Vollständige Version anzeigen : Übergangszeit 80er
Hallo 80er-Fans,
wie ich finde, spiegeln die Beiträge sehr deutlich die Zerrissenheit der Jugend in den 80ern wieder. Einerseits noch ganz Kind der 60er und 70er mit dem sozialpädagogischen Getue und der Betonung des 'kritischen' Denkens, andererseits aber auch schon in Ablehnung der Elterngeneration spassorientiert und individualistisch.
Ich kann irgentwie beide Denken verstehen.
Wenn ich die Meinungslosigkeit und unidealistische heutige Zeit sehe, sehne ich mich aber schon etwas nach den (fruehen) 80ern zurueck, auch auf die Gefahr hin, nostalgisch zu sein....
So long...
Ich finde das Bild unserer Generation, das Rolo dargestellt hat, viel zu negativ. Ich habe mich überhaupt nicht zerrissen gefühlt in den 80ern und ich finde, wir haben Glück mit unserer Kindheit gehabt. Eine Generation vor uns hat man die Kinder noch doktrinär antiautoritär erzogen. Wir sind mit großer Sicherheit und mit allen Freiheiten aufgewachsen. Wir haben höchstens unter Öko-Quark mit Leinsamen zum Nachtisch gelitten. Und das wir als Protest oder Gegenbewegung zu unseren Eltern so spassorientiert und individualistisch seien. Dahinter steckt wohl auch der Vorwurf, wir seien eine oberflächliche Generation ohne Gefühle und Ansichten. Ich glaube nicht, dass wir individualistischer als andere Generationen sind. Und das mit dem Spassorientiert. Ich kann es nicht mehr hören. Das kommt doch immer von Nachrichtensprechern zu Bildern von der Love-Parade. Was verdammt, ist denn schlecht daran, wenn sich die Leute amüsieren. Der Gegenschluss, eine Generation, die eine so ausgeprägte Spasskultur hat, interessiert sich nicht mehr für politische oder existentielle Fragen, halte ich für falsch.Wir lassen uns sicher kein x für ein u vormachen. Wir lassen uns nicht mehr von Ideologien einspannen. Wir sind wirklich frei und das äußert sich auch darin, dass unser Engagement nicht mehr so laut ist wie das der 60er und 70er und das wir Spass haben können.
Hallo Diana,
vielleicht missverstehen wir uns, aber mein Anliegen war nicht, die HEUTIGE Jugend zu kritisieren (auch wenn ich die Dinge - Love Parade etc. - etwas anders sehe als Du.
Damals in den 80er war man eben zumindest zu einem Teil noch nicht so, wie Du die heutige Jugend beschreibst. Antiautoritäre Erziehung, aber auch ein insgesamt politischerer Zeitgeist mit in der Rückschau seltsam kleinkariert anmutenden Themen (Waldsterben, Walfang, Unterdrückung in der Schule, Startbahn West, Volkszählung, Kiesling Affäre, Bitburg und selbst die Nachrüstungsdebatte erscheint im nachhinein völlig überzogen), die ein insgesamt unheilschwangeres Weltbild konstruierten, waren in meinem Bekanntenkreis die Regel.
'No Future' war ja auch eine Losung.
Bis die Tage...
Lieber Rolo,
ich habe schon gemerkt, dass es Dir mehr um eine nostalgische Rückschau auf die 80er als um eine Kritik an der heutigen 'Jugend' geht. Du verbindest Deine Rückschau dann aber doch mit der Charaktiersierung der heutigen Zeit als meinungslos und unidealistisch. Wohl auch als oberflächlich.
Nun weiss ich nicht, wie viele Jahre uns trennen. Ich bin Jahrgang 1971 und damit auch schon keine Teilnehmerin der Love-Parade mehr. Aber wir gehören nun mit den End-Teenies und Anfang-Zwanzigern zu einer Generation. Und ich finde die Frage sehr interessant, wie denn unsere Generation zu charakterisieren ist. Wenn dieser Versuch denn gemacht wird, dann immer in Deinem Tenor: Spassorientiert, meinungslos, ohne Idealismus, oberflächlich. Ich finde diese Kritik überzogen bis falsch. Dazu einige Anmerkungen:
Schon immer fanden sich die Generationen selbst immer am besten. Das war schon unter den Römern so, die nachfolgende Generationen immer zu weichlich fanden (auch wenn sich das, was unter Weichlichkeit verstanden wird, im Laufe der Zeit geändert hat), und ich meine mich auch zu erinnern, einen über die Jugend seines Alters klagenden Ausspruch Goethes gelesen zu haben.
Wenn es -- sofern man dies überhaupt tun sollte -- um die Charakterisierung einer Generation, um ihre 'Güte' für die Gesellschaft, geht, dann kann doch nur die Frage nach ihrem Verantwortungsbewusstsein gehen. Was ist per se gut daran, eine ausgeprägte Spasskultur zu haben. Wir leben in einer Zeit mit einem breiten gesellschaftlichen Konsens. Die Kämpfe sind gekämpft. Es geht um die Weiterentwicklung, Verbesserung innerhalb des bestehenden Systems. Das ist sehr viel weniger medienwirksam und sehr viel anstrengender als ständig große gesellschaftliche Konflikte durchzudiskutieren. Außerdem sind wir eine Generation, der bereits sämtliche polistischen und persönlichen Freiheiten erkämpft wurden. Das ist schön, aber es ist auch sehr schön anstrengend, diese persönlichen Freiheiten mit eigenen Werten zu füllen. Der breite gesellschaftliche Konsens ermöglicht es uns, uns zurückzuziehen in das Private. Denn wir haben Vertrauen darauf, dass das politische System die Probleme lösen wird. Und es ist nun auch nicht so, dass sich keine Menschen finden lassen, die bereit sind, in diesem System zu arbeiten. Ich halte das nicht für Verantwortungslos. Ich bin auch sicher, dass sich unsere Generation immer dann vehement zu Wort melden wird, in dem die Dinge nicht mehr gut laufen.
Gegenfrage: Was ist per se gut daran, alles und jedes mit der Haltung zu diskutieren, morgen beginne die Apokalyse. Das ist auch ein Rückzug aus der Verantwortung. No future war eine Losung? Wofür steht sie denn für Dich? Vielleicht war ich noch ein bisschen jung, hier aber eine kleine Anekdote zu 'No future': Als ich 12 oder 13 Jahre alt war, sagte ich zu meiner Grossmutter, ich hielte es für unverantwortlich in der heutigen Zeit, Kinder in die Welt zu setzen. Daraufhin sagt meine Großmutter, ja was soll ich denn da sagen; ich habe meine Kinder in der Kriegs- und Nachkriegszeit bekommen als es nichts gab.
Viele Grüße,
Diana
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