christoph
20.03.2000, 12:34
Da sitz ich gerade am Schreibtisch, tu dies und jenes, in Schöneberg auf der Straße ists grau und kalt, kein Vogel zwitschert, keine Sonne lacht, und auf einmal schießts mir durch den Kopf:
'Lavender«s blue, dilly dilly lavender«s green/
when I am king dilly dilly you will be queen' -
ich stürze hinüber zu der alten Kassettenkiste, und da ist sie: Die Aufnahme vom Live- Doppelalbum 'The Thieving Magpie' mit allen großen Titeln von Marillion drauf. Das war vor zwei Stunden. Erst jetzt fiel mir wieder ein, daß auf dieser Kassette noch drei fabulöse Studio- B- Seiten drauf sind, die (meines Wissens) nie auf regulären Alben zu hören waren: 'Tux On', 'Freaks' und 'Lady Nina'. Ansonsten: 'Chelsea Monday', 'Jigsaw', 'Fugazi', 'Heart of Lothian' und der ganze andere Krempel, natürlich auch 'Kayleigh' bis hin zum Material der 'Incommunicado' - LP. Seit zwei Stunden höre ich diese Kassette mit Fishs Fistelstimme, Steven Rotherys ultramelodiösen Gitarrensoli und den niemals ZU vertrackten Rhythmus- Breaks, und mit jedem Boss Stereo Chorus- schwirrenden Stratocaster- Akkord legt sich ein weiterer rosaroter Schleier über diesen Montagmorgen.
Jetzt wollen wir mal ein wenig abstrahieren, wie sich das für ein Intellektuellen- Forum gehört. Gewisse Musik kommt immer wieder, andere nie. Immer wieder kommt in irgendeiner Form: Perfekter Pop (ABBA), dreckiger Rock (Stones, Grunge) und Disco (z. Zt. im HipHop- Format).
Nie wieder kommen wird Marillion. Oder irgendetwas ihresgleichen. Bei denen wird mir so klar wie sonst nie, inwieweit Musik ein ganz exklusives Zeitphänomen sein kann. Solche Musik ist nichts mehr für uns. Schon seltsam, wie sicher und apodiktisch mein Bruder und ich damals behauptet haben: Marillion, das wäre 'objektiv gute Musik', geschmacksunabhängig sozusagen. Tolle Musiker, außergewöhnliche Texte, große Gefühle, glänzende Produktion, Songs, die uns beim 50. Hören immernoch irgendeinen neuen Aspekt abwarfen - ist es nicht das, was man maximal von (Pop-) Musik erwarten kann? Das Nonplusultra? So schien es uns damals.
War es nicht so? Ist es nicht so? Anscheinend nicht. Egal. Ich spul nochmal zurück zum Anfang von 'Jigsaw'.
'We are Siamese children/
related by the heart./
Bleeding from the surgery of initial confrontation.
Puh.
------------------
'Lavender«s blue, dilly dilly lavender«s green/
when I am king dilly dilly you will be queen' -
ich stürze hinüber zu der alten Kassettenkiste, und da ist sie: Die Aufnahme vom Live- Doppelalbum 'The Thieving Magpie' mit allen großen Titeln von Marillion drauf. Das war vor zwei Stunden. Erst jetzt fiel mir wieder ein, daß auf dieser Kassette noch drei fabulöse Studio- B- Seiten drauf sind, die (meines Wissens) nie auf regulären Alben zu hören waren: 'Tux On', 'Freaks' und 'Lady Nina'. Ansonsten: 'Chelsea Monday', 'Jigsaw', 'Fugazi', 'Heart of Lothian' und der ganze andere Krempel, natürlich auch 'Kayleigh' bis hin zum Material der 'Incommunicado' - LP. Seit zwei Stunden höre ich diese Kassette mit Fishs Fistelstimme, Steven Rotherys ultramelodiösen Gitarrensoli und den niemals ZU vertrackten Rhythmus- Breaks, und mit jedem Boss Stereo Chorus- schwirrenden Stratocaster- Akkord legt sich ein weiterer rosaroter Schleier über diesen Montagmorgen.
Jetzt wollen wir mal ein wenig abstrahieren, wie sich das für ein Intellektuellen- Forum gehört. Gewisse Musik kommt immer wieder, andere nie. Immer wieder kommt in irgendeiner Form: Perfekter Pop (ABBA), dreckiger Rock (Stones, Grunge) und Disco (z. Zt. im HipHop- Format).
Nie wieder kommen wird Marillion. Oder irgendetwas ihresgleichen. Bei denen wird mir so klar wie sonst nie, inwieweit Musik ein ganz exklusives Zeitphänomen sein kann. Solche Musik ist nichts mehr für uns. Schon seltsam, wie sicher und apodiktisch mein Bruder und ich damals behauptet haben: Marillion, das wäre 'objektiv gute Musik', geschmacksunabhängig sozusagen. Tolle Musiker, außergewöhnliche Texte, große Gefühle, glänzende Produktion, Songs, die uns beim 50. Hören immernoch irgendeinen neuen Aspekt abwarfen - ist es nicht das, was man maximal von (Pop-) Musik erwarten kann? Das Nonplusultra? So schien es uns damals.
War es nicht so? Ist es nicht so? Anscheinend nicht. Egal. Ich spul nochmal zurück zum Anfang von 'Jigsaw'.
'We are Siamese children/
related by the heart./
Bleeding from the surgery of initial confrontation.
Puh.
------------------