Vollständige Version anzeigen : sex and the city
ein guter freund verbietet mir die sendung zu sehen. er behauptet man könne dort lediglich verblühenden yuppie-zicken dabei zusehen, wie sie mit gut betuchten männern anbändeln oder unter weibern über sex sprechen - und zwar beides auf schulhofniveau.
ausserdem sei zwar alles irgendwie offenherzig und provokant, dabei aber trotzdem verklemmt und prüde. drei lacher pro folge seien aber durchaus drin.
wer hats gesehn - wer kennt sich aus?
ich habs gerade erstmals gesehen und - was soll ich sagen? Ist halt nur ein weiterer Schritt in den maßlosen Weiten der Belanglosigkeit. Von der Ideologie her so ähnlich wie die unvermeidliche 'Ally McBeal' - aber ohne Witz und originelle Gimmicks.
Provokant? Weil 'ficken', 'durchficken', 'Super-Fick' gesagt wird und ein paar Soft-Porno-Einstellungen dazwischengeschnitten werden? hm... für amerikanische Verhältnisse vielleicht.
James Dean Brown
10.10.2001, 01:47
Ingwer, es ist alles viel schlimmer, als du es dir ausmalen könntest! Du hast einen wahrhaft guten und treuen Freund, der es wert ist, von dir bis ans Ende aller amerikanischen Neurosen die Augen massiert zu bekommen. Europäer werden diese TV-Metastase hysterischer Verklemmung niemals nachvollziehen können - das zumindest entspringt meiner romantischen Imagination einer schönen und besseren Welt, denn ich lebe in einem Märchenwald.
Lass' dir von diesem Freund öfter was verbieten, dann wirst du der glücklichste Mensch der Welt werden.
Herr Genista
10.10.2001, 03:38
Fein, daß die Vernunft regiert in den Köpfen der Menschen. Ich sah letztes Jahr hier einen Ausschnitt aus der angeblichen Hipprovokation, und es handelte sich um vier aufgebrezelte Damen am Restauranttisch, die sich über Oralsex unterhielten. Die Szene war lang und die Pointe steht hier schon drin, man unterhielt sich nämlich über, pfuibä, Oralsex. Hahaha! Igitt! Nein, diese Fernsehleute, was fällt ihnen als nächstes ein!
Das war mein erster und letzter Eindruck, und, wie es scheint, rightly so. Fein.
rron calli
10.10.2001, 03:38
Sehr ambivalent das Ganze.
Einerseits schmunzelt man darüber, dass der Amerikaner eine Serie wie diese, in der 4 semiattraktive Hühner ausleben was unsereinem kein Gähnen entlockt, als provokant und bahnbrechend sexy empfindet; andererseits ist's routiniert geschrieben und gespielt, und man entdeckt, dass es keine vergleichbare deutsche Produktion gibt.
(Beitrag wurde von rron calli am 10.10.2001 um 10:18 Uhr bearbeitet.)
Klaus Caesar
10.10.2001, 04:21
Ich habs vorhin auch zum ersten Mal gesehen und finde es im Grunde nicht so schlecht, daß jetzt auch Frauen versuchen, Fickwitze zu machen. Können sie natürlich nicht richtig, aber wie auch, wenn ihnen das Patriarchat seit zweitausend, ach was: zehntausend Jahren verboten hat, Fickwitze zu machen. Wird schon irgendwann. Noch werden die Dialoge vermutlich von Männern geschrieben, ich kann mir nicht vorstellen, daß Frauen so ticken, auch wenns blöde Yuppiezicken sind.
U_Sterblich
10.10.2001, 12:09
Alle sind reich. Die Protagonistin verdient ihr Geld Cappuccino-schlürfend mit ihrem Labtop auf dem Bett lümmelnd. Es geht ausschließlich um Sex. Man isst teuer und trifft sich in dekadenten In-Locations. Wenn die Protagonistin traurig ist, kauft sie teure Schuhe. Das ganze ist einigermaßen kurzweilig, aber fanatisch gesinnte Gläubige könnten auf die Idee kommen, dass denen mal ordentlich auf die Mütze gehört.
platt, ohrfeigig provokant, seifig, pubertär. es gewinnt, wer am lautesten vor größtem publikum 'fick mich gleich hier' sagen kann. wenn so die weibliche psyche ausschaut, werd ich schwul!
DerCaptain
10.10.2001, 14:56
Hm. Ich fands ganz nett. Besser als nix zu Weihnachten....
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'd'oh!'
frauen funktionieren aber eben nicht so. so simpel, so berechenbar und klitoralgesteuert.
wird wohl nichts werden, Stockschwuler Dreschebaer.
*mit sanftem augenaufschlag ab*
So knuddelig ich Sarah Jessica Parker bisher auch fand, das DAS ist ja mal ein überflüssiger Scheiss. Btw, hat die gute eigentlich mittlerweile so viele Sommersprossen oder war das Bild bei Euch auch so krisselig wie in den 80«ern?
Mich hat gewundert, dass noch keiner über die Ausstrahlung dieses 'Skandalsfilms' Romance X u.a. mit Rocco Sifredi auf Arte gesprochen hat. So heftige Sexszenen habe ich im ÖRR noch nie gesehen ... davon abgesehen hat der Film mich NUR genervt und ich musste dann irgendwann einfach abdrehen, weil ich das vor Langeweile nicht mehr ertragen habe.
wird übrigens am 14.10. auf Arte wiederholt.
Kusie
Schwarzes Schaaf
10.10.2001, 18:36
Dass 'Sex and the City' als provokant angesehen wird, liegt daran, dass in den USA auf 'normalen' Sendern (SATC it eine Produktion von pay TV Kanal HBO) weder nackisches gezeigt noch 'scheisse', 'ficken' usw gesagt werden darf, wie jeder der ein bisschen US TV gesehen hat bestaetigen kann. Insofern also alles relativ.
Ich finde die Serie ganz nett, wenn auch nicht uebberragend. Der Typus New Yorker Karrierrefrau wurde relativ gut getroffen wuerde ich sagen.
Welche HBO Produktion mir viel besser gefaellt: 'Sopranos'. Gut geschrieben, interessante Charaktere, und immer ordentlich was los. Badabing!
James Dean Brown
10.10.2001, 22:33
Menschenskinder, die Serie ist eine Analogie des Grundes, warum die Erektionen des WTCs schlapp gemacht haben, so.
'Sex in the City' ist nicht provokant, sondern Übersprungshandlung und Ablenkungsmanöver: Ein Armutszeugnis überkandidelter, selbstgefälliger Dekadenz, sowie armseliger Unfähigkeit zu offener, zwischenmenschlicher Kommunikation. Wer darüber lachen kann, hat nichts aus Erfahrung gelernt und ist praktisch tot.
U_Sterblich: die Tatsache, dass es 'Laptop' heisst, wäre garantiert schon ein Brüller in der Serie.
Die anämischen, bulimistischen Zicken 'Hühner' zu nennen, trifft's allerdings genau.
Eine vergleichbare Produktion könnte es in der Tat nur in Deutschland geben. Zum Glück ist man hier aber zu feige und tumb, so was auszubaden und kauft lieber teuer ein im Land der Neurosen.
Kusie: über 'Romance' zu diskutieren würde womöglich eine Stranglänge überstrapazieren. Ich hatte gedacht und gehofft, dass gerade Frauen verstehen, worum's in dem Streifen geht. Dabei ist es so offensichtlich. Subtil mit der Brechstange angesetzt, sozusagen. Die Sexszenen waren weder heftig noch provokant, sondern einfach der traurigen Realität nachempfunden.
Ende.
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Ein fanatisch gesinnter Gläubiger.
lieber jdb, wir sind neuerdings meister der übertreibung. in serien der art 'der clown' knallt und kracht es pro minute (bpm=bums pro minute) häufiger als in der bronx.
das ist übertreibung der übertreibung. wir verstehen nichts von alltagsgewalt, deshalb diese schreckliche serie. die amis verstehen nichts von zwischenmenschlichen beziehungen, deshalb 'sex in the city'.
(Beitrag wurde von roger am 10.10.2001 um 22:59 Uhr bearbeitet.)
Stockschwuler Dreschebaer
11.10.2001, 02:36
Das hör ich natürlich gern, roger.
@James McDean
Ich bin eine Frau? Wow, wusste ich gar nicht. Vielleicht im nächsten Leben. Aber nicht in diesem.
Gruß,
Mann Kusie
Schwarzes Schaaf
11.10.2001, 17:05
Man muss SATC einfach als dass sehen, was es ist: Eine etwas aufwendiger gemachte, zeitweilig schluepfrige sitcom. Wo wird denn der Realitaetsanspruch gemacht, dessen Verfehlen in diesem Strang so lautstark beklagt wird? Dass der Sender damit Werbung macht ist klar, irgendwie muss man sein Produkt ja an den Mann bzw. die Frau bringen. Die Fans von SATC haben aber glaube ich schon lange kapiert, dass die Sendung nicht mehr als Unterhaltung ist.
DREA hat's ganz gut getroffen.
ein film ist natürlich in erster linie ware.
dennoch transportiert er ein bestimmtes gesellschafts - und menschenbild, das durchaus nicht ohne einfluss bleibt.
ein umstand, der in der filmkritik in den letzten jahren mehr und mehr unter den tisch gefallen ist, denn dort ging es nur noch um fragen, wie sieht der film aus, wie fühlt er sich an, hatte ich spaß. dies sind durchaus legitime fragestellungen und dennoch fehlt etwas, oft zumindest.
'nur unterhaltung' gibt es meiner meinung nach nicht.
(Beitrag wurde von ingwer am 11.10.2001 um 15:51 Uhr bearbeitet.)
James Dean Brown
11.10.2001, 18:21
Sorry Kusie, den Name klingt vielleicht zu cosy, als dass man ihn zunächst einem Mann zuordnen würde. Allerdings hat sich das Filmverständnisproblem bezüglich 'Romance' auf diese wunderbare Weise von selbst gelöst. Vielleicht kenne ich zu viele eigenwillige Frauen, sodass ich mich über diverse Erfahrungswerte ganz gut in die Lage der Protagonistin hineinversetzen kann. Im Film finden Dialoge im konkretesten Sinne nicht statt. Frau und Mann, autistisch in ihren emotionalen Universen gefangen, reden permanent aneinander vorbei, womit ich wieder die Kurve zum eigentlichen Thema des Stranges kriege:
'SatC' betreibt auch nur das übliche Marketing, dessen sich Lifestyle-, Männer- und Frauenmagazine bedienen: sie kultivieren und kumulieren Phänomene der Kommunikationsproblematik (und Missverständnisse, die dadurch heraufbeschworen werden) zwischen den Geschlechtern, um beide in ihren trivialen Rollenspielen zu bestärken. Das bindet Rezipienten an jene Medien, über die sie ihre reaktionären Mechanismen jedes mal aufs Neue bestätigen lassen können. Ein dummer Kreislauf; würden beide Seiten sich bemühen, zu hinterfragen, zu reflektieren, sich zu interessieren, würde die Strategie gegenseitiger Aufhetzung der Lächerlichkeit preisgegeben werden.
Ausserdem: Frauen und Männer, die sich öffentlich (Talkshows, SatC) auf peinlichem oder gar keinem Niveau verbal exhibieren, machen den Sex bestimmt nicht zu einer tolleren Sache, ganz im Gegenteil. Just do it.
(Beitrag wurde von James Dean Brown am 11.10.2001 um 16:24 Uhr bearbeitet.)
@Ingwer: Weiss zwar weder welche Staffel gezeigt wird, noch ob die Synchronisation etwas taugt, aber 2 Lacherchen/akzeptable Sprueche pro Folge muessten fuer Frauen eigentlich auch in der BRD drin sein. Ich schalte HBO fuer Sex and the City gelegentlich ganz gerne ein, verstehe allerdings die Aufregung darum nicht.
Halte die Serie fuer eine mittelschlechte Sartire auf das Single-Dasein nicht mehr ganz taufrischer, frustrierter, mit Geldmitteln recht komfortabel ausgestatteter Frauen in Manhattan. Wer dahinter ein repraesentatives Frauenbild vermutet ( oder etwas anderes als den in USA geglueckten Versuch, eine Unterhaltungsserie fuer Frauen mit gigantischem Merchandising-Potential zu schaffen), der liegt m.E. schief.
Die Gespraeche der 30-45 jaehrigen Protagonistinnen kreisen im Wesentlichen um Maenner, Sexualpraktiken, Beziehungen, Sorgen um's Aelterwerden, Sinn und Zweck der Suche nach Mr. Right, Ober/Unterbekleidung und Manolo Blanik-Schuhe.
Solche Inhalte sind sicher weder als Rollenvorgabe fuer junge Maedchen geeignet, noch ist es abendfuellend, und schon gar nicht intellektuell bereichernd. Aber streckenweise recht unterhaltsam, etwa so wie hin und wieder Amica oder Cosmpolitan zu lesen.
Nacktes Fleisch und 'heisse' Szenen gibt es nicht zu sehen, ueber Sex wird vornehmlich geredet. Dabei betrachtet das Damenquartett die Maenner haeufig recht unsentimental, vielfach auch schlichtweg als Objekt. Taktiken, Tricks und Techniken der Herrenwelt kommentieren die Protagonistinnen typischweise lakonisch und manchmal auch sehr treffend.
Wirklich belustigend bis interessant anzuschauen, ist der fuer die Figuren unloesbare Widerspruch zwischen ihrer praktischen Erfahrung/Einsicht und tradierten romantischen Wunschbild einer harmonischen, Geist, Seele und Koerper rundum befriedigenden Zweierbeziehung. Das hat gelegentlich was sehr Realitaetsnahes.
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Uebrigens: Bei den Maennern heterosexueller Orientierung, die ich hier so kenne, vor allem bei Amerikanern, ist die Serie ziemlich unbeliebt. Doch ist sie erstaunlich haeufiges Gespraechstema, denn offenar haelt man die Aussagen der Serienfiguren fuer durchweg echte Einblicke in geistig/seelische/moralische Verfassung der zeitgenoessischen Grossstaedterin haelt. Entsprechend werden die Figuren dann gern mit Bezeichnungen belegt, von denen 'abgefuckte Schlampen' noch eine der harmloseren ist. Oder aber die Herren kaempfen sich durch den Argumentekatalog der Frauenbewegung. Bin immer wieder verwundert ueber die hohe Anzahl der 'Feministen', die sich entpuppen, sobald das Gespraech auf diese Serie kommt. Und wieviele als Kerls aus altem Schrot und Korn, die sich ihre Langfristpartnerinnen 'prim and proper' wuenschen, die sexuellen Sonderangebote der wie Carrie- oder Samantha-gestylten weiblichen Restposten freitags oder samstags immer wieder gerne mitnehmen.
Bigottrie scheint allerdings keine speziell amerikanischen Eigenschaft zu sein...
(Beitrag wurde von DREA am 11.10.2001 um 12:50 Uhr bearbeitet.)
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