Vollständige Version anzeigen : Pädagogisch pferdvoll
Firmian Maierhofer
28.04.2000, 15:09
Hm, das Zukleben der Dr.Sommer-Seiten erscheint mir wohl kaum ein Produkt der 68er, ich glaube, da verwechselst Du was
Na ja, jetzt können wir noch klug daherreden; mal sehen, wie ich mich verhalte, falls meine Tochter in ein paar Jahren auf die Idee kommen sollte, ein pädagogisch unkorrektes Plastik-MG haben zu wollen.....
(Beitrag wurde von Firmian Maierhofer am 03.05.2000 um 17:19 Uhr bearbeitet.)
Hallo zusammen,
durch den Beitrag Monchicci kamen bei mir die Erinnerungen hoch bzgl. pädagogisch wertvollen Spielzeug.
Ich weiss nicht, ob es bei anderen auch so war, aber wir hatten in der Grundschule einen 68er Lehrer und einige Eltern die auch so angehaucht waren.
Das Ergebnis war erschreckend, so wie meine Mutter mir berichtete ging es auf den Elternabenden immer darum, dass es wohl noch einige Eltern gäbe, die ihren Kindern Spielzeug kauften, das nicht pädagogisch wertvoll sei. Noch extremer war es wohl bei meiner vier Jahre jüngeren Schwester, da war die pädagogisch pferdvoll Fraktion noch größer.
Meine Mutter hat damals ziemlich auf verlorenem Posten gestanden, da sie dafür plädierte die Kinder weniger pädagogisch zu traktieren und sie vielmehr ihre Kreativität ausleben zu lassen und die Wünsche der Kinder zu respektieren.
Wenn sich meine Mutter daran erinnert, bekommt sie heute noch was zuviel.
Den größten Aufruhr aber gab es, als meine Freundin eine Bravo ihres Bruders mit in die Schule brachte, das führte zu einer Sonderversammlung in der schon der Untergang des Abendlandes beschworen wurde.
Noch Jahre danach bekam eine andere Freundin von ihrer Mutter immer die Dr. Sommer Seiten zugeklebt, bevor sie die Bravo lesen durfte.
Tja als Fazit kann ich nur sagen, diejenigen die nur pädagogisch pferdvoll erzogen wurden sind auch nicht zufriedener oder erfolgreicher als die die das Spielzeug bekamen das sie sich wünschten, aber auf Klassentreffen beneiden sie einen heute noch um Barbies Traummobil.
Gruss Nicole
Astrid Barrera
29.04.2000, 18:11
ha! die bravo war bei uns zuhause auch verboten, und in der schule schon erst recht! jeder, der mit einer bravo im unterricht erwischt wurde, kriegte sie sofort konfisziert und unter peinlichkeiten vier wochen spaeter wieder ueberreicht - natuerlich nachdem sie im lehrerzimmer komplett zerlesen wurde! gott sei dank blieb mir das immer erspart, aber ich koennte schwoeren, dass vor allem die dr. sommer-seiten bei den lehrern unserer verklemmten, christlich orientierten privatschule als allererstes konsumiert wurden...unter dem vorwand der wohlanstaendigkeit und des jugendschutzes natuerlich! ;-)
nutellajunkie
19.05.2000, 19:12
Oh ja, die BRAVO...
Meine Mutter hat immer das frischgekaufte Heft einkassiert und die 'Rosa Seiten' (also
NICHT Dr. Sommer!) RAUSGERISSEN!!
Aber selbst schuld, wer sich von BRAVO auf-
klaeren laesst...
Konstantin Opel
23.05.2000, 18:33
Wie, Eltern konnten 'Bravo'-Seiten zukleben?! Das hätte ja vorausgesetzt, dass sie das Heft für ihre Kids kaufen und vor ihnen in die Finger kriegen ö und wenn sowas in unserer Kleinstadt erst mal die Runde gemacht hätte, wäre der betreffende Pubertierende bis (mindestens...) zum Mofa-Führerschein restlos erledigt gewesen.
Also, 'Bravo' kaufte man natürlich selbst, am kleinen Kiosk des Bahnhofs und auf dem Weg zur Schule, und dann las man die wirklich wichtigen Seiten im gemeinsam (und teilweise auch laut vor), wobei jeder von uns Elfjährigen mindestens eine Zwölfjährige aus der Parallelklasse/Nachbarschaft oder dem Freundeskreis einer größeren Schwester kannte, die er für 'voll geschlechtsreif' befand und vor allem für fähig hielt, alles das zu praktizieren, was in 'Bravo' allwöchentlich beschrieben war. (Was für ein irrer Schachtelsatz, aber längst nicht so irrsinnig wie die implodierende Fantasie von Elfjährigen, deren Schulweg-Lektüre den Serientitel 'Liebe zwischen 12 und 15' trägt.)
Na ja, dumm nur, dass sich die Zwölfjährigen mehr zu Robby Bauer von den Teens hingezogen fühlten als zur benachbarten Zahnspange. Selbst der herbeigesehnte Landsschulheim-Aufenthalt mit 14, also ganz am Ende der 'Bravo'-Leser-Zeit, brachte eher diese Erkenntnis hervor als irgendwelche Erfolgserlebnisse auf dem dunklen Flur des Mädchentrakts, wo sie hinter ihren verschlossenen Türen nur dumm kicherten.
Immerhin aber übernahm 'Bravo' ö ganz im Ernst ö eine Form der Aufklärung, die selbst liberalen Eltern der Aufbau-Generation nur würgend über die Lippen gekommen wäre. Und vielen von uns gaben zwar nicht Dr. Sommers Antworten, aber immerhin die vielen Fragen das Gefühl, nicht allein mit all der pubertären Unsicherheit zu sein.
Am wenigsten an der Bushaltestelle, immer an den Tagen, an denen 'Bravo' kam.
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