Aal
25.06.1999, 16:36
um gleich das eine vorwegzunehmen: 'future' hat es nie gegeben. es wird 'future' auch nie geben. so sieht's aus. das ist die gegenwart.
'future': so hiess die band, die ich 1984 mit einem klassenfreund gruendete. der ist jetzt geschaeftsfuehrer im moebelhaus seines adoptiv-vaters. 'future', das ging so: solange daenische kekse vom aldi essen, bis genuegend leere blechdosen vorhanden, die sich dann mit china-staebchen betrommeln lassen. und da nur einer trommeln durfte, rockte der andere auf einer einsaitigen banjo-gitarre ab. die musik selbst kam vom plattenspieler: da drehten asia oder foreigner oder duran duran oder yes ihre runden: it was the heat of the moment of the jukebox hero who was hungry like the wolf and a owner of a lonely heart.
'future' war allgegenwaertig. natuerlich hatte ich klassischen klavierunterricht zu haben. donnerstag, 16uhr. die lehrerin las zuvor immer die aktuelle 'zeit', klaerte mich vor czerny und bach noch ueber das gesellschaftspolitische geschehen auf wie es die 'zeit' vermeldete, trank ungezuckerten tee ohne milch und ist nun konsequenterweise mit einem psychoanalytiker verheiratet. diese ehe betrifft aber bereits die 90er und deshalb nur soviel dazu.
vor dem klavierunterricht musste ich durch die stadt. mit dem bus rein, dann umsteigen in die strassenbahn und dann bis zur endhaltestelle und dann noch 10 minuten zu fuss. das wichtigste war das umsteigen in der stadt. da ging es um 'future', noch vor czerny und bach. im musikhaus 'ruckmich' (so hiess es wirklich) konnte man mit kopfhoerer stundenlang auf keyboards spielen. ich fuhr rechtzeitig in die stadt, orgelte eine halbe stunde lang und am liebsten mit der programmierung 'strings' bei 'ruckmich' und dachte, all das, was ich da orgel, klingt einfach unverkennbar nach 'future'. dann fuhr ich weiter zur klavierstunde, pfuschte mich ungeuebt so durch und fuhr wieder zurueck in die stadt.
und dann kam der cola-stress. das war wirklich ein problem und vielleicht meine erste intensive beschaeftigung mit der zeit-problematik, also nicht mit gesellschaftspolitischen themen, sondern mit der zeit, mit sekunden, minuten, ewigkeiten und vor allen dingen: mit wochen.
denn mcdonalds vergab auf den fahrscheinen der staedtischen busse und bahnen freicola. nicht auf jedem fahrschein gab es einen gutschein fuer eine kleine cola bei mcdonalds; das nicht. aber ich kaufte immer das zehner-fahrscheinheft bei der oertlichen sparkasse, und die (und ich weiss immer noch nicht, warum) hatten das monopol auf die cola-gutscheine. jeder fahrschein vom zehner-heft der sparkasse hatte auf der rueckseite den gutschein. der gutschein war nach stempeldatum des fahrscheines eine woche lang gueltig. ich fuhr taeglich mindestens zwei mal mit dem bus. dazu noch in die klavierstunde. macht also mindestens 12 fahrten pro woche. da aber die schule nicht im stadtzentrum und somit nahe am mcdonalds lag, war allein der donnerstag die moeglichkeit, die cola zu stuerzen, bevor der gutschein verfiel.
klartext: eine kleine cola, das sind 0,25 l. mal 12 macht 3 liter. drei liter cola also am donnerstag nachmittag; ansonsten leert sie der zahn der zeit oder der verfall des gutscheins. das war mein erster kontakt mit der vergaenglichkeit, und das in einem alter, da wir trommelten und die gitarrensaite schnarren liessen und die 'strings' vom keyboard vom 'ruckmich' so herrlich nach 'future' klangen.
und wer gut augepasst hat, kann nun auch eine letzte frage beantworten: was habe ich zu dieser zeit in der nacht vom donnerstag auf freitag gemacht?
nicht geschlafen.
(Beitrag wurde von Aal am 25.06.99 um 15:22 Uhr bearbeitet.)
'future': so hiess die band, die ich 1984 mit einem klassenfreund gruendete. der ist jetzt geschaeftsfuehrer im moebelhaus seines adoptiv-vaters. 'future', das ging so: solange daenische kekse vom aldi essen, bis genuegend leere blechdosen vorhanden, die sich dann mit china-staebchen betrommeln lassen. und da nur einer trommeln durfte, rockte der andere auf einer einsaitigen banjo-gitarre ab. die musik selbst kam vom plattenspieler: da drehten asia oder foreigner oder duran duran oder yes ihre runden: it was the heat of the moment of the jukebox hero who was hungry like the wolf and a owner of a lonely heart.
'future' war allgegenwaertig. natuerlich hatte ich klassischen klavierunterricht zu haben. donnerstag, 16uhr. die lehrerin las zuvor immer die aktuelle 'zeit', klaerte mich vor czerny und bach noch ueber das gesellschaftspolitische geschehen auf wie es die 'zeit' vermeldete, trank ungezuckerten tee ohne milch und ist nun konsequenterweise mit einem psychoanalytiker verheiratet. diese ehe betrifft aber bereits die 90er und deshalb nur soviel dazu.
vor dem klavierunterricht musste ich durch die stadt. mit dem bus rein, dann umsteigen in die strassenbahn und dann bis zur endhaltestelle und dann noch 10 minuten zu fuss. das wichtigste war das umsteigen in der stadt. da ging es um 'future', noch vor czerny und bach. im musikhaus 'ruckmich' (so hiess es wirklich) konnte man mit kopfhoerer stundenlang auf keyboards spielen. ich fuhr rechtzeitig in die stadt, orgelte eine halbe stunde lang und am liebsten mit der programmierung 'strings' bei 'ruckmich' und dachte, all das, was ich da orgel, klingt einfach unverkennbar nach 'future'. dann fuhr ich weiter zur klavierstunde, pfuschte mich ungeuebt so durch und fuhr wieder zurueck in die stadt.
und dann kam der cola-stress. das war wirklich ein problem und vielleicht meine erste intensive beschaeftigung mit der zeit-problematik, also nicht mit gesellschaftspolitischen themen, sondern mit der zeit, mit sekunden, minuten, ewigkeiten und vor allen dingen: mit wochen.
denn mcdonalds vergab auf den fahrscheinen der staedtischen busse und bahnen freicola. nicht auf jedem fahrschein gab es einen gutschein fuer eine kleine cola bei mcdonalds; das nicht. aber ich kaufte immer das zehner-fahrscheinheft bei der oertlichen sparkasse, und die (und ich weiss immer noch nicht, warum) hatten das monopol auf die cola-gutscheine. jeder fahrschein vom zehner-heft der sparkasse hatte auf der rueckseite den gutschein. der gutschein war nach stempeldatum des fahrscheines eine woche lang gueltig. ich fuhr taeglich mindestens zwei mal mit dem bus. dazu noch in die klavierstunde. macht also mindestens 12 fahrten pro woche. da aber die schule nicht im stadtzentrum und somit nahe am mcdonalds lag, war allein der donnerstag die moeglichkeit, die cola zu stuerzen, bevor der gutschein verfiel.
klartext: eine kleine cola, das sind 0,25 l. mal 12 macht 3 liter. drei liter cola also am donnerstag nachmittag; ansonsten leert sie der zahn der zeit oder der verfall des gutscheins. das war mein erster kontakt mit der vergaenglichkeit, und das in einem alter, da wir trommelten und die gitarrensaite schnarren liessen und die 'strings' vom keyboard vom 'ruckmich' so herrlich nach 'future' klangen.
und wer gut augepasst hat, kann nun auch eine letzte frage beantworten: was habe ich zu dieser zeit in der nacht vom donnerstag auf freitag gemacht?
nicht geschlafen.
(Beitrag wurde von Aal am 25.06.99 um 15:22 Uhr bearbeitet.)