen kiffen, glaube aber persönlich noch immer, daß ich beim Trinken von Wein oder Bier kaum auf Schnaps oder solchen Fusel umsteige, der mit Blindenstock ausgeliefert wird, bei Drogen haben aber mindestens die 2 Toten die ich persönlich kannte, mit Haschisch begonnen. Meine Schwiegermutter, die vor unserer Hochzeit verstorben ist, war leider auch Alkoholikerin, aber die meisten die ich kenne, machen das eher aus Kummer um zu vergessen, von allen, die - so wie ich auch schon mit 17, 18 Jahren - deshalb schon ein paar wenige Male im 'Öl' waren, weil es lustig ist (zumindest nach damaliger Denkweise), ist keiner alkoholkrank geworden.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
PTS, wenn jemand mit Haschisch anfängt und dann auf was härteres umsteigt, liegts nicht am Haschisch sondern daran, dass der Betreffende schon ein hausgemachtes Problem mitbringt, das ihn zur 'Suchtpersönlichkeit' prädestiniert. Ich bin ziemlich sicher, dass die ganzen Kandidaten, die an Koks oder Heroin hängengeblieben sind, wahrscheinlich Alkoholiker geworden wären, wenn sie die anderen Drogen nicht gehabt hätten. Die Zahl der Kiffer, die tatsächlich mit allen Konsequenzen auf harte Sachen umsteigen, ist erwiesenermaßen sehr gering.
Was Bowies Scherz über Hitler betrifft: Das dürfte sich auf das Gespür der Nazis für massenwirksame Inszenierung inklusive Lightshow, großer Gesten und popkonzertmäßiger Hysterie bezogen haben.
PeterLu, das ist noch was, wo ich mit dir nicht konform gehe. Nenn mich meinetwegen 'altmütterlich' wenn du willst, ich bin absolut strikt gegen Drogen. Auch lässt sich wohl nicht bestreiten, dass viele Jugendliche, die schon in sehr jungen Jahren mit Shit anfangen, früher oder später mal zu was Härterem greifen, einfach weil ihnen der Kick nicht mehr genügt. Christiane F. und Konsorten haben es in den 70-ern vorgemacht und es ist auch heute noch so. Und es IST eine Realitätsflucht, von dieser Meinung kann mich keiner abbringen. Warum ein bestimmtes Musikstück auf Drogen genießen, wenn dieses Musikstück an sich schon Droge genug ist? Du solltest mich mal beim intensiven Musikhören beobachten (oder nee, besser nicht :-))! Genauso wie an Musik kann ich mich auch an der Natur berauschen, dazu brauche ich keine bewusstseinserweiternden Substanzen.
Haschisch ist NICHT die harmlose Droge, von der immer gelabert wird, das kann mir keiner erzählen. Auch von Haschisch kann man abhängig werden, wenn man zuviel davon nimmt. Das hast du ja selber auch gesagt. Und ich bin sowieso der Meinung, dass unsere so genannten westlich-zivilisierten Kulturen nicht mit Drogen umgehen können (Alkohol mit inbegriffen).
Seit einiger Zeit treffe ich mich, wenn ich in Berlin bin, wieder mit meiner Buddelkastenfreundin. Wir tauschen Erinnerungen an unsere Kindheit aus und ich bin eindeutig diejenige, die sich an weitaus mehr und Detaillierteres erinnert als sie. O-Ton meine Freundin: 'Wirklich, so war das? Davon weiß ich ja gar nichts mehr. Vielleicht sollte ich in meinem nächsten Leben weniger kiffen, irgendwie habe ich mir alle diese Erinnerungen aus dem Kopf gequarzt, habe ich das Gefühl.' Und meine Freundin war eine, die nicht wie Christiane F. mit 12/13 damit angefangen hat, sondern sie war schon 18, hatte ebenfalls Christiane F. gelesen und wollte auch nicht so werden, sie war also weit davon entfernt, was Härteres zu probieren.
Die beste Droge ist immer noch ein klarer Kopf - hat schon Udo Lindenberg gesagt! Obwohl, der alte Schluckspecht, der soll sich mal an die eigene Nase fassen... egal, der Spruch trifft es!
Viele Grüße
Zazie
Zazie, nie im Leben würde ich dich als altmütterlich bezeichnen, und in zwei Punkten sind wir uns schon grundlegend einig: Ganz junge Leute sollten grundsätzlich die Finger von alledem lassen, und: Zuviel von was auch immer ist nie gesund, egal ob Rotwein oder roter Libanese. Dass man sich von Haschisch abhängig machen kann, stelle ich auch nicht in Abrede, ich habe auch Leute gekannt, die es übertrieben und irgendwann nichts mehr auf die Reihe gekriegt haben. Aber das ist wie gesagt, ein Problem der jeweiligen Persönlichkeit und ihrer Situation und nicht der Droge an sich - dass Hanfprodukte von sich aus keinerlei Abhängigkeit hervorrufen ist längst erwiesene Sache.
Was mich am gängigen Drogen-Diskurs einfach stört ist der stillschweigende, allgemeine Konsens darüber, dass JEDER Konsument illegaler Drogen von vornherein aus mehr oder minder pathologischen Motiven handelt, während niemand auf die Idee kommen würde, einem genießerischen, maßvollen Rotweintrinker Realitätsflucht vorzuwerfen und besorgt seine Kindheit auf Defizite abzuklopfen. Ist es so unvorstellbar, dass man einen Joint einfach aus purem Genuß und Spaß an der Freude raucht?
peterthomassuschny
20.09.2001, 18:50
@PeterLu
Bei Männern fortgeschrittenen Alters (was ich so mitbekommen habe, bist Du 8 Jahre älter als ich) sorge ich mich auch nicht so, ich habe auch erst mit 28 den Motorradschein nachgemacht und da hatte ich schon 9 Jahre den Autoführerschein. Bin zwar seit damals noch keinen cm Motorrad gefahren, möchte mir irgendwann einmal ein richtiges Seitenwagengerät zulegen, vielleicht schaffe ich das einmal bei meinem astronomischen Zwilling, der hat schon seit 20 Jahren seine Puch 250 SGS mit Beiwagen (Gott sei Dank, dadurch hat die noch schwarze Kennzeichen, wie es sich für einen Oldie gehört).
D. h. wenn ich mich mit so um die 40 herum draufsetze, ist das nicht so arg, wenn ich gleich mit dem Motorradfahren begonnen hätte, würde ich hier vermutlich gar nicht schreiben, mein erstes Moped habe ich auch erst mit 18 gehabt (in Ö sowieso erst ab 16 erlaubt), aber es sind wirklich viele noch nicht reif, nach 10 1/2 Jahren als Berufskraftfahrer erlaube ich mir, das so zu beurteilen.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Zazie, schau dir mal diese Antwort an! Das ist ein Prachtbeispiel für eine besonders schön wildwuchernde Assoziationskette - und ein Beweis: es geht auch ohne Drogen! (Nicht böse sein, PTS, Botschaft ist angekommen!)
Stimmt, das hatte voll viel mit Christiane F. zu tun. Prust! http://www.alles-bonanza.de/ubb//biggrin.gif
*Brüll* :-))))
PTS nicht böse sein, aber das war jetzt wirklich sehr lustig :-)))
(Beitrag wurde von Zazie am 21.09.2001 um 00:06 Uhr bearbeitet.)
Ich glaube, jetzt ist aber der Computer unter Drogen. Wie kann ich etwas am 21.9. um 00.06 bearbeitet haben, was ich erst am selben Tag um 12:05 geschrieben haben soll, zumal es jetzt gerade der 21.9. und 10:25 ist??? Rätsel...
Aaah, jetzt! Er ist aufgewacht! Ehrlich wahr, genauso stand das eben noch da!
Zazie, mach dir keine Sorgen, ich kenne das, das gibt sich wieder wenn du das Zeug mal zwei, drei Wochen absetzt.
PeterLu, das war mir vollkommen klar, dass so 'ne Antwort kommen würde! Ich kann dich förmlich denken hören: Jaja, die Zazie, da sitzt 'se mit altmütterlich erhobenem Zeigefinger hintern PC und predigt uns was über die Schädlichkeit von Shit, dabei isse selber stoned bis obenhin, so doll, dass 'se noch nicht mal die Datums- und Uhrzeitangaben ihrer Postings richtig erkennen kann und dann auch noch dem unschuldigen PC die Schuld dafür gibt, har har har! :-)
Zurück zum Thema.
Einen genießerischen maßvollen Rotweintrinker mit einem Kiffer gleichzusetzen finde ich etwas an den Haaren herbeigezogen, selbst wenn beide 'ihre Droge' noch so sehr genießen, wie du es ausgedrückt hast.
Ein Rotweintrinker sucht sein Tröpfchen oftmals sorgfältig aus und trinkt den Wein dann meistens zu einer guten Mahlzeit oder behaglich abends vor dem Kamin (um mal ein besonders 'kuscheliges' Beispiel zu nennen). Er nimmt den Rotwein nicht mit der Absicht zu sich, sein Bewusstsein zu erweitern, ja noch nicht einmal, um sich zu besaufen (wir sprechen ja hier vom MASSVOLLEN Rotweintrinker, gell). Demnach ist das keine Realitätsflucht, denn er fühlt sich durchaus wohl in der Realität!
Ein Kiffer dagegen zieht seinen Joint mit der Absicht durch, in eine andere Welt abzutauchen, oftmals, weil er mit der derzeitigen nicht zufrieden ist. In dem Moment setze ich ih mit dem Alkoholtrinker gleich, der sich absichtlich betrinkt. Ist das nun Realitätsflucht oder nicht??? Lies mal nochmal bei Christiane F. nach, da steht es genau so geschrieben mit dem 'Abschalten von der Scheißwelt und dem Scheißjob' und so! In Anbetracht dessen ist es doch klar, dass man sich fragt, was der Grund ist, dass der Kiffer der Realität mittels Dampf in seinem Hirn entfliehen will.
Ich muss es mal so krass sagen, wie ich es denke: Gepflegtes Weintrinken finde ich kultiviert. Kiffen finde ich primitiv.
Viele Grüße
Zazie
peterthomassuschny
21.09.2001, 20:16
Also nocheinmal, nur nicht für den Spleen, weil der versteht sowieso nichts.
Wenn der PeterLu meint, daß Männer seines Alters kiffen dürfen (ohne zu beurteilen, ob er es macht oder nicht, das ist sowieso seine Sache), so sind die sicher reif, daß richtig abzuschätzen.
Ich selber würde dennoch auch nur ärztlicher Aufsicht (soll ja eine Schmerztherapie sein) Haschisch oder Drogen nehmen, auch mit Mitte oder Ende der 40er wird sich daran nichts ändern, es sei denn, ich überschlage mich mit dem Seitenwagen (mit dem ich noch gar nicht fahre) und es müßte mir ein Bein amputiert werden, dann ist es aber sowieso wieder ein schmerzstillendes Mittel.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Zazie, lass uns doch noch einen Strang aufmachen 'Warum Männer und Frauen immer aneinander vorbeireden' ;-)
Die Geschichte von Christiane F. und ihren Freunden geht übel aus, weil sie nicht sehen, in welche Falle sie tappen. Es macht schon einen Unterschied, ob man dauerhaft aus einer drögen Realität fliehen möchte (was nicht geht), oder ob man einfach nur Lust hat, aus einer ansonsten ganz okayen Realität heraus mal ab und zu ein paar Stündchen Urlaub zu nehmen, das Ganze aus einer anderen Perspektive zu betrachten und sich ein paar sinnliche Kicks zusätzlich zum Alltagsangebot zu verschaffen. Schließlich kehrt man am nächsten Tag wieder aus dem Urlaub zurück, geht wieder zur Arbeit, schreibt Internetforen voll und macht, was man halt ansonsten machen muß oder machen möchte.
Und - auch wenn der Vergleich ein bisschen an meinen schütteren Haaren herbeigezogen ist - auch der gepflegteste Rotweintrinker genießt den kleinen Kick. Da kannste mir nix erzählen.
Recht habt Ihr beide irgendwie, aber ich finde, auch ein bißchen unrecht.
Das gezielte Zudröhnen des Zudröhnens willen ist prollig, egal womit. Mega-schäbig finde ich es auch, mit einem Bier in der Hand auf der Straße rumzulaufen. Wer macht das? Ich noch nicht mal auf Betriebsausflügen.
Was das 'Urlaub machen' angeht, so sage ich mal ganz boshaft, daß das nur Leute tun, die ein uninteressantes, langweiliges, erbärmliches oder wie auch immer negativ angehauchtes Leben führen. Wenn ich zufrieden und glücklich mit mir, meinem Umfeld, meinem Leben überhaupt bin, brauche ich das nicht. Wozu?
Ich für meinen Teil habe mich noch nie gezielt zugedröhnt, okay, natürlich ist es auf Parties schon mal irgendwie passiert, aber den festen Vorsatz 'Heute knalle ich mir einen', hatte ich nie. Und wenn man das Trinken oder Kiffen (oder was auch immer) nach Beginn nicht stoppen kann, und mit oder ohne Ausrede weitermacht, ist das völlig unzweifelhaft klares Suchtverhalten, egal, was man sich einredet.
Außerdem finde ich es interessant, Leute die ich kenne, im bedröhnten Zustand zu beobachten. Das ist immer sehr aufschlußreich.
Ich gehöre zu denjenigen, die in der Zeit nach entsprechenden Veranstaltungen fröhlich allwissend grinsend (oder peinlich berührt wegsehend) auf andere Teilnehmer zugehen. Die haben sich daneben benommen, nicht ich. Das könnte, tiefenpsychologisch gesehen, auch was mit Machtverhalten zu tun haben.
Aber auch der Rotweintrinker genießt einen gewissen Kick, da hat PeterLu recht. Gerade komme ich mit drei guten Tröpfchen zur Tür rein. Natürlich werde ich den Wein nicht einfach so wegziehen, sondern am gemütlichen Abenden mit Freundin (zur Not auch ohne) langsam wegsüffeln. Ich liebe es, mich nach einigen Gläschen mit einen wohlig-infantilen Grinsen zu Bette zu begeben. Meine Freundin gibt mir noch den Countdown und weg bin ich. Das ist angenehm - aber m.E. noch lange kein 'Urlaub machen'.
Vor Jahren habe ich als Nichtraucher auch mal Joints probiert: diesen Kick (Unruhe, Hibbeligkeit, Schweißausbrüche) kann ich auch billiger haben. Ich nehme eine Tüte Chips oder eine Fertigsuppe zu mir. Die Wirkung ist für mich die Gleiche (bin Glutamat-allergisch).
peterthomassuschny
22.09.2001, 09:02
Übrigens weil es mir gerade auffällt:
Außer bei meiner Maturareise oder bei irgendeiner Feier, wo ich den guten israelischen Dessertwein, der sich Carmel nennt, getrunken habe: wieso Rotwein? Weisser ist doch viel besser!
Das hat aber bitte nichts mit meinen politischen Weltbild zu tun, sonst müßte ich ja immer das Guiness-Bier trinken, das seit den 90ern auch in Wien immer mehr verbreitet ist, weil es einige irische Pubs gibt (ab Ende der 80er aufgekommen). Dazu muß ich aber viele Nüsse essen oder Chips oder Soletti (Soletti - immer dabei! Paßt auf ein 60er-Werbevideo!).
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Elwood, das war super. Stimme dir vollinhaltlich zu und das vor allem in den Absätzen, die von 'Urlaub' handeln. Und das mit den Leuten, die sich auf Feten daneben benommen haben und man selber nicht - grins! :-)
PeterLu, ich fand jetzt gar nicht, dass wir so doll aneinander vorbei geredet haben. Ich verstehe schon, was du meinst. Ich rede eher von Sucht und Suchtverhalten und du eher vom relaxten ab-und-zu-Kiffen, richtig? Ja, das ist, weil ich Haschisch für nicht so harmlos halte, wie es immer gemacht wird und ich sehr wohl finde, dass die Gefahr zur (psychischen) Abhängigkeit nicht gering ist. In Berlin habe ich sogar ein Buch zu dem Thema gesehen (in diesem Buch-Kramladen in der Budapester Str., wer es genau wissen möchte). Da war das ganze auch noch detailliert chemisch erklärt. Einen Tag vorher kam ich in eine Pro-Kiffer-Demo oder besser gesagt, sie kam an mir vorbei. Ich konnte mich mit den Leuten überhaupt nicht identifizieren. Zwar habe ich selber eher eine Hippie- und Bohémien-Mentalität, aber trotz allem bevorzuge ich den Kick eines guten Weins (und ja, ich bevorzuge eindeutig Roten). Klar ist das 'n Kick. Aber Elwood hat den ganz richtig beschrieben - genauso isses für mich auch.
Naja und wie gesagt, einen ähnlich tollen Kick hole ich mir auch mit Musik oder der Natur.
Viele Grüße
Zazie
Ich gebs auf. Gleich werde ich im Halbbildungsforum laut um Hilfe schreien. Da können sich dann alle Experten einfinden, die im Leben zwar schon mal gezogen, aber nicht inhaliert bzw. schon mal genippt, aber nicht geschluckt haben.
Boah PeterLu, gleichzeitig! Ob das wohl einmalig im Forum ist?
Guten Morgen, Zazie! Das kann kein Zufall sein, gelle? Mit den Leuten auf den Legalize-it-Demos kann ich mich auch nicht identifizieren, es sind meist diejenigen, bei denen die Kifferei zum Leitmotiv des Lebens geworden ist. Mit ihrem Anliegen hingegen schon, diese Verbote richten einfach nur Schaden an.
Kleiner Abschwiff: Mir fällt zu diesem Thema grad eine Jahre zurückliegende Pro & Contra-Sendung ein, die wunderschön illustrierte, wie manipulativ mit diesem Thema umgegangen wird. Es ging um die Legalisierung 'weicher' Drogen. Als 'Pro'-Anwalt hatte die ARD irgend einen alten Hippie von der Straße ins Studio gezerrt, der über einen ganzen Sack voll prächtiger Argumente verfügte, sich vor der Kamera aber weder zu verkaufen noch brillant auszudrücken wußte. Als 'Contra'-Vertreter hingegen stand der ebenso medienerprobte wie eitle Star-Anwalt Bossi vor der Kamera, der sämtliche abgestandenen Klischees und Dummbeuteleien mit einem derart geschliffenen Charme aus seinem Heißluftgebläse orgelte, dass er die Herzen aller Muttchen vor dem TV-Bildschirm im Sturm nahm. Wie die anschließende TED-Abstimmung ausgegangen ist, läßt sich denken.
Leitmotiv des Lebens, du sagst es. Und damit bzw. mit solchen Leuten kann ich am allerwenigsten anfangen.
Ja, diese Pro & Contra-Sendung war schon sehr manipulativ, so wie du sie geschildert hast. Besser wäre es gewesen, wenn sie anstatt des Hippies einen im Anzug (oder einen anderen seriös wirkenden) hingesetzt und ihm einen Arzt anstatt eines Anwalts gegenübergestellt hätten. Was weiß ein Anwalt denn schon davon, außer dass jegliche bewusstseinserweiternden Drogen illegal sind.
Viele Grüße
Zazie
Moin Alle (hallo Zazie),
mußte mich mal eben schlau machen, was hier so über Drogen geredet wird.
Ich habe übrigens Christiane F. weder gelesen noch gesehen - damals stand ich auf dem Standpunkt: Alle selber schuld, Haschsüchtige und Heroinraucher - sind alle vom Teufel. Nicht drüber reden, schnell verurteilen, sich besser als die Idioten fühlen und abends bei jeder Menge Alkohol in einem Zirkel Gleichgesinnter drüber herziehen. Heute weiß ich es besser. Bin zwar immer noch kein Fan vom 'Zuviel', aber ein guter Joint (mit leckerem Gras) oder ein guter Wein haben doch gewisse Vorzüge.
Und wenn man sich die Geschichte des Hanfes mal in Ruhe zu Gemüte führt, ist es es schon eine Tolle Pflanze - alle Bestandteile! Fragt mal Schmerzpatienten, die endlich wieder Produkte daraus legal nutzen können.
Oder Bauern, die von der Bodenverbesserung durch Hanfanbau reden. Und ich glaube auch, dass der normale Gelegenheitskiffer dem Durchschnittsalkoholkonsumenten durchaus vorzuziehen ist. Schlägereien durch Joints sind mir bisher nicht bekannt.
Ich will hier nicht Äpfel und Birnen vergleichen, glaube nur, dass es einfach auf das richtige Maß ankommt und man eine gewisse Reife für gewisse Dinge braucht.
Ich habe meinen ersten Joint mit Dreißig geraucht, mein erstes Bier mit Vierzehn getrunken, ich finde schon, dass das erschreckend ist.
Im übrigen finde ich Zazies Spruch mit dem Kick durch Natur und Musik gut. Geht mir genauso, deswegen mache ich jetzt auch einen Spaziergang durch die Septembersonne am platten Niederrhein.
Grüsse Dietmar
Prof_Bienlein
23.09.2001, 22:25
Wollte nur anmerken: Das My-Lai-Massaker in Vietnam 1968 wurde auch von GIs im Cannabis-Rausch angerichtet...Ob jeder seine Grenzen kennt?
Also dass Hanf eine tolle Pflanze ist, das steht außer Frage. Es gibt ja nicht nur den Hanf der Gattung Cannabis, also die einzig rauchbare, sondern noch andere. In Sachsen-Anhalt habe ich riesige Hanffelder gesehen. Die Faser bietet Rohstoffe, Öl uvm. In Berlin-Kreuzberg gibt es ein Geschäft nur für Hanfprodukte, da gibt's sogar Hanfbier. Und Drogen als Schmerzstiller, das finde ich auch voll in Ordnung. In dem Moment wird sie ja auch ärztlich verabreicht und da gibt's dann ja nicht nur Cannabis, sondern auch Morphium. Es geht mir wirklich nur um die Realitätsflucht, das absichtliche Birne-Vollknallen.
Bienlein, das mit My Lai wusste ich nicht, ist aber sehr interessant und natürlich auch Bestätigung für meine Meinung.
Viele Grüße
Zazie
Trinkt um Himmelswillen nicht dieses Hanf-Bier! Es schmeckt grausam.
Vor längerer Zeit hat meine Mutter mal Hanf-Brot gekauft. War auch nicht lecker.
Herr Professor, wenn man den Berichten aus Vietnam trauen darf, waren die meisten GIâs in dieser Zeit ständig mit irgend etwas zugeknallt, und die Gerüchte über geheime Experimente mit aggressionsfördernden Drogen sind auch nicht widerlegt.
In den USA fing man in den 20er, 30er-Jahren an, Marihuana als 'Killerdroge' zu präsentieren; mit Zeitungsmeldungen ˆ la 'Joint geraucht, Familie geschlachtet' oder aus heutiger Perspektive grotesken Propagandafilmen wie 'Reefer Madness'. Zu Beginn des 2. Weltkriegs schwenkte man dann aus pragmatischen Gründen um 180 Grad: Aus der 'Killerdroge' wurde plötzlich das Kraut, das lethargisch, gleichgültig und unangemessen friedfertig macht.
peterthomassuschny
25.09.2001, 01:03
Das stimmt schon, daß My Lai schrecklich war, aber es wurde in der Wiener Zeitung mit Lidice verglichen und die Wehrmachtssoldaten hatten kein Haschisch genommen, zumindest ist nichts bekannt. Oder das Massaker unter Priebke in den ardeatinischen Höhlen, vermutlich 1944, wenn ich das jetzt richtig in Erinnerung habe.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Stahlratte
02.10.2001, 20:32
Halloooo!
Dafür, daß hier kaum einer mal was mit den sog. 'illegalen'(weil staatlich verbotenen) Drogen zu tun gehabt haben will, interessiert das Thema doch wohl !
also, erstmal ein kleines Outing :
ICH HABE INHALIERT !
Das mußte einfach raus.
Zu verschiedenen, immer wieder schön durchgekauten Statements möchte ich doch meine eigenen (inzwischen aus Überzeugung cleanen) Gedanken dazugeben:
Einstiegsdrogen in unserem Kulturkreis sind und waren Alkohol und Nikotin. Haschisch und die anderen Substanzen sind schwerer zu beschaffen. Die beiden erstgenannten sind legal und rund um die Uhr zu haben. Daran verdient sich der Staat eine goldene Nase.
(Nikotinwerbung ist im TV verboten - Alkwerbung nicht - gute alte Doppelmoral...)
Es geht bei der Diskussion nicht um die Feinschmecker, die ihrem Job nachgehen, ihr Leben im Griff haben und abends zur Entspannung Rotwein oder grünen Türken konsumieren - JEDE Droge kann bei entsprechender Disposition zu bleibenden Schäden , sprich, Psychosen führen - und davon sind verdammt viele Leute betroffen (glaubts mir - ich seh sie jeden Tag).
ausserdem gibts wirklich sowas wie eine 'Suchtstruktur' - geprägt durch Vorbilder in der eigenen Familie und weiteren Faktoren, vielleicht auch geerbten
(who knows?) bleibt der eine hängen, der andere nicht.
Wer zu Drogen greift, hat Probleme und findet keine andere Lösungsstrategie - da sind alle gefordert, dem Betroffenen zu helfen, andere Wege der Problemlösung zu finden.
Solange es Menschen gibt, wird es Drogen geben.
Die allerschlimmste Droge ist nach wie vor Alkohol, keine andere Substanz hat mehr Abhängige, Folgeerscheinungen und Tote auf dem Gewissen (Alk am Steuer...)
Christiane F. fand ich bedenklich, da das Ende ein Stück weit suggerierte, man könne heroinabhängig werden und auch wieder davon loskommen - ein fragwürdiges Ende für einen Film mit dem Thema....
Noch ein Leckerli zum Schluß :
Heroin ist eine deutsche (genauer gesagt preußische) Erfindung, die den heldenhaften Soldaten (den 'Heroen' eben) vor einer Schlacht gegeben wurde, um ihren Kampfgeist zu stärken!!!! (die Story hab ich von einem sehr glaubwürdigen Psychiater,deswegen nie persönlich überprüft-berichtigt mich, wenn ich mich irren sollte !)
Mit abstinenten Grüßen
------------------
Bolivar DiGriz
taucht prustend aus den Tiefen des Gurkenglases (eher Gurken-Bassins) wieder auf
Gewuppt für Piktogramma
Klicker-Klacker
12.02.2004, 21:27
Ursprünglich gepostet von Paisley
Damals empfand ich es so, daß das Buch neugierig auf Drogen macht.
Solche Gedanken hatte ich beim Lesen auch, es blieb aber bei dem Gedanken.
Klicker-Klacker
12.02.2004, 21:38
Ursprünglich gepostet von Elwood
Trinkt um Himmelswillen nicht dieses Hanf-Bier! Es schmeckt grausam.
Vor längerer Zeit hat meine Mutter mal Hanf-Brot gekauft. War auch nicht lecker.
Ich war zwar so blöde es selbst zu kaufen, aber lieber Kein Bier als diese Brühe...
Aaaaber... Mal wieder zurück zum Thread... ;)
Ich habe den Soundtrack zum Film (natürlich auch LP), wenn ich es Richtig in Erinnerung habe, gab es die LP nur als der Film lief zu kaufen. Der DrMusic kann mich gerne korrigieren wenn ich falsch liege. Mitte der 90er habe ich dann auf einer Platten- und CD-Börse den Soundtrack auf CD gesehen und gekauft. Miese Qualität... Man hörte das Aussetzen der Nadel und die üblichen Geräuche einer Schallplatte...
Nur das Buch ist inzwischen spurlos verschwunden... Schaun mer mal ob bei Ebay was zu finden ist, also die Originalausgabe natürlich.
Ach ja, zeitlich gesehen ist Christiane F. eindeutig den 80er zuzuordnen...
Klicker, das Buch ist aus den SIEBZIGERN! Die ganze Geschichte ist in den Siebzigern passiert. Das Buch kam 1979 raus und rein zufällig hat's der Film erst 1981 geschafft, weil in den 70-ern nicht mehr genug Zeit dafür war. Das ist aber auch das Allereinzigste, was an der Sache 80-er ist. Wie kommst du dazu, es "eindeutig" den 80-ern zuzuordnen?
Das Buch gibt es wieder so ziemlich in jeder Bahnhofsbuchhandlung. Nur vom Format her ist es etwas kleiner.
Und dass das Buch manche Leute neugierig auf Drogen machte, das ist ein Thema, was ich gerne noch näher untersuchen würde. Warum ist das so? Es ist doch alles so obereklig beschrieben, die Entzüge, der körpeliche Verfall, das Anschaffen, die ganze Beschafunskriminalität, der Turkey... bei all dem gehen die Stellen, wo was von schönen Gefühlen nach dem Drogenkonsum doch total unter. Es soll tatsächlich Leute geben, die sich heute noch auf Christianes Spuren begeben, nachdem sie das Buch gelesen haben. Ich verstehe es nicht und werde es nie verstehen.
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