Vollständige Version anzeigen : Klassenreisen und klasse Reisen
Hallo, habt ihr in den 80-ern auch ein paar interessante Reisen unternommen? Privat oder mit der Schule? Wart ihr vielleicht mit Interrail unterwegs? Gab es typische Orte, wo man in den 80-ern hingereist ist?
1980 fuhr ich 15-Jährig zum ersten Mal zum Austausch in eine französische Familie, mann war das spannend... soweit ich mich erinnere, habe ich in jenen 3 Wochen kaum mehr als Oui, Non und Merci rausgebracht.
In Paris war ich sehr oft und auch an anderen Orten Frankreichs. Eine dieser Reisen gehört vielleicht eher zu denen, die man besser vergisst. Ich wollte jemanden in Biarritz besuchen, kaufe in Paris mein Ticket dorthin... und verliere es einen Tag später. Gut, ich fuhr dann trotzdem noch nach Biarritz. Dort erwischte mich irgend eine Art von Montezumas Rache, die mich eine Woche lang schwächeln ließ. War nicht schön! Und zum Überfluss, ich komme zurück nach Paris, fahre zum Bahnhof, wo eigentlich die Gruppe stehen sollte, mit der ich zurückfahren wollte. Aber da war keine Gruppe. Mist, nun stand ich da, mit meinem winzigen Gruppenfahrkärtchen, aber ohne Gruppe. So bin ich kurzerhand schwarz von Paris nach Berlin gefahren. 14 Stunden lang. Immer wenn die Kontrolettis kamen, bin ich in die Richtung gegangen, aus der sie kamen, und habe mich im Klo verschanzt. Selbst durch die DDR kam ich einwandfrei. Später hörte ich, die Gruppe war einen Tag vorher abgefahren, was ich nicht wusste, schließlich fuhr sie seit Jahren freitags und nicht donnerstags...
Mit meiner Klasse waren wir in Amsterdam, das war auch so eine erinnerungsträchtige Reise. Nachts in der Jugendherberge schlich sich ein Dieb auf unsere Zimmer, um uns sämtliche Wertsachen unterm Hintern wegzuziehen... trotz allem eine tolle Fahrt, die mir viele Bekanntschaften einbrachte und so manche Folgereise (Biarritz, s.o., Rom...).
Freue mich auf eure Reisegeschichten.
Viele Grüße
Zazie
internationalist
08.07.2001, 02:45
also zazie, du schreibst mir aus der seele,
klassenreisen, das ist ja wohl der untergang der abendländischen kultur, ich denke da nur an die betreuer... wir sind, typisch deutsch,
natürlich nur in den deutschen ländern verreist und da auch nur in den bayrischen wald etc p.p. typische reiseziele kann ich dir nicht nennen, aber die tools die auf keinen fall fehlen durften, wie zb. watson walkman, die damals so groß waren wie heute ein dvd-player, haarspray, adidas trainee, allround schuhe - knöchelhoch na klar, ein besonders männliches duschgel, was selten zum einsatz kam, duftete doch alles eh nach apfel... die bravo, jeden donnerstag frisch und alles mußte (natürlich nur für wahre addicts) mit pop rocky aufklebern vollgepappt sein (die bravo war ja, um mit dem vokabular der 90-er zu sprechen, zu kommerziell...). natürlich durfte das nötige taschengeld nicht fehlen um erdnüsschen zu kaufen (für die abendliche party auf den zimmern und, not last, not least: der tischtennisschläger von joola! zazie, bist du eigendlich ein mädchen? kennst du dann auch noch das bestreben der mädchen auf solchen fahrten durch besonders exaltiertes schminken bei den jungs unangenehm aufzufallen? und noch weiter, den wunsch die männlichen betreuer und begleiter auch schminken zu wollen? also die mädchen aus meiner klasse waren darin stereotyp. und manche jungs, wie ich zb. wären damals für ein bottermelk fresh eis bereit gewesen ihre seele an den teufel zu verkaufen. bitte mehr von diesen analen! bist du eigendlich immer noch aus berlin? ich wohne nun auch da und hätte große lust diese zeit nochmals (ohne einschlägige hintergedanken) revuepassieren zu lassen! wenn du ein bub bist, warum heißt du dann nicht zaza? viele grüße, der internationalist.
Hallo Internationalist, ich bin ein Mädchen, denn wenn ich ein Junge wäre, würde ich wohl eher Zazou heißen :-) Mein Nick stammt von einem Roman von Raymond Quéneau, Zazie dans le métro, und ich heiße schon seit den 80-ern so, weil die Franzosen meinen Namen immer nie aussprechen konnten. Ist ja auch klar, wenn man wie ein Kaasmeisje heißt... Aus Berlin bin ich nach wie vor, aber mein Wohnort ist seit 15 Jahren München. Jawohl, 1986 kam ich hierher und seitdem sind 'meine' 80-er auch irgendwie zu Ende, denn die spielten sich eindeutig in Berlin und Frankreich ab... und ein bisschen Italien. Wo wir wieder beim Thema wären :-)
Also das übermäßige Schminken von Mädchen auf Klassenfahrten, sowohl von sich selbst als auch der Lehrer in ihrer Umgebung, bei uns war das nicht ganz so. Es gab da einige stark geschminkte Mädels, aber die liefen immer so rum, nicht nur auf Klassenfahrten. Ansonsten sahen wir eigentlich ganz lässig aus. So wie man zu der Zeit halt meistens rumlief, mit Jeans (je nachdem supereng oder Karotte) und Turnschuhen oder Ballerinas. Und wenn die Mädels mal ein paar Jungs verrückt machen wollten, dann waren das garantiert keine aus der eigenene Klasse, sondern den und den tollen Typen da, aus einer anderen Stadt, aus einem anderen Land. In Amsterdam interessierten mich die Jungs aus meiner Klasse überhaupt nicht, alleine schon deshalb, weil ich 2 Jahre älter war als meine Klassenkameraden (ganze zwei Ehrenrunden gedreht...). Und so kam es, dass ich mich zuerst mit den Italienern und dann mit den Franzosen in der JH anfreundete, im selben Sommer nach Biarritz fuhr, um den in Amsterdam kennen gelernten süßen Typen zu besuchen, und zwei Jahre später nach Rom (mit jenem Römer war ich dann auch eine Zeitlang richtig zusammen - daher mein Umzug nach München, war mein Weg nach Süden).
Aber ansonsten waren meine Klassenfahrten ziemlich cool. Anfang der 80-er blieben wir auch erst mal in Deutschland (Norden). Dann gab es jedes Jahr eine Parisfahrt zur Partnerschule, da fuhr ich aber nie mit, weil ich da schon meinen eigenen Schüleraustausch machte. Später nach dem Schulwechsel kam dann Amsterdam und noch im selben Jahr, mittlerweile (doch endlich mal) in der Oberstufe, ging es in die Bretagne und das war sowieso eine der besten Reisen meines Lebens. Die betreuenden Lehrer waren total cool drauf. Allerdings war es nicht allgemein üblich, ins Ausland zu fahren, das war von Schule zu Schule und von Klasse zu Klasse verschieden. Mit Amsterdam habe ich eigentlich Glück gehabt und Frankreich lag auf der Hand, weil wir einen sehr engagierten Lehrer hatten, der im Austausch tätig war (daher auch meine Reisen in Familien) und möglichst viele von uns nach Frankreich schicken wollte.
Also wenn du mehr darüber wissen willst, wie das Lebensgefühl im Berlin der 80-er so war, ich lasse dich gerne daran teilhaben.
Viele Grüße
Zazie
Klassenreisen ins Ausland ??? Da werde ich ja richtig neidisch!
Bei uns gab es nur drei obligatorische Klassenfahrten: in der 8. Klasse ins Schullandheim (wahlweise Skifahren oder Wandern), in der 10. nach Bonn (gesponsert von der Landeszentrale für politische Bildung und damit verbunden mit unzähligen (für 16-jährige wahnsinnig langweiligen)Besuchen von verschiedenen politischen Einrichtungen incl. Besuch unseres damaligen Landtagsabgeordneten)und in der 11. nach Berlin (als Highlight die Besichtigung der Mauer und ein Tag in Ostberlin).
Schüleraustausch gab es zwar auch, aber nur nach Frankreich, und da durfte ich als Lateiner nie mit (Rom war wohl zu teuer, hätte für den Fremdsprachenunterricht aber wohl eh nicht viel gebracht...).
Selber schuld, wer lernt denn auch Latein als erste oder zweite Fremdsprache :-) ich habe auch Latein gelernt, habe sogar großes Latinum (gab's damals noch), aber als Wahlfach ab der 9. Klasse. War neben Informatik, darstellender Geometrie oder verstärktem Biounterricht eindeutig das kleinere Übel :-)
Also an dem Gymnasium, wo ich zuerst war, gab es auch Fahrten nach London. Und da Russisch als zweite Fremdsprache angeboten wurde (wohlbemerkt, in West-Berlin), gab es sogar Moskaufahrten. Und das noch zu Sowjetunion-Zeiten, das war schon was. Als Nicht-Russischschülerin ist mir das wiederum leider entgangen.
Nach Berlin brauchten wir ja nicht mehr fahren, da waren wir ja eh schon :-) allerdings waren wir auch nie in Ost-Berlin und das finde ich rückblickend gesehen ein bisschen schade. Bonn hört sich echt langweilig an, habe ich noch nie von gehört, dass da jemals eine Klasse hingefahren wäre.
Für die Gesamtschule, an der ich danach war, gehörten die Frankreichfahrten sozusagen zum Standard-Repertoire, eben wegen unserem Lehrer, der das sehr stark förderte und uns auch immer mit Gastschülern versorgte. Ich frage mich heute noch, wie das möglich war, denn gerade an der Gesamtschule gab's ja viele Schüler, die finanziell nicht gut dastanden. Aber es hat immer geklappt. Der selbe Lehrer, der diese Fahrten organisierte, fährt übrigens heute oft mit seinen Schülern in die Tschechei. Frankreich ist wohl doch ein bisschen teuer geworden. Aber in der Tschechei ist ja auch einiges geboten und seinen Schülern gefällt es.
Viele Grüße
Zazie
Glaub mir, Zazie, ich habe meinen Entschluss Latein als zweite Fremdsprache zu lernen schon unzählige Male bereut. In meinem Fall kann nämlich vom 'kleineren Übel' nicht die Rede sein! Ich glaube, wenn ich in der 9. Klasse deine Wahl gehabt hätte, hätte ich alle drei anderen Fächer freiwillig gemacht, nur um vom verhassten Lateinunterricht weg zu kommen.
Übrigens ist mir eingefallen, dass ich doch mal mit der Schule in Frankreich war - mit dem Schulchor. Das hatte ich wohl etwas verdrängt, es waren nämlich wahrscheinlich die vier sprachlosesten Tage meines Lebens. Zwar lernte die Tochter meiner Gastfamilie in der Schule Deutsch, weigerte sich aber strikt dieses in meiner Gegenwart anzuwenden. Sie hatte wohl aber eh keine große Lust sich um mich zu kümmern, und schleppte mich höchstens mal mit ins Kino (natürlich Französisch!). Selten war ich so froh meine Mitschüler und Lehrer wiederzutreffen...
Hört sich ganz nach Süddeutschland an, wo du zur Schule gegangen bist. Hier kommt man um Latein tatsächlich kaum rum. Ist immer meine Lästernummer hier in München: Die wichtigsten Schulfächer in Süddeutschland sind Latein und 'Rilljohn' (Religion, in Berlin auch nur kurz Rille genannt und nur bis einschließlich 8. Klasse existent), wegen der angehenden Priester *kicher* :-)
Du wirst lachen, ich war bisweilen sogar ganz gut in Latein und hab's bis zum Abi durchgezogen - freiwillig!
Jaja, Sprachlosigkeit in Frankreich, ging mir genauso das erste Mal, und da hatte ich tatsächlich schon 1 1/2 Jahre Französisch. Man hatte halt mächtige Hemmungen zu sprechen damals. Hat sich im Laufe der Zeit gegeben. Die Franzosen hatten damals wenig Lust, Fremdsprachen zu lernen und zu sprechen, aber das ändert sich gottseidank gerade.
Als ich das erste Mal in Italien war, sprach ich so einen Kauderwelsch aus Französisch und ein paar Wörtern Italienisch, die ich im Laufe der Zeit gelernt hatte, war mächtig anstrengend.
Viele Grüße
Zazie
internationalist
16.07.2001, 01:36
guten tag ihr lieben klassenreisenden, sich über-latein-auslassenden. also nur ums mal vorwegzunehmen, ich habe latein lk, gerade an der schule und ich quäle mich obwohl es mir sehr viel freude macht. so, zum thema klassenreisen, ich habe das tatsächlich verdrängt aber je länger ich mich in der letzten zeit damit beschäftige, umsomehr fällt mir dazu ein. ich war nur einmal im ausland, wenn man österreich was ja eigendlich, zumindest da wo wir waren, schon, noch oder immernoch oder wieder deutschland ist, abzieht. ja, ich war einmal in london und es war quite fucking cool. meine klasse, ich war der einzige bub, stellt euch das mal vor, war quite boring und so habe ich mich dann entgegen der regelung immer zu dritt (der standard) unterwegssein zu müßen alleine auf die reise durch diese wundervolle stadt gemacht. komisch, ich denke euch gings ähnlich, wir hatten damals nie richtig geld, waren sehr schüchtern aber neugierig und lebensgierig und zumindest ich hätte alles getan um diesem drang zu folgen. nunja, ich habe fast allles getan. mein vorteil war, daß das nie jemand gemerkt hat und ich so unbehelligt durch meine jugend in den achzigern kam. ich wünsche den damen einen schönen sonntag und hffe natürlich weiterhin an den achzigern partizipieren zu dürfen. heidiho.
Oh ja, das habe ich auch immer gerne gemacht, mich von den anderen und der 'Dreigruppenregelung' abseilen und alleine durch Städte latschen. Schon ganz zeitig, mit 13. Wahrscheinlich habe ich auf diese Weise meinen Orientierungssinn entwickelt. Einmal passierte es jedoch recht unfreiwillig, und da geriet ich ziemlich in Panik. Ich war 14 und mit der Konfirmandengruppe fuhren wir nach Oranienburg nördlich von Berlin, um das KZ zu besichtigen, und danach nach Ost-Berlin. Ich war zum ersten Mal 'im Osten' und verlor am Alexanderplatz meine mich begleitenden Leute. Treffpunkt sollte an der Weltzeituhr sein, die ich erst mal nicht fand. Mann hatte ich Schiss, ich dachte, die Gruppe fährt ohne mich zurück in den Westen und die Vopo kassiert mich ein und behält mich gleich da. Aber dann fand ich die Uhr, wo ich schon sehnlichst erwartet wurde. Mein erster und einziger DDR-Ausflug war mir jedoch ziemlich deutlich in Erinnerung geblieben und ich war seeeehr nachdenklich. Mein zweiter und letzter DDR-Besuch war dann erst wieder 1989, als die Wessis ohne Papierkram in den Ostteil konnten.
Viele Grüße
Zazie
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