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Vollständige Version anzeigen : Titanic (USA, 1997)


Murmel
13.10.2001, 15:41
Los, sagt schon: Wie fandet Ihr den teuersten und erfolgreichsten Film aller Zeiten?
Hier nur ein paar Zahlen, der Inhalt ist ja bekannt.
Produktionskosten: rund $ 250.000.000
Marketingkosten (weltweit): rund $ 250.000.000
Boxoffice USA: $ 600.743.440
Einspielergebnis D: DM 231.170.500
Einspielergebnis weltweit, rund $ 1.000.000.000
Expertenmeinung: 'Ein Meisterwerk.'
Ausgezeichnet mit 11 Oscars

ingwer
13.10.2001, 16:06
ich mag keine filme, bei denen mit meinen gefühlen klavier gespielt wird. ich sah ihn erst im fernsehen und erwartungsgemäß habe ich geschluchzt und war schwer ergriffen, wie konnte es auch anders sein.
in dem buch 'die odyssee des drehbuchschreibers' von christopher vogler heißt es:
Alle Geschichten bestehen im Grunde aus einer Handvoll stets wiederkehrender Bauelemente, die uns auch in Mythen, Märchen, Träumen und Filmen immer wieder begegnen.
ein film sei dann besonders erfolgreich, so heißt es, wenn er diese bauelemente geschickt aufgreift und verwendet.
vogler erklärt seine these anhand verschiedener filmbeispiele, u.a. auch sehr überzeugend am beispiel titanic.
leider würde es hier den rahmen sprengen, wenn ich konkrete beispiele benennen würde, deshalb empfehle ich in jedem fall das buch, erschienen bei 2001.
und irgendwo las ich, dass das schönste am film die bedingungslose aufopfernde liebe des helden sei. da würden mädchen und frauen nach wie vor drauf stehen.
ich werde in dir weiterleben!

(Beitrag wurde von ingwer am 13.10.2001 um 14:13 Uhr bearbeitet.)

Hilde
13.10.2001, 16:19
Hab ich nicht gesehen.
Der viele Wirbel drumrum hat ihn mir dermaßen verleidet, nicht mal wie er im Fernsehen lief hab ich es über mich gebracht, ihn anzusehen.
Werweiß, vielleicht isser gar nicht so übel.

Prof_Bienlein
13.10.2001, 16:29
Wahrscheinlich willst du jetzt etwas anderes hören, aber ich muss zugeben, dass ich diesen Film tatsächlich ganz großartig fand.
An neueren Filmen stört mich oft, dass neben drei oder vier Stars anonsten nur recht dürftige schauspielerische Leistungen zu bewundern sind, hier aber konnte ich diesen Mangel nicht feststellen. Und Kate Winslet spielte doch wirklich großartig, ebenso Leonardo Di Caprio, von dem man das aufgrund seines zweifelhaften Teenie-Schwarm-Images vielleicht nicht wahrhaben will.
Es waren immer wieder einzelene Szenen, die von ihrer Idee her erschütterten (z.B. die Mutter, die ihre kleinen Kinder ins Bett bringt und ihnen ein Märchen erzählt, als sei nichts gewesen, obwohl sie genau weiß, dass das Schiff sinkt), und ganz einfach großartige, monumentale Bilder, teilweise ohne Ton: Die sinkende Titanic als winzig kleiner Fleck auf dem riesigen, schwarzen, kalten Ozean oder das Rettungsboot mit dem die Laterne emporhaltenden Matrosen im Bug.

Prof_Bienlein
13.10.2001, 16:31
Diesem Herrn Vogler kann ich übrigens nur Recht geben, was die 'Titanic' betrifft. Alleine der Schluss: Die alte Frau wirft den blauen Edelstein zurück ins tiefe, dunkle Meer, gibt ihn also sozusagen den Elementen zurück - genau wie der Ring des Nibelungen am Ende der Götterdämmerung zu den Rheintöchtern zurückkehrt!

Murmel
13.10.2001, 16:42
Ich persönlich halte nichts von Menschen, die Bücher schreiben, in denen sie erklären, wie Drehbücher geschrieben werden. Ebenso jämmerlich: Wochenendseminarhalter.
Jeder kann erzählen, jeder kann einen Film schreiben oder einen Roman. Die Qualität und der Erfolg sind nicht abhängig davon, dass man bestimmte Regeln einhält. Naja, Erfolg vielleicht doch. Kurzweilig.
Zu Titanic: Ich fand ihn als Film unsäglich, ein Kitschroman, jedoch mit sehr beeindruckenden Bildern. Besonders die Sprache ist schlecht, das Gesamtwerk lässt erkennen, dass das Buch von vielen Autoren geschrieben wurde und Cameron sich am Ende den Credit gekauft hat (soviel zum 'Autorenfilm').
Bei mir haben auch gewisse Gundmuster funktioniert. Aber die Gefühlsmanipulation war zu offensichtlich und ließ mich im Endeffekt kalt wie Leonardo di Caprio im Eismeer. Im Fernsehen verät sich der Film. Die Bilder wirken nicht mehr, die einfache Plotstruktur tritt an die Oberfläche und versenkt die Emotionen. Mir war es einfach zu viel von allem.
Heißt es jetzt eigentlich 'Das Unglück zum Film'?

James Dean Brown
13.10.2001, 17:54
Murmel, da muss ich ein bissl widersprechen: der (kommerzielle) Erfolg, zumindest von Hollywoodfilmen, resultiert gerade aus der Tatsache, dass formale Regeln der US-Filmindustrie streng eingehalten werden. Amerikanische Filmhochschulen lehren nicht die Kunst, sondern Handwerk und Psychologie des Filmemachens. Sie erklären tatsächlich nach einem Raster, wie Drehbücher geschrieben werden. So trug es mir u.a. ein Freund zu, der an einer grossen Produktionsfirma in Köln beteiligt war, um danach in Kalifornien das Handwerk der Regie zu erlernen. Auch habe ich z.B. gelesen, dass der erste filmische Höhepunkt nach 7 Minuten einzusetzen hat, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Wie in allen Wirtschaftssektoren traut sich keiner, aus dem Schema auszubrechen, alle kopieren sich gegenseitig. Qualitätsbestimmungen werden nicht auf der Grundlage subjektiver, ästhetischer Parameter vorgenommen, sondern unterliegen alleine dem Phänomen der Materialschlacht.

Murmel
13.10.2001, 18:14
Ja, diese Minutenregeln gibt es alle, Plotpoints und sonstige Regeln. Aber sie werden komischerweise in allen erfolgreichen Filmen gebrochen. Dann kommen die Analytiker und meinen später: 'Jaja, so geht das.' Schrott. Film ist eine Erzählform, keine geregelte Einnahmequelle. Nach 7 Minuten in 'Titanic' ist Di Caprio noch nicht einmal aufgetaucht. Da taucht gerade ein Boot ab.

James Dean Brown
13.10.2001, 18:32
'Titanic' hat Überlänge. Regelzeiten werden angepasst. Kleines Abtauchen nach 7 Minuten als Omen für grosses Abtauchen. Wer weiss? Natürlich ist Film, auch in meiner romantischen Vorstellung, primär eine Erzählform, sollte sein, mehr aber noch industriell gefertigte, geregelte Einnahmequelle, Kassenschlager, will man das konditionierte Publikum aus dem Vordertaunus locken. Der Film, von dem du sprichst, existiert glücklicherweise auch noch, aber kaum in den Grossraumkinos.

ingwer
13.10.2001, 18:47
wenn regeln gebrochen werden sollen, ist es nicht ungünstig wenn man sie kennt. das gilt nicht nur für kino.
sicherlich entstanden und entstehen auch aus dem bauch heraus filmkunstwerke oder kommerzielle erfolge. aber dies ist der verdienst weniger überflieger. und eine frage des talents. aber wer hat das schon?

James Dean Brown
13.10.2001, 20:08
Zum Verständnis meiner Ablehnung der meisten Kinofilme gegenüber möchte ich ergänzen, dass mich der Aufbau von Atmosphäre im Film mehr interessiert, als eine stringente, vorhersehbare Handlung. Ich will generell überrascht werden, das Unvorstellbare präsentiert bekommen. Film ist das ideale Märchenmedium für untergründige bis heitere Absurditäten, was die meisten kommerziellen Regisseure (ausser z.B. Terry Gilliam) vergessen zu haben scheinen.
Der Bruch aller Regeln kann mich begeistern (s. Pulp Fiction vs. Titanic). Alleine, wenn ich mir das Filmplakat von 'Titanic' anschaue, kenne ich annähernd den Plot des ganzen Films (abgesehen davon, dass man den Plot via Bekanntheitsgrad des historischen Ereignisses sowieso kennt). Das ist, wie wenn ich die ersten vier Takte eines loopbasierten Technotracks höre und spätestens dann sofort weiss, wie das Stück enden wird. Warum soll ich mir etwas reinziehen, was mir nur meine Zeit stiehlt, wenn ich stattdessen etwas dazulernen kann? Feindthemen, kriegerische Handlungen aller Sorten, die in alle Genres injiziert werden, Katastrophen, sowie das schlechte Roboter-Abziehbild von Liebesgesäusel umgibt/nervt mich auch in der Realität.
Gerade schiebt sich mir der Science Fiction-Schrotthaufen 'Event Horizon' ins Gedächtnis, der kontinuierlich eine klaustrophobische Atmosphäre verdichtet, sodass schweissnasse Handflächen schön kalt bleiben. Vergessen wir die Psychologie ersten Semesters, die leider instrumentalisiert wird, um ein Plotalibi herbeizuführen, haben wir hier einen Gemütskracher von 1a-Qualität. Wer widerspricht, mag sein Wort erheben.
Abschliessend: 'teuer' ist nicht selten mit 'erfolgreich' gleichzusetzen, aber der Maßstab des Geldes und seiner goldenen Regeln verhält sich umgekehrt proportional zum 'guten Geschmack'. Ich schrieb bereits von 'Konditionierung'...
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bin ich schon der pts des Filmforums?

marie battisti
13.10.2001, 20:12
nein bist du nicht, an deine ernsthaftigkeit käme der nicht heran
titanic ist ein film bei dem ich gerne geheult hätte aber nicht konnte.

Schwarzes Schaaf
13.10.2001, 20:16
Ich wuerde luegen wenn ich sagte, dass die lovestory in diesem Film mich beim ersten Sehen kaltgelassen haette. Ist sie manipulativ bis zum geht nicht mehr? Sicherlich. Ist dieser Film dermassen geschickt konstruiert, dass selbst Zyniker sich darin verlieren und fuer ein paar Stunden einfach mal die schlechte Welt da draussen vergessen koennen? Ich denke schon. Das ist doch, worauf der Erfolg der Hollywood Formel basiert.
ingwer hat recht, man muss den status quo kennen um dagegen sinnvoll rebellieren zu koennen. Gebrochene Regeln bedeuten noch lange kein Kunstwerk. Wenn ich mit dem Pinsel ueber die Leinwand tropfe kommt noch lange kein Pollock dabei heraus.

James Dean Brown
13.10.2001, 20:30
Manipulation ist das Zauberwort. Wenn so viele Personen (von denen man's nicht erwarten würde) von der 'Titanic'-Lovestory angekratzt wurden, bedeutet das nicht, dass emotionale Manipulation im Film auch als gefährliches Werkzeug in ganz anderen Richtungen eingesetzt werden könnte? Ich muss zugeben, dass mich der Gedanke entzückt. Das ist wie mit den extrem hoch- und tieffrequenten, nichtmilitärischen Soundexperimenten (kümmerlich ausgeführt mangels Ressourcen) einiger 80er-Industrialbands. Gerne würde ich einen auf rein psychedelischer Basis operierenden Science Fiction-Film sehen, nur einmal im Leben. SFX würden adäquat eingesetzt werden können, periphere Handlungsstränge zerfasern aufgrund differenzierter psychischer Verfassungen der Zuschauer. Will das überhaupt jemand sehen?

PeterLu
14.10.2001, 12:30
Ja, ich.
Bei 'Event Horizon' drängte sich mir übrigens der Vergleich zu 'Solaris' auf wg. gleichem Grundmotiv: Mitglieder einer Raumschiffbesatzung werden von einer fremden Macht mit dem Gerümpel im eigenen Bewußtseinskeller konfrontiert und drehen infolgedessen hohl. Dass bei Event Horizon dabei alles auf Gemetzel und FX-Kaspertheater für minderjährige Popcornfresser rausläuft, ist die wahre Enttäuschung.
Zurück auf die Titanic: Ich war gespannt auf den Film, weil ich sehen wollte, wie Cameron den Kahn versenkt. Damit hat er mich nicht enttäuscht. Auch alles andere funktionierte bestens nach allen Regeln der Kunst, trotzdem habe ich im Verlauf der ersten anderthalb Stunden öfter mal gemurmelt 'Eisberg, komm ran!'.

Prof_Bienlein
14.10.2001, 12:32
@ Murmel Clausen
Dass ein Kinofilm im Fernsehen nicht mehr wirkt, ist doch wohl kein Argument gegen ihn - schließlich ist er für die Leinwand konzipiert, und das Selbe passiert auch noch vielen anderen, großen, bildgewaltigen Epen (ich will hier keines erwähnen, um nicht gleich eine Flut von Urteilen über diese Streifen auszulösen).
Hohe Kosten sind keine Garantie für hohe Qualität, fürwahr (siehe die billig produzierten Meisterwerke 'Die 12 Geschworenen' oder 'Duell'), aber auch nicht automatisch ein Zeichen für mangelhafte Qualität, oder?
Natürlich war der Film sehr romantisch (bei vielen schon oberhalb der Kitsch-Schwelle, das ist mir klar), aber - mich persönlich hat er tief berührt. Das darf ich doch wohl sagen?

Murmel
14.10.2001, 13:02
Natürlich. Sie haben auch recht, dass es kein negatives, sondern viel mehr ein positives Kriterium für einen Kinofilm ist, wenn er im TV einen Teil seiner Wirkung verliert - gerade das ist ja das Problem vieler deutscher Filme. Sie sind vom Bild enger, da Sender mitfinanzieren und dementsprechende Wünsche äußern.
Und gerade weil sich die Meinungen zu Titanic so unterscheiden, freut es mich zu lesen, dass Sie der Film berührt hat.
Die Frage der finanziellen Mittel ist schwierig. Ich glaube, dass mit dem Budget auch die Anzahl derer steigt, die sich in die Geschichte einmischen. Dadurch wird der gesamte Film erzählerisch langweiliger, da berechneter, ein Bilderspektakel, das einen jedoch auch auf seine Art mitnehmen kann.

DerCaptain
17.10.2001, 17:07
PeterLu, so gings mir auch.
Ich war scharf auf die Sink-Szene, da ich gelesen hatte, diese wäre 'von einer Farm Digital Vaxen gerendert' worden. Mir war schon klar, das der lang ist, deshalb stand ich die ersten 1,5 Stunden durch, umzingelt von schluchzenden Teenagern.
Nach der Pause war ich hochgespannt. Ich hatte auch schon länger 'Eisberg!' gefordert. Dann sank das Ding in 10 Minuten und es folgten wieder 1,5 Stunden Gesülze.
Deshalb hab ich mir auch nicht 'Pearl Harbor' angekuckt.
------------------
'd'oh!'

Kirk Erbs
17.10.2001, 17:29
Ich habe mich dem Titanic-Hype damals verweigert und bin nicht ins Kino gerannt. Ich weiß, das ist auch eine doofe Haltung, aber so war ich halt. Ereilt hat mich der Film dann zwei Jahre später auf einem Transatlantikflug auf einem 10cm x 10cm Bildschirm in der Rückenlehne des Vordersitzes. Klar, daß da jeder Film Scheiße ist. Aber ich war dankbar, denn immerhin hat Titanic es geschafft, mich 3 Stunden lang dieses verdammte Fluggeräusch vergessen zu lassen, und das halte ich für keine schlechte Leistung. 'Volcano' auf dem Hinflug hat das nicht geschafft, nicht annähernd. Letztes Jahr sah ich den Film dann noch mal auf der Großleinwand unseres Fernsehers im harmonisch-weihnachtlichen Familienkreise. Das machte ihn noch besser.

DREA
18.10.2001, 10:51
Wuerde Titanic sicher nicht unter den Filmen einreihen, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Bin duennen Liebesgeschichten mit schwachen Dialogen und platter Symbolik nicht sonderlich zugetan.
Nichtsdestotrotz haben mich die Dramaturgie, Ausstattung, Kamerafuehrung und auch die darstellerischen Leistungen von diCaprio und Winslett in diesem Film durchaus beeindruckt.

die Neue
18.10.2001, 14:28
Ich sah Tianic mehr so zum Zeittotschlagen in einer Nachmittagsvorstellung in einem Cinemaxx.
Großer Fehler.
Hinter mir saßen zwei aufgeregte zehnjährige Jungs, die rumzappelten, rumkrakeelten (bei aufregenden Szenen) und rumbuhten (bei Kußszenen).
Links neben mir eine zwölfjährige, die mir mitten im Film unvermittelt Taschentücher anbot (³hier, brauchen Sie?ã).
Rechts neben mir zum Glück eine gute Freundin.
Vor uns saßen Vater und Mutter mit Tochter & Freundin der Tochter, beide höchstens grad so Teenager, wenn überhaupt. In der Pause ging die Tochter Popcorn holen. Diese Abwesenheit nutzte der Vater, um folgenden Dialog zu beginnen:
Vater:³Und, Kathrin, wie gefällt Dir denn der Film?ã
Freundin der Tochter (mit leuchtenden Augen):äOh, ja, toll toll toll!!! Und Ihnen?ã
Vater:³Och ja, ja. Ja, hmm,
nicht so schlecht. Aber die hätten ja ruhig nen anderen Hauptdarsteller nehmen können, nich...?!ã
Freundin (empört):³Wieeesoo?!!ã
Vater:³Hm, naja, also der spielt ja `n bißchen lasch, ne?!ã
Freundin (fassungslos):³Aber das ist doch...LEONARDO!!!!!ã
Meine Freundin und ich brachen in ihrem Rücken in einen argen Lachanfall aus, aber selbst dann begriff Kathrin noch nicht...

roger
18.10.2001, 15:17
ich bin der teuerste, sagte spielberg, und schuf jurassic park. na, da setzten wir doch noch eins drauf, sagte cameron...
auch mir gefallen filme nicht so gut, bei denen ich das ende schon kenne. warum soll ich ins kino gehen? um zu sehen, wie lange der pott bis zum meeresboden braucht? einzelschicksale? berstende rohre? die wichtigsten szenen waren in diversen trailern und previews zu sehen: die technisch perfekten 10 minuten des untergangs. abseits dessen konnte der film unmöglich etwas bieten. also nicht gucken. (mußte mir das teil später auf video ansehen und vertrete meine meinung seitdem noch energischer.)
im übrigen ist es schon zynisch, daß wir heute perfekte filmtechnologie insbesondere dazu benutzen, die größten menschlichen katastrophen möglichst echt nachzuspielen, findet ihr nicht?
ein kinobesucher flüsternd zum anderen: 'ach, am ende geht der kahn sowieso unter', 'blödmann! mußt du immer alles verraten?'
im übrigen bin ich dafür, hier gelistete filme auf der nach oben offenen BASF*-Skala zu bewerten! Titanic=2

*auf die nichtrealisierbarkeit von titanic II hoffend*

*=Blood And Slime Factor

Rose Dawson
27.10.2001, 23:14
Sicherlich ist die Geschichte vom Untergang eine ohne Tiefgang. Aber Kate Winslet finde ich einfach zum Anbeißen - ist doch mal was anderes als blondierte Hungerhaken.

roger
27.10.2001, 23:42
gewiss. miss paltrow wäre sicher untergegangen. die stecknadel!

graumauser
24.12.2001, 23:03
Dieser Stapel ist ja eigentlich schon Geschichte. Aber was ich noch sagen wollte: wenn ich einen Film anschaue, dann ganzheitlich, zumindest beim ersten Mal. Ich sitze dann im Kino, und sperre - wenn's ein guter Film ist - das Maul auf, und die Emotionen brechen sich Bahn. Auf diese Weise bleiben mir unvergeßlich: Die Nibelungen, Susi und Strolch, Harley Davidson 344, Der Exorzist, 2001, A Clockwork Orange, Eraserhead, Rocky Horror Picture Show, Alien, Indiana Jones - Last Crusade, Pulp Fiction. In dieser Reihenfolge, und all diese Filme habe ich baff staunend verfolgt, und alles um mich herum vergessen.

Titanic hat diese ultimative Wirkung auf mich nicht gehabt, auch wenn ich ziemlich geweint habe, als es den Leo unterkühlte. Es ist ein Film, den ich beim ersten Sehen schon seziert habe: Bauten, Kostüme, Kamerafahrten, Technik, Tricks. Und das ist nach meiner Erfahrung schlecht für einen Film, wenn er in meine persönlichen Favourites aufgenommen werden möchte.

Wenn ich ihn zwanzig Jahre früher hätte sehen können, wäre es vielleicht anders.

Aber ein alter Schmalzschmelzer bleibe ich trotzdem, und meiner Tränen schäme ich mich eigentlich nie. Und diesen Druck auf die Tränendrüse - das hat der Film ganz gut drauf.

g.

M aus S bei H an der L
26.12.2001, 02:07
Fakt ist doch, daß ein Film funktioniert, wenn er die vom Regisseur beabsichtigten Emotionen hervorruft. Je extremer und bei umso mehr Leuten, desto besser. Titanic schafft das (auch bei den meisten Leuten, die sagen daß sie ihn schlecht fänden), also ist er objektiv gesehen genauso gut, wie eine Komödie, die einem zum Lachen bringt. Klassenziel erreicht. Die Intensität der Gefühle bestimmt nun, wie gut er nun exakt für den Einzelnen ist bzw. inwieweit man mit dem Stil des Regisseurs übereinstimmt.
Ich für meinen Teil finde 'Saving Private Ryan' katastrophal (auch die Eröffnungssequenz), weil das nervige Frame-skipping den ganzen Realismus raubt (mir jedenfalls). Ich war mich nur am aufregen. Übereinstimmung nur knapp über 0. Schade.

Dann wird gesagt, man würde manipuliert. Natürlich wird man das! Das ist doch das Ziel! Und je besser man den Film findet, desto mehr wurde man manipuliert; eingelullt von vorsichtig konstruierten Dialogen, atemberaubend fotografierten Szenen und unterstützender Filmmusik. Allein schon das Projizieren von Standbildern in schneller Folge zur Vortäuschung einer nicht vorhandenen Bewegung ist Manipulation. Das Manipulations-Argument halte ich, das muß ich wirklich ganz deutlich sagen, für ausgemachten Schwachsinn.

Was sagt uns das? Titanic funktioniert gut bis blendend. So gut, daß er schon wieder schlecht ist. Hä?!
Es gibt tatsächlich Leute, die, obwohl er bei ihnen funktioniert, den Film ablehnen weil er eine Schnulze ist (nicht männlich) oder weil er so erfolgreich ist (um sich von der Masse abzuheben). Warum steht dann aber die DVD / das Video bei denen im Regal (da kenne ich einige)?

Das Problem des Films ist natürlich die im Voraus bekannte Handlung. Dies muß durch einen anderen Handlungsstrang kompensiert werden. Aber was für eine Handlung? Aliens? Roboter aus der Zukunft? Ich bitte um Alternativvorschläge... Immerhin ist Titanic Camerons erster Film, in dem keine Atombomben vorkommen und explodieren.
Pearl Harbor und Apollo 13 hatten da nun das gleiche Problem. Apollo 13 war recht langweilig, weil wirklich alles schon bekannt war und zuwenig 'geklotzt' wurde. Pearl Harbor hat dies besser gelöst, und sich durch offene Münder das Publikum vergrößert.

Niemand, der sich durch einen Film quälen muß, wird am Ende Tränen vergießen. Niemand, der Tränen vergießt, dürfte sagen, daß der Film schlecht war. "Ganz okay" oder "Naja, schön aber zu lang" dürfen natürlich sein, "Schlecht" jedoch nicht.

Nur weiß niemand, wer Tränen vergossen hat, und wer nicht. Und das ist, denke ich, das wirklich problematische an der Diskussion über solch einen Film.

...Mike

P.S.: Warum regt sich eigentlich niemand über Braveheart auf?

Paisley
26.12.2001, 08:57
Tja, M aus S bei H an der L, durch deinen Beitrag haben sich meine Worte erübrigt. Im großen und ganzen bin ich auch dieser Meinung, allerdings die Sache mit der Manipulation... natürlich ist ein Film eine Art Manipulation, darüber braucht man aber gar nicht diskutieren, weil es so auf der Hand liegt, und daher ist ein Manipulatons-Argument wahrhaftiger Quatsch.

Ich habe den Film im Kino gesehen. Ich habe mich auch darauf gefreut, ihn zu sehen, denn die Geschichte vom Untergang der Titanic ist ein Mythos, der mich immer schon fasziniert hat, und es ging ja die Sage, daß Cameron den Film in nie gesehener Perfektion umgesetzt hat.
Bei einem Film zu weinen passiert mir selten (meinem Lebensgefährten dagegen passiert das schon öfter mal), aber er hat mich auch sehr bewegt. Als er im TV kam, habe ich ihn auch wieder gesehen, aber so richtig gut kam er nur im Kino.
Der Film war einfach klasse gemacht, die Tricktechnik und die Detailverliebtheit insbesondere. Cameron ist ein Perfektionist, er hat sich auch historisch genau an die Details gehalten. Die Liebesgeschichte ist dabei - ob dünn und platt oder nicht - das Salz in der Suppe, sie verbindet all das miteinander. Für mich persönlich kam der Film deshalb auch so gut, weil ich viel über den Untergang der Titanic gelesen habe und hier nun sehen konnte, wie jemand das so genau und gut umgesetzt hat.

Grüße von Paisley

graumauser
26.12.2001, 11:57
Es ist aber auch kein Qualitätskriterium für einen Film, ob er einen zum Weinen bringt. Als Bub habe ich mal bei einer Episode von "Bronco" geweint, weil es den Helden aufs Sterbebett schmetterte (von dem er sich alsbald wieder erhob).

Natürlich ist der Film nicht schlecht, er ist unter einigen Kriterien sogar hervorragend, und hat dafür ja auch zu Recht die Oscars bekommen. Ich für meinen Teil habe beim Sehen schon viel zu viel über den Film gewußt, vermute ich, um einfach naiv in die Geschichte eintauchen zu können.

Der Film wurde ja erst ein dreiviertel Jahr später fertiggestellt als geplant, und Hollywood hat das Interesse durch Stories und Trailer wachgehalten. Vielleicht liegt da das Problem.

g.

M aus S bei H an der L
26.12.2001, 16:00
Nun ja, wenn der Film es beabsichtigt, jemanden zum Weinen zu bringen, und er schafft das, dann muß er für diese Person gut sein (sprich wirken), weil er sie in seinen Bann gezogen hat. Schafft er das nicht, hat der Film versagt. Klar, eigentlich.

Selbstverständlich hat das nicht immer mit Tränen zu tun. Bei Starship Troopers kenne ich niemanden, der geweint hat. Aber das wollte der Film ja auch nicht.

Und natürlich können auch Serienfolgen gut und hervorragend sein. 'er', 'Ally McBeal' und 'Babylon 5' sind voll davon.

Von den Oscars halte ich mittlerweile aber überhaupt nichts mehr! Warum hat Kate Winslet für Titanic keinen Oscar bekommen? Ihre Darbietung war mindestens genauso gut wie Leos (beide habe ich übrigens in dem Film zum ersten Mal gesehen), aber sie hat sich irgendwie abfällig über irgendwen/was geäußert, und schwupps, wurde sie boykottiert. Trotzdem habe ich Jim Cameron die Oscars von Herzen gegönnt, sind damit doch alle Zweifler ein für allemal untergegangen.

Seit einiger Zeit trifft die Academy in Sachen Oscars nur noch politische Entscheidungen. Warum hat Independence Day den Spezialeffekt-Oscar bekommen und nicht Dragonheart? Bauklötzchentürme hat auch schon Ray Harryhausen einstürzen lassen, aber die Charakteranimation des Draco war unumstritten ein Meilenstein und Meisterstück. Nur war ID4 erfolgreicher. Das passiert seitdem bei allen objektiv zu beurteilenden Oscar-Kategorien.

Das mit dem Vorher-zuviel-Wissen kann einen Film in der Tat schlecht erscheinen lassen, weil man sich, so glaube ich, viel zu sehr ein eigenes Bild macht, und vom Film dann nur enttäuscht werden kann. Deswegen sehe ich mir nach Möglichkeit niemals Trailer oder Making-Ofs im Voraus an, obwohl es passieren kann, daß ich die Soundtrack-CD vorher kaufe.

...Mike

Paisley
26.12.2001, 22:36
Ich finde, auf den "Oscar" kann man sowieso wenig geben (bzw. immer weniger), das ist ähnlich wie beim Schlager-Grand-Prix.

graumauser
26.12.2001, 22:47
Ich weiß nicht, ob ich da zustimme. Unlängst habe ich mal eine Aufstellung der vergebenen Oscars von Anbeginn an gesehen. Die meisten Filme sagten mir was, etwa zwanzig Prozent kannte ich nicht.

So aus der Hüfte geschossen, würde ich sagen: ganz einverstanden.

Hat jemand eine solche - forumskompatible - Aufstellung? Kann er die mal hierherstellen, oder in einen neuen Strang? Paisley? M aus S? Ich bin zu müde, um noch zu googlen.

Grüße vom g.

M aus S bei H an der L
27.12.2001, 00:23
Es ist ja nicht so, daß die Oscars an Filme vergeben werden, die 'schlecht' sind. So weit ist es zum Glück noch nicht.
Ich meinte bloß, daß die Oscars immer mehr an die erfolgreichsten Filme vergeben werden, und nicht unbedingt an die, die sie verdienen. Klar, daß einem die erfolgreichen (= bekannten) Filme was sagen. Ich denke, da deutet sich ein Trend an.

Eine Oscar-Datenbank gibt's übrigens hier (http://www.oscars.org/awards_db/index.html). Leider ist die im Moment offline. Ineressant wäre nämlich eine zusätzliche Auflistung der Nominierungen...

...Mike