PDA

Vollständige Version anzeigen : Die fabelhafte Welt der Amelie


Treutwein
28.11.2001, 12:25
Auch so ein Film: Wunderbares Märchen, Zielgruppen-Trash, faschistoid... Die meisten Diskussionen habe ich nicht verstanden, ich fand den Film ganz nett, liebevoll in den kleinen Details, manchmal aber auch nervtötend manieristisch. Aber wo hier ein LePen-Frankreich beschwört werden soll, das ist mir nicht so recht klar.

kathi meierhofer
28.11.2001, 13:20
Ich habe die ganzen Diskussionen auch nicht verstanden.
Ich fand den Film unglaublich nett und unterhaltend, nicht das beste Werk der Filmgeschichte, aber sehr lieb (mir fällt keine bessere Beschreibung ein).

Aber was ich wirklich hasse, sind Menschen die jeden Film zerpflügen müssen.
Die nichts einfach nur nett finden können, sondern hinter jedem im Hintergrund zufällig gezeigten Gegenstand eine Aussage des Regisseur zur politischen Weltlage sehen!
Das es manchmal nur ein lieber, netter, verzaubernder Film ohne große, geheime Bedeutung sein könnte, verstehen sie anscheinend nicht.

Kusie
28.11.2001, 13:54
Nur kurz der Hinweis, dass es in diesem Forum schonmal um "Amelie" ging, und zwar hier:

Amelie-Thread (und anderes) (http://www.alles-bonanza.net/forum/showthread.php?threadid=613)

Murmel
28.11.2001, 14:14
Erster Eindruck: Der Strang wurde niedergebrowned.

James Dean Brown
29.11.2001, 06:16
Zweiter Eindruck: Die Reihenfolge der Beiträge ist beim Umzug durcheinander geraten - 12:00-Zeiten vom 13-10-2001 sind 00:00-Zeiten.

Treutwein
29.11.2001, 12:13
Oh, Sorry, den vorangegangenen Amelie-Strang hatte ich übersehen - kann man die beiden vielleicht zusammenkleben? Schon alleine, weil es ein solch wunderbar surrealistisches Erlebnis ist, diese seltsam verquirlten Antworten zu "Romance", "Baise-moi" und "Amelie" zu lesen.

Liebe Kathi Meierhofer: Ich will einen Film schon verstehen, nachdem ich ihn gesehen habe, und mich nicht nur verzaubern lassen. Und wenn ein kluger Mensch in diesem Film faschistoide Tendenzen sieht, möchte ich diese Meinung zur Kenntnis nehmen und hinterher vielleicht sagen, dass ich das anders sehe. Mit "zerpflügen" hat das, glaube ich, nichts zu tun.

Hat eigentlich jemand vor ca. fünf Jahren "Chacun cherche son Chat" gesehen? Von wem war der denn? Für mich wirkte dieser Film auf jeden Fall wie eine Vorlage für "Amelie", auch wenn er längst nicht so erfolgreich war.

Juri
02.12.2001, 19:59
Ich habe Amélie zweimal gesehen, nach dem ersten Mal fand ich ihn gut, nach dem zweiten Mal schlecht. Ich sah ihn ohne Vorkenntnisse und -urteile. Beim ersten Mal war wahrscheinlich meine Welt so trist, dass dieser Film wie Balsam wirkte, beim zweiten Mal ärgerte mich die Nur-Schönheit der Bilder sowie das Wissen, dass nach dem Übermaß an satten Primärfarben der Oktober/November noch grauer sein würde. Und noch so einiges ärgerte mich, über das ich mir den Kopf aber noch nicht zerbrochen hab es auch nicht vor.
Ich mag JDB. Das nur nebenbei.

Reno Schmittchen
08.01.2002, 12:13
Aber was ich wirklich hasse, sind Menschen die jeden Film zerpflügen müssen.
Die nichts einfach nur nett finden können, sondern hinter jedem im Hintergrund zufällig gezeigten Gegenstand eine Aussage des Regisseur zur politischen Weltlage sehen!
Das es manchmal nur ein lieber, netter, verzaubernder Film ohne große, geheime Bedeutung sein könnte, verstehen sie anscheinend nicht.
100% d'accord.
Ich mag den Film sehr sehr sehr, nicht zuletzt deswegen, weil Paris darin mal nicht so aussieht wie ich es ansonsten permanent erlebe (denn in der Wirklichkeit sind alle Pariser so wie M. Collignon). Wer Amélie nicht mag steht wahrscheinlich auf usbekisch-isländische Koproduktionen über das harte Leben von allein erziehenden, beinamputierten lesbischen Arbeiterinnen in vom Konkurs bedrohten Fischtran-Fabriken.

Klede
08.01.2002, 14:55
Ich mochte Amélie nicht. Wo kann ich denn diesen usbekisch-isländischen Film finden?

Murmel
08.01.2002, 15:03
Ich habe Amelie gerne gesehen und fand viele Szenen und Ideen großartig. Ich habe aber auch im "Weiblichkeitstest" vom stern 180 Punkte. Vielleicht besteht da ein Zusammenhang.

Reno Schmittchen
08.01.2002, 15:17
Originally posted by Klede
Ich mochte Amélie nicht. Wo kann ich denn diesen usbekisch-isländischen Film finden?

Sowas zeigt man gerne auf Filmfestivals, bei denen es im Publikum nach Teebaumöl riecht.

James Dean Brown
08.01.2002, 15:28
...und bei denen die internationale Jury, bestehend aus einem Holländer, einem Ukrainer, einem Italo-Japaner und einem Ungar aussieht, als ob sie während der Screenings ihre Haemorrhoiden ausleiden würden.

Reno Schmittchen
08.01.2002, 15:49
...und der Jurypräsident ist ein georgischer Dokumentarfilmer.

James Dean Brown
08.01.2002, 16:34
Der Georgier heisst übrigens Levan Kitia, lieber Reno. Zusammen mit jenem, sowie den bezaubernden, damaligen Regieassistentinnen (Fellini, Tavernier, Oshima) Laurence de Moustier aus Paris und Stella d'Onofrio aus Rom sassen wir während des 43. "Mostra Internazionale del Cortometraggio di Montecatini Terme" nachts im Park, erzählten und Geschichten und tranken georgischen Brandy bis zum Umfallen/Sonnenaufgang. Die Filmselektion des hochsommerlichen Festivals waren ausnahmsweise zu ca. 70% qualitativ hochwertig, nicht - wie sonst üblich - bloss zu 30%.

Paisley
08.01.2002, 21:08
Amélie war gut, witzig, ideenreich.

Reno Schmittchen
09.01.2002, 12:29
Originally posted by James Dean Brown
Der Georgier heisst übrigens Levan Kitia, lieber Reno.
Den "georgischen Dokumentarfilmer" gibt es wirklich? Das war nur so von mir dahin gesagt. Zu blöde.

Edmund
09.01.2002, 22:21
Wenn man, wie ich, auf Französinnen steht, ist dieser Film a priori natürlich ein fröhliches Schmachtfest.

Ich sah ihn ein erstes Mal und war hocherfreut über all die unkonventionellen Ideen. Dennoch weigerte ich mich (wie Mr. Shandy), das zu tun, was alle mir versprochen hatten, nämlich mit Honigkuchenpferd-Dauergeschmunzel und schwarzbraunem Leuchten in den Knopfaugen aus dem Kinosaal zu taumeln. Das Gefühl eines gelungenen, märchenhaften Kinoerlebnisses stellte sich aber schon ein und ließ mich gnädig über kleine Schwächen wie den Jeunet-typischen Lichtmangel in Innenräumen und die albernen Scherze wider den Gemüsehändler hinwegsehen.

Aus 3 dreierlei Gründen dann ein erneuter Kinobesuch (wieder OF):

Erstens wollte ich mich nun auf die Dialoge konzentrieren, um möglichst jedes Wort zu verstehen. Zweitens interessierte es mich, ob sich meine Wertschätzung des Film ähnlich radikal schmälern würde wie bei "Delicatessen" (Erst nicht uninteressant, beim zweiten Mal widerwärtig). Außerdem hoffte ich, Punkt zwei werde nicht eintreffen, so dass ich mir an einem Scheissabend etwas gute Laune herbeiglotzen können würde.

Das musste selbstredend in die Hose gehen. The Drugs didn't work. Ohne Überraschungsmomente bleiben einfach zuviele Delicatessenreminiszenzen, und sogar von Amelies frohverliebter Mine bekommt man am Ende noch einen Strahlekater.

Reno Schmittchen
10.01.2002, 13:15
Ich hab' Amelie jetzt 5 mal gesehen, 2 mal im Kino und 3 mal auf DVD (bei uns gibt es den schon im Original zu kaufen). Ich finde ihn weiterhin wunderbar. Ich denke, man darf ihn nicht mit einem anderen Vorsatz anschauen außer dem, sich für 2 Stunden einfach nur unterhalten und entführen zu lassen.
Außerdem kuck ich mir mindestens einmal am Tag den Trailer im Internet an. Vielleicht bin ich auch nur in Audrey Tautou verliebt.
http://www.die-fabelhafte-welt-der-amelie.de

Tobi Wahn
10.01.2002, 17:32
Ich habe gestern bei einem Radio-Bericht über die Kinos in Kassel die Vertreterin des hessischen Programmkinoverbandes (o.ä.) gehört.
Sie hatte, glaube ich, einen Doppelnamen und eine weinerliche Stimme.
Während ihrer Redezeit hat sie mindestens sieben mal eindringlichst erwähnt, dass das vergangene Kino-Jahr ja ganz gut gewesen sei, aber ohne die Welt der Amelie würde es allen viel schlechter gehen und überhaupt bräuchte man für die kommenden beiden Jahre jeweils mindestens nochmal eine Welt der Amelie und dass es in Kassel jetzt einen fetten Cineplex-Palast gäbe, und ohne Amelie hätten ja alle anderen keine Chance mehr und überhaupt.
Ich fasse ihre Botschaft zusammen: Wer sich die Welt der Amelie angeschaut hat, oder das zukünftig vor hat, tut ein gutes Werk und unterstützt dabei aktiv die ehrenvolle Aufgabe der tapferen Programmkinobetreiber. Na, wenn das kein Anreiz ist.

Programmkinos? Ach so, das sind die mit der ungepolsterten Bestuhlung, der winzigen Leinwand, dem miserablen Ton und den Energiebällchen-Verkäufern an der Stelle, wo man normalerweise Popcorn erwartet hätte, oder?

Reno Schmittchen
11.01.2002, 11:27
Zumindest bei uns (und erst recht in Paris) lief Amélie nicht in Programmkinos, sondern in den beiden größten Sälen. Dass Frauen mit Doppelnamen und weinerlichen Stimmen ihn gut finden spricht nicht gegen den Film. Sowenig wie für den Film spricht, dass im WDR selbst zwei Filmkritiker der Sorte "Je-weniger-Leute-einen-Film-sehen-um-so-besser-finde-ich-ihn" ihn zum Kinohighlight 2001 ernannten.
Man sollte einfach seine eigene Meinung besitzen.

Paisley
12.01.2002, 10:10
Als "Amélie" dort in den Kinos anlief, war ich gerade in Frankreich. Überall hingen die Plakate, in jedem größeren bzw. großen Kino lief der Film, es war der Hit der Nation und die Kinos voll und mit Schlangen davor. Nix kleine Kinos. Und Reno Schmittchen spricht wahr, auch bei uns lief der Film in den großen Kinos an.
Amélie ist wirklich ein schöner Film, ich habe sehr gelacht und konnte mich gut in sie hineinversetzen. Außerdem gab's so viel Lustiges am Rande, was erst gar nicht auffiel (Zum Beispiel das Bild über Amélies Bett: Ein Hund mit einer Tüte um den Kopf, so ein Ding, das verhindert, daß er an sich lecken kann).