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Vollständige Version anzeigen : filmmusik


ingwer
10.10.2001, 15:06
...ein thema nicht nur für exzentrische filmfreunde?
meine jugendliebe legte sich sonntagnachmittags gerne die filmmusik vom weißen hai oder indiana jones auf.
ich selbst mag besonders gern musik aus western, z.b. red river.
schön sind auch 'filmmusiken', die aus einem mix bekannter songs bestehen, z.b. bei the big lebowsky. die lieder bekommen eine ganz andere emotionale qualität, sind vielleicht sogar erst hörbar, weil sie mit dem film assoziiert werden, z.b. auch bei strictly ballroom (love is in the air).
bei magnolia ging es mir andersherum. im film war die musik von aimee man klasse. aber ohne film? nicht mein ding.
was ist mit musik im abspann? gibt es auch fälle, wo der titel sinn macht?
ich kenne eigentlich nur ein gutes beispiel, nämlich bei fight club, die pixies mit 'where is my mind'.
ach noch eins: bei brazil natürlich - aber da ist die ganze musik und die vielfältige variation dieses grenzdebilen themas überhaupt einfach wunderbar.

(Beitrag wurde von ingwer am 10.10.2001 um 13:49 Uhr bearbeitet.)

Larry Erbs
10.10.2001, 15:19
z.B. 'My Heart Will Go On' von Celine Dion bekommt im Film eine ganz andere 'emotionale Qualität'

naja
10.10.2001, 15:41
'Sea of love' in vielen Variationen im gleichnamigen Film. Die schönste kam erst zum Abspann und war von Tom Waits.

Kusie
10.10.2001, 15:42
Man sollte unterscheiden zwischen dem 'Score', also der - zumeist klassischen - Untermalungsmusik, die man eigentlich gar nicht mitbekommt (zumindest einen guten Score), und den Filmsongs, die ja meistens schon in den Charts sind, bevor die Filme überhaupt laufen.
Beim Score gibt es ja jede Menge 'Meister' wie Morricone, Williams, Zimmer usw. die zumeist schamlos bei den 'alten Meistern' klauen. Mein absoluter Lieblingssoundtrack stammt übrigens von Basil Poledouris und ist aus dem Film (nicht lachen) 'Conan der Barbar'. Eat this!
Mich nervt bei den Filmsongs, dass diese entweder gar nicht, kaum zu hören bzw. verfremdet oder nur im Abspann laufen. Was habe ich mich geärgert, als ich in Emmerichs 'Gozilla' (bitte keine Diskussion, ich liebe Gozilla- und Monsterfilme) das geniale 'Deeper Underground' von Jamiroquai als dudelige Version kurz in irgendeinem Gettoblaster im Film entpuppt hat - man, warum läßt man diese Songs nicht mit voller Lautstärke dröhnen, um die Stimmung zu untermalen? Wie z.B. aktuell bei Bridget Jones (die Szene auf dem Bett).
Kusie

ingwer
10.10.2001, 15:52
ja, herr erbs, ich hätte die 'emotionale qualität' als begriff jetzt auch aus meinem beitrag rausgeschmissen. zu spät.

James Dean Brown
10.10.2001, 16:10
Scheisse ist das mit dem bezuglosen Untergeschiebe und Productgeplace von Hitparadenquatsch in Kinofilmen. Warum nicht gleich 'MTV - The Film' im Kinoformat?
Unerklärlich, aber irgendwie doch: Orchestermusik statt Elektronik, auch bei den aufgeblasensten, monströs fremdartigsten, 3D-animiertesten Fantasy- und Science-Fiction-Filmspektakeln. Kein Wunder - die gesamte Hollywood-Filmkomponisten- und -Orchestermusikerlobby würde mit einem Tusch arbeitslos.
Die beste Symbiose von Film und Sound hingegen: 'Forbidden Planet' (1956); Score: Louis and Bebe Barron, die kleine, elektronische devices konstruiert haben, welche funktionstechnisch biologischen Einzellern nachempfnden wurden und deshalb einen seltsam organischen Sound generieren. Besser kann ich's jetzt nicht erklären. CD gbt's bei GNP Crescendo/Small Planet Records PR-D-001. Den Film hat jeder auf Video.

Murmel
10.10.2001, 16:15
'7 Monkeys' war - so weit ich mich erinnere - auch mit elektronischer Musik. Ganz groß: Lalo Schifrin, Bullit.
(Beitrag wurde von Murmel Clausen am 10.10.2001 um 14:15 Uhr bearbeitet.)

LilleBillle
11.10.2001, 00:08
Auch hier (wie im Strang bester Film) Buena Vista Social Club). Ich lege die DVD oft auch tagsüber ein, nur um nebenbei die Musik zu hören.

Tigerin
11.10.2001, 00:21
Was mir immer sehr gefallen hat: Die Filmmusik mit den Songs von Cat Stevens in 'Harold and Maude'.

roger
11.10.2001, 00:50
eigentlich ist die musik zu 'gladiator' sehr tragend. jedoch hörte ich etwas später bei mi2 genauer hin und fragte mich: dürfen die das? dieselbe musik zweimal verkaufen?

cosmokramer
11.10.2001, 01:04
Insgesamt finde ich Ennio Morricone und Oliver Onions (größtenteils die Spencer/Hill-Filme, aber nicht nur) am Besten.
In direkter Verbindung zum Film der Soundtrack zur Truman Show.
Genial.

Elpenor
11.10.2001, 01:09
Die leitmotivartige Musikuntermalung von 'Twin Peaks'. Natürlich das Zitherspiel im 'Dritten Mann', es fungiert als Gegensprache, eigene Lebendigkeit, ähnlich den schiefen Kameraeinstellungen. Einer Illusion wurde mir beim erneute Sehen von 'Solaris' zerstört. Hatte ich es immer als wunderbaren, schlichten Einfall erinnert, dass am Anfang und zwischendurch ein Bachscher Orgelchoral erklang, musste ich beim erneuten Sehen feststellen, dass dieser durch einen dazugespielten Streicherklang verwässert wurde. Zweischneidig, aber mich berührend: das Saxophonthema in 'Taxi Driver'.

James Dean Brown
11.10.2001, 06:36
Eraserhead: Fats Waller wurlitzert den Blues durch dauerverregnete Industrial-Landschaften, gekrönt von der Ivers/Lynch-Hymne 'In Heaven'.
Tsukerman's hysterisch-verkokste Klassik-Adaptionen bei Liquid Sky, gekrönt von der E-Punk-Miniatur 'Me and my Rhythm Box'.
Der an Witz unübertroffene Soundtrack von Wirtschaftswunder zu Tscherwonez, gekrönt vom Kiez-Schlager 'E'Successo in Kabul' (hey, das war keine Absicht; der Song ist von 1982! ).
Der gesammelte Greenaway-Nyman als Box Set.
Und - verdammt will ich sein! - natürlich meine japanische Kollektion von 10 originalen Godzilla-Soundtracks aus den 60ern/70ern: irre Barmusik, unendliche Dramatik, orchestrale Soundeffekte.

PeterLu
11.10.2001, 10:12
Schön, hier kennt noch jemand 'Liquid Sky...'
'Finding Forrester': Viel 60er-70er-Jahre-Miles Davis, dazu etwas Bill Frisell und Ornette Coleman. Zum Abspann singt ein gewisser Israel Kamakawiwo'ole 'Somewhere over the Rainbow' zur Ukulele und mischt noch 'What a Wonderful World' rein, so rührend und schön, dass die Damen im Kino feuchte Augen bekamen.

Florette
12.10.2001, 17:16
John Williams ist zweifelsohne einer der ganz Großen. Seine Themen sind weltbekannt und machen die HollywoodMegaSuperseller erst zu dem was sie sind. Beispiele: Star Wars, Indiana Jones, Der Weisse Hai. Letzterer ist ein prima Beispiel für die Wirkung der Musik zur Unterstützung der ganzen Handlung. Das Hai-Thema wurde auch bei vielen Hollywood-Komödien eingesetzt, und der Zuschauer weiss sofort, was gemeint ist: Gefahr im Verzug! Großartig!
Bevor es Videorekorder gab, hatte ich als absoluter Star-Wars-Fan sämtliche Soundtracks zum Film gekauft. Beim hören liess ich den Film vorm geistigen Auge nochmal abspielen, und es funktionierte hervorragend! Heimkino selbstgemacht!
(Beitrag wurde von Florette am 12.10.2001 um 15:19 Uhr bearbeitet.)

frosch2
12.10.2001, 20:18
Bernard Herrmann ebenso. Taxi Driver wurde von Elpenor bereits erwähnt, Vertigo gehört auch in diesen Strang.

cosmokramer
15.10.2001, 00:06
Mir fällt gerade mein absoluter Lieblingssoundtrack ein, nämlich
Pat Garret jagt Billy the kid, von Bob Dylan.
Nur wegen der Musik könnte ich mir den Film immer wieder ansehen.

Paisley
09.12.2001, 19:06
Bislang mein Lieblingssoundtrack: die beiden Filmmusik-CD's zu
"Trainspotting".
Auch gut: Soundtrack zu "Jackie Brown".
Und absolut geniale Filmmusik-Komponisten:
Michael Nyman ("Das Piano"!! Dann noch "Der Kontakt des Zeichners", "Der Koch, der Dieb, seine Frau & ihr Liebhaber" und vor allem auch "Der Bauch des Architekten"!!)
und
Philipp Glass ("Koyaanisqatsi")

Ach, den Plattenschrank habe ich vergessen, da steht noch eine LP mit gutem Soundtrack zu einer Filmperle:
"Silent Running" ("Lautlos im Weltall", mit Bruce Dern).
Genial.
Gruß von
Paisley

Murmel
09.12.2001, 19:35
Extrem gut arbeitet Wes Anderson in "Rushmore" mit der Musik. Der Soundtrack ist ebenfalls sehr empfehlenswert.

James Dean Brown
09.12.2001, 20:18
Lautlos im Wetall, Paisley! Der Film hat mich in meiner Pubertät schlimmstens mitgerissen; die glasklare, diamantharte Musik von Joan Baez ist so überkandidelt emotional, dass man keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Die Musik löst die Bilder gesättigt auf in naive Schönheit, falsche Trauer und echte Verzweiflung. Kunsthandwerk. Viele Jahre später, als ich den Film zum dritten Mal sah, dachte ich: "So 'ne Hippie-Scheisse".

Paisley
09.12.2001, 20:29
Oh, James Dean Brown, ich habe den Film leider lange nicht gesehen und ihn auch leider nicht als Konserve (oder gottseidank?? Konserve kann auch Mythen töten...). Ich würde ihn so gern mal wieder sehen! Er kommt viel zu selten im TV, und ich bemerkte es die letzten 1, 2 Male leider immer erst, wenn es zu spät ist...

Gruß Paisley

ingwer
27.12.2001, 00:07
von "in heaven" gibt es eine ganz zauberhafte version von den pixies, in der frank black erst betörend verstörrt, dann überschlagend hysterisch dieser kleinen ode einen neuen ton abgewinnt.

apropos:
ich kann mich dunkel daran erinnern, dass in der eraserhead-fassung, die ich sah, das lied ziemlich ausführlich untertitelt war. dabei hat es doch eigentlich nur eine sich immer wiederholende zeile, nämlich: "in heaven - everything is fine" - oder habe ich da was verpasst?

Zane
27.12.2001, 17:31
Originally posted by ingwer
[B
was ist mit musik im abspann?
[/B]

Bowie's "The Motel" im Abspann von "Intimacy" war für
mich in diesem Jahr das Beeindruckenste in diesem Bereich.

Manchmal machen Bilder Musik erst richtig interessant.

James Dean Brown
27.12.2001, 21:09
ingwer, da ist wirklich nicht viel mehr los:

In Heaven (Lady in the Radiator Song)
(Music: Peter Ivers/Lyrics: David Lynch)

In heaven, everything is fine,
In heaven, everything is fine,
In heaven, everything is fine,
You've got your good things,
And I've got mine.

In heaven, everything is fine,
In heaven, everything is fine,
In heaven, everything is fine,
You've got your good things,
And you've got mine.
In heaven, everything is fine.

Eine weitere, pathetisch-hysterische Interpretation, nebst Rolling Stones-Coverversion "19th Nervous Breakdown", haben Tuxedomoon, auf der Live Punk-Compilation "Can You Hear Me? Music from the Deaf Club" (Optional/Walking Dead Records OPT-LP-001), 1980 verewigt.

graumauser
27.12.2001, 22:41
und merke, daß der JDB einen ähnliche Genese hat, wie ich. Eraserhead, Silent Running, naja, die Frankfurter Kinos waren ja oft auch Szenkinos. Dann waren aber auch die Lautsprecher schlecht.

Einen genialen Film habe ich gesehen, auf der gerundeten Leinwand, mit dem damaligen Top-Surround-HiFi-Sound: 2001 - Odyssee im Weltraum. Ein Soundtrack, bei dem alles paßt. Hundertprozentig.

g.

(JDB: wie heißt das Kino mit dieser Leinwand? Eine Seitenstraße von Zeil oder Hauptwache? Wie hieß die Musikkneipe, da ganz in der Nähe, damals noch im Keller, glaub' ich - Sinkkasten? Die Erinnerung wird blasser. Gut so. Lieben Gruß!)

Pretextat Tach
28.12.2001, 00:51
Zwei glorreiche Halunken (The Good, the Bad and the Ugly - oder so ähnlich)

Ennio Morricone? Filmmusik, wie sie passender nicht sein kann.

ingwer
28.12.2001, 13:53
danke, jdb! wunderschön.

Prof_Bienlein
29.12.2001, 16:27
(JDB: wie heißt das Kino mit dieser Leinwand? Eine Seitenstraße von Zeil oder Hauptwache? Wie hieß die Musikkneipe, da ganz in der Nähe, damals noch im Keller, glaub' ich - Sinkkasten? Die Erinnerung wird blasser. Gut so. Lieben Gruß!) [/QUOTE]

Meinst du mit dem Kino vielleicht das "Royal" in der Schäfergasse?

graumauser
29.12.2001, 17:42
In der Tat! Diese Worte sagen mir etwas, ich glaube, es stimmt. Unvergessen, als mir der Säbelzahntiger in der Einleitung zu "2001" mit lautem Knurren quasi von hinten über die Schulter sprang, um vor mir einen Steinzeitmenschen zu reißen.

Aber auch die Akustik in diesem Kino war so hervorragend, daß ich den "2001"-Soundtrack auf Anhieb gemocht habe, obwohl seinerzeit alles andere als Klassik- oder Walzer-Fan.

Es grüßt Sie heute sehr freundlich -

Ihr alter Kumpel Haddock

Paisley
30.12.2001, 10:32
Pflichte bei - "2001" ist klasse, sowohl der Film als auch der Soundtrack. Eine gewagte, aber stimmige Mischung, die den Film unterstreicht.

Prof_Bienlein
31.12.2001, 02:51
Nur zur Information - zu "2001" gibt es hier irgendwo einen eigenen, sehr kontroversen Strang - oder war es nur eine längere Diskussion im "Beste Filme"-Strang? Egal, Suchen lohnt sich!

slowtiger
02.01.2002, 17:03
Aber ist das denn wirklich alles Filmmusik?

Ich halte diese blöden "Compilations wo nur gemacht werden um nach dem Film gut verkauft zu werden" schonmal garnicht für Filmusik. Ich mag nicht einmal das relativ sorgfältige Aussuchen dennoch schon bestehender Musik zum Film ("Clockwork orange", "2001") wirklich "Filmmusik" nennen.

Nein, Filmmusik ist für mich nur der Score, das, was wirklich nur für diesen einen Film geschrieben und gespielt wird. Bernard Herrmann, Nino Rota, Morricone, Carl Stalling, Graeme Revell ... und da hörts auch schon auf, weil ich mir die ganzen guten Komponistennamen nie so konsequent gemerkt habe.

Und dann gehts noch weiter, zu den (bis jetzt) wenigen Filmen, wo die Musik direkt ins Sounddesign übergeht ...

graumauser
02.01.2002, 18:41
"Once upon a time in the west" ist ohne die Musik von Morricone kaum denkbar. Ich habe einen uralten Soundtrack davon. Und "Jill's Theme" wurde unlängst von Dario G. grauenhaft gecovert. Ist das Filmmusik? Oder ein Soundtrack?

Andererseit wären "Urge Overkill" ohne "Pulp Fiction" nicht mal zum One-Hit-Wonder geworden. Der Song paßt perfekt in den Film. Was ist damit?

Ja, aufauf, Kameraden, die Debatte ruft.....

g.

Paisley
02.01.2002, 21:05
Auch für mich ist echte Filmmusik nur die Musik, die extra für einen bestimmten Film geschrieben wurde.

Richtig zum Ärgern finde ich diese Hits, die gerade mal so eben im Abspann eines Films auftauchen, im letzten Moment sozusagen, und mit denen dann aber ordentlich Werbung als "Soundtrack" gemacht wird.

Hilde
02.01.2002, 21:21
Paisley, nach deiner Definition dürfte dann die Musik für 2001 auch keine Filmmusik sein.
Oder ist Soundtrack was anderes?
Egal, ich finde, man sollte das nicht so streng betrachten. Z.B. finde ich gerade die Musik zu Clockwork Orange einfach toll, so wie den ganzen Film, egal ob es jetzt eigens dafür komponiert ist oder nicht. (Übrigens einer der wenigen Soundtracks, den ich mir gekauft habe.)

Paisley
02.01.2002, 21:46
Hilde, das war jetzt auch nicht so gemeint, daß das einen Qualitätsunterschied ausmacht. Ich habe lediglich definiert, was für mich echte Filmmusik ist (Nennt alles andere meintehalben Soundtrack).
Deshalb ist auch z. B. der "2001"-Soundtrack nicht schlechter. Und der Soundtrack zu "Uhrwerk Orange" ist genial (und zum Teil im übrigen auch ausschließlich für diesen Film geschrieben, zum Beispiel das wirklich klasse Titelstück).

James Dean Brown
02.01.2002, 22:28
Graeme Revell, Zlotyger, dieser Name musste fallen. Ein Mann, der weiss, was er tut, aus dem Vollen schöpft, der absolut konträre musikalische Universen bewohnt und persönliches musikalisches Marketing zur höchsten Perfektion geführt hat: Zuerst übersetzte er hemmungslos die psychischen Unzulänglichkeiten Schizophrener in einen brutalen Bruitismus (zusammen mit zwei Patienten der neuseeländischen Anstalt, in der er als Pfleger gearbeitet hatte). Hernach vereinnahmte er brillant aber erfolglos (und produktionstechnisch leider unter aller Sau) New York Disco der Madonna-Ära zum Zwecke der Unterwanderung bzw. Instrumentalisierung kommerzieller Charts-Strukturen (zusammen mit einer Chinesin). Ölfässer und Flex wurden ausgepackt und live aufeinander losgelassen. Dann wurde der Fairlight CMI zu seinem besten Freund: er begann, ausschliesslich aus gesampleten Insektengeräuschen (Wespen, Klopfkäfer etc.) elegische Weisen zu formen. Vertonte zwischendurch mal eben die Art Brut des Monsterwerks Adolf Wölflis. Zum Schluss tauchte sein Name endlich und vollkommen überraschend als Soundtrack-Komponist in jedem dritten Hollywood-Kracher auf. Welch eine Karriere! Sollte in L.A. jemand auf die Idee kommen, die wahnwitzigen, frühen SPK-Platten und deren zweifelhafte Reputation mit dem aktuellen Mr. Revell in Verbindung zu bringen, würde dieser vermutlich aus der Filmmusiklobby hinauskomplimentiert werden.

Graeme Revell hatte während eines Konzerts einen Funken ins Auge bekommen und sollte in der Uniklinik gelasert werden. Der weiche Kern des vermeintlich harten Kerls in ölverschmierter Lederkluft hatte Angst vor Schmerzen. Das wäre eventuell eine Pappengeschichte, aber vielleicht doch nicht.

slowtiger
09.01.2002, 17:37
Ein seltsamer Kerl, dieser Revell, fürwahr. Ich weiß allerdings wirklich nicht, was der alles an Filmmusik geliefert hat, ich entsinne mich dunkel, auf einer wohlgepflegten Fanseite jedenfalls eine ganze Menge gesehen zu haben, eine ellenlange Liste, ich glaube, "The Crow" war dabei, der grad wieder im TV lief. (Nein, ich werde jetzt nicht suchen, sonst lese ich mich dort wieder für den Rest des Tages fest.) Seine Wölfli-Adaption und die Insektengesänge habe ich, es ist interessant zu lauschen, wie er dort wirklich noch mit dem Sampler herumstümpert, aber es sind schon jene Motive da, die er kurz darauf in sein Meisterwerk "Zamia Lehmanni" einwob. Die Querverbindungen zwischen SPK und dem SPK und der RAF deute ich jetzt mal nur an, das ist eine Geschichte, die so recht nach dem Geschmack amerikanischer Verschwörungsliebhaber wäre.

Akareyon
15.01.2002, 13:53
Kusie, warum lachen? Basil Poledouris hat es bombastmäßig voll drauf, zumindest auf dem Conan-Score. Nur sind die Themen alle nicht so bekannt. Aber wenn Sie nebenbei noch auf Metal stehen, empfehle ich Ihnen Rhapsody bzw. Luca Turilli.

Ich schweife ab.

Johannes Wilhelms macht natürlich allen was vor und ich werde jetzt nicht wiederholen, was oft genug gesagtworden ist: Hook, Star Wars, Indiana Jones, Jurassic Park, Jaws, Amistad, Saving Private Ryan, A.I.

Morricone dito: fängt man an, das Thema von "The good, the bad and the ugly" zu pfeifen (die ersten fünf Töne), kann mit Sicherheit jeder die nächsten drei Noten. The Untouchables! Gesehen? The Untouchables gucken gehen. Und Chi Mai.

Hans Zimmer: unvergleichlich gut in Lion King, ansonsten...

Jerry Goldsmith: Total Recall etc...

Lalo Schiffrin: Mission: Impossible, und dann diese Magnum .45-Filme mit Clint Eastwood, wie hiesen die noch gleich... Dirty Harry, genau.

Und im Schatten der großen räkeln sich Don Davis (Matrix, JP III), Brad Fiedel (Terminator I+II)...

Und muß man jetzt eigentlich Howard Shore diskutieren? Hat er ganz großen Mist gebaut beim Score zu LOTR, oder war es DER PERFEKTE Soundtrack schlechthin?

M aus S bei H an der L
16.01.2002, 12:51
Wer Poledouris sagt, muß meiner Meinung nach auch Starship Troopers sagen. Das Klendathu-Thema haut einen einfach um. Schade, daß er den Robocop damals nicht so ausgiebig und heroisch umgesetzt hat (mit nichtmal einer Minute zu kurz für die schönde Melodie).

Hans Zimmer ist nicht nur der Lion King (wer den mag, wird auch an Millennium gefallen finden), sondern vor allem Beyond Rangoon, Crimson Tide/The Peacemaker und - unvergesslich - Days Of Thunder und Backdraft.

Bei John Williams muß ich Far and Away erwähnen. Wenn im Frühling endlich wieder die ersten kräftigen Sonnenstrahlen das Wohnzimmer aufheizen, ist das der Soundtrack den ich dazu hören muß!

Alan Silvestri: Bisher nur ein Name, den man halt auch kennt, aber mit The Mummy Returns hat er, wie James Horner mit The Rocketeer, ein Meisterwerk hingelegt, das beinahe alles andere überragt.

Außerordentlich gut ist ein Soundtrack dann, wenn er auch ohne den Film existieren kann (alle von mir oben erwähnten, mit Aushahme von Robocop und The Peacemaker), und ein in sich geschlossenes Werk darstellt, das ohne (typisch) schrägklingende Passagen mit gutem Gewissen laut gehört werden kann.

The Rocketeer ist als Gesamtwerk mein absoluter Favorit!

...Mike

M aus S bei H an der L
16.01.2002, 12:55
Und zu 2001:

Ich habe gehört, daß - ich glaube es war Pink Floyd - einen Song gemacht haben sollen, der auf die Docking-Sequenz von 2001 zugeschnitten wurde. Ist das richtig?

...Mike

Schwarzes Schaaf
16.01.2002, 13:49
Manchmal ist der soundtrack auch mehr wert als der Film selbst. Einer der besten ist fuer mich immer noch der zu Judgement Night, mit Kollaborationen von Helmet & House Of Pain, DeLaSoul & Teenage Fan Club, sowie Biohazard & Onyx (und das VOR dem ganzen rap/rock crossover Trend... ich weiss, ich weiss, Anthrax/Public Enemy und Aerosmith/RunDMC waren NOCH frueher...). Die CD lege ich immer noch regelmaessig auf, den dazugehoerigen Film kann man getrost vergessen.

M aus S bei H an der L
16.01.2002, 14:36
Ich zum Beispiel habe auch zu vielen Soundtracks den dazugehörigen Film noch gar nicht gesehen.

...Mike

slowtiger
17.01.2002, 16:07
Komischerweise immer noch nicht erwähnt:

Danny Elfman. A Nightmare before Christmas, Beetlejuice, und natürlich die Simpsons.

Nick Cave. Ja, der. Ghosts...of the civil dead. Unglaublich.

Abigail Mead: Full Metal Jacket

roger
17.01.2002, 21:53
für queen-fans: highlander. zeitlos, absolut zeitlos. zumindest die musik!

Akareyon
17.01.2002, 21:59
Geinoh Yamashirogumi: der Chor, der den psychedelischen Soundtrack zu Akira aufgenommen hat. Klasse. Einwandfrei.

D. John
20.01.2002, 18:36
@ slowtiger: Na also! Danny Elfman musste einfach hierher, das Batman-Thema müsste doch mittlerweile auch jeder kennen.
Wer sich ein Bild von Elfmans arbeiten machen will:
http://elfman.filmmusic.com

Zazie
20.01.2002, 23:17
Der Soundtrack zu Straßen in Flammen, von Jim Steinman und Ry Cooder.

Dann natürlich Diva, und zwar nicht nur den Gesang.

Zazie, du langweilst, den Film haste doch schon überall erwähnt

Unvergessen auch Subway und "It's only a mystery" mit der berühmten schwermütigen Zeile "how can we keep on watching that fuckin' TV, we're so bored we even don't know what we see".

Auch immer wieder schön: Fame. Flashdance und Dirty Dancing fand ich auch ganz gut, war mir aber irgendwie zu sehr kommerziell.

Und 9 1/2 Wochen mit allen möglichen guten Musikern, u. a. Eurythmics.

Jaja, ich weiß, ich bin hoffnungslos 80s nostalgisch...

James Dean Brown
27.01.2002, 20:38
Angeregt durch die vielen Erstfilmtrash-Erlebnisse im entsprechenden Stapel, möchte ich die glühenden Fans japanischer Monstermovies und ihrer Soundtracks auf folgende, neu eingerichtete Website aufmerksam machen:

http://www.godzillamonstermusic.com/

Umfangreicher und detaillierter geht's nicht mehr. Das Archiv scheint mir vollständig, komplett und aus allen Nähten zu platzen.

Akareyon
29.01.2002, 04:26
Hat schon jemand Danny Elfman erwähnt? Wurde daran erinnert, als ich meine verliehene "Planet Of The Apes"-CD wiederbekommen habe. Hat mir irgendwie schon im Kino gefallen, so, der Sound und das Gefühl, mitgehen zu können... die Musik führt einen irgendwie...

Schwarzes Schaaf
29.01.2002, 15:24
Aber natuerlich, wie konnten wir Elfman vergessen? Das tolle an ihm ist, dass er eine riesige Bandbreite hat, von dramatisch-orchestral zu verspielt-albern. Klassiker: Pee Wee's Big Adventure (1985), Batman (1989), und natuerlich nicht zu vergessen (wenn auch TV): The Simpsons.
Was mir auch immer wider gut reingeht ist der Score zu "Terminator" von Brad Fiedel. Duester, futuristisch, angsteinfloessend, und vor allem auch sehr 80er. Ueberhaupt schlaegt der erste Teil den zweiten was Atmosphaere angeht um Laengen.

Akareyon
29.01.2002, 16:15
Originally posted by Akareyon
Und im Schatten der großen räkeln sich Don Davis (Matrix, JP III), Brad Fiedel (Terminator I+II)...

Wobei mir persönlich die Paffendorf-Version vom Terminator-II-Thema am besten gefällt. Ich frage mich, ob auf dem Soundtrack zu Teil I die reine Klavierversion des Themas ist, die man hört, während die beiden vom Kühlschrank ausgehend den Retter der Welt zeugen.

phresh
29.01.2002, 19:37
also die Filmmusiken von Ry Cooder gehen immer irgendwie unter die Haut, z.B. "Paris,Texas" oder "The End Of Violence"

dann gibts da noch den guten Eric Serra , der so ziemlich alles für Luc Besson vertont hat (Subway, Im Rausch der Tiefe, Das fünfte Element,...<gibts bestimmt noch mehr>

und der Soundtrack von Oceans Eleven ist ja wohl nur obercool! David Holmes heisst der Gute

M aus S bei H an der L
30.01.2002, 08:01
Eric Serra ist ein gutes Beispiel dafür, wie die falsche Musik einen Film kaputtmachen kann. Das geht jetzt nicht gegen den Komponisten, sondern gegen die Leute, die ihn engagiert haben. Ich rede von Goldeneye. Es war der typische Serra-Stil (wunderbar in Léon) aber der paßt unglücklicherweise überhaupt nicht zu einem Bond-Film.

Prima Überleitung zu John Barry... dessen Stil gefällt mir auch extrem gut. Weich, flüssig und irgendwie immer ein bißchen schwermütig.

Und den Lobeshymnen auf Danny Elfman schließe ich mich an. Batman Returns ist klasse und auch einer der Soundtracks die man losgelöst vom Film hören kann.

...Mike

Reno Schmittchen
31.01.2002, 13:44
Yann Thiersen: Le fabuleux destin d'Amélie Poulain
http://www.die-fabelhafte-welt-der-amelie.de
Im "Trailer" gibt es ein paar Kostproben.

Caliste
23.04.2002, 00:14
°