Vollständige Version anzeigen : Gute Romanvorlage - schlechter Film?
Ist er ein böser im Film? Dachte nicht, denn er rutscht eher rein in seine Rolle, kann sich von seiner Lüge nicht lösen, treibt sie vorwärts, da er angezogen ist vom Geruch des Andersseins. Viel Ahnlichkeit zu 'Amok' von Carree. Der Film ist natürlich nicht gut, da zusehr Reißbrettartig, er hat nur den Sprung von der Vorlage geschafft, eigene Elemente eingebaut, die funktionieren (Jazzleidenschaft zum präsentieren von Jugde Law, prägnante Vorgeschichte, Freddy Geschichte war konzise verändert). Sympathisierte auch eher mit Matt Damon, obwohl ich sein Gesicht nicht sehen kann, als mit Judge Law. Anyway.
marie battisti
14.10.2001, 03:50
vielleicht war 'böse' das falsche wort, er wird zu einem opfer seiner geschichte und herkunft, man sympathisiert mit ihm höchstens aus mitleid, highsmiths ripley ist ein strahlender glamouröser held, der trotz seiner furchtbaren verbrechen die herzen gewinnt.
es gibt noch eine verfilmung mit alan delon, am schluss des filmes wird delon/ripley verhaftet, die moral damals verbot es dem fimmacher den helden davonkommen zu lassen.
(Beitrag wurde von marie battisti am 14.10.2001 um 01:53 Uhr bearbeitet.)
Er gewinnt die Herzen, das ist merkwürdig. In Ripley Underground wirkte er kahl, seelenlos, lustlos, genervt. Eingestrickt in Schwierigkeiten, die er nicht wollte. Für mich haben alle Patricia Highsmith Bücher diesen Glanz, dieses kalte, den fremdbestimmten Notwendigkeiten gehorchende.
James Dean Brown
14.10.2001, 06:11
Kleines Intermezzo: ich bin zum Kotzen gespannt auf Chris Cunningham's Verfilmung von William Gibson's 'Neuromancer'. Denke mir, wenn ein Regisseur es jemals schaffen könnte, das Buch, welches nicht nur mein, sondern das ganze virtuelle Leben verändert hat (ja, ich gebe es zu!), kongenial filmisch in nur 120 Minuten zu übersetzen, dann Cunningham - der Meister, den ich gerne schon viel früher gefunden hätte. Fürchte aber gleichermassen, es geht verdammt nochmal in die Hose, denn der Druck des kommerziellen Erfolges lastet zu stark auf dem Regisseur. Andererseits: Cunningham, da fehlen mir scheisse noch mal die Worte. Er wird es bringen! Ich setze 100:1, nehme jede Wette an, auch wenn ich meine verdammte Hemdensammlung dabei verliere und... ach was, ich setze meine Existenz auf's Spiel!
Chris Cunningham sagt mir als Regisseur nichts. Gar nichts. Ist das jetzt schlimm?
Es ist ein stetes Unbehagen, geht man in Filme, die ein Buch verfilmen. Man erwartet das Buch, welches im Kopf entstand neu auf der Leinwand zu sehen. Dies muß natürlich mißlingen, da kein Film den Inhalt 1:1 darstellen kann, vielmehr fällt vieles unter den Tisch, weswegen man sich unbefriedigt, betrogen fühlt. Dies und das war doch noch in dem Buch, welches unerwähnt bleibt.
Mein Rezept gegen diese Haltung. Den Film unabhängig von dem Buch sehen, als eigenständigen Versuch. Als Resultat bleibt, daß sich anscheinend zweitklassige Literatur besser verfilmen läßt als erstklassige. Ripleys Game war gut, da er erheblich von der Vorlage abwich, das Drehbuch zu Gunsten der Kinomöglichkeiten korregierte. Es gibt eine unbekannte Verfilmung von Dostojewskiks 'Eine Dumme Geschichte', die eindrucksvoller ist als das Original. Paradebeispiel 'Der Dritte Mann'.
Weitere Beispiele (auch Negativbeispiele) und die Beantwortung der Frage, wie eine Vorlage kinogerecht umgesetzt werden kann bitte hierher.
marie battisti
14.10.2001, 14:58
lp, das erste mal mit dir nicht einer meinung: für jemanden, der tom ripley liebt wie ich, war der film nicht gut, der regisseur psychologisiert den ripely zu einem bösen, das interessante an dieser verbrechergestalt ist doch gerade, dass man ihr sympathisiert.
marie battisti
14.10.2001, 17:14
ja eben, alle ihre bücher haben diesen glanz (das schlimmste ediths tagebuch), nur die ripley-serie nicht, ripely ist der stern, der in dieser kälte warm leuchtet, obwohl er der schlimmste hinterhältigste verbrecher von allen ist, er ist eine durch und durch ästhetisch konstruierte figur von der art wie er whiskey trinkt bis zu seinen gedanken im kopf und ich finde es eben faszinierend, dass hier die gut/böse kategorien durcheinandergewirbelt werden, schönheit frisst moral, im krimigenre zum damaligen zeitpunkt schon eher ungewöhnlich wenn nicht gar revolutionär. deshalb fand ich auch, der film habe das buch ganz falsch verstanden, er hat nur den plot übernommen und das eigentlich erstaunliche weggelassen, psychothriller-plots wie diesen gibt es ja viele
James Dean Brown
14.10.2001, 19:13
Chris Cunningham ist bisher als Regisseur für Werbe- und Musik-Video Clips in Erscheinung getreten und hat das Genre, äh, revolutioniert, z.B. mit folgenden Werken:
Aphex Twin - Come to Daddy (urbanes post-Chrome Horrorpunk-Szenario)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/526.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/526.html</A>
Aphex Twin - Windowlicker (Homies und Aphex-Transenclones im Michael Jackson Rip-off)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/522.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/522.html</A>
Autechre - Second Bad Vilbel (Alien-Maschinerie)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/529.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/529.html</A>
Björk - All is Full of Love (Björk als autoerotischer Roboter)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/521.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/521.html</A>
Leftfield - Afrika Shox (zerbrechlicher Protagonist)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/520.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/520.html</A>
Madonna - Frozen
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/525.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/525.html</A>
Portishead - Only You
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/524.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/524.html</A>
Squarepusher - Come on my Selector (kleines japanisches Mädchen foppt zwei dicke japanische Wärter in einem japanischen Irrenhaus-Kuckucknest)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/523.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/523.html</A>
Sony Playstation - Wealth (Alienmädel)
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/531.html' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/531.html</A>
Holla, gucke da:
'Cunningham, age 16, designed monsters for Clive Barker's Nightbreed. He also worked with David Fincher on Alien3, illustrated at British comic 2000 AD (under the name Chris Halls), sculpted Sylvester Stallone's Judge Dredd costume in 1995, and worked for 1.5 years with the late Stanley Kubrick on his on-off sci-fi project A.I.'
<A HREF='http://www.director-file.com/cunningham/' TARGET=_blank>http://www.director-file.com/cunningham/</A>
elpenor, sei gegrüßt! dass du die dumme geschichte kennst,läßt mich aufhorchen. im suchen-forum habe ich mal nach diesem film gefragt, da ich ihn vor ewigkeiten bei arte sah und schwer entzückt war.
ein bekannter hat für mich daraufhin recherchiert und festgestellt, dass der film 'eine böse anekdote' heißt, lange im giftschrank lag und nicht so schnell wieder aufgeführt wird, da die rechte unklar sind.
jedoch möchte ich behaupten: die original-geschichte ist auch wunderbar, aber dass sie so spektakulär lustig ist, wurde mir erst durch den film klar, in dem übrigens sehr viele kleine zitat-fetzen aus anderen dostojewsky bestsellern verwendet werden, vor allen in den gesprächen bei tisch.
(Beitrag wurde von ingwer am 14.10.2001 um 12:58 Uhr bearbeitet.)
Walter Schmidtchen
15.10.2001, 02:12
Chris Cunningham macht Videos, dieses eine sensationelle zB mit Aphex Twin 'Come to daddy', eines der besten Videos aller Zeiten, keine Frage, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das nichts wird, genauso ein Scheissdreck wie Kids (ein Fotograf dreht einen 'kontroversen' Film)
Ein Film, dessen Bildersprache sehr nah an meine eigenen Vorstellungen herankam war 'Der Prozess', eine Kafkaverfimung mit Orson Wells, Anthony Perkins & Romy Schneider. In kalten Grautoenen gehalten vermittelte nahezu jede Szene recht genau die Bedrueckung, Abscheu und Angst, die ich beim erstmaligen Lesen des Buches empfunden hatte.
ich verehre chris cunningham sehr, sehr. den neuromancer macht der mit links.
Cat woman
15.10.2001, 22:29
Eine nahezu symbiotische Romanvorlagenverfilmung ist (1983, glaube ich) Herrn Fechner mit 'Tadellöser & Wolff von Walter Kempowski gelungen. Man weiß gar nicht, was besser ist- Vorlage oder Film. Das liegt natürlich auch an der grandiosen Auswahl der Protagonisten, sogar der unsägliche Martin Semmelrogge (der Ben Becker der 80er) ist da vortrefflich aufgehoben. Zum heulen schön: Edda'wieissesnumöchlich'Seippel.
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Du kannst es nicht ahnen,
du munteres Rehlein, du!
Der Prozess, seid Jahren nehme ich mir vor in ihn zu gehen. Sowohl Anthony Perkins als auch Orson Wells sind für die Rolle des Herrn K. prädestiniert, tippe aber, dass sie Wells übernommen hat. Es muss für ihn ein ähnlicher Lebensraum gewesen sein, wie Othello zu spielen. Anbei die besten Shakespeareverfilmung, die ich kenne, da sie sehr nahe an den begrenzten Möglichkeiten des Theaters ist, ohne dass der Zuschauer das Gefühl hat lediglich eine Verfilfmung eines Theaterstücks zu sehen. Gänzlich unbefriedigend waren hingegen die wattierten Kenneth Branagh Verfilmungen.
Orson Wells hat die Rolle im 3. Mann während der Dreharbeiten zu Othello nur übernommen, um Geld für sein Projekt aufzutreiben, dabei gehört seine Darstellung im 3. Mann zu seinen besten Rollen. Unvergleichlich, wie er in der Szene im Prater zwischen Getriebenheit, versuchter alten freundschaftlichen Wärme und schlagartiger Brutalität wechselt.
Ingwer, wir reden tatsächlich über den selben Film, habe nochmal Deine ursprüngliche Such-Anzeige gelesen. Diese Komik habe ich noch in Erinnerung, es gibt eine Erzählung von Dostojewski, die einen ähnlichen noch reduzierteren fast Slapstickartigen Humor erzeugt: Der fremde Mann unter dem Ehebett (oder so ähnlich, Titel gerade nicht parat). Die Verfilmung Kaursimäkis von Schuld und Sühne interessierte mich mal. Geradezu bizzar ist eine Verfilmung von den Brüdern Karamasoff mit Yul Brynner, bei der durch eine seltsame Wendung urplötzlich ein Happy End herbeigezaubert wird.
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