Vollständige Version anzeigen : Was mir an den 90ern nicht so gefällt
peterthomassuschny
23.08.2001, 19:41
Die allgemeine Hektik
Das 'more, bigger, faster'
Die egoistische Gesellschaft
Der Rassimus gegenüber Randgruppen wurde trotz political correctness eingentlich früher geringer. In den 60ern war der erste
schwarze Fußballer bei der Wiener Austria (nicht mein Verein!) ein gewisser Jacare, vom Publikum liebevoll 'Murl' genannt, vor nicht einmal einem halben Jahr war ich
alleine aus in einem Tanzlokal und dort hat einer auch 2 schwarze Damen als Begleitung gehabt. Eine 'Weiße', die ich aufgefordert habe, eher ziemlich eingespritzt, wie mir auffiel (sprich alkoholisiert) sagte zu mir 'jetzt haben wir die Neger a scho da', worauf ich sie gefragt habe 'Wieso, färben die ab?'
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
www.r60.net
Das mit dem Egoismus setzte schon früher ein, glaub ich.
Stimmt, ich hätte auch nie gedacht, dass das, was wir so im Geschichtsbuch gelesen haben (Übergriffe auf Synagogen, Rassenhass) auch nur in Ansätzen wiederkommen könnte.
Mal abgesehen von den unbeirrbaren Ideologen: Die Masse der Jugendlichen zieht da auch aus dem Grund mit, weil Neonazi sein eine der wenigen Dinge ist, mit denen man sich von den rockmusikhörenden, jeanstragenden, kiffenden Eltern absetzen kann bzw. die damit zur Verzweiflung bringen kann. Sprich: Unter einigen Schülern ist es einfach 'in', rechts zu sein und sogar viele meiner ausländischen Schüler kloppen rechte Sprüche, einfach, weil die wissen, dass wir Lehrer dann hochgehen...
(Beitrag wurde von Bibo am 23.08.2001 um 19:14 Uhr bearbeitet.)
Was ihr über Rechtsradikalität gesagt habt, dem kann ich nur voll und ganz zustimmen, das ist wirklich eine 90-er Erscheinung. Damals in den 80-ern gab es das, wenn, dann ziemlich im Untergrund; jetzt ist es tatsächlich schon fast eine perverse Modeerscheinung. Bibo, du hast es sehr interessant analysiert aus deiner Sicht als Lehrerin.
Gut, mir fallen spontan etwas profanere Dinge ein, die mir in den 90-ern nicht gefallen haben:
Das Überhandnehmen von Techno.
Zahlreiche Modeerscheinungen, z. B. superklobige Schuhe, Kunstfaserklamotten und Schlaghosen. Die Kids werden sich schütteln vor Grauen, wenn sie in ein paar Jahren die Versandhauskataloge durchblättern, genau wie wir 70-s Kids heute.
Das Überhandnehmen von Gangsta Rap.
Die zunehmende Konsumorientierung.
Die zunehmende Ver-Sex-ung, der man nicht entkommen kann. Überall nackte Weiber, ob auf Fernsehzeitschriften, Autoreklamen...
Ständig steigende Benzinpreis und Abzocke der Autofahrer. Aber Busse und Bahnen werden deshalb noch lange nicht billiger und zuverlässiger, im Gegenteil. Also auch keine Alternative zum Auto.
More, Bigger, Faster - vollkommen richtig PTS.
Die steigende Arbeitslosigkeit, und nach wie vor kann niemand wirklich was dagegen tun.
Aber das Schlimmste ist wirklich der Ausländerhass.
Viele Grüße
Zazie
Hi Zazie,
ich gebe dir in fast allen punkten Recht, aber schwarze Nylonhosen mit einem gaaanz leichten Schlag mag ich sehr gerne!
Techno finde ich auch unerträglich und die Ver-sex-und nervt auch zunehmend. Aber auch das finden Kid heute cool. 13-jährige sitzen mit hautengen, bauchfreien Klamotten im Unterricht, tragen Highheels und bewundern Popstars, die noch hautengere Klamotten tragen und mit dem Hintern in ne Kamera wackeln. Sex sells. Das gabs ja schon mal ähnlich Ende der 60er, nur heute gibts halt die ganzen Privatsender (die dann immer ihre Pseudomagazine mit blanken Busen auffüllen müssen) und das Internet dazu!
Zum Thema Arbeitslosikkeit empfehle ich das Buch 'Die kunst weniger zu arbeiten' von Braig und Renz. Weniger ein Ratgeber, eher eine Analyse der historischen Entwicklung dessen, was wir heute Arbeit nennen und zugleich eine Anregung, wie man denn zukünftig die Gesellschaft gestaltet, denn wir rationalisieren uns ja selbst die Arbeitsplätze weg, nur keiner spricht darüber. (Alternativen, z.B. von konservativen Kreisen: Service überall (Liftboys, Tankstellenbetanker, Schaffner) zugleich kaum/keine Tarifpolitik.
Na ja, ich kanns sicher nicht so gut wiedergeben, ich fands aber ganz interessant!
peterthomassuschny
24.08.2001, 19:27
@Zazie
Als Berufskraftfahrer finde ich zwar die PKW-Fahrer nicht abgezockt, es fahren nämlich immer so viele, vor allem bei uns in Wien, was aber ein hausgemachtes Problem ist, da Wien ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz hat, um das wir oft in der Welt schon beneidet wurden, was aber leider ein Fehler der Wiener Stadtverwaltung war und ist, bei
der Eröffnung neuer U-Bahn-Teilabschnitte wurden und werden immer Straßenbahnlinien gestrichen oder abgezwickt, d. h. es gibt einige zentral gelegene Verbindungen, da ist die U-Bahn-Weltmeister, von uns am Stadtrand (5 Autominuten von der Wiener Westeinfahrt) zum Zentrum am Stephansplatz benötige ich netto (also gehen und U-Bahn fahren mit einmal umsteigen) knapp 30 Minuten (+/- 5 Minuten, wenn einmal eine davonfährt oder ich genau eine erwische), das geht mit dem Auto keineswegs schneller und kostet die Garage dort ein Vermögen und der erste Bezirk (das Zentrum) ist flächendeckend von 9h00 - 19h00 Kurzparkzone, also ich dürfte auch nur 2 Stunden stehen, das Problem ist wieder, die Ladezonen werden nie kontrolliert und wenn ich regulär dort stehenbleiben will, ist es ab 10h30 (weil dann noch viele Teile absolute Fußgängerzone sind) sehr unangenehm, also freiwillig fahre ich dort gar nicht hin.
Zum Thema Neonazis: in dem Fall muß ich paradoxerweise feststellen, Gott sei Dank haben wir den Jörg Haider, der ist zwar auch eher rechtsextrem, aber seine Partei bindet schon ziemlich stark das Potential der Neonazis, weil die selber schon sehr rechts sind, auf die Synagoge war vor 20 Jahren ein Anschlag, das war aber die Abu Nidal-Gruppe
(3 Monate vorher hatten sie den Wiener Verkehrsstadtrat keine 5 Gehminuten von meinen Eltern wohnhaft am 1. Mai vor seinem Haus erschossen. Dabei war der Heinz Nittel bloß Präsident der österreichisch-israelischen Gesellschaft, also lediglich einer Kulturvereinigung. Zum Thema Palästinenser und Israelis eigentlich der bis heute unlogischstes Mord, der je stattfand); 1983 (da war ich gerade auf Matruareise in Israel) war ein Bombenanschlag auf die Wohnung vom Simon Wiesenthal, der war aber Gott sei Dank nicht anwesend, der geht klar auf das Konto von Neonazis, dann wurden 1993 noch einige, die sich VAPO nannten (Volkstreue Außerparlamentarische Opposition) und vor allem den Rapid-Anhang unterwandert hatten
(bin zwar selber ein Rapidler, gebe aber gerne zu, das dies der ärgste Anhang ist, lediglich nachdem die Austria 1978 - 1981
viermal nacheinander Meister wurde, haben sie schon einen ähnlich argen Anhang, aber erst seit 20 Jahren, der Rapid-Anhang war schon früher so, da haben mir 74 als 12-jährigen Schulbuben die eigenen Fans die Fahne weggenommen) eingesperrt. Der Briefbombenattentäter Franz Fuchs, der sich im Vorjahr in der Haft erhängt hatte, ist ein eindeutig schizophrener Einzelgänger gewesen, hochintelligent, aber völlig erfolglos bei Frauen und nachdem er einmal bei einer aus dem ehemaligen Jugoslawien stammenden Dame abgeblitzt sein dürfte, waren in seine perversen Statements in seinen Bekenenrbriefen, wo er etwas von einer bajuwarischen Befreiungsfront faselte, mit so Sätzen, das 'Österreich eine Tschuschenregierung habe' und ähnlichen Unsinn mehr, gespickt.
@Bibo
Wenn Du schreibst, die Jugend hat wenig Alternativen: ich höre fast nur Beat, lasse meine Kinder aber ihren Confetti sehen, nur Pokémon ist mir zu aggressiv, gekifft habe ich nie (hätte ich auch dann nicht getan, wenn ich in den 60ern schon älter als 8 gewesen wäre), natürlich gab es auch mit meinen Eltern Streit, aber nachdem sie ja selber zwischen 38-46 (Mutter) und 39-45 (Vater) nicht in Ö waren, muß ich ihnen ja ihre Vergangenheit nicht vorwerfen und sehe die Jugendprotestbewegung etwas differenzierter. Bei uns in Ö verlief diese ja sowieso eher fast fad, müßte schon geätzt werden, außer dem mehr als fragwürdigen 'Unischiß' im Juni 1968 tat sich hierzulande nichts aufregendes (Otto Mühl, Günter Brus und einige andere hatten
die große Notdurft auf den Pulten im Neuen Institutsgebäude verrichtet, Brus hatte dann noch onanierend die Bundeshymne gesungen, weshalb er zwar wegen Herabwürdigung der Staatssymbole einige Monate Haft bekam, sich dieser jedoch durch Flucht nach Deutschland entzog. 1979 kehrte er dann wieder und illustriert heute auch Kinderbücher, er dürfte also auch schon reifer geworden sein, der Mühl ist dann in den 90ern 7 Jahre gesessen, aber nicht wegen der Uni-Schiß-Aktion, sondern weil er in seiner Kommune im Burgenland ständig Sex mit Minderjährigen hatte unter Ausnutzung seiner Position als Kommunenchef und 'Übervater'.
Und was die Blue-Jeans betrifft: Vielleicht legst Du ein Wort bei der Frau Suschny ein (also bei meiner Gattin, nicht bei meiner Mutter), daß sie mir keine kaufen soll, ich trage die sowieso so ungern, ich habe immer Angst, weil die so hart sind, später dort Krebs zu bekommen, wo es für Männer besonders unangenehm ist. Nein, ist bloß ein Scherz, ich trage sie ganz selten und laße sie herumhängen, nur die Ablehnung gegen die Jeans ist kein Spaß, ich mag dieses Kleidungsstück irgendwie nicht, das ist mehr was für kleine Buben, die sind so oft Reißteufel und da war das in meiner Kindheit schon o. k. Was anderes waren meine Jeans-Jacken, die waren schon sehr lässig, aber nachdem die eine recht angeschmiert war und die andere voller bunter Aufnäher, hat sie meine Frau entweder schon weggeschmissen oder sie kugeln noch irgendwo bei meinen Eltern.
Arbeitslosigkeit ist übrigens ein weltweites Problem, das wird noch einige Nationalökonomen beschäftigen, bei uns ist sie Gott sei Dank eher niedrig, aber momentan ist gerade auch bei uns insgesamt schon von der Konjunkturverflachung etwas zu spüren, wahrscheinlich wäre doch der Al Gore besser gewesen als der 'Forrest Gump'. Der Reagan war ja noch irgendwo ganz in Ordnung, der Clinton war sowieso super (die Frauengeschichten gehen meiner Meinung nach nur seine Gattin was an und die dürfte ihren großen Buben mit Fassung tragen), aber der
Walker ist genauso schwach wie sein Vater
und nervt noch mehr als der Jimmy Carter, der war nur ungeschickt. Der Reagan war mehr ein progressiver Republikaner, der Bush ein noch ärgerer Raktionärer als sein Vater, konservativ ist nämlich meiner Meinung nach schon positiver besetzt, als Bushs Scheingetue mit so rund 150 Hinrichtungen während seiner texanischen Gouvrneurszeit.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
der aber auch nach so langen Monologen keine Kopfwehpulver verteilt
Bibo, das Sex-Sells-Getöse von heute läßt sich mit der Sexwelle der Spätsechziger/Frühsiebziger nicht wirklich vergleichen. Auch wenn man damals schon entdeckt hat, dass sich damit Geld machen läßt - es war anfangs ein Befreiungsschlag gegen den Muff der 50er und 60er-Jahre, heute ist es der blanke Psychoterror. Selbst durch die zotig-dämlichen Sexfilme von anno dunnemals ˆ la 'Schulmädchenreport' wehte bei aller Spießigkeit und Pseudopädagogik noch ein Hauch von 'Sex is fun', und das rammelnde Personal sah aus wie die ganz normalen Jungs und Mädels von nebenan. Heute bekommen wir ausnahmslos durchtrainierte, silikonbehandelte Luxusgeschöpfe und dazu so viele do's und dont's rund ums Thema präsentiert, dass sich der Normalo von nebenan nur noch als defizitärer Versager und Langweiler fühlen kann. Entsprechend desolat soll das reale Liebesleben der Teens und Twentysomethings heute ja auch aussehen.
Zum Thema 'Arbeit' gebe ich dir recht - ich kann das Gejaule um den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht mehr hören. Wir bewegen uns in eine Zukunft hinein, in der es objektiv immer weniger einträgliche und gleichzeitig sinnvolle Lohnarbeit zu vergeben gibt, aber niemand im politischen Spektrum von ganz links bis ultrarechts macht diese Tatsache zum Thema. Stattdessen halten alle eisern am Prinzip 'Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen' fest und schicken sich derzeit sogar an, die Schrauben noch fester anzuziehen. Irgendwann werden Arbeitslose noch dazu zwangsverpflichtet, Löcher zuzuschütten, die andere Arbeitslose vor ihnen zwangsweise ausgehoben haben. Könnte ich mich jetzt stundenlang drüber auslassen, aber einen brauchbaren neuen Gesellschaftsentwurf habe ich auch grad nicht im Ärmel.
Das Grauen der Neunziger hat noch weitere Namen, als da wären:
- Der Fitness- und Sport-Terror. Schaut euch spaßeshalber mal Kontaktanzeigen an, unter den 'Hobbys' der 18- bis Mitte 30-jährigen findet man in den Profilen heute so gut wie ausschließlich Trendsportarten und 'Party machen'. Die Rückkehr der faschistischen Arno-Breker-Ästhetik (Muckis, Waschbrettbäuche etc) in jeder Deo-Reklame erscheint mir nicht nur als zufällige Äußerlichkeit. Kluge Soziologen haben gesagt, dass die Bedeutung des Sports in einer Gesellschaft Auskunft über ihr latentes Gewaltpotential gibt.Das bringt uns zu der seit den 90ern rapide zunehmenden
- Gewalttätigkeit, Rücksichtslosigkeit und Aggressivität im alltäglichen Leben, einhergehend mit der
- Rückkehr des dumpfen Macho-Gehabes.
Mir fällt noch jede Menge ein, aber ich will jetzt raus aus diesem feuchtheißen Büro und endlich an die Luft!
Phrids Browse
24.08.2001, 21:01
z. Thema bigger, faster, more:
das ging, glaube ich, schon in den 80ern los mit den Yuppies. 'American Psycho' ist zwar von 1993, spielt aber meines Wissens in den 80ern und zeigt diese Rücksichtslosigkeit ja recht eindringlich. Es gibt auch noch ein bis zwei Filme (mir fällt da 'Wall Street' ein, weiss aber nicht so genau, ob der aus den 80ern ist), wo es um Broker geht, die diesen speziellen Geist haben.
Bibos Äusführungen zu den Neonazis:
hört sich plausibel an. Dazu passt wie ich finde, dass dieses Phänomen verstärkt und mit explosionsartiger Geschwindigkeit in den neuen Bundesländern auftritt. Nach staatlich verordnetem Sozialismus ist es ja richtig subversiv, wenn man 'rechts' ist. Komisch allerdings, dass viele dieser Gören den real existierenden Sozialismus allenfalls im i-Dötzchenalter kennengelernt haben.
Techno (egal ob mans mag oder nicht) gab es schon in den 80ern.
Phrids, unlängst gab es eine sehr gute ARD-Doku zum Thema Neonazis. Sie zeigte - was ich bisher auch nicht wußte - dass es schon in den 80er-Jahren in der noch existierenden DDR eine solche Szene gab. Weil nicht sein konnte was nicht sein durfte wurde das Thema natürlich totgeschwiegen. Eine DDR-Soziologin (?) hatte eine Studie dazu angefertigt, die so besorgniserregend ausfiel, dass sie umgehend in den Aktenschrank weggeschlossen und ignoriert wurde. Es gab auch damals bereits gewalttätige Ausschreitungen. Die Täter wurden in den Gefängnissen dann schlauerweise mit echten Altnazis zusammengesteckt, wo sie noch ordentlich was lernen konnten, die großen Amnestiewellen nach DDR-Zusammenbruch spülten das ganze Pack dann wieder an die Öffentlichkeit, wo es sich gleich an den Aufbau der entsprechenden Strukturen machte.
Zu den Yuppies: Die stammen in der Tat aus den 80ern, Film und Buch 'Fegefeuer der Eitelkeiten' gehören unbedingt mit dazu. Ich meinte aber eher die Rüpelhaftigkeit in ganz alltäglichen Dingen als die eiskalte Karrieristen-Skrupellosigkeit.
peterthomassuschny
25.08.2001, 11:06
Pokémon und Teletubbies.
Die angeblich in D nicht bekannte Kindersendung 'Confetti Tivi' ist hingegen ganz herzig. Dabei habe ich immer geglaubt,
daß die aus D stammt: neben dem grünhaarigen
Confetti gibt es immer seinen frechen Freund,
eine männliche Ratte und die heißt Rolf Rüdiger. Und das ließe eigentlich vermuten, daß die Serie in D geschrieben wurde. Kennt die trotzdem wer?
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Natürlich fing Techno bereits Ende der 80-er an. Da entstand ja auch die damals noch winzige Love Parade. Aber so richtig um sich gegriffen hat der Techno-Trend dann in den 90-ern. Und da sind auch die Beats pro Minute immer mehr geworden. Schlimm finde ich, dass man kaum noch irgendwo in einen Club reingehen kann, ohne damit mehr oder weniger stark zwangsberieselt zu werden.
Zum Thema Fitness und Sport kann ich auch noch den immer stärker werdenden Schönheits-, Jugend- und Schlankheitswahn nennen. Bereits 17-jährige Mädchen wollen unbedingt einen Silikonbusen (na wenn diese blöde Kuh von Britney Spears ihnen auch vormacht...). Sie wollen schlank sein wie'n Aal und werden prompt magersüchtig. Und wer alt ist, ist sowieso weg vom Fenster. Ich habe auch oft das Gefühl, ich bin irgendwann in den 90-ern vom fahrenden Zug der Zeit abgesprungen und gucke nun auf dem Bahnhof zu, wie der Zeit-Zug an mir vorbeifährt.
Viele Grüße
Zazie
Zazie, hast du noch ein Zimmer zu vermieten? Ich könnte mir auch den alten Geräteschuppen ausbauen. Einen Schaukelstuhl für die Veranda würde ich selbst mitbringen.
peterthomassuschny
25.08.2001, 14:47
Da haben wir es musikalisch ganz gut in Wien, neben den den ganz jungen Menschen zur Verfügung stehenden Rave-Tempel haben wir schon auch noch oft 60er-Gruppen und 60er und 70er-Partys im 'Planet Music' früher auch 'Rockhaus' genannt, die 70er Clubbings unter 'Wickie, Slime und Paiper' werden in Hinkunft in der Stadthalle stattfinden, da die berühmten und schönsten Tanzsäle Wiens, die Sophiensäle, leider vor ca. 10 Tagen abbrannten und natürlich noch länger gestritten wird ob generalsanieren oder abreissen.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
der sich übrigens freut, daß meine Frau auch ohne Silikon einen großen Busen hat und der einen Freund hat, der nicht nur oft Nutella nascht, sondern auch bei Dow Corning ist und der gut aufgezogen werden kann, wenn ich frage, ob seine Firma nicht ein Inserat in meinem Buch über die technologische Entwicklung der Silikonimplantate ab den 60ern unter Federführung des Dow Corning-Konzerns schalten will ...
Hallo Opa PeterLu, wollen wir uns ein Haus wie die Waltons zulegen und dann zusammen auf der Veranda schaukeln?
Viele Grüße
Oma Zazie
peterthomassuschny
27.08.2001, 19:27
Das Betthupferl oder auch Traummännlein oder Sandmännchen genannt wurde zur Gänze eingestellt, statt dessen werden unsere Kinder schon im Vormittagsprogramm mit so aggressiven Sachen wie Pokémon überflutet.
Hier geht es nicht darum, ob mir Pokémon gefällt oder nicht, weil es mir wurscht ist, aber ich finde es den Eltern gegenüber eine Zumutung, daß so etwas ungestört auf die Kinder einprasselt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Zum Thema Neonazis: Natürlich ist das von mir plakativ formuliert worden und trifft auch nicht in jedem Fall zu, sondern ist eben eine der vielen möglichen Erklärungen.
Was die 60er betrifft, klar hat die Sexwelle heute eine andere Dimension, vielleicht kann man sagen, dass die Entwicklung in den 60ern begann.
Die Thesen zum Fitness und Sport-Terror von Peter Lu fand ich auch interessant. Dazu passt ja auch, was Zazie zu jungen Mädels sagte.
Oberstufenschülerinnen bewunderten neulich Geri Halliwell, weil die so toll schlank sei und verstanden gar nicht, das ich das für ungesund hielt und das man nicht einfach von Sport sooo dünn wird. Auch seltsam finde ich, dass meine Schüler (beim Bekleben ihrer Poster-Ecke) alle nicht-superwaschbrettbäuchigen und brutal dreinschauenden Männer als 'Baaah, ist der schwul' abkanzelten. Ich hoffe ja immer noch, dass das nur die Irrungen und Wirrungen der ubertät sind und nicht alle so oberflächlich (bleiben) werden.
Oma Zazie und Opa PeterLu: Adoptiert ihr mich in eure Gartenlaube?
Klar doch, Bibo! Vielleicht sollten wir eine WG der Genervten gründen, aber wenn das publik wird, muß Zazie auf ihrem Gehöft noch anbauen.
Bibo ich glaube, du bist die jüngste von uns, aber sei uns willkommen. Musst aber deinen Schaukelstuhl mitbringen. Oder aber mithelfen, noch eine Schaukel auf der Veranda anzubringen. Und vergiss deine Platten aus den 70-ern nicht :-)
Viele Grüße
Zazie
peterthomassuschny
28.08.2001, 20:11
Bevor das hier zur WG wird, noch wieder was zum Thema: mit den Ausdrücken von schwul usw. sind Kinder auch schon zu meiner Zeit immer geschwind dagewesen. Mein Motto war jedoch immer: mehr Schwule bedeutet weniger Konkurrenz bei den Frauen und die Angst, daß mich einer von denen sexuell belästigt, hatte ich vielleicht als 12-jähriger, ein Schulkollege wurde nach einigen Enttäuschungen mit Mädchen schwul und ist absolut ein netter und angenehmer Mensch geblieben.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
peterthomassuschny
28.08.2001, 23:13
Und sonst alles 'Wonne und Waschtrog' mit den 90ern?
Was mir POSITIV gefiel:
1. Right said Fred: 'I«m too sexy for my body'
2. Der Sommerhit 1996: 'Hey Magarena2 (ich
hoffe, die habe ich jetzt richtig geschrieben, die Dame).
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Für Schaukeln bin ich immer zu haben!! (Ich hatte aber in den 70ern nur wenig Platten (Biene maja und so) und die hab ich nicht mehr, ist das schlimm?)
Was ja auch bereits in den 80ern begonnen hat aber in den 90ern so richtig um sich griff ist die Verflachung von Nachrichtensendungen und Magazinen vorzugsweise in den Privaten, auch als Infomercial bezeichnet. Ich erinnere nur mal an die sogenannten 'Action-News' auf RTL2. Jetzt heißen sie zwar anders, sind aber kaum besser...
Hatten wir die Anglizismenpest schon, die aus einem guten alten Bahnhofsklo ein McClean gemacht hat, aus jeder popeligen Provinzveranstaltung ein Event, aus der Vorhölle am Postschalter einen MacPaper-Supermarkt und den ganzen Quatsch? Ich könnte hier noch vieles ins Round-Table-Gespräch hineinbrainstormen, erwarte aber wenig Response, weil das Topic bestimmt schon anderweitig gefeatured wurde.
peterthomassuschny
29.08.2001, 19:34
@PeterLu
Der Unsinn begann schon in den späten 60ern/zeitigen 70ern mit den 'Weekend-Häusern'. Ich halte viel von England, weil meine Mutter dort 8 Jahre aus Sicherheitsgründen lebte, aber da sind wirlich viele Unsinnigkeiten geschehen: 'Sport' finde ich schon in Ordnung, 'Leibesertüchtigung' klingt doch so rechtsradikal, aber: heute ist man weder Putzfrau noch Raumpflegerin (weil das halt eleganter klingt und nicht so herabwürdigt, weil manche dann gleich Putzfetzen sagen),
heute ist man im 'Facility management'.
Und noch was typisches aus dem Amerikanischen 'Schönen Tag noch!'. Ist natürlich deutsch, stammt aber vom Amerikanischen 'Have a nice day', das ist mir schon 88 in Amerika aufgefallen. Das wünscht heute wirklich jeder Tankwart, jede Sitzkassierin im Supermarkt, genauso blöd ist nur noch das in Wien schon länger ver-
breitete 'Alles Liebe' als Gruß. Da bin ich eher sehr skeptisch, wenn jemand so grüßt, ist sie/er vermutlich eher ein falscher Mensch. Und will mit 'Alles Liebe' nur säuselnd darüber hinwegtäuschen, daß sie/er sich in Wahrheit das Götzzitat denkt.
Beste Grüße
(was aber bitte nichts mit 'Alles Liebe' gleichzusetzen ist!)
'Mr. Roaring Sixties'
@PeterLu, @PTS:
Völlig richtig, man kanns mit den Anglizismen übertreiben, vor allem dann, wenn sie benutzt werden, um 'mehr' oder 'besser' vorzutäuschen, Beispiel Putzfrau. Überhaupt wimmelt es ja nur noch so vor managern, alle managen (Ich auch, ich nenn mich jetzt Education Manager oder Personal Preparation Manager oder so...)
Die Werbung sagt blumig Cerealien, was mir die Schüler dann als weiteren notwendigen Nahrungsbestandteil aufzählen, anstatt zu sagen, dass in Kindercountry Getreitepops sind, wie ja jeder unschwer erkennen kann! Aus dem Lateinischen kann man so prima Pseudowissenschaftliches klauen.
peterthomassuschny
02.09.2001, 02:35
@Bibo
Ich sehe mich nicht als Manager. Da der letzte Bundeskanzler vor den Nazis, Dr. Kurt (Edler) von Schuschnigg hieß (was so ähnlich wie Suschny klingt) und sich 'Frontführer' nannte (da die Vaterländische Front damals in Österreich etwas ständisch aber nicht absolut diktatorisch sondern nach einem Kriegsermächtigungsgesetz von 1917 regierte), nenne ich mich 'Bundes-Frachtführer Suschny'. Ich verlange aber von niemanden, mich mit 'Heil Schuschnigg' zu grüßen, damit habe ich vor rund 20 Jahren nur gelegentlich meine Erzeuger geärgert,
die haben diese Ära Schuschnigg als ältere Kinder (beide Jahrgang 1924 und Gott sei Dank still alive!) noch voll miterlebt.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Das war eine Übertreibung zur Unterstreichung des (durchaus vorhandenen) Sachverhalts!
peterthomassuschny
02.09.2001, 02:35
@Bibo
Was aber nicht heissen soll, daß ich nicht gerne einer wäre, vor allem vom Salär her, nicht von den Managerkrankheiten! Momentan manage ich so mein Leben zwischen fast nichts verdienen, mein Buch fertigstellen, meinen Jahresabschluß durchführen und dazwischen die liebe Familie.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Manager ist ja sowieso keine direkte Berufsbezeichnung, eher eine Tätigkeit und insofern dann wieder passend für fast alles, was man so organisiert. Es klingt halt nur so JungYuppiehaft-dynamisch (und damit im Zusammenhang mit einer Putzfrau/-mann irgendwie unpassend), genauso wie sichVerwaltungsfachangestellte trockenbürokratisch anhört...
peterthomassuschny
03.09.2001, 19:34
@Bibo
Ich will Dich nicht ärgern, aber es gibt schon immer wieder junge und dynamische Putzfrauen!
Aber, Spaß beseite, vor allem ärgert mich die 'Riege der Gleichgültigkeit', und die ist gar nicht so an eine Generation oder Altersgruppe gebunden. Die, die immer fragen, 'Was geht mich das an!' oder 'Das ist nicht mein Problem!'. Beispiele: kürzlich stand was von einem 16-jährigen in der Zeitung, der ist an Alkoholvergiftung gestorben, weil ihn die anderen einfach liegen ließen! Warum jetzt ein einzelner vor dem Gericht zum Handkuß kommen soll, der gemeint hat, er war selber nicht mehr der Nüchternste, weil der Verstorbene mit dem Kopf in die Bettzeuglade geriet, wo er dann erstickt sein dürfte, verstehe ich nicht ganz. Da waren ein paar andere auch dabei.
Kürzlich sind in Oberösterreich eine 13-Jährige und ihr 16-jähriger Freund gestorben, statt dem erwarteten 'Stoff' (Speed-Tabletten oder was weiß ich, ich habe mich Gott sei Dank nie für Rauschgift interessiert) wurde ihnen ungeniert Ratten-gift verkauft. Sowas ist doch wirklich krankt, noch Jugendliche (das waren die paar, die ihnen den Dreck verkauft hatten)
und schon so geldgierig, daß sie über Leichen gehen!
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
@PTS: Aber zeig mir mal die arrogante Porsche-Putzfrau/-mann! ;-)
Zum Thema: 'Was geht mich das an!' oder 'Ich war das nicht' mit zu den Sätzen, die am häufigsten aus Schülermündern kommen, wenn gemeinsam Verantwortung getragen werden soll (z.B. für den Klassenraum). Auch gut ist 'Bin ich hier die Putzfrau?' oder 'Ich bin doch nicht das Sozialamt!'
Woher haben die das? So eine Einstellung kommt ja nicht einfach so! Warum sehen heute alle nur ihren Vorteil und haben selten Gemeinschaftsgeist?
peterthomassuschny
04.09.2001, 19:20
@Bibo
Das liegt stark auch an der Freizeitgestaltung. Ich bin seit fast 31 Jahren (am 31. Oktober ist es soweit) Pfadfinder und auch wenn ich wenig Zeit habe, nehme ich meinen Sohn seit einem Jahr zum Wölflingsheimabend, heuer nehme ich meine Tochter auch schon mit (die wird zwar erst im Jänner 6, aber kein Problem, die war schon mit 3 Jahren und 2 Monaten auf dem ersten Ausflug mit und dafür fahre ich quer
durch Wien, weil die Kinder natürlich dort hin gehen, wo ich Ende der 60er Pfadfinder
wurde). Auch andere Jugendgruppen stärken sicher das Sozialbewußtsein der Kinder, die Karriereeltern, die den Nachwuchs vor den Fernseher oder dem Computer/Gameboy usw. absetzen, sind selber schuld.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Florette
04.09.2001, 19:56
Ein kleiner Zwischenruf sei mir gestattet! Dieser Strang ist ja größtenteils eine Reflektion der 90er bzw. Jetzt-Zeit, vor allem auch soziologischer Themenbereiche. Die gesellschaftliche Situation wird überwiegend negativ reflektiert (Kinder, Jungendliche, Techno, Ver-Sex-ung, Action-News u.v.m.). Ohne euch zu kennen, gehe ich davon aus, dass ihr jenseits der 30 seid und den bewussten Teil eurer Kindheit und Jugend in den 60ern und vor allem 70ern erlebt habt, genau wie ich also.
Um es vorweg zu nehmen: ich teile die meisten eurer Feststellungen, aber habe mich bei der Lektüre gefragt: Wann fängt das an?
Anders formuliert: wie war das zu eurer (unser) Kinder- und Jugendzeit, da gab es doch auch oft 'Erwachsene', die die 'heutige' Jugend und verschiedene Moden negativ gesehen haben, und wir Kinder und Jugendliche uns von diesen 'Meckeropas' und 'Meckeromas' eigentlich nichts sagen lassen wollten. Diese Diskrepanz zwischen Jugendlichen und 'Erwachsenen' gibt es wahrscheinlich immer. Und wann fängt das an? Ab wann ist man eine Generation 'weiter', und kann sich mit den Gepflogenheiten der Jüngeren nicht mehr anfreunden und fängt dadurch an sie zu kritisieren und wird dadurch selbst zum Meckeropa oder Meckeroma?
Bei mir fing das glaube ich ansatzweise schon mit der 13. Klasse an, als ich die 7. und 8. Klässler sah, mit unglaublichen Baggy-Hosen zur damaligen Skateboard- und HipHop-Welle.
Interessant wird das auch zu sehen, wie sich die heutigen Kids zwischen 15 und 25 entwickeln werden und wie sie in 15 Jahren über die 'Jugend von heute' lamentieren werden!
Nur meine 0,2 Euro!
Beste Grüße,
Flori
Guter Beitrag, Florette!
Stimmt, irgendwann beginnt man, das Neue nicht mehr automatisch für toll zu halten, und sich bestenfalls bestimmte Dinge herauszupicken, die man noch ernsthaft verfolgt (s. Teletubbies). Bei mir begann das im Musikbereich so mit 21, im TV- und Comicbereich sogar viel früher, nämlich mit 16... Was nicht heißt, dass ich dann aufgehört hätte, neuere Entwicklungen zu verfolgen. Sonst wäre für mich Pokemon sicherlich auch ein undurchdringlicher Farbwirbel und keine niedliche Stilmixtur (s. Pokemon-Strang). Bedenklich wird«s nur, wenn man sich in die Jüngeren gar nicht mehr hereindenken kann. Dann sind wir wirklich das Altenteil der Gegenwart. Dass wir alles toll finden, verlangt ja keiner... Grüße vom Spleen
Willkommen, Florette, gut gesagt! Und Spleen auch. Aber es geht ja nicht um das Nichtverstehen und Nichtmögen irgendwelcher Moden, Stile etc. sondern um ganz grundlegende Veränderungen.Ob die Kiddies in Furzfänger-Hosen herumlaufen oder sich Edelstahlschrauben durch die Nase drehen ist mir ziemlich egal, und die Bockigkeit gegenüber der 'älteren' Generation ist wahrscheinlich so alt wie die Welt. Was mir auffält und Sorgen macht, ist das Klima zunehmender Ignoranz, Hirnlosigkeit und Mißachtung der elementarsten menschlichen Umgangsformen. Ich glaube wirklich nicht, dass in den 60ern jemand auf die Idee gekommen wäre, Rattengift als Droge zu verkaufen, nur um mal zu sehen, was passiert. Und bei den täglichen Schulhof-Raufereien waren seinerzeit keine Waffen im Spiel, und man trat auch nicht auf jemanden ein, der schon am Boden lag.
Was den Musikbereich angeht, Spleen - für mich hat sich vieles, was mir als Teen oder in den 70ern gefallen hat, heute überlebt. es sagt mir einfach nichts mehr, es paßt nicht mehr zu meiner Situation und zu meinem Lebensgefühl.
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Kaschmir von Elom Elom WAR ein Freund
ich hab ja meine teenie-jahre in den 90ern verbracht (jahrgang 77) und fand sie noch recht erträglich. der markenzwang fing damals schon an, aber das war noch nicht so schlimm wie heute. die mädels mit ihren benetton-, oilily- (ich fand die muster immer, immer, immer gräßlich!) oder nafnaf-, was stark nach hundefutter klang, klamotten waren zwar immer was cooler, aber es ging noch. ein mädel aus meiner klasse hat einmal 2 wochen lang nicht mehr mit ihren eltern geredet, weil sie unbedingt einen oilily-mantel für 800dm haben wollte. irgendwann haben die eltern dann kleinbeigegeben und sie hat wieder mit ihnen geredet. den mantel trug sie übrigens nur einen winter, wir waren damals in der 8. klasse.
was mich aber mehr schockiert, sind sachen, die heute passieren. vor rund einem jahr hat meine freundin mir erzählt, daß ihr neffe, damals 15, in der schule so fertig gemacht wurde, weil er kein handy hatte, daß er jeden tag heulend nach hause kam. so schlimm war es zu meiner zeit nicht.
in unserer klasse gab es immer einen zusammenhalt, obwohl die coolen natürlich cooler waren als der rest. aber unser klassenlehrer hat immer darauf geachtet, daß wir alle sozial miteinander umgingen. ich glaube, bei den heutigen verhältnissen würde kein lehrer das mehr schaffen. trübe aussichten für mich lehramtsstudi!
Florette
05.09.2001, 13:51
@Buffy: du hast sicherlich recht, dass die Umgangsformen der Kiddies derzeit immer drastischer werden, aber trotzdem kommt es auch hier immer auf den Standpunkt an, Faktor Zeit spielt da eine gewisse Rolle.
Wenn wir die Entwicklung der Jugend in den jeweiligen Jahrzehnten verfolgen, angefangen in den 50ern, ist ja eine mehr oder weniger kontinuierliche Entwicklung in den Umgangsformen zu beobachten, zumindest von unserem jetzigem Standpunkt aus gesehen. Rock«n Roll, James Dean, Beatlemania, sexuelle Befreiung, Flower Power, Disco, NDW, Heavy Metal, Pop, HipHop, Techno to name just a few.
Die jeweiligen 'Epochen' waren auch von bestimmten Verhaltensmustern der Jugend (und der Gesellschaft insgesamt - Gegenreaktion/Ablehnung) begleitet.
Um auf meinen Punkt zurückzukommen: die heutigen Jugenlichen werden ja in die jetzige Zeit hineingeschleudert, und ich denke dass die meisten keine Möglichkeit haben, über bestimmte Werte, die wir aufgrund unserer eigenen Sozialisierung in 'unserem' Jugend-Jahrzehnt als erstrebenswert erachten, nachzudenken oder sie zu reflektieren. Sie wachsen im 'hier und jetzt' auf (genau wir wir auch mal) und müssen in einer stark individualisierten Gesellschaft zusehen, wie sie klar kommen. Und legen dabei ein Verhalten an den Tag, dass wir eben nicht mehr ganz nachvollziehen können, aufgrund unserer Vegangenheit, die ja doch 'irgendwie besser' war. Aber das wissen die Kids von heute ja nicht!
Wenn man davon ausgeht, dass bestimmte Werte (gutes und fast metapherhaftes Beispiel: nachtreten, wenn einer schon am Boden liegt) immer mehr den Bach runter gehen, da traditionelle soziale Gebilde sich auflösen (Familie, Kirche, Vereinsleben etc), sehe ich für die Zukunft leider auch ziemlich schwarz. Die Frage stellt sich, was zu tun ist, um diese Entwicklung aufzuhalten oder umzukehren.
Aber um nochmal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen *denbogenkrieg*: die heutigen Jugendlichen kennen es ja nicht anders. Wir kennen es schon anders und können jetzige Verhaltensmuster der Jugendlichen entsprechend bewerten. Und diesen 'Time-Lag' gab es wohl schon immer so.
Beste Grüße,
Flori
@florette: Klar waren einige Dinge, die wir machten, bei der entsprechend älteren Generation verachtet. Ich würde auch nicht soweit gehen, zu werten, dass heute alles schlechter ist als früher und umgekehrt (so nach dem Motto: Die heutige Jugend mit ihrem HipHop, wir dagegen...) Das ist ja relativ. Aber einige Entwicklungen sind so erschreckend (Rücksichtslosigkeit), dass man DRINGEND darüber reden muss, wie man damit umgeht und diese Entwicklung stoppt, denn meine Schüler von heute sind in drei, vier jahren Mütter/Väter von morgen und geben das dann weiter! Generationenkonflikte gab es immer und wird es wohl auch immer geben. Wir sollten Jugendliche jedoch soweit stärken, dass sie nicht mehr wegen jeder ANDEUTUNG einer Beleidigung ('Deine Mutter'; Kurzform für Ich ficke deine Mutter, führt regelmäßig zum Würgen des Provokanten) ausrasten. Und was machen wir mit denen, die keine Grenze ziehen können, wenn der 'Gegner' bereits blutend am Boden liegt?
Ich denke, dies sind ja doch gesellschaftliche Prozesse, die zum Handeln auffordern! Aber über solchen Entwicklungen zu diskutieren, ist politisch nicht en vogue.
Florette
05.09.2001, 18:17
Hallo Bibo,
ich gebe dir recht, da muss dringend was getan werden. Ich glaube aber auch, dass da fundementale gesellschaftliche Veränderungen notwendig werden, wenn den heutigen und nachfolgenden Jugendlichen anders sozialisiert werden sollen, weil es ja maßgeblich mit deren Umgebung i.w.S. zu tun hat. Das geht dann ja in immer größere Sphären, dank unser globalisierten Welt. Wie will man das aufhalten, wie kann man dem entgegensteuern? Aber das wird jetzt zu off-topic!
*nachdenkliche* Grüße
Flori
peterthomassuschny
05.09.2001, 22:01
Liebe Freunde!
Ich glaube die globalisierte Welt ist ein anderes Problem, zudem ich demnächst ausführlich Stellung nehmen werde. Die Rücksichtslosigkeit vieler Jugendlicher ist jedoch das Nicht-Interesse der karrieregeilen Eltern und das Nichtfertigwerden derjenigen Lehrer, die nicht schon in der Volksschule beim Vorliegen von Aggressionen mit den Eltern und dem Direktor gemeinsam Strategien entwickeln. Ich war auch ein lebhaftes Kind, habe bis zur Matura (Abi) 8 Schulen absolviert, habe auch aus Versehen einmal in der Schule und einem Freund bei Spielen im Lainzer Tiergarten einen Finger gebrochen, es wäre mir aber nie in den Sinn gekommen, auf einem am Boden liegenden noch drauf zu treten oder dgl. mehr.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
www.r60.net
@PTS: Also ich hab die Kids ja nicht von Anfang an, aber die Probleme häufen sich so, dass du eigentlich mindestens zu 2. sein müsstest, um das zu leisten, was du forderst (neben! dem eigentlichen Unterricht, der sowieso zu fast 50% unter den Tisch fällt). Dazu müssten endlich die Lerngruppen kleiner werden. Aber Bildung kostet ja und so wird das hier wie in Großbritannien: Wer sein Kind gut behütet haben will, gibts in die Privatschule und an der Gesamtschule darfst du dann mit gewalttätigen und (manchmal) dich bedrohenden Jugendlichen irgendwie klarkommen. Gegen sinnvolle und vor allem schnelle Maßnahmen haben wir eine teils sinnlose, viiiiiiiel zu pedantische und zu langsame Bürokratie (Die Leute, die die Schulordnung erstellen, haben sich nicht umsonst an den Schreibtisch der Ministerien geflüchtet!)
Die 90er waren für mich persönlich eine gute Dekade.
Aber es gibt vieles, was Sch... war (bzw. noch ist) und was die anderen hier auch schon angesprochen haben:
Die übersexualisierte Gesellschaft, die in den 90ern stellenweise umgekippt ist, so daß so mancher wieder als Jungfrau in die Ehe gehen will. Eigentlich kein direktes Problem der 90er, sondern auch der zwei Jahrzehnte zuvor. Verhüllungstendenzen sind aber wieder spürbar - und gegen Ende der 90er begann auch ein neues 'Volksleiden': sexuelle Unlust.
Die Zurschaustellung des Einzelnen ist den ätzenden Talkshows des Privatfernsehens. Es begann in den 90ern, daß sich mehr und mehr Leute für eine lächerliche Summe vor der gesamten Nation zum Affen machen. Und solche Shows versuchen, die Fernsehzuschauer zum Narren zu halten. Immer wenn ich so was sehe, denke ich ans alte Rom.
Der eskalierende Rechtsradikalismus. Für mich persönlich waren das immer die Nachwehen unserer Radikal-Wiedervereinigung. Dafür finde ich sonst keine Worte...
Die Scheißegal-Hauptsache-ich-lebe-gut-Mentalität der Jugend. Ich selbst bin in einer stark politischen Zeit (70er) großgeworden. Es ist richtig schmerzlich zu sehen, wie die nachfolgenden Jungen diesem Egoismus, der auch in diesem Strang schon ausführlich erwähnt wurde, erliegen.
GRuß
Paisley
peterthomassuschny
07.09.2001, 20:49
@Paisley
Ich finde das jedermanns/frau Privatsache, ob er/sie als Jungfrau/männliche Jungfrau in die Ehe will, ich habe einen Freund, die haben 3 Kinder und der hat das auch so gehandhabt und der ist absolut lustig, normal und auch intelligent. Auch seine Frau ist in Ordnung. Ich selber habe eine andere Einstellung, bin natürlich schon einige Jahre vorher keine Jungfrau gewesen, obwohl ich lange genug auf die Richtige zur (wie ich es nenne) 'Erstbesteigung' fand.
@Bibo
Ich habe gewußt, daß Du keine Volksschul- (ihr sagt Grundschule)Lehrerin bist, Dich trifft da gar kein Vorwurf, Du hast natürlich mein ehrliches Bedauern. Ich war im wesentlichen nur ein frecher und vorlauter Schüler, einmal habe ich einer Aushilfsprofessorin in der HAK den Satz (den habe ich in einem Buch gelesen) an den Kopf geworfen 'Sekaturen in der Schule sind die beste Vorbereitung auf die Arbeitswelt' und ähnliche Sätze stammen von mir. Raufhandel und Gewalttätigkeit war nie das meine, schon gar nicht in der Oberstufe.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Treutwein
10.09.2001, 19:27
@Florette:
Wenn es etwas Gutes an den Neunzigern gab, dann die Tatsache, dass die Bedeutung von Familie, Kirche und Vereinsleben zurückgegangen ist. Bei all den Sauereien, die von diesem Dreigestirn ausgegangen sind, nehme ich doch gerne bis zur Bewusstlosigkeit prügelnde Jugendliche, Rattengift als Droge und Ellbogengesellschaft als Alternative...
peterthomassuschny
10.09.2001, 20:48
Die Kirche verliert selber ihrer Mitglieder, aber warum Familie und Vereinsleben mit der Kirche in einen Topf geschmissen werden, habe ich nicht ganz verstanden. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Die Familie ist ja nicht tot, es gibt halt heute andere Lebensformen, oft besteht eine Familie aus Frau und Mann und Kindern aus diversen Vorehen, bin schon in den 60ern in einer völlig normalen Familie aufgewachsen, ohne Schläge, ohne Bevormundung, natürlich durften auch meine beiden Schwestern in eine Höhere Schule (geschafft hat es halt nur die Ältere) und studieren. Ich würde nicht irgendwelche negativen Familienerlebnisse auf alle Familien abwälzen, das ist nur ein Vorurteil. Lieblose Eltern können unter Alleinerziehern oder Alleinerzieherinnen genauso vorkommen, also was solls?
Globalisierung: die geschieht schon seit langem, es gibt sie sowohl in positivem, als auch in negativem Sinne. Es ist mehr eine Frage, wie die einzelnen Staaten, wie wir Konsumenten gegensteuern. Seit dem 2. Weltkrieg, besonders verstärkt ab den 70er Jahren (zuvor in unbedeutender Form) wird alles immer einfacher, immer mehr Supermärkte oder Schnellwerkstätten, die den Kleingewerbetreibenden ruinieren. Wenn dann die Gewerkschaft meint (ich bin übrigens als Unternehmer nach wie vor in der Gewerkschaft verblieben! Und das, obwohl ich seit über 10 Jahren selbständig bin), die Wirtschaft verlangt nur noch Hilfskräfte und gibt jungen Menschen keine Chance, eine gescheite Lehrausbildung zu absolvieren, da muß ich sagen, liebe Freunde, wenn wir alle, Unternehmer und Konsumenten, ständig die Großen wegen einiger Schillinge (oder DM) Ersparnis frequentieren (und gar nicht rechnen, daß die Autofahrt dorthin teuerer ist, weil wir ja alle selber der Stau sind) und die Kleinen ruinieren, wer soll den die Lehrstellen anbieten? Um in einem Gartencenter zu verkaufen oder Laberln beim McDonalds brauche ich keine fundierte 3-jährige kaufmännische Ausbildung, da reicht es, angelernt zu werden, das hat dann jede/r in kürzerster Zeit intus. Natürlich ist das auch kein Patentrezept gegen Arbeitslosig-
keit, aber sicher auch ein Denkansatz zu dem Thema.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
www.r60.net
peterthomassuschny
14.09.2001, 08:49
In Wien haben die Fahrschulen immer öfters große BMWs, ja sogar Porsches für die Schüler. Das lockt vielleicht ein paar wenige Kunden mehr für eine einzelne Fahrschule an, steigert aber eher sinnlos die Aggresivität der Führerscheinneulinge.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. Mit dem Auto ins Fitnesstudio fahren, wie ich es gestern wieder bemerkt habe und dann meinen, der Botendienst, der dort was holt, soll sich irgendwo in 2. Spur hinstellen, damit die Trutschen dort ihr Spuckerl hinparkt, statt auf dem 70 Meter entfernt liegenden großen Parkplatz, ist auch typisch negativ. Wenn ich in ein Fitnesstudio fahre und das ist so entlegen, daß es mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zum Erreichen ist, dann sind 70 Meter Fußmarsch gar nicht schlecht für die Fitness, meiner Meinung nach.
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