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Vollständige Version anzeigen : Als Oma und Opa noch lebten


Ruby
15.09.2001, 15:20
Wenn ich es recht bedenke, sind die 70er für mich (Jahrgang 66) die Zeit, wo Oma und Opa noch lebten. Sogar mit uns zusammen in einem Haus.
Mein Opa war ein richtiger knorriger Naturbursche und früher Holzfäller gewesen. Eines Tages kam ich in die Küche und er saß mit der Kneifzange am Küchentisch. Zog sich einen Eckzahl selbst heraus. Der 'olle Biesterfeld' (Zahnarzt) sollte sein Geld nicht haben. Ich habe fasziniert zugesehen. Den Zahn durfte ich leider nicht haben, der landete im Müll, keine Widerrede.
Meine Oma war eine, die aus zerschlissenen Hemden abends an der Tret-Nähmaschine noch Taschentücher in verschiedenen Größen nähte. Einige, kann ich mich noch erinnern, waren naturweiß mit orangen und braunen Karos. Wurden aber gern und oft benutzt, wieder gewaschen und dann säuberlich zu Quadraten oder Rechtecken plattgebügelt. Meine Oma hatte auch so Sitzkissen in orange-geblümt und grün-geblümt. Die waren quadratisch, in der Mitte faltbar, hatten Griffe aus Stoff und Bänder zum Zusammenbinden. Die konnte man wie einen kleinen Koffer zur Gartenbank, zum Friedhof etc. tragen, paßten auch genau auf den Fahrrad-Gepäckträger. Würde auch in die Rubrik 'Dinge, die es nicht mehr gibt' passen (Die Sitzkissen, meine ich. Naja, meine Großeltern auch nicht.)
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Ruby

Bibo
15.09.2001, 17:34
Meine Opas hab ich leider beide nicht mehr miterlebt. Ich beneide jeden, der einen Opa hat/hatte.
Meine Oma mütterlicherseits ist 1976 gestorben, ein Jahr bevor ich in die Schule kam. Vorher hat sie an den Folgen eines Schlaganfalls gelitten und wurde von meiner Mutter gepflegt. Vorher war sie besonders für uns Kinder da, sei hat uns das Zählen beigebracht und sang mit uns: 'Liebe Mama, komm doch bald, sonst wird uns der Kaffee kalt', wenn wir auf meine Mutter warteten. Mit meinem Bruder ist sie immer zum Metzger gegangen und hat im Park schon mal das Roastbeef probiert. Sie konnte tollen Weck backen und schmiss den Teig immer auf eine Unterlage auf dem Boden, um ihn so richtig durchzukneten. Wenn ich Hefeteig naschte, warnte sie immer: Pass auf, davon jeht dir der Buck (=Bauch) uff! Sie hatte immer eine Dose Quality Street im Regal oder Pfefferminzbonbons in rosa und weiss und es stand immer eine Parfumsprayflasche mit so einem 'Toddel' rum, auf den man drücken musste und dann roch es nach Lavendel. Sie sah ein wenig aus wie Miss Marple (Margret Rutherford).
Meine andere Oma starb erst 1996 an den Folgen eines Wirbelsäulenbruchs, sonst wär sie statt 86 100 geworden, denn sie war vorher topfit. Sie hat uns als Kinder oft gehütet. Bewundernswert fand ich, dass sie so schmerzfrei war, denn sie zerquetschte Wespen mit dem Daumen. Sie erzählte immer von dem Stich einer Hornisse und fand Wespen harmlos. Aussderdem konnte sie Gänse rupfen und superlecker kochen und jedes Jahr zu ihrem Geburtstag zu St. Martin gabs Gans. Wenn wir sie besuchten, lasen mein Bruder immer alle Klatschzeitschriften und bekamen Süßigkeiten. Weihnachten besuchte sie immer reihum eins ihrer Kinder und wenn sie bei uns war, saßen wir besonders pünktlich in der Kindermette.

peterthomassuschny
15.09.2001, 22:22
Ich bin genau jene Generation, die Mira Lobe in den 1964 erschienenen 'Die Omama im Apfelbaum' meinte, die alle Großeltern duch die Nazischergen verloren hat. Fairerweise erwähne ich jedoch, daß mein Großvater mütterlicherseits die Gnade hatte, 1931 an einem Herzinfarkt verstorben zu sein. Da mußte er es wenigstens nicht miterleben, von jenen Leuten gefoltert oder geschlagen zu werden, die er ab 1915 an der Italienfront zusammengenäht hatte, der k & k Offiziersarzt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Paisley
16.09.2001, 08:56
In den 70ern lebten auch mein Opa und meine Oma noch. Die Eltern meines Vaters waren schon vor meiner Geburt tot. Aber die meiner Mutter lebten mit uns im gleichen Dorf, bis ich 6 Jahre alt war, dann zogen sie leider weg. Mein Großvater war der Dorfschullehrer. Er kannte demnach alle im kleinen Dorf, und ein Spaziergang durch die 450-Seelen-Gemeinde dauerte zwei, drei Stunden, weil er überall stehen blieb und ein Schwätzchen hielt. Er starb in den 80ern, meine Großmutter noch in den 70ern. Sie war der perfekte Gast: mit allem immer zufrieden, gemütlich und genügsam. Einkaufen ging sie auch gern.
Gruß
Paisley

Ruby
16.09.2001, 18:08
Bibo, diese Pfefferminzbonbons: Waren das diese Schokolinsen mit Schokolade drin? Ich suche ja händeringend (siehe 'Suche' und 'Dinge, die es nicht mehr gibt') diese anderen Pfefferminzbonbons, ebenfalls rosa und weiß, aus Puderzucker, die im Mund zergingen, aber keiner scheint sie zu kennen.
Für einen Hinweis oder gleich eine Kiste voll von diesen Bonbons wäre ich immer noch dankbar.
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Tut mir leid, Mrs. Bridges. Das wollte ich nicht.

peterthomassuschny
16.09.2001, 19:14
@Ruby
Die gab es schon in den 60ern, ich erinnere mich sehr wohl. Waren die nicht auch von Mentos?
Auf jeden Fall wiederentdeckt: Heller Wiener Zuckerl (erzeugt die Ö-Tochter von Storck aus der BRD), Pischinger Nußecken und Betthupferl (nur andere Verpackung), Schöller-Eis erzeugt wieder eine Sorte im Plastikfäßchen, Auer Tortenecken und Baumstämme, Libella orange und zitron (verkaufe ich sogar in Wien, wenn ich schon einen Lebensmittelgewerbeschein für Geschenkkörbe habe darf ich das), Fizzers, Fizzerslolly, Smarties, Dorlis (so haben wir in Wien die durchsichtigen flachen meist mit Orangen- oder Colageschmack versehenen Lollies genannt) und Tutti-Frutti (Fruchtgummi aus Ö in Schmetterlingsform), Karl Knäbchens Negerbrot (ist zwar politisch nicht ganz korrekt, aber nachdem es ja eine Süßigkeit ist, ist der Begriff 'Neger' hier ja wenigstens positiv besetzt), Blaschkes
Kokoskuppeln und Niemetz Schwedenbomben (liebe Freunde aus D, nicht böse sein, schmecken aber wirklich besser als Superdickmanns und gibt es glatt und gestreuselt), Iglo Kastanienreis (Rezept für handgemachten habe ich ins Subforum Kritik, Geflügel unter werktags 15h56 und 21h17 gestellt). Und auch wieder gesehen: Küfferles Katzenzungen.
Beste Grüße
ein alter Nascher
'Mr. Roaring Sixties'
www.r60.net

fritzi66
16.09.2001, 21:55
tolles thema!!!!
einen opa hab ich leider nie kennengelernt, der ist in russland gefallen, war sanitäter. der andere (mütterlicherseits) hatte eine bäckerei, da hat meine mama, seine tochter, freitags immer mit beim großputz geholfen. ich durfte derweil zu meinem opa in die stube und er hat mir geschichten erzählt und mir lieder beigebracht. kurz vor schulanfang ist er dann leider gestorben... meine omas hab ich gottseidank länger gehabt. wobei die oma mütterlicherseits nicht ganz so zugänglich war, die hat immer noch, bis kurz vor ihrem tod, auf meiner mutter rumgehackt, tja. meine oma väterlicherseits war klasse:
sie las immer 'Jerry Cotton' und da sie ja der englischen sprache nicht so mächtig war, hießen die hauptakteure bei ihr immer'jeri koton' und 'pil decker' phil...', außerdem konnte sie uns kindern auch immer die leckersten sachen machen: nie hat mir haferbrei so gut geschmeckt, wie bei ihr. wenn sie uns brote geschmiert hat, am liebsten mit leberwurst, wurde die scheibe in ganz kleine stücke geschnitten und auf dem teller wie ein zug hintereinander gelegt! süßigkeiten hatte sie sowieso immer!!! außerdem kann ich mich an ein paar spielsachen (aus dem erzgebirge) erinnern, die sie über den krieg retten konnte!
und bei familienfeiern hat sie immer am meisten mitgemischt, meine tanten, onkel und meine eltern aber immer zur mäßigung ermahnt... *gg* hach, schöööööööön...

PeterLu
17.09.2001, 01:25
Mit meinen Großeltern väterlicherseits verbinde ich den riesigen Garten hinter dem Einfamilienhaus in Hamburg-Fuhlsbüttel. D.h., für mich war er riesig, denn ich war klein damals, Ende der 50er, Anfang der 60er-Jahre. Es gab alles, in diesem Garten. Ein bisschen Rasen hinter der zugigen Veranda. Zwei, drei, Apfelbäume mit diversen aufgepfropften Sorten. Birnenbäume, zwei oder drei. Einen Kirsch- und einen Pflaumenbaum. Einen Quittenbaum, dessen Früchte ich nie zu schätzen wußte. Denn einmal im Herbst wurden in der Küche Quitten eingekocht, ich sollte helfen, in irgendeiner Form, und der Quittengeruch brachte mich zum Kotzen. Überhaupt wurde alles eingekocht, was dieser Garten hergab, und er gab eine Menge her. Es gab schwarze und rote Johannisbeeren, Himbeeeren, Brombeeren, Stachelbeeren. (Wer hier hat wann und wo zuletzt eine frische Stachelbeere gegessen?). Es gab Beete mit Erdbeeren, Kartoffeln, Wurzeln, Zwiebeln, Erbsen. Es gab ein Beet mit einem Gerüst, an dem sich die Stangenbohnen emporhangelten.
Das Einkochen und Einmachen war das spätsommerliche Jahresritual, über das meine Oma mit aller Strenge wachte. Ja, sie war eine strenge Frau, diese Bauerntochter aus Dithmarschen. Es gibt diese Bilder aus der wilhelminischen Zeit, Frauen mit hochtoupierten Frisuren, eine Brosche am hochgeschlossenen Blusenkragen, so habe ich sie gesehen bis zu ihrem Tod im Jahr 1972.
Opa trägt in meiner Erinnerung immer noch den gleichen schwarzen Anzug. Er trug ihn immer, auch, wenn er mit hinter dem Rücken verschränkten Händen seine Gemüsebeete inspizierte, den glänzend kahlen Kopf gesenkt. Er starb 1959 an Krebs. Ich war damals gerade fünf Jahre alt und wußte nicht, was 'Tod' bedeutete. Als ich diesem Wintertag in dem düsteren Wohnzimmer stand, mit den erhabenen, schweren und schwarzen Möbeln und der leise tickenden Standuhr, begriff ich aber, dass er für immer verschwunden sein würde.
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Ich bin 2 Bücherforen



(Beitrag wurde von PeterLu am 17.09.2001 um 12:20 Uhr bearbeitet.)

Ruby
17.09.2001, 16:23
Vielen Dank, Peter, das Thema 'Einmachen' hat bei mir gerade einen sentimentalen Nerv getroffen. Ich sehe meine Oma geradezu in ihrer geblümten Kittelschürze (dunkelgrün mit weißen Punkten und weiß-lila Blumen) in der Küche herumwerkeln. Und wenn ein Riesenberg grüner Bohnen auf dem Küchentisch aufgeschüttet war, kamen meine Tanten, es wurde geknibbelt und geschnippelt und gequasselt, bis der Haufen verschwunden und fein säuberlich eingeweckt war.
Im Herbst fuhr mein Opa dann auch, bekleidet mit brauner Manchesterbüx (natürlich mit Hosenträgern, grau), langem Unterhemd, kariertem Hemd, Strick-Pullunder und 'Joppe' mit dem Fahrrad los, um Brombeeren, Fliederbeeren und Hagebutten anzuschleppen, die ebenfalls von meiner Oma zu Saft und Marmeladen verarbeitet wurden.
In der Adventszeit wurden natürlich etliche Keksdosen gefüllt mit Friesen, bruunen Kooken (äh, braunen Kuchen) und Schmultnööt (Schmalznüssen). Am leckersten war natürlich immer der 'rohe' Teig, aber das gab angeblich Bauchschmerzen.
Vielen Dank auch, PTS, für die Aufzählung der Leckereien. Jammi! Bin eben schon durch die Wohnung getigert auf der Suche nach Eßbarem. Die Pfefferminzbonbons, die ich meine, waren aber auf keinen Fall von Mentos. Die gab es mehr so in Kaufhäusern zum Schaufeln und Abwiegen.
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Tut mir leid, Mrs. Bridges. Das wollte ich nicht.

peterthomassuschny
17.09.2001, 21:02
@PeterLu
Oh ja, Stachelbeeren gibt es immer frisch in Ö, bei meinem Trauzeugen im Garten sogar vom Strauch, habe ich immer um die Wette mit ihm in der Schulzeit kahlgegessen.
@Ruby
Mag sein, aber es gab die auf jeden Fall paketiert in einer Rolle, sie könnten übrigens auch Medinos oder Messinos geheissen haben, Mentos gibt es auf jeden Fall heute noch, nicht mit Balsen Messino zu verwechseln.
Sugus aus den 70ern gibt es noch in der Schweiz, die Bobbyriegeln aus Salzburg gibt es auch noch, ist mir dann eingefallen.
Laß Dir aber keinesfalls Lift in der Petflasche 'Back to the 70ies' als solches einreden, da trinke lieber einen Eistee, das ist wenigstens ehrlich, daß neue Lift schmeckt nicht anders, nennt sich aber tatsächlich Lift. Da trinke ich lieber Libella Zitrone, das ähnelt mehr dem Liftgeschmack der 70er, nichts ist mir mehr zuwieder, als zu glauben, es muß mit Gewalt auf einer Retrowelle mitgeschwommen werden und den Menschen alles verkauft werden, nicht alle sind so dumm.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

peterthomassuschny
17.09.2001, 21:03
@PeterLu
Oh ja, Stachelbeeren gibt es immer frisch in Ö, bei meinem Trauzeugen im Garten sogar vom Strauch, habe ich immer um die Wette mit ihm in der Schulzeit kahlgegessen.
@Ruby
Mag sein, aber es gab die auf jeden Fall paketiert in einer Rolle, sie könnten übrigens auch Medinos oder Messinos geheissen haben, Mentos gibt es auf jeden Fall heute noch, nicht mit Balsen Messino zu verwechseln.
Sugus aus den 70ern gibt es noch in der Schweiz, die Bobbyriegeln aus Salzburg gibt es auch noch, ist mir dann eingefallen.
Laß Dir aber keinesfalls Lift in der Petflasche 'Back to the 70ies' als solches einreden, da trinke lieber einen Eistee, das ist wenigstens ehrlich, daß neue Lift schmeckt nicht anders, nennt sich aber tatsächlich Lift. Da trinke ich lieber Libella Zitrone, das ähnelt mehr dem Liftgeschmack der 70er, nichts ist mir mehr zuwider, als zu glauben, es muß mit Gewalt auf einer Retrowelle mitgeschwommen werden und den Menschen alles verkauft werden, nicht alle sind so dumm.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

BillhildeZuckerkandl
17.09.2001, 21:30
Es gab wohnortbezogen die 'Oma-Arnsberg', welche ich nie besuchen wollte, weil sie nur ein Plumpsklo im Garten hatte und die 'Oma-Köln'. Da ich den kulinarischen Momenten des Lebens immer schon in besonderer Weise zugetan war, sind mir ihre Koch- und Backkünste in lebhafter Erinnerung geblieben. Oma-Köln backte freitags sogenannte LÄDDERKES-FLA eine Art Aprikosen-Boden, der mit aus Teig geformten Streifen belegt war. Wenn ich ganz lieb war, gab es STEIFEN REIS mit Zimt und Zucker - natürlich mit echter Zimtstange gekocht. Selbstverständlich wurde auch eingekocht. Dieser Zeit sah ich immer mit größter Ungedult entgegen, da auch AUFGESETZTER gemacht wurde; Hochprozentiges aus Obst, Zucker und ganz viel Korn - bis heute mein Lieblingslikörchen! Ohnehin wurde bei Oma-Köln dem Alkohol täglich zugesprochen. Ein KLARER nach dem Mittagessen, natürlich nur wegen der verdauungsfördernden Wirkung getrunken, hielt Leib und Seele zusammen.
Oma-Arnsberg war schlichten Gemüts, las 'Geliebte Mutti'-Romane und glaubte, durch tägliche Besuche der Morgenandacht beweisen zu müssen, welch gute Christin sie doch sei. Mußte sie auch, denn sie hatte Schande in Form eines unehelichen Kindes über ihre Familie gebracht. Meines Wissens war sie die einzige alleinerziehende, berufstätige Frau im Dorf und konnte noch nicht einmal Krieger-Witwen-Status nachweisen. Ein hartes Los!

Zazie
17.09.2001, 21:52
Oh ja, wirklich ein gutes Thema.
Ich hatte meinen Lieblingsopa (Mutters Vater) und meine Lieblingsoma (Vaters Mutter), was nicht heißen will, dass ich die beiden anderen nicht mochte, aber ich hatte halt nicht so eine intensive Beziehung zu ihnen.
Lieblingsopa und Oma wohnten am Waldrand (jawoll, in Berlin gibt's sogar recht viel Wald), gleich um die Ecke wohnte meine Buddelkastenfreundin (ja genau, jene mit dem güldenen Engelshaar) und da sie keine Großeltern mehr hatte, hatte sie meine gleich mit als Opa und Oma adoptiert. Jedenfalls, jeden Dienstag fuhren meine Mutter und ich sie besuchen und meine Freundin war dann meistens auch da. Die tollen Erinnerungen, die wir an die Zeit haben, aufzuschreiben, würde den Rahmen des Forums sprengen (Mensch, ich muss ihr unbedingt mailen und sie hierher einladen!). Es gab einen riesigen Eichentisch mitten im Wohnzimmer, unter dem spielten wir oder wir rannten um ihn rum, manchmal auf Opas Rücken reitend. Dann hatte Opa zwischen Wohnzimmer und Küche Haken in den Türrahmen gebohrt für eine Schaukel. Und dann ging es 'du Opa, machst du uns die Schaukel an?' Auf der Schaukel und dem Trapez bauten wir so allerhand Blödsinn. Opa hatte auch einen wunderschönen Garten mit vielen Blumen und Gemüse. Ja, auch dort gab es Johannisbeeren, Stachelbeeren und Erdbeeren, aber die wurden nicht eingemacht, die waren immer unser Nachtisch, wenn wir dienstags zusammen Mittag aßen. Opa erklärte mir ganz genau jede einzelne Pflanze und war ganz stolz, wenn ich nächstes Mal noch den Namen wusste. Dann ging er mit mir in den Wald und erklärte mir die Ameisen und die Bäume, während Mutter und Oma mit dem Essen auf uns warteten... manchmal setzte er mich aufs Fensterbrett und wir beobachteten die Vögel draußen, die er alle beim Namen kannte. Ein richtiger Bilderbuchopa, immer im Blaumann gekleidet, Pfeife rauchend - er hatte auch so eine lange Almöhi-Pfeife - oder an Feiertagen Zigarre, mit einem Schlückchen Danziger Goldwasser aus seiner Heimat. Leider, ihn habe ich als erstes nach langer Krankheit verloren. Damals war ich 12 Jahre alt.
Lieblingsoma und Opa wohnten in einem winzig kleinen Häuschen sozusagen im Niemandsland, hinter dem ersten Checkpoint auf Westseite vor dem Ausgang, von dem aus es nach Hamburg und Norddeutschland ging. Wie ich immer sage, die Mauer bildete sozusagen die eine Seite der Gartenumfriedung. Der wilde Garten war von Brombeerhecken umgeben (die meine Eltern auch einmal pflückten und zu Gelee verarbeiteten), dahinter war eine schmale Straße für die Alliierten und dann kam die Mauer, gleich mit einem Wachtturm dahinter. Einmal machte mich mein Opa darauf aufmerksam, dass die Grepos uns mit Ferngläsern im Garten beobachteten. Das fand ich als Kind schon sehr befremdlich und nur meine gute Erziehung hielt mich davon ab, ihnen die Zunge rauszustrecken. Jedenfalls, dieser wilde Garten war für mich wie ein Abenteuerspielplatz, in dem ich mich wie eine Entdeckerin fühlte, Baumhäuser baute, Beete anlegte und nach den ersten Blumen des Frühlings suchte. Mir als Kind erschien der Garten riesig. Oma und Opa hatten auch Kaninchen und 'meinen Hund', den ich im Alter von 4 Jahren selbst im Tierheim ausgesucht hatte. Dementsprechend war der Kontakt auch zwischen dem Hund und mir. Bei Oma und Opa verbrachte ich viel Zeit, vor allem, wenn meine Eltern mal was vorhatten. Dann schlief ich bei ihnen. Meine Oma war eine sehr dicke, resolute Frau, die ich sehr liebte. Vieles, was ich meiner Mutter nicht sagen wollte, vertraute ich ihr an. Da ich so dünn war, machte sie sich ständig Sorgen, weil ich nichts essen wollte und fragte mich alle 5 Minuten, ob ich jetzt was essen wollte... oder jetzt... hatte ich dann mal Hunger, machte sie mir Grießbrei 'Aurora mit dem Sonnenstern' (auch was, was es nicht mehr gibt). Ich habe den Duft noch heute in der Nase. Nur Oma konnte so gut Grießbrei machen. Machte meine Mutter mir welchen, schmeckte er nur halb so gut. Wir spielten viel Barbie zusammen und sahen viel fern. Laut Aussage meiner Mutter guckte ich zu Hause nicht so viel fern, bei meiner Oma dagegen ziemlich viel. Sämtliche Kindersendungen und Werbespots... und den Blauen Bock :-)
Opa wusste, dass ich Himbeeren liebte und pflückte mir immer welche an Stellen, an die ich nicht hinkam. Später, als sie in eine Wohnung umgezogen waren, kaufte er dafür immer Dosenhimbeeren für mich. Er liebte das kleine Haus, aber es war schon sehr anstrengend, denn es war wirklich ein Puppenhaus, das zwar Strom hatte, aber kein fließend Wasser, was bedeutete, dass es ein Plumpsklo und Wasser draußen von der Pumpe gab. 1982 war ein ganz schlimmes Jahr für mich, denn ich verlor im Abstand von einem halben Jahr erst Opa und dann - viel zu jung - Oma.
Ich habe sehr viel von Lieblingsopa und Lieblingsoma in mir. Dank meiner Großeltern wurde mir auch im großen Berlin die Natur nahe gebracht. Ich vermisse sie...
Viele Grüße
Zazie

peterthomassuschny
18.09.2001, 07:54
@Zazie
Das mit dem Wald war sogar mit klar, der noch nie in Berlin war. Ist der von der 'Kleinen Conny' in den 50er Jahren in 'Pack die Badehose ein' besungene Grunewald nicht direkt bei Berlin?
Übrigens: der größte 'Gag' ist bei uns im 13., da wurde bis auf ein winziges Stück der ganze Wald in einem Gebiet von Napoleon abgeholzt und verheizt und dann wurde er dennoch 'Napoleonwald' genannt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Lelani
18.09.2001, 11:27
Oma und Opa, die Eltern meiner Mutter, nannten wir Oma und Opa Kino. Klar, sie wohnten in der Nähe des Spiegel-Kino in Hamburg in einem uralten Haus, ganz oben. Im Treppenhaus war es dunkel und es roch immer nach Kohl. Sie hatten 5 Kinder und viele Enkel. In Omas Küche stand ein Sofa und sie hatte einen Küchenschrank mit Glasscheiben. Die Glasscheiben hatten innen kleine Spitzengardinen. Oma steckte immer Ansichtskarten vor die Glasscheiben. Oma Kino konnte wunderbar kochen, ihr Zitronenpudding war ein Traum. Als meine Tante Polterabend feierte, da hatte meine Oma für die Hochzeit einen Schweinebraten vorbereitet, der stand im Ofen. Mein Vater und seine Schwager (Schwäger?) machten sich zu vorgerückter Stunde über den Schweinebraten her, jeder wollte nur mal probieren und plötzlich war er aufgegessen. Oma hatte wohl so etwas geahnt - es gab Nachschub aus der Speisekammer.
Bei Oma gab es in der Küche keine Spüle, sondern unter dem Küchentisch gab es einen Einsatz, der wurde herausgezogen und darin waren 2 Emailleschüsseln, die waren für den Abwasch. Opa saß meistens im Wohnzimmer. Er liebte Original und Fälschung in der HÖR ZU, schaute viel fern. Er war lange in Sibirien in Gefangenschaft gewesen und wenn er nicht gerade Fernsehen sah, dann erzählte er von Sibirien. Wenn Opa mal Sibirien vergaß und fröhlich war, dann sang er 'Auf der schwäb«schen Eisenbahn'. Oma hatte eine Haut wie ein Pfirsich, sie war sehr rund, lachte viel und hatte immer 'etwas Schönes' für ihre Enkel. Alle ihre Töchter und Enkelinnen sehen mit zunehmendem Alter Oma Kino immer ähnlicher.
Vor einiger Zeit bin ich mal zu dem alten Haus gegangen. Damals wurden die Namen der Mieter unten am Hauseingang neben der Tür an die Wand geschrieben - nach 25 Jahren -ihr Name stand immer noch da, über den neuen Klingelschildern.
Die Eltern meines Vaters lebten in unserer Straße. Mein Bruder und ich waren ihre einzigen Enkel. Opa liebte mich sehr und nannte mich Goldi. Er träumte von der Zeit nach seiner Pensionierung, da wollte er viel mit Goldi unternehmen. Doch ich war dann Teenager und gar nicht mehr so daran interessiert. Opa hatte ein Auto, wir nicht, damit fuhren wir am Wochenende und in den Ferien zum Camping. Oder wir fuhren einfach zum Kaffee trinken in die Umgebung. Decke ins Auto, Kuchen und eine Thermoskanne Kaffee, Federballspiel - so sah der Sonntagsausflug aus, Klövensteen oder Thieshope. Opa sprach platt, stippte seinen Klöben (Brot) in den Kaffee, rauchte Pfeife und wenn er auf den Balkon ging, dann durfte er auch Zigarre rauchen. Opa sah sooo gut aus wenn er einen Anzug trug - und wie damals üblich - einen Hut. Oma Ine, seine Frau, trank Tee mit Klöntjes (Kandies), manchmal auch aus der Untertasse. Einmal im Monat war Kaffeekränzchen, da wurden wir Enkel stolz vorgestellt ('oh bist du gewachsen!'). Opa machte an dem Tag immer Überstunden. Oma achtete auf ihr Aussehen, einmal hatte sie nach dem Friseurbesuch allerdings das Haarspray mit dem grünen Wildlederspray für ihre Schuhe verwechselt und das Ergebnis auf ihrem Haar war mir einen Schulaufsatz wert, Titel: Meine Oma vom Mars.
Oma Ine und Opa hatten sehr früh einen Fernseher und Oma rief immer vom Balkon wenn sie mich auf der Straße spielen sah (oder der unverwechselbare Familienpfiff ertönte) wenn es Fury gab, oder Am Fuß der blauen Berge.Bei uns zu Hause gab es nämlich noch keinen Fernseher.
Ich bin dankbar, ich habe sie alle ziemlich lange gehabt und ich versuche die Erinnerung an sie bei meinen sehr jungen Cousinen und Nichten wach zu halten, denn die durften sie nicht mehr kennenlernen.
(Beitrag wurde von Lelani am 18.09.2001 um 09:29 Uhr bearbeitet.)

Zazie
18.09.2001, 12:34
PTS, der Grunewald ist IN Berlin. Aber es gibt außer ihm noch anderen Wald mehr.

Ruby
18.09.2001, 16:44
Billhilde, Aufgesetzten machen wir immer noch jedes Jahr: Schlehen nach dem ersten Frost pflücken, pro kg Schlehen 2 Flaschen Korn und ca. 1 1/2 Packungen Kandis (am besten braunen), in einen 'Rumtopf' oder z.B. große Apothekergläser füllen und möglichst lange stehen lassen. Wir haben es sogar einmal geschafft, das ganze von November bis August ziehen zu lassen. Dann einfach absieben und am besten wieder in die Kornflaschen füllen. Ist Medizin!
Zazie und Lelani, normalerweise habe ich ja eine 'Idiosynkrasie' (neu gelerntes Wort, muß ich jetzt häufig anwenden) gegen lange Texte ohne Absätze, aber Eure Texte habe ich doch von Anfang bis Ende gelesen und dabei ein paar Tränen verdrückt.
Eine Pfeife hatte mein Opa auch. Morgens nach dem Frühstück, noch am Frühstückstisch, wurde sie gequalmt, und dann erstmal gemütlich aufs Klo. Als meine Großeltern beide tot waren, hat meine Mutter vieles weggegeben, aber die Pfeife meines Opas und die Brillen der beiden konnte sie nicht wegtun und hat sie bis heute aufgehoben.
Ein Spiel, das meine Oma immer mit mir spielte, als ich noch ganz klein war, hieß 'Nutt, Butt, Juppsteert'. Wurde mit Haselnüssen gespielt. Nutt war eins, Butt zwei und Juppsteert drei. Man mußte immer raten, wieviele Nüsse der andere in der Hand hatte. Hatte man richtig geraten, bekam man diese, war es falsch, mußte man selber soviele abgeben, wie man geraten hatte.

peterthomassuschny
18.09.2001, 20:08
@Zazie
Das ist mir schon klar, daß der Grunewald nicht der einzige ist, ich habe nur gemeint, den kennt sogar der Nichtberliner, irgendwann werde ich dort schon hinfahren, da ist schon einiges zum Ansehen, was ich sehen will. Auch in London gibt es Wald und das solltest Du Dir unbedingt einmal ansehen, Wien sowieso.
@Peter Lu
Fast vergessen: Johannisbeeren heissen in Ö Ribiseln. Gerade jetzt im Herbst sehr empfehlenswert: Ribiselwein, heuer habe ich bei meinen Eltern Hollunder geerntet und meine Frau hat recht guten Schnaps daraus gemacht. Auch sehr beliebt: Sturm,
z. B. 'Stürmische Tage' in Stammersdorf in 3 Wochen im Oktober. Sollte es Dich einmal nach Wien verschlagen, melde Dich, dann lernst Du die richtigen Heurigen kennen, in Grinzing sein Geld auszugeben ist verplempertes Geld.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Zazie
18.09.2001, 20:28
Ruby, ehrlich wahr, ich hatte auch ein paar Tränen in den Augen, als ich das schrieb.
Schöne Geschichten, die hier so zusammenkommen...
Viele Grüße
Zazie

Schocker
18.09.2001, 20:33
Johannisbeeren hießen auch in Karlsruhe 'Ribisl', jedenfalls in meinem Elternhaus. Da meine Eltern und Großeltern Flüchtlinge aus dem Sudetenland waren, haben sie ihren heimatlichen Gablonzer Dialekt beibehalten. Manches kam aus dem Tschechischen: mein Großvater nannte seine Mütze 'Chepitze' und seinen Hut 'Klobouk'. Hackfleischbällchen hießen bei ihm 'Karfinatl'. Als ich vor einigen Jahren zum erstenmal in Prag war, sind mir diese Wörter wiederbegegnet - habe mich fast wie zuhause gefühlt, obwohl ich kein Tschechisch kann.

Die Toilette nannte mein Großvater 'Hittl' - könnte das aus österreichischer Mundart kommen?

peterthomassuschny
19.09.2001, 00:02
@Schocker
Am Land. Der Wiener redet meistens vom 'Häusl', wahrscheinlich aus jener Zeit, als noch kleine Hütten in einem Garten standen, das Gangklo gibt es noch in manchen Gründerzeithäusern, sind aber seit dem 2. Weltkrieg immer seltener. In typisch ver-nachlässigten Gegenden, z. B. nahe des Gürtels (das ist eine große Verkehrsverbindung in Wien, die sie bis heute nicht gescheit angelegt haben - außer 2 Unterführungen am Südgürtel, die es schon in den 60ern gab, nichts neues -stattdessen wollen die mit Gewalt eine Wienumfahrung bauen, vergessen aber, daß der Wienerwald ein wunderschönes, aber halt schwer überwindbares Gebirge - höchste Erhebung alleine in der Stadt der 512 m hohe Hermannskogel) oder in Zwischenbrücken (das ist in der Nähe des großen Frachtenbahnhofes am Nordwestbahnhof) dominieren aber noch die Gangklos.
Lustig ist übrigens, wie viele Leute am Land tatsächlich 'Schoißwohl' heissen, ob sich die Klofrauen so grüßen, haben wir schon in der Schulzeit gerätselt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
www.r60.net

Lelani
19.09.2001, 11:36
Hallo Alle
die Resonanz auf meinen Beitrag hat mich darin bestärkt die Erinnerungen an die Großeltern zu Papier zu bringen und den 'Kleinen' zu geben. Denn sonst sind irgendwann nur noch Fotos mit fremden Gesichtern übrig.
Die Geschichte mit dem grünen Wildlederspray muß doch der Familie erhalten bleiben oder die, als Oma eine Woche lang ihr Portemonnaie suchte und Opa es schließlich fand: Eingefroren in der Tiefkühltruhe.
Grüße,
Lelani

Zazie
19.09.2001, 12:24
Lelani, erzählst du uns auch, was du in deinen Aufsatz über die Alien-Oma geschrieben hattest? Ich fand die Geschichte mit dem Haarspray total süß :-)
Viele Grüße
Zazie

PeterLu
19.09.2001, 13:06
Lelani, wunderschöne Geschichte! Sag mal, alte Hamburgerin, wo war noch mal das Spiegel-Kino? Kommt mir irgendwie noch bekannt vor...
Zazie, auch vor deiner Story ziehe ich den Hut, obwohl ich nie einen trage.
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Ich bin 2 Bücherforen

Lelani
19.09.2001, 16:57
@PeterLu
Das Spiegel Kino war in Altona/Ottensen, in der Bahrenfelder Straße. Heute ist da die Sparkasse drin. Höhe Nernstweg, falls Dir das was sagt. In der Nähe war Fahrrad Diener, ist auch nicht mehr da.
@Zazie
Meine Oma vom Mars... Ja, den ganzen Aufsatz, hätte ich ihn doch noch, wir sollten über ein Erlebnis schreiben das uns erschreckt hat - und da ich eine wunderbare, friedliche Kindheit hatte, war der Schreck mit der grünen Oma wert das man darüber schrieb.
Also:
Am Abend sollte eine Geburtstagsfeier stattfinden. Meine Mutter und meine Großmutter hatten sich extra beim Friseur schön machen lassen. Waschen,schneiden,Dauerwelle, auftoupieren. Meine Großmutter hatte am Nachmittag noch ein Schläfchen gemacht und die Frisur war etwas zerdrückt. Schnell her mit dem Toupierkamm und die Haarpracht wieder in Form gebracht. Schnell noch etwas Spray über die Pracht. Da Haarspray die Brille verklebt wurde diese abgenommen, die Augen zugekniffen, die Spraydose gegriffen die man vorher im Flur auf den Schuhschrank gestellt hatte. Oma verliess schnell den Flur, denn der Spraynebel nahm ihr den Atem, zog Schuhe und Mantel an und ging zur Wohnung ihres Sohnes, denn von dort sollte es weiter gehen zur besagten Geburtstagsfeier.
Oma klingelte - ich öffnete die Tür und schrie! Schrie so laut das Mutter gelaufen kam. 'Was ist los 'rief sie mir über den Flur zu. ' Eine grüne Oma, Oma vom Mars' schrie ich entsetzt.
Wie sich herausstellte hatte die Flasche mit dem Spray für die grünen Wildlederschuhe auf dem Schuhschrank gestanden und ohne Brille hatte Oma 'blind' die falsche Dose gegriffen und ordentlich ihr Haar besprüht. Nun, der Geburtstag wurde wohl ohne sie gefeiert.

(Beitrag wurde von Lelani am 19.09.2001 um 14:58 Uhr bearbeitet.)

Ruby
19.09.2001, 22:04
Danke, Lelani! Die Geschichte werde ich so schnell nicht vergessen. Schade, daß die Oma nicht trotz der grünen Haare an der Familienfeier teilgenommen hat. Wäre doch cool gewesen.
Du hast recht, solche und andere Geschichten sollten weitergegeben werden.
Meine Oma hatte einen Schuhkarton voller Familienfotos. Eins hat mich immer besonders fasziniert, darauf war ein Mann ohne Ohrmuscheln.
In diesem Herbst werde ich mir mal von meiner Mutter diese alten Familienfotos erklären lassen. Interessiert mich jetzt auch mehr als früher, und sonst weiß später vielleicht niemand mehr, wer all die Leute waren.
Schöne Grüße,
Ruby

Bibo
22.09.2001, 20:58
Hallo Ruby, entschuldige, dass ich nicht früher antworte, aber ich war krank.
Ja, das waren Schokolinsen, und ich meine, sie hatten auch Minzgeschmack. ich glaub die gabs in ner durchsichtigen Tüte.
Meine 'Oma unten' hat auch immer viel eingemacht in einem großen Einmachgerät. Im Winter gabs immer eingemachtes Obst. Sie hatte einen Garten und einen Schrebergarten und so gabs eigentlich alles an Obst und Gemüse, was man sich denken kann. Stimmt, frische Stachelbeeren hab ich seitdem nicht mehr gegessen. Auch Marmelade und Kompott wurden selbst gemacht. Kennt einer Kirschäpfel? Kleine Äpfel, so groß wie dicke Erdbeeren, die sehr sauer waren, aber man konnte ein prima Gelee daraus machen.
Mein Vater hat jetzt die Rente dazu genutzt, sich gute Computerkenntnisse anzueignen und schreibt jetzt seine Lebensgeschichte auf, auch mit allem, was er noch so über seine Eltern weiß und in Form von Dokumenten hat. Ich finde das eine tolle Idee, denn so werde ich immer ein Stück Familiengeschichte besitzen.
Apropos Famieliengeschichte: meine Oma-unten hatte ein handgeschriebenes Buch mit ihren Lieblingsrezepten, was natürlich von meiner Mutter in allen Ehren gehalten und genutzt wird, sie schreibt ihre wichtigsten Rezepte auch rein.
Ich vermisse meine Omas auch sehr, vor allem die Oma, die ich 15 Jahre erleben durfte und der ich auch jetzt noch manches erzählen möchte.

Johnny Harms
23.09.2001, 05:15
@Ruby und alle die noch Oma und/oder Opa haben.
Lasst euch die Fotos der Familie erklären und schreibt auf, wer zu sehen ist.
Tut es, auch wenn das mühsam ist!
Johnny
der es nicht getan hat und jetzt nie erfahren wird, wer alles auf den Familienbildern ist.

Lelani
23.09.2001, 16:46
Hatte gestern ein langes Gespräch mit meiner Mutter, sie wird sich die Mühe machen und in den alten Fotoalben der Familie die Namen der abgebildeten Personen unter die Bilder schreiben. Sie war richtig gerührt das sie darum gebeten wurde.
Dabei hat sie mir dann noch eine nette Geschichte über meinen Urgroßvater erzählt, der hat sich mit weit über 70 Jahren noch die Segelohren 'anlegen' lassen. Es gibt da nämlich ein schönes Foro auf dem er stolz den Kopf mit den schönheitsoperierten Ohren frontal in die Kamera hält.

Zazie
23.09.2001, 22:08
Also bei den meisten unserer Familienfotos weiß ich, wer wer ist. Aber wenn ich das nächste Mal nach Berlin komme und die Bilder angucke und es tauchen irgend welche Personen auf, die ich nicht kenne, werde ich meine Eltern danach fragen.
Ein altes Foto meiner Lieblingsoma hängt bei mir gerahmt an der Wand. Soweit ich weiß, wurde das aufgenommen, als mein Vater Konfirmation hatte, also muss sie da ungefähr so alt gewesen sein wie ich heute. Die Ähnlichkeit ist schon frappierend...
Viele Grüße
Zazie

Rattunde
24.10.2001, 01:35
Irgendwie schwelge ich heute Abend in Kindheitserinnerungen und dieser Strang ist eigentlich viel zu schön um in die Versenkung zu geraten.
Ich erinnere mich z.B. an viele Gerichte,die nirgendwo besser schmeckten als bei meiner Oma.Sie konnte das Beste Hähnchen mit weißer Sauce und Pommes machen.Ausserdem haben wir bei ihr immer Kartoffelpfannkuchenwettessen mit meiner Schwester,meinem Cousin und meiner Cousine veranstaltet.
Oma lebt auch heute noch mit ihrer ledigen Schwester zusammen.Damals waren wir oft am Wochenende bei ihnen und haben Romme« bis zum Umfallen gespielt.Sie hatten sogar eine Kartenmischmaschine.Ausserdem lagen immer Mentos-Kaubonbons im Küchenschrank und wir durften uns immer bedienen.Samstags abends wurde dann gebadet und nach dem Abendbrot das Korsselett(O-Ton Oma) ausgezogen.Damit begann der gemütliche Teil des Abends.Die Sessel im Wohnzimmer wurden in Richtung Fernseher gedreht und zu ' Der Große Preis' gabs dann noch als Nachtisch ein Schwälbchen -Zitrone-Joghurt.(Hat nie besser geschmeckt als auf omas Sessellehne. Die andere Oma bewirtschaftete mit meinem Adoptivopa(wir hatten ihn adoptiert ) eine Waldgaststätte mit Aussichtsturm auf ,in dem wir Enkel prima verstecken spielen konnten.Im Wald haben wir dann unser Räuberlager aufgebaut und auf einem kleinen Hügel,dem Hexenberg,geheime Treffen abgehalten.Am Abend wurden im Haus die Gaslampen mit diesem Zischen angezündet und es war urgemütlich.
Hach,war das schön..Rattunde

Ruby
24.10.2001, 14:54
Huch, da ist ja wieder 'mein' Oma-und-Opa-Strang!
Rattunde, mir läuft das Wasser im Mund zusammen! Eines der leckersten Gerichte meiner Oma war Sauerkraut und Erbsenpüree (das dazugehörige Fleisch habe ich nie mitgegessen, mit Fleisch hatte ich es noch nie so). Aber Sauerkraut und Erbsenpüree, davon konnte ich schon einiges verdrücken. Das habe ich mir immer gewünscht, wenn ich mit Oma 'einhüten' mußte.
Witzig, gerade habe ich die alten Keksrezepte gesichtet, wird ja Zeit, Weihnachten naht. Dabei bin ich auf ein Rezept für 'Sandmoppen' gestoßen. Ich habe diese Kekse zwar schon gebacken, aber den Ausdruck 'Moppen' kenne ich eigentlich gar nicht. Hat jemand diesen Begriff schon einmal gehört?
Rattunde, ich bin Dir ja an anderer Stelle zum Chatten, Schnattern, Tratschen, Quatschen... empfohlen worden. Habe ich alles gelesen...

Zazie
24.10.2001, 15:22
Oh ja, Lieblingsgerichte bei Oma!
Bei Oma und Lieblingsopa aßen meine Mutter und ich ja jeden Dienstag zu Mittag. Meine Oma konnte fantastische Königsberger Klopse machen, das war Lieblingsopas Leibericht. Als Nachtisch gab es Apfelmus. Immer. Es sei denn, es war Sommer und die Erbeeren und Johannisbeeren waren reif.
Lieblingsoma dagegen kochte einfach, das aber fantastisch. Ihre Spezialität war 'saurer Hering', also Hering in einer Soße aus saurer Sahne. Dazu gab es Pellkartoffeln. Wir alle mochten es und es wurde geradezu zelebriert (wir sind eingefleischte Heringfans in der Familie). Leider hat Oma das Rezept dazu mit ins Grab genommen. Wenn ich bei Oma schlief und meine Eltern mich am nächsten Tag abholen kamen (meistens Sonntag), machte sie manchmal Braten in der Röhre. In die Soße rührte sie saure Sahne ein und ließ mich das dann kosten. Mir schmeckte es so gut, dass sie mir immer eine ganze Schale davon abschöpfen musste. Da waren dann noch ein paar kleine Fleischstückchen drin und es war köstlich. Gottseidank, das Kartoffelsalatrezept hat sie uns noch gelassen, so dass ich jetzt sozusagen die Familientradition fortführe.
Viele Grüße
Zazie

PetziPellePingo
24.10.2001, 17:26
Zu Weihnachten durfte ich immer mit Oma Stolle backen. Das hat mir immer viel Spaß gemacht.
Ich backe heute noch Stolle nach Omas Rezept und meine Mutter kann das überhaupt nicht verstehen, man kann doch heute Stolle kaufen.
Ja - aber wenn ich am Teig kneten bin, dann steht Oma ( sie starb vor 30 Jahren)'hinter mir' und ich erinnere mich an Weihnachtstraditionen und bin irgendwie zufrieden.
Da fällt mir gleich eine Geschichte ein.
Oma kochte zu Weihnachten immer Karpfen Blau.
Zum ersten Weihnachtsfest ohne Oma wollte meine Mutter die Tradition fortführen, auch als kleinen Trost für meinen Opa.
Sie sprach also davon Karpfen Blau zu kochen. Da sagte Opa zu ihr:'Das laß mal, ich mag gar keinen Karpfen. Ich habe ihn nur gegessen, weil Oma ihn so gerne aß.'
Tja, Oma hatte aber ihrer Schwiegertochter schon Jahre zuvor verraten, daß sie eigentlich gar keinen Karpfen mochte und nur weil Opa ihn so gerne mochte.......

Rattunde
25.10.2001, 00:13
hallo ruby! dieser strang ist tatsächlich einer meiner liebsten,und da lasst sich auch gut ratschen und schwafeln,weil es viele oma/opa geschichten gibt die bekannte gefühle in einem wecken. musste tatsächlich erst mal nachlesen,wer dich mir empfohlen hat.ja,das war schon ein heisser strang.Manchmal kann ich halt auch ziemlich hartnäckig,um nicht zu sagen giftig sein(hab ich vielleicht auch von meiner oma geerbt,die stand immer mit beiden beinen fest auf dem boden der tatsachen).tatsache ist,dass sowohl meine mutter,meine schwester und ich davon profitiert haben,enn meine oma war als kriegswitwe auf sich alleine gestellt,und hat ihre kinder mit eisernem willen und viel liebe gross gekriegt.
grüsse rattunde
(Beitrag wurde von Rattunde am 24.10.2001 um 22:14 Uhr bearbeitet.)

Ruby
27.10.2001, 02:32
Bärks, PetziPellePingo, Karpfen blau! Meine Oma hatte auch einmal dieses 'leckere Gericht' am 24.12. zum Mittagessen gekocht, schöööön mit Meerrettichsahne. Wir saßen alle um den Küchentisch herum, und ich konnte beim besten Willen nichts von diesem Karpfen hinunterbringen. Meine Mutter konnte dies leider nicht verstehen und versuchte mich zu erpressen: Wenn ich nichts vom Karpfen äße, würde ich nichts zu Weihnachten bekommen. Ich weiß noch, wie ich heulend versuchte, ein Stück Fisch hinunterzuschlucken und mich dabei fast auf den Teller übergab. Natürlich bekam ich abends trotzdem meine Geschenke, aber in diesem Jahr war Weihnachten für mich verdorben. (Sonst mag ich eigentlich gern Fisch, aber bei Karpfen dreht sich mir der Magen um.)
Ein wirklich leckeres Gericht meiner Oma, an das ich mich noch erinnere, war 'Großer Hans', ich glaube ein Teig aus Grieß und Eiern, der in einer metallenen Form im Wasserbad gekocht wird. Dazu gab es eine Soße aus Trockenobst, vorher meist Spargelsuppe.

Zazie
27.10.2001, 02:32
Vielleicht sollten wir einen Unterstrang aufmachen: Die besten Rezepte von Oma oder so. Und jeder schreibt das rein, was er an Kulinarischem von Oma geerbt hat.
Was ist eigentlich das Besondere am Karpfen und das 'Blaue' daran?

Rattunde
27.10.2001, 02:32
Meine Oma hat für uns Enkel immer einen süssen auflauf gemacht aus Vanillepuding,Zwieback und Kirschen.Das ganze hieß Tuttufrutti,echt lecker.
Auch die Oma meines Mannes kochte ein Gericht,das niemand anderes so zustande brachte: geröstete Haferflockensuppe,Rinderbraten und Schneebällchen.Das waren kleine,ganz helle Kartoffelklösse.Hab ich nie wieder sooo gut gegessen.
Wo kann man am Besten einen' Omas -Rezepte/gerichte aus der Kindheit'-Strang denn am Besten aufmachen?
Grüsse Rattunde

Bryan
27.10.2001, 02:32
Mein Opa war sehr klein; ich glaub«nicht mal 1,50 Meter, gegen mich mit 1,90 Meter ein richtiger Zwerg! Wenn sich allerdings jemand über seine geringe Größe lustig machte, so war ihm das egal, denn sie hatte ihm im ersten Weltkrieg das Leben gerettet: Er stand mit seiner Kompanie in einer Reihe, als feindliches Maschinengewehrfeuer begann. Die meisten bekamen das Blei in die Stirn, meinen Opa hingegen streifte es 'nur' am Kopf; schwerverletzt überlebte er.
Grüße vom Bryan

Rattunde
27.10.2001, 02:32
Ja,die Opas und ihre Kriegserlebnisse.Als Kind fand ich das immer total spannend,wenn mein 'Adoptiv-Opa' von seinen Kriegserlebnissen erzählte.Am tollsten war es dann,wenn er uns uns zeigte,wo noch Granatsplitter in seinem Rücken steckten.Meine beiden richtigen Opas waren ' im Krieg geblieben',so formulierten es meine Omas immer,und es trifft mich heute noch immer ins Mark,wenn meine jetzt 63jährige Mutter weinen muss,wenn sie von ihrem Vater erzählt.Als Kinder war es natürlich spannend,wenn die Oma erzählte,wie sie die Obrigkeit ausgetrickst haben,wenn 'schwarz' geschlachtet wurde und die 'Wutz' mal schnell unter der Bettdecke verschwinden musste.Grüsse Rattunde
(Beitrag wurde von Rattunde am 26.10.2001 um 23:47 Uhr bearbeitet.)

Zazie
27.10.2001, 12:27
Gottseidank, meine beiden Opas haben den Krieg unbeschadet überstanden. Obwohl, Vaters Vater in englischer Gefangenschaft; Mutters Vater, einst recht wohlhabend, mitsamt der ganzen Familie im Viehwaggon aus Westpreußen geflüchtet und plötzlich vor dem Nichts stehend... also sie haben schon auch ganz schön gelitten. Wie schade, dass sie nicht mehr leben, ich würde mir so gerne von früheren Zeiten erzählen lassen. Als Kind und Teenager findet man es ja oft langweilig; jetzt finde ich es faszinierend, was alte Leute zu erzählen haben. Meine Mutter erzählt mir dann aus ihrer Sicht, wie das war, so lerne ich auch eine Menge.
Lieblingsoma erzählte mir oft, was sie früher für eine Freche war. Sie war recht groß und kräftig (ist leider nicht bei mir durchgeschlagen, obwohl ich sonst so viel von ihr habe) und hat sich gerne mit den Jungs aus der Schule angelegt, wenn die ihr dumm kamen - und war ihnen überlegen. Einmal hat sie vom Lehrer Prügel mit dem Rohrstock gekriegt, weil sie keine Hausaufgaben gemacht hatte (damals noch auf einer Schiefertafel!). Aber sie hat sich nicht unterkriegen lassen und ihre geprügelten Hände der ganzen Klasse vorgezeigt. Nach der Schule hat sie oft mit ihren Freunden Streiche gespielt: Klingeln an allen möglichen Türen (gibt's ja heute noch), Portmonnee an Schnur befestigt und auf den Weg gelegt, ins Gebüsch gehockt und gewartet, bis ein Finder kam (auch ein Klassiker) und im Erdgeschoss an Wohnungen vorbeilaufen und dort die Rolläden anschubsen, so dass die krachend hochsprungen und die Damen, die in der guten Stube gepflegt der Lektüre frönten, zu Tode erschreckten. Im Grunde war meine Oma auch ein Skandal damals, denn sie hat bereits als Teenager ihr erstes Kind bekommen und war schon mit meinem Vater hochschwanger, als sie meinen Opa heiratete. Aber ihre Eltern scheinen das ganz cool gepackt zu haben.
Mutters Familie war vor dem Krieg recht wohlhabend, Opa mit eigenem Handwerkerbetrieb und Lehrlingen, Häuserbesitz und all sowas. Ich habe mir fest vorgenommen, irgendwann demnächst mal dorthin zu reisen, in diese Gegend, die heute Polen ist. Leider, meine Mutter möchte nicht mitkommen.
Viele Grüße
Zazie

Lelani
27.10.2001, 13:22
@Zazie
der Karpfen wird 'Blau' weil man ihn vor dem kochen in Essigwasser legt. Dadurch färbt sich die Haut bläulich.

Ruby
28.10.2001, 02:37
Eine tolle Eigenschaft meiner Oma war, daß sie allen Dingen auf den Grund ging. Wenn z.B. in der Familie Streit war, hakte Oma solange nach, bis jeder seine Meinung gesagt hatte und wieder Frieden war. Bei ihr wurde nichts 'totgeschwiegen'. Sie wollte lieber eine unangenehme Nachricht erhalten als im unklaren zu bleiben. Zwei Geschichten fallen mir dazu ein:
Als meine Oma und mein Opa verlobt waren, waren sie einmal abends nach der Arbeit verabredet. Die Wohnorte lagen ca. 15 km auseinander. Meine Oma war bei einer Familie 'in Stellung', also Hausangestellte, mein Opa war Holzfäller. Als mein Opa zu der Verabredung nicht auftauchte, fuhr meine Oma wild entschlossen mit dem Fahrrad die 15 km, um festzustellen, was los war. Opa hatte im 'Holz' Überstunden machen müssen und hatte keine Möglichkeit gehabt, Oma Bescheid zu geben. Sie kam mit dem Fahrrad im Wald angefahren, sah Opa noch arbeiten und war beruhigt. Besser als hätte sie sich die ganze Nacht Gedanken gemacht.
Später wollte mein Onkel eine Frau heiraten, die bereits von einem anderen schwanger war. Meine Oma war zwar mit der Heirat einverstanden, wollte aber wissen, ob derjenige, den meine Tante (sie heirateten dann auch tatsächlich) als Vater angab, auch wirklich dafür 'zuständig' gewesen war. Andere wollten die Sache einfach auf sich beruhen lassen, aber meine Oma setzte ihren Willen durch. Es wurde ein Vaterschaftstest gemacht, und es stellte sich heraus, daß meine Tante die Wahrheit gesagt hatte. Oma hatte mal wieder 'reinen Tisch' gemacht.
Für mich ist diese Eigenschaft meiner Oma wirklich bewundernswert, und ich hoffe, ich habe da ein bißchen von ihr abbekommen.

Zazie
23.06.2003, 01:06
Hoch damit.

Ruby
24.06.2003, 19:07
Ist ja süß! Nach, ich glaube, über einem Jahr sehe ich mal wieder herein, und gerade gestern hat Zazie meinen *alten* Thread hochgestemmt. Bin gerade dabei, mich ein bisschen einzulesen.
Viele Grüße
Ruby

Spleen
24.06.2003, 21:49
Hey, Ruby ist wieder da. Gerade eine Woche, bevor im WDR wieder "Haus am Eaton Place" anläuft! Sei willkommen!

Zazie
25.06.2003, 00:08
Ruby! Das freut mich aber! Wie du siehst, haben wir jetzt unser eigenes Forum. Ich hoffe daher, du kommst jetzt wieder öfter hier vorbei!

Lelani
26.06.2003, 13:27
He, Besuch! Willkommen daheim!

Ruby
27.06.2003, 22:55
Was für eine Begrüßung! Ich hatte fast vergessen, wie schön es hier ist. Melde mich bald wieder. Viele Grüße, Ruby

Zazie
29.06.2003, 21:22
Soviel zum Thema "Aufschieben von wichtigen Dingen": Ich habe heute Abend noch was zu arbeiten. Aber null Bock dazu! Also schreibe ich lieber noch was hier rein.

Ich habe noch ein wunderbares Oma und Opa-Dokument in Form einer Cassettenaufnahme, die mal an einem Nachmittag bei ihnen entstanden ist. Wenn ich sie höre, fühle ich mich augenblicklich wieder in das kleine Haus gegenüber der Mauer zurückgesetzt. Die Kaminuhr oben auf dem Schrank tickt, irgendwann ist volle Stunde und sie gongt, und ich bin wieder 11 Jahre alt, sitze am Tisch und spiele mit meiner Oma Barbie. Eben dieses Barbiespiel beabsichtige ich, mit meinem Recorder aufzuzeichnen. Nebenan in der Küche kruscht Opa rum, scheint sich was zu essen zu machen. Jedenfalls mischt er sich plötzlich in unser Spiel ein, um meiner Oma mitzuteilen, dass ihm die Eier nicht wie sonst munden. Es folgt ein Gespräch zwischen Oma und Opa, in dem ausgiebig der Geschmack von alten und neuen Eiern erläutert wird. Ich bringe meiner Oma ins Gedächtnis, dass ja das Band mitläuft und das gesamte Eiergespräch nun aufgezeichnet wird und frage sie, ob sie das nicht später mit Opa bequatschen kann. Oma will gerade sagen "ja, kann ich", als ein die Wände zum Beben bringendes Geräusch aus der Küche dringt, das besagt "Opa ist satt" - und ich falle fast von der Couch vor Lachen. Und habe natürlich nichts Besseres zu tun, als das Band immer und immer wieder zurückzuspulen und meinen Großeltern die Stelle mit dem Bäuerchen vorzuspielen. Mein Opa, inzwischen im Wohnzimmer, wusste nichts von dem Band und ist völlig entgeistert: "War ick det etwa?"
Sehr witzig auch die anschließende Verlesung des Fernsehprogramms des Tages durch meinen Opa, ein echter Zeitzeuge eines Samstags oder Sonntags im Jahre 1976. Ja, und dann ist das Band natürlich mit noch einigen witzigen Bemerkungen gespickt, die nur Oma und Opa von sich geben konnten. Derzeit liegt es sozusagen in einem versiegelten Tresor zusammen mit einer Cassette voller Interviews, mit denen ich meine Familie zu Familienfeiern immer nervte und somit weitere Stimmen von Verstorbenen konserviert habe. Ich muss mir die Bänder demnächst mal schnappen und auf frische Bänder überspielen, damit sie mir weiterhin erhalten bleiben.

Ruby
02.07.2003, 19:14
Köstlich, Zazie! Mir würde bestimmt ziemlich wehmütig werden, wenn ich meinen Großeltern noch einmal so zuhören könnte, incl. Wanduhr. Ein Interview auf Cassette habe ich mit meinem Opa auch mal gemacht. Ich war ca. 11, ging in die 5. Klasse, und das Interview sollte zum Thema "Ausländer" sein. Aus Opa waren keine anderen Antworten herauszubekommen als "Kommt drauf an", "Teils, teils", "Einige ja", "Mal so, mal so", "Das kann man so nicht sagen"... Diese Antworten sind bei uns inzwischen zu geflügelten Worten geworden. Die Cassette haben ich leider irgendwann überspielt, aber die Erinnerung an dieses Interview bleibt. Schrecklich war es immer, die eigene aufgenommene Stimme zu hören. Ich fand sie viel nasaler als wenn ich mich "normal" hörte.

Spleen
08.07.2003, 20:39
Ich habe meine Oma glücklicherweise mal auf Cassette singen lassen - längst vergessene Singspielliedchen aus ihrer Schulzeit. Es gibt auch ein Cassettenfragment, auf dem wir "Mensch ärgere dich nicht spielen". Oma war irgendwie bestürzt, dass die Aufnahme jederzeit wieder abgespielt werden könnte. Aber ich bin froh, dass die Cassette erhalten geblieben ist.

Zazie
09.07.2003, 01:14
Ach, da fällt mir noch eine Oma-Geschichte aus zweiter Hand ein, erzählt von einem früheren Kumpel von mir, Jahrgang 56 oder 57, soweit ich mich erinnere. Er hatte jedenfalls, ich glaube, zu Kommunion, Konfirmation oder irgend sowas ein Tonbandgerät mit Mikro geschenkt bekommen. Eines Tages war die Oma im Haus und ärgerte sich schrecklich über ihren Enkel, der irgendwas Freches zu ihr gesagt hatte. Lauthals schimpfend stand sie im Basement... während der liebe Enkel langsam das Mikro aus dem ersten Stock herabließ, um die Schimpfkanonaden auf Band zu bannen. Und es ihr nachher natürlich brühwarm vorzuspielen. Daraufhin soll die Oma wohl erst richtig sauer gewesen sein.

In einer anderen Geschichte mit dem selben Tonband ging es um seine Mutter. Diese hatte die Angewohnheit, jeden Morgen das Fenster seines Zimmer sperrangelweit zu öffnen, auch im Winter, und wenn er nach Hause kam, dauerte es immer ewig, bis es wieder warm in der Bude war. Protestieren nützte nichts, "da muss Frischluft rein", erklärte die Mutter kategorisch und riss weiterhin das Fenster auf. Das konnte er so aber nicht gelten lassen, und so dachte er, Tüftler, der er war, sich etwas aus. Ein paar Drähte, das Tonband, das Fenster... seine Mutter kam also am nächsten Morgen, als Sohn in der Schule war, ins Zimmer mit der Absicht, wieder mal das Fenster aufzureißen. In dem Moment, als sie den Fenstergriff berührte, sprang das Tonband an und eine warnende Stimme ertönte:" Halt! Mach sofort das Fenster wieder zu!" Die Frau Mama war so erschrocken, aber auch beeindruckt ob des Sohnes Tüftelkünste, dass sie das Fenster tatsächlich künftig geschlossen hielt.

DrMusic
09.07.2003, 01:27
...das war ja ein richtiger Daniel Düsentrieb, dein Kumpel.

Zazie
09.07.2003, 01:51
Ja, das ist er bis heute. Ich nannte ihn immer "den Elektrochirurg". Nichts war vor ihm sicher, wenn es darum ging, sich das Leben bequemer zu machen :-)

peizam
14.07.2003, 22:21
Ich erinnere mich noch gern an die großen Ferien, die ich manchmal bei Oma Elfi und Opa Wolfgang verbrachte.
Am deutlichsten in Erinnerung ist mir ein Mittagessen geblieben. Es gab Kartoffel und Möhren-Kohlrabi-Gemüse. Ich aß mit ordentlichem Appetit als mir dann auf einmal schlecht wurde und ich mich auf den Teller erbrach.
Nachdem mich meine Oma beruhigt hatte, fragte sie mich tatsächlich, ob ich das noch aufessen wollte- also den Teller auf dem auch noch mein Erbrochenes lag.... *grusel*
Ich denke noch heute mit leichten Schauern daran zurück.

Ruby
21.07.2003, 22:00
Das darf man sich wirklich nicht allzu bildlich vorstellen, ich bekam eben schon einen leichten Würgreiz. Erinnert mich irgendwie an den alten Witz mit den schon mal gegessenen Austern...

Hildchen
24.07.2003, 01:16
Was für ein netter Strang! Wenn man bedenkt, dass damals die Funktion eines Kassettenrecorders noch bestaunt wurde... Zu meinem letzten runden Geburtstag bekam ich eine Kassette geschenkt, auf der zu hören war, wie mein Großvater meinem Cousin Fotos aus seiner Studienzeit (gleich nach 14/18) erklärt. Er studierte Theologie in Bethel und Leipzig und berichtete von seinem Wunsch, Missionar zu werden, am liebsten in Ruanda. Begründung: Man hatte ihm erklärt, in Ruanda gebe es drei Volksgruppen, eine kleinwüchsige, eine mittelgroße und eine groß gewachsene. Die Großen hätten das Sagen und da er selber ca. 2 m lang war, versprach er sich die besten Missionserfolge in diesem Land. Er blieb dann doch hier und so kamen wir Enkel in den Genuss seiner Erzählkunst. Davon gibt es einige Aufnahmen, leider enthalten diese Kassetten auch Aufnahmen, die wir Enkel für die Großeltern anfertigten, Weihnachtslieder mehrstimmig, Blockflötenkonzerte und Gedichtrezitationen. Schauder, schauder!

Knittkuhl
01.08.2003, 15:42
Ist es eigentlich so, dass man immer eine dicke und eine dünne Oma hat? Also bei mir wars so und bei meiner Frau auch. Meine dünne Oma war die feine Oma: Da gab es so einen Vanille- oder Grießpudding mit roter Soße und über die Schale war dann noch so ein Häubchen aus Folie gespannt. Und wenn man brav aufgegessen hatte, bekam man einen blankpolierten Fünfer (noch den alten, nicht den neueren eierigen) und noch ein paar Gloria-Punkte für irgendein Sammelalbum. Nie wieder habe ich so einen leckeren Pudding gegessen. Das Rezept hat Sie leider mit ins Grab genommen. Die dicke Oma war eher der rustikalere Typ und eigentlich habe ich sie immer nur kartoffelschälend im Haushaltskittel in Erinnerung. Und ihr Wellensittich (der schon in der zehnten Generation "Butzi" hieß) tschiepte fröhlich dazu. Irgendwie vermisse ich beide (und die dazugehörigen Opas) doch sehr.

Ruby
11.08.2003, 11:31
Das ist ja eine interessante Theorie! Ich habe eine dicke Oma, und die andere war "normal". Beide Omas hatten es sehr mit einmachen, bevorraten und kochen. Nur die eine fühlt sich auch mehr für den Verbrauch zuständig. Die eine Oma meines Mannes war ganz klein, dünn und zerbrechlich, die andere dagegen ist ziemlich robust, nicht gerade dick, aber "stämmig" und ziemlich unverwüstlich. Also, annähernd kommt es schon hin mit der dicken und der dünnen Oma. Bestimmt hängt es mit der Partnerwahl der Eltern zusammen: Wenn der Vater schon eine dicke Mutter hatte, wollte er nicht auch noch eine Frau mit einer dicken Mutter, so in etwa?

Spleen
17.08.2003, 19:55
Interessante Theorie, Ruby! Meine Schwiegermutter ist dicker als meine Mutter. Bestätigt das etwas?

Ruby
19.08.2003, 21:42
Tschä... Findest du es bei deiner Schwiegermutter gemütlicher?

Spleen
20.08.2003, 20:41
Is´n unfairer Vergleich. Meine Schwiegermutter lebt im netten chaotischen Haushalt meines Schwagers, insofern eigentlich ja...

Ruby
21.08.2003, 14:21
Na, war so eine Idee von mir: Das, was man von zu Hause schon kennt, sucht man nicht auch noch in der Familie des Partners. Könnte auch eine Art Instinkt sein.

(Ich sollte doch noch Psychologie studieren...)

Spleen
22.08.2003, 20:40
Es ist nie zu spät! :)

Enterhaken
16.09.2003, 22:49
Ihr hattet Omas und Opas nach denen jeder sich die Finger leckt. Ich habe nur 2 Omas kennengelernt. Die Opas waren schon tot. Ein Glück. Einer hatte sich dummdämlich totgesoffen, über den zweiten wurde nur geschwiegen. Die Mutter meines Vaters war eine unförmige stinkende Frau. Nach einem Besuch habe ich immer sofort das Sitzkissen, sie saß nur, in den Müll geworfen. Heiligabend war sie jedesmal da.
Es gab Würstchen mit Kartoffelsalat, immer. Sie hatte dreckige und verkrustete Finger und Nägel und sie pellte damit die immergleiche Bockwurst so, dass ich nichts mehr essen konnte.
Die Mutter meiner Mutter war debil.
Man hatte sie mit Elektroschocks bearbeitet weil sie angeblich unter Verfolgungswahn litt. Danach fürchtete sie sich vor Ärzten, so dass sie nie wieder etwas über Unwohlsein oder gar Schmerzen sagte. Sie starb an einem Tumor grösser als ein Fussball, sie hat nie gejammert. Ich habe sie gemocht.

Paisley
05.10.2003, 07:14
Armer Enterhaken, hört sich nicht schön an mit den beiden Omas...

Anscheinend hat man wirklich immer eine dicke und eine dünne Oma. Hatte ich auch.

Meine dünne Oma (Mutter vom Vater) habe ich aber nie kennengelernt. Sie ist schon früh verstorben, in den 50ern (Was aber wohl nicht an den 50ern lag...). Sie stammte aus Danzig, und sie ist mit 5 Kindern 2 Jahre auf der Flucht gewesen zu Kriegs- und Nachkriegszeiten. Auch ihren Mann, meinen Opa, habe ich nie kennengelernt, er ist im Krieg gefallen.

So hatte ich nur ein Oma-und-Opa-Paar, die Eltern meiner Mutter. Sie stritten gern miteinander, waren aber sonst ganz friedlich. Meine Oma war gemütlich, ging gern shoppen, und Küche und Haushalt waren nicht unbedingt ihr Leben (wie bei so vielen anderen). Mein Opa hörte gern Marschmusik (hatte aber mit den alten Zeiten und ihren unangenehmen Begleiterscheinungen ideell nichts am Hut, war wohl ein alter Rest Kaiserliebe) und ging viel spazieren. Er war Dorfschullehrer gewesen, aber nie streng, sondern stets gutgelaunt. Nach dem Essen leckte er breit grinsend - und unter dem Gezeter meiner Oma, daß man so was nicht täte - gern mal seinen Teller ab. Das fand ich immer lustig.

Ich habe die beiden in sehr angenehmer und schöner Erinnerung. Sie waren immer lieb zu uns Kindern. Als sie noch bei uns im Dorf wohnten - später zogen sie nach Norddeutschland - , gingen wir Heiligabend immer zu ihnen in ihre Wohnung. Besuche bei meinen Großeltern von damals sind eine schöne Erinnerung, aber auch die späteren, als sie weggezogen waren. In ihrer Wohnung gab es eine Schranktür, hinter der immer reichlich Kekse und Schokolade gelagert waren, und man konnte immer was haben - wenn man vorher fragte.
*Hach ja*...

Das waren schöne Zeiten.... *

Inzwischen sind beide schon lange tot. Gottseidank mußte keiner von beiden lange leiden...

*seufz*

Lelani
16.10.2003, 10:15
Wir machten Camping. Oma und Opa hatten einen Dauerstandplatz auf einem Campingplatz der an einem See lag.

Opa war sportlich, jeden Morgen vor dem Frühstück schwamm er eine Runde.
Oma schwamm nur wenn es richtig warmes Wetter war und der See Badewannenwasser-Temperatur hatte.

Oma watete dann ins wasser und wenn ihr das Wasser dann bis unter die Achseln reichte, dann schwamm sie los, immer hin- und her.
"Oma" sagten wir Enkel oft "schwimm doch mal mit uns raus auf den See". " Nein" antwortete Oma dann " macht ihr mal".

Durch Zufall kam ich auf ihr Geheimnis, Oma schwamm nicht, Oma wanderte über den Grund des Sees, und mit den Armen machte sie Schwimmbewegungen, denn Oma konnte gar nicht schwimmen.