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Vollständige Version anzeigen : Öko wird out


Bibo
05.09.2001, 22:50
In den 80ern musste jedes Waschmittel phosphatfrei sein udn biologisch abbaubar. Alles war bio. In den 90ern wurde im Rahmen der Yuppie-Singezeit nur noch für entsprechende - z.T. schwachsinnige - Produkte geworben, z.B. Einwegputztücher, die Wohnung wird mit Zewa gewienert etc.
Ein typisches Beispiel für Themen, die erst waaaaaahnsinnig in sind und dann redet keiner mehr drüber. Zugegeben, sich für jeden Kilometer im Auto rechtfertigen zu müssen, nervt(e) schon, aber aktuell sollte das Thema la eigentlich nach wie vor sein, oder?

Paisley
06.09.2001, 06:43
Ist es ja auch. Damals in den 80ern wurde deshalb so viel geredet, weil die Sache Ende der 70er erst für die breite Masse der Bevölkerung ein Thema wurde. Wir Mittdreißiger waren die erste Generation, die mit einem Umweltbewußtsein und mit Umdenken heranwuchs.
Inzwischen hat sich vieles etabliert (Altpapier und Glas sammeln beispielsweise, phospatfreie Waschmittel, bleifreies Benzin), deshalb wird auch nicht mehr drüber geredet. Es ist in den Alltag übergegangen.
Aber das heißt nicht, daß jetzt alles wunderbar ist.
Es ist schon richtig, Bibo: Das Thema schläft allmählich ein. Am deutlichsten merke ich das bei den Verpackungen. Und an mir selbst - da muß ich mich an die eigene Nase fassen, denn ich achte auch nicht immer auf die Verpackungen. In den 80ern bin ich sogar mit einer Tupperdose zum Fleischer gegangen - Sparen von Verpackungsfolie. Aber heute?? Ich glaube, die machen das aber auch gar nicht mehr, aus hygienischen Gründen.
Ich fand das übrigens gar nicht entsetzlich, als die Grünen Ende der 90er den Preis von 5 DM pro Liter Benzin prophezeiten. Ich selbst kenne Menschen, die - wirklich! - zum 50 m entfernten Zigarettenautomaten mit den Auto fahren. Furchtbar. Was für eine Verschwendung. Und unsere Ressourcen sind begrenzt, utopisch finde ich die Vorstellung eines solchen Benzinpreises deshalb auch nicht. Ich bin auch absolut dafür, den Güterverkehr mehr auf die Schiene zu verlegen.

exilsylter
06.09.2001, 15:23
Bemerkenswerter als den Rueckgang oekologischer Reklame finde ich den
Rueckgang der Oeko-Optik. Bei meinen Studizeiten vor etwa 10 Jahren
gab es noch jede Menge Latzhosentraeger, meist in Kombination mit
Handgestrickten!
Wo sind die jetzt?
Liegt es vielleicht auch daran, das weniger gestrickt wird?

peterthomassuschny
06.09.2001, 21:40
Liebe Leute!
1. Die Umweltbewegung ist die (meist) friedliche Fortsetzung der 68er und hat ihre Wurzeln in den 60ern, denkt doch einmal alle an meinen Landsmann Friedensreich Hundertwasser. Wer ihn nicht kennt, dann beschreibe ich ihn kurz das nächste Mal.
2. Wir haben auf die Latzhosenmädchen, die sehr oft Jutesäcke mit der Aufschrift 'Jute statt Plastik' trugen, immer geblödelt, die werden deshalb oft schwanger, weil sie ja beim Verhüten das Problem haben, daß sie nur Knaus Ogino oder Aufpassen praktizieren, weil sonst machen sie sich ja unglaubwürdig (obwohl ein Kondom ja eigentlich kein Plastik ist, aber dann ist der Kalauer keiner mehr).
3. Vieles fiel der Bequemheit zum Opfer. Mein Trauzeuge, den ich nächtes Jahr 30 Jahre kenne, war auch seit Zwentendorf sehr umweltbewegt. Aber auch er kam dahinter, daß Wegwerfwindeln viel praktischer sind, als Leinenwindeln und ja immer öfters auch schon kompostierbar sind. Nur die Lüge aus der Werbung, Melitta hat die braunen Filtertüten erfunden, bringt mich regelmäßig auf die Palme: 1988 hatte Greenpeace in Österreich an seine Mitglieder, Freunde usw. die ersten braunen Kaffeefilter verkauft, dann kam erst Melitta, die waren am Anfang dagegen.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. Die Pfadfinder, denen ich seit 31. 10. 1970 angehöre, gibt es weltweit erstmals seit 1907. Eigentlich die älteste Ökobewegung. Der österr. Verhaltensforscher Prof. Otto König war übrigens lange Jahre Kolonnenführer bei uns, die älteren (also heute so um die 60 kannten ihn noch persönlich und 1987, da lebte er noch, war er auch bei der 75. Jahre Pfadi in Ö Feier dabei).

Bibo
07.09.2001, 17:57
Das mit dem Trennen wissen einige Leute leider nicht (mehr) Bei uns im Haus gibts keine gelbe Tonne, sondern nur einen gelben Container: Die Leute hier missachten alle Hausregeln und donnern die Tonnen mit allem Mist (Papier, Glas, Sperrmüll, riesen Plastikverpackungen) zu, bis der Müll überquillt. Eigentlich können wir die Ratten hier geleich einladen!
(Ich bin auch kein Pedant, aber irgendwo muss man einfach mal den Egoismus hinten anstellen!)
Auch außerhalb des Hauses schmeißt in unserem Stadtviertel jeder seinen Müll irgendwohin. Klar gibt es viele Wohngegenden, wo eifrig getrennt wird (in der Hoffnung, dass dann nicht doch alles wieder in einem Müllauto landet!), aber die in einem anderen Strang beschriebene Rücksichtslosigkeit greift wohl auch beim Thema Müll um sich!
Du hast Recht, Paisley, man muss sich auch an die eigene Nase fassen, ich bin leider auch wieder bequemer geworden und achte etwa weniger auf Verpackungen...

Zazie
07.09.2001, 19:30
Geht mir ähnlich. Ich hasse Abwaschen ohnehin schon, da tu ich es mir nicht auch noch an, besonders eklige Behälter abzuwaschen. Dosen und Joghurtbecher schnell mal ausspülen ist ja kein Problem. Und die Nutellagläser lasse ich immer meinen kanadischen Mitbewohner auswaschen, der leert sie schließlich auch immer :-)
PTS, ich musste grinsen bei deiner Beschreibung der schnellschwangeren Latzhosenträgerinnen und fühlte mich sofort an Svende Merians Märchenprinzen erinnert. Allein die Verhütungsfrage nimmt in dem Werk ja bereits mehrere Seiten ein. Nehmen tut sie letztendlich ein Diaphragma, ist auch Plastik, jedoch nicht zum sofortigen Entsorgen nach Gebrauch vorgesehen.
Und wie sieht's mit Umweltpapier aus? Damals hatte ich sehr viel Briefpapier davon, denn ich schrieb sehr viel und ich fand das Papier auch immer sehr schön. Gucke ich heute, finde ich kaum noch was davon. Hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass man heute mehr auf dem Computer Briefe schreibt (wenn überhaupt) und die kann man nicht auf Umweltpapier ausdrucken, das verschmiert oder verbrutzelt oder sieht sonst irgendwie schlimm aus. Aber was ist aus den Umwelt-Schulheften von einst geworden? Bibo, Frau Lehrerin, sag, gibt's die noch?
Viele Grüße
Zazie

peterthomassuschny
07.09.2001, 20:43
@Zazie
Unser grünalternativer Warenkundeprofessor in der HAK (der später eine zweitgrädige Cousine von mir kennengelernt hat und die haben miteinander auch einen Sohn, der heuer schon wieder 17 ist, das ist aber absoluter Zufall, die ist ja mindestens 8 oder 9 Jahre älter als ich und wohnt auch ganz woanders in Wien) war der erste, der mit Umweltschutzpapier daherkam, daß stank am Anfang fürchterlich.
Das Müllverbrennen hat Vor- und Nachteile, der Kohlenofen ist fast ausgestorben, daß hat vorher im Winter stark gestunken, wir haben in Wien viele Bauten mit Fernwärme, die wurde 1969 beim AKH in Wien gebaut und mittlererweile schon lange in vielen Privatwohnungen drinnen, Nachteil ist die nicht hundertprozentige Filterung von diversen Giften. Ich schreibe aber demnächst zum Thema Globalisierung, denn leider ist ja der Konsument auch nicht unschuldig.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
P. S. @Zazie: zum Thema Kinder: meine beiden sind Gott sei Dank Wunschkinder, wir haben uns das richtig eingeteilt.

Paisley
08.09.2001, 10:38
Ich hatte früher auch ganz viel Umwelt-Briefpapier - ich habe heute noch welches. Und es stimmt, früher hat das ziemlich unschön gerochen. Deshalb schreckte die Allgemeinheit auch eher davor zurück.
Ich trenne übrigens (schon fast pedantisch) meinen Müll. Gelbe Säcke landen in China bzw. alles landet auf derselben Müllkippe - na und??? Es ist die bislang einzige Möglichkeit zum Recyclen von Kunststoff, noch gibt's (außer Müllvermeidung!) keine Alternative. Und das alles in der Hoffnung, daß der Müll in einer der Mülltrennwerke landet.
Natürlich kann man auch alles in eine Tonne kloppen. Manche Bekannte von mir sagen: 'Wieso? Das kommt eh alles auf eine Müllkippe und ich schmeiß das jetzt wieder alles in eine Tonne!' Toll, denke ich dann. Wenn eh alles auf eine Kippe kommt, kann ich den Müll trotzdem trennen, da ist dann noch die Chance da, daß es doch irgendwo getrennt wird.
Ich weiß, ich weiß, der Grüne Punkt ist ein Riesenbeschiß und alles wäre nur unnötige Geldverschwendung und hätte eh keinen Sinn, ja, ja... aber mir fällt auch nichts Besseres ein.
Gruß
Paisley

peterthomassuschny
08.09.2001, 11:40
Ganz so ist das zumindest in Wien nicht. Kleine Sackerln und sonstiger Hausmüll wird verbrannt, aber Papier, Glas, Metall und Kunststoff wird ebenso getrennt verwertet, wie Biomüll (eigenen Biotonnen). Das Problem sind hier eher die Menschen, die oft den Biomüll komplett mit dem Plastisackerl wegwerfen, anstatt das Plasticksackerl nebenan in einen normalen Restmüllkübel (da ja verschmutzte Plastiksackerl wertlos sind).
Übrigens: die Flötzersteig-Müllverbrennungsanlage aus 1964 wird in den nächsten 3 Jahren geschlossen werden und stattdessen wir wahrscheinlich woanders in Wien eine neue gebaut, die zentrale in der Spittelau (ursprünglich wie gesagt nur für das AKH geplant und gebaut), brannte 1987 aus und wurde daher ganz neu aufgebaut und von Meister Hundertwasser sehr lustig gestaltet, so gar sein buntes Käppchen wurde dazugstellt. Umweltschützer haben ihn daher immer als Kollobarateur mit den Betonierern bezeichnet, was aber so auch nicht stimmt. Müllverbrennung ist nicht nur negativ, da ja das Kohleheizen dadurch fast ausgestorben ist und das war sicher nicht besser.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Florette
11.09.2001, 12:45
@Zazie: schon mal daran gedacht, wieviel Energie bzw. Wasser durch das Ausspülen der Joghurt-Becher etc. verbraucht wird? Da ist dann nicht mehr viel mit Öko! (nicht persönlich gemeint, betrifft ja viele)

Zazie
11.09.2001, 13:44
Ich gebe zu, einen ziemlich hohen Wasserverbrauch zu haben. Auch ohne das Spülen der Joghurtbecher. Diese sowie Blechdosen lassen sich ja wirklich recht schnell ausspülen: Wasser rein, kurz geschwenkt und rin in den Sondermüll. Für Lätta- oder Frischkäse-Behälter ist das schon aufwändiger. Ich könnte sie natürlich in meinen normalen Abwasch tun, aber dazu habe ich keine Lust. Ist eh schon ätzend genug, das Abwaschen.
Viele Grüße
Zazie

peterthomassuschny
11.09.2001, 19:13
Ich sammle sogar 'Ökobags', also solche, mit leeren Joghurtbechern und Milch- und Frucht-saftpackerln für eine Firma ein, seit ich das mache, graust mir vor fast nichts mehr.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

Bibo
12.09.2001, 19:01
@PTS: Theoretisch wird auch hier getrennt, aber in Stadtvierteln mit vielen großen Mietshäusern gibts eben nur die großen Gelben Container oder Altpapiercontainer, in denen alles entsprechend sortiert landen sollte. Übriigens hab ich mal gehört, dass da Zeitschriften nicht reingehören... Ausserdem müssten entsprechende Broschüren vielleicht mal mehrsprachig sein, damit die Regelung auch von allen verstanden wird. Vielleicht muss das Umweltbewusstsein einfach wieder geschult werden, denn auch da merkt man davon herzlich wenig und Umwelt-Altpapierhefte hab ich in der Schule noch nie gesehen...

peterthomassuschny
12.09.2001, 22:00
@Bibo, wenn ich jetzt ekelhaft bin, braucht das keine mehreren Sprachen, sondern nur einen Einprügler, der dort steht! Wie oft wirft wer ins Altpapier seinen normalen Unrat oder Staubsaugerinhalt (mit allem möglichen Dreck) gar in die Biotonne (ja, so was gibt es in Wien, wir haben unsere nur deshalb eingestellt, weil dadurch vor allem im Sommer die Gefahr von jeder Menge Ungeziefer leider zu hoch ist im Vergleich mit dem Nutzen. Aber den ganzen Gartenschnitt können die Leute dort hineinwerfen oder den Grasfangkorb vom Rasenmäher.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'

peterthomassuschny
16.09.2001, 15:07
Was mich wurmt ist der 'Mülltourismus'. Für jeden Mist, der nicht Glas, Papier oder Hausmist ist, muß ich gute 5 Minuten zu Fuß gehen, Sondermüll ist nur am vormittag offen, also muß ich am großen Mistplatz fahren und da gibt es einige in Wien, die Schwierigkeiten machen, weil ich ein Fahrzeug mit Kleintransporter-Kennzeichen fahre. Mit dem PKW darf ich hingegen immer problemlos auf jeden Mistplatz, nur mit dem KT-Kennzeichen muß ich oft quer durch die Stadt, ein besondere Schwachsinn der leider wieder monocoloren Wiener Stadtregierung.
pts