Vollständige Version anzeigen : Schule und Lehrer
walter behrendt
30.03.2000, 13:50
Ich bin hier zum ersten Mal in diesem Forum und wollte mal sehen, was hier ueber die Lehrer der 80er Jahre gesagt wird. Suchfunktion 'Schule' ergibt 14 Treffer, aber offenbar nichts, was sich laenger ueber dieses Thema ergehen wuerde. Komisch!
Meine Kindheit war in den 60ern, ohne Erinnerungen an die Macken der Lehrer gar nicht vorzustellen. Sollte die Schule in den 80ern gar keine Spuren hinterlassen haben?
Ich hab mein Referendariat Mitte der 80er in Berlin gemacht, danach aber nicht mehr in Deutschland an der Schule gearbeitet. Die Kiddies aus meiner 7. Klasse von damals muessen jetzt alle Mitte 20 sein, also nur wenig juenger, als ich damals war.
Also, wie waren die Lehrer in den 80ern?
Praegend? Langweilig? Zu sehr an ihren Ideen aus den 60ern und 70ern orientiert? Waren sie genauso vertrottelt wie ein Grossteil unserer Lehrer? Oder auf dem besten Weg dahin? Waren Sie professionell gut? Oder die beruehmten 'faulen Saecke'? Konnte man mit ihnen reden? Oder wollten sie bloss selbst immer reden? Oder was?
Neugierig,
WB
Natürlich waren die Lehrer der 80er Jahre prägend, ganz besonders für jemanden, der in den 80ern zur Schule ging.
Nein, jetzt mal ohne Scherz, ich habe, wie sich das gehört, auch Schulmäßig das volle 80er Jahre Programm bekommen: Gesamtschule!
Lehrer: Born in the 50ies, active in the 70ies, hopeful in the 80ies, frustrated in the 90ies!
Mein Gott, sie wollten uns sooo viel beibringen, etwa, wie man gut und reibungslos miteinander (gemeinsam, zusammen, verstehste!) arbeitet.
Sie hatten es aber mit uns zu tun. Nicht dass wir nicht unglaublich liebenswert gewesen wären (zumindest beteuern sie das heute beim Klassentreffen), aber wir waren eben in der Pubertät. Das hat vielen meinen Lehrern den Rest gegeben.
Keine Frage, für mich war Joe Strummer wichtiger, als das System der Zentralen (wahlweise freien, aber bösen) Marktwirtschaft. Aber viele meiner Lehrer wollten einfach nicht wahrhaben, dass unter meinem Hair-do (grün und viiiel Haarspray) auch ein wenig Hirn zu finden war. Sie sahen mich verloren an Lipstick, Powder and Paint (ein Missverständnis, das sie sich übrigens mit meinen Gruppenleitern bei den Falken teilten). Dass das ganze Outfit aber auch (unter anderem) politisch gefärbt und gemeint hat, realisierte nur einer meiner Pädagogen: Nigel!
Bis heute ist er mein absoluter König! Er war seines Zeichens ein Versuchsprojekt, das Muttersprachler als Lehrer in Deutschland einsetzte. Insofern war ich unmittelbar an der Quelle der britischen Zunge.
Mehr noch, Nigel war Drummer bei UB40 bevor sie ihren ersten No.1-Hit hatten. (ich glaube es war 'one in ten') Wie vielleicht bekannt, UB40 hatte sich aus Arbeitslosen formatiert und Nigel war einer von ihnen, bis ihm halt die Stelle in Deutschland angeboten wurde (Der XTC-Song 'Making Plans for Nigel' war auf ihn gemünzt).
Nach dem Aufstieg von UB40 war Nigel arg frustriert, aber anstatt es an uns auszulassen, machte er es sich zur Aufgabe, uns mit intelligenten, politischen Texten zu füttern. Durch ihn habe ich viel über GB gelernt, über das Leben, das Arbeiten, die Kultur und -na klar- die Sprache. (Belohnung am Ende jeder guten Stunde: 10 Schimpfwörter + einwandfreier Aussprache! Ich konnte fluchen wie ein Birminghamer Rohrspatz!)
Nun war aber die Gesamtschule von vielen Kürzungen und infolgedessen von wilden Demos gebeutelt. Nigel, der einzige unter den Lehrern, der nicht verbeamtet war, half uns tatkräftig bei der Organisation. Das war sein Ende, denn 1984 wurde sein Vertrag grundlos (haha) nicht verlängert. Ich hoffe, dass es ihm, trotz der vielen verpassten Chancen, heute gut geht. Meiner letzten Info nach (1989) ist er irgendwo in Australien gelandet.
But he'll always have a place in my heart!
Mein Deutsch- und Klassenlehrer Heinz ist heute übrigens Teilzeit-Kaffeepflanzer in Nicaragua. Eigentlich habe ich ihn auch noch gern, aber meine Mutter hatte ihn immer viel gerner, weil er so etwas Exotisches, Mysteriöses hatte, wie Winnetou.
Oh Mann, diese Aktivisten!
Gruß
edda
(Beitrag wurde von edda b am 30.03.2000 um 13:22 Uhr bearbeitet.)
le_reptile
30.03.2000, 15:31
(Der XTC-Song 'Making Plans for Nigel' war auf
ihn gemünzt)
ist nicht wahr, oder?
Doch, doch es ist wahr! Ich wollte es ihm ja auch nicht glauben, aber die Art und Wiese, wie er sich davor gedrückt hat, eben jenen Text im Unterricht zu interpretieren, sprach schon für sich.
Stattdessen gabs 'Friday Night and Saturday Morning' von den Specials. Gott, hab ich mir damals gewünscht alt genug zu sein, um endlich Samstagmorgens halbnüchtern nach einer schlechten Club-Nacht an der Bushaltestelle in jemandes Erbrochenem stehen zu dürfen.
Es ist, wie sich später herausstellte, nur halb so aufregend wie der Song.
Gruß
edda
le_reptile
30.03.2000, 19:09
...der song handelt ja auch davon, dass es gerade wenig bis kaum aufregend, ist, wenn man 'in someone elses puke' steht, oder?
hätte dir das nicht gleich eine warnung sein sollen ?
(Beitrag wurde von le_reptile am 30.03.2000 um 18:45 Uhr bearbeitet.)
Es ist 'spew', 'someone elses spew'. Was die Sache aber nicht wirklich angenehmer macht.
Ich war 13 und fand Ringe unter den Augen richtig cool. Ich wusste ja nicht, wie hart man sich die erkämpfen muss.
(Beitrag wurde von edda b am 30.03.2000 um 18:25 Uhr bearbeitet.)
le_reptile
30.03.2000, 20:49
aber die Art und Wiese, wie er sich davor gedrückt hat, eben jenen Text im Unterricht zu
interpretieren, sprach schon für sich.
und, wie hat er ihn interpretiert???? *vorneugierplatz*
Hanne Soya
31.03.2000, 06:33
Ja, ich will auch mehr ueber Nigel hoeren, von dem ich bislang nicht wusste, dass es ihn gibt - 'and when Nigel says he's happy, he must be happy, he must be happy... in his wooooooorld'!
XTC habe ich in den Musik-Straengen immer wieder erwaehnen wollen, aber unverzeihlicherweise vergessen. Na, dann eben hier
Nigel's World.
Es verflechten sich zwei Stränge in dem nicht gerade wortlastigen Song. (Übrigens der Hauptgrund, warum mein Nigel meinte, er eigne sich nicht zur Interpretation).
Strang 1: In seiner Ausbildung zum Lehrer hat Nigel wohl einige pädagogische Institutionen in England durchlaufen. Darunter auch eine mit körper- und geistig behinderten Kindern. (Davon handelt der Song)Die Art und Weise des Umgangs mit diesen Kindern hat wohl sehr an ihm genagt. Vor allen diese 'aufgeschlossenen' Eltern, die sich voll und ganz mit der Behinderung ihrer Kinder abgefunden hatten und sie seitdem schlicht als Vegetables sahen. Immerhin als glückliche Vegetables. Gefördert wurde da nix, schon gar nicht von staatlicher Seite. Nigel muss da wohl irgendwann einen Aufstand geprobt haben (ich sag ja Held), was ihm dann ganz einfach keinen Job eingehandelt hat.
Strang 2:
Der Name Nigel. Ich habe keine Ahnung, wie nun Nigels Geschichte bei XTC gelandet ist. Fakt ist halt, dass sie dem behinderten Kind im Song einfach Nigels Namen gegeben haben. Das ganze wurde dann zu einer Abschiedsballade, denn schließlich did Nigel make plans. Die waren eben nicht in einer britischen Institution und er machte sie auch nicht in der britischen Pop-Musik.
Das herauszufinden hat mich damals Wochen stetigen Nachbohrens gekostet, denn Nigel war von tip to toe british understatement.
Vielleicht war es ihm aber auch noch super peinlich, weil
a) er den Song nicht geschrieben hatte und
b) er nun kein umjubeltes Leben unter Groupies führte. Obwohl er gar kein Groupie-Typ war.
(Ich war noch zu jung, um als solches durchzugehen.)
So, jetzt ist es raus.
Gruß
edda
(Beitrag wurde von edda b am 31.03.2000 um 22:16 Uhr bearbeitet.)
Hanne Soya
14.06.2000, 11:50
Hi edda,
spaeter Dank fuer die Nigel-Geschichte!
Mir ist noch ein drolliges 80er Jahre Lehrer-Exemplar eingefallen, Herr P., den ich nur einmal in einer Vertretungsstunde erlebt habe. Er verbrachte die Stunde auf der Fensterbank, wo er sich mit Inbrunst (ich zitiere mal Pippi Langstrumpf) sein Halstuch um die angewinkelten Knie knotete. Irgendwann wollte er was an die Tafel schreiben und war ja nun 'gefesselt'. Er selbst schien das gar nicht witzig zu finden. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals gelacht haette - humorlose Lehrer habe ich ueberhaupt viele erlebt. Aber Verhalten und Erscheinung wurden Herrn P. zum Verhaengnis: Halbglatze und Lockenkranz trugen dazu bei, dass eine Schulfreundin bereits bei der Einschulung meinte, die haetten extra einen Clown fuer uns engagiert
Astrid Barrera
22.06.2000, 02:37
tja... lehrer in den achtzigern...
kann ich gar nicht viel zu sagen, weil unsere lehrer auf unserem kleinen provinzgymnasium entweder ganz okay waren, und das schon laenger oder totale gurken, die in keiner oeffentlichen staatlichen schule im staedtischen umfeld laenger als ein halbes jahr ueberlebt haetten.
aber da alles sehr laendlich-sittlich zuging, hatte der lehrer einen quasi unangefochtenen autoritaetsanspruch, der von den eltern unhinterfragt hingenommen wurde. also konnte einer meiner geschichts(!!!)- und erdkunde(!!!)lehrer jahrelang im unterricht (!!!!!!!) predigen, dass die anzahl der von den nationalsozialisten ermordeten juden um ein vielfaches zu hoch angesetzt waere. regelmaessige beschwerden von etwas aufgeklaerteren eltern bei unserem direktor ergaben immer nur, dass der darauf hinwies, eben jener lehrer haette schliesslich eine familie zu ernaehren und ausserdem haette er eine traumatische kindheit hinter sich, weil vertrieben mit 14.aber wie gesagt, das war kein phaenomen der 80er, sondern spielte sich ueber bald 20jahre hinweg ab - ohne ergebnis...
Ich kann mich noch sehr gut an diese Schnapp-Koffer unserer (v.a. Mathe-/Physik-) Lehrer erinnern. Sie waren aus meist dunkelbraunem oder bei den jugendlicheren Typen aus dunkelrotem Kunstleder. Die Lehrer kamen in die KLasse, legten den Koffer auf den Lehrerschreibtisch und liessen die Schlösser aufschnappen. Anschliessen nahmen sie ihren Lehrerkalender raus, in dem auch all unsere Namen eingetragen waren und suchten den geeigneten Kandidaten für ein nettes Ausfragen an der Tafel. Oder man merkte schon an dem Duft, den sie mit ins Klassenzimmer brachten, dass wir gleich eine 'Ex' schreiben würden. Sie zogen - der Gesichtsaudruck dabei kann durchaus als hämisch bezeichnet weden - einen Packen dieser beigefarbenen Papiere mit lila Schrift (Matritzen?) aus ihrem Köfferchen und hiessen uns, alle mitgebrachten und inzwischen auf den Tischen liegenden Dinge auf den Boden abzulegen. Und diese Blätter wurden von uns dann erst mal ausführlich beschnüffelt...
Was war das für ein Grauen jede Stunde... wenn ich daran denke, hab ich noch immer das Bedürfnis, mich unter der Bank zu verkriechen.
Frau K.,unsere strenge Erdkundelehrerin, hat bei besagtem Abfragen (das war die Strafe für das vergessene Hausaufgabenheft) meine Freundin dermaßen in die Mangel genommen, daß diese ohnmächtig an der Tafel zusammenklappte und für die folgenden zwei Jahre nie mehr nach vorne zitiert wurde.Ein weiteres Highlight war der Sportunterricht:ich bin ein durchaus sportlicher Typ, aber wie so viele Frauen eine absolute Niete in Ballsportarten.Da diese jedoch auch benotet wurden,Aufschlag, Baggern und Pritschen beim verhassten Volleyball, habe ich es doch tatsächlich durchgesetzt, daß bei meiner mißlungenen Demonstration dieser unsinnigen Techniken die ganze Klasse rausgehen musste, damit mich, wie ich es unserem lieben Sportlehrer unterstellt habe, dieser nicht noch bewußt zum Gespött macht.Eine 5 in Volleyball habe ich trotzdem bekommen, dafür konnte ich dann bei den Bundesjugendspielen im Winter mit meinen kunstturnerischen Fähigkeiten brillieren.
Hanne Soya
28.06.2000, 09:53
@Kezia
Ach ja, Matritzen! Schnueffel...
Und die Physik-etc.-Lehrer mit ihren Schnappkoefferchen. Unser Physiklehrer zog aus selbigem immer eine Anwesenheitsliste, die er herumreichte, damit wir unsere Namen darin eintragen. Bisweilen rief er den Namen eines Schuelers auf, der es angeblich versaeumt hatte, eine Entschuldigung fuer eine Fehlstunde vorzulegen. Man ging dann zu ihm nach vorn, sah sich die Anwesenheitsliste des entsprechenden Tages an, zeigte auf seinen Namen und meinte 'noeh, wieso, da habe ich mich doch eingetragen'. Das Ganze diente dem Lehrer als fadenscheiniger Vorwand, um sich unsere Namen ins Gedaechtnis zu rufen. Es ging auch das Geruecht, er habe mal jemandem eine 4 fuer die muendliche Mitarbeit gegeben ('in letzter Zeit zu still'), der bereits ein halbes Jahr nicht mehr auf unserer Schule war...
@Patty:
Volleyball war auch mein Leidensfach. Geschwollene Handgelenke, wehe Finger, und wozu das alles?! Meine letzte Volleyballstunde beschloss ich mit den Worten: 'Heissa, nie wieder!' Wir hatten einen Lehrer, der uns gleich zu Anfang des Schuljahres jeweils mindestens einen gebrochenen Finger in Aussicht stellte. Diese Aufwaermrede hatte bei mir den Effekt, dass ich mich nur noch geschont habe. Und jubiliert, als ich endlich auf 'taenzerische Gymnastik' umwaehlen konnte.
Aber schon erstaunlich, dass Lehrer immer wieder meinen, man muesse sich fuer ihr Fach mit einer selbstmoerderischen Leidenschaft begeistern.
Astrid Barrera
28.06.2000, 20:09
oh ja, volleyball! von allen anderen abartigen ballsportarten die fürchterlichste! ich habe nie verstanden, warum sämtliche sportlehrer auf dieses total beknackte spiel abgefahren sind, bei dem mir bis heute nicht die reihenfolge der spieler, die den ball beruehren duerfen, klar ist! abgesehen davon war ich als brillentraegerin sowieso allen fliegenden baellen abgeneigt... und die zicken, die sich mit verve in dieses spiel eingebracht haben (damals hiess das ja noch so...), und sich dann aus vollem lauf auf die knie fallen liessen, sich die handgelenke verstauchten und alle anderen angeschrien haben, die eigentlich drangewesen waeren (mich zum beispiel, aber ich hatte es wie immer nicht mitbekommen!), die waren auch nie meine freundinnen. warum wohl?
Hanne Soya
29.06.2000, 11:31
Ich hoere den Ruf noch wie heute:
'Hanne, steh' da doch nicht so untaetig 'rum!' - Dochdoch, ehe ich mir das Handgelenk verstauche
Konstantin Opel
29.06.2000, 15:54
Seltsam, die Verschlüsse der Lehrer-Koffer (kein Leder, Plastik mußte reichen) höre ich bis heute schnappen. Sie waren für Pädagogen der frühen Achtziger wohl so typisch wie die Kombination Strickjacke/Bundfaltenjeans oder der weiße VW Passat.
Es herrschte damals im Lehrerzimmer ein Kampf der Generationen, den wir als Schüler nur vage ahnten und erst Jahre danach bestätigt bekamen (Schulfest, drittes Bier, vorgehaltene Hand). Es mißtrauten die Pädagogen der 68-er Generation ihren schon graumelierten Kollegen, deren Schlüsselerfahrungen ö wie beim damaligen Bundeskanzler ö die frühe Nachkriegszeit geprägt hatte. Als Schüler wußten wir genau, bei wem wir welche Meinung vertreten durften, ohne unsere Epochalnoten zu gefährden.
Schülerzeitungen wurden noch mit großer Pedanterie Korrektur gelesen und bei Bedarf zensiert. Die falsche politische Meinungsäußerung konnte die Versetzung kosten. Gelegentlich rutschte ö in der Unterstufe ö auch noch eine Pädagogen-Hand aus: Die Schulleitung ließ entrüstete Eltern dann wissen, dass das gesamte Kollegium hinter gerade dieser Lehrerin stünde. Das reichte meist.
Schule und Lehrer in den Achtzigern? Das bedeutete, in Stichworten: Wenig Verständnis, erschütternd hoher Anteil an Frontal-Unterricht, völlig undurchlässige Hierarchien, erschreckende Willkür, der Triumph des Mittelmaßes (diese Schüler hatten niemals Probleme, weil sie prima funktionierten), Wissen in Bruchstücken, gelegentlich eine Offenbarung im Referendariat, die dann doch die Schule wechselte, belohntes Kriechertum und das gleichzeitige Erstaunen über mangelnde Urteilsfähigkeit. Schule und Lehrer in den Achtzigern? Nie mehr so viel Erleichterung verspürt als an dem Tag im Februar 1986, an dem es endlich vorbei war.
MrsMadrigal
15.07.2000, 19:42
Meine Erinnerungen an die Schulzeit in den 80er Jahren sind auch vorwiegend geprägt von solchen, die man lieber verdrängen will. Da gab es Mathematiklehrerinnen, die Mitschülerinnen in den Wahnsinn trieben, Mathematiklehrerinnen, die einer 15jährigen die Frage stellen: XY, was kann es in deinem Leben wichtigeres als die Schule geben?'
Da gibt es Erinnerungen an GK bzw. Ek-Stunden, die eineinhalb Jahre über die DDR gingen - egal welches Fach, da gibt es Erinnerungen an Frontalunterricht, Frontalunterricht, Frontalunterricht. Mir persönlich waren die etwas verschrobenen Alt-68er tausendmal lieber als die konservative 'Ich habe den Krieg miterlebt'- Generation.
Ach ja, nicht zu vergessen ein Direktor, der morgens die Ausgänge wieder verschloss, um in der Aula hinter einem Pfosten, am einzig offenen Eingang auf Zuspätkommer zu warten.
Aber natürlich- es gab auch fähige, interessierte Lehrer.Allerdings weoß ich nicht, ob das der danach psychisch noch angeschlageneren Mitschülerin etwas genutzt hat.
Firmian Maierhofer
18.07.2000, 18:49
Ich bin ja nun männlich, aber auch ich habe dieses Volleyballspiel gehaßt wie die Pest. Ist also kein rein weibliches Problem. Und bei uns wurde ständig Volleyball gespielt - es gab kaum anderes, egal wie das Thema (in der Oberstufe konnte man das wählen) hieß.
Allerdings waren die meisten Klassenkameraden ganz scharf auf Volleyball, ich vertrat da eine absolute Mindermeinung.
Das erstaunliche an ehemaligen Lehrern ist, wenn man sie nach vielen Jahren (z.B. beim so-und-sovielten Abitreffen) wieder trifft. Irgendwie sind sie einem vertraut und dann doch wieder sehr fremd - grauer und faltiger geworden. Manche grüssen einen, ohne zu überlegen, mit dem Vornamen - nach all den Jahren! Irgendwie beeindruckend! Nichts desto trotz stellt man nach einiger Zeit fest, dass man sie irgendwie größer in Erinnerung hatte.
noch etwas zum thema schulsport:
weitaus furchterregender als volleyball war meiner ansicht nach: gymnastik/tanz!!!!
gab«s das nur an unserem gymnasium?!
als ich 1981 in die 5. klasse kam, war unser klassenlehrer 28. wir fanden ihn voll cool (vor allen dingen die mädels).
er war immer super modisch gekleidet (nein, keine ironie) und hat uns das gefühl gegeben, schon richtig erwachsen zu sein.
wenn er uns zur ruhe bringen wollte, sprach er uns mit 'hey, people!' an.
wir fanden das umwerfend - vor allen dingen nach der grundschulerfahrung. unsere grundschullehrerin war schon damals ende 50!
le_reptile
10.10.2000, 18:35
sportunterricht:
bei uns galt die devise
'boden, barren, reck
sind der letzte dreck'
Harald Leinweber
11.10.2000, 15:22
Guten Tag!
Sport ist Mord
bzw.
Jede Bewegung schadet dem Körper.
Konnten wir aber leider nicht durchsetzen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit
Harald Leinweber
be richter
11.10.2000, 15:28
Oh jeeeh Spangie...du hast ja so recht....schwebebalken und die dämlichen bänder, die man anmutigst in der luft herumwirbeln musste (wie hießen die eigentlich?), ganzganzganz furchtbar...ich war die grösste enttäuschung für meine sportlehrer, da ich klein und zierlich war und das seiner meinung nach anmut nach sich zog....ich dagegen fiel jedes mal wie ein nasser sack spätestens nach 30 sekunden runter...irgendwannmal entschied ich mich dann, nicht mehr in den sportunterricht zu gehen....einer 6 in sport wegen leistungsverweigerung konnte ich mich entziehen, indem ich einmal in seiner umkleidekabine mit ihm rumknutschte, als er mich kurz vor der notenabgabe in seine stunde zitierte....es war ein fairer deal....ich bekam ein befriedigend *breitgrins* für 5 minuten zungengeschlabbere....und ich werde nie den geruch der umkleidekabine vergessen ;-)
Lehrer in den Achtzigern; mein Gott, welch ein Thema! Ich glaube, kaum ein anderes Jahrzehnt hat eine solche Palette an verschiedenen Lehrertypen gesehen wie dieses. Die von der alten Schule, für die 'Gruppenarbeit' ein Wort war, das sie nicht kannten. Daneben die in den Siebzigern politisch sozialisierten Junglehrer ('Also, ich fänd' das irgendwie total gut von Euch, wenn ihr da jetzt 'mal aufpassen könntet'). Ich kann mich (Gymnasium von 1978-1987) noch sehr gut an Vertreter dieser Stereotypen erinnern und frage mich heute (da ich selbst inzwischen Lehrer bin), wie wir mit diesem ständigen Wechsel der Unterrichtsformen eigentlich umgegangen sind. Gott sei Dank sind die Junglehrer von heute insgesamt normaler, d.h. nicht so ideologisch verbohrt wie in den Siebziger/Achtzigern
(Beitrag wurde von Bengt am 12.10.2000 um 18:11 Uhr bearbeitet.)
Raphael der Himmlische
17.10.2000, 21:29
Hallo allerseits!
Ich hatte das Thema im ZEIT-Forum schon versucht darauf zu bringen ... ich hatte eher die Streiche meinerseits im Blick ... aber es sagt auch was ueber die Lehrer aus. Daher stelle ich da auch nocheinmal hierein:
Im Rueckblick wirken die meisten Dinge des Lebens ja doch eher positiv! Das muss ich ja beinahe auch von der Schule sagen. Erheiternd ist jetzt im Rueckblick vor allem, was man damals so angestellt hat! So war es mir und einem Schulfreund in der 6. Klasse z.B. ein innerliches Beduerfnis, in der grossen Pause einmal zu versuchen, eine Pyramide aus Tischen und Stuehlen zu bauen. Wir verbauten also das gesamte Inventar des Klassenzimmers! Als wir dann gerade dabei waren, die letzten beiden Stuehle mit Fausthieben unter der Decke des Klassenzimmers zu verkeilen, kam
dummerweise die Aufsicht hinein! Die Lehrerin meinte, sie wolle gnaedig sein und gab uns nur einen Eintrag ins Klassenbuch - den Ort, wo man gemeinhin solcherlei Anfaelle anarchischer Heiterkeit zu aechten pflegte! Ich fand das damals schon boes humorlos!
Einen Eintrag habe ich doch schon fuer weit geringfuegigere 'Vergehen' bekommen:
Etwa, weil ich in der Mathearbeit nach der Uhrzeit fragte - das ginge mich nichts an,
meinte der Lehrer! Oder weil ich mal meine Hausaufgaben vergessen hatte!
Aber ohnehin werde ich die Humorlosigkeit einiger Lehrer nie vergessen. So bekam
z.B. vor meinen Augen ein Sextaner einen Tadel, weil er sich vor unserem Direktor
namens Dallmann stellte und Hary Belafontes 'Hey Mr. Dalliman ... ' sang! Dabei war
das doch wirklich mal lustig!
Beliebt waren auch andere Spielchen! So z.B. das 'Busfahrerspiel': Wenn man in fuenf Zweierreihen hintereinandersitz, ist der, der vorne links sitzt der Fahrer ... alle anderen maches seine Bewegungen nach, legen sich also entsprechend in die Kurve oder federn beim bremsen ... da macht die Stunde ploetzlich Sinn!
Aehnlich gut war das Wasserbombenspiel: Ein Ballon am Wasserhahn des Klassenzimmers angschlossen, gaaaanz leicht aufgedreht ... und dann heissts warten!
Auch gut war die Sache mit den alten Kaesebroten: An die Decke druecken und warten. Ein hervorragender Ort hierfuer war genau ueber dem Lehrerpult!
Dangerzone!!!
Unspassige Gesellen scheinen ja auch generell die Spezies Hausmeister zu sein! Ich durfte einmal die Toiletten mit einer Eisenstange saubermachen ... dabei hatte ich es doch gut gemeint, als ich die erste Portion 'Gebrannte Mandeln' (leider ein Fehlversuch!) im Klo entsorgen wollte! Der Hausmeister meinte nur, Austernbaenke - denn so sah mein Kunstwerk wohl aus - seien in einer Schultoilette nicht angebracht! So ein Miesmacher ... dabei sind doch fortan alle nur noch auf das Klo
gegangen! (Ehrlich, und bei Beuys regen sich alle auf, wenn jemand etwas Butter aus der Ecke kratzt!)
Ein anderer Gesell verdammte mich zum Muellsammeln ... nur weil ich meinem
Mitschueler, der wohl versehntlich meinen Ranzen mit einem Abfalleimer verwechselt hatte, sein Schulbrot, zaertlich gezielt auf seinen Kopf, wiedergeben wollte. Na ja, ich habe halt eine grosse Pause lang Caprisonne-Tueten gesammelt.
Und die Rache hierfuer bekam er auch prompt! Ich habe dann eine Kakao-Tuete, die noch voll war am Ende einer Treppe plaziert. Mit dem Strohhalm darin war die Illusion einer leeren Verpackung perfekt ... der naechste Schueler, der kam, konnte gar nicht anders, als dort raufzuspringen ... Und das durfte dann der Hausmeister wegmachen!
Wie sieht's denn bei Euch so aus mit der Schulzeit und was habt Ihr so angestellt,
wuesste zu gerne
Euer Raphael
Meine Lehrer waren das übliche (Spät-)Achtundsechzigerzeugs, aber herausragend war mein Tutor, bei dem ich Deutsch, Philosophie UND Gemeinschaftskunde hatte, d.h. bis zu zwölf Wochenstunden bei demselben Kerl. Der war Jude von Geburt und Prägung, auf der Waldorfschule erzogen und dann Rosenkreuzer geworden Ualles, was ich bei Umberto Eco gelesen habe, hab ich bei dem schon gehört...)Er war auf dem Bildungs- und dem Gruppendynamik-Trip. EInmal sind wir mit der Tuti-Gruppe auf eine Wochenendfahrt gegangen, und er merkte, daß es in der Gruppe nicht so gut lief. Also hat er uns an einen Tisch gebracht, trinken lassen und daruf gewartet, daß der Wein (es war ein ziemlich guter) die Zungen löst. Und das hat er!!!
Morgens hatten wir alle einen Kater, einen echten und einen moralischen. Mann, haben wir uns Dinge gesagt!
So waren dieLehrer in den Achtzigern (die Stimmung in der Gruppe hat sich bis zum Abi nicht wesentlich gebessert..)«. Grüße, Lorenza
Captan Chaos
30.10.2000, 23:10
Sag mal hat denn keiner von Euch die zeiten erlebt, als alle Mädels wie verrückt im unterricht gestrickt haben ? pulover, westen und vor allem immer wieder diese stulpen, die man(n) um die waden trug :-( sah dann echt tuntig aus auf den leichtkrafträdern.
ach ja und diese gruppendynamik... wir haben alles und jeden verstanden und wollten über alles diskutieren...
von der deutschen einheit, die zugegebenermasen anfang der achtziger keinen aus unserer generation (1966) wirklich ernsthaft bedrückt hatte. ausser bei einer zugfahrt 1984 nach berlin als der zug nach dem grenzübergang auf ddr gebiet angehalten, und alle abteilungen von vopos mit spürhunden durchsucht wurde ... da sind wir dann doch 'n bischen von unserer wessirealität abgekommen
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Lieber Captain Chaos!
Doch ich hab die Strickzeiten miterlebt, nicht aktiv, weil ich nur zu Hause im stillen Kämmerlein gestrickt habe. Aber besagter Lehrer (s. obiges Schreiben) rastete in einer Philosophiestunde angesichts der ganzen strickenden Frauen regelrecht aus und verbot es bei gräßlichen Strafen und zwar aus Gründen der Frauenemanzipation: Wir wären ja wohl über dieses strickende Hausmütterchengetue weg, oder? Wer das nicht sei, solle woanders hingehen, er könnte es nicht mehr ertragen! Find ich heute riesig komisch.
Die Strickerei ging in meinen ersten Uni-Semestern (ab WiSe 1985) fröhlich weiter, da waren es allerdings unförmige lila Etwasse, häufig auch von Männern fabriziert, die mit Sondererlaubnis in Fareunseminare 'durften'. Tja, irgendwie gehören Stricken und Feminismus ja wohl doch zusammen.
Gruß, Lorenza
hallo chaos, hallo lorenza,
nicht nur mädchen haben gestrickt... ich auch.
in der 4. klasse einen braunen schal mit noch brauneren fransen (er wurde sogar beim schulfest ausgestellt, als einziger!)
und dann in der oberstufe richtig ernsthaft. bei uns gabs nur drei jungs in einer sonst reinen mädchenklasse, da musste man eben ein paar zugeständnisse machen...
oli
Gestrickt habe ich auch wie eine Weltmeisterin in der Schule. Ich habe sogar mal ein hellblaues Kleid gestrickt samt Jacke. Wir hatten aber auch jede Menge freie Stunden. Ich war auf einem Wirtschaftsgymnasium und da gab es keine Klingeln, die Lehrer sagten immer, man wüßte wann die Stunde anfängt und schließlich müßte man interessiert sein pünktlich zu sein, denn man wollte ja sein Abi bestehen. Also, auf jeden Fall, haben wir in den Pausen gestrickt und Kaffee getrunken (wir hatten auch eine Cafeteria in der Schule) und speziell ich habe jede Menge Snickers als Nervennahrung verbraucht. Ich kann mich erinnern, ich hatte ein Strickheft,ich glaube CARINA, da waren nur so tolle Pullis drin, das Heft hatte ich jahrelang. Letztens hat eine ehemalige Schulfreundin danaach gefragt, ob ich das noch hätte, die Pullis darin wären ja immer noch hip, aber ich habe es wohl irgendwann entsorgt. Sie meinte: Wie kannst du nur den Brockhaus des Strickens wegwerfen.
Hi Silvia,
jetzt landen wir im falschen Thema, denn hier geht es ja um Schule, aber die Zeitschrift hatte ich auch jahrelang (falls du nicht Carina meinst, sondern Nicole: da waren auch super Schnittmuster drin). Ende 89 wurde das Konzept noch mal verändert, dann wurde sie noch besser, aber leider nach vier Ausgaben dieser Art eingestellt.
Erinnert sich
Lorenza
(außerhalb des Unterricht etwa 8 Modelle nachgestrickt)
Hi Lorenza,
ja du hast recht, die Zeitung hieß NICOLE. Leider kann ich bis heute nicht nähen und habe somit die Schnittmuster nie gebraucht. Ich glaube, demnächst kaufe ich mir mal wieder eine Strickzeitung und klapper los.
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