Vollständige Version anzeigen : Müslijahrzehnt
oma_lacht
14.02.2000, 23:48
Die achtziger waren auch das Müslijahrzehnt. Immer wenn ich mit meinem Sohn über diese Zeit rede, sagt der ³ach, Deine Müslijahreã.
Was da bei abendlichen Zusammenkünften an Tee hinter die Binde gekippt wurde, Hektoliter über Hektoliter. Zwingend notwendig waren Räucherstäbchen, Kerzen (Bienenwachs natürlich), die Frauen klapperten mit ihrem Strickzeug in den Vorderpfoten ö sogar mutige Männer strickten sich einen Pullover, und Sanftmütigkeit waberte über den Teeschalen.
Tarotkarten und I Ging waren das Rüstzeug zur Bewältigung des schnöden Alltags. Ich erinnere mich an einen Müslimän, der für jeden Scheiß das I Ging bemühte, sogar, wenn er sich eine Hose (oder ähnlich profanes Zeug) kaufen wollte.
Die ganz hartgesottenen befragten das I Ging mittels Schafgarbenstengel - das hattem mehr meditaiven Charakter, wir 'Ahnungslosen' nahmen dazu drei Münzen.
(Beitrag wurde von oma_lacht am 14.02.2000 um 22:56 Uhr bearbeitet.)
Marco Muenzer
15.02.2000, 01:16
(Beitrag wurde von Marco Muenzer am 24.03.2000 um 15:25 Uhr bearbeitet.)
Harald Leinweber
15.02.2000, 21:57
Guten Tag!
'Müsli-Män' war in der Tat ein Song von BAP, der das Image des Müsli-Män tüchtig durch den Kakao zog.
Was zu dem Zeitpunkt, da das Lied entstand (80er), aber auch nicht mehr sooo schwer war.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Harald Leinweber
(Beitrag wurde von Harald Leinweber am 15.02.2000 um 20:58 Uhr bearbeitet.)
Marco Muenzer
16.02.2000, 14:25
(Beitrag wurde von Marco Muenzer am 24.03.2000 um 15:26 Uhr bearbeitet.)
Die Phase kenne ich auch noch gut. Literweise Tee trinken, so daß man zittrige Hände bekam, bloß im Stricken war ich schon immer eine Niete, bis jetzt habe ich nur eine einzige untragbare Socke fertiggestellt.
Umweltschutzpapier war Pflicht, Entenschuhe mit grauen Wollsocken, Fischerhemden, Peace-Buttons, jegliche Stylingprodukte für die Haare waren verpöhnt... Kennt jemand noch diese kleinen Parfümöle in kleinen braunen Flaschen zum um den Hals hängen?
So mit 14 war ich dann auch in so einer Strickzeug-Teetrinker-Jugendgruppe der Kirche, aber als wir dann (bei Tee, Strickzeug und Kerzen) darüber diskutieren sollten, ob man beim Beten die Hände falten muß, wußte ich: Ich bin hier falsch!
Dann kam die Zeit der Tanzschule und Partys und der Kombination türkis/pink (pinkfarbene Cordhose, kanariengelbes Piquéhemd, dazu eine knallblaue Sweatshirtjacke - schauder!
(Beitrag wurde von evita am 08.03.2000 um 22:35 Uhr bearbeitet.)
Hallo, Ihr Müslis,
gehört Ihr auch zu denen, denen Müsli heute nicht mehr schmeckt. Habe heute einen von Euch beobachtet wie er mit seinem politisch korrekten Fahrrad-Manufaktur Rad ins McDonalds getreten ist. Erinnere mich auch noch in den ausgehenden 80ern wie der Kulturbeauftragte der Grünen-Bundesgeschäftsstelle einen Mercedes 190E frisch gekauft hat. Hätte ihm am liebsten einen Riesen Atomkraft-nein-danke Aufkleber auf die Motorhaube gepappt, dem Penner. Tjaja, man ist halt älter, gesetzter und gönnt sich ja sonst nix. Das hat sich fortgesetzt bei Fischer und co.
Machtnix, egal, es gibt sie noch die guten Dinge. Und was ist aus den Poppern, Punks und Wavern geworden?
Heute finde ich es klasse, zwischen den Extremen zu oszillieren. Ohnehin lässt jedes neue Jahrzehnt das vorangegangene unschuldig erscheinen. So wie das neue Audimodell das alte spießig aussehen lässt.
redselig
12.03.2000, 02:26
Man kaufte in dämmrigen Läden, die Allerleirauh oder so ähnlich hießen, sehr dunkelgraue Umweltschutzhefte, die von den Lehrern dann verboten wurden. Außerdem war es in, mit Federhaltern und Tintenfässern in der Schule aufzukreuzen.
Und die Birkenstock-Sandalen - ein Muss!
redselig
15.03.2000, 15:53
Lehrer warfen ihren Job hin und gingen in die Entwicklungshilfe.
Als wir 1986 mit dem Zug nach Griechenland fuhren (damals noch über Jugoslawien, fast zwei Tage lang), schleppte eine Schulkameradin ihre Gitarre mit. Standardsong auf dieser Fahrt: 'The Boxer' von Simon & Garfunkel.
Harald Leinweber
15.03.2000, 20:20
Guten Tag!
Die Kölner Stunksitzung hatte in diesem Jahr in ihrem mehr als dreistündigen Programm einen Auftritt der Brüder Klaus und Klaus (aus der Bruder-Klaus-Siedlung), die mit schier unglaublichen Cover-Versionen von Simon-&-Garfunkel-Songs die Herzen des Publikums im Sturm eroberten - und das Zwerchfell ausknockten.
Natürlich war auch 'The Boxer' dabei, und natürlich kam auch ein Boxer (dä Hungk!) vor: 'Ja, mir sin zwei, denn mir sin drei!'
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Harald Leinweber
Jaja, die Birkenstocksandale.... sie ist mir bis heute ein Graus geblieben. So wie ich auch diese 'schmuddeltypen' mit ihren Jutetaschen nie verstehen konnte. Vor allem nicht die oftmals huebschen Freundinnen, dieser Personen. Ungewaschene Haare, spaeter hiess das wohl grundge (?), und immer eine leicht gebueckte Haltung, von der offensichtlichen Unterernaehrung ganz zu schweigen. Ohwei. Vor diesen Jesusvertretern habe ich immer reiss aus genommen, und tue es heute noch,- schliesslich erfreut sich diese Sandale immer noch hoher Beliebtheit. Zur richtigen Aufmachung auf weiblicher Seite gehoerte ein auf indisch getrimmtes Kleid, mit diesen Pfennigstueck grossen Spiegeln drin. :-)) Kann sich daran noch jemand erinnern, oder wuerfle ich gerade mal wieder die Zeiten durcheinander?
Ja, die Indienkleider, zu diesen 'Müslis' gehörte ich zumindestens phasenweise auch, wobei ich allerdings sagen muss, dass ich Müsli nie mochte. Ganz widerlich war ja dann das durchgeschrotete schon etzwas stinkende Frischkornmüsli, ich erinnere mich da an eine etwas versiffte Kasseler WG in den 80igern.
Der Höhepunkt war dann die Hochzeit meiner Schwester 1982 in Indienkleidern und Birkenstocksandalen nebst Wollsocken; unsere Eltern nahmen davon Abstand mit zum Standesamt zu gehen.
Danach wickelten wir unsere Kinder natürlich in logischer Konsequenz mit Stoffwindeln, die später nach der Windelphase in gefärbter oder besser verfärbter Form um den Hals gewickelt wurden. Na ja....
Na ja krissi, mal als antwort zur hochzeit deiner schwester : es war ja schon durchaus verpönt überhaupt zu heiraten, man lebte zusammen, das wort lebensabschnittgefährte gabs noch nicht und im grunde war man/frau genauso spießig wie die generationen vor uns. interssant aber auch die frage : geht man /frau zum ostermarsch auch bei scheisswetter ? Ich hatte im letzten jahr nach bestimmt 18 jahren karenz so ein deja vu erlebnis auf dem hamburger ostermarsch, an dem erstaunlicher weise eine recht große anzahl leute verschiedenen alters teilnahmen, es gibt sie noch die müslis im wallerock mit birkis, gern behängt mit dem kirchentagstüchlein, in jung und in alt.
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