Vollständige Version anzeigen : Wie Sie sehen, sehen Sie nichts - Die Sonnenfinsternis
Norma Jean Baker
11.11.2001, 17:25
Tja, das war auch toll, die totale 'Sofi' im August '99: Ein Mega-Hype mit allem Drum und Dran, Medienrummel, Riesenspannung und dann: Schlechtes Wetter! Wir waren extra zu meiner Tante nach Stuttgart gefahren, weil in Mannheim die Sonne nicht 100%ig bedeckt war - in Stuttgart war sie sowohl vom Mond als auch von den Wolken verdeckt. Wahnsinn, wir sahen das Meiste eigentlich im Fernsehen, faszninierend war es aber schon irgendwie, wie es so plötzlich dunkel wurde und alles... Bloß die Rückfahrt war weniger fasznierend: Wir brauchten 4 Stunden von Stuttgart nach Mannheim...
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http://www.angelfire.com/weird/juliazisgen
peterthomassuschny
12.11.2001, 00:43
Bei uns fuhren auch die Massen und verstopften sensationellerweise schon an einem Augusttag die Straßen, wie normal knapp vor Weihnachten. Am Vormittag fuhr mein Sohn mit im Kastenwagen, bin dann am Nachmittag alleine gewesen, stand im Schatten, schaltete kurz das Licht ein, als ich wieder ein Stück fuhr und schaute mir das dann daheim im Fernsehen an, da war es wirklich gut zu sehen und ich brauchte keine Spezialsonnenbrille.
Beste Grüße
'Mr. Roaring Sixties'
Die größte innenpolitische Sonnenfinsternis währte in Ö von 1970 bis 1983, die haben wir also schon bald 20 Jahre überdauert, ihr Ende aber nicht bedauert.
Strugalla
21.12.2001, 16:05
Vorallem war die Sonnenfinsternis ein Erlebnis, weil die Zugverbindungen gezeigt haben, daß im Falle eines Atomaren Erstschlags von Seiten der USA eine Evakuierung der Bevölkerung nicht möglich wäre. Die Züge wären überfüllt und eingepfercht wie in einem Sarg würden wir alle in der Glut einiger H-Bomben vergehen.
Ich habe die Gelegenheit genutzt und das Ganze gleich mit einem Besuch bei meiner Schwester verbunden, die in der 100-%-Zone dieser SoFi wohnt (Nähe Kaiserslautern).
Mir ging's wie euch, ich konnte auch nichts sehen, die besorgte Brille hätte man sich von daher auch sparen können. Aber im nur wenige Kilometer entfernten Kaiserslautern wiederum war die SoFi klar und deutlich zu sehen!
Als es begann, lief ich mit meiner Schwester in den Garten - zu sehen war, wie gesagt, zwar nichts von der Sonne, da wolkenverhangener Himmel, aber allein die Veränderung des Lichts in Kombination mit der Tageszeit (stockduster am Mittag!) war's wirklich wert! Es hat mich sehr bewegt und fasziniert.
Viele Grüße von Paisley
sofi, war klasse. als hobby-astronom natürlich ein muss für mich.
also nix wie ab. von berlin in meine heimat schwaben. mit kind und kegel. einen tag urlaub genommen. am 10.8. nachmittags losgefahren und nach halber strecke die ersten staus. statt 7-8 std. haben wir ca. 10/11 std. gebraucht. aber immerhin angekommen. dann der große tag. wetter durchwachsen. die chanchen schienen zu schwinden. wo gehen wir zum beobachten hin? wir entschieden uns für die gärtnerei eines freundes. und siehe da, von kurz vor bis kurz nach war klare sicht. was für ein erlebnis, als es immer düsterer wurde und die 100 prozent erreicht wurden. vor lauter aufregung und fernglasgucken habe ich, glaube ich, nur die hälfte mitbekommen. was aber immer noch besser war, als nichts zu sehen, wie uns nach rückkehr an meinen standort(sprich elternwohnung) nur wenige kilometer davon entfernt mitgeteilt wurde. noch heute rätsele ich herum, was das grössere wunder war. die sofi oder das ich das glück hatte einen fleck zu erwischen eben diese miterleben zu koennen.
p.s. aus dem einen tag urlaub wurden übrigens zwei. an heimfahren war nicht mehr zu denken. alle autobahnen waren dicht....
Sonnenfinsternis 1999 in Dortmund: windig, bedeckt und leicht feucht. Es war fast nichts zu sehen, dunkel wurde es auch nicht (vor einem kräftigen Gewitterregen wird es dusterer). Wenn es einem nicht gesagt worden wäre, hätte keiner was gemerkt.
Werrnerr
28.01.2002, 23:46
Ja, Elwood. In Aachen war´s nicht anders. Es sah aus wie vor einem Riesengewitter, es kam aber keines, und danach durfte ich (Sahnehäubchen!) zur Arbeit fahren.
Die teuer erkauften Sonnenfinsternisbrillen liegen noch originalverpackt in irgendeiner Schublade. Meine Gattin meinte visionärerweise, man könne sie für die nächste Finsternis aufheben.
Ich liebe diese Optimistin.
Reno Schmittchen
30.01.2002, 14:23
Wir fuhren ganz ganz früh morgens nach Südluxemburg, das in der 100% Zone lag. Gegen 8.00 Uhr hatten wir in einer absolut gottverlassenen Ecke, zwei Kilometer hinter einem Dorf, zwischen Wäldern, Weiden und Maisfeldern, einen optimalen Platz gefunden, ganz abgelegen etwa 200 Meter von der asphaltierten Strasse entfernt. Dort, so waren wir sicher, würden wir fern ab von jeglichen Menschenaufläufen die entscheidenden Minuten würdig und ergriffen erleben. Wir machten uns neben dem Auto ein Frühstück, spazierten ein wenig in der nahen Umgebung herum und schnarchten noch ein Stündchen.
Gegen 10.00 Uhr tauchte auf dem Feldweg ein Auto mit holländischem Kenzeichen auf und platzierte sich 50 Meter neben uns. Nun gut, Luxemburg ist ein kleines Land, aber es gehörte uns trotzdem nicht. Dem Auto entstiegen 2 Erwachsene und ein Kind und ein Hund. Kind und Hund begannen sofort, mit einer Frisbeescheibe zu spielen, die Erwachsenen machten erst mal einen lautstarken Kontrollgang und bauten dann ihre Campingstühle auf. Bis Mittag hatte sich dann unser einsamer Beobachtungsposten in eine holländische Kleinstadt verwandelt, dutzende von Kindern und Tölen rannten krakeelend und bellend herum und nahmen einem auch den letzten Rest von Freude. Die Erwachsenen lärmten dazu wie auf einer Barbecueparty zu fortgeschrittener Stunde. Nie habe ich mir ein alles verschlingendes Erdbeben sehnlicher gewünscht als an diesem Tag. Mein einziger Trost war, dass es in den entscheidenden Minuten bewölkt war und die Holländer dafür noch weiter hatten fahren müssen als wir.
redselig
28.02.2002, 18:01
Ich erlebte diese Sofi am Rande des Schurwaldes oberhalb von Esslingen - wahnsinnig früh losgefahren, um auch ja einen Parkplatz an dieser begünstigten Stelle zu bekommen. Was trafen wir an? Dutzende von leeren Parkmöglichkeiten, kaum Menschen, dafür zunächst einmal einen gewaltigen Regenguss. Als wir schon überzeugt davon waren, zu den absoluten Verlierern zu gehören, klarte es etwas auf, wir sprangen aus dem Auto, die Welt wurde grau und schien kälter zu werden, die Vögel hörten auf zu zwitschern - und dann wurde es wirklich finster. Richtig finster. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, obwohl mir spontan auch erst das lange Warten unter dem regenbetrommelten Autoblechdach eingefallen war, als dieser Thread mich an die Sofi erinnerte...
Oh ja, diese Sonnenfinsternis. Die erlebte ich in einem sehr finstern Hinterhof meines damaligen Büros in Hamburg. Ich wollte gern die Auswirkungen dieses Ereignisses auf meinen wunderbaren Border Collie beobachten. Im Fernsehen haben ein Paar ausgesprochen selbstgefällige (wahrscheinlich auch selbsternannte) Verhaltensforscher behauptet, die Sofi habe eklatante Auswirkungen auf die Tierpsyche und -physis. Nun, der Boder Collie hat überhaupt nix gemerkt, er wollte in dem winzigen Hof unbedingt mit mir Apportieren spielen und legte mir sekündlich ausgesprochen aufdringlich allerhand merkwürdiges Zeugs zum Werfen vor die Füsse und hechelte mich erwartungsvoll an. Ich starrte genauso erwartungsvoll auf das Tier zurück, immerhin hoffte ich zumindest auf ein wölfisches Heulen, oder ein Sich-zitternd-in-die-Ecke-verkriechen, oder so. Es passierte: NICHTS. Null. Zero. Soweit ich es laienhaft erforschen konnte, stehen folglich Border Collies ihr gesamtes Leben unter dem enormen Einfluss von allen vergangenen und künftigen Sonnenfinsternissen.
Nebenbei rief in diesem ernsthaften Moment auch noch ein schwatzhafter Kunde an, der gaaaaaanz dringend SOFORT Unterlagen gefaxt haben wollte und ich versuchte gleichzeitig mit der Polaroidkamera ein schickes Sofi-Foto zu schiessen. Es ist sehr schlecht aber ausgesprochen einzigartig.
Verboten Wolf
02.03.2002, 18:43
Ich wusste, wie immer, von nichts, und verlasse um diese Uhrzeit auch nur selten freiwillig das Haus. An diesem Tag war es leider unumgänglich, weil die Kontaktlinsen alle waren. Ich habe -3 Dioptrien, aber ich kenne den Weg. In Berlin war der Tag ein grauer, verhangener, und als ich von der Nebennebenstraße in die Nebenstraße einbog, merkte ich: Scheiße. Es ist offenbar einer dieser undurchschaubaren Feiertage, von denen nur die werktätige Bevölkerung rechtzeitig erfährt. Die Straßen sind leer, die Läden geschlossen, ich werde keine Kontaktlinsen kriegen, ach, ach.
Auf der Hauptstraße standen dann aber alle murmelnd im grauen Zwielicht und legten den Kopf in den Nacken, denn von dort konnte man die Sonne sehen, theoretisch jedenfalls. Da oben zogen aber nur düstere Wolken umher. Sonnenfinsternis, fiel mir ein, ein Glück, bei Sonnenfinsternissen schließen die Läden ja wohl nicht. Beim Optiker trat ich im Moment der offiziellen Sonnenverfinsterung ein. Mehrstimmig rief man mir entgegen, die Sonnenfinsternisbeobachtungsbrillen seien aus, nichts zu machen, leider! Ich sprach milde - wenn man nur verschwommen sieht, fühlt man sich auch gleich merkwürdig sediert - ich wolle sowas auch gar nicht haben, sondern nur Kontaktlinsen, und überhaupt, man sähe ja eh nichts, also nicht nur ich nicht, sondern auch die anderen. Das beruhigte das arme Personal, das nicht nach draußen durfte.
Als ich verrichteter Dinge wieder nach draußen trat, riss die Wolkendecke ganz kurz auf, nur um die Sonne herum, nur für mich. Ich kniff die Augen zusammen und erkannte verschwommen die Sonnenfinsternis. Wie sie aussah, habe ich komplett vergessen. Aber jedenfalls ging ich sehr zufrieden nach Hause.
M aus S bei H an der L
21.03.2002, 17:14
Meine Sonnenfinsternis war sehr schön, obwohl ich eigentlich keine gesehen habe, sondern nur Wolken und zwei Minuten Nacht. Aber erlebt habe ich sie.
Ich hatte eine oder zwei Stunden mehr eingeplant, als ich für die Zeit Hannover - Stuttgart sonst immer benötige, und das kam gut hin. Pünktlich zum geplanten Zeitpunkt hatte ich meinen Platz in der Schwäbischen Alb erreicht. Nur hatte sich dort eine Wolke gemütlich niedergelassen und weigerte sich, weiterzuziehen. Schade, aber wenigstens regnete es nur leicht. Die Hoffnung, von einem erhöhten Fleck aus evtl. den Kernschatten kommen zu sehen, mußte ich aber aufgeben.
Also bin ich irgendwie Richtung Stuttgart gefahren, habe ein nettes Plätzchen in einem einsamen Feld gesucht und eine halbe Stunde vor der totalen Finsternis auch gefunden. Der Funkwecker war eingepackt und auch die aus dem Internet ausgedruckte Liste mit den sekundengenauen Anfangs- und Endzeiten der totalen Finsternis an den entsprechenden Orten. Eine Minute vor der totalen Finsternis hörte es auf zu regnen, und ich stieg aus dem Auto aus.
Es war schon eigenartig schummrig. Eigenartiger als sonst, bei einer dichten und völlig geschlossenen Wolkendecke. Und plötzlich war der Stuttgarter Fernsehturm verschwunden. Und ein paar Hochhäuser.
Jetzt gerade im Moment bekomme ich wieder eine Gänsehaut, wenn ich an den Augenblick zurückdenke. Es war etwas ganz Besonderes, auch wenn ich überhaupt nicht erklären kann, warum. Niemand von den vielleicht dreißig anderen Menschen um mich herum sagte ein Wort. Alle wußten um den Augenblick, und es war nicht wirklich schlimm, die Korona nicht gesehen zu haben.
Die Nacht ging so schnell sie gekommen war, die ersten Stimmen erklungen, die ersten Autos wurden gestartet, und auch ich fuhr nach zehn Minuten davon. Eine Reise zur nächsten totalen Sonnenfinsternis, 2006 in der Türkei, war da schon beschlossen.
Auf der Rückfahrt kam ich dann in den erwarteten Stau, der aber nicht aufgrund der vielen Autos verursacht wurde, sondern weil die Büsche auf dem Grünstreifen der Autobahn gestutzt werden mußten und diese deswegen von drei Spuren auf eine verengt wurde. Ausgerechnet an dem Tag! Geschickt.
Wieder versöhnt wurde ich jedoch durch den Verkehrshinweis irgendeines Radiosenders, der mit den Worten begann: "Für die, die es eilig haben, werde ich es kurz zusammenfassen: Aufgrund der Sonnenfinsternis wird es Ortskundigen empfohlen, den Bereich Süddeutschland großräumig zu umfahren. So, und jetzt zu den Details..."
Ich fand's toll, wirklich.
...Mike
Oh Mann, sagt mal, bin ich hier der einzige überlebende Mensch der die Sonnenfinsternis live in der 100% Zone gesehen hat? Ich war damals auf nem Hügel in der Nähe von Rosenheim und hatte das Glück die Sofibrille nicht umsonst gekauft zu haben. Bis zur totalen Sonnenfinsternis hat das Wetter bei uns ausgehalten, dann wurd es Dunkel und über dem Irschenberg kam eine Wolkenfront hoch. Etwa 5 Minuten nach der totalen Finsternis hats aber dann auch bei uns zu schütten angefangen, insgesamt aber trotzdem ein tolles Erlebnis wenn in der Stadt unter dir mittags alle Lichter angehen...bei den Leuten neben mir gingen die Lichter allerdings zum Teil schon früher wieder aus, da stiegen gewaltige rituelle Trankopfer für den Sonnengott mit dem Effekt, dass sie die Finsternis entweder doppelt oder gar nicht sahen. Ein Glück dass ich noch Autofahren musste...
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