PDA

Vollständige Version anzeigen : Juhu! Wir schreiben ein Drehbuch!


Murmel
16.11.2001, 13:39
Hmm, das Filmforum dümpelt. So kann das nicht weitergehen. Neue Ansätze sind gefragt und hier ein Vorschlag: Wir schreiben einfach ein Drehbuch. Hier, online, zusammen. Wen es nicht interessiert, bitte ich, diesen Strang nicht zuzumüllen. Danke!

Zunächst suchen wir einen Plot - möglichst kurz zusammengefasst.

Beispielplot:

Ein alter Mann, Max (70), trifft seine erste Liebe, Mathilda (68), wieder, als er am grab seiner verstorbenen Frau steht. Sie wollte zum Grab ihres verstorbenen Ehemannes. Sie waren Anfang der 50er Jahre ein Paar. Rebellen. Jetzt rebellieren sie ein zweites Mal.

Dann kommt das eigentliche Drehbuch (Exposé und Treatment zu erarbeiten wäre in dieser Form sinnlos). Zur Übersichtlichkeit dabei bitte Ortsbeschreibungen groß, ob Innen oder Außen, Tag oder Nacht, Regieanweisungen kursiv, Charaktere fett und in Großbuchstaben, Dialoge jeweils unter den Charakter. Beispiel:

APOTHEKE - INNEN/TAG

MAX und MATHILDA kommen in eine Apotheke.

MATHILDA (flüstert)
Und was, wenn er erkennt, dass das Rezept gefälscht ist?

MAX
Hmm, ich müsste wieder einen Anfall vortäuschen.

MATHILDA
Wieder?

Sie kichert. ......


Hmm, fragt sich nur noch, wer da mitmachen wollen würde. Dann können wir in einer gewissen Reihenfolge (im geographischen Uhrzeigersinn oder nach "ja, ich will mitmachen"-Posting-Folge) schreiben, damit nicht mehrere gleichzeitig an einer Szene herumfeilen.

In einem zweiten Strang können dann die einzelnen Szenen besprochen werden. Ja, das wäre ein Spaß.

Sollte wirklich etwas brauchbares herauskommen, sollte irgendwer Interesse daran haben, das zu verfilmen, werden alle Autoren zu gleichen Teilen am Erfolg beteiligt sein, bzw. der hausmeister über Details entscheiden müssen.

DREA
16.11.2001, 13:48
Waere gerne dabei, Murmel! Oder meinst Du, dass das mit der Zeitverschiebung schwierig wuerde?

Murmel
16.11.2001, 13:50
Ui, das freut mich.

Zur Frage: Nein, ganz und gar nicht. Hat ja alles keine Eile.

rron calli
16.11.2001, 13:59
Hui, da möchte ich auch mitschreiben. Ideen, die nicht ins Drehbuch passen, können auf ihre Tauglichkeit für den immer noch unvollendeten großen deutschen Roman im Bücherforum geprüft werden.

Frau H aus B
16.11.2001, 14:04
Ich sei, gewährt miir die Bitte,
in Eurem Bunde die vierte!

Murmel
16.11.2001, 14:07
Hui, das wird fein.

Larry Erbs
16.11.2001, 14:30
Fein, Murmel.
als Beruf für Max schlage ich Tierpräperator vor. Mathilda war damals, als es den Begiff noch gar nicht gab Paparazza. Sie traf immer zufällig Filmstars wie Heinz Rühmann, das war ihre Begabung. Sie schwelgt in Erinnerungen. Ein abgehalfteter Bunte - Reporter hängt sich an ihre Fersen weil er glaubt dass viele Biographien damaliger Sternchen neu geschrieben werden müssten. Max wittert Konkurrenz. Eine der Spuren führt zu einem verschollenen Nazischatz. Mathilda hat bis jetzt immer geschwiegen...

----------

Eine andere Filmidee: Ein ganzer Film besteht aus rückwärts abgedrehten Szenen, diese jedoch in der chronologisch richtigen Reihenfolge. Die Dialoge werden nachsynchronisiert, aber so dass das originale Rückwärtsgeschwurbel noch hörbar ist, also so wie in diesen amerikanischen Home - Order Shows.
Krank, oder?

lilsista
16.11.2001, 14:58
Es gibt so einen ähnlichen Film, Larry, einen Kurzfil mit Udo Samel und Katharina Thalbach, lange her, dass ich ihn gesehen habe, hieß er nicht (wie sonst?) 'Rückwärts'?

roger
16.11.2001, 15:03
max war im krieg adjudant von paulus und mußte vor stalingrad hunde und katzen für den generalstab zubereiten. dabei hat er seine lieben zu (toten) tieren entdeckt.
als einziger schaffte er es, aus dem kessel auszubrechen: als russischer bär verkleidet. es folgte ein 8-jähriges exil in china - provinz mittlere mongolei - wo er als koch arbeitete.

drea, bitte übernehmen sie.

Murmel
16.11.2001, 15:12
Hmm, dann bleiben wir also bei der Geschichte der zwei alten Menschen. Bevor wir aber in Details und Backroundstories gehen stellt sich die Frage nach dem Thema.
Das Hauptthema ist die Liebe im Alter. Wie jung macht sie die beiden Protagonisten, welche Freiheit bietet die Lebenserfahrung und welche Einschränkungen erleben sie?
Wenn wir uns zu früh in Details stürzen, verlieren wir die Geschichte aus dem Auge. Grundfrage: Was haben die beiden in den 50ern zusammen erlebt und wie erleben sie ihre Rebellion gegen die Vorurteile gegenüber alter Menschen heute? Was wissen sie, was wir nicht wissen oder wahrhaben wollen? Wie gehen sie mit der Situation um?

Larry Erbs
16.11.2001, 15:33
Ich habe nur ein bisschen weitergestrickt, vielleicht sollten noch ein paar andere Plotvorschläge kommen.
Es sollte auch geklärt werden was für ein Genre es werden soll. Der Komik sollte schon ein grosser Raum gegeben werden.

Zu dem Plot mit den beiden Senioren: Sollten Rückblenden stattfinden, die das Paar in ihren jungen Jahren zeigt? War sie damals Feministin? Komikpotenzial bietet diese Geschichte allerings auch, so könnte man prima lustige Promigeschichten erfinden. Schmierige Reporter bieten auch Grund zur Erheiterung.

roger
16.11.2001, 15:45
murmel hat recht. zuerst der plot.

frage: aus welchem land kommen max und mathilda? das spielt für die rahmenhandlung sicher eine wichtige rolle...

Murmel
16.11.2001, 15:50
Ja, ich finde es gut, wenn wir mit Rückblenden arbeiten. Sie war Feministin, Nacktbaderin und eine der ersten Paparazza Deutschlands. Deswegen haben sie sich auch irgendwann verloren.
Ich stelle mir Figuren wie Walter Giller und Nadja Tiller vor - zuletzt spielten sie in einem sehr schönen Kurzfilm von Jophi Ries ("Immer") zusammen vor der Kamera.
Zumindest geht es aber um die beiden, seit sie sich kennen. Vorherige Geschichten sind wichtig für die Art und Weise, wie die Figuren handeln - hat sich Max damals auf einem Faschingsball im Bärenkostüm von ihr getrennt?
Zum Genre: ich glaube auch, dass wir so am ehesten eine Komödie schreiben können.

Murmel
16.11.2001, 15:54
Roger: als Land würde ich von Deutschland ausgehen. oder wollt Ihr auch die DDR thematisieren? Fände ich etwas abgedroschen und publikumsanbiedernd. Wichtig ist das Millieu.
Heute sind sie als alte Menschen in einer modernen Welt, damals waren sie moderne Menschen, die sich von gesellschaftlichen Norman befreien wollten. Haben sie es geschafft? Oder ist einer von den beiden auf der Strecke geblieben, "normal" geworden und entdeckt nun die Freiheit des anderen?
Ist Max vielleicht schon im Altersheim? Oder treffen sich beide im Krankenhaus?

Tobi Wahn
16.11.2001, 16:35
Dass sich Max und Mathilda am Friedhof treffen, finde ich besser als im Krankenhaus, auch wenn es mich fatal an den Beginn von 'Pearl Harbour' erinnert. (Niemand will einen Film sehen, in dem er dauernd hoffen muss, dass die Hauptdarsteller nicht plötzlich sterben)
Der Tod der Partner des neuen-alten Paars erschließt die Chance auf die neue, gemeinsame Zukunft.

Tierpräparatoren sind doch furchtbar seltsame Menschen und selten rebellisch.

Wie wäre es, wenn stattdessen Max mit begnadeten handwerklichen Fähigkeiten ausgestattet würde? Er hat früher Autos frisiert, und landete in den 50ern im Knast, weil er beim Versuch, den Tresor des bösen Pfandleihers zu knacken, um Mathilde ihre Kamera zurück zu beschaffen, die sie aus purer Not dort versetzen musste, erwischt wird. Gescheiterter Liebesbeweis, der die zarte Beziehung durch ein ungerecht hartes Urteil (fünf Jahre Knast sollten genügen) zerbrach.

roger
16.11.2001, 16:42
um das plötzliche ableben von hauptdarstellern auszuschließen, kann der film ja von hinten nach vorn erzählt werden. daß würde heißen, daß die schlußszene (friedhof, nachdenklich rückblickend) unbedingt am anfang stehen muß.

außerdem hat schon lange kein film mehr mit "es war einmal" angefangen.

Murmel
16.11.2001, 16:50
Dass das Anfangsbild am Ende wiederkehrt, dass wir wieder am Friedhof stehen, ist nicht verkehrt. Zudem ist die Scheu vor dem Tod unnötig. Ich finde es sogar gut, da beide dem Tod mit anderen Augen entgegensehen, als wir das gerade noch tun. Vielleicht will Max ja sterben und lebt nochmal auf, als er Mathilda wiedertrifft.
Oder wollen wir ganz in die 50er tauchen und das Wiedersehen nur als Rahmen benutzen?

DREA
16.11.2001, 17:18
waer wahrscheinlich zu rechercheaufwendig, das wir hier die 50er nicht einfach erfahrungs/erinnerungstechnisch aus dem Aermel schuetteln koennen.

DerCaptain
16.11.2001, 18:36
Lasst doch die 50er und nehmt gleich die 60er. Ich kenne da einen Experten, der sicher gerne...

flüchtend ab

Murmel
16.11.2001, 18:47
CAPTAIN! Machen Sie bitte das Wort weg! Bitte! Ansonsten muss ich meine Moderationskeule auspacken und Ihren Beitrag bearbeiten.

lachend ab

Murmel
17.11.2001, 13:31
Also, nicht, dass wir hier abbrechen. Andere Plotvorschläge sind noch immer willkommen. Wichtig ist dabei, dass ein oder zwei Hauptcharaktere, das Setting, das Thema und die Grundidee in ein paar Sätzen klargemacht werden.
Ich persönlich finde es mittlerweile reizvoll, von zwei alten Menschen zu erzählen, die einen "dritten Fühling" (ja, ich kenne den Film) erleben. Aber eben nicht so wie Jack Lemmon und Walter Matthau, sondern hier und nach ca. 40 Jahren Trennung. So, bin jetzt unterwegs.

Juri
17.11.2001, 13:40
Ähm, ich war übrigens gestern im Kino und hab da ein Filmplakat gesehen, auf dem in etwa zu erahnen war, dass zwei ältere Leutchen sich früher einmal kannten und jetzt ihren wievielten Frühling auch immer erleben...
Das nur nebenbei.

Murmel
19.11.2001, 11:07
Oh, das ist schade, das. Habe ich noch nicht gesehen, weder Plakat, noch Film, hatte eigentlich auch nur ein Beispiel vorgeben wollen. Wie heißt der Film?

Schocker
19.11.2001, 16:18
Hier in Kürze meine Vorschläge, die auf einigen bereits genannten Ideen basieren:




HAUPTTHEMEN:
Verlorene und wiedergefundene Liebe, erfolgreicher Kampf zweier alter Menschen gegen alte und neue Nazis und unhöfliche Paparazzi, erfolgreiche Suche nach einem Nazischatz, permanente Rebellion gegen Konventionen und Spießbürgertum.



HAUPTFIGUREN:

Mathilda
Charakter: kommunikativ, geradeheraus, schlagfertig, vorlaut. Verabscheut Heuchelei und Eitelkeit (hat sich damit bei nicht wenigen Prominenten unbeliebt gemacht). Liebt guten Wein und gute Literatur.
Beruf: Journalistin, im Alter ehrenamtliche Mitarbeiterin in einem Antiquariat.
Hobbies: Nackt baden, laute Rockmusik hören, hin und wieder einen Joint rauchen, lästern.


Max
Charakter: offen, aber auch kalkulierend. Hat einen guten Draht zu Jugendlichen (sie schätzen seine Fähigkeiten als Mechaniker). Vielleicht verbirgt er ein Schuldgefühl – trägt er eine Mitschuld am Tod des Soldaten (Näheres unter PLOT)?
Beruf: Mechaniker, im Alter Gehilfe (eigentlich heimlicher Chef) in einer Schneiderei.
Hobbies: Tierkostüme für Maskenbälle schneidern, Autos und Motorräder frisieren.

Beide haben Mut, Intelligenz und Witz. Trotz moralischer Schwächen sollen sie in ihrer unkonventionellen Art Sympathieträger sein.
Sie wohnen in einer westdeutschen Großstadt.



PLOT:

Ende der 50er Jahre waren Max und Mathilda nach einer kurzen, aber stürmischen Liebesbeziehung im Streit auseinandergegangen - sie waren zu eigensinnig und zu sehr auf Unabhängigkeit bedacht, um zusammenleben zu können. Sie haben Partner geheiratet, mit denen sie ein normales, aber leidenschaftsloses Leben führten. Beide wissen, daß sie durch die Trennung in ihrer Jugend ihre Chance auf ein erfülltes Leben verspielt haben, wollen sich das aber nicht eingestehen. Erst durch die zufällige Begegnung auf dem Friedhof ändert sich das. Nach anfänglicher Reserviertheit tauen sie auf und berichten einander von ihrer Vergangenheit, was dem Zuschauer durch Rückblenden vor Augen geführt wird.

Mathilda war 40 Jahre lang Paparazza und kennt viele sonst unbekannte Geheimnisse von Stars, Politikern und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft. Aus Diskretion hat sie während ihrer journalistischen Laufbahn ihr Wissen nie verwendet. Mehrere „unhöfliche Paparazzi“ sind hinter ihr her, um von ihren Informationen zu profitieren. Mathilda weiß, daß man ihr eine Falle stellen will, der sie allein nicht entkommen kann. Max ahnt nichts davon.
Max wiederum hat (was Mathilda erst nach der Begegnung auf dem Friedhof erfährt) vor Stalingrad von einem Geheimprojekt der Nazis Wind bekommen (ein Schatz aus zusammengeraubtem Gold und Juwelen ist in einem Schloß in den Karpaten versteckt) und 50 Jahre lang versucht, an den Schatz heranzukommen, was wegen der politischen Verhältnisse lange unmöglich war. Ausgerechnet jetzt, wo er den Schatz suchen könnte, haben sich zwielichtige Schatzjäger (aus alten und neuen Nazis rekrutiert) gegen ihn verbündet und holen zum entscheidenden Schlag aus.

Leider kennt Max den Ort, wo der Schatz liegt, nicht genau. Aus der Schatzkarte, die er als einziger besitzt, geht nur die Lage des Schlosses selbst hervor. Wegen der Größe des Gebäudes wäre eine Suche aufs Geratewohl sinnlos.
Die genaue Position ist in einem rätselhaften Gedicht versteckt, das Max kurz vor Ende des Krieges von einem sterbenden Soldaten erfahren hat. Trotz jahrzehntelanger Beschäftigung mit dem Text ist es ihm nicht gelungen, die Bedeutung zu finden. Erst Mathilda kann ihm helfen: das Gedicht spielt auf die Tochter des Soldaten an, die zu einem Filmstar der 50er und 60er Jahre wurde und nun in einem Altersheim verdämmert. (Sie ist nur unter ihrem Künstlernamen bekannt, daher konnte Max, der den Namen ihres Vaters kennt, die Verbindung nicht herstellen.) Dank ihrer intimen Erinnerungen und einem Besuch bei besagtem ehemaligem Star findet Mathilda des Rätsels Lösung: ein merkwürdig geformtes Muttermal an einer intimen Stelle des Stars. Wenn man diese Form auf die Karte legt, zeigt sie auf den genauen Ort des Schatzes.
Max und Mathilda hetzen die Paparazzi auf die Nazis, und zwar auf eine Weise, die beiden Gelegenheit gibt, ihre Stärken auszuspielen (Max’ Tierkostüme, seine Fähigkeiten als Mechaniker, Mathildas Hintergrundwissen und Kenntnis der Paparazziwelt) und bleiben als lachende Sieger zurück. In den Karpaten finden sie den Schatz und geben ihn den Nachkommen der Naziopfer. Jetzt holen sie die Liebesgeschichte nach, die 40 Jahre lang nicht möglich war.





ERZÄHLVERLAUF:


Der Film hat drei Teile:

I. PROLOG
Zeit: Gegenwart
Ort: Friedhof
MAX und MATHILDA begegnen sich nach rund 40jähriger Trennung zufällig, als sie die Gräber ihrer jeweiligen Ehepartner besuchen. Blicke, Gesten und Andeutungen implizieren, daß beide sich in Gefahr befinden, obwohl das zunächst nicht genauer ausgeführt wird. Dadurch entsteht ein Spannungsmoment, das bis Filmende erhalten bleibt.

II. ERSTER HAUPTTEIL
Rückblenden, die sich aus den Erinnerungen der beiden ergeben. Sie folgen einer assoziativen Ordnung, keiner chronologischen. Es kommt mehrmals vor, daß beide ein und dasselbe Ereignis ganz unterschiedlich erleben und bewerten. Dabei wechseln sich private Erinnerungen und Reminiszenzen an politische und kulturelle Ereignisse in Deutschland und der Welt ab (Schwerpunkt ist jedoch Deutschland – mehrere Meilensteine der Geschichte nach 1945 werden ironisch kommentiert).
Die Erinnerungen scheinen zunächst wahllos herausgegriffen und augenscheinlich ohne Belang. Der Umgangston zwischen den beiden ist lange Zeit kühl und distanziert. Nach und nach jedoch wird klar, daß jeder auf ein Ziel zusteuert, das er lange nicht benennen will (bei Max der Schatz, bei Mathilda die Auseinandersetzung mit den Paparazzi, bei beiden die Erkenntnis, daß sie die große Chance ihres Lebens verpaßt haben und sich weigern, das sich selbst und dem Anderen zu gestehen).In ihren Erinnerungen artikulieren sich Ängste, die in der Vergangenheit wurzeln und ihre Gegenwart beeinflussen und bedrohen. Beide sind in Gefahr und müssen die Vorbehalte gegen den jeweils Anderen überwinden, um gemeinsam zu handeln.

III. ZWEITER HAUPTTEIL
Ort und Zeit zunächst wie in der 1. Szene. Max und Mathilda haben herausgefunden, wie sie einander helfen können und führen die Tat aus.



STIL:
Grundsätzlich realistische Erzählweise (großes Erzählkino, oder was?), die jedoch auch Komik beinhaltet.
Die Auffassung der Figuren wechselt zwischen Ernst (die zwei Hauptfiguren sollen als vielschichtige Charaktere glaubwürdig wirken) und Komik bis zur Groteske (das Verhalten der unhöflichen Paparazzi) sowie entlarvender, aber nicht verharmlosender Satire (Spießbürger, alte und neue Nazis).
Denkbar ist, in den Rückblenden typische Stilelemente des Films der 50er bis 80er Jahre zu parodieren.



Entschuldigt, daß mein Versuch so lange geworden ist...sagt, läßt sich damit was anfangen?

Tobi Wahn
19.11.2001, 16:39
Bekommen wir nicht ein Problem, wenn wir derartig weit in die deutsche Geschichte zurück greifen?
Wenn Max in Stalingrad als Soldat gekämpft haben soll, müsste er schon etwa Jahrgang 1915 sein und wäre heute nicht mehr rüstig genug, um turbulente Abenteuer mit Neunazis und unfreundlichen Pappen zu bestehen. (Die Punkte Liebe und Erotik mal außen vor gelassen)

Den Zusammenhang mit dem Muttermal und der Schatzkarte finde ich äußerst prickelnd, Nazigold halte ich hingegen für zu abgedroschen.

Das Ganze 20 Jahre nach vorne geschubst und mit einem neuen Schatz versehen, fänd ich besser.

Murmel
19.11.2001, 20:35
Hey, Shocker, willkommen! Also, um es kurz zu machen: die Idee, eine Schatzsuche in die Geschichte einzubauen, gefällt mir nicht. Ich glaube, dass es reicht, zu erzählen, wie die beiden nun das erfüllte Leben nachholen.
Es geht mehr um die Charaktere und das, was sie immer schon mal machen wollten, doch sich nie getraut haben. Hmm, bin gerade zeitlich etwas knapp, gehe eher am Wochenende wieder länger online.
Ansonsten finde ich die Ansätze in den Charakteristika schon ganz gut.

Yvonne Caldenberg
20.11.2001, 00:45
Schöne Idee, Murmel.

Die Grundidee des Plots gefällt mir.

Ein Vorschlag:
Wie wäre es denn, wenn wir Max Ende der 50er Jahre in der DDR verschwinden lassen?

Mögliche Gründe dafür:
Max spielte als Statist in diesem Billy-Wilder-Film mit (Titel vergessen) der 1960/61 im geteilten Berlin gedreht wurde. Dabei verliebte er sich in eine Angestellte der bulgarischen Botschaft, heiratete sie und blieb. Später wurde er Leiter des DDR-Kulturzentrums in Sofia.
Nach der Wende soll er zusammen mit seiner Frau das bulgarische Kulturzentrum in Ostberlin abwickeln. Seine Frau stirbt. Einige Zeit später trifft er an ihrem Grab in Sofia Mathilda wieder. Mathilda ist auf diesem Friedhof, da sie nach dem Grab von Christos Mutter sucht, die zudem ein berühmter bulgarischer Stummfilstar war, der in den 20er Jahren auch in Berlin zu Ruhm gelangte.

roger
20.11.2001, 01:14
die sympatie für max sollte schwanken. als junger mann wurde er wegen schmuggel (nachkriegszeit, ihr wißt schon) zu 2 jahren haft verknackt. auf bewährung wieder draußen hat er nichts dringenderes zu tun, als gegen die eingangstür des gefängnisses zu pinkeln! (rebell eben, ihr wißt schon)

nochmal 6 monate! ("wie kann man nur so blöd sein", ihr wißt schon)

-- 1. höhepunkt der sympatie --



@regie: bitte KEINE gefängnisszene von innen! einbuchten: schnitt. rauskommen, pinkeln, einbuchten: schnitt.

Murmel
20.11.2001, 14:13
Frau Caldenberg, Sie überraschen mich.

Insegsamt steht hier eine ganze Menge schöner Ideen. Wir sollten dies alles damnächst in einzelnen Strängen diskutieren - anko richtet ein kleines Separee für uns ein, ähnlich der Senatorenlounge, in das nur diejenige blicken dürfen, die sich an der Entwicklung beteiligen. Grund hierfür, ganz einfach, die Übersichtlichkeit und etwas Ruhe. Anko hat schon mit der Einrichtung begonnen, das Subforum nennt sich "Murmel Clausens Drehbuchkombo" (wer hat sich das wohl ausgedacht?) und sollte in den nächsten Tagen für diejenigen, die sich hier schon beteiligen, sichtbar sein.
Ich bin bis Donnerstag Abend offline, aber das soll hier keine Diskussion stoppen. Wichtige Stränge für das kleine Forum:

Vorgschichte (davon steht hier schon sehr viel)
Charakteristika
Plot (was erzählen wir eigentlich?)
Story-Outline (dramaturgische Skizze des Films)

Die wirklich wichtige Frage zum Plot: wie holen zwei alte Menschen ein gemeinsames Leben in kurzer Zeit nach? Was können sich alte Menschen im Alltag herausnehmen, ohne peinlich zu werden?

In der Richtung fehlt noch sehr viel. Ich bin aber jetzt schon begeistert. Bis dann!

Larry Erbs
20.11.2001, 14:28
Ich glaube es wäre von Vorteil wenn die beiden nicht von Anfang an gleich zusammenfinden, der Liebe müssen ein paar Steine in den Weg gelegt werden. Oder sie stehen erst in einer Sache in Konkurrenz. Also sie treffen sich nach Jahren wieder, erinnern sich an ihre gegenseitigen Verletzungen haben beide noch ein altes Missverständnis das damals zu ihrer Trennung führte, welches sie aber noch nicht gleich aus den Weg räumen.

Ausserdem finde ich dass die Sache mit dem Nazischatz nicht zur Haupthandlung werden sollte, es soll ja keine Indiana Jones Geschichte werden.

DREA
20.11.2001, 15:16
Wiederfindung der Liebe und sofort gegen die Welt in Harmonie faende ich, wie Larry, ein bisschen lahm. Nazischatz muss auch nicht unbedingt sein. Nazithematik faende ich ueberhaupt nur rezivoll, wenn es Rueckblenden mit schoen abstrusen Scherzen gaebe.
Stelle gerade fest, dass mein Kopf mit Job und Umzug derzeit ziemlich voll ist und mir zu den Plotvorschlaegen einfach nix einfaellt Waere es in Ordnung und moeglich, sich erst naechste Woche "richtig" einkzuklinken, Murmel?

Tristram Shandy
20.11.2001, 21:38
...und wehe, ich muss mir später im Kino eine Geschichte mit "total coolen" alten Leuten sehen, die alles mögliche ausgeflippte Zeug machen.
Banküberfälle oder so. Oder mal einfach so in die Disco. Dann laufe ich Amok.
Ich hasste Til Schweiger für "Knocking on Heaven's Door" ohnehin schon - aber für "Jetzt oder nie" gehört er gekreuzigt! Warum muss man alte Leute vergewaltigen? Warum dürfen sie sich nicht benehmen, wie sich alte Leute eben benehmen?

Ansonsten ist das eine schöne Idee. Nicht das mit den alten Leuten - das muss sich noch herausstellen. Aber das mit dem Drehbuch!

Larry Erbs
20.11.2001, 22:30
Und Inlineskaten sollten sie auch nicht! Sie sollten auch einen ganz unzeitgemässen Humor haben, so wie aus alten Filmklamotten, völlig unkompatibel mit der Spasskultur von heute, die man als Kontrast jedoch ebenfalls mit schlechten Beispielen -repräsentiert durch eine Nebenfigur - einsetzten könnte.

roger
20.11.2001, 23:53
liebe freunde,
die sache wird immer spannender! ich denke, wenn es tausende wildfremde leute schaffen, per internet ein betriebssystem namens LINUX zusammenzubauen, was steht dann diesem projekt im wege?

wer weiß schon, was sich daraus noch alles entwickelt.

ich warte auf das neue forum und laß das pulver derweil im trocknen

Tristram Shandy
21.11.2001, 19:58
Sehr gute Idee, Larry!
Im Rückgriff auf die Sächsische Typenkomödie des 18. Jhs. könnte man quasi als "Dienstbotenhandlung" zwei parallele Charaktere konstruieren, die so Til-Schweiger-mäßig funktioneren.

Und unsere Helden ziehen immer nur die Augenbrauen hoch, wenn sie auf die beiden senilen Flippis stoßen, die noch so ultracool tun.

Larry Erbs
21.11.2001, 20:56
Zum Beispiel ziehen sie die Augenbrauen hoch wenn sich die beiden Senilflippis mit ihren Microscootern über die Bordsteine würfeln.

Schocker
28.11.2001, 00:22
Anscheinend sind wir uns weitgehend einig, daß das Zusammentreffen der beiden Alten der zentrale Moment des Films ist, d.h. die Szene, die den Film in zwei Teile trennt (weitere Einteilungen wären demgegenüber sekundär). Dann wäre zu fragen, wie sich die beiden Teile zueinander verhalten:

a) quantitativ – soll der zweite, gegenwartsbezogene Teil der längere Hauptteil sein? der erste dagegen mehr oder weniger eine Einleitung, die die Hauptfiguren „bloß“ vorstellt?

b) stilistisch – ein Mosaik aus Rückblenden im ersten Teil, eine kontinuierliche Erzählweise im zweiten?

c) figurenbezogen – lernt der Zuschauer die beiden im zweiten Teil von einer neuen Seite kennen? Sind sie jetzt gemeinsam munterer, frecher, erfindungsreicher, provokanter als früher? Oder war ihr Humor im ersten Teil überhaupt nicht sichtbar?

d) humorspezifisch – falls die Rückblenden in vergangenen Jahrzehnten spielen, wäre Maxens und Mathildas Humor im ersten Teil weitgehend zeitkonform. Erst der zweite Teil würde ein Auseinanderfallen inszenieren: auf der einen Seite der unzeitgemäße Witz der Alten, auf der anderen die Gags der „Spaßgesellschaft“, die als abgestanden und konformistisch entlarvt werden. Das mit den zwei parallelen Charakteren ist ausbaufähig.
Wer käme als positives Humorvorbild in Frage? Heinz Erhardt? Wolfgang Neuss? Herbert Hisel? Werner Finck? Noch unzeitgemäßer: Charlie Chaplin / die Marx-Brothers.


Vielleicht könnten Max und Mathilda nach ihrem Treffen etwas ganz Absurdes tun. Keinen Banküberfall (hat das nicht schon Lina Braake gemacht?), aber irgendwas, das die sogenannte Normalität als absurd entlarvt. Wenn wir da was Zündendes finden, auf das wir uns einigen, haben wir vielleicht schon die halbe Miete.

Juri
28.11.2001, 00:41
auf Murmels Frage von ganz neulich: Das Filmplakat mit den beiden Alten warb für "Innocence - Erste Liebe, zweite Chance". Aber bis das hier steht, ist der schon in der Videothek eingestaubt. Wollte nicht bremsen oder so. Habe nur endlich mal wieder das Plakat gesichtet.

Kusie
10.12.2001, 11:39
Drehbuch - gute Idee das!

Aber mit Verlaub - Euer geritatrischer Ansatz gefällt mir nicht. Dabei ist alles längst da - Ihr seht nur den Wald vor lauter Bäumen nicht. Lasst uns ein Drehbuch schreiben über die "Zentralen Fragen der Menschheit" bzw. über die Dinge, die die Menschen heutzutage WIRKLICH bewegen: Arbeitstitel: "Fressen, Ficken, Fernsehen". Nun gut, die Autos gehören eigentlich noch dazu, aber das passt hier nicht.

Ich schlage also vor: ein Film mit 3 Hauptprotagonisten:

Horst: fett, faul, ungepflegt. Sein einziger Lebenszweck ist Fressen.

Harry: notorischer Frauenaufreisser, eitel und oberflächlich.

Hans: Horst ist Film- und Fernsehsüchtig, nebenbei Spanner. Er besitzt das edelste technische Equipment.

Alle drei kennen sich nicht, haben aber zwei Gemeinsamkeiten: sie haben ständig ungewollte Begegnungen mit Promis (Einzelstories entnehme man dem Paparrazi-Forum) und alle verehren Clint Eastwood, versuchen ihn zu imitieren.

Alle 3 geraten in eine fundamentale Lebenskrise und stehen kurz vor dem Suizid. Bevor Sie freiwillig abtreten, wollen Sie sich aber noch einen Lebenstraum erfüllen: ab in die USA und Clint Eastwood aufspüren, einmal mit Ihm sprechen.

Also reisen alle 3 (durch Zufall im selben Flugzeug, wo sie sich das erstem mal begegnen) in die USA. Durch einen Buchungsfehler der Reiseagentur landen alle 3 im gleichen Mietwagen, um die lange Reise an die Westcoast (LA?) anzutreten. Die 3 hassen sich, müssen aber in der Folge diverse Situationen überstehen, bei denen das jeweilige "Talent" der Protagonisten (eben Fressen, Ficken, Fernsehen) sehr nützlich ist. Schließlich bilden die 3 eine Zweckgemeinschaft, lernen sich schätzen, und begegnen zum Schluß tatsächlich Clint Eastwood, aber ganz anders, als Sie sich das vorgestellt hatten.
Das Ende sollte optimistisch sein, alle finden die Freude am leben wieder.

Das Ganze ist also ein Roadmovie, eine Tragikomödie. Die einzelnen Handlungselemente bieten hinreichend Gelegenheit, duzende guter Stories aus diesem Forum (peinliche Sexgeschichten, Drogenparties, Fäkalgeschichten) die WIRKLICH passiert sind, einzubauen. Wie jeder weiss ist das Leben bizarrer als jedes Filmdrehbuch.

So, macht was draus. Ich rechne mit Drehstart 2002. Bitte keine deutschen Standardstars besetztem sondern ALLES Nonames.

Ich kriege 3% der Nettoeinnahmen!

Schocker
17.01.2002, 22:29
Wie sieht es hier denn aus...kein Mensch mehr da...die Aschenbecher quillen über von alten Zigarettenkippen...die Papierkörbe platzen aus den Nähten...auf den Schreibtischen stapeln sich zwischen halbvollen, kalten Kaffeetassen fleckige, kaum noch entzifferbare Manuskripte... Dutzende Blätter fliegen auf dem Boden rum...dazwischen leere Schränke mit offenen, schief in die Zimmer hereinhängenden Türen, ein paar verstaubte Videogeräte, blinde Computerbildschirme; Scheinwerfer und Kameras, die ihren Dienst längst aufgegeben haben...und diese abgestandene Luft hier...mache gleich mal das Fenster auf...

So, jetzt geht’s besser...Was ich hier will? Ja nun...ich weiß nicht, ob es der richtige Moment ist, das zu sagen, aber mir ist eine neue Filmhandlung eingefallen...kann sie ja mal erzählen, bevor die Abbruchbirne zuschlägt.






Ort: Deutsche Großstadt
Zeit: Gegenwart
Hauptfiguren: Carola, Gerd
Genre: Liebesgeschichte mit Krimirahmen



HANDLUNG


a) kurze Fassung

Ein 35jähriger Mann (Gerd) verliebt sich in eine 25jährige Frau (Carola), die sich in jeder Hinsicht unkonventionell benimmt und nicht unbedingt sympathisch ist. Sie erwidert seine Gefühle nicht im geringsten, wodurch Gerd immer mehr die Kontrolle über sich und sein Leben verliert. Erst unmittelbar vor Ende des Films kommt es zur ersten und letzten echten Kommunikation zwischen den beiden. Das dauert allerdings nur einen Augenblick, dann ist das Verhältnis endgültig zu Ende.


b) lange Fassung

Die Polizei ist einem Drogenring auf der Spur, dessen unbekannter Chef die Polizei seit Monaten an der Nase herumführt.
Gerd (ca. 35 Jahre alt), einer der ermittelnden Beamten, verhört mehrere Personen, die mehr oder weniger zufälligen Kontakt mit Mitgliedern der Bande hatten. Eine dieser Zeugen ist die etwa 25jährige Programmiererin Carola. Sie begegnet sämtlichen Mitmenschen mit äußerster Kälte, Verachtung und Überheblichkeit. Zwar ist sie ihnen intellektuell weit überlegen, doch rechtfertigt das nicht ihr Verhalten.
Während des gesamten Films macht sie keine einzige Äußerung, die aus mehr als einem Wort besteht. Sie redet ausnahmslos mit flacher, völlig desinteressierter Stimme. Was sie sagt, trifft stets den Kern der Sache. Während andere ratlos schwätzen, zeigt sie – obwohl nach außen hin ganz uninteressiert - mit einem einzigen Wort, wo es langgeht. So bringt sie die hilflos herumstochernde Polizei auf die entscheidende Spur.
(Dies verlangt eine nicht-realistische Voraussetzung: ihre Gesprächspartner reden alle so, daß Carola nie in die Verlegenheit kommt, mit mehr als jeweils einem Wort antworten zu müssen. Das wird nicht thematisiert, der Zuschauer soll jedoch mit der Zeit den Verdacht bekommen, daß hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.)

Sie wirkt stets überlegen, souverän, kühl, überheblich, frech und absolut respektlos. Es gelingt ihr, die Schwächen der anderen sofort zu erkennen und offenzulegen, auch wenn dazu kein Anlaß besteht. Daß ihre Art immer arrogant und häufig beleidigend und verletzend wirkt, scheint sie nicht einmal zu registrieren. Kein einziges Mal verzieht sie ihre Miene (vgl. jedoch die Schlußszene). Ihre Kollegen mögen sie nicht, haben aber Scheu vor ihr und respektieren ihre Fähigkeiten.
Sie scheint moralisch völlig indifferent zu sein, tut zwar nie etwas eindeutig Böses, aber auch nichts Gutes. Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und ähnliche Tugenden sind ihr vollkommen fremd. Zudem hat sie Geschlechtsbeziehungen mit allen möglichen Personen, auch Verbrechern. Dabei ist sie einerseits leidenschaftlich-fordernd, bleibt andererseits aber stets distanziert. Von Liebe oder auch nur Zuneigung zu anderen ist bei ihr keine Rede. Im Bett ist sie unerwartet aggressiv und verlangend, saugt ihre Liebhaber aus, zerkratzt ihnen unmenschlich Gesicht und Körper. Es scheint, als würde sie immer nur nehmen, ohne zu geben.
Ihre Kleidung und ihre Frisur sind weiblich-elegant, aber nicht auffällig. Sie ist ungeschminkt, hat kurze Haare (braun?) und lange Nägel. Sie ist attraktiv, aber keine Fotomodell-Schönheit. Sie ist grazil und etwas kleiner als die anderen Figuren.

Gerd erscheint in jeder Hinsicht als Durchschnittstyp, auch äußerlich.
Nach anfänglicher Abneigung fühlt er sich immer mehr zu Carola hingezogen. Das Verhältnis der beiden überwiegt im zweiten Drittel des Films die Krimihandlung. Je enger der Kontakt der zwei wird, desto mehr verschlechtert sich Gerds Verhältnis zu seiner Familie und seiner Umwelt.
Der Zuschauer erhält nun durch Gespräche Gerds mit Freunden und Angehörigen Einblick in seine Vergangenheit. Als junger Mensch hatte er Träume von einem anderen, individuell-erfüllten Leben, doch fehlte ihm der Mut, sie zu verwirklichen. Stattdessen flüchtete er in die (Schein-)Sicherheit eines bürgerlichen Lebens. Mit seinem Dasein ist er nicht zufrieden, hat aber nicht den Mut, sich zu ändern. Ihm fehlt ein Anstoß von außen, der ihn vor die Entscheidung stellt.
Über Carola hingegen erfährt man nichts. Ihre Herkunft und ihre Vergangenheit bleiben ein Geheimnis. Sie ist nie allein zu sehen, immer nur mit anderen zusammen. Keiner weiß, was sie tut, wenn sie allein ist.

Zunehmend trägt Gerd einen inneren Konflikt aus. Einerseits kann er bald nicht mehr leben, ohne Carola täglich zu sehen, andererseits zieht er immer noch die relative Sicherheit der Ehe mit seiner „normalen“ Frau vor (eigentlich liebt er sie nicht, fand jedoch vor seiner Begegnung mit Carola nicht den Mut, sich das einzugestehen). Privatleben und Berufsleben geraten aus den Fugen. Schließlich gibt er Carola sein Interesse an ihr zu verstehen. Sie bleibt jedoch so kühl wie immer, ohne auf seine Avancen im mindesten einzugehen. Sie hat nichts dagegen, daß er sie küßt und mit ihr schläft, zeigt sich aber nicht davon berührt und behandelt ihn wie alle anderen.
Dennoch intensiviert sich die Zusammenarbeit der beiden. Carolas Hinweise helfen Gerd, mehrere Bandenmitglieder zu verhaften und den Anführer einzukreisen.


Schluß
Im dritten Drittel kommt die Krimihandlung wieder mehr in den Vordergrund. Gerd entdeckt durch Carolas Hilfe eine heiße Spur, die ihn zu dem lange gesuchten Kopf der Bande führt. Er stellt ihm eine Falle.
Am Morgen des Tages, an dem die Falle zuschnappen soll, erfährt Gerd zufällig durch Carolas Chef, daß sie soeben ihren Job aufgegeben hat und die Stadt am selben Tag verlassen will. Für Gerd bricht eine Welt zusammen. Er bittet sie dringend, ihm zu sagen, wo sie hinwill und mit ihm in Kontakt zu bleiben, doch umsonst. Sie gibt keine Begründung für ihr Handeln, läßt aber keinen Zweifel daran, daß er sie nie wiedersehen wird.
Am Nachmittag ist es soweit: der Obergauner soll entlarvt werden. Er hat jedoch Wind von der Aktion bekommen und dreht den Spieß um. Er stellt seinerseits Gerd eine Falle, die für diesen normalerweise tödlich verlaufen wäre. In einer dramatischen Sequenz rettet Carola Gerds Leben unter Einsatz ihres eigenen. Beide bleiben unverletzt. Alle anderen (Polizisten, zufällige Passanten) versagen, teils aus Inkompetenz, teils aus Feigheit.

Schlußszene:
Gerds Dankesbezeigungen lassen Carola vollkommen unbeeindruckt. Ohne darauf zu reagieren, geht sie wortlos weg (der Zuschauer erwartet es nicht anders). Einige Sekunden lang ist sie von hinten zu sehen, wie sie mit ihrer üblichen Ruhe den Schauplatz verläßt. Dann bleibt sie stehen, dreht sich langsam um, sieht Gerd an und zum ersten und einzigen Mal im ganzen Film lächelt sie, warm und freundlich. Dann wendet sie sich ab und geht endgültig.
Die folgende Einstellung zeigt Gerds vollkommen verblüfftes, ja schockiertes Gesicht. Nach der Rettung hatte er seine Ruhe relativ schnell wiedergefunden, aber diese absolut unerwartete Geste Carolas läßt ihn erschüttert zurück. In diesem winzigen Augenblick hat er die Erfüllung gefunden (und gleich wieder verloren), nach der er sein Leben lang gesucht hatte.

Wunscheffekt:
Der Zuschauer soll durch das Lächeln völlig überrascht werden. Idealerweise läßt es ihn die Figur Carola und den ganzen Film in einem neuen Licht sehen. Bis zu Gerds Rettung war nicht klar, auf welcher Seite Carola steht – sie hätte auch für die Gangster arbeiten und ihn bewußt in den Tod locken können. Der Zuschauer soll sogar subtil dazu verleitet werden, das anzunehmen. Um so mehr überrascht ihn das Ende.
Diesem Effekt kann auch die Inszenierung helfen, indem sie in den ersten 95 % des Films eine dezent-düstere Atmosphäre schafft, die den Zuschauer ein böses Ende erwarten läßt.

iokai
21.01.2002, 14:21
Hi! Finde die Idee mit den beiden M+M ganz gut, aber eher als Tragikkomödie.
Die beiden treffen sich und denken sie können da weitermachen wo sie vor 30/40 Jahren aufgehört haben, als der Krieg ihre junge Liebe trennte. Es geht auch eine Weile gut, sie haben Spaß(machen selbstgemachtes popcorn+ gucken sich "arsen+Spitzenhäubchen" auf Video an) aber so langsam kommen sie darauf, daß die Zeit einen zu tiefen Graben zwischen ihnen gezogen hat, und sie nicht jünger geworden sind.
Das mit dem Sex ist auch nicht mehr so feurig und alles bekommt irgendwie einen faden Beigeschmack.
Hinzu kommt eine gewisse Bitterkeit über die verlorene Zeit während ihres Getrenntseins.
Aber am Schluß rappeln sie sich doch wieder auf, treten sich gegenseitig in die faltigen Hintern, und machen das beste aus der verbliebenen Zeit. Max ist nämlich krank, was er erst später erfährt.
Der film beginnt+endet auf dem Friedhof.
Am Anfang sind beide da und treffen siech wieder, am Schluß steht sie an seinem Grab.
Alleine.
Aber nicht wirklich unglücklich. Vielleicht mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie hatten doch ihre Zeit.
Sie kommt ohne Blumen+ weiß, daß sie nie wieder hierhin zurückkehren wird.