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Vollständige Version anzeigen : 2001 - Odyssee im Weltraum


Schocker
09.10.2001, 22:18
Das ist bisher der einzige Film, bei dem ich ernsthaft überlegt hatte, mein Eintrittsgeld zurückzuverlangen.
Es muß um 1975 gewesen sein, ich war 13 oder 14 Jahre alt. Kurz zuvor hatte ich im Vorprogramm irgendeines anderen Films Ausschnitte aus '2001' gesehen, unter anderem die Andockszene an die Raumstation im ersten Drittel. Das hatte mich SF-Fan begeistert, also mußte ich den Film sehen.
Tja, nur geblickt habe ich nichts. Keine 'normale' Handlung, keine erkennbare Dramatik, nichts von dem, was zu einem üblichen Film gehört - dazu noch ein komplett unverständlicher Schluß.
Heute, nach mehrmaligem Sehen, weiß ich, daß Kubricks Film eine der großen Meisterleistungen der Kinogeschichte ist und kann das auch begründen.
Es gibt sicher jede Menge zu diesem Film zu sagen, aber ich wüßte erstmal gerne, ob es euch auch so gegangen ist wie mir und euch dieses Werk beim ersten Sehen völlig ratlos zurückgelassen hat.

Murmel
09.10.2001, 22:32
Über den Film lässt sich sehr viel schreiben. Dass er erst zu floppen drohte, doch durch einen DJ, der die psychodelischen Bilder der letzten Sequenz in einem Club mit Musik unterlegte, zum absoluten Kultfilm wurde. Dass er damals noch auf riesigen Leinwänden gezeigt wurde, die leicht gebogen waren. Dass er unter Einfluss von THC noch länger, aber auch intensiver ist...
Ich habe die Anfangssequenz das erste Mal in der 7. Klasse im Religionsunterricht gesehen. Unser Lehrer zeigte uns gerne Filme, vor allem die Flintstones. Irgendwie wollte er uns damit wohl an Kubrick führen.
(Beitrag wurde von Murmel Clausen am 09.10.2001 um 20:32 Uhr bearbeitet.)

Herr Genista
10.10.2001, 00:51
Mir gefällt von all den rankenden Mythen der am besten, daß die Filmmusik wie üblich anhand einer vorläufigen Auswahl von Titeln komponiert werden sollte und wurde. Dann hörte Kubrick die Kompositionen und entschied, nun doch seine ursprünglich gewählten Klassiker zu nehmen. Der Komponist weinte vielleicht ein wenig, aber der Film wäre ohne die bekannten Klänge der blauen Donau und Zarathustras sicher weniger so, wie er nun mal ist: beklemmend schön.
Gerne wüßte ich, ob der Komponist noch lebt, und was er dazu sagt. Aber ach, ich weiß es nicht.

Schwarzes Schaaf
10.10.2001, 18:45
Saulang der Film, aber ich bin jedesmal gebannt von den Bildern die einem geboten werden. Die Lager sind eben gespalten, man hasst ihn oder liebt ihn, dazwischen gibt's wenig. Was die Handlung angeht kann ich das irgendwo verstehen, aber Kubrick's Inszenierung in diesem Film ist unbestreitbar eine der grossartigsten der Filmgeschichte.

Larry Erbs
11.10.2001, 02:00
György Ligeti heisst der Mann, er hat sich mit Kubrick total zerstritten, wegen einer Tantiemensache glaub ich. Kubrick verwendete auch in Shining und Eyes Wide Shut Musik von ihm.

PeterLu
13.10.2001, 04:08
@schocker: ja, ähnliches Erlebnis. Habe 2001 erstmals mit 14 oder 15 gesehen. Science Fiction waren für mich bisher die ersten 200 Perry Rhodan-Hefte gewesen, die ich mir regelmäßig vom etwas älteren Nachbarssohn ausgeliehen hatte, dazu noch die 70-Pfennig-Hefte aus dem Zauberkreis-Verlag und der 'Terra'-Reihe, die man beim Secondhand-Händler immer 2: 1 in neuen Lesestoff tauschen konnte. Da gab es Imperien echsenhafter Monster, gewaltige Weltraumschlachten, Telepathen, Telekineten, rebellische Roboter und jede Menge Laserkanonen. Die Zukunft sah aus wie das Starlight-Casino und die Kommandobrücke des Raumschiffes Orion.
ja, und dann dieser Film, in dem es das alles nicht gab. Aber in dem der Weltraum wirklich kalt und leblos war. In dem man eben nicht per Hypersprung innerhalb einer Woche drei Galaxien abhaken konnte, sondern monatelang in diesem unsere winzigen Sonnensystem herumkrebste.In dem die Aliens nicht einmal zu sehen waren und man trotzdem eine Ahnung davon bekam, wie ganz und gar anders sie wirklich sein könnten.
Danach habe ich mir keine Perry Rhodan-Hefte mehr ausgeliehen.

James Dean Brown
13.10.2001, 05:00
'Sie befinden sich kurz vor dem Quantensprung zu einer phantastischen Reise jenseits menschlicher Begriffsmöglichkeiten.'
Schocker, gerade weil der Film quote: keine 'normale' Handlung, keine erkennbare Dramatik, nichts von dem, was zu einem üblichen Film gehört - dazu noch einen komplett unverständlichen Schluß hat, habe ich ihn verehrt. Dazu Ligeti, Form- und Farbräusche dirigierend - das sind unerlässliche Stilelemente, um mich cineastisch aus der Bude zu locken. Das Werk wurde übrigens in Frankfurt wöchentlich zur SonntagsmatinŽe um 11.00 Uhr über ein Jahr lang gezeigt und war meistens gut besucht.
Das Originalkinoprogramm der Uraufführung von 2001, 1968, gibt's hier:
<A HREF='http://www.visual-memory.co.uk/2001/index.shtml' TARGET=_blank>http://www.visual-memory.co.uk/2001/index.shtml</A>
------------------
If we get a signal from outer space, what should we do about it? Should we answer it and invite visitors, or should we ignore it and continue to live in the universe as if we are alone?

Elpenor
13.10.2001, 06:49
Die Information mit Ligeti hat mich am meisten fasziniert. Noch eine Frage: HAL steht für ... vergessen. Aber die Abkürzung ist noch ein eingebautes Rätsel. Bekannt?

PeterLu
13.10.2001, 12:38
Schlag nach bei Arthur C. Clarke: 'HAL war eine Abkürzung für &gt;heuristisch programmierter algorithmischer Computer&lt;, ein Meisterwerk der dritten Generation von Elektronengehirnen'.

Murmel
13.10.2001, 12:59
Dazu kommt das alte, kleine Spielchen mit den folgenden Buchstaben der Abkürzung - H(i)A(b)L(m). HAL vs. IBM.

Prof_Bienlein
13.10.2001, 16:42
@ Schocker
Hätte ich den Film mit 14 gesehen, wäre es mir sicher wie dir beim ersten Ansehen ergangen.
Ich sah ihn jedoch erst innerhalb des letzten jahres zum ersten mal - und war begeistert!
Herr Genista hat eine sehr schöne Beschreibung formuliert: 'Beklemmend schön'! Das trifft es genau!
Und ich finde es vor allem mutig und beruhigend, dass sich ein Regisseur die Zeit nimmt, derartige Schönheiten richtig auszukosten, sich nicht diktieren zu lassen, nach ein paar Minuten Handlungsstillstand zu schöner Musik und schönen Bildern schnell wieder eine heftige Action-Sequenz bringen zu müssen - und ich freue mich, dass der Erfolg beim Publikum ihm dann auch noch recht gibt!
Eine kleine Anmerkung noch zu den deutschen Synchronstimmen: Die Stimme des Computers ist mit - ich glaube ihn zumindest erkannt zu haben - Peter Schiff einfach ideal besetzt!

Schwarzes Schaaf
13.10.2001, 20:05
Wenige Szenen der Filmgeschichte erfuellen mich mit so viel Grauen wie die, in der HAL die Lippen der Astronauten liest. Man weiss einfach, dass irgendetwas schlimmes passieren wird, aber man kann nichts dagegen tun. Die Stille ist kaum auszuhalten, so laut ist sie.

Werrnerr
18.05.2002, 22:58
So ungefähr mit 20 Jahren habe ich "2001" zum ersten Mal gesehen, in einem höchst ungemütlichen Kino. Damals, zu Beginn der 80er Jahre, gab es im Sommer in Aachen immer ein Kino-Festival, wo jeden Tag ein anderer Film lief. Erst vor kurzem war "Shining" erschienen, im Fernsehen lief mit stiller Regelmäßigkeit "Wege zum Ruhm", und ich hate schon viel über "2001" gelesen. Also war dieser Film Pflichtprogramm für mich.
Aber: was hab ich mich gelangweilt. Die Eingangssequenz mit den Affen, die Knochen als Waffe entdeckten, war das endloseste (dieser paradoxe Superlativ sei erlaubt), was ich bis dahin gesehen hatte. Eine Raumstation bewegt sich zu "An der schönen blauen Donau". Eine Geschichte war für mich schwer zu entdecken. Mit dem betonartigen Objekt konnte ich auch nichts anfangen.
So verging die Zeit.
Im vorigen Jahr wurde "2001" neu veröffentlicht. Leider habe ich nicht die Zeit gefunden, mein Urteil revidieren zu können. Und "2001" als Video dürfte wohl nicht angemessen sein, oder?

Zerebrum
18.05.2002, 23:35
Supi-Strang, hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

lilsista
18.05.2002, 23:49
Soweit ich weiß, hat Kubrick die Auswahl der Sychronsprecher für HAL selbst getroffen.
Und ein Geheimnis (zumindest) der Original-HAL-Stimme ist, dass sämtliche Atemgeräusche herausgeschnitten wurden. Das macht den freundlichen Singsang trotz des menschlichen Klanges unheimlich.

D. John
18.05.2002, 23:55
Zu 2001 kann ich erstmal nur sagen, das die Filmmusik mir garnicht gefallen hat, das Chorgesäusel der Monolithensequenzen verursachte mir als 12-Jährigem damals schlaflose Nächte. Und der dazugehörige Film war auch nicht unbedingt mein Ding.
Überhaupt ist diese ganze Art von Filmen nicht mein Ding; diese unglaublich düsteren, unglaublich sterilen, unglaublich nihilistischen und unglaublich anstrengenden filme jener Zeit. Sie sind sicher interessant, aber wirklich nicht jedermanns Sache.

Tiffany Nudeldorf MD
19.05.2002, 03:20
Eine große Sache an dem Film ist sicher die Beherrschung der Langsamkeit, für mich einzig noch von Once Upon a Time in the West von Leone übertroffen: wer einmal 2001 in übermüdet alkoholisiertem Zustand und mit bleiernen Augenlidern als geraffte Kurzfassung gesehen hat, vergißt diese allgegenwärtige Langsamkeit nicht mehr. Und Kubricks Stille, viel eindrucksvoller als Kubricks Musik.

Schocker
21.05.2002, 10:37
Nur ein Detail, aber wohl typisch für Kubricks Perfektionismus (und für seinen Humor?) ist die Gebrauchsanweisung für eine "Zero Gravity Toilet", die nutzerfertig ausformuliert ist, obwohl sie nur sekundenlang erscheint, so daß kein Zuschauer den Text lesen kann. Man findet ihn aber
hier (http://www.ee.ryerson.ca:8080/~elf/aso/zeroGtoilet.html) zum Nachlesen und Nachbauen.

Hier noch eine Linkliste (http://www.underview.com/2001/2001.html) zum Film.

M aus S bei H an der L
21.05.2002, 15:13
Kubricks Entscheidung den Temp-Track anstelle der von Alex North komponierten Filmmusik zu verwenden war absolut richtig. North hatte versucht, Stil und Tempo Strausss Stücke zu imitieren, aber mit einer anderen Melodie zu unterlegen. Daß er (eindeutig) scheiterte hat er verkraften und verstehen können, nicht jedoch, daß er erst bei der Premiere durch den Film selbst erfahren mußte, daß seine Musik nicht verwendet wurde.

Vor ein paar Jahren hat es für kurze Zeit eine CD mit der Musik Alex Norths gegeben, dirigiert von Jerry Goldsmith (ein enger Freund dessen Familie).
Die Musik ist nicht etwa schlecht, weil sie ungewohnt, sondern weil sie wirklich unpassend ist. Norths Zarathustra-Ersatz klingt schrecklich abgehackt und der Docking-Sequenz fehlt fast jegliche(!) Melodie.

...Mike

virchow
21.05.2002, 17:39
Ich habe wo gelesen, dass man Kubrick erst ausreden musste, die Ausserirdischen auch zu zeigen. Er beliess es dann ja auch glücklicherweise bei dem Monolithen.
Wer auch immer Kubrick davon überzeugt hat, die Aliens nicht persönlich auftreten zu lassen, er hätte auch mal mit Spielberg reden sollen.

boschofon
29.05.2002, 17:15
meinen wir eigentlich den gleichen film? abgesehen davon, dass man sicherlich darüber streiten kann, ob der film nun langweilig oder auf eine ganz besondere art faszinierend ist (was ich eher finde): wo kommen denn da aliens - auch nur andeutungsweise -vor?

M aus S bei H an der L
29.05.2002, 17:42
Die Aliens sind die, die die 'Versuchsanordnung' gebaut haben, in der sich Bowman zum Schluß befindet und den Rest seines Lebens verbringt.

Um darauf zu kommen muß man aber das Buch gelesen haben.

...Mike

boschofon
29.05.2002, 17:48
ahso. gut zu wissen. ich hab immer die lösung aus dem sequel "2010" im koppe. dann ist das wohl doch nicht so der liebe gott und so.

D. John
29.05.2002, 21:04
Die Aliens sollten laut Kubrick angeblich wie die "gehenden Männer" von Giacometti aussehen.
Diese merkwürdigen Geräusche, die in der "Versuchsanordnungsszene" zu hören sind, stammen die eigentlich von den Aliens?