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Vollständige Version anzeigen : Wie habt ihr's erlebt, was habt ihr gedacht?


Prinzessin Jasmin
14.03.2000, 19:26
Liebes Forum,
Wir alle haben mehr oder weniger stark die Wende erlebt, oder? Und was mich persoenlich am meisten interessiert ist immer was man dachte oder fuehlte.
Ich will mal den Anfang machen:
Ich war mit meinen Eltern zu Hause, der Bruder meiner Mutter ist 3 Jahre vorher in den Westen gefluechtet und wir haben nie wieder etwas von ihm gehoert. Als dann die Bilder der Wiedervereinigung ueber den Bildschirm flackerten haben meine Eltern sich in den Armen gelegen und meine Mom hat so doll geweint. Ein paar Tage spaeter ist sie dann mit mir in den Westen gefahren und wir haben ihren Bruder (meinen Onkel) und seine Familie besucht. Erst viel spaeter habe ich begriffen warum sie denn so geweint hat. Denn meine Eltern haben weder ueber das System noch ueber den besagten Bruder gesprochen. Und letztes Jahr haben wir sogar rausgefunden das unser Nachbar uns die ganze Zeit bespitzelt hat.
Na gut, wie steht's um eure Geschichte?
PJ

redselig
14.03.2000, 20:01
Ich saß, als die Menschen über Ungarn flüchteten und in der deutschen Botschaft in Prag auf die Freiheit warteten, in meinem Tübinger Studentenzimmer vor einem Schwarzweißfernseher und fieberte mit. Es war ungemein bewegend.
Kurz darauf allerdings stellte ich fest, dass in der ganzen Straße Ostautos - vorzugsweise übrigens Wartburgs - parkten. Sie standen immer ungefähr eine Woche lang vor den Häusern der Leute, die Verwandte in der DDR hatten, und ihre Rücksitze füllten sich mit prallen Plastiktüten. Nachdem man diese Invasion einige Wochen lang beobachtet hatte, war man - ich muss mich dafür entschuldigen, aber man ist ja zur Ehrlichkeit erzogen worden - froh, aus einer reinen Westfamilie zu stammen...

Prinzessin Jasmin
14.03.2000, 21:22
Ja, die dummen Ossis wie konnten sie nur...
Also wirklich nein aber auch tatsaechlich haben sie es sich doch tatsaechlich gewagt mal shopping zu gehen, etwas was heute doch jeder macht und also wirklich was faellt denen bloss ein nicht gleich im Mercedes vorzufahren, ich bin ernsthaft entsetzt
meint zynisch
PJ
die sich gern mit arroganten Westlern anlegt und stolz ist Ostlerin zu sein, oder wenigstens gewesen zu sein. So

Raphael der Himmlische
14.03.2000, 22:57
Hallo Prinzessin Jasmin!
Lange nichts von Dir gelesen/gehoert!
(Ich hoffe doch, ich muss Dich nicht mit 'Eure Hoheit' anreden, oder galt das auch fuer mich? )
Also, bei der Wiedervereinigung war ich gerade zarte 20 und habe Zivildienst gemacht. Mit einer echten Wende habe ich damals eigentlich nicht gerechnet! Es war sehr surrealistisch, als es dann doch Wirklichkeit wurde: Wir hatten gerade einen Trauerfall in der Familie und es waren auch einige Verwandte aus der DDR bei uns, die eine Erlaubnis bekommen hatten, zur Beerdigung zu kommen. Und mit denen zusammen habe wir das dann im Fernsehen angeschaut ... war schon ziemlich unglaublich! Und irgendwie habe ich das ganze damals auch als sehr erhebend empfunden. Mir stinkt bis heute eigentlich nur das Verhalten unserer Politiker, die sich das ganze als Erfolg an ihre Fahnen heften! Dabei habe doch die damalige Bevoelkerung der DDR in Zusammenarbeit mit den Kirchen dieses Wunder am ehesten moeglich gemacht!
Ich bin uebrigens auch 'Wessi' (obwohl ich mich ja am ehesten als 'Nordi' bezeichnen wuerde :-) und bin glaube ich nicht besonders arrogant (aber das darfst Du selbst beurteilen, PJ!). Fehler wurden m.E. anschliessend auf beiden Seiten gemacht, und zwar nicht zu knapp,
findet jedenfalls
Dein Raphael

mr41
15.03.2000, 10:35
am tag, nachdem die mauer fiel, war ich gerade in Ljubiljana. hatte gerade zehn tage schulreise hinter mir, in denen wir uns nicht über das weltgeschehen informiert hatten. an einem bahnhofskiosk kauften wir uns die einzige deutschsprachige zeitung, die bild-zeitung. auf der ganzen titelseite stand in riesigen buchstaben nur eins: Deutschland einig vaterland, mit schwarz-rot-gold hinterlegt.
natürlich wusste ich, dass es im osten brodelte, und ich war einige monate vorher noch in ost-berlin, was mich als damals 17-jähriger stark beeindruckt hatte. aber diese schlagzeile am slowenischen bahnhof, das war dann ein richtiger schock.

redselig
15.03.2000, 15:46
Tja, Prinzessin, ich hab ja so eine Antwort befürchtet und kann nur an die Toleranz aller Leser/innen appellieren... Aber man kläre mich auf: Waren die Wartburgs nicht die östlichen Nobelautos?

Tanja
15.03.2000, 15:47
Die Wende habe ich im Ausland im Fernsehen mitverfolgt. Eine Szene werde ich nie vergessen: Die Wessis schmissen gönnerhaft Milka-Schokolade von mehreren Lastwagen auf die Straße und die Ossis warfen sich gierig darauf, einige prügelten sich darum. Ich empfand dies als hochgradig peinlich.

Prinzessin Jasmin
15.03.2000, 17:29
Die Wessis schmissen gönnerhaft Milka-Schokolade von
mehreren Lastwagen auf die Straße und die Ossis warfen sich gierig darauf, einige prügelten sich darum.
Erinnert mich irgendwie an die von Elie Wiesel beschriebene Szene in 'Nacht' nicht wahr?
Und mein bester Herr Vorzeigewestdeutscher, appellieren sie mal fein, da faellt mir ein, ich habe da letztens mal ein bischen Archivkraemerei betrieben und da bin ich auf einen Strang von 'Falco' gestossen. Und der hatte den Namen die Mauer im Kopf. Irgendwie habe ich immer gedacht das waere Bloedsinn, schade das es noch so wahr ist.
Bester Raphael, natuerlich beurteile ich nicht jeden der aus dem Westen kommt so, nur wenn er so schreibt. Und du hast recht, Fehler wurden auf beiden Seiten gemacht, aber trotzdem kotzt mich solche Ueberheblichkeit masslos an.
Und noch etwas Herr Vorzeigewestdeutscher,
Ja Warburg galt als etwas besonderes, aber wenigstens haben wir zu schaetzen gewusst was wir hatten, nun sind wir nur noch eine verkommene Konsumgesellschaft in der man sich darueber aufregt in einer 2 minuetigen Schlange an der Kasse zu stehen. Na, sind wir nicht gute Westdeutsche geworden, natuerlich werden wir nie den 'reinrassigen' Status eines Herrn redselig erlangen, aber wir arbeiten dran.
PJ

hjm
16.03.2000, 01:59
Ich erinnere mich an dem 17.Juni 89 in der Hauptstadt der DDR, und an den 18. Juni 89 in Westberlin, auf einer alternativen Stadtführung, oder wie immer das genau hieß. Es war auf einer Studienreise. Man führte uns über den Potsdamer Platz (West). Da gab es damals so eine komische stillgelegte Versuchs-Magnetbahn, so eine Art Prä-Transrapid.
Jedenfalls fragte jemand, warum man hier denn nicht Häuser bauen würde, sind doch tolle Grundstücke. Daraufhin erklärte man uns, dies sei zur Zeit deshalb nicht möglich, weil wir uns hier eigentlich auf einer Straßenkreuzung befinden würden, die nur mal eben vorübergehend für den Durchgangsverkehr gesperrt sei. Ja, klar, wer's glaubt wird selig....
Und dann erinnere ich mich an den 24. Dezember 89, 3:50Uhr, Grenzübergang Herleshausen/Wartha, schnell noch ein paar Weihnachtsgeschenke besorgen. Es gab eine Gulaschkonone auf dem Marktplatz in Eisenach.
Und an den 29. Dezember 89, Nacht im Zug, im Gang geschlafen, Spaziergang durchs Brandenburger Tor, noch geschlossen, mit Hammer und Meißel bewaffnet und beinahe beim Geldwechseln erwischt worden, dann noch eine Nacht im Zug, im Gang übereinander geschlafen.
Und schließlich an den 3. Oktober 90, mit Bundeswehr-Säge bewaffnet ein Stück vom Zaun zwischen Hessen und Thüringen eigenhändig abgesägt. Hängt noch heute an der Wand.

Gala
16.03.2000, 04:31
Nun Jasmin, Du fragst, wie es erlebt wurde, und dann regst Du Dich ueber Antworten auf?
Ich habe , soweit ich mich erinnern kann, erst am naechsten Tag erfahren, dass 'die Mauer offen' war. Und ehrlich gesagt, ich war entsetzt, denn dass ein Aufkauf des Ostens stattfinden wuerde, war doch absehbar. Darum stand auch gleich fuer den naechsten Sommer die Reise in den Osten Deutschlands fest, solange eben noch nicht alles verwestlicht war. Es war ein Abenteuerurlaub kann ich nur sagen. :-))
Was die angefeindete Konsumorientierung anbelangt, wegen der sich West so gerne mit Ost kloppt (und andersherum natuerlich auch), - ich glaube nicht, dass da einer auch nur dem anderen den Spiegel vorhalten darf. Und dieser Neid darauf, wer nun welches Auto faehrt und welche Klamotten traegt..., ach herrje, sitzen wir denn immer noch im Sandkasten? Oder bestaetigt sich die These, dass die 90er Generation wirklich nur auf Kohle aus ist?
(Beitrag wurde von Gala am 16.03.2000 um 03:32 Uhr bearbeitet.)

redselig
16.03.2000, 14:54
Danke, Gala :-)))

Rolo
16.03.2000, 15:21
Als ich die Nachricht vom Mauerfall hoerte, sass ich vorm Fernseher und konnte es nicht glauben. Nach der ganzen Starre des kalten Krieges der 80er Jahre hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass sich wirklich etwas aussenpolitisch aendern liesse auf dieser Welt. Und dann das...mir kamen die Traenen.
Meine ganze Hochachtung gehoert den Vorkaempfern der Buergerrechtsbewegung und den Buergern, die auf die ersten Demonstrationen gingen. Das nenne ich echte Courage.
Allerdings muss ich auch sagen, dass meine Hochstimmung sehr schnell verflog. Ich glaube auch, dass die damals vorhandene Aufbruchstimmung sofort wieder unterbunden wurde (v.a. von Seiten der Westdeutschen Konservativen), da ihr zu viel Unkonventionelles, Chaotisches anhaftete.
Auch mein Bild (das vielleicht unrealistisch war) der Ostdeutschen verfinsterte sich etwas. Auch wenn ich - als Westdeutscher - verstehen kann, dass sich viele Wuensche im Laufe der Jahre aufgestaut hatten, so empfand ich es doch als armselig, wie viele neue Mitbuerger den schnoeden Konsumguetern hinterherjagten. Und ebenso diejenigen Wessis, die goennerhaft austeilten oder Ramsch in den Osten verscherbelten. Natuerlich ist die Sozialisation ganz anders, aber dieses 'Deutschland einig Vaterland' Geschreie, was eigentlich meinte 'Und kommt die DM nicht zu mir, so kommen wir zu ihr' kotzte mich doch gewaltig an. (Uebrigens beides Sprueche, die auf Demos so gerufen wurden).
Leider ueberranten die Konsumenten letztendlich die Utopisten. Was mich daran stoerte war nicht der Konsum an sich, sondern die Selbstverstaendlichkeit, mit der dieser eingefordert wurde. Es gab und gibt auch im Westen Leute ohne neuen VW und Videorecorder, und die die diese Dinge schon hatten haben sie auch nicht geschenkt bekommen. Dies soll nicht heissen, dass alle 'Ossies' so waren oder sind, ich kenne auch viele (persoenlich), die anders waren, aber ein Vorurteil erlaube ich mir mal:
das kleinbuergerliche Millieu ist im Osten erheblich groesser als in Westen.
Und jetzt schlagt auf mich ein...

Milliways
16.03.2000, 16:16
Abends am 9. November 1989 so gegen zehn standen mein Vater und ich mit en Händen in den Hosentaschen vor unserem Fernseher und sahen, wie Hajo Friedrichs verkündete 'Dia Mauer ist weg!'. Sprachlos und mit offenen Mäulern starrten wir auf den Bildschirm und begriffen gleich, dass da etwas ganz grosses im Gange war. Mein Vater, 1953 als 17 jähriger mit seinen Eltern aus der DDR geflüchtet hatte tränen in den Augen. Seine Mutter, die immer in Warnemünde gelebt hatte um von dort ihre Heimat, Mecklenburg, sehen zu können, war neun Tage vorher gestorben.
Ich war damals Zivi und musste am nächsten Tag zum Dienst. Um sechs Uhr trat in in der Rettungswache an und wir bekamen gleich den Funkspruch, wir sollten nach Zarrentin zum Grenzübergang fahren und dort vom Ostdeutschen Roten Kreuz eine Patientin zur Fahrt nach Hamburg abholen. Als wir uns im morgentlichen Dämmerlicht der Grenzanlage näherten sahen wir auf den Strassen von und zur Grenze überall Trabis umherirren, wie Ameisen, die das erste mal seit 40 Jahren den Bau verlassen haben und jetzt erst mal nur kucken. Die Grenzer macheten alle einen etwas hilflosen eindruck, kontrolliert hat uns keiner.
Am nächsten Tag, am Sonnabend, wurden alle Zivis des Roten Kreuzes in Hamburg, verdonnert im Rufbereitschaft zu Hause zu bleiben - Man rechnete mit einem gewalt’gen Ansturm. Irgendwann im laufe des Tages wurde die Rufbereitschaft aber aufgehoben, die 'Ossis waren doch disziplinierter, als wir erwarten konnten'
Am nächsten Wochenende bin ich dann mit meiner Freundin in unserer Ente nach Schwerin gefahren um das Nachtleben zu erkunden. Zwei Vopos, die wir ansprachen, wo denn was los sei, fuhren vor uns her zum Kongresszentrum (?) wo wir eine Stunde vor der Disko anstanden. Drinnen gabs Wodka-Cola für eine Mark und wir wussten nichts von der null Promille Grenze. Ist aber alles gut gegangen...

Prinzessin Jasmin
16.03.2000, 19:36
Also erstmal herzlichen Dank an alle fuer die Antworten, und Gala, du hast recht, ich habe sicherlich ueberreagiert, aber na ja, ich hab halt italienische Vorfahren Und solche Leute treiben mich nun mal auf die Palme.
PJ

joerg
16.03.2000, 22:51
Hallo,

Eine Szene werde ich nie vergessen: Die Wessis schmissen gönnerhaft Milka-Schokolade von mehreren Lastwagen auf die Straße und die Ossis warfen sich gierig darauf, einige prügelten sich darum. Ich empfand dies als hochgradig peinlich.

das mag ja sein Tanja, bedeutet aber, daß Du nicht besonders abgehärtet bist. Solche Szenen spielen sich im Rheinland jedes Jahr direkt vor der Fastenzeit ab.
Was _mich_ damals erschreckt hat, war der erste Kontakt mit Horden von Leuten, die offenbar aus dem Osten kamen und grundlos ihre Kinder in Grund und Boden stauchten. Ich weiß nicht woher das kam, daß ich zunächst nur solche Leute aus den Zügen quellen sah, denn hinterher stellte sich heraus, daß das tatsächlich nur Ausnahmen waren (zumindest wenn ich als Vergleich die Ossis, mit denen ich befreundet bin, heranziehe).
Ansonsten habe ich damals nur die Berichte in den Medien über die Wiedervereinigung mitbekommen, da sich in den extremen Westen eher russische Aussiedler als Ossis verirrten.
Was sich für mich aber plötzlich und überraschend änderte, war das Aussehen der europäischen Landkarte. Es waren mit einem Schlag Landschaften und Städte in erreichbare Nähe gerückt, die vorher weiter entfernt schienen als andere Kontinente.
Prinzessin Jasmin, mich überraschen immer wieder die heißen Diskussionen um Differenzen zwischen Ost und West. Dieses Thema scheint exposiv zu sein. Angesichts der mindestens genau so großen Mentalitätsunterschiede zwischen Nord und Süd - oder sogar zwischen benachbarten Landstrichen - irritiert mich das manchmal. Es haben doch bestimmt nicht alle Deutschen ein so südländisches Temperament wie Du ?
Viele Grüße,
Jörg

krissi
17.03.2000, 00:52
Ich kann mich da nur den Vorrednern anschliessen, man kann nicht nach der persönlichen Grenzöffnungsgeschichte fragen und dann gleich beleidigt die sogenannten Wessis 'anpöbeln' ('Und solche Leute treiben mich nun mal auf die Palme. '). Was soll dann die Frage. Willst Du/wollen Sie Mitleid?
Wir saßen damals fassungslos vor dem Fernseher. Was noch nie passiert war, wir stellten den Fernseher auf den Tisch und schaufelten unser Abendessen oder was es auch war rein. Ehrlich gesagt standen uns so was wie Tränen in den Augen, das sogenannte 'Historische Moment' ging uns doch an die Nieren, obwohl wir nie an eine Wiedervereinigung geglaubt hatten und sie ehrlich gesagt auch nicht erhofften. Für mich war das ein Staat wie alle anderen, wenn auch nicht erreichbar. Kann sich meine Tochter, damals 7 Jahre alt heute noch dran erinnern. In Stuttgart, wo wir damals wohnten merkte man nicht allzuviel von den einreisenden DDR-Bürgern,aber wir sind dann auch im folgenden Frühjahr zum 'Abenteuerurlaub' nach Meck-Vopommern aufgebrochen und staunten über unsere Kinder, die das erste mal richtige Sandwege wie bei uns in den 60igern sahen und es toll fanden. Wir fielen allerdings - und das ist mir extrem aufgefallen - mit unserer locker-lässigen Kindererziehung echt auf.

hjm
17.03.2000, 12:45
Wenn ich mir die Reaktionen hier so durchlese, bin ich wirklich angenehm überrascht. Anscheinend waren wir doch alle beeindruckt von dem, was im Herbst 89 geschah. Wer hat es dann, und vor allem wie geschafft, die Stimmung dermaßen umzukehren? War es tatsächlich der Kohl(e)-Zeitgeist der Neunziger? Wäre in der Siebzigern alles anders gelaufen?
Oder ist es nur mal wieder diese typisch deutsche Art und Weise, sich alles mies zu machen? Da hätte dieses Land nun einmal in seiner wechselvollen Geschichte die Möglichkeit, einen von (fast) allen empfundenen Freudentag zum Nationalfeiertag (schon dieses Wort hat dummerweise einen Negativ-Klang) zu machen, und was tun sie? Sie ziehen sich immer noch zu Feierstunden in alte Gewölbe zurück und halten tiefsinnige Reden, wie es vielleicht zum 17. Juni gepasst hätte, anstatt auf die Straße zu gehen und sich zu freuen! Und dann auch noch das Pech, dass es ausgerechnet schon wieder der 9. November war! Das ist Schicksal!
Aber seien wir doch froh, dass es wenigstens einen Standpunkt gibt, in dem sich Ost und West vollkommen einig sind (Vorsicht Sarkasmus!): Die Wiedervereinigung war der zweitgrößte Fehler, den das deutsche Volk im letzten Jahrhundert begangen hat! Oder gibt es etwa in irgendeiner Talkshow, in irgendeiner Rede des beliebten kleinen Mannes Widerspruch?

Prinzessin Jasmin
17.03.2000, 19:20
@ Joerg
nein ich glaube nicht das alle so reagieren, kann sein das das nur ich bin, allerdings muss ich dazu sagen, als ich vor ein paar Jahren zum erstenmal in die USA flog Und am Flughafen Frankfuert stand und mich mit einem Herrn mittleren Alters unterhalten habe und wir darauf kamen wo ich den her sei usw. meinte er abfaellig: 'So? Aus dem Osten kommen Sie, und da koennen sie sich das leisten?' Das fand ich eine bodenlose Frechheit und hat mich irgendwie gepraegt.
@Krissi
Ich weiss nicht ob du's uebersehen hast, aber ich habe dazu bereits ein Statement abgegeben.
Und ansonsten
*Kopfhaengenlaesseundsehrbeschaemtsei*
PJ

habib
17.03.2000, 20:49
Rolo !
Da surfe ich doch nichtsahnend durch die Zeit-Debatten und was entdecke ich: einen Beitrag von dir. Natürlich habe ich mir den sofort vorgenommen und was muß ich lesen?
'...Und jetzt schlagt auf mich ein!'
Das ist doch dasselbe wie in unserer Auseinandersetzung in der Rubrik ('90er-Zeitgeist, zukunftslos, hoffnungslos, arbeitslos' o.s.ä.): eine pauschale, unhaltbare, provozierende These aufwerfen und dann gedemütigt werden wollen.
Nur, Rolo, hier wie dort ist niemand darauf eingegangen.
Deine Neigungen in Ehren, aber ob das Internet der richtige Ort dafür...
nichts für ungut.

Rolo
17.03.2000, 22:53
Aber nur fast, bester Habib, Du bist doch drauf eingegangen oder?
Ich aeussere mich nun mal gerne kontrovers, was ist denn dagegen zu sagen.
Wenn Du zu Abwechselung auch mal meine Artikel ganz lesen wuerdest, habe ich hier wie auch im anderen Threat eine durchaus differenzierte Auffassung.
Wie hast Du denn die 'Wende' erlebt?
Oder poebelst Du nur gerne?
Fragt sich R.

habib
18.03.2000, 17:15
Rolo,
möchtest du wirklich, dass ich jetzt über die Wende erzähle oder mich vielleicht an deinem Beitrag 'Schleimi' ( Rubrik 80er Jahre: '...mir ist da noch etwas ganz geniales eingefallen!') beteilige?
Das ist doch alles Schnee von gestern. Das ist doch schon alles nicht mehr wahr und Jahrzehnte her!
Rolo, hebe den Kopf und schaue nach vorn.
Dort ist die Zukunft.
Du brauchst nur die Hand danach auszustrecken und sie gehört dir...

Rolo
18.03.2000, 18:24
Ach Habib,
nachdem Du jetzt alle meine vergangenen Artikel zitiert hast, was hast Du denn positiv zur Debatte beizutragen?
Oder nur grosse Klappe und nichts dahinter?
Willst Du schlussendlich doch noch Deine Generation diskreditieren (wo ich gerade versöhnlich werde)?
Si tacuisses....

habib
18.03.2000, 20:30
Ja, Rolo
wußtest du denn nicht von Anfang an, dass die 90er-Spaßgeneration eine große Klappe hat?
Ob und was sich allerdings dahinter befindet wirst du aber nie herausfinden. Weil du nämlich ein viel zu verkleistertes und mit pauschalen Vorurteilen vollgestopftes Gehirn hast.
...oder meinst du tatsächlich, es wäre ein Anreiz für mich, dich 'versöhnlich' zu stimmen oder daß es mein Ehrgeiz wäre, dich für die 90er-Spaßgeneration geneigt zu machen? ..für jemanden, der sich nach einem Toffee-Bonbon benannt hat?




(Beitrag wurde von habib am 18.03.2000 um 20:20 Uhr bearbeitet.)

joerg
19.03.2000, 19:31
Liebe Prinzessin Jasmin,

Und ansonsten *Kopfhaengenlaesseundsehrbeschaemtsei*

isdochallesnichsoschlimm.

nein ich glaube nicht das alle so reagieren, kann sein das das nur ich bin

Nein, nein. Das ist es ja gerade, was mich wundert. Wenn ein Bayer (Südi) über die Rheinländer (Wessis) lästert, ein Thüringer (Südossi) über die Sachsen (Ostsüdossis) oder ein Schwabe (Südwessi) über die Hamburger (Nordis), dann ist das lustig. Wenn aber Ossis und Wessis (sensu lato) übereinander lästern, artet das viel schneller in Streit aus.
Dein Erlebnis in Frankfurt wundert mich nicht besonders - vor allem wenn man bedenkt, daß es in Frankfurt war. Solche Leute gibt es; und sie sind mir besonders gehäuft ebenda begegnet.
Viele Grüße,
Jörg

Prinzessin Jasmin
20.03.2000, 16:00
Joerg,
warum wundert's dich das es in Frankfurt/Main passiert ist? Waere es viel natuerlicher in Duesseldorf oder Hintertupfingen?

PJ

habib
20.03.2000, 17:18
Prinzessin, du bist süß. Was ist denn Hintertupfingen? Ist da schon das Märchenland?

Prinzessin Jasmin
20.03.2000, 19:26
*ertappt-verlegenlaechelnd*
nein nein, noch nicht ganz, vielleicht aehnlich wie Oberammergau oder so
PJ

habib
20.03.2000, 21:12
Das Internet ist ja auch so eine Art Märchenland.
Wenn man sich die ganzen Leute darin so vorstellt, Rolo z.B. diesen drögen Schwerenöter in ausgebeulten Trainingshosen und unablässig Schokobonbons in sich rein stopfend...

Prinzessin Jasmin
20.03.2000, 21:41
Oder Prinzessin Jasmin
die 1997 sich totla gefreut hat zum Toten Hosen Konzert zu gehen natuerlich mit buntem Haar und abgerissenen Klamotten
(Leider alles in der Erinnerungstruhe gelandet)
PJ

joerg
20.03.2000, 21:57
Hallo Prinzessin Jasmin,
mich wundert es überhaupt nicht, daß Dir das in Frankfurt passiert ist. Was ich sagen wollte ist: Wenn jemandem sowas in Deutschland passiert, dann höchstwarhscheinlich in Frankfurt.
Grüße nach Boston, Hintertupfingen und Klein-Kleckersdorf ,
Jörg

habib
20.03.2000, 22:55
Ja, Prinzessin, oder dich! Leider kann dir mir, äh.. ich dir, ..ich mir dich nicht vorstellen (puh!).
Ich höre immer nur eine niedliche Stimme, wenn ich dich lese. Sind deine Haare wieder nachgewachsen? Warum hast du sie dir nach dem Konzert abgeschnitten und in eine Kiste geschmissen?
(Beitrag wurde von habib am 21.03.2000 um 02:15 Uhr bearbeitet.)

Prinzessin Jasmin
21.03.2000, 19:40
Nein Habib,
ich habe sie erst umgefaerbt (dunkelschwarz) und danach nachdem das alles rausgewaschen/wachsen ist sehe ich eigentlich wieder ganz zivilisiert aus. Nur die Photos liegen eben in der Erinnerungstruhe. Und die Hosen und die Shirts. Mit Spruechen wie
white(durchgestrichen)
black(durchgestrichen)
yellow(durchgestrichen)
red(durchgestrichen)
human
PJ

Rolo
22.03.2000, 12:01
@Habib,
ein 'Schwerenöter' scheinst Du mir eher zu sein!
Jetzt, wo Du meinen Trainingsanzug entlarvt hast, gib doch mal in einer Suchmaschine das Stichwort 'Netiquette' ein! Da stehen Sachen, von denen Du anscheinend noch niemals gehört hast!
Aber was solls, wenn Du nicht argumentieren kannst oder willst, dann ist für mich die Debatte mit Dir beendet.
Schade eigentlich.
(Beitrag wurde von Rolo am 22.03.2000 um 11:04 Uhr bearbeitet.)

Prinzessin Jasmin
22.03.2000, 17:20
S T O P sofort beide aufhoeren, wenn ihr euch persoenlich bekaempfen wollt tut das ueber eMail, aber nicht im bisher recht zivilisierten 90er Forum. DIES IST NICHT DER BALKAN
:-)
PJ

Rolo
24.03.2000, 01:12
Hast ja recht, ich hoer schon auf...
Friede, o.k.?
A propos, wie macht man denn diese Smileys in einen Beitrag?

Prinzessin Jasmin
24.03.2000, 17:03
:-) (Lass einfach den Bindestrich weg und schon hast du einen Smily
:-( (Bindestrich weglassen - wuetend)
;-) (Bindestrich weglassen - zwinkern)
PJ

Harald Leinweber
25.03.2000, 02:12
Guten Tag!
Prinzessin Jasmin schreibt: 'DIES IST NICHT DER BALKAN'.
Muss das nicht heissen: 'This is not a love song'?
Nein, ist gut, ich bin ja schon wieder still! (Schön, dass Ihr Euch wieder gefangen habt. Brav! Vorbildlichst.)
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Harald Leinweber

Meikel
26.03.2000, 21:13
Hallo Prinzessin Jasmin,
hm, ich habe damals noch zuhause bei meinen Eltern gewohnt (im Ruhrgebiet).
Im Fernsehen sah ich mit einer Mischung aus Erstaunen und Entzücken diese Bilder.
Ich gebe zu, daß ich bis zur Wende fast Null Ahnung vom Leben im Osten hatte und auch keine Verwandte oder Bekannte dort hatte.
Die DDR war für mich wirklich Ausland und von vielen anderen Ländern in Europa wußte ich mehr.
Deshalb war ich auch eher verwirrt, als ich die Bilder von überglücklichen Ostdeutschen sah.
In der Folgezeit habe ich wirklich quasi 'Nachhilfe' genommen :-) und alles gelesen,
was ich über ostdeutsche Geschichte und 'Landeskunde' in die Finger bekam.
Liebe Grüße,
Meikel

Prinzessin Jasmin
27.03.2000, 19:07
Hi Meikel,
Mensch, das find ich richtig gut. Ich habe mich nach der Wende erstmal mit der Westlichen Welt beschaeftigt, sozusagen 'ueber' Westdeutschland hinweggeschaut.
PJ

Rolo
28.03.2000, 16:38
Hurra,

Es funktioniert!

Prinzessin Jasmin
28.03.2000, 19:39
Siehste...
PJ

Sterin McCollis
29.03.2000, 23:45
Die Wende? Weiß nicht, wann sie angefangen hatte. Im Rückblick (und wenn mensch sich die alten Tagesschau'n und Aktuelle Kameras anschaut) lag schon im Sommer 1989 was in der Luft. Die vielen Ossis, die rübergemacht sind, die ignoranten Reaktionen der 'Partei- und Staatsführung', die wachsenden Demonstrationen und der Unmut in den Städten. Aber daß es dann so gekommen ist... Vielleicht ist das ein Produkt der a) Eigendynamik von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen und b) der menschlichen Psüchologie.
Also an mir - damals stolzer und fleissiger Thälmann-Pionier - flog die Zeit vorüber. Am aufregensten war natürlich die Zeit um den Mauerfall. Woran ich mich am deutlichsten erinnere: meine Zahnspange, die ich gerade bekommen hatte schnitt sich ätzend in mein Zahnfleisch. Und samstags war schulfrei. Weil über die Hälfte der Kinder fehlte. (Nur solche Trottel wie ich nicht.) Und der sozialistische Lehrkörper auch in den Westen das Begrüßungsgeld abholen ging. Oder halt Oma, Tante, Schwester und so besuchen. Mein erster Ausflug in den Westen war sehr enttäuschend. Weil ich 'drüben' keinen kannte, der mir um den Hals fallen konnte. Und weil ich mir Westberlin schöner, toller, spannender vorgestellt hatte. Aber die S-Bahn und die U-Bahn waren noch klappriger als im Osten, die Straßen ramschig und dreckig. Gut ich war nicht im Grunewald, sondern in Kreuzberg. Eine Stunde von einem Grenzübergang (Oberbaumbrücke) zum anderen (Heinrich-Heine-Straße) gelatscht, in der sicheren ideologischen Obhut meines Vaters, eines strengen Sozialisten. Wahrscheinlich wollte er mich und sich abschrecken.
So war es also: ich hatte von der Euphorie damals kaum was abbekommen. War halt ein braver Thälmann-Pionier.
Sterin.

habib
02.04.2000, 18:12
Fein, Rolo, wie du die drolligen Gesichterchen gemacht hast.
Kannst du mir verraten wie das geht?

Rolo
05.04.2000, 02:02

job
12.04.2000, 15:17
baut die mauer wieder auf !!!

dddan
24.04.2000, 22:46
Hi!
Ich habe vielleicht nicht so schrecklich viel tiefgehendes zu berichten, da ich damals noch etwas zu klein war... (8 J.) aber ich schreib' trotzdem mal was..
undzwar zu Nein, nein. Das ist es ja gerade, was mich wundert. Wenn ein Bayer (Südi) über die Rheinländer (Wessis) lästert, ein Thüringer (Südossi) über die Sachsen (Ostsüdossis) oder ein Schwabe (Südwessi) über die Hamburger (Nordis), dann ist das lustig. Wenn aber Ossis und Wessis (sensu lato) übereinander lästern, artet das viel schneller in Streit aus., denn zumindest bei den Leuten mit denen ich rede ist kaum noch dieses ernste Ossi-Wessi-Denken vorhanden, wenn auch Klischee-Ossi-Verarschungs-Witze recht beliebt sind. Ich bin auf jeden Fall optimistisch, dass Deutschland schon bald auch in den Köpfen ein vereintes Land sein wird.
ddd
ps: hat nich mal jemand ein neues Thema für die 90er??

Prinzessin Jasmin
27.04.2000, 22:31
Nein, du vielleicht?
PJ

pinkas
13.05.2000, 22:55
Wollen wir dann vielleicht schon mal mit den Listen anfangen?
Was in den Neunzigern so richtig zum Ausbruch kam, ist doch wohl die fortgesetzte unterhaltliche Retro-Nabelschau, die auch wir hier betreiben: die durchlebten Dekaden mit möglichst vielen Details Revue passieren zu lassen, den Kosmos der Vergangenheit mit sämtlichen Eissorten und Schlagersternchen nochmal vor sich zu haben. Irgendwann noch in den späten Achtzigern begann man, auch was man seinerzeit doof gefunden hatte, zu verklären und gemeinsam zu erinnern. In den Neunzigern ging dieser Trend so in die Breite, dass es bald kein Spaß mehr war. Einige Leute dürften schließlich noch ganz gut dran verdient haben, daß plötzlich auch (z.B.) Verbindungsstudenten und grüne Jüngel, die besagte Zeiten gar nicht mitmachen mußten, 'Griechischer Wein' oder 'Ich bin der goldene Reiter' singen und vielleicht Plateausohlen tragen wollten.
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pinkas

TomTom
16.06.2000, 15:40
Ich war damals dreizehn Jahre alt. Ich sass vor dem Fernseher und sah RTL, als auf einmal ein Schriftzug über den unteren Rand des Bildschirms zog, mit den immer wiederkhrenden Worten, daß die Mauer geöffnet sei und DDR-Bürger kein Visum mehr brauchten für die Ausreise. Ich wußte nicht wirklich, was das alles sein sollte und rief nach meiner Mutter, die, als sie den Schriftzug sah, anfing zu weinen und es mir erklärte.
Tags darauf kaufte ich zum allerersten Mal eine Zeitung, uznd zwar die BILD.
Ich habe dann kurz darauf den ersten Trabanten gesehen auf der Strasse, griff meinem Vater ins Lenkrad und hupte ein paar Mal.
Die BILD besitze ich noch heute.
Und ich bin derjenige, der bei Bildern der Menschen, die in Prag über die Mauer der deutschen Botschaft klettern, mit Kleinkindern und Taschen, weint.
Erste Erinnerungen an Weltpolitik.

abom
06.07.2000, 13:32
Nun, auch wenn ich ziemlich spät mit meiner Geschichte bin, will ich mich trotzdem auch mal hier verewigen und hoffe, meine Premiere wird so schlecht nicht ausfallen.
Den Moment, in dem die Mauer praktisch weg war, hab ich klassisch verpennt. Zu dieser Zeit mußt ich noch recht früh raus und es war schon komisch. Von den 12 Leuten, die zusammen eine Lehre mit mir machten, wußten 11 Leute nicht, was in der Nacht vorher passiert war, doch dann - dann kam unser FDJ-Sekretär - und er war begeistert ohne Ende. (er war auch der einzige, der wohl 3x Begrüssungsgeld kassierte) Das paßte absolut nicht zu jemanden, der eigentlich bis zum Tage vorher eine ganz andere Meinung vertreten hatte. Im Oktober hatte er seinen größten Auftritt, als er einen Mitschüler fertig machen wollte, weil dieser aus der FDJ austreten und mit seinen Eltern gen Westen ziehen wollte.
Doch mehr, als diese Neuigkeit registriert zu haben, passierte nicht.
Viel spannender war doch eigentlich die Zeit, in der die Leute in Leipzig auf der Strasse waren! ...als mein Vater aus Halle kam und meinte, es sei was im Gange, denn man läßt die Züge nicht mehr bis Leipzig bfahren.... Nie werd ich vergessen, wie der Leipziger Regionalsender im Radio live von einer der Montagsdemos berichtete. Gemeinsam mit meiner Mutter fragten wir uns, wann die Bombe platzt und die Massen niedergeknüppelt werden. Und seh ich heute noch Bilder davon, die Gänsehaut ist mir sicher.
Mit damals gerade knapp 18Jahren wurden natürlich ziemlich schnell Illusionen geweckt. Wir hatten nicht das große Shoppingerlebnis im Westen zum Ziel. An erster Stelle stand für mich und wahrscheinlich viele andere der Wunsch, etwas zu ändern und nicht geschluckt zu werden. Da war so eine Aufbruchstimmung. Es war die Zeit, wo die täglichen Nachrichten spannender als jeder Film waren, es gab keinen Tag, an dem nicht ein Blick in die Zeitungen fehlen durfte. Doch davon ist nix geblieben - meine Illusionen in politischer Hinsicht waren ziemlich schnell dahin. Bis zur Erkenntniss, das man hier nix bewegen und verändern kann, war es kein langer Weg.
Um Himmelswillen - ich bin kein meckernder Typ aus dem Osten!
Vielmehr bin ich wirklich froh darüber, wie es kam. Ich bin dankbar für alle Möglichkeiten und Chancen, die ich heute habe!
Doch wenn ich ganz ehrlich bin, so hab ich immer noch nicht wirklich den Draht gen Westen gefunden, auch wenn ich dort arbeite. Irgendwie existiert immer noch etwas in den Köpfen, dass dazu führt, dass ich merke, wie problemlos ich eigentlich mit meinen Freunden im Osten klarkomme und wie schwer es ist, auch nur einen Freund hier zu finden.
Viel einfacher ist das ganze Thema, wenn ich mich mit Freunden im Ausland unterhalte. Das ist natürlich ein wahnsinnig positiver Effekt! Nie werd ich mein erstes Mal an den Niagara-Fällen vergessen und nie werd ich vergessen, dass am nächsten Tag ein Bericht im Fernsehen über die ganzen Umbrüche im Europe zu Beginn der 90er ausgestrahlt wurde. Denn diese Sendung war so ziemlich das dümmste, was ich gesehen hab. Doch es hat mir die Chance gegeben, mit meinen Freunden dort zu diskutieren und obwohl sie in einem andern System aufgewachsen sind, haben wir keine Probleme miteinander.
Da frag ich mich eigentlich - wer hält diese Distanz zwischen Ost und West eigentlich künstlich aufrecht?

Kezia
06.07.2000, 17:00
Ich weiss nicht, ist es nicht so, dass die Distanz in den Köpfen der einzelnen Menschen aufrecht erhalten wird? Ich will Dir damit nicht zu nahe treten. Aber ich (im Westen und dort noch dazu in Bayern aufgewachsen) habe viele Freunde und Bekannte, die im Osten gross wurden. Das hat jedoch in unserem Verhältnis nie eine Rolle gespielt. Natürlich reden wir darüber, natürlich erzählt jeder von sich und natürlich gibt es Dinge, die wir unterschiedlich erleben. Aber diese Abweichungen gibt es doch auch, wenn ich mit einem Kölner zu tun habe. Ich erlebe die Unterschiede (die manchmal so gross gar nicht sind) als sehr konstruktiv und anregend.
(Beitrag wurde von Kezia am 06.07.2000 um 15:01 Uhr bearbeitet.)

abom
07.07.2000, 12:05
Hallo Kezia,
natürlich lebt diese Distanz in den Köpfen! Und ich kann das wahrscheinlich recht gut beurteilen. Den Großteil der Woche bin ich in Hessen und am Wochenende in Anhalt. Damit wechsele ich regelmäßig die Rollen.
Das ist aber eigentlich kein Problem. Mit Freunden (die wirklich guten), die ich habe - und die leben ausschließlich im Osten - brauche ich über solche Themen nicht zu diskutieren, wir leben und sind froh drüber. Hart wird es doch erst, wenn ich Leute hier reden höre und Leute dort reden höre und ich denke, es leben einfach Vorurteile weiter, die nicht sein müssen.
Im Osten werden Legenden künstlich am Leben gehalten, weil meiner Meinung nach die Leute allein gelassen werden. Wenn ich mir nur anschaue, was seit Jahren in den Medien abgeht, dann ... Beispielsweise gibt es praktisch keinen Umgang mit der Geschichte im Osten vor 1989. Ok, es kommt vielleicht mal das 'kommunistische Regime' durch, mehr aber nicht. Und wenn ich dann als gebürtiger Anhaltiner immer wieder Namen von Alt-Kanzlern höre, die aus einer Ära stammen, mit der ich nie etwas zu tun hatte, dann hat diese Art der Geschichte nichts mit meiner Geschichte zu tun. Sachen wie das immer gern zitierte Wirtschaftswunder lassen mich einfach kalt, weil ich dazu keinen Bezug habe. Wahrscheinlich geht es nicht nur mir allein so. Eigentlich wird es doch immer dahingehend reduziert, daß der Westen wirtschaftlich stark war und daß aus dem Osten kommt 'es war nicht alles schlecht'.
Viel einfacher wird es da wirklich für mich, wenn ich im Ausland bin. Da bin ich Deutscher und basta.

Raphael der Himmlische
10.01.2001, 17:24
Hallo abom!
Eine kleine Anmerkung zu Deiner letzten Feststellung:
Das stimmt nach meiner Erfahrung nicht so ganz ... fuer mich selbst trifft das schon zu, ich sage einfach, ich bin Deutscher.
Aber in 90% der Faelle werde ich dann gefragt, ob ich aus dem Westen oder dem Osten sei!
(Meine Lieblingsantwort ist uebrigens: Aus dem Norden! )
meint dazu noch
Dein raphael

Raphael der Himmlische
10.01.2001, 17:24
Hallo abom!
Eine kleine Anmerkung zu Deiner letzten Feststellung:
Das stimmt nach meiner Erfahrung nicht so ganz ... fuer mich selbst trifft das schon zu, ich sage einfach, ich bin Deutscher.
Aber in 90% der Faelle werde ich dann gefragt, ob ich aus dem Westen oder dem Osten sei!
(Meine Lieblingsantwort ist uebrigens: Aus dem Norden! )
meint dazu noch
Dein Raphael

Finrod Felagund
10.01.2001, 17:39
Hallali!!
Wie habe ich die Wende erlebt?!?! Ich war zu dem Zeitpunkt bei der Bundeswehr und lief gerade Wache, als die Meldung kam:'Ungarn macht die Grenze auf'. Das war schon aufregend. Wir am Wache laufen, Ungarn macht die grenze durchlässig: Wie reagiert der Feind Rußland oder die DDR? Ich hatte keine Lust da zwischen irgendwelche Mühlsteine zu geraten. Glücklicherweise kam alles anders und hunderte von Flüchlingen, so hieß das damals noch, wurden in der Kaserne einquartiert und wir alle zu hause schlafen, weil unsere Betten ja jetzt belegt waren...
mfg
ff

DaniD
12.01.2001, 17:39
Hi miteinander. Bin, wie immer, etwas spät dran! Meine Erinnerungen sind auch ganz eingenartig. Als es 89 losging, wurde mir erstmalig bewusst, was überhaupt mit Deutschland los ist. Wir hatten nie Verwandte im Osten und auch keine 'Paketfamilie'. In der Schule hörte der Geschi-Unterricht mit Einführung der D-Mark und Gründung der BRD auf. Wir haben zwar mal was über die Vier-Zonen-Teilung von Berlin gehört bwz. was über die 'SBZ', aber das war«s dann auch. Bewusster wurde es, als Udo Lindenberg in Wuppertal war und dort Erich die Lederjacke und die Gitarre übergeben hat (Gitarren statt Knarren). Bin Ende der 80er mit meinem jetzigen Mann zusammengekommen der damals 27 war (ich 17). Sein Onkel Arno hatte einen Bruder im Osten (bei Potsdam), der keinen Kontakt mit dem Westen haben durfte. War irgendso«n hohes Tier bei der Feuerwehr oder so. Anfang November starb Onkel Arno und wurde am 9.11.1989 vormittags beerdigt. Abends saß die Familie wie geschockt vorm TV und konnte es nicht fassen, was da passierte. Arno und sein Bruder mussten sich immer heimlich im Osten nachts im Wald treffen. Die damalige Regierung erlaubte auch keine Ausreise zur Beerdigung - und dann das!!! Ich erinnere mich noch, dass ich meinen Vater zum ersten Mal in meinem Leben weinen sah. Allerdings mußte ich schon so schrecklich heulen, als Gescher in der Botschaft die Ausreise genehmigte und seine Worte in einem Auschrei von Jubel untergingen. Da muß ich heut noch heulen, wenn ich die Bilder wieder sehe. Nachdem dann im Nov.89 die Mauer offen war, überkam alle so eine Art Aufbruchstimmung. War selbst damals in der Ausbildung bei einem recht großen VAG-Betrieb. Im Winter 90 fuhr unser damaliger Verkaufsleiter nach Thürigen und knüpfte die ersten Geschäftskontakte in Erfurt und Gera. Prompt wurden ein bzw. zwei Autohäuser eröffnet und die 'Ossis' kamen zu uns zum 'Lernen'. Das war dann leider nicht so klasse. Die meisten waren nur damit beschäftigt, zu fragen, wann denn Pause sei bzw. Feierabend. Ein anderer war schrecklich ausländerfeindlich. Ich erinnere mich: unser Chef gab «ne Runde Eis aus und bat mich, dieses beim Italiener zu holen. Daraufhin der Kollege aus Thürigen: So«n Scheiß-Itaker-Eis ess ich nicht.' Ich war viel zu perplex, um darauf antworten zu können. Selbige Person ließ sich auch ziemlich negativ über die Russen aus. Unser Verkaufsleiter war zu dieser Zeit 14 Tage in Russland und lud anschließend den ganzen Verkauf zum Frühstück ein, um von seinen Eindrücken zu erzählen. Er äußerte sich begeistert über die Gastfreundschaft, Herzlichkeit, Schönheit der Russinen und daß die Menschen dort unglaublich kinderlieb seien. Der besagte Herr meinte nur verächtlich: 'Diese Scheiss-Russen sind die faulsten und dreckigsten Schweine überhaupt!' Glücklicherweise bekam er Kontra von den älteren Kollegen, die völlig empört waren. Gleichzeitig haben wir aber auch ganz tolle Erfahrungen gemacht. Mein Mann eröffnete 1990 eine Autovermietung in Thüringen (Erfurt & Gera). Als wir seinen Mitarbeiter in Erfurt besuchten, wurden wir eingeladen, dort zu übernachten. Wie selbstverständlich wurde das 'Elterschlafzimmer' für uns geräumt, das Ehepaar selbst schlief im Kinderzimmer und die Kinder im Schlafsack im Wohnzimmer. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft in den Neuen Ländern nach der Wende war unglaublich - das gab«s / gibt«s im Westen nicht. Heavy war auch der Tag der Währungsunion: wir fuhren mal wieder vom Rheinland/Ruhrgebiet in Richtung Thüringen und nach der alten Grenze Kassel/Eisenach hingen überall schwar-rot-goldene Fahnen aus den Fenstern entlang der alten Transit-Strecke. Am Abend war eine kleine Feier im Betrieb und punkt Mitternacht schmissen die Leute ihre DDR-Mark durch die Luft und führten die reinsten Freudentänze auf. Das war echt unglaublich. Nach der Wende war ich überhaupt zum ersten Mal im 'Osten' bwz. in Berlin. Im Winter 90 dachte ich, ich komme in eine andere Welt. So, wie wahrscheinlich die 'Ossis' Bauklötze gestaunt haben, als sie erstmalig im Westen waren, so habe ich als 'West-Tussi' auch meinen Augen kaum trauen können. Im Großen und Ganzen nennen wir das gern auch 'Das war der Wilde Osten'. Wenn Kollegen oder mein Mann von 'drüben' wieder nach Hause kamen, erzählten sie die unglaublichsten Geschichten. Fürchterlich waren ja auch diese West-Arschloch-Versicherungsvertreter, die 60jährigen noch Lebensversicherungen verkauft haben. Da könnte man doch glatt draufhauen. Und manchmal ist es mit Sicherheit auch nachzuvollziehen, warum Ossis auf Wessis nicht gut zu sprechen sind. Was 'wir' uns da teilweise geleistet und rausgenommen haben, geht echt auf keine Kuhhaut mehr! Aber jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Man kann halt ständig nur 'dran arbeiten' und hoffen, dass die nächste Generation keine Mauer mehr im Kopf bzw. Herz hat. Für mich persönlich war die Wende das einflußreichste Erlebnis überhaupt (bis auf meine Hochzeit)! So emotional ist noch nie Politik und Geschichte geschrieben worden. Und jeder kann seinen persönlichen 'Senf' dazu beitragen. Wenn das mal nix is.... Bunten Tag noch und schönens Wochenende. Vielleicht bis bald mal.
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Bengt
23.01.2001, 20:04
Eigentlich wollte ich mich in diesem Forum gar nicht äußern, aber die Verbalattacken von Role gegen Habib und von Habib gegen Rolo kann man so nicht stehen lassen. Vielleicht solltet ihr beiden Stereotypen (Fun-man vs. Pessimist)euch einmal vergegenwärtigen, dass dies niemanden außer euren Wenigkeiten interessiert !!!
In der Hoffnung auf Besserung eurerseits verbleibe ich
Bengt

Heikele
24.01.2001, 00:39
Hallo alle zusammen,
Hallo PJ,
Tja, wie war die Wende?
Ich wohnte damals in Hof. Als die ersten Züge aus Prag bei uns ankamen, war ich natürlich wie alle anderen ziemlich aufgeregt, jeder stand irgendwie auf dem Bahnhof rum und hat sich gefreut. Alle waren total euphorisch, viele haben geheult - und das große Zähneklappern kam für die meisten erst, als sie merkten, daß jetzt alles neu anfangen muß. Als dann am 09.11. die Grenze aufgemacht wurde, fielen die 'Ossis' (verzeih mir, PJ!) wie ein Heuschreckenschwarm bei uns ein. Hof war zu dem Zeitpunkt wirklich eine sehr ruhige verschlafene Stadt, und binnen weniger Tage waren die Supermärkte ausverkauft, in den Regalen herrschte gähnende Leere. Es konnte einem auch wirklich passieren, daß dir die Waren aus dem Einkaufswagen genommen wurden, und wenn man sich beschwerte, bekam man nur eine patzige Antwort. Die Trabis wurden dir auf der Straße für einen Fuffi angeboten, falls sie nicht einfach auf einem Feldweg stehengelassen wurden. Irgendwie war alles sehr chaotisch und manche Nachbarn kauften auf Vorrat ein, als ob ein Krieg bevorstünde... Tut mir leid, aber bei uns war es wirklich so!
Aus dieser Zeit stammt auch meine Abneigung gegen Leberwurstbrötchen: Die mußte ich tagelang in einer Aufwärmstation schmieren, damit sich die Nachbarn aus dem Osten bei einer Tasse Kaffee oder Tee auch stärken konnten...
An dieser Stelle möchte ich aber auch erklären, daß ich die Nächte im Malzhaus in Plauen nie vergessen werde. Kultur, Konzerte und was weiß ich nicht alles wurde hier geboten. Ach ja, das Malzhaus...!!!

Krakeli
30.01.2001, 22:38
Danke Heikele , jetzt hast Du genau das gesagt was ich mir verkniffen habe.Bei uns herschte nämlich auch ziemlicher Ausnahmezustand :
Ich komme auch aus einer Kleinstadt ,von meinem Zimmer aus konnte ich immer die Wachtürme in der 'Ostzone' ( haben wir zu hause immer gesagt) sehen und als die Grenze geöffnet wurde ging bei und nichts mehr.
Leergefegt Regale im Supermarkt, bei Aldi wurden die Leute nur in Schichten reingelassen -bis der laden dichtmachen mußte weil nichts mehr da war .Mir ist es auch passiert daß eine Frau in meinen Einkaufswagen griff und meinte ich hätte das ja schon immer kaufen können-jetzt sei sie erstmal dran.
durch die trabbi-abgase hing eine blaue dunstglocke über der hauptstraße ---war schlimm.
das klingt zwar alles ganz schön übertrieben -war«s aber nicht .
naja es hat sich ja schnell alles normalisiert .
ich glaube zwar nicht daß es immernoch so schlimm ist -aber zeitweilig durfte man sich in einigen ecken am wochenende nicht mit einem 'west'-kennzeichen vor der disco sehen lassen ,man hatte dann plötzlich ein paar platte reifen oder ähnliches. da kam dann bei mir auch so langsam der frust auf.ich habs einfach nicht verstanden warum ich mich jetzt anpöbeln lassen soll , nur weil wir auch mal in eine andere gegend gefahren sind um mal zu gucken was da los ist .das wäre genauso gewesen als hätten die schleswig holsteiner angefangen die hamburger zu verkloppen bloß weil sie nicht in ihrer ecke geblieben sind.
aber das waren jetzt auch nur die extreme die mir eingefallen sind .
wir waren vor der schule aus kurz nach der grenzöffnung in demmin und perleberg -das war so witzig...die leute waren alle(fast -spinner gibts überall) supernett . die eine gastfamilie hat extra die kinder zur oma ausquatiert und wir haben das kinderzimmer bekommen und : den wohnungsschlüssel! wildfremde leute geben dir ihren haustürschlüssel - das fand ich stark.und ich hab mich sauwohl gefühlt.
so jetzt hör ich aber auf zu sülzen

(Beitrag wurde von Krakeli am 30.01.2001 um 21:47 Uhr bearbeitet.)

Sanne19980
01.09.2008, 15:12
Ich muss sagen ich bin ganz froh die ersten Jahre meines Lebens noch in der damaligen DDR mitgemacht zu haben.
Klar war vieles alles andere als optimal, aber ich werde nie im Leben das Gefühl vergessen wenn man im Intershop stand und all die Farben und Gerüche wahrnehmen konnte. Wir haben uns sicher über jedes West-Paket gefreut, und da kommt es gar nicht drauf an, was darin war...sondern es war einfach etwas besonderes. Sei es die Tafel Milka-Schokolade gewesen und eine Schachtel Toffifee.

Ich möchte auch die Zeit nicht missen als wir als Kinder stundenlang auf der Straße gespielt haben und Dinge gefunden haben, mit denen wir uns beschäftigt haben.

Die Wende selbst fand ich damals total doof, denn es hätte nicht mehr viel gefehlt und ich hätte eine rotes Pionierhalstuch bekommen.

Ich will das Ganze auch gar nicht rückgängig machen oder die Zeit zurückdrehen wollen- um Gottes Willen! Aber die Erinnerungen an die Zeit davor hergeben wollen würde ich auch nicht.

Wenn heute noch die Bilder oder Reportagen von damals kommen, bekomm ich jedesmal eine Gänsehaut und ich finde es nach wie vor einen der ergreifensten Momente meines Lebens

waldfee834
10.03.2009, 21:49
Und das alles ist nun schon fast 20 Jahre her!

Lelani
11.03.2009, 12:20
und wenn man uns nicht immer wieder daran erinnern würde, dann würde der Tag einfach so vorübergehen, ohne Reden, ohne Denkmal, ohne Restaurationsarbeiten an Mauerresten.
Die Menschen haben zur Zeit wichtigere Dinge um die sie sich kümmern (müssen)
Aber wir Deutschen haben einen Hang zum erinnern.

Johnny Harms
11.03.2009, 13:00
viele Sprüche sind nur platt, aber einer ist richtig:
Wer nicht weiß, wo er herkommt,
weiß nicht wohin er gehen soll.

Lelani
12.03.2009, 14:57
dagegen hab ich nix, aber zu viele Erinnerungsstätten, Denkmäler, Gedenkstunden, Sonderausgaben und noch eine Gedenkstunde, Fahne, Sondermünze und so weiter und so fort geht nur mir persönlich auf die Nerven wenn man mich dauernd damit beschallt, ich es im Fernsehen sehe, in der Zeitung lese, an der Plakatwand sehe, als Aufkleber in Bussen und U-Bahnen - ich dem kollektiven Erinnernungszwang nicht mehr entkommen kann.
Sorry- aber so isses