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Vollständige Version anzeigen : Hobbies


Jan7ooo
04.06.1999, 23:36
Hallo,
mich beschleicht seit einiger Zeit das Gefühl, daß immer mehr Leute nicht besitzen, was man früher Hobbies nannte. Sowohl eine Umfrage im Freundeskreis, als auch ein Blick in die Profile der an dieser Debatte Beteiligten scheint dies zu bestätigen. Mir selbst geht es nicht anders, was ja auch kein Beinbruch ist: Auch ohne Hobbies lebt es sich sehr kommod.
Dummerweise kommt jetzt allerdings die beschwerliche Zeit der ersten ernsthaften Bewerbungsgespräche auch mich zu, da sollte man schon das eine oder andere veritable Hobby vorweisen können. Früher konnte man sagen: 'Ich besitze eine Märklin-H0-Spur-Eisenbahn', oder: 'Ich sammle ausgefallene Bierdeckel'. Aber welchen Personalchef kann man damit heute noch überzeugen? 'Spazierengehen' bringt's nicht, und 'Lesen' stempelt einen eher als verträumten Spinner ab, als zu zeigen, daß man ein weltgewandter Alleskönner ist.
Einfach lügen geht auch nicht, es könnten ja Nachfragen kommen...
Wer kann mir helfen?
Grüße - jan
ps: 'Creatives Kochen' ist eine gute Idee für Menschen, die sonst nichts haben, aber als Lückenbüßer schon zu weit verbreitet, wie mir ein Insider verriet.
(Beitrag wurde von Jan7ooo am 04.06.99 um 21:44 Uhr bearbeitet.)

Rolo
05.06.1999, 18:42
Moin,
Ist schon ein Problem mit den Hobbies...
ich glaube auch, daß Vereine, Clubs usw., aber auch im weiteren Sinne alle konkreten (im Gegensatz zu vermittelten oder virtuellen ) Spiele aus der Mode gekommen sind. Ist schon richtig, was einem wirklich Spass macht, darf man im Bewerbungsgespräch nicht angeben, wie z.B. Zechen, andere 'Genussmittel', mit Freunden rumhängen, Schlafen, Fernsehen. Andere 'klassische' Betätigungen wirken dagegen reichlich angestaubt, wie Kirchengruppen, Lesen, Fußballverein o.ä.
Da Bewerbungsgespräche eine Welt sind, die mit der Realität nun wirklich nichts zu tun hat, machen sich alle Dinge gut, die sich dynamisch, modisch oder weltoffen anhören.
Hier gibt es auch so abgefahrene Sachen, dass Rückfragen wirklich nicht zu erwarten sein dürften:
Einige Beispiele:
Qi Gong, Tai Chi, Reiki, Unterwasserrugby, S-Bahn Surfen, Bombing, etc.
Wahlweise macht sich auch gesellschaftliches Engagement gut, aber bitte nicht Greenpeace, die Grünen (im Moment: Pfui) oder gar die Gewerkschaft. Auch Kirchengruppen (Malteser-Kreuz-Aquavit Jugend) könnten altbacken wirken.
Aber im Ernst, Sportarten wie Fußball machen sich ganz gut, auch Reisen wird gerne gesehen. Im übrigen kannst Du ja auch die Zeit erwähnen, die Du im Internet verbringst.
Viele Grüße

Hannibal
07.06.1999, 20:13
Hallo Jan,
ich koennte mir glatt denken, dass die Damen und Herren bei den Bewerbungsgespraechen nach den Hobbies fragen, um zum Beispiel zu sehen, wie aktiv jemand ausserhalb der Pflichtarbeitszeit ist? Ob er meint, sich mit irgendetwas weiterbilden zu sollen, ob er sich fuer etwas interessiert, ob er eine Meinung zu sinnvoller Freizeitbeschaeftigung hat, oder ob er nur vor dem Fernseher hockt und auf den naechtsen Tag warten (oder in der Kneipe und auf das naechste Bier).
Ich haette als Tip, sich ueber eigene Interessen klar zu werden, z.B. doch ganz offenbar so etwas wie diese Debatte hier (ich gehe einfach davon aus, dass Sie auch den politikteil lesen, oder zumindest deshalb hier aufgekreuzt sind)?

Aal
25.06.1999, 17:12
ja, das mit den hobbies ist schwierig. interessant waere die humanistische variante:
personalchef: herr/frau sowieso, haben sie denn auch hobbies?
bewerber: ja. den menschen.
personalchef: ahja. und was verstehen sie darunter?
bewerber: ist so eine sache. aber verstehen sie mich nicht falsch, ich glaube nur, dass das thema hier den rahmen sprengt.
mit letzterem satz bescheinigt man sich selbst ein untruegliches gespuer fuer die realitaet und somit fuer die zeitliche begrenzung von bewerbungsgespraechen. ueberdies weisst man den personalchef dezent darauf hin, dass er gerade dabei ist, seine zeit zu vertroedeln. aber schlimmer noch: er vertroedelt die zeit seiner firma. sodass er sich verlegen am kopf kratzen wird, dann entschieden das haupt hebt und schliesst:
herr/frau sowieso: wir sehen uns am montag. meine kollegin fuehrt sie dann an den arbeitsplatz.
in diesem sinne:
viel glueck!