DF
09.04.2000, 19:35
Ach, die 80er!
Ein kollektiver Rückblick, mit dem wir uns einen seidigen Schleier vor die Augen halten und der uns immer noch wie damals die Bilder von David Hamilton zum Träumen annimierten. David Hamilton? War das nicht der mit den ewig unscharfen Fotos? Und gab es da nicht diese Frau - wie hieß sie doch? Die Ex vom Roland Kaiser?
Es gibt mittlerweile reichlich CD-Sammlungen mit Liedern aus den 80ern. Ein beliebtes Spiel bei den Thirtyandsomethings: Wer errät zuerst den Namen ds Stückes und der Band. Jetzt erschrecken wir uns und bekommen eine Ahnung davon, wie es ist, sich im Alter an lauter Details der Vergangenheit zu erinnern, aber mit Hip Hop und viel zu großen Jeans können wir nicht wirklich etwas anfangen. Apropos: Wer erinnert sich noch an die Jeans mit dem weißen Streifen an der Hosennaht? Wir hatten nie Geld für modische Klamotten, daher war ich irgendwann auch froh, nicht immer noch mit diesen Hosen herumlaufen zu müssen. Aber wie war das damals mit der Mode? Gab es eine? Mir fällt da zuallererst der Alternativ-Look ein. Das obligatorische Halstuch, das niemals gewaschen wurde, und natürlich der Palästinenser-Schal. Die Hosen waren irrsinnig eng, darüber ein Sweat-Shirt, das auf keinen Fall neu aussehen durfte. Besonders beliebt damals waren Batik-Shirts. Natürlich selbstgemacht, am besten gemeinsam mit den Freunden aus der 'Dritten-Welt-Gruppe'. Ja, wir waren damals sehr engagiert und fast schon leidenschaftlich betroffen. 'Global 2000' hatte nahezu biblische Bedeutung und die Entscheidung für den Zivildienst war ein absolutes Muss. Die Welt war zwar hoffnungslos verloren, aber einfach strukturiert und die Feindbilder wohlbekannt. Wer erinnert sich nicht mehr an Joseph Beuys 'Wir wollen Sonne statt Reagen'? In unserem Weltschmerz waren wir innig miteinander verbunden. Startbahn West, Gorleben, Kalkar, Pershing 2 ('Petting statt Pershing') und irgendwann kam dann die Volkkszählung ('VOBO'). Die Lieder werde ich sicherlich nicht vergessen: BOTS ('Aufstehen'), Susanne Wegner ('Sind so kleine Hände ...'), Hannes Wader ('Wir sind die Moorsoldaten...') und natürlich BAP ('Tragt uns bloss nicht bei euch ein...'). Aber nein! Natürlich haben wir feiern und loslassen können. Die Talking Heads fehlten auf keiner Party.
Richtig wohl gefühlt habe ich mich mit dem Gefühl der 80er nie wirklich. Ich bin zwar heilfroh, nicht mit Kabelfernsehen aufgewachsen zu sein, aber die dogmatische Technikfeindlichkeit war auch anstrengend. Das breite politische Bewußtsein und der Wunsch sich zu engagieren fehlt mir sicherlich, aber die Engstirnigkeit der ewig Undifferenzierten habe ich gerne zurück gelassen. Es war schwierig kontrovers zu diskutieren, zu groß die Gefahr, auf die Seite der Unbelehrbaren und Ewiggestrigen gestellt zu werden. Was war damals schlimmer, als mit einem konservativen Stempel gebranntmarkt zu werden? Die 90er brachten Linderung. Endlich war es wieder erlaubt zu sagen 'Ja, aber ...'.
Ein kollektiver Rückblick, mit dem wir uns einen seidigen Schleier vor die Augen halten und der uns immer noch wie damals die Bilder von David Hamilton zum Träumen annimierten. David Hamilton? War das nicht der mit den ewig unscharfen Fotos? Und gab es da nicht diese Frau - wie hieß sie doch? Die Ex vom Roland Kaiser?
Es gibt mittlerweile reichlich CD-Sammlungen mit Liedern aus den 80ern. Ein beliebtes Spiel bei den Thirtyandsomethings: Wer errät zuerst den Namen ds Stückes und der Band. Jetzt erschrecken wir uns und bekommen eine Ahnung davon, wie es ist, sich im Alter an lauter Details der Vergangenheit zu erinnern, aber mit Hip Hop und viel zu großen Jeans können wir nicht wirklich etwas anfangen. Apropos: Wer erinnert sich noch an die Jeans mit dem weißen Streifen an der Hosennaht? Wir hatten nie Geld für modische Klamotten, daher war ich irgendwann auch froh, nicht immer noch mit diesen Hosen herumlaufen zu müssen. Aber wie war das damals mit der Mode? Gab es eine? Mir fällt da zuallererst der Alternativ-Look ein. Das obligatorische Halstuch, das niemals gewaschen wurde, und natürlich der Palästinenser-Schal. Die Hosen waren irrsinnig eng, darüber ein Sweat-Shirt, das auf keinen Fall neu aussehen durfte. Besonders beliebt damals waren Batik-Shirts. Natürlich selbstgemacht, am besten gemeinsam mit den Freunden aus der 'Dritten-Welt-Gruppe'. Ja, wir waren damals sehr engagiert und fast schon leidenschaftlich betroffen. 'Global 2000' hatte nahezu biblische Bedeutung und die Entscheidung für den Zivildienst war ein absolutes Muss. Die Welt war zwar hoffnungslos verloren, aber einfach strukturiert und die Feindbilder wohlbekannt. Wer erinnert sich nicht mehr an Joseph Beuys 'Wir wollen Sonne statt Reagen'? In unserem Weltschmerz waren wir innig miteinander verbunden. Startbahn West, Gorleben, Kalkar, Pershing 2 ('Petting statt Pershing') und irgendwann kam dann die Volkkszählung ('VOBO'). Die Lieder werde ich sicherlich nicht vergessen: BOTS ('Aufstehen'), Susanne Wegner ('Sind so kleine Hände ...'), Hannes Wader ('Wir sind die Moorsoldaten...') und natürlich BAP ('Tragt uns bloss nicht bei euch ein...'). Aber nein! Natürlich haben wir feiern und loslassen können. Die Talking Heads fehlten auf keiner Party.
Richtig wohl gefühlt habe ich mich mit dem Gefühl der 80er nie wirklich. Ich bin zwar heilfroh, nicht mit Kabelfernsehen aufgewachsen zu sein, aber die dogmatische Technikfeindlichkeit war auch anstrengend. Das breite politische Bewußtsein und der Wunsch sich zu engagieren fehlt mir sicherlich, aber die Engstirnigkeit der ewig Undifferenzierten habe ich gerne zurück gelassen. Es war schwierig kontrovers zu diskutieren, zu groß die Gefahr, auf die Seite der Unbelehrbaren und Ewiggestrigen gestellt zu werden. Was war damals schlimmer, als mit einem konservativen Stempel gebranntmarkt zu werden? Die 90er brachten Linderung. Endlich war es wieder erlaubt zu sagen 'Ja, aber ...'.